Täglich wird der Mensch mit Tausenden von Informationen überschüttet. Vieles davon ist unwichtig. Anderes sollten wir nicht nur aufnehmen, sondern auch verstehen. Ein Medium, das uns in diesem Sinne weiterhelfen kann, ist ein Infographic Movie. Ein gelungenes Beispiel ist der letzte Jahresbericht der Migros. Hitch Eggenberger hat für die Bilanzmedienkonferenz der Migros erstmals einen zweiminütigen animierten Film mit den wichtigsten Geschäftszahlen realisiert. Eine Kompaktversion des Geschäftsberichtes sozusagen.
«Für Unternehmen, die komplexe und abstrakte Informationen zu vermitteln haben, ist ein Infographic- Movie eine interessante Alternative», ist Eggenberger überzeugt. Ein wichtiger Vorteil solcher Filme: Der Aufwand für den User ist minimal. «User sind faul. Ein einziger Klick auf den Play-Button genügt und die Geschichte geht los. Wir alle lieben gute Geschichten und wir vergessen sie auch nicht so schnell wieder. So bleiben auch die Informationen, welche in die Geschichte eingebettet werden, besser im Gedächtnis haften», ist der «Verdichter» überzeugt. Seit zwei Jahren bietet Hitch Eggenberger mit seinem Start-up Hitch Design in Erlenbach einen solchen Service an. Seit bald zehn Jahren hat er sich kontinuierlich in diese Richtung spezialisiert.
Hitch Eggenberger ist im Rheintal aufgewachsen. Bereits in der vierten Klasse meinten die Lehrer: «Aus Hitch wird einmal ein Künstler.» Weil auch er davon überzeugt war, suchte er sich eine passende Ausbildung. Eine Lehre als Flachmaler schien ihm damals eine «ideale Grundlage», allerdings in einer Firma, die bereits spezialisiert war «in die dekorative Richtung». Später wechselte er in eine richtige Dekorationsmalerei und von dort war es nicht mehr weit bis zum Vorkurs an der ZHdK in Zürich. Hitch Eggenberger, der bis jetzt noch Bilder malen wollte, entdeckte während des Studiums der visuellen Kommunikation seine Faszination für das Informations-Design. «Das wurde zu meiner Weichenstellung. »
Gewinner beim Adobe-Wettbewerb
Während der vier Jahre intensiver Beschäftigung im Bereich Informations-Design in Zürich ergab sich die Chance für ein Austauschsemester in den USA. Es folgte ein achtmonatiger Aufenthalt an der SAIC in Chicago. In dieser Zeitspanne beteiligte sich Eggenberger auch an den Adobe-Design-Achivement Awards und schaffte es zur Silbermedaille. Für die Siegerehrung wurden die Finalisten nach San Fran- cisco eingeladen. «Das war der Startpunkt für die Zusammenarbeit mit Adobe.» Der junge Schweizer bekam den Auftrag, zusammen mit einem internationalen, jungen Team das komplette Corporate Design für den nächsten Wettbewerb im Jahr 2008 zu gestalten, und ist auch heute noch in der Jury für den internationalen Wettbewerb tätig. Mit bekannten Designern aus der ganzen Welt darf er im Pre Selection Panel mithelfen, die jährlich fast 5000 Arbeiten zu bewerten. «Da sieht und lernt man sehr viel.» Man bekommt auch mit, welche neuen Einflüsse von den «Jungen» kommen, lacht der bereits «arrivierte » Jungunternehmer.
Nach dem Erfolg in Chicago wollte Eggenberger noch mehr von der Welt sehen und landete für ein Praktikum im chinesischen Guangzhou. Zurück in Helvetien begann Eggenberger seine Arbeit bei den Zürcher Musqueteers.
Die Kunst des Verschachtelns
In dieser Phase gelangte er in seinem Schaffen immer wieder an seine Grenzen. Wie sollen die immer grösser werdenden Informationsmengen verständlich auf eine Fläche projiziert werden? Eggenberger suchte nach Möglichkeiten, wie er Informationen verschachteln kann, «damit ich nicht alles gleichzeitig zeigen muss». Über diese Problemstellung ist er auf die Animation und schliesslich auf die animierten Informationsfilme gekommen. «Hier kann ich Informationen verschachteln und muss nicht immer alles auf einmal zeigen. Ich kann den Betrachter Schritt für Schritt durch die Informationen führen und somit komplexe Sachverhalte verständlich vermitteln. »
Während seines noch angehängten Master-Studiums an der Hochschule Luzern hat sich Eggenberger fast zwei Jahre «intensiv mit solchen Filmen auseinandergesetzt». Er initiierte den Begriff «Infographic Movie» und hat aus den Recherchen und Analysen eine Masterarbeit über diese Filme geschrieben. Weil er vom grossen Potenzial dieses Mediums überzeugt war, hat er sich sofort nach der Schule selbständig gemacht.
Die ersten zwei Projekte realisierte er im Auftrag der Agentur Identica AG. Nach dem Migros-Projekt folgte ein Film für die Swisscom – und mit diesen beiden Referenzen geht es seither stetig weiter. Als sein eigenes Unternehmensziel sieht Hitch Eggenberger vorerst keine grössere Firma. Sicher ist, er möchte voll auf Spezialisierung setzen und im Bereich der animierten Informationsfilme zu einer «ersten Adresse» werden. Auch für internationale Kunden aus der Schweiz heraus arbeiten zu können, ist ein grosses Ziel. Bereits haben ihn die United Nations aus New York angefragt. Für die kürzliche United Nations Conference in Rio sollte er einen Informationsfilm realisieren. Eggenberger schaffte es mit seinem Konzept in die engste Auswahl, und schliesslich auf den zweiten Platz. Aber Rio wird ja sicher nicht als die letzte UNO-Konferenz in die Geschichte der Infographic-Movies eingehen. Andreas Panzeri