Wo weniger tatsächlich mehr ist

«Weniger ist mehr.» Wie häufig hört man aktuell dieses geflügelte Wort? Oft, sehr oft sogar, im Zeitalter der multimobilen Kommunikation. Kulturpessimisten, überforderte Pädagogen, müde Politiker, alle bemühen sie den Satz. Gewisse wollen sogar ganz radikal ans Werk gehen – und ein Handysowie E-Mail-Verbot ausrufen.

Zum Schutze der Hyper- Kommunizierenden vor sich selbst! Vermutlich wäre auch hier weniger mehr. Nichtsdestotrotz steckt in diesem Streben nach Konzentration und Selbstbeschränkung etwas Wahres. Täglich, stündlich, alle paar Minuten und Sekunden werden wir mit Neuigkeiten aus aller Welt versorgt. Eingedeckt, zugedeckt! Sich in dieser immensen Flut an Informationen, News und oft auch Banalitäten bei einer potenziellen Kundschaft Gehör zu verschaffen und die Botschaft des eigenen Unternehmens, der eigenen Marke erfolgreich zu vermitteln, wird immer anspruchsvoller. Das liegt nicht nur daran, dass die Medienlandschaft laufend vielfältiger wird und neue Kommunikationskanäle erschlossen werden. Auch die Kundinnen und Kunden haben sich der veränderten Umgebung angepasst: Was nicht relevant erscheint, wird ignoriert. Daumen rauf, Daumen runter – ganz getreu dem Satz: Nur was gefällt, überlebt. Weniger ist mehr.

Glaubwürdige Schnörkellosigkeit setzt sich durch

Dieses Motto zur formalen Schlankheit und Reduktion auf das Minimum verkörpert kein Kanal besser als der Teletext: Seit bald 30 Jahren versorgt dieser Informations-Saurier die Schweiz mit wichtigen News, kurz und präzise, reduziert auf das Wesentliche, die reine Information auf den Punkt – oder eben das Pixel – gebracht. Mit seiner glaubwürdigen Schnörkellosigkeit hat sich der kultige Infodienst das Vertrauen vieler Schweizerinnen und Schweizer über Jahre und Jahrzehnte erworben. Über 55 Millionen Kontakte pro Monat generiert der Teletext über seine drei Kanäle am Fernsehen, im Internet und via Smartphones. Im Gegensatz zu anderen Infodiensten, die uns ungefragt mit mehr oder minder Wichtigem versorgen, funktioniert der Teletext nach dem guten alten Hol-Prinzip: Wer die Abstimmungsresultate braucht, geht auf Seite 105. Wer den Torschützen des 2:2 zwischen dem FC Zürich und dem FC St. Gallen wissen will, geht auf Seite 201. Dank Teletext ist es nicht notwendig, potenzielle Kundinnen und Kunden zur Registrierung des x-ten Accounts mit neuem Passwort zu nötigen, damit man überhaupt Zugang findet: zum neuesten, exklusivsten Angebot. Um hernach das Passwort dieser «Dedicated Website» gerade wieder zu vergessen.

Automatisch logisch versammelt: die Zielgruppen

Bei Teletext geht alles ein wenig einfacher. Hier versammeln sich – quasi automatisch – sogenannte «Closed User Groups»: die Hockey-Freaks, die Wetterfrösche, die Pollenallergiker und viele mehr. Wobei der Begriff «closed» eigentlich irreführend ist, denn wir sind alle alles – und alle offen für alles. Wieso also nicht das atmungsaktive Sportshirt auf einer der gut besuchten Sportseiten bewerben, wo sich Fussball-, Hockey- oder Formel-1-Fans zu Tausenden tummeln? Oder die Sonnencreme mit Schutzfaktor 30 für sonnige Wintertage in den Bergen auf der Skisportseite, jetzt wo die Saison bald wieder startet? Oder anders gefragt: Warum kompliziert, wenn es einfach auch geht? Dank Teletext und seiner klaren Seitenstruktur braucht man keine teuren Extraauftritte zu kreieren, um Produkte an den richtigen Mann und die richtige Frau zu bringen. Denn Teletext funktioniert gerade umgekehrt: Zu Teletext kommt die aufs Produkt zugeschnittene Kundschaft – wie von alleine. Eine Punktlandung also für Marketingstrategen! Ohne Streuverluste, ohne störendes Beiwerk. Und vor allem: ohne Abhängigkeiten von magischen Suchmaschinen-Algorithmen! Smarte Werber können selbst kombinieren – und wählen pragmatisch die passenden Seiten. Die Regeln sind ganz einfach: Je weiter unten im Verzeichnisbaum, desto affiner sind die Leser – je weiter vorne im Schaufenster, desto breiter das Publikum. Mit wenig Aufwand erzeugt man viel Wirkung und Aufmerksamkeit: auf Teletext. Dort, wo eben weniger mehr ist.

Beat U. Schneider
Leiter Marketing und Verkauf
SWISS TXT Schweizerische Teletext AG
www.swisstxt.ch

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Tages-Anzeiger Journalist wegen übler Nachrede verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch einen Journalisten des Tages-Anzeigers wegen übler Nachrede zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Er hatte eine Physikerin und angebliche Jung-Astronautin als Hochstaplerin bezeichnet.

Die junge Astrophysikerin Barbara Burtscher war ab Sommer 2009 in verschiedenen Medien – auch im Fernsehen – präsent gewesen. Dabei entstand der Eindruck, die Frau sei auf dem Weg, eine Nasa-Astronautin zu werden. Im August 2010 deckte der Journalist Maurice Thiriet in einem Artikel mit dem Titel «Die eingebildete Astronautin» Widersprüche in der Medienberichterstattung über Burtscher sowie in öffentlichen Aussagen von Burtscher selbst auf. Burtscher reichte daraufhin Klage wegen Ehrverletzung ein.

Der Journalist, der für den Artikel den Zürcher Journalistenpreis in der Kategorie Nachwuchs erhalten hatte, verteidigte sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich und bezeichnete seine Arbeit als seriös recherchiert. Der Verteidiger forderte einen vollen Freispruch und führte aus, Burtscher sei von einer Karriere als Astronautin Lichtjahre entfernt gewesen. Sie habe vielmehr mit einer unglaublichen Angeberei geprotzt, plädierte er.

Das Gericht sah es anders und verurteilte den Beschuldigten wegen übler Nachrede zu einer bedingten Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu 90 Franken. Der Begriff Hochstaplerin stamme aus der Gaunersprache und sei herabsetzend, befand die Gerichtsvorsitzende. Die Klägerin habe zudem tatsächlich gewisse Verbindungen zur Nasa gehabt und in einer Fernsehsendung eine Festanstellung bei der amerikanischen Weltraumbehörde klar verneint, befanden die Richter.

Das Verschulden von Thiriet stuften sie als nicht mehr leicht ein. Er muss nicht nur die Prozesskosten von 4‘000 Franken tragen, sondern auch die Gegenseite mit 7500 Franken entschädigen. (sda)
 

Aufgespiesst: Lieber stumm als dumm

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über Taube, Stumme und Blinde als Rettung für die Kommunikationsbranche.

Die Sätze, die manche Moderatoren und Nachrichtensprecher aus Funk und Fernsehen in den Äther schicken, scheinen oft selbst nicht zu wissen, welche Bedeutung sie transportieren sollen. Verängstigt hocken sie sich in einen dunklen Winkel des Hörer- oder Zuschauergehirns und hoffen, dass niemand sie wahrgenommen hat. Moderatoren, Sprecher und Sender hoffen das Gleiche. Manch eine Pressemeldung und eine ganze Menge Marketing-Mails erwecken den Eindruck, als seien sie von taubstummen Legasthenikern verfasst worden. Zuweilen muten sogar computergenerierte Spammails korrekter und kreativer an als nicht mehr zu rettende Werbeversuche aus der Probierküche des Marketings. Vergleichen Sie einmal die fol genden beiden E-Mails aus meinem Posteingang: «Wir empfehlen Ihnen, pdf Attached Datei öffnen, und wenden Sie sich für Ihr Agent Lotteriegewinn. Mit freundlichen Grüssen, Management.» Das war die erste. Die zweite: «Geschätzte Kommunikations Fachleute, Tunesien zeigt ein starkes Wachstum im Bezug auf Urlaubsziel. Die Lage ist stabil und ruhig. Tunesien präsentiert sich als gastfreundliches Mittelmeer- Ferienland.»

Beide Mails ähneln sich ziemlich. Und genau das ist das Erschreckende. Denn die erste ist irgendein automatisch erzeugter, babelfishiger Buchstabenmüll, die zweite wurde immerhin vom Kommunikationsverantwortlichen des tunesischen Verkehrsbüros (gemeint ist vermutlich das Fremdenverkehrsbüro) in der Schweiz verfasst, ganz offenbar unter Schweiss und Tränen. Maschine gegen Mensch. Trotzdem liegen beide Werke mittelmässig zarter Gebrauchslyrik auf gleicher Höhe, was Lesbarkeit, Verständlichkeit und das Erreichen von Aufmerksamkeit anbetrifft: nichts verstanden, sofort gelöscht.

Buchstaben-Gehackt’s ohne Hörnli

Manche Marketing-Mails sind also schlechter formuliert und fehlerhafter als das Sprach-Kuddelmuddel aus einem Übersetzungs- oder Text-Generierungs- Tool. Gäbe es einen Weg, bereits das Entstehen solchen Wort-Hachés zu verhindern, damit es mir in Zukunft keine Zeit mehr raubt? Es gibt ihn! Die Lösung kommt aus dem Drogenmilieu – aber nicht, was Sie denken. Marco Tulio López ist Sicherheitsminister der mexikanischen Kolonialstadt Oaxaca. Und der hatte die zündende Idee: Seit acht Monaten werden in Südmexiko gehörlose Polizisten zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt. Nicht, weil Weghören und die Hand dafür Aufhalten nun auch ganz offiziell eine mexikanische Ermittlungstaktik ist, sondern weil Taubstumme die diversen Überwachungsmonitore im Polizeipräsidium von Oaxaca viel aufmerksamer beobachten als hörende Polizisten. Die werden nämlich durch Gespräche und Geräusche abgelenkt. Angeblich entdecken die Hörbehinderten Delikte sogar, BEVOR sie begangen werden. Weil sie auf Verhaltensweisen und Körpersprache von Verdächtigen achten. Na, das ist ja mal was.

Ruhe ohne Sturm

Was das mit den Schreck-Sätzen der Nachrichtensprecher und den verkorksten Werbe-Mails zu tun hat? Nun ja: Taube Journalisten wären gefeit vor den um sich greifenden Sprach-Verhunzungen à la «das macht Sinn». Ihre Sprache würde sich nicht so schnell am öffentlichen Dummgeschwätz anstecken. Blinde Fernsehleute würden sich wenigstens einmal selbst zuhören und – so stünde zu hoffen –, nachdem sie sich erholt haben, weniger Blödsinn reden. Und stumme Radiomacher wären manchmal auch ein Segen. Beziehungsweise meistens.
 

Kreativität in der Familie

Kreativität in der Familie Bea Johner und Simone Pestalozzi haben die erste Messe «Kinder und Lernen» ins Leben gerufen.

«Wir haben insgesamt acht Kinder, das heisst: Wir schöpfen aus dem Vollen», meinen Bea Johner und Simone Pestalozzi. Die beiden Frauen lancieren am 11. November in Zürich die erste Messe «Kinder und Lernen». 120 Aussteller werden im Kongresshaus einen Überblick bieten bezüglich Lern- und Förderungsangebote für Kinder ab vier Jahren. «Jedes Kind hat andere Bedürfnisse. Mein Sohn wollte zum Beispiel Schlagzeug spielen», verrät Simone Pestalozzi. «Ist das aber nur eine momentane Laune oder macht es wirklich Sinn, jetzt eine ganze Batterie von Trommeln, Pauke und Tschinellen zu kaufen», fragten sich die Eltern. Wer weiss hier aber Rat? Eine brauchbare Hilfe haben sie schliesslich bei Musik Hug gefunden. Dort gibt es einen Musikpädagogen. Dieser macht mit eventuell angehenden Talenten eine Abklärung. Auf 30 verschiedenen Instrumenten durfte der Sohnemann sich austoben. Entsprechend der Begabung hat der Musikpädagoge Horn empfohlen.

«Es kann nicht sein, dass Eltern für jede Begabung oder Lernschwierigkeit all diese Abklärungsmöglichkeiten selber recherchieren müssen. Wir wollen eine Plattform schaffen, wo solche Angebote gesammelt angeboten werden», beschlossen die Mütter, die beide eine internationale Karriere als Juristin und Ökonomin machten. Zu sehen von ihrem in nur wenig mehr als neun Monaten geborenen Unternehmen ist bereits eine Website www.kinderundlernen.ch, wo auch eine «Datenbank Förderung» vorhanden ist, die bereits 80 Anbieter enthält, die nach Regionen und Kategorien gefiltert werden können. Die Website mit dem Claim «Kinder fördern! Spass am Lernen!» ist auch das begleitende Portal für die Messe. Diese soll «eine Begegnung ermöglichen zwischen Eltern, die ihre Kinder optimal fördern möchten, und Menschen und Organisationen, die mit Ihrer Arbeit die Entwicklung von Kindern unterstützen». Die Initiantinnen sind überzeugt, dass die «Kinder und Lernen»-Messe dazu beiträgt, eine Lücke zu schliessen zwischen Eltern auf der einen Seite und Therapie- und Förderangeboten auf der anderen. «Bislang gab es keine Plattform, um sich umfassend zu informieren. Mit dieser Messe können sich Aussteller zu relativ günstigen Tarifen optimal präsentieren», heisst es in den Werbeunterlagen.

Tatsächlich sind neben wichtigen Verlagen oder renommierten Spieleherstellern die meisten Aussteller eher kleine Unternehmen, die sich kaum grosse Werbekampagnen leisten können. Bei einer minimalen Standmiete von wenigen Hundert Franken bietet die Messe für die Anbieter solcher Nischenprodukte eine dankbar aufgenommene Gelegenheit. «In der ersten Phase habe ich täglich 50 Verkaufsgespräche am Telefon geführt und bis zum Abend schliesslich zwei Zusagen bekommen. Als die ersten wichtigen Repräsentanten auf der Plattform standen, ist plötzlich ein richtiger Sog entstanden», erzählt Simone Pestalozzi. Inzwischen ist die Nachfrage der Aussteller schon so gross, dass für 2013 das Kongresshaus bereits für zwei Tage reserviert werden musste. Dazu sind auch die Verträge für die erste «Kinder und Lernen»-Messe in Basel im Congress Center für November 2013 bereits unterschrieben. Beworben wird die Ausstellung mit Plakaten und Flyern durch professionelle Plakatierungsfirmen sowie Spots auf Tele Zürich, dem SSF und Radio 24. Das Know-how für das Marketing haben sich die beiden Organisatorinnen in ihren früheren Jobs erworben. Klar ist man auch auf Facebook präsent, aber die Möglichkeiten von Social Media hätten sie noch nicht umfassend ausgeschöpft. Das soll im nächsten Jahr besser werden «Wir sind halt noch von der älteren Generation», scherzen die beiden attraktiven Mütter. Bevor sie sich für die Familie entscheiden wollte, hat Bea Johner ein Doktorat in Ökonomie gemacht. Sie arbeitete für PricewaterhouseCoopers und war für den international tätigen Dienstleistungs- und Handelskonzern DKSH auch längere Zeit in Tokio und Hongkong stationiert. Dort hat Johner realisiert, dass sie «nicht nur Firmen restrukturieren und Menschen abbauen, sondern Menschen eigentlich aufbauen und ihnen etwas Gutes tun will». Der Wechsel vom internationalen Business zu einem «KMU mit sechs Kindern» war ein sehr grosser Schritt. «Aber Wechsel haben mein ganzes Leben bestimmt.» Unterstützung findet Bea Johner bei ihrem Mann, der als Psychologe in Zollikon Coachings für Unternehmensführung anbietet.

Simone Pestalozzi hat in St. Gallen ihren Doktor gemacht. Die Juristin ist spezialisiert auf Steuerrecht. Schon mit 17 hat sie bei einem Austauschjahr in Chicago entdeckt, dass sie sich für Wirtschaft interessiert. Bei ABB hat sie später zehn Jahre den Outsourcing- Vertrag für das IT gemanaged. In dieser Funktion hat Pestalozzi auch gelernt, was eine effiziente Organisation bedeutet. «Ich musste mein Leben strukturieren, wenn ich zwischen meinen Geschäftsterminen in aller Welt auch noch Zeit für meine zwei Kinder finden wollte.» Ihr Mann ist Partner in einer grossen Wirtschaftskanzlei in Zürich. Mit diesem Background sind die beiden überzeugt: «Wir sprechen ein Thema an, das viele interessieren muss, weil sie auch auf der Suche nach Lösungen sind.» Es geht nicht nur um Problemkinder. Alle Kinder haben extrem viele Bedürfnisse und Talente. «Diese können wir mit unserer Vermittlung zum Spielen bringen», sucht Bea Johner nach einer Erklärung für den sich bereits abzeichnenden Erfolg ihrer Messe. Erwartet werden in Zürich 3000 Besucher. Der Eintritt ist frei – «und wir hoffen natürlich auf Regen», scherzt Simone Pestalozzi.

Andreas Panzeri

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Neue Geschäftsführung bei Radio Blind Power

Radio Blind Power erhält ab 1. Dezember 2012 eine neue Geschäftsführerin. Die bisherige Programm-und Projektleiterin, Anja Mäder, übernimmt die Leitung des Integrationsradios von Dominik Hofstetter.

Anja Mäder absolvierte die Lehre als Informations- und Dokumentationsassistentin und arbeitete beim Schweizerischen Roten Kreuz und als Redaktorin der SRF-Sendung «Die grössten Schweizer Talente». Die Ausbildung zur Radiofrau und die entsprechende Praxiserfahrung erhielt sie während eines Jahres bei Toxic.fm in St. Gallen. Sie ist seit 2009 Programmleiterin von Radio Blind Power und seit 2011 ebenfalls Projektleiterin.

Radio Blind Power

Radio Blind Power, das von blinden, sehbehinderten und sehenden Jugendlichen und jung gebliebenen produzierte Integrationsradio, setzt sich, nebst dem Radiobetrieb, für die Integration und Radio-Ausbildung von blinden und sehbehinderten Menschen ein. Radio Blind Power besteht seit 15 Jahren, davon seit 2006 als eigenständiger Verein. Es bietet ein 24-Stunden-Musikprogramm und mehrere Live-Sendungen pro Woche, die von ehrenamtlichen Sendungsmachenden produziert werden. Immer wieder überträgt es die sogenannte Audiodeskription (genauste Beschreibung) von Sport- und Kulturanlässen.
 

Orientierung in der Nachrichtenflut

Ruf Lanz hat das Budget von Der Sonntag gewonnen und ebenso schnell wie auch die Redaktion gearbeitet, ein paar Schlagzeilen produziert, die exklusive Primeurs versprechen.

Im August gewann Ruf Lanz nach einer umfangreichen Konzept-Präsentation das Budget von Der Sonntag, der Sonntagszeitung der AZ Medien. Seit der ersten Oktoberhälfte sorgt die neue Kampagne für Aufsehen. Sie positioniert das Blatt als jene Zeitung, die nach der aufgeregten Woche die Informationsfülle sichtet, sie auf Relevanz prüft und mit sauber recherchierten und gut geschriebenen Geschichten Ordnung und Orientierung schafft.

Unter der Woche werden die Menschen ja Tag für Tag mit Nachrichten bombardiert – und dies offline und online in immer kürzeren Abständen. Diese tägliche Informationsflut kann einen ziemlich durcheinanderbringen. Das veranschaulicht die Kampagne anhand pointierter, wild durcheinandergewirbelter Schlagzeilen: Da steigen Berufspendler vermehrt auf den Gripen Typ E um, da verliert der Uno-Sicherheitsrat zwei «Gault Millau»-Punkte, da droht Kim Jong-un eine PUK oder die Wallstreet ist von Francine Jordi enttäuscht. Insgesamt 10 Sujets kommen in einer ersten Phase zum Einsatz.

Die Fusszeile löst die irritierenden Schlagzeilen jeweils stringent auf: Die tägliche Nachrichtenflut kann einen ziemlich durcheinanderbringen. «Gut, gibt es am Sonntag Den Sonntag.» Die Kampagne ist auf Inseraten und Plakaten zu sehen – sowie demnächst auch im Radio zu hören. pan

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Einfach lustig

Die Neuen Medien bringen nicht nur neue Möglichkeiten und Veränderungen für die Kommunikation mit sich, sie beeinflussen angeblich auch, was wir inhaltlich kommunizieren. Kürzlich bin ich über zwei Artikel gestolpert, welche beide die Art, wie wir in den Neuen Medien kommunizieren, hinterfragen. Einfach und lustig soll es sein.

Im August las ich auf t3n.de den Artikel «Social Media: wie trivial darf’s sein?». Dort wird das Thema besonders aus der Sicht von Unternehmen aufgegriffen. Diese machen fast allesamt die Erfahrung, dass beispielsweise auf Facebook besonders triviale Beiträge bei den Usern gut ankommen. Auf Grund dessen würden nun auch immer mehr Unternehmen eher trivial und «sinnentleert» kommunizieren. Wir leben in einer Unterhaltungskultur. Seit den Social Media mehr denn je. Wir konsumieren und wollen unterhalten werden. Es muss unterhaltsam sein, nicht interessant oder gehaltvoll. Auf t3n.de spricht man auch von der Trivialisierung und der Bilderlastigkeit der Kommunikation in den Neuen Medien. Es ist nicht zu leugnen, dass eine solche Tendenz tatsächlich zu beobachten ist.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet diese Veränderung der Kolumnist Joel Stein in der Time. Er geht darauf ein, dass heute irgendwie jeder lustig sein muss oder zumindest bestrebt ist, lustig zu sein. Dies sei auf vielen Plattformen zu sehen, sei dies auf Twitter, Facebook oder auch in YouTube- Videos. Die meist knappe Form der Kommunikation sei Schuld, dass Themen nur reduziert abgehandelt werden. Sicherlich spielt hier das Tempo der Neuen Medien zusätzlich eine grosse Rolle.

Stein greift zudem etwas auf, das allgemeingültig ist: An Witze können sich Menschen gut erinnern. Trifft man den Humor des anderen, gewinnt man seine Aufmerksamkeit, und durch die ausgelösten Emotionen erinnert man sich später besser daran zurück. Dass dies also auch in den Social Media versucht wird, ist nur eine logische Konsequenz. Grundsätzlich ist an der Verbreitung von unterhaltsamen Nachrichten nichts auszusetzen, insbesondere wenn diese positive Emotionen auslösen.

Glücklicherweise bleibt aber auch zu sagen, dass das Internet ein tolles Medium ist, um Themen tiefer abzuhandeln. Verständlicherweise können allein auf Twitter in 140 Zeichen keine tiefgründigen Diskussionen geführt werden. Aber wenn Unternehmen oder Personen wirklich gehaltvolle Diskussionen führen und tiefsinnige Beiträge verfassen wollen, zeigen beispielsweise Blogs, dass auch in der heutigen Zeit diese Art von Kommunikation nicht verloren gegangen ist.

Wichtig scheint mir, dass Personen wie auch Unternehmen authentisch bleiben und so kommunizieren, wie es ihnen entspricht. Ihr kennt das, wenn jemand versucht lustig zu sein. Versucht… Ich mag durchdachte Diskussionen, aber ich will nicht leugnen, dass mich auch triviale Beiträge unterhalten. Um mit den Worten von Stein abzuschliessen: «I only wish everyone didn’t have to try so hard all the time.»

Manuel P. Nappo
Studienleiter CAS Social Media
Management an der HWZ,
Chief Networking Officer
bei Centralway.
www.about.me/mpn

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Startklar für die Medienwelt

Junge Journalisten und solche, die es werden möchten, trafen sich vergangene Woche in Zürich zu den ersten Jugendmedientagen Schweiz. Es wurden Kontakte geknüpft und Diskussionen über den Journalismus geführt, es wurde geschrieben, gefilmt, fotografiert, getwittert und gepostet.

Wie werde ich Journalist? Welche Ausbildung ist die geeignete? Wie ist es, beim Medium XY zu arbeiten? Und wie komme ich zu einer Stelle? Solche und ähnliche Fragen beschäftigten die 75 Teilnehmer der Jugendmedientage Schweiz 2012 (JMT.) Sie sind zwischen 16 und 25 alt, studieren oder gehen noch zur Schule, schreiben für Jugendmagazine, arbeiten als freie Journalisten, moderieren am Radio oder machen Fernsehen. Und alle haben sie denselben Wunsch: künftig journalistisch tätig zu sein. Die Jugendmedientage boten ihnen die Gelegenheit, sich sowohl mit Gleichaltrigen als auch mit älteren Medienschaffenden auszutauschen. Bei Redaktionsbesichtigungen unter anderem bei Radio 1, Blick und Tages-Anzeiger sowie beim Schweizer Fernsehen erhielten die Teilnehmer Einblick in den Redaktionsalltag. In Arbeitsgruppen holten sie Ratschläge von erfahrenen Journalisten ein oder hörten zu, wie aus dem Nähkästchen geplaudert wurde.

Eine etwas offiziellere Runde fand mit der Podiumsdiskussion am Freitagabend statt, bei der Patrik Müller (Chefredaktor Der Sonntag), Hansi Voigt (Noch-Chefredaktor 20 Minuten online) und Alexandra Stark (Studienleiterin an der Schweizer Journalistenschule MAZ) zum Thema «Journalismus 24/7» diskutierten. Wie haben moderne Medien die Arbeit der Journalisten verändert? Schliesslich kann man heute von überall auf Medien zugreifen und arbeiten, ist ständig erreichbar. Moderator und Multimedia-Journalist Konrad Weber läutete die Runde mit der Frage ein, ob Journalisten besonders anfällig seien für ein Burn-out. Keiner der Podiums- teilnehmer sah sich derlei gefährdet. Betont wurde der zusätzliche Freiraum, der sich durch die neuen Technologien ergebe, indem beispielsweise zuhause gearbeitet oder die Zeit unterwegs genutzt werden könne.

Einigkeit bestand aber ebenso darin, dass Journalisten den Einsatz der neuen Möglichkeiten mit sich aushandeln müssen. Es sei wichtig, selber zu bestimmen, wann man kommuniziere und wann nicht, meinte Stark. Müller betonte, er wolle nicht zum Sklaven der Geräte werden: «Als ich beim Windelwechseln mit der Redaktion telefonierte, kam mir schon der Gedanke: Jetzt ist es vielleicht zu viel.» Und Voigt gestand, dass er es an freien Tagen vermeide, beim Surfen 20min.ch zu besuchen. Als Selbstschutz, sozusagen. Wenn er auf dem Newsportal Fehler sehe, müsse er handeln, so Voigt. Neue Medien waren beim Podium nicht nur Gesprächsthema, sondern ebenso Programm. Via Twitter schalteten sich die jungen Journalisten in die Debatte ein. Interessiert war der Mediennachwuchs vor allem daran, welche Ausbildung ein Journalist brauche. «Viele Wege führen nach Rom», meinte Müller, der eine in Bezug auf Bildung heterogene Redaktion für erstrebenswert hält. Wichtiger als Diplome sei ihm, was ein Bewerber schon gemacht beziehungsweise geschrieben habe. Der abtretende Chefredaktor von 20 Minuten online betonte, dass weniger die Ausbildung, sondern vielmehr der Wille entscheidend sei. Zwar liege die Akademiker-Quote in seiner Redaktion bei über 80 Prozent, so schätzte Voigt, relativierte jedoch sogleich: Studienabgänger wüssten vielleicht Definitionen von Textsorten herunterzubeten. Wie man sich in einer Redaktion verhalte, lernten sie dennoch erst bei der Arbeit.

Neben vielen positiven Bekundungen nutzte Müller die Podiumsrunde für etwas Kritik am Journalistennachwuchs. Viele Junge läsen zu wenig Zeitung, was der Schreibfähigkeit abträglich sei. «Lesen ist schreiben, schreiben ist lesen. Nur scrollen und scannen genügt nicht.» Ebenso ärgere er sich über die Arroganz junger Journalisten, die sich zu fein dafür sind, im Regionaljournalismus einzusteigen. Eine Kolumne über eine Gemeinderatsdebatte zu schreiben sei doch anspruchsvoller als das TV-Duell Obama – Romney zu kommentieren.

Einsatz bei Workshops

An den Medientagen wurde nicht nur über Journalismus diskutiert. Beim Partner NZZ Campus fanden Workshops statt, in denen die Teilnehmer das journalistische Handwerk lernten. Sie erfuhren unter anderem, wie Onlinerecherche und Datenjournalismus funktioniert oder wie der Alltag in einer Radio- und Fernsehredaktion aussieht. Sie nahmen Fotostrecken auf, führten Interviews oder produzierten eigene Radio- und Videobeiträge. Einige Teilnehmer engagierten sich zudem bei der Newsroom- Redaktion, die auf verschiedenen Kanälen laufend über die Medientage berichtete: in einem Blog, auf Twitter und Facebook sowie mit einem eigenes für die Medientage erstellten Magazin, das übrigens zusätzlich in gedruckter Form erschien. Nicht zuletzt bot der Anlass Unterhaltsames und unzählige Gelegenheiten zum Netzwerken und Feiern. Bei Apéros, einem Brunch, beim Konzert der Basler Band The Drops oder im Pfadihuus, der gemeinsamen Unterkunft. Kein Wunder, klagten Veranstalter und Teilnehmer gleichermassen über Schlafmangel.
 
Organisiert wurden die JMT vom Verein Junge Medien Schweiz nach dem Vorbild der deutschen Medientage. Im nördlichen Nachbarland finden regelmässig Netzwerkveranstaltungen auf regionaler und nationaler Ebene statt. Mit ihrer Idee, die Jugendmedientage auch in der Schweiz zu lancieren, fanden die Veranstalter Anklang. Als der Presseverein die Werbetrommel für den Anlass rührte, waren die Workshops bereits ausgebucht. Nach dem Anlass zieht Co-Projektleiterin Luzia Tschirky ein positives Fazit. «Ich bin begeistert und habe von vielen Teilnehmern positive Rückmeldungen erhalten.» Für Tschirky ist es denkbar, dass der Event nächstes Jahr wieder durchgeführt wird – sofern sich Sponsoren finden lassen. «Die drei Tage haben gezeigt, dass Jugendmedientage in der Schweiz eine Lücke schliessen.» Auch Vereinspräsident Felix Unholz hofft, dass sich der Anlass etablieren kann. Er verspricht sich von den JMT nicht zuletzt eine Öffentlichkeitswirkung. «Wir wollen der Branche zeigen, dass junge motivierte Nachwuchsjournalisten nachrücken.» Die Arbeit junger Journalisten müsse stärker wahrgenommen und wertgeschätzt werden.

Isabel Imper

In Kürze

Der Verein Junge Medien Schweiz (JMS) vernetzt junge Medienmacherinnen und Medienmacher sowie Jugendmedien. Als Dachverband vertritt er die Interessen der Jungjournalisten, indem er Kontakte zu Medien, Stiftungen und staatlichen Stellen pflegt. Er berät Medienschaffende bei redaktionellen und verlegerischen Problemen und bietet ihnen mit dem Jugendmedienausweis eine Legitimationskarte. Zudem finanziert und unterstützt JMS das von Journalist Konrad Weber gegründete Netzwerk Jungejournalisten. ch. Neben der nationalen Vernetzung fördert JMS die internationalen Kontakte, indem die Teilnahme an Veranstaltungen der europäischen Jugendpresse jungen Medienmachern ermöglicht und vergünstigt wird. Zu den Vereinsmitgliedern zählen Einzelmitglieder sowie Jugendmedien, darunter das Online-Magazin Negative White, die Jugendmagazine Tink.ch und 4-Teens und das Schülerinternetradio Kantipark.ch. Die Mehrheit der Jungjournalisten ist zwischen 15 und 25 Jahre alt, wobei das jüngste Vereinsmitglied gerade mal 13, das älteste 30 Jahre zählt. Mehr Informationen gibt es auf Jungemedien.ch.

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«Social Media ist ein Paralleluniversum, in dem viel passiert. Kümmert euch darum!»

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WW: Du nennst dich Journalist 2.0. Ist der moderne Journalist vor allem im Web 2.0 zu Hause?
Konrad Weber: Na ja, was ist der moderne Journalist? Sagen wir es so: Ich habe mit Social Media meine Heimat gefunden. Ich setze mich gerne mit der Technik auseinander. Die digitalen Möglichkeiten haben mich von Anfang an fasziniert. Dadurch bin ich immer wieder zu Jobs gekommen und so langsam reingerutscht …

Welche Jobs waren dies?
Ich konnte zum Beispiel mithelfen, NZZ-Journalisten im Umgang mit Twitter zu schulen, und ihnen die Recherchemöglichkeiten in Social Media aufzeigen. Während meines Praktikums letzten Herbst beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) habe ich zudem im Rahmen des Formats «Treffpunkt Bundesplatz » interaktiv vom Bundesplatz aus berichtet. Durch mein Social-Media-Interesse bin ich aufgefallen und in eine Projektgruppe gelangt, die sich damit beschäftigt, wie Journalisten im Netz auftreten sollen und welche Möglichkeiten sie bei der Recherche haben. Seit Anfang Jahr bin ich nun bei SRF für die Informationsabteilungen von Radio und Fernsehen in dieser Projektgruppe tätig.

Was bringst du den Journalisten bei?
 Zusammen mit Arbeitskollege Alexander Sautter gebe ich ihnen in erster Linie mit, dass es diese Plattformen überhaupt gibt. Journalisten müssen auf den Social-Media-Sites nicht zwingend aktiv sein, aber sollten realisieren, dass es noch ein Paralleluniversum gibt, in dem extrem viel passiert. Ich will zeigen: He da ist was und kümmert euch darum. In diesen Welten werden Inhalte geliefert, die man journalistisch nutzen könnte.

Wie reagieren die Journalisten darauf: interessiert oder eher skeptisch?
Ich habe viele Kurse geleitet, in denen sich die Teilnehmer mit Händen und Füssen gegen Social Media gewehrt haben. Viele Journalisten hatten das Gefühl, die gängige Praxis sei sinnvoll und müsse weitergeführt werden. «So machen wir es weiterhin.» In diesen Fällen braucht es viel Überzeugungsarbeit.

Sprichst du vor allem von den «alten Hasen»?
Nein. Mit grossem Erstaunen habe ich festgestellt, dass teilweise auch jüngere zwischen 25 und 30 mit einer extremen Skepsis ans Thema herangehen. Es ist mehr eine Haltungs- denn eine Altersfrage.

Wie gelingt dir der Durchbruch bei den Skeptikern?
Ich zeige positive Beispiele, bei denen der Einsatz von Social Media funktioniert hat. Und zwar Beispiele aus der Schweiz. Anhand der Ermordung Osama Bin Ladens liesse sich zwar schön aufzeigen, wie schnell die Nachricht auf Twitter um die Welt ging. Dann entgegnen mir die Journalisten jedoch: «Das ist ja schön und gut. Aber wie kann ich es in meinem Arbeitsalltag als Lokal- oder Inlandredaktor anwenden? » Ich zeige den Journalisten Möglichkeiten und Chancen, wie sie Social Media konkret nutzen können.

Kannst du ein Beispiel nennen?
Vor den Bundesratswahlen haben einige Politiker Gerüchte über Kollegen mit ihren Followern auf Twitter geteilt. Das ergibt vielleicht keine Top-1-Story. Zumindest hat man als Journalist aber ein paar Zusatzinfos und einen Wissensvorsprung gegenüber jenen, die diese Kanäle nicht nutzen. Hier zeigt sich wieder, was meine Botschaft ist: Wenn ihr nicht aktiv sein wollt, dann schaut zumindest, was passiert. Schaut, was Akteure, mit denen ihr täglich zu tun habt, auf diesen Kanälen tun.

Du setzt dich mit der Zukunft des Journalismus auseinander. Die Medien sind gut im Schwarzmalen. Wie sieht deine Prognose aus?
Ich kämpfe sehr gegen diese hartnäckige These, der Journalismus sterbe aus. Gute Geschichtenerzähler, die Ereignisse aufarbeiten und Komplexität reduzieren, wird es immer brauchen. Es wird höchstens ein Ablösen der Kanäle stattfinden. Onlinemedien bieten eine zusätzliche Möglichkeit, journalistisch aktiv zu sein und Geschichten anders zu erzählen. Das Spannende am Onlinejournalismus ist, dass man Bilder, Videos und Interaktion miteinander kombinieren kann. Endlich kann man mit den Lesern, Zuhörern und Zuschauern in Kontakt treten.

Interview: Isabel Imper

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Pixeldisko: Für Chocolat Frey Weihnachten nostalgisch verpackt

Eine weitere Verpackungslinie zum 125-jährigen Jubiläum der Chocolat Frey hält zur Weihnachtszeit Einzug in die Verkaufsregale der Migros. Hierfür lässt die Agentur Pixeldisko die Firmengeschichte aus drei Jahrhunderten Revue passieren.

Die Agentur transportierte 125 Jahre Schweizer Packaging in die Gegenwart, verlieh ihnen einen einheitlichen Liniencharakter und entwickelte die Marke sowie das Packaging Design für die Jubiläumslinie 2012. Eine illustrierte Winterlandschaft ziert eine weitere Auswahl an feinsten Pralinés und Schokoladenkugeln.

Verantwortlich bei Pixeldisko: Marc Schadegg (Creative Direction), Othmar Küng (Art Direction, Beratung), Pia Fleischmann, Corinne Wyssen, Katja Zimmermann (Grafik & Desktop Publishing). Verantwortlich bei Chocolat Frey: Adrian Bucher (Leiter Brand Management), Rie Canal, Barbara Egli, Daniel Hunziker, Adrian Gfeller, Gina Largo (Brand Management), Rico Diehl, Therese Hilfiker (Designentwicklung).
 

Strassenmädchen und Sittenwächter in Helvetistan

Beim Umgang mit autokratischen Regimes zeigen sich die Wesenskerne von Werbung und Journalismus. Von Oliver Classen, Pressesprecher der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern ehemaliger Medienredaktor.

Die aktuellen Liebesdienste respektive Peitschenhiebe für und gegen Aserbeidschans Staatskonzern Socar illustrieren die Widersprüche zwischen Käuflichkeit und Kritik. Wenn der turkmenische Diktator, wie jüngst geschehen, der versammelten Bundeshaus-Journaille faktisch einen Maulkorb verpasst, geht ein «Zensur»-Aufschrei der Empörung durch den Schweizer Blätterwald. Und wenn einer seiner bundesrätlichen Gastgeber – in diesem Fall unser Wirtschaftsminister – vor Amtsantritt noch bedenkenlos mit diesem Regime geschäftet hat, erntet er dafür nun harsche Kritik. Für eine funktionierende und widerstandsfähige Demokratie sind dies beides nicht nur legitime, sondern absolut notwendige journalistische Reflexe.

Wenn der Staatskonzern Socar aus dem nicht weniger autokratischen Aserbeidschan in der Schweiz 170 Esso-Tankstellen übernimmt, kommt selbst die hiesige Wirtschaftspresse nicht umhin, der prekären dortigen Menschenrechtslage wenigstens einen Nebensatz zu widmen. Ungeachtet dieses von Amnesty International im letzten Jahresbericht detailliert dokumentierten Missstands bastelt die Agentur Jung von Matt (JvM) in unheiliger Allianz mit der PR-Agentur Farner, die auch vor der Bespitzelung von NGOs nicht zurückschreckt, nun mit allen «tricks of the trade» an der millionenschweren Imagekorrektur des Öl- und Gasgiganten vom Kaspischen Meer.

Im Gegensatz zum unsichtbaren Schweizer Socar-Lobbyisten Farner hat sich der für die nationale Markeneinführung verantwortliche Werber öffentlich geäussert zu seinem «A-Klasse»-Mandat. Vielleicht musste er (auf journalistischen Druck) ja reden, wahrscheinlich aber wollte er (wie die meisten seiner Zunft) es sogar. Denn auch Thomas Deigendesch, Geschäftsführer von JvM/ brand identity, dürfte stolz sein auf Kommunikationshandwerk und jenes Rampenlicht geniessen, in dem sich sonst sein Boss oder seine Kunden sonnen dürfen. Was er im Persönlich-Interview zum Besten gab, zeugt allerdings von einer politischen Indifferenz und erschreckenden Ahnungslosigkeit, die symptomatisch ist für «die Kunst, auf den Kopf zu zielen und die Brieftasche zu treffen». (Vance Packard)

Auf die simple Frage nach der Identität seines Kunden etwa behauptete der Spezialist für Identitäts(um)bildungen allen Ernstes, Socar sei «nicht Aserbeidschan, (…) es ist ein eigenständiges internationales Unternehmen». Richtig ist: Socar wurde 1992 per Dekret des damaligen Staatspräsidenten Hejdar Alijew gegründet und zwei Jahre später schon von seinem Sohn Ilham geleitet, der die 10-Millionen-Einwohner-Republik seit 2003 mit harter Hand regiert. Der Alijew-Clan führt den neuen Montreux-Hauptsponsor und Migros- Geschäftspartner mit Strohmännern und Schachtelstrukturen wie einen transnationalen Familienbetrieb.

An die Konsumierenden gerichtet meinte Deigendesch zudem, «ich boykottiere doch auch nicht McDonald’s, wenn ich die Haltung der US-Regierung nicht gut finde». Zur Erinnerung: Bezüglich Pressefreiheit rangiert Aserbeidschan im Reporter- ohne-Grenzen-Ranking 2011 noch hinter Afghanistan auf Platz 152 von 180, und im Korruptionsindex von Transparency International sieht es ganz ähnlich aus. All dies und noch mehr haben die Schweizer Medien in den letzten Wochen sauber recherchiert und rapportiert, aber Markenmanager scheinen keine Zeitung zu lesen. Was immer man also von der globalen Frittenbude und der Administration Obama weiss oder hält: Dieser hahnebüchene Vergleich wäre eigentlich ein Fall für die Lauterkeitskommission oder, besser noch, den Presserat.

Überhaupt darf man gespannt sein, (ob) was passiert, wenn die drei Flammen nicht mehr nur auf Megaplakaten und an Zapfsäulen, sondern bald auch auf doppelseitigen Inseraten prangen. Wie wird der damit vorprogrammierte «clash of cultures» zwischen kommunikativer Käuflichkeit und journalistischer Kritik ausgehen? Wir bleiben dran.
 

Interagis: Rüegg rollt weiter voran

Der Generalimporteur von Continental Velo- und Moto-Reifen Arthur Rüegg setzt auf Dialog. Interagis hat für das Unternehmen einen Dialog-Prozess lanciert.

Mit diesem soll das Unternehmen nun über die kommenden 15 monate aktive und professionell auf die Händler zugehen. Interagis zeichnet für das gesamte Dialog-System wie auch für alle dialogischen Massnahmen verantwortlich: Vom Telefon-Marketing bis hin zu den schriftlichen Kommunikationsmitteln.

Verantwortlich bei Interagis: René Stettler, Ralf Doller (Beratung), Philipp Intlekofer, Matthias Albrecht (Gestaltung und Desktop).
 

Blick und Le Matin bringen gemeinsam das Skialpin Extra 2012

Die beiden Sport-Publikationen Blick und Le Matin arbeiten für das jährlich erscheinende Skialpin Extra erstmals redaktionell und auch im Anzeigenverkauf eng zusammen.

Das nächste Ski Special erscheint am Freitag, 23. November. Es wird erstmals in Kooperation mit der französischsprachigen Tageszeitung Le Matin zweisprachig produziert, heisst es in eine Ringier-Mitteilung vom Donnerstag. Das Tabloid-Magazin präsentiere sich reich bebildert auf Zeitungspapier.
 

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