Er habe sehr deutlich klargemacht, dass er nicht für eine Co-Chefredaktion zur Verfügung stehe, so Hansi Voigt gegenüber dem Sonntag. Das sei möglicherweise als mangelnde Kompromissbereitschaft verstanden worden. Er könne verstehen, dass man nicht denjenigen befördere, der einem die Pistole auf die Brust setze, so Voigt im Interview mit dem Sonntag. Ausserdem hätte er ein komplett umgekehrtes Konzept verfolgt. So wollte er sämtliche inhaltlichen Entscheidungen bei 20 Minuten in der Online-Redaktion ansiedeln. Denn dort seien alle Entscheidungen möglich: «Was machen wir sofort, was heute, was morgen? Was gross, was klein? Was wird gefilmt, was geschrieben, was gedruckt?». Print-Produzenten hätten dann am Abend darauf basierend die Printausgabe verfasst.
Den Sparkurs bei 20 Minuten hat Hansi Voigt hat im Interview mit dem Sonntag ganz konkret kritisiert: «Tamedia machte letztes Jahr 170 Millionen Franken Gewinn und 20 Minuten hat am meisten dazu beigetragen», so Voigt. Die Renditen liegen bei 20 Minuten über 20 Prozent. «Damit könnte man dem Journalismus ganz gut aus der angeblichen Krise helfen», sagt Voigt. Leider werde aber zurzeit in den Grossverlagen nicht in bessere Inhalte oder neue Medienmodelle investiert, sondern beispielsweise Firmen zusammengekauft, die nichts zu tun hätten mit dem enormen Wert, den Redaktionen für den Verleger schaffen. Als Beispiel nennt Voigt das Portal Jobs.ch, das Tamedia mit Ringier zusammen für 390 Millionen Franken gekauft hat.
Funktioniert das Modell der Paywall?
In der Paywall sieht Voigt nur bedingt ein Erfolgsmodell. So könnte die Paywall zwar bei nationalen Medien, wie der NZZ, funktionieren. Ansonsten sei er skeptisch, so Voigt gegenüber dem Sonntag. Denn das Hochziehen einer Paywall bedeute, dass die Marke ihre digitale Zukunft verliere. Seine Skeptik richte sich vor allem gegem Metered-Paywalls. Da immer mehr Nutzer ihre Informationen von den Empfehlungen auf Facebook oder Twitter beeinflussen lassen, gehe man nicht mehr direkt auf die Medienmarke, wenn man nach fünf Mal klicken zahlen müsse. «Sondern du lässt deine Freunde eine Auswahl treffen», führt Voigt aus.
Forderung einer Google-Steuer
Der vieldiskutierte Ruf der Verleger nach eine Google-Steuer zeigt für Voigt vor allem ein tiefes Unverständnis für die digitalen Entwicklungen. Zwar sei er auch der Meinung, dass dominante Marken wie Apple oder Google klaren Regeln unterstellt werden müssen, sagt Hansi Voigt gegenüber dem Sonntag. Damit sollten aber nicht die «Pfründe der Verleger» geschützt werden. Die Regeln sollten eingeführt werden, weil es gesellschaftlich sinnvoll wäre. Hansi Voigt erachtete den Ruf der Verleger nach einer Google-Steuer als unglaubwürdig, wie er gegenüber dem Sonntag erwähnt: «Man kann nicht dauernd Markt und Wettbewerb bejubeln, und wenn man den Wettbewerb hat, nach dem Staat rufen, weil die Rendite sinkt.»