Schweizer Medien-Kongress 2012

An der Mitgliederversammlung von Schweizer Medien hat Hanspeter Lebrument den Bundesratsentscheid zur Aufrechterhaltung des Online-Werbeverbots in der Radio- und Fernsehkonzession begrüsst. Neu im Präsidium ist Filippo Leutenegger.

Mit der Aufrechterhaltung des Online-Werbeverbots wird das bestehende Gleichgewicht in der schweizerischen Medienlandschaft zwischen den privaten Medienanbietern und der gebührenfinanzierten SRG weitgehend gewahrt, so der Präsident von Schweizer Medien zum Entscheid des Bundesrates. Filippo Leutenegger wurde neu ins Präsidium gewählt. Dem zurücktretenden Filippo Lombardi sprachen Präsidium und Mitglieder ihren Dank für seinen grossen Einsatz im Verlegerverband aus. Er wird weiterhin als Mitglied dem Verband angehören.

Die Verbandsleitung zeigte sich auch finanziell in solidem Zustand. Für die Rechnung 2011 konnte ein Gewinn von 11 316.36 Franken ausgewiesen werden (inklusive Finanzerträge und nach Abzug der Rückstellungen für laufende Projekte 2012). Der gegenüber dem Vorjahr geringere Ertrag widerspiegle die Situation bei den Printmedien, da die Mitgliederbeiträge auf den Auflagezahlen basieren und diese auch im laufenden Geschäftsjahr abgenommen haben, heisst es in einer Mitteilung des Verbandes. Bei den laufenden medienpolitischen Geschäften stehe gegenwärtig vor allem die Revision der Postgesetzverordnung im Zentrum. Als wesentliches Dossier auf der Traktan- denliste des Verbandes steht weiter die Revision der Mehrwertsteuer. Bei dieser bestehe für die Mediennutzer die Gefahr einer Mehrbelastung durch einen höheren Steuersatz, so der Verband weiter.

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Kopf der Woche: Der Direkte

Andreas Mädler wollte Kreativverantwortung übernehmen, die Crossmedia-Agentur Noise kreativ vorwärts kommen. Seit Juli spannen der Creative Director und die technikaffine Agentur zusammen.

Andreas Mädlers neuer Arbeitsplatz befindet sich in einem Altbau, der auch ein Wohnhaus sein könnte. Lediglich ein paar Firmennamen an der Sonnerie verraten, dass hier in erster Linie nicht gewohnt, sondern gearbeitet wird. Stufen, die beim Betreten ein Geräusch von sich geben, und ein hölzernes Treppengeländer, das sich elegant um die Ecken schwingt, führen ins zweitoberste Geschoss. Hier, in einer Wohnung mit Parkettboden und hellen Räumen, die jeweils Platz für zwei bis vier Arbeitsplätze bieten, ist Noise beheimatet.

Eine alte Wohnung für ein modernes Unternehmen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2001 setzt die Crossmedia-Agentur auf Technologie und ein Team, das zur einen Hälfte aus Beratern und Kreativen, zur anderen aus Programmierern und Online-Spezialisten besteht. Währen Noise seine Online- Kompetenz stetig ausgebaut hat, soll nun auch der kreative Ansatz gestärkt werden. Für Letzteres haben die Inhaber Patrik Leuenberger und Christian Frey diesen Sommer Andreas Mädler als Creative Director an Bord geholt. Seine Aufgabe ist es, die technikaffine Agentur kreativ vorwärts zu bringen.

Was aber hat Mädler, der bei Branchengrössen wie Springer & Jacoby in Hamburg, später bei Krieg Schlupp Bürge KSB und bis vor kurzem bei JWT/ Fabrikant in Zürich gearbeitet hat, zur überschaubaren Crossmedia-Agentur gebracht? «Es war ein bewusster Entscheid, zu einer kleineren Agentur zu wechseln», erklärt Mädler. Bislang hatte er als CD immer Leute um oder über sich. Viele Entscheidungen mussten im Konsens getroffen oder von Vorgesetzten abgesegnet werden. Bei Noise zeichnet er nun alleine für den kreativen Output verantwortlich. «Hier ist die Gelegenheit, mich zu beweisen. Ich wollte schauen, wie viel ich bewirken kann.» Ein 14-köpfiges Team steht ihm dabei zur Seite. «Wir sind nicht so breit aufgestellt, aber ich habe bei Noise alles, was ich brauche.»

Ausprobiert, wie weit er alleine kommt, hat Mädler bereits als Freelancer. Eine Zeit, in der er verschiedene Agenturen und Abläufe kennen lernte. Gleichzeitig sehnte er sich nach so etwas wie «einem Familienzugehörigkeitsgefühl», danach, wieder ein fester Bestandteil eines Teams zu sein. Dass er als Freelancer bei vielen Abläufen und Entscheidungen aussen vor blieb, bedauerte er. Und noch etwas vermisste er als Freelancer: das Vergnügen, bei der Umsetzung der Ideen dabei zu sein. Bei seiner Entscheidung im Frühling dieses Jahres, JWT/Fabrikant zu verlassen, war deshalb klar, dass er wieder Teil eines Agenturteams sein wollte. Dennoch: Weshalb schon wieder etwas Neues? Schliesslich war Mädler erst seit einem Jahr bei JWT/Fabrikant. «Das hat einfach nicht so gut gepasst», erklärt er. Seine Zeit beim letzten Arbeitgeber ist ein Thema, das er lieber ausspart. «Wir sind im Guten auseinandergegangen.»

Klar und eindeutig Auf seine Wortwahl achtet Mädler penibel. Eigentlich läuft es ihm jedoch zuwider, sich diplomatisch auszudrücken. Der Norddeutsche nimmt nicht gerne ein Blatt vor den Mund. «Die Hamburger Ausdrucksweise ist halt schon recht direkt, was in der Regel überhaupt nicht böse gemeint, für Schweizer Ohren zum Teil aber sicherlich arg hart ist.» Zu welchem Teil seine Direktheit auf die Herkunft zurückzuführen ist und zu welchem Teil auf seine Persönlichkeit, ist allerdings schwierig zu sagen. Auch persönlich mag es Mädler nicht, sich verbiegen zu müssen. Er ist ein Fan der klaren Worte. Zumeist wählt er nun den goldenen Mittelweg: «Zu sehr um den heissen Brei herum reden, kann ich nicht. Die ganz direkten Aussagen verkneife ich mir trotzdem. Ich will niemandem auf den Schlips treten.» Wird’s dennoch mal laut, hat Mädler kein Problem damit.

Nur hat der Kreative das «dicke Fell», das er sich während seiner Zeit bei Springer & Jacoby zugelegt hat, seit seinem Umzug in die Schweiz weniger nötig. Dass hier in der Regel ein milderes Klima herrscht als bei der Hamburger Werbeagentur, wurde ihm bereits bei seinem Einstieg bei KSB vor sieben Jahren klar. Für seine erste interne Präsentation hatte er 15 Ideen im Köcher – obwohl er wusste, dass die Hälfte nichts taugte. Einfach, «um etwas Kanonenfutter zu haben». Denn so hatte er es bei Springer & Jacoby gelernt. Alle Ideen waren «grundsätzlich zuerst mal scheisse» und wurden einem «um die Ohren gehauen». Wer mit massenhaft Ideen auftrumpfte, war klar im Vorteil. Nicht so bei der Zürcher Agentur. Mädler war perplex, als auch die schlechten Ideen – wohl aus Höflichkeit, wie er sich dies erklärt – diskutiert wurden. Bis er schliesslich meinte: «Komm, hau weg den Rotz.» Sofort sind seine Worte mit einem Lächeln entschärft.

Direkt und klar – dennoch frech und lustig, so mag Mädler auch den kreativen Output. Werbung soll verständlich und informativ sein. Gleichwohl sei es schade, wenn der Unterhaltungsaspekt verloren gehe. «Ich lache ganz gerne.» Mit «Schenkelklopfern » weiss er jedoch nichts anzufangen. Mädler liegt eher der trockene Humor. Nüchtern und «sophisticated » muss es sein. Dies hat der Kreative bei KSB unter anderem mit TV-Spots für Coop gezeigt. Oder mit Anzeigen für VW, die dramatisierten, wie’s ohne Allrad aussieht: Während die Headline Aussicht auf eine Berglandschaft verspricht, steckt der Autofahrer in der Tunnelröhre fest.

Kreation und Innovation Seine kreativen Ansprüche will Mädler nun bei Noise durchsetzen. Von der Jagd-auf-Kreativpreise- Kultur, die er unter anderem bei Springer & Jacoby kennengelernt hat, ist bei der Crossmedia-Agentur allerdings wenig zu spüren. Traurig ist er darüber nicht. «Ich war noch nie ein Fan von Gold-Ideen. Awards sind toll. Aber es ist doch viel geiler, wenn sie auf einem realen Briefing entstehen.» Spannender als «eine Anzeige für den Hundesalon um die Ecke zu kreieren» findet er es, längerfristig für einen Kunden zu arbeiten. Das Profil einer Marke zu schärfen oder das Image zu verändern. Wie beispielsweise während seiner Zeit in Hamburg, als es darum ging, die Marke Mercedes zu verjüngen, sie vom Image des Altherrenautos zu befreien.

Obwohl er sich nicht als «grossen Trophäensammler» bezeichnet, stehen bei Mädler einige Awards im Schrank. Vorzuweisen hat er unter anderen Würfel vom ADC Deutschland und ADC Schweiz sowie Löwen und Shortlist-Platzierungen in Cannes. Geht es bei Noise in erster Linie nicht um Kreativpreise, so will Mädler vorderhand erreichen, dass die Agentur bei Kunden «im Kopf etwas nach vorne rutscht». «Andreas‘ Präsenz hat schon einen spürbaren Effekt», meint Inhaber Leuenberger. «Das Team ist sensibilisiert und weiss, dass die Messlatte punkto Kreation nun höher liegt.» Umgekehrt will Mädler vom technologischen Wissen und der Zusammenarbeit im crossfunktionalen Team profitieren. Er freut sich darauf, sich mit Personen aus verschiedenen Richtungen auszutauschen: «Die Schnittstelle ist das Spannende.» Ideen für die Kunden der Crossmedia-Agentur hält Mädler schon einige bereit. Für Amplifon, ein auf Hörlösungen spezialisiertes Unternehmen, könnte er sich zum Beispiel vorstellen, die Kommunikation noch stärker auf Kanälen abzuhandeln, bei denen das Gehör eine wichtige Rolle spielt. Oder die Segmente der Crossmedia-Kampagne von Post-it zukünftig noch besser zu vernetzen, das heisst eine klarere Zuordnung zwischen Verbrauchern und Büroangestellten zu schaffen.

Ein Umstand, den die aktuelle Kampagne noch etwas vernachlässige. Vom technischen Know-how seiner Arbeitskollegen kann Mädler dabei nur profitieren. Durch die Online-Spezialisten erhofft sich der Kreative, auf neue Formen der Mediennutzung aufmerksam zu werden. Die Nähe zur Technik soll aber auch die Tür öffnen für eigene Erfindungen. Dass es im Trend liegt, für Werbekampagnen Produkte zu entwickeln, hatte Mädler dieses Jahr als Juror der Kategorie «Promo & Activation» in Cannes beobachtet. Gefreut hat sich der Kreative zum Beispiel über die Aktion der Deutschen Aids-Stiftung, für die eine Maschine konstruiert wurde, die mit Helium gefüllte Schaumkreuze ausspuckt. Hinter Plakatwänden platziert, stiegen die Kreuze in die Luft und lenkten die Aufmerksamkeit der Passanten auf die Werbeaktion. Begeistert war Mädler auch von der Idee eines arabischen Pizza-Lieferservices, der für treue Kunden einen Buzzer produzieren liess. Die Idee: Bei einer «pizza emergency» braucht der Hungrige lediglich auf den Knopf zu drücken – und schon wird ihm seine Lieblingspizza nach Hause geliefert. Anrufen war gestern!

«Es geht darum, die Kunden reinzuziehen», so Mädler. «Jede Idee, die ein emotionales Erlebnis bewirkt, ist besser als eine, die das nicht tut.» Weshalb also keine neuen Produkte erfinden, um Ideen erlebbar zu machen? Bei Noise hat der Kreative schliesslich die richtigen Experten an seiner Seite.

Isabel Imper

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Scheidung – was passiert mit dem Geschäft?

Der Ehepartner kann im schlimmsten Fall die Hälfte des Geschäftsvermögens beanspruchen. Doch die wenigsten Unternehmer haben dafür genügend flüssige Mittel. Verheiratete sollten deshalb unbedingt vorsorgen. Von Karin von Flüe, lic. iur., Rechtsanwältin, Rechtsberaterin und Redaktorin im Beobachter-Beratungszentrum.

Die vom Gesetz vorgesehenen Standardregeln der Errungenschaftsbeteiligung sehen vor, dass beide Ehepaare am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Ehe beteiligt sind. Dies gilt unabhängig von ihrer Aufgabenteilung. Bei einer Scheidung wird dann manchmal knallhart abgerechnet. Dabei wird das Vermögen jedes Ehegatten in zwei Vermögensmassen eingeteilt: das Eigengut und die Errungenschaft. Sein Eigengut darf jeder Ehegatte behalten. Das sind zur Hauptsache die Vermögenswerte, die er schon vor der Heirat hatte sowie die während der Ehe erhaltenen Erbschaften oder Schenkungen. Zur Errungenschaft gehört das während der Ehe aus Einkommen und Vermögensertrag entstandene Vermögen. Es wird hälftig unter den Ehegatten geteilt. Für die meisten Eheleute passt diese Lösung gut. Unternehmer hingegen müssen aufpassen. Haben sie ihr Geschäft während der Ehe aufgebaut, hat es dank ihrer Tüchtigkeit nach der Heirat an Wert zugelegt und/oder wurde der Gewinn im Geschäft belassen, kann sein Ehegatte bei der Scheidung die Auszahlung der Hälfte dieser Errungenschaft beanspruchen. Im schlimmsten Fall bedeutet das den Ruin. Um das eigene Geschäft im Hinblick auf eine allfällige Scheidung zu schützen, bieten sich im Wesentlichen zwei Möglichkeiten an. Die einfachste ist ein Ehevertrag auf Gütertrennung. Bei der Gütertrennung gibt es keine Errungenschaft und demzufolge auch keinen Anspruch am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmers. Diese Lösung passt gut, wenn beide Eheleute wirtschaftlich voneinander unabhängig sind.

Bei der zweiten Variante behält das Ehepaar den Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung bei. Mann und Frau schliessen aber in einem Ehevertrag das Berufs- oder Gewerbevermögen von der Errungenschaft aus. So kann beispielsweise der Inhaber einer PR-Agentur erreichen, dass sein in der Agentur investiertes Vermögen als sein Eigengut gilt. Im Ehevertrag können die Eheleute dafür einen Ausgleich vorsehen. So lässt sich verhindern, dass eine Hausfrau und Mutter, die kein eigenes Vermögen zur Seite legen konnte, leer ausgeht. Die Eheleute könnten zum Beispiel abmachen, dass die Ehefrau von der übrigen Errungenschaft wie dem Sparguthaben oder der Liegenschaft alles oder einen höheren Anteil erhält.

Den Ehevertrag können Sie vor oder jederzeit auch nach der Heirat abschliessen. Dabei ist es auch möglich, die neuen Regeln rückwirkend auf das Heiratsdatum zu vereinbaren. Der Ehevertrag ist öffentlich zu beurkunden. Dafür ist in den meisten Kantonen die Notarin/der Notar zuständig. Deren Dienstleistung umfasst auch eine vorgängige Beratung sowie das Aufsetzen des Vertragsinhaltes. Ein einmal geschlossener Ehevertrag kann von den Ehegatten im gegenseitigen Einverständnis jederzeit wieder aufgehoben oder abgeändert werden. Erforderlich ist dazu wiederum eine öffentliche Beurkundung.

Buchtipp
Ich mache mich selbständig. Von der Geschäftsidee zur erfolgreichen Firmengründung
Dieser Bestseller weist den Weg in die erfolgreiche Selbständigkeit. Leicht verständlich und mit fundierten Insidertipps erklärt das Buch alles, was Firmengründer wissen müssen.
352 Seiten, Fr. 68.–. 12. Auflage, 2011. ISBN 978-3-85569-454-9. Beobachter-Buchverlag
 

Maxomedia: Facebook-App ermittelt Finanz-Typ

Sind Sie der smarte asiatische Typ? Der kühne nordische Typ? Oder vielleicht doch eher der raffinierte Ölhändler? Mit der neuen Facebook-App, die Maxomedia für Swissquote entwickelt hat, lässt sich der eigene Forex-Typ ganz leicht herausfinden.

Einfach den «Forex Type Finder» auf Facebook besuchen und ein Porträt hochladen. Sogleich werden die Gesichtszüge analysiert, bewertet und der Forex Typ mit Accessoires präsentiert. Verpasst einem das Fun-Tool etwa einen Wikinger-Helm, sollte man am besten in Kronen investieren. Und wenn einem plötzlich Indianerschmuck ums Gesicht weht, könnte es der «selbstbewusste amerikanische Typ» einmal mit Dollars versuchen.

Insgesamt zehn verschiedene Anlage-Typen kennt die App. Mit dem neuen Tool will Maxomedia Swissquote-Kunden und Social-Network-User spielerisch auf das neue Angebot der Online-Bank aufmerksam machen: Wer ein eForex Konto für Devisen, Edelmetalle, Rohstoffe und Aktienindizes mit einem Mindestguthaben von 1‘000 Dollar eröffnet, erhält 100 Dollar Trading Cash geschenkt. Neben der App hat Maxomedia eine Landingpage mit den wichtigsten Infos zum Angebot entwickelt und realisiert und Banner auf zielgruppenrelevanten Websites geschaltet.
 

Der Motz von Butz: Bilder als Rätsel

Bilder werden vom Leser interpretiert, aber leider oft so, dass sie das Gegenteil aussagen. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]

Mir ist in der NZZ ein Inserat der Bank Pictet aufgestossen, das mich am Geisteszustand der Bankverantwortlichen zweifeln lässt. Erst war ich der Ansicht, das Inserat sage ja eigentlich gar nichts aus. Und je genauer ich es betrachtet habe, desto deutlicher wurde die Falschaussage.

Die Headline sagt mir, dass die Selektion von Hedge Funds auch nach 20 Jahren nicht einfach ein Routine-Job sei. Mit anderen Worten: Vor jeder Auswahl eines Hedge Funds steht ein wohl überdachter Entscheidungsprozess. Genau das soll wohl auch mit dem schwarzweissen Fotosujet ausgedrückt werden. Ich stehe auf dem Treppenabsatz, und vor mir ragt scharfkantig die Treppenhausecke in den Raum, die mich zwingt, mich für einen Weg zu entscheiden, nach links oder rechts. Ich muss einen Entscheid treffen, weil ich nicht einfach stehen bleiben kann. Aber beide Entscheidungen wirken so negativ. Links geht’s abwärts, rechts ebenfalls. Links besteht noch die Möglichkeit, sich an einem Handlauf, bevor der Totalabsturz eintrifft, aufzufangen. Rechts ist ein Absturz vorprogrammiert, speziell bei nassem Wetter. Wie immer man sich bei Pictet-Funds entscheidet, es geht einfach immer runter. Da kommen mir Zweifel am Auftraggeber und seiner Agentur auf.

Meine Theorie: Je mehr ein Unternehmen Dienstleistungen und keine haptischen Produkte anbietet und bewirbt, je mehr greift es in die Symbolbildkiste. Treppen steigende Menschen werden im Moment von Finova Bank in einem Inserat verwendet. Die blaue Treppe führt ins Nichts, und die Tritthöhe beträgt etwa 80 cm. Auf einem Plakat empfiehlt die UBS einen Portfolio-Check. Abgebildet ist so ein amerikanischer «caution wet floor»-Steller, wo es ein Piktogramm- Männchen fürchterlich auf den Sack haut. Also Vorsicht vor der UBS. Es gibt noch endlose solche Bildbeispiele, die aber die beabsichtigte Aussage ins Gegenteil verdrehen. Zum Beispiel hatte Fiat das Image zu rosten. Um dieses Problem zu lösen, hat man damals in der Werbung zwei Ritmo auf eine Meerklippe gestellt: einen in der alten Machart und einen mit der neuen Antirostkarrosserie. Nach einem halben Jahr war der eine verrostet, der andere nicht. Das Resultat beim Konsumenten kehrte ins Gegenteil, weil Fiat wieder den Finger in ihre Wunde gelegt hat. Ritmo nannte man damals «Rost in Turin montiert.»

Wie flüchtig Werbung wahrgenommen wird, solltet Ihr Werber inzwischen gelernt haben. Keep it simple – kreativ, aber positiv. Die Antiraucher-Bildchen versuchen auch nicht zu zeigen, wie gesund und schön man wäre, wenn man nicht rauchen würde. Auf das wichtige Thema der Bildsprache werde ich in einem späteren Motz nochmals genauer eingehen. Mein Aufsteller ist, dass ich mir jetzt eine Cohiba Club – erlaubterweise auf meiner Terrasse – anzünde und geniesse.

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Hinter den 77 Gleisen

Zürich ist endgültig zur Weltstadt geworden. Wir haben jetzt eine Europaallee. Kommunikativ begleitet wird das Projekt von Meta Design. Die Brandingagentur für «Visible Strategies» hat die Marke der neuen Überbauung entwickelt.

Hamburg hat die Hafen-City, London seine Canary Wharf und Paris La Défense. Seit einer Woche ist jetzt auch Zürich in der Welt des stilbildenden Städte-Neubaus angekommen. Am letzten Donnerstag wurde hinter dem Zürcher Hauptbahnhof die Europaallee eröffnet. Meta Design, die Agentur für Branding und Corporate Identity, hat Markenstrategie, -auftritt und -kommunikation für das neue Prestigeobjekt der SBB entwickelt.

«Eine besondere Herausforderung war dabei, dass es sich nicht nur um die Kommunikation verschiedenster Angebote handelt, sondern vielmehr um die Marke Europaallee als Ganzes», meint André Stauffer, Creative Director von Meta Design. Aktuell sind in der Stadt Zürich die Plakate nicht zu übersehen, die mit einem massiven Aushang die Eröffnung der Europaallee bekannt machen.

Seit Dezember 2011 arbeitet Meta Design mit den SBB zusammen an diesem Projekt. Vorher hat die Zürcher Brandingagentur andere Aufgaben für die Dachmarke der Bahn gelöst. So hat sich die Anfrage ergeben: Für das grösste Arealentwicklungsprojekt der SBB in der Schweiz sollte eine Strategie zur Positionierung und Vermarktung der Marke Europaallee entwickelt werden.

Die SBB wollen damit ihre Immobilien auf dem Gelände der Grossüberbauung hinter der Sihlpost selber vermarkten. Insgesamt sind die SBB aktuell mit knapp 80 Entwicklungsprojekten in der ganzen Schweiz beschäftigt. Die Europaallee ist das grösste und soll hinsichtlich Markenstrategie als Referenzprojekt dienen.

Submarken als Hilfe zur Orientierung

Nach der Eröffnung des Baufelds A nach fast vier Jahren Bauzeit am 20. September werden in den kommenden acht Jahren noch sieben weitere Abschnitte der Europaallee in Betrieb genommen. 2013 zieht die UBS in das Gebäude hinter der bereits präsenten Pädagogischen Hochschule. 2015 bezieht die Sihlpost ein neues Gebäude weiter westlich. 2016 wird ein Designhotel eröffnet.

Im jetzt eröffneten Baufeld A befindet sich der Campus der Pädagogischen Hochschule, der mit dem diesjährigen Semesterbeginn bereits von 2500 Studenten genutzt wird. Für das allgemeine Publikum gibt es in der jetzt eröffneten Europaallee-Passage 15 Läden, vorwiegend aus dem Bereich Outdoor und Sport. Zu entdecken gibt es hier im Transa- Store zum Beispiel eine sieben Meter hohe transparente Kletterwand.

Für MetaDesign galt das Briefing, dass die Europaallee als Marke nicht direkt in Verbindung mit den SBB, sondern eigenständig wahrgenommen werden sollte. Der Name Europaallee war dabei bereits gesetzt. «Eine starke Dachmarke gewährleistet Synergien in der Entwicklung und Etablierung dieses ambitionierten und einzigartigen Projektes», erklärt Stratege Lukas Eiselin. Submarken wie die Europaallee-Passage werden dabei gezielt eingesetzt, um Besuchern und Bewohnern geografische Orientierung zu bieten und spezifische Themen zu besetzen. Mit der Eröffnung weiterer Baufelder werden gezielt zusätzliche Submarken eingeführt.

Bei der Entwicklung des Markenauftritts baute MetaDesign auf die Einzigartigkeit der vielfältigen Verbindungen, für die die Europaallee steht: z.B. die Verbindung der beiden verschiedenen Stadtteile Kreis 1 und Kreis 4. Aber auch innerhalb dieser Fläche findet sich alles Notwendige von Retail-Flächen über Ausbildung, Gastronomie, ein Hotel, Wohnungen und sogar eine Seniorenresidenz.

MetaDesign hat deshalb diesen städtischen «Mikrokosmos» in eine auch grafisch sichtbare «Klammer» gefasst, die diese Vielfalt vereint: zwei Striche, die gleichzeitig als grafisches Symbol für eine Allee wahrgenommen werden. «Die Doppelbaumreihe ist die grafische Form für Allee. In der Reduktion sind daraus zwei parallel verlaufende Linien geworden », verdeutlicht der für das Design zuständige André Stauffer. Für die Kommunikation der Eröffnung und des neuen Namens sind neben den zahlreichen Plakaten auch Hänger in den Zügen und Trams der Stadt Zürich sowie Inserate eingesetzt worden.

Andreas Panzeri

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Zur Sache: Bestiarium

Über Qualität in den Medien lässt sich an Branchentreffs und Diskussionspodien stundenlang debattieren. In welche Richtung das Gespräch geht, hängt stark von den Leuten ab, die die Debatte gerade führen.

Versuchen wir deshalb mal Ordnung in den Speakers Corner zu bringen. Grob unterteilen lässt er sich zuerst mal in Medienschaffende und Medienkonsumenten – wobei man bedenken muss, dass Medienschaffende auch immer Medienkonsumenten sind. Umgekehrt ist dem nicht so, mit Ausnahme der Gruppe von Leserbriefschreibern, Onlineleserkommentatoren und Leserreportern. Die treten zum Glück an Branchentreffs und Diskussionspodien nicht auf.

Konzentrieren wir uns also auf den Bereich der eigentlichen Medienschaffenden und beginnen ganz oben mit den Verlegern. Kein Verleger wird sagen, dass ihm die Qualität seiner Medien schnuppe ist. Er glaubt fest daran, dass die Qualität wichtig ist. Aber diese Qualität genau zu definieren schafft er oft nicht. Nichtsdestotrotz kann er diese vorzüglich an Branchentreffs und Diskussionspodien verteidigen. An zweiter Stelle folgen die CEOs – wobei man hier zwischen ehemaligen Journalisten und reinen Zahlenpickern unterscheiden muss. Die ehemaligen Journis unter den CEOs können das Schamgefühl, das sie ab und zu befällt, wenn sie der Realität ins Auge sehen, nicht immer ganz unterdrücken, die Zahlenpicker hingegen kennen kein solches: Gut ist, was billig ist und sich erst noch verkauft. Trotz nicht ganz deckungsgleicher Argumente können beide ihre Positionen an Branchentreffs und Diskussionspodien eloquent verteidigen.

Jetzt folgt das Heer der Chefredaktoren. Da tut sich eine breite Palette der Meinungen auf. Von rosarotem Zweckoptimismus bis hin zum schwärzesten Kulturpessimismus findet sich alles. Einig werden sie sich nie, doch ihr Auftreten an Branchentreffs und Diskussionspodien ist meistens amüsant. Oder aber sie kommen erst gar nicht wegen Zahnschmerzen.

Die nächste Gruppe ist die der ehemaligen Chefredaktoren. Diese sind zwar einige Zeit noch auf den Branchentreffs zu finden, aber selten mehr auf den Diskussionspodien. Das ist auch gut so, denn sie betreiben mediales Altersturnen: Artikel in Medienblogs, Kommentare auf Artikel in Medienblogs oder Gastbeiträge bei befreundeten Redaktionen. Leitthema: Früher war alles besser und überhaupt …

Kommen wir zur kleinen Gruppe der sogenannt professionellen Medienkritiker. Die sind zwar oft auf den Branchentreffs zu finden, aber nie auf den Diskussionspodien. Das führt dazu, dass sie ihren Unmut via Pausengespräche, Twitter, Facebook und Blogs kundtun müssen. Auch die universitären Medienforscher erhalten in dieser Gruppe Asyl. Ausserhalb will sowieso niemand auf sie hören.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]
 

Jung von Matt/Limmat und Eichhof stossen an

Nach einer Agentur-Evaluation hat sich Eichhof für Jung von Matt/Limmat entschieden. Die Kommunikationsagentur gewinnt den Marketingkommunikations-Etat der Innerschweizer Biermarke.

Im Mittelpunkt der neu entwickelten Kampagne stehen dabei die zahlreichen regionalen Engagements von Eichhof im Schwingen, Fussball, Eishockey sowie im Kulturbereich. Damit will die Biermarke ihre tiefe Verbundenheit mit der Innerschweiz unterstreichen, so die Agentur in einer Mitteilung. Erste Plakate und Anzeigen der neuen Kampagne sind in der Innerschweiz bereits zu sehen. Weitere Arbeiten folgen in den nächsten Tagen.
 

KSB: Wrestling für den Klimaschutz

Die Non-Profit Organisation Myclimate hat dutzendweise neue Klimaschutzprojekte in der Pipeline. Mit neuen Partnern und Unterstützern können sie umgesetzt werden. Deshalb geht Myclimate jetzt in die Offensive. Mit einem Kommunikationspaket von KSB.

«FIGHT CO2» heisst der neue, plakative Kampfruf von Myclimate. Zum Jubiläum inszenierte die Organisation den Kampf publikumswirksam als Live-Wrestling-Match zwischen zwei maskierten Kämpfern: Herausforderer Captain Climate gegen den langjährigen Dominator El Rey Loco2, «der dreckigsten Wrestler aller Zeiten».

Der erste Fight fand statt vor rund 300 Gästen an der Myclimate-Jubiläumsfeier auf dem Bundesplatz in Bern. Unter den Gästen: Topmodel und Myclimate-Botschafterin Nadine Strittmatter sowie internationale Prominenz aus Wirtschaft, Politik und NGO. Der grosse Publikums-Match ging letzten Samstag am Freestyle.ch in Zürich über die Hauptbühne. 30'000 Fans feierten den erneuten Triumph von Captain Climate über El Rey Loco2.

Trailer auf Facebook

Rund um die zentralen Fight-Events schnürte KSB ein Paket von Kommunikationsmassnahmen für das engere und breitere Zielpublikum. Der Trailer bildet das Kernstück der interaktiven Publikums-Plattform «Fight CO2» auf Facebook. Hier wird «Fight CO2angeheizt, begleitet und in den Klimaschutz-Kontext eingebettet. Der Foto/Kampfruf-Wettbewerb soll für Spass sorgen, während die Co2mpensate-Rechner zum Handeln aufrufen. Der ausserordentliche «10-Jahresbericht» erschien auf der Rückseite des Wrestling-Plakats, das Myclimate an ausgewählte Adressen verschickte. Weiter kam das Plakatmotiv auf eBoards und als Zeitungsinserate zum Einsatz.

Verantwortlich bei Myclimate: René Estermann (Geschäftsführer), Kathrin Dellantonio (Head of Sales, Marketing and Communication), Andrea Altorfer (Projektleitung). Verantwortlich bei KSB Krieg Schlupp Bürge: Daniel Krieg (CD), Beat Egger, Stefan Ganz (Konzept/Text), Rahel Witschi (Art Direction), Paco Alborghetti (Grafik), Julia Brun (Beratung). Illustration: Amadeus Waltenspühl. Verantwortlich bei Onfilm: Hans Kaufmann (Regie), Michael Saxer (Kamera/Schnitt), Michael Gloor (Producer). Verantwortlich bei Swiss Championship Wrestling: Pascal Signer (Präsident).
 

Das Ende der analogen Welt

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist «digital» alles das, was mit Computern zu tun. Aber was hat heute schon nicht mit Computern zu tun? Der Unterschied zwischen digitalen und analogen Geräten verschwimmt immer mehr. Wie sinnvoll ist es noch, von «digital» im Unterschied zu «analog» zu sprechen? Von Oliver Reichenstein, der als Informationsarchitekt in Tokio lebt und arbeitet.

Kaffeemaschinen sind mit grafischen Benutzerschnittstellen ausgerüstet, Autos sind Computer auf vier Rädern, Telefone sind Computer mit Fotound Fernsprechverbindungstechnologie. Mehr und mehr Produkte werden mit einem Chip ausgeliefert: Toaster, Schuhe und bald auch Brillen. Bücher werden auf Computern geschrieben, gesetzt gedruckt und vertrieben, Plattenspieler sind voll von Mikroelektronik, Häuser werden auf Computern entworfen. Alles ist heute bis zu einem gewissen Grade digital. Der Unterschied zwischen digital und analog ist nicht mehr klar, er ist graduell.

Digital wird natürlich

Je weiter sich die digitale Technologie entwickelt, desto natürlicher wirkt das Digitale. Niemand denkt beim Druck auf den Espressoknopf daran, dass er damit einen Computer bedient, iPad und Kindle haben die durchschnittliche Drucksache technisch schon überholt (bei der typografischen Umsetzung hapert es noch). Der hörbare Qualitätsunterschied zwischen CD und LP ist wissenschaftlich weit weniger als klar.
Während es immer schwieriger wird, einen Unterschied zwischen digital und analog in der Benutzerwahrnehmung festzumachen, tritt er in der Handhabung deutlich hervor. Platten muss man wenden, putzen, sorgfältig versorgen, CDs nicht. Den Kaffeekocher schraubt man auf, füllt man ein, die Kaffeemaschine bedient man per Knopfdruck. In Büchern blättert man, auf dem iPad wischt, streicht und tappt man. Digitale Produkte, mit oder ohne Bildschirm, werden anders gehandhabt als analoge Produkte. Einerseits sind sie praktischer, andererseits sind sie flacher.

Digital wird einfacher

Wenn wir von analog und digital sprechen, beziehen wir uns bewusst oder unbewusst darauf, dass die digitale Handhabung gleichzeitig einfacher, gleichzeitig abstrakter ist.

Während die Handhabung digitaler Produkte im Vergleich meist praktischer scheint, verliert sie gleichzeitig an physischer Wirklichkeit. Oft hört man: Was bei digitalen Produkten fehlt, sei der aktive physische Bezug. Das Schrauben, Kippen, Ziehen, Auspacken, Heben, Stossen, Blättern, Drehen, Klopfen wird zu einem annähernd zweidimensionalen Wischen und Drücken.

Analoge Werkzeuge wie Hammer, Schere oder Feldstecher sind Verlängerungen, Verstärkungen und Vereinfachungen unseres Körpers. Der Hammer ist eine gehärtete Faust, Scheren sind hochgeschliffene Zähne, Brillen sind schärfere Augen.

Jedes Produkt hat eine Schnittstelle. Der Hammer hat einen Griff, der in die Hand passt, und ein Ende, das der Faust gleicht. Die Schere ist an unsere Finger angepasst, die Scherenblätter gleichen unseren Zähnen. Die Brille wird ins Gesicht eingepasst,und funktioniert mit dem Auge wie eine zweite Linse. Im Unterschied zu analogen Werkzeugen, die mit etwas Übung fast unmittelbar mit unserem Körper verschmelzen, wirken Computer immer etwas fremd. Computer passen sich unserem Geist nicht so selbstverständlich an wie der Hammer in unserer Hand. Digitale Produkte kennen die Unmittelbarkeit analoger Werkzeuge nicht. Computer sind Verlängerungen unseres Gehirns. Gehirne sind verwirrend. Wie sollten Computer also nicht verwirren?

Analog wird Digital

Dennoch ist es bloss eine Frage der Zeit, bis uns die befremdenden Computer so natürlich scheinen wie Hammer und Schere. Der erste Hammer lag so natürlich in der Hand des Menschen wie der erste Hammer, den wir als Kind in die Hand genommen haben. Wie sinnvoll ist es noch, von «digital» im Unterschied zu «analog» zu sprechen? Es ist so sinnvoll wie aufschlussreich, aber es wird von Tag zu Tag schwieriger. Man muss schon bald Schriftsteller sein, um sich heute ein rein analoges Leben überhaupt noch vorstellen zu können.

Innerschweizer Radio-Rochade genehmigt

Radio Sunshine kann von den Eigentümern von Radio Central übernommen werden: Das Uvek hat die Konzessionsübertragung genehmigt und einem Gesuch von Radio Central entsprochen.

Zuvor hatte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation Uvek grünes Licht für die Konzessionsübertragung von Radio Eviva erteilt. Das digital verbreitete Volksmusik-Radio wird von Radio Central an drei Privatpersonen verkauft. Dies schreibt das Uvek in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Radio Central hat bis anhin die beiden konzessionierten Programme Radio Central und Radio Eviva betrieben. Da ein Unternehmen nach den Vorgaben des Radio- und Fernsehgesetzes RTVG höchstens zwei Radiokonzessionen besitzen darf, hat Radio Central vor dem Erwerb von Radio Sunshine die Konzession von Radio Eviva an drei Privatpersonen übertragen. Nachdem das UVEK diesen Übergang genehmigt hatte, wurde der Transfer von Radio Sunshine zur Triner Medien Holding und zu Spirig Medien (je 45 Prozent Anteil) möglich. Die Eigentümer der beiden Firmen besitzen gemeinsam Radio Central.

Mit der Genehmigung durch das UVEK haben die beiden Innerschweizer UKW-Lokalradios Central und Sunshine künftig dieselben Eigentümer. Radio Sunshine wird auch unter neuer Eigentümerschaft imstande sein, die Auflagen der Radiokonzession erfüllen zu können.

Radio Eviva an Privatpersonen

Radio Central hat insgesamt 81 Prozent der Aktien- und Stimmrechte von Radio Eviva für Volkskultur an die drei Privatpersonen Beat Diener (38 Prozent), Sepp Trütsch (38 Prozent) und Christian Kuhn (5 Prozent) verkauft. 19 Prozent verbleiben weiterhin bei Radio Central. Radio Eviva hat im Jahr 2007 vom UVEK die Konzession für die Verbreitung eines volkstümlichen Radioprogramms über das digitale Sendernetz DAB+ in der deutschsprachigen Schweiz erhalten. Das Unternehmen war bereits in den Jahren 1995 und 1997 vom Bundesrat für die Veranstaltung eines Satelliten-, Mittelwellen- und Kabelradios konzessioniert worden.

 

Mit unserer Musik tragen wir zur Vielfalt bei

Seit Radio 105 vor drei Jahren die UKW-Konzession erhalten hat, gewinnt der Privatsender stetig junge Hörer dazu. Gründer Giuseppe Scaglione erklärt, was 105 ausmacht, und spricht mit der Werbewoche über laute Musik, die Kritik am Informationsangebot seines Senders sowie über die Zukunft des Digitalradios.

Zum zweiten Mal in Folge wurde Radio 105 zum «Radio of the year» gewählt. Eine Auszeichnung, die der Privatsender für den grössten Hörerzuwachs in der Deutschschweiz erhielt. 35 Prozent mehr als im Vorjahr, von 79 000 auf 109 000 Hörer. Gegenüber dem UKWStart 2009 entspricht dies mehr als einer Verdoppelung der Hörerzahlen (Tagesreichweite Mediapulse Radiopanel, Zielgruppe 15+, D-CH, Privatradios, Montag–Sonntag, jeweils 1. Semester).

WW: Herr Scaglione, was ist das Erfolgsrezept von Radio 105?
Giuseppe Scaglione: Unsere Erfolgsformel besteht zu einem grossen Teil aus Leidenschaft. Das hört sich banal an. Dass man einen Beruf mit so viel Freude ausübt, ist aber alles andere als selbstverständlich. Unsere jungen Moderatoren stecken das Maximum rein. Radio ist ihre Welt, ihr Leben. Das merkt der Hörer.

Zugeschnitten ist das 105-Programm auf die junge Zielgruppe der 15- bis 25-Jährigen. Die Moderatoren tun vor allem eines: sie unterhalten. Zu den Themen gehören Promi-News, Wettbewerbe, Partys und Konzerte. Musikalisch setzt der Sender auf Musikneuheiten – «Today’s best music» lautet der Slogan. Eine starke Nähe zur DJ-Szene ist ebenso Teil des Programms. Am Wochenende haben 18 DJs ihre eigene Sendung – darunter Bob Sinclar, DJ Antoine, Mr. Da-Nos und David Guetta.

Wo liegen die Programmschwerpunkte? Welches ist die quotenstärkste Sendung?
Wie bei den meisten Sendern ist auch bei Radio 105 die Morgenshow die wichtigste Sendung. Bezogen auf die Quote sind wir aber nicht nur am Morgen, sondern auch am Abend sehr stark. Der Grund liegt vermutlich in unserer Kabel-Vergangenheit. Das Kabelnetz war ein Medium, das erst nach Feierabend zu Hause genutzt wurde.

Diese Erklärung impliziert, dass die Zielgruppe mit Radio 105 gealtert ist …
Das würde ich so nicht sagen. Umfragen zeigen, dass wir Hörer der ersten Stunde behalten konnten. Seit Radio 105 auf UKW ist, gewinnen wir allerdings vor allem junge Hörer dazu. Auch im Tagesverlauf sehen wir Unterschiede: Während das Zielpublikum am Morgen noch relativ breit ist, wird es gegen Abend deutlich jünger. Aus diesem Grund ist das Programm abends auch zugespitzter, jünger, progressiver, lauter und noch frecher.

Noch lauter? Noch frecher? Als Hörer hat man schon beim Morgenprogramm das Gefühl, man werde angeschrien …
Sonst wird man ja nicht wach!

Muss das so sein?
Von Schreien kann ja nicht die Rede sein. Der Punkt ist: Die Musik, die wir spielen, ist laut und voller Power. Wenn da der Moderator flüsterte, ginge er völlig unter. Unsere Moderatoren müssen der Kraft, die die Musik bringt, Rechnung tragen. Wir spielen ja nur selten Balladen.

Musik ist ein gutes Thema: Beim UKW-Start 2009 sagten Sie, 70 Prozent der Musik sei nicht in der Hitparade. Ein Fakt, mit dem sich 105 von anderen Sendern unterscheiden will. Wie ist es heute?
Momentan liegt der Anteil an Musik, die nicht in der Hitparade ist oder war, bei circa 50 bis 60 Prozent. Das hat mit dem veränderten Musikgeschmack zu tun. Die Musik, die wir auf Radio 105 schon immer gespielt haben, wurde plötzlich erfolgreich. Allerdings ist es für uns nicht entscheidend, ob die Musik in den Charts kommt, sondern wie neu und wie gut sie ist.

Wäre es nicht spannender, sich musikalisch wieder vom Trend abzuwenden?
Dass die Musik erfolgreich ist, kann doch kein Grund dafür sein, das Konzept über Bord zu werfen! Sich gerade jetzt zu verabschieden, wäre schon fast selbstmörderisch. Weshalb sollten wir das Feld anderen überlassen? Ein Grossteil der Musik, die wir spielen, wird auf anderen Privatradios nicht gespielt. Hier leisten wir einen echten Beitrag zur Vielfalt.

Sie haben die zwei Peaks im Tagesverlauf angesprochen: am Morgen und am Abend. Wie sieht es am Wochenende aus?
Dort verteilt es sich über den Tag hinweg und steigt gegen Abend mit den DJ-Sendungen an. Besonders beliebt ist am Weekend auch unsere Chartshow.

Wie sieht es zwischen 11 und 12 Uhr aus?
Ich nehme an, Sie sprechen den «Talk vor 12» an?

Der «Talk vor 12» ist eine wöchentliche Talk-Show, die jeweils samstags und sonntags vor 12 Uhr ausgestrahlt wird. Darin diskutiert Moderator Michi Sahli mit Gästen über Politik, über aktuelle Abstimmungen, Vorlagen oder über ihr Leben. So zum Beispiel mit SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga über Asylanten und Haschguetsli.

Genau. Die Politsendung ist ein Format, das man auf 105 nicht erwarten würde.
Dem ist so. Die Sendung wurde uns mit der UKWKonzession vorgegeben. Am Anfang haben wir das Format tatsächlich nur produziert, weil wir mussten. Mittlerweile gäbe es den Talk auch ohne Verpflichtung. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht.

Inwiefern?
«Talk vor 12» ist ein sehr mutiges Format, mit dem wir uns ein neues Publikum erschliessen. Die Sendung wird von einer Hörerschicht verfolgt, die etwas älter ist. Hörer, für die 105 ansonsten nicht die erste Wahl ist. Zudem gibt uns der Talk eine gewisse Relevanz und Tiefe, die im normalen Tagesprogramm nicht möglich ist. Wir stehen zum Format und haben es nicht in eine Randzeit gepackt, sondern ins Schaufenster gestellt.

Na ja, für viele Jugendliche dürfte 11 Uhr am Wochenende doch eher früh sein …
Deshalb wiederholen wir die Sendung am Sonntag. Das Ausschlafen könnte einen Tag betreffen. Da der Talk aber am Samstag und am Sonntag läuft, kann man sich ihm nur schlecht entziehen.

Bleiben wir beim Thema Information. Gemäss Bakom-Studie ist 105 der Zürcher Privatsender mit dem geringsten Info-Anteil.
Ja, ja. Allerdings müsste man genauer hinschauen. Vieles, was wir als Information deklarieren, wurde bei der Studie nicht als solche anerkannt. Wir brechen politische Themen so weit herunter, dass sie für Leute verständlich werden, die sich nicht jeden Tag mit Politik beschäftigen. Da kommt man schnell auf die Idee, dass es sich nicht mehr um Information im klassischen Sinn handelt. Ich sehe das anders. Es ist einfach eine andere Art, Informationen zu vermitteln. Ausserdem: Handelt es sich nur um Information, wenn es um Politik geht? Oder informieren wir auch, wenn wir ein neues Musikstück thematisieren? Wir sprechen eine andere Zielgruppe als unsere Konkurrenten an. Deshalb macht es auch keinen Sinn, das Informationsangebot zu vergleichen.

Sie sehen keinen Handlungsbedarf?
Ich glaube nicht, dass wir punkto Information ein Manko haben. Natürlich decken wir nicht jede Veranstaltung oder jedes Thema ab. Das wäre aber auch falsch. Mit der SRG gibt es in der Schweiz einen Anbieter, der das sehr gut macht und dazu über die nötigen Ressourcen verfügt. Wir sind in einem privaten Umfeld und müssen uns fragen: Wo bin ich interessant? Wo bin ich anders als das Gros? Wir respektieren zwar das Gesetz und die Konzession, aber in erster Linie machen wir Radio nicht für den Gesetzgeber, sondern fürs Publikum. In Schönheit zu sterben, nützt niemandem. Wir schauen, was draussen gefragt ist. Das Bedürfnis ist bei der Musik am grössten. Von uns erwarten die Hörer nicht dasselbe Informationsangebot wie zum Beispiel von Radio 24 oder DRS3.

Wie stark ist Radio 105 durch die UKW-Konzession auf Zürich fokussiert?
Mit der UKW-Frequenz kam der Auftrag, einen lokalen Fokus zu setzen. Das machen wir – nicht nur beim Wetter und bei den Verkehrsinfos. In den Genen sind wir aber kein klassisches Lokalradio, sondern ein Deutschschweizer Radio.

Neben der UKW-Frequenz im Raum Zürich ist Radio 105 im Kabelnetz – und seit November 2011 auch über DAB+ (Digital Audio Broadcasting) in der ganzen Deutschschweiz verfügbar. Letzterer ist ein Kanal, der bei der Radionutzung stetig an Bedeutung gewinnt. Derzeit sind hierzulande bereits 2,4 Millionen Menschen via Digitalradio erreichbar. Scaglione, der sich lange Zeit kritisch zu DAB+ äusserte, setzt mittlerweile grosse Hoffnungen in die Technologie …

Wie stehen Sie heute zu DAB+?
DAB+ könnte durchaus zum Erfolgsmodell werden. In Autos werden mittlerweile DAB+-Radios eingebaut, die SRG hat viel Geld investiert, bei der Anzahl Digitalradios ist die Schweiz Vorreiter … DAB+ funktioniert hervorragend. Die Technologie ist zuverlässig und einfach: Knopf einschalten – und es läuft. Das sind genau die Dinge, die Radio einst erfolgreich machten.

Die Radios haben DAB+ auch gepusht. Immer wieder hat 105 DAB-Radios verlost …
Richtig. Als Privatradio profitieren wir natürlich von DAB+. Eine UKW-Frequenz für Zürich zu haben, ist toll. Meine Vision war es jedoch immer, ein Radio für die Deutschschweiz zu machen. DAB+ ist ein Mentalitätswechsel. Zum ersten Mal lässt die SRG wirklich Konkurrenten zu. Alle Sender haben die gleich starken Antennen, dasselbe Gebiet. Sollte sich DAB+ durchsetzen, steht kein Stein mehr auf dem anderen.

Ausser Auge gelassen werden darf bei der Radionutzung ebensowenig die Verbreitung übers Internet. Gemäss eigenen Umfragen des Senders konsumiert etwa die Hälfte der Hörer 105 als Webradio. Dass die Radionutzung über Internet-Streaming bei der offiziellen Statistik (Mediapulse Radiopanel) noch nicht erfasst wird, ärgert Scaglione. Er ist der Meinung, dass Radio 105 aufgrund seiner jungen Zielgruppe von einer Berücksichtigung der Internetradionutzung überdurchschnittlich profitieren müsste. Da muss sich der Radiogründer noch etwas gedulden. Währenddessen bei den TV-Daten bereits ein Wechsel initiiert wurde, rechnet Mediapulse damit, ab Anfang oder Mitte 2013 auch die Webradionutzung erfassen zu können.

Was sind Ihre Pläne für 105?
Im Programmbereich wird es die eine oder andere Innovation geben. Den Grundmix haben wir aber gefunden. Das Ziel ist nun, noch mehr Leute zu erreichen und 105 ausserhalb Zürichs bekannter zu machen. Nächstes Jahr wird es zudem einen neuen Onlineauftritt geben.

In welche Richtung geht es?
Der Auftritt wird der mobilen, geräteunabhängigen Nutzung Rechnung tragen. Und wir überlegen uns neue Werbeformen. Das ist fast die grösste Herausforderung.

Werbung fordert Sie am meisten heraus?
Ja. Wir überlegen uns, welche Angebote für den Kunden interessant sind. Es kann doch nicht nur um Klicks und Banner gehen! Wirklich spannend ist integrierte Werbung.

Bereits jetzt schnürt 105 für seine Werbekunden umfassende Päckchen. Ein gutes Beispiel ist die «105 DJ Night». Rund 2500 Gäste feierten letzten Freitag mit dem Radiosender und seinen DJs im Club X-tra. Die Tickets wurden auf Radio 105 verlost, die Party über Sponsoren finanziert, denen über einen Monat hinweg eine starke Präsenz geboten wurde: im Vorfeld – in Trailern, bei Ticket-Verlosungen, auf Flyern und Onlinebannern sowie während der Party – mit Logos und eigenen Lounges im Club. Mit welchem Budget Sponsoren rechnen müssen, verrät Scaglione nicht im Detail: «Zahlen publizieren wir nicht. Aber sagen wir es so: Wenn jemand ein bis zwei Inseratenseiten in einer wichtigen Tageszeitung schaltet, ist er dabei. Sollte der Event noch grösser werden, wird das eine andere Dimension erreichen.» Grösser nicht nur in Bezug auf den Veranstaltungsort, sondern auch bezüglich Werbemöglichkeiten. Von Plakatkampagnen bis hin zu TV-Übertragungen, in die Sponsoren eingebunden werden, kann sich Scaglione alles vorstellen. Vermarktet in Eigenregie. Denn per Ende Jahr übernimmt die hinter Radio 105 stehende Music First Network AG, die bereits jetzt für Promotionen, Sponsorings und Sonderwerbeformen zuständig ist, auch noch die klassische Vermarktung, die derzeit von Energy (Ringier Entertainment) abgewickelt wird.

Isabel Imper

105-01

 

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