Das Prinzip ist ganz einfach: Ein leeres Gästezimmer, ein Auto, das nur einmal pro Woche ausgefahren wird, ein unbenutzter Bürotisch oder der Parkplatz, der tagsüber leer steht, werden an Personen vermietet, die auf der Suche nach einer Unterkunft, einem Mietauto, einem temporären Arbeitsplatz oder Parkplatz sind. Bisher ungenutzte Kapazitäten können dadurch ausgelastet werden, und davon profitieren beide Parteien. Ein weiteres Merkmal ist die Flexibilität. Die meisten Dinge können sehr kurzfristig und temporär gemietet werden. Dies ist an und für sich nichts Neues, bereits früher hat man fernab vom Internet Sachen getauscht und vermietet, aber das Web 2.0 macht das Teilen wesentlich einfacher. Auf der Suche nach einer Bohrmaschine für einen Tag genügt ein Klick, und man sieht, wer in der Nachbarschaft das entsprechende Material zur Verfügung stellt. Weitere Beispiele der Sharing Economy gibt es zuhauf.
Das zurzeit wohl bekannteste ist Airbnb. Privatpersonen vermieten auf dem Portal ihre Gästezimmer oder Zweitwohnungen. Auf RelayRides kann man sein Auto vermieten oder mit Park it, einem Zürcher Unternehmen, einen freistehenden Parkplatz ergattern. Bei NeighborGoods gibt‘s Gegenstände wie Bohrmaschinen oder Leitern aus der Nachbarschaft. Sein Wissen kann man auf Skillshare teilen, und für Geld findet man im LendingClub Abnehmer. CoWorking-Spaces mit temporären Büroplätzen sind ebenfalls weit verbreitet. Aber auch Gartenbeete werden geteilt und sogar Essen. Auf Mealku kann entweder für Fremde gekocht oder ein Take-away-Menü bei Unbekannten abgeholt werden. Aber wieso eigentlich das Ganze?
Forbes Magazine trifft es wohl mit dem Satz «Ownership, the root of the American dream, took a hit.» auf den Punkt. Für die heutige Generation ist Besitztum nicht mehr von solcher Wichtigkeit wie noch vor einigen Jahren. Auf ein Eigenheim verzichten viele auf Grund der Flexibilität, statt ein Auto zu besitzen, hat man die Mobility-Karte im Portemonnaie, und DVD und Musik streamt man sowieso nur noch.
Die Sharing Economy hat das Potenzial, zu einer Bewegung zu werden. Sharing is caring gilt nicht mehr nur online, sondern wird auch offline gelebt. Auf Facebook teilen wir bereits unser Leben. Statt nur Online-Inhalte zu teilen, lösen wir uns jetzt auch von materiellen Besitztümern und machen uns zu Mini-Unternehmern. Tiefere Kosten und weniger Verschwendung sind wohl die Hauptgründe dafür. The Sharing Economy: Das neue Auto, das schöne Haus oder das lukullische Essen nicht nur auf Facebook teilen und bei Freunden damit angeben, sondern im echten Leben die anderen daran teilhaben lassen.
Manuel P. Nappo
Studienleiter CAS Social Media Management an der HWZ, Chief Networking Officer bei Centralway. www.about.me/mpn