20 Minuten: Online- und Printredaktion zusammengelegt
Die Redaktion der Pendlerzeitung 20 Minuten und die Redaktion von 20 Minuten Online werden vollständig zusammengeführt. Die Leitung übernimmt der bisherige Print- Chefredaktor Marco Boselli.
Die beiden Redaktionen arbeiten schon heute eng zusammen und verfügen bereits über gemeinsame Wirtschafts- und Unterhaltungsressorts sowie gemeinsame Lokalredaktionen. In der Westschweiz wurden die Print- und Online-Redaktionen unter der Leitung von Philippe Favre bereits 2010 integriert und im Mai dieses Jahres wurde unter der Leitung von Marco Gasser eine gemeinsame Verkaufsorganisation für die Deutschschweiz geschaffen. Dies schreibt Tamedia in einer Mitteilung vom Donnerstag.
Die Leitung der integrierten Redaktion übernimmt ab Dezember 2012 Marco Boselli, derzeit Chefredaktor der Pendlerzeitung sowie des People Magazins 20 Minuten Friday. Boselli ist seit 2003 Chefredaktor von 20 Minuten in der Deutschschweiz. Als Projektleiter hat er die Entwicklung der italienischsprachigen Ausgabe 20 Minuti, die seit Herbst 2011 auf dem Markt ist und gemeinsam mit dem Tessiner Verleger Giacomo Salvioni herausgegeben wird, verantwortet. Zudem war er massgeblich an der Lancierung der Pendlerzeitung L’Essentiel, die Tamedia gemeinsam mit der Partnerin Edita SA in Luxemburg herausgibt, beteiligt, wie Tamedia in der Mitteilung weiter schreibt. Vor seinem Engagement bei 20 Minuten war der 47-Jährige Geschäftsführer des Dating-Portals Partnerwinner. Marco Boselli hat 2010 am «Sulzberger Executive Leadership Program» an der Columbia Universität in New York teilgenommen.
Hansi Voigt, seit 2007 Chefredaktor von 20 Minuten Online, wird den Medienverbund 20 Minuten Ende November 2012 verlassen. Unter der Führung von Hansi Voigt wurde 20 Minuten Online als Newsportal ausgebaut. Auf seine Initiative wurde ein Redaktionsbüro von 20 Minuten Online in Hongkong eröffnet, um die Aktualisierung von 20minuten.ch an 365 Tagen rund um die Uhr sicherzustellen und gleichzeitig Mitarbeitenden einen Einblick in eine neue Kultur zu verschaffen, so Tamedia weiter. Der 49-jährige frühere stellvertretende Chefredaktor der Wirtschaftszeitung Cash habe zudem massgeblich zum Erfolg der mobilen Applikationen der Newssite sowie zur Position von 20 Minuten Online bei mobilen Applikationen beigetragen.
Auch bei der Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft setzt Tamedia den Rotstift an. Wie Chefredaktor Mark Dittli gemäss SDA gegenüber der Nachrichtenagentur AWP sagte, werden sieben bis acht Stellen eingespart. Es komme zu Entlassungen, Frühpensionierungen und vereinzelten Pensenreduktionen. Der Verlag müsse 0,5 Stellen einsparen, der Rest gehe zulasten der Redaktion. Die FuW-Redaktion zählt aktuell noch 45 Vollzeitstellen. Dittli begründet die Massnahmen gemäss SDA mit dem «extrem harten Umfeld» und dem tiefen Inseratevolumen.
Syndicom fordert den Verzicht auf Kündigungen
Was die Veränderungen für die Ausrichtung der beiden Medien bedeutet, lasse sich noch nicht abschätzen, schreibt Syndicom in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Meldung berge aber Zündstoff für die Angestellten der beiden Redaktionen. Die beiden bisher grundsätzlich getrennt und unabhängig arbeitenden Teile würden im Zuge der neu verordneten Konvergenz schlicht fusioniert, um Kosten zu sparen. Dabei gebe es offensichtlich nur Platz für einen Chef – aber auch auf den Redaktionen wird abgebaut werden, heisst es aus dem Verlag.
Syndicom ist als die Gewerkschaft der Medienschaffenden besorgt über die Pläne des Verlagshauses Tamedia, insbesondere was die Personalpolitik anbelangt. Man erwarte von Tamedia, die Konvergenz von Print und online nicht als Sparprojekt zu missbrauchen und alles zu machen, um einen Stellenabbau und Kündigungen zu verhindern, schreibt Syndicom in der Mitteilung weiter. Verschiedene Redaktionen der Tamedia-Titel seien in den letzten Jahren bereits von Sparprogrammen heimgesucht und geschröpft worden. Das von Zürich aus operierende Unternehmen habe als grösster Medienverlag in der Schweiz und angesichts der millionenschweren Gewinne eine besondere Verantwortung gegenüber dem ganzen Personal und gegenüber der Öffentlichkeit.
