Dachcom.Digital lanciert Publikations-App für die HSG

Die Universität St. Gallen HSG hat ein ausschliesslich digital verfügbares Magazin lanciert: HSG Focus. Konzipiert und umgesetzt wurde die App von Dachcom.Digital.

Das Magazin löst das bisherige HSG-Blatt ab und wird als App für Tablets und Smartphones herausgegeben. Verfügbar ist das Magazin für die Betriebssysteme iOS (App Store) und Android (Google Play Store). HSG Focus ist inhaltlich deutlich umfangreicher und vielfältiger als das bisherige HSG-Blatt, so die Agentur in einer Mitteilung vom Freitag.

Das neue Magazin erscheint viermal im Jahr und besteht einerseits aus einem Dossier mit Beiträgen zum Schwerpunkt-Thema der jeweiligen Ausgabe. Andererseits werden wissenswerte Neuigkeiten und Hintergrundgeschichten von öffentlichem Interesse über das Universitätsleben zu lesen sein. Das Magazin richtet sich laut Mitteilung nach aussen – es soll nicht nur die Uni-Gemeinde, sondern bewusst auch eine breite Öffentlichkeit ansprechen.

Redaktionell bewirtschaftet wird die App über ein CMS. Zur Lancierung am 28. Februar 2013 hat Dachcom zudem Info-Panels für den Uni-Campus sowie Tischsets und Bierdeckel für Mensa und die HSG-Bar «Ad Hoc» kreiert. Darüber hinaus wurde eine Videoanimation für die digitale Bewerbung erstellt. Sämtliche Elemente bilden Bestandteile der von der HSG geführten Lancierungskampagne.

 

Myclimate gratuliert dem neuen Papst

Die Klimaschutzstiftung Myclimate hat auf das gesellschaftspolitische Ereignis des Tages reagiert und dem frischgewählten Papst in Rom gratuliert. Der digitale Glückwunsch, erstellt von Red Lion, zeigt den rauchenden Schornstein, auf den die Welt gebannt geschaut hat.

So soll der digitale Glückwunsch mit einem humorvollen Augenzwinkern auf die Möglichkeit der CO2-Kompensation hinweisen.

http://www.youtube.com/watch?v=Y9gOgLR4WZM

Verantwortlich bei Myclimate: Kathrin Dellantonio (Bereichsleiterin Marketing & Sales), Kai Landwehr (Projektleiter Marketing). Verantwortlich bei Red Lion, Zürich: David Fischer (Leiter Kreation), Tom Kees (Art Direktor), Nicolo Giunta (Junior Art Direktor), Massimo Giannotta (Web Developer), Sabrina Elsässer (Beratung).

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Zusammenarbeit zwischen Nestlé Purina und ECAL

Nestlé Purina spannt für seine Katzenfuttermarke Gourmet mit der Fachhochschule für Kunst und Design ECAL zusammen. In einem Testlauf kreierten 32 ECAL-Studenten verschiedene Varianten, wie Gourmet Produkte im Fachhandel neu präsentiert werden könnten.

Das neue Layout sollte eine detaillierte Übersicht der Produkte beinhalten und dem Konsumenten ein neues Verkaufserlebnis bieten. Im Vordergrund stand laut Mitteilung die Kombination aus Design und Funktionalität. Die lokale Nähe zwischen Nestlé und der ECAL (école cantonale d’art de Lausanne) bot die beste Voraussetzung für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

32 Studenten der ECAL erhielten von Nestlé Purina Schweiz den Auftrag, für Gourmet kreative Ideen und Lösungen für die Produktpräsentation im Fachhandel zu entwickeln. Ziel war, Design und Kreativität der jungen Studenten zu fördern, um ein neuartiges Regalkonzept zu kreieren. Die Aufgabe bestand darin, die Präsentation an Verkaufsstellen so zu ändern, dass das Gourmet-Regal heraussticht. Attraktive Informationstafeln sollen dem Kunden einen Überblick über die verschiedenen Gourmet-Produkte geben und so ein neues Einkaufserlebnis bieten.

Insgesamt waren die ECAL-Studenten zwei Monate mit diesem Projekt beschäftigt. In dieser kurzen Zeit galt es Ideen zu entwickeln, die realisierbar waren und den Richtlinien der Marke entsprachen. Daraus erstellten sie Prototypen. «Eine grosse Herausforderung für die jungen Studenten, die bis anhin viele Konzepte entwickelt, aber wenige für den Markt realisieren konnten», so Martino D’Esposito, Industrial Designer von ECAL.

Von der Idee bis zum Prototyp

Die grösste Herausforderung für die Studenten war, die bestmögliche Kombination zwischen Design und Funktionalität zu finden und dabei die Richtlinien von Gourmet einzuhalten. Das neue Layout sollte folgendes ausstrahlen: «Die Marke Gourmet zeichnet sich durch höchsten Genuss für ganz besondere Katzen aus». Die Markenidentität von Purina stand während der gesamten Prozessentwicklung im Vordergrund. Aus dem eigens entwickelten Ideenkatalog entstanden insgesamt 17 verschiedene Prototypen.

Vom Prototyp zum Endprodukt

Nach der Fertigstellung der Prototypen präsentierten die ECAL-Studenten 17 verschiedene Resultate in ihrer Schule. Nestlé Purina wählte daraus ihre vier Favoriten:

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Der rote Teppich (tapis rouge) formt einen visuellen Weg direkt zum Produkt. Er soll dazu einladen, die Auswahl an Gourmet-Produkten näher zu betrachten.

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Der «Ecran-Zoom» zeigt auf einen Blick die drei verschiedenen Gourmet Ausrichtungen: Gold, Perle und A la carte. Jede Ausrichtung ist durch eine andere Farbe gekennzeichnet und wird durch den «Ecran-Zoom» sichtbar. Zugleich gibt der Zoom eine Kurzbeschreibung über das Katzenfutter und der Konsument erhält einen Überblick über das gesamte Sortiment.

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Die «Effective Reflexion» zeigt eine zum Futter steigende Katze vor dem Regal. Diese wird optisch durch einen Spiegel, welches sich von oben nach unten entlang dem Regal zieht, dargestellt (Druck Katze und Produktinformationen auf dem Spiegel). Die Informationstafel zeigt dem Konsumenten ebenfalls die drei Ausrichtungen von Gourmet Katzenfutter.

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«Home sweet home» stellt einen Trennraum zwischen den verschiedenen Gourmet-Produkten her. Diese Abtrennung besteht aus einer Schachtel, welches das Layout einer Katze in der gemütlichen Stube zeigt. Eine LED-Beleuchtung im Inneren der Schachtel gibt der gesamten Präsentation ein warmes Gefühl.

Gourmet arbeitet nun an der Umsetzung der Konzepte im Fachhandel.
 

Die Nordwestschweiz ernennt drei neue Ressortleiter

Die Chefredaktion Nordwestschweiz hat drei neue Ressortleiter ernannt: Dagmar Heuberger, Fabian Hägler und Toni Widmer.

Dagmar Heuberger wird per 1. Mai 2013 Ressortleiterin Ausland. Sie arbeitet seit 1984 im Unternehmen und begann ihre journalistische Tätigkeit als Lokalredaktorin beim Aargauer Tagblatt, wo sie seit 1989 für das Auslandressort schrieb. Sie hat Allgemein- und Militärgeschichte studiert und war die erste Frau in der Schweiz, die Militärgeschichte mit dem Lizenziat abgeschlossen hat.

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Fabian Hägler wird per 1. August 2013 Ressortleiter Aargau. Mit der neu geschaffenen Ressortleitung soll die Berichterstattung im Kerngebiet Aargau wieder mehr Gewicht bekommen. Fabian Hägler arbeitet seit 1995 im Unternehmen. Er begann als freier Mitarbeiter, war seit 1998 Redaktor und ist seit 2011 als Ressortleiter für das Freiamt tätig. Nach der Kantonsschule in Wohlen studierte Fabian Hägler an der Universität Zürich Anglistik, Geschichte und Politologie.

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Toni Widmer wird per 1. August 2013 Ressortleiter Freiamt. Er ist gelernter Schriftsetzer. Seine redaktionelle Tätigkeit begann er beim Wohler Anzeiger. Er ist seit 1986 im Unternehmen: zuerst als Redaktor Bremgarten und Redaktor Wohlen für das Badener Tagblatt und seit 2004 im Ressort Aargau unter anderem als Polizeireporter. Er behält seine Funktion als Präsident der Personalkommission der AZ Medien.

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EWL wird zum lokalen Provider und plant neues TV-Angebot

Energie Wasser Luzern EWL wird zum lokalen Provider. Zudem will das Unternehmen im kommenden Sommer eine neue TV-Lösung mit HD-Sendern und zeitversetztem Fernsehen auf den Markt bringen.

Dafür gingen EWL und das Luzerner ICT-Unternehmen Arcade Solutions laut Medienmitteilung vom Donnerstag eine erweitere Partnerschaft ein. EWL beteiligt sich nun mit 40 Prozent am ICT-Spezialisten. In Luzern verfügen bereits 60 Prozent aller Haushalte über Glasfasern. 2015 sollen es 95 Prozent sein. Da habe sich die Frage für EWL also gestellt, ob diese Infrastruktur nur vermietet oder für eigene Mehrwertdienste genutzt werden soll, heisst es.

EWL entschied sich, zum Provider zu werden. Im kommenden Sommer soll zudem eine neue TV-Lösung mit HD-Sendern und zeitversetztem Fernsehen folgen. Diese sei besonders attraktiv, da die gesamte Technik in einer kleinen Box Platz habe – so klein und handlich wie eine Schachtel Pralinen, wird Oliver Stahel, Gründer und Hauptaktionär von Arcade, zitiert.

Konkret sollen die Kunden von 30 Stunden Replay-TV profitieren. Hinzu kommt ein Grundangebot mit über 200 TV-Kanälen – davon rund 40 in HD-Qualität. Auch mobile TV-Lösungen für PC, Tablets und Smartphones soll es geben.

Ebenfalls im Sommer wollen die beiden Unternehmen zudem die Verbindungskapazität für Privat- wie für Geschäftskunden auf ein Gigabit pro Sekunde erhöhen. Bisher waren maximal 100 Megabit pro Sekunde möglich. (SDA)
 

Wieviele Wallets wollen wir?

Für das Mobile Payment kündigt sich in der Schweiz noch in diesem Jahr der Durchbruch an – für das Marketing eröffnen sich damit neue Chancen.

Noch in diesem Jahr soll Mobile Payment den Durchbruch schaffen. Wichtiges Indiz für diese Prognose ist die Tatsache, dass die Grossverteiler ihre Zahlterminals entsprechend aufrüsten. Gibt es einmal genügend häufig Gelegenheiten, Einkäufe mit dem Handy schnell und einfach zu bezahlen, wird M-Payment massengängig. Und damit eröffnen sich dem Marketing wichtige neue Möglichkeiten zur Absatzförderung, die auch in Werbekampagnen werden einfliessen können.

Doch noch wird im Hintergrund um die künftige Gestaltung der MPayment- Landschaft in der Schweiz gerungen, und es erscheint ungewiss, wie sich die verschiedenen alten und neuen Player werden arrangieren können. Doch welche Marktordnung hier entsteht, ist aus Marketingsicht für den künftigen Einsatz von MCommerce entscheidend. Wieder einmal sind es die drei Buchstaben einer Abkürzung für einen technischen Begriff, der schlagwortartig die Runde macht: NFC. Gemeint ist Near Field Communication (zu deutsch «Nahfeldkommunikation ») und damit eine Technik, mit der entsprechend ausgerüstete Geräte auf eine kurze Distanz von wenigen Zentimetern Daten austauschen können.

NFC-Chips gibt es schon seit ein paar Jahren in Kreditkarten, und sie tauchen nun auch in ersten Handy-Modellen auf. Damit können etwa schnell und bequem entsprechend ausgerüstete Lautsprecher mit dem Mobiltelefon gekoppelt werden. Oder das NFC-fähige Handy dient als Autoschlüssel, wie dies Hyundai kürzlich in einem Konzept- Modell vorgestellt hat. Geht es um Mobile Payment, ist es wichtig, die folgenden drei Spielarten zu unterscheiden:
 
NFC plus Karte: In der Absicht, die Sicherheit gegenüber dem herkömmlichen Magnetstreifen zu erhöhen, haben Eurocard, Mastercard und Visa begonnen, Kreditkarten mit einem NFC-Chip auszurüsten. Trifft eine solche Karte auf ein entsprechend ausgerüstetes Bezahlterminal (was bisher nur selten der Fall war), braucht es zum Bezahlen keinen PIN, keine Unterschrift, und die Karte braucht auch gar nicht aus dem Portemonnaie genommen zu werden. Hinhalten genügt – und weil das so einfach ist, können so auch nur Beträge bis höchstens 40 Franken beglichen werden. In der Schweiz hat allein der Kreditkartenspezialist Aduno rund 750 000 Kreditkarten im Umlauf, die mit einem NFC-Chip für das so genannte kontaktlose Bezahlen ausgestattet sind. NFC-Chips brauchen an sich keine Kreditkarten: Sie sind dünn genug, um als Aufkleber etwa auf ein Handy geklebt zu werden – ein Vorgehen, das etwa in Fernost weit verbreitet ist, um das Contactless Payment zu fördern.
 
NFC plus Handy: Derzeit tauchen bei uns erste Handy- Modelle auf, die mit einem NFC-Chip ausgerüstet sind – allerdings kann damit so nicht bezahlt werden (hingegen liesse sich damit, zum Beispiel, ein Auto starten). Denn zuerst muss der NFC-Chip mit einem Bezahlmittel (einer Debit- oder Kreditkarte) verbunden werden. Dazu braucht es eine App mit einem so genannten elektonischen Portemonnaie oder auf Neudeutsch: ein Wallet. Es zeichnet sich ab, dass in nächster Zeit verschiedene solcher Wallet-Lösungen mit unterschiedlichen Merkmalen auf den Markt drängen werden. Obwohl technisch nicht unbedingt so zwingend, wird es in Europa vor allem Wallets geben, die mit einer NFC-fähigen SIM-Karte im Handy verbunden sind. So können zusätzliche Sicherheitselemente erreicht werden, da nur der Netzbetreiber auf die entsprechenden Inhalte solcher SIM-Karten zugreifen kann. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um auch grössere Beträge über das Handy bezahlen zu können, wofür es allerdings eine Bestätigung etwa mit einem PIN-Code braucht. Und das funktioniert nur, wenn der jeweilige Mobilfunkanbieter entsprechende Verträge mit den Unternehmen hat aushandeln kön- nen, die herkömmlicherweise im Transaktionsgeschäft tätig sind.
 
Handy plus Cloud: Es wäre ja erstaunlich, wenn angesichts der grossen Ertragspotenziale rund um MPayment der Rest der Welt diese Chance einfach den Mobilfunkbetreibern überlassen würde. Also wird argumentiert, NFC sei überholt, zumal der Standard auf eine Zeit vor zwanzig Jahren zurückgehe, als noch kaum jemand an die inzwischen fast überall verfügbaren Datennetze gedacht habe. So könnten die mit der NFC-SIM-Karte verbundenen Sicherheitselemente heute einfach und dank Verschlüsselung auch sicher über das Netz abgewickelt werden. Solche Argumente verfangen vor allem in den USA, wo M-Payment im Vergleich mit Fernost und Europa hinterherhinkt.

Und so gibt es denn zahlreiche Anbieter und Start-ups, die hier Fuss fassen wollen. Am bekanntesten ist PayPal, der als Bezahldienstleister vor allem im e-Commerce-Bereich weit verbreitet ist. Und auch Google-Wallet gehört in diese Kategorie. Solche Lösungen funktionieren, ohne dass Konsumenten oder Händler in teure neue Gerätschaften investieren müssen. Dafür läuft der Bezahlvorgang nicht gleich «cool» ab wie bei NFC-basierten Lösungen, denn anstatt nur mit dem NFC-Chip bei der Kasse vorbeizuwedeln, müssen etwa Zahlencodes eingetippt werden.

Doch dafür wird so das Handy des Konsumenten recht eigentlich zum POS, was wiederum neue Möglichkeiten eröffnet, wenn überall bezahlt werden kann, wo es eine Datenverbindung, aber nicht notwendigerweise eine Kasse gibt. Aber auch das Handy des Verkäufers mutiert zum Zahlterminal, etwa mit Zusatzgeräten, die das Einlesen von Kreditkarten und deren Verarbeitung erlauben. Diese drei Varianten stehen bei M-Payment derzeit im Vordergrund. Daneben gibt es weitere, wie etwa die Belastung des Einkaufsbetrags auf der laufenden Handy-Rechnung des Benutzers. Dieses Vor – wohl wegen der damit verbundenen Risiken – nicht als Inkassounternehmen auftreten wollen.

Nicht der erste Anlauf

Gleich wie bei der Werbung auf dem Handy wird auch beim Thema Mobile Payment seit Jahren immer wieder der bevorstehende Durchbruch vorausgesagt. Schon vor zehn Jahren lief bei Swisscom ein Mobile-Payment-Projekt mit dem Fokus auf mobilem Bezahlen mit Debit- und Kreditkarten. Ende 2003 wurde das Vorhaben gestoppt, weil die Finanzinstitute ihre Debitkarten (Maestro, Postcard) dafür nicht zur Verfügung stellen mochten. Unter dem Namen «Hermes» folgte im Herbst 2008 die nächste Schweizer Mobile-Payment-Initiative, als Credit Suisse, PostFinance, Swisscard, Swisscom, SIX Multipay (ehemals Telekurs Multipay) and Visa Europe einen gemeinsamen Testversuch durchführten, der erste Erkenntnisse über die Kundenbedürfnisse und die technische Machbarkeit brachte. Daraufhin haben die Kreditkarten-Unternehmen MasterCard und Visa begonnen, Kreditkarten auf den Markt zu bringen, mit denen dank eingebautem Funkchip das kontaktlose Bezahlen ermöglicht wurde. Obwohl bisher schweizweit mehr als 750 000 solcher Karten vertrieben wurden, geriet das Ganze zum Rohrkrepierer: Die Händler waren nicht bereit, ihre Kassensysteme dafür umzurüsten, und nur an wenigen Orten (z. B. bei der Fastfood-Kette McDonalds) konnte bisher so bezahlt werden.  
 
Das ändert sich nun: Die beiden Grossverteiler Coop und Migros sind daran, ihre Zahlterminals flächendeckend zu modernisieren. Der Grund dafür liegt allerdings in einer vertraglichen Verpflichtung, diese Geräte periodisch auf den neusten technischen Stand zu bringen, wie Bernhard Wenger, Mediensprecher der SIX Management, gegenüber der Werbewoche ausführte. So hält sich denn laut den Worten von Urs Peter Naef, Mediensprecher beim Migros-Genossenschafts- Bund, die Begeisterung für M-Payment zumindest bei der Migros in Grenzen: «Das heisst aber nicht, dass ab diesem Zeitpunkt in Migros-Filialen das kontaktlose Bezahlen möglich sein wird, da es noch zusätzliche Komponenten benötigt und NFC abgesehen von einzelnen Pilotinstallationen als Technologie noch sehr wenig verbreitet ist.»

Und auch Urs Meier, Mediensprecher bei Coop, weist darauf hin, dass in einem Pilotversuch für M-Payment im letzten Jahr noch technische Schwierigkeiten zu Tage getreten seien, so sei das Positionieren des Handys am Terminal beispielsweise heikel. Doch er fügt an: «Sowohl Kundschaft wie Personal zeigten sich aber begeistert, was vor allem auf die Schnelligkeit des Zahlvorgangs zurückzuführen ist und die Tatsache, dass man nicht zwingend ein Portemonnaie braucht.» Tauchen so im Handel bis Ende Jahr NFC-fähige Bezahlterminal flächendeckend auf, sind die NFC-Chips in Karten oder Handys nicht länger quasi nutzlos, sondern können nun verbreitet eingesetzt werden. Derweil haben die drei Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Orange im vergangenen Jahr eine NFC-Arbeitsgruppe gebildet, damit sich im Schweizer Markt Standards durchsetzen und somit alle Kunden von neuen Services profitieren können.

Neue Chance für Absatzförderung

Wer eine Kampagne umfassend gestaltet, hat sich bisher kaum mit dem Bezahlvorgang für das beworbene Produkt beschäftigt. Kommt nun das Mobile Payment in die Schwünge, eröffnen sich damit aus Marketingsicht interessante neue Möglichkeiten, wobei es nicht länger allein um M-Payment, sondern um den übergeordneten Begriff des M-Commerce geht. Zum Beispiel Gutscheine: Bisher werden diese über Massenmedien breit gestreut, aber die Vorlaufzeiten lassen keine schnelle Reaktion auf aktuelle Begebenheiten zu und auch eine individuelle Ansprache war nur schwierig umzusetzen. Versuche mit M-Couponing könnten das zwar ändern, doch sind die Abläufe für den Kunden wenig attraktiv: Neben dem Bezahlvorgang muss an der Kasse auf dem Handy der Gutscheincode angezeigt und separat verarbeitet werden.

Erst mit Wallets geht das schön auf: Der Gutschein wird gleich ins digitale Portemonnaie transferiert und kann beim Bezahlen automatisch berücksichtigt werden. So werden neue Spielarten möglich: Gutscheine werden nicht mehr per Giesskanne, sondern auf Grund der Kundengeschichte oder anderen Profilmerkmalen individuell verteilt. Und sie können je nach Marktlage auch blitzschnell verteilt werden: Startet die Konkurrenz mit einer Sonderaktion, kann so der Kaufanreiz für das eigene Produkt rasch gesteigert werden. Besonders attraktive Szenarien ergeben sich, wenn Lokalisierungsdienste mit ins Spiel kommen: Wer in der Nähe des Verkaufstandorts ist, erhält Gutscheine ins Handy-Portemonnaie gespielt, die Kunden zum Besuch des jeweiligen Ladengeschäfts animieren sollen.

Wer gewinnt den Wallet-Krieg?

Wer dereinst solche M-Couponing-Strategien fahren will, überlegt sich mit Vorteil heute, wie die MPayment- Landschaft in der Schweiz künftig ausgestaltet werden soll. Dabei geht es um Fragen wie diese: Sollen (allenfalls kartellrechtlich heikle) Absprachen gefördert werden, damit es ein «Swiss Wallet» gibt, also eine Einheitslösung, an der alle Marktteilnehmer partizipieren können? Oder soll dem freien Markt freien Lauf gelassen werden, womit wohl eine Unzahl von Wallet-Apps auf die Konsumenten zukommt und die virtuellen Portemonnaies in den Smartphones den herkömmlichen, mit Kredit- und Kundenkarten vollgestopften gleichen werden? Wo kann ein sinnvoller Mittelweg zwischen (womöglich staatlichem) Interventionismus und Marktliberalität liegen? Wessen Aufgabe soll es (allenfalls) sein, eine effiziente M-Payment-Marktordnung herbeizuführen? Der Behörden? Der Politik? Der Branchenorganisationen? Wie marketingfreundlich werden Wallet- Lösungen der Mobilfunkanbieter sein? Welche Bedingungen werden gelten, um Mobile Coupons zu versenden? Werden alle Handy- Benutzer über alle Mobilnetzbetreiber erreichbar sein, oder wird jeder sein eigenes Gärtchen pflegen? Und vor allem: Welche Tarife werden gelten, um Daten über Loyalitätsprogramme in einem Wallet ablegen und bei Bezahlvorgängen automatisiert mitverarbeiten zu können? Welche Auflagen (etwa betreffend Opt-in) werden Konsumenten- und Datenschützer durchsetzen? Ist es angezeigt, innerhalb der Kommunikationsbranche den Umgang mit Mobile Couponing freiwillig zu regeln, damit dieses Instrument beim Publikum durch ungezügelte Anwendung nicht in Misskredit gerät? Wer organisiert (und bezahlt) Kommunikationsanstrengungen, um die grundsätzliche Vorteile von M-Payment beim Publikum aufzuzeigen?

Unternehmen stehen vor der Frage, ob es denn besser wäre, eine eigene Wallet-Lösung für die eigenen Kunden zu lancieren, um damit die eigenen Angebote und Kundenbindungsmassnahmen besser präsentieren zu können. Vor dieser Frage stehen etwa Mobilitätsanbieter, die M-Payment für den Billettverkauf nutzen möchten: Hier muss nicht nur der Bezahlvorgang für die Kundschaft möglichst einfach und sicher sein. Auch muss sichergestellt sein, dass die derart eingekauften Tickets so ausgeliefert werden, dass sie kontrolliert werden können. Weil bei einer automatisierten Kontrolle (etwa an einer Schranke) mit Vorteil die NFC-Technik zum Einsatz kommt, wird der gekaufte Fahrausweis auf den NFC-Chip übertragen werden müssen. Nun wird verständlich, weshalb die SBB in letzter Zeit eigene M-Payment-Vorstellungen kommuniziert haben: Hier geht es darum, bei den künftig dominierenden Wallet-Anbietern möglichst gute Konditionen (technischer und kommerzieller Art) herauszuholen. Ansonsten die Drohgebärde heissen soll: Wir machen selber eine Wallet-Lösung. Es wird klar: Noch hat Mobile Payment nicht abgehoben, und schon ist die Landschaft unübersichtlich und viele Fragen sind ungelöst. Viele wollen mitspielen und drängen mit eigenen Vorstellungen auf den Markt. Gut möglich, dass Konsumenten darob den Überblick und das Interesse verlieren, womit ein langwierige Abnützungskrieg um die Vorrangstellung im Markt vorprogrammiert ist. Haben dann einmal die Schwergewichte (von Amazon, Apple, Google über Visa, Mastercard und Konsorten, bis – in der Schweiz – hin zur Swisscom und zur SIX Group) die Mitbewerber verdrängt (aufgekauft oder ruiniert), wird es eine neue Chance geben.

Christoph J. Walther
 
In Afrika ist Mobile Payment Standard
Da in vielen Schwellenund Entwicklungsländern die wenigsten ein Bankkonto haben, wird oft mit dem Handy bezahlt. Bekanntestes Beispiel ist M-Pesa aus Kenya, das über 17 Millionen registrierte Konten hat und damit als erfolgreichster mobiler Finanzdienstleister in der Dritten Welt gilt. Wurden anfänglich ganz einfach Gesprächsguthaben per Dienst-SMS zwischen den Handy-Anschlüssen verschoben, sind heute reguläre Konten mit dem normalen Prepay-Guthaben- Konto verknüpft.

 


Die M-Payment-Player

Konsumenten: Nebst Bargeld besitzen sie Debit-, Kredit-, Prepaid- und/oder Kundenkarten und wissen damit umzugehen. Lassen sie sich von den Vorteilen von Mobile-Payment-Lösungen überzeugen, und sind sie bereit, die nötigen technischen Schritte dafür zu unternehmen? Wie stark lassen sie sich von allenfalls zahlreichen verschiedenen Wallet-Lösungen oder von Sicherheitsund Datenschutzbedenken verunsichern?
 
Händler: Sie betreiben einen Verkaufs- oder Geldbezugspunkt. Zum Beispiel ein Geschäft, Online-Shop, Tankstelle oder einen Geldautomaten (ATM). Wie rasch sind sie bereit, in welche technischen Neuerungen zu investieren, um welche Mobile-Payment- Lösungen zu unterstützen? Dabei ist wichtig, wie gut Loyalitätsprogramme (z. B. Kundenkarten wie Cumulus oder Supercard) integriert werden können.
 
Kartenorganisationen: Internationale Kartenorganisationen wie Visa, MasterCard, American Express, Diners, JCB und UnionPay sind Lizenzgeber für Issuer und Acquirer (s. u.). Zudem bestimmen sie (in den Rules & Regulations), wie genau ihre Zahlungsmittel eingesetzt werden dürfen. Inwiefern werden sie welche Mobile-Payment- Lösungen unterstützen oder allenfalls durch restriktive Bedingungen den eigenen M-Payment-Lösungen einen Vorteil verschaffen wollen? So hat Ende Februar anlässlich des Mobile World Congress in Barcelona MasterCard eine eigene M-Payment-Lösung sowohl für Konsumenten (mit einer Wallet-App) wie auch für Händler (etwa mit QR-Codes, die vom Kunden zum Bezahlen selber eingescannt werden können) lanciert.
 
Kartenherausgeber (Issuer): Zum Beispiel Finanzinstitute wie Banken (oder von Banken beauftragte Institutionen), die Karten herausgeben sowie für die Rechnungsstellung und Kontobelastung zuständig sind.
 
 Kartenakzeptanz (Acquirer): Vertragspartner des Händlers zur Akzeptanz von kartenbasierten Zahlungen. Sie sind u. a. für die Transaktionsverarbeitung sowie für die Vergütung des Händlers zuständig.
 
Prozessoren: Unternehmen wie die schweizerische SIX Group (ehemals Telekurs) bieten Produkte und Dienstleistungen für Händler, Banken und andere Finanzinstitute an, die in Verbindung mit der Herausgabe, der Akzeptanz oder der Verarbeitung von Debit- und Kreditkarten oder anderen bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten stehen.
 
NEU: Telcos: Telekommunternehmen sehen im Mobile Payment neue Geschäftsbereiche und treiben diese Entwicklung deshalb voran. Sie haben eine direkte Kundenbeziehung zu den Handy-Benutzern und versuchen, sich als Gatekeeper für den Datenverkehr zum M-Payment zu etablieren. Im Zentrum stehen NFC-fähige SIM-Karten, worauf alle sicherheitsrelevanten Informationen wie etwa Kreditkartendaten, Kundenkarten und Coupons sicher gespeichert werden.
 
NEU: Handy-Hersteller: Sie versuchen, ihre Geräte mit eigenen, vorinstallierten Payment-Lösungen zusätzlich attraktiv und einträglich zu machen. So haben Ende Februar anlässlich des Mobile World Congress in Barcelona mit Visa und Samsung erstmals ein Kreditkartenunternehmen und ein Handy-Hersteller eine Vereinbarung bekannt gegeben, künftig gemeinsam eine NFC-Lösung anbieten zu wollen. Für den Schweizer Markt mit seinem hohen Anteil an iPhones wird es bedeutsam sein, in welche Richtung Apple hier künftig gehen wird, denn bisher hat es in den iPhones keine NFC-Chips.
 
NEU: Wallet-Anbieter: Wallets versprechen lukrative Geschäfte, wenn die darüber abgewickelten Bezahlströme mit einem Provisionsgeschäft verbunden werden. Deshalb versuchen sich nebst den etablierten Unternehmen in der Zahlungsabwicklung auch neue Player zu etablieren wie etwa Google mit Google Wallet. Dabei geht es auch um die so gewonnenen Daten zum Einkaufsverhalten, die für zielgerichtete Werbung wichtig und wertvoll sind.

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Larry Page räumt auf: Frühjahrsputz bei Google

Damit die unzähligen Projekte bei Google nicht zu Chaos führen, räumt der Internet-Konzern gelegentlich auf. Diesmal ist die «Operation Spring Clean» von Google-Chef Larry Page besonders radikal ausgefallen und umfasst auch eine wichtige Personalie.

Vom Studenten-Projekt zum weltgrössten Internet-Konzern, der Milliarden-Gewinne schreibt: Die Erfolgsgeschichte von Google ist legendär. Das Team der Google- Gründer Larry Page und Sergey Brin hat aber nicht nur Top-Dienste wie die Google-Suche oder die mächtige Werbeplattform auf den Markt gebracht, sondern auch etliche veritable Flops.

Auf dem Friedhof der gescheiterten Google-Projekte wird in diesem Sommer ein neuer Grabstein aufgestellt: Google Reader. Über diesen Dienst konnten sich Google-Anwender bislang Übersichten aus Nachrichtenangeboten, Blog-Beiträgen und anderen Quellen im Netz zusammenstellen. Wie bei einem Abonnement bekamen sie automatisch die neuesten Einträge zu sehen. Doch zuletzt liefen Soziale Netzwerke dem Reader als Nachrichtenquelle den Rang ab. Google selbst versucht, mit Google Plus ein eigenes Netzwerk zu etablieren. Das Unternehmen verwies kühl darauf, die Nutzungszahlen des Readers seien zurückgegangen. Am 1. Juli zieht Google deshalb den Stecker.

Diesmal betrifft die Frühjahrsputz-Aktion nicht nur ein wenig bekanntes Nischenprodukt, sondern einen etablierten Dienst. Google Reader war gerade für viele Netzprofis ein quasi unverzichtbares Werkzeug. Doch Google-Chef Larry Page will, dass sein Team die Energie in weniger Produkte steckt, um diese dann umso erfolgreicher zu machen.

Android und Chrome in einer Hand gebündelt

Bei der «Operation Spring Clean» wurden aber nicht nur überholte Dienste aussortiert. Page nutzte die Gelegenheit, um die Verantwortung für zwei wichtige Projekte in einer Hand zu bündeln. Google-Manager Sundar Pichai ist künftig sowohl für das Mobil-Betriebssystem Android, das auf vielen Smartphones läuft, als auch für das PC-System Chrome zuständig, das bisher nur mässig erfolgreich ist. Pichai leitete bereits die Entwicklung des Chrome-Browsers und des gleichnamigen Betriebssystem. Er ersetzt den bisherigen Android-Chef Andy Rubin. (SDA)
 

Schweizer mit «neuer Filmsprache»

In Hamburg haben Juroren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 285 Arbeiten aus dem breiten Bereich «Bewegtbild» bewertet. Auch die Schweiz hat je eine Klappe in Gold, Silber und Bronze gewonnen.

Seit 33 Jahren gibt es Die Klappe. Die Plattform hat sich der Innovationskraft der deutschsprachigen Werbefilmindustrie verschrieben. 285 Filme wurden 2013 eingereicht. Darunter auch zahlreiche aus der Schweiz. Am erfolgreichsten waren darunter die Spots von Leo Burnett Schweiz, die im letzten Jahr noch unter dem Label Spillmann Felser Leo Burnett entstanden sind. Gold gab es für den witzigen Micasa-Film, wo Laub, Rasen und andere Dinge, die Kindern beim Spielen in der Natur an die Kleider und unter die Füsse kommen, in einem Shredder zerhackt und anschliessend auf ein weisses Sofa gespritzt werden – das sich aber problemlos wieder reinigen lässt. «Ein Spot, der mutig nach einem völ- lig neuartigen Weg sucht und mit einer exemplarisch anderen Bildsprache überzeugt», meinte die Jury. Dieser gehören bei der Klappe traditionell Auftraggeber, Kreative, Filmproduktionen sowie auch Vertreter der drei Fachmedien Horizont aus Deutschland, Werbewoche aus der Schweiz sowie Werben & Verkaufen aus Österreich an.

Abräumer Hornbach

Zum ersten Mal wurden auch Filme in den vom Kommunikationsverband organisierten Wettbewerb aufgenommen, die in den DACH-Region für Kunden aus der weiten Welt realisiert worden sind. Die neue Kategorie «International» hat aber noch keine grosse Beachtung gefunden. In den insgesamt 13 Kategorien sowie den Craft-Kategorien Regie, Kamera, Schnitt, Sound und Visual Effects schafften es 72 Filme auf die Shortlist. Davon haben 5 Gold gewonnen, 8 Silber und 27 Bronze. Einmal mehr zum grossen Abräumer wurde auch in diesem Jahr der Baumarkt Hornbach. Die Filme aus der Kreation der Berliner Heimat werden von der Filmproduktion STINK realisiert. Der Abräumer aus der Schweiz war Leo Burnett. Neben Gold für Micasa gab es auch noch Bronze und Silber für die Spots von Schweiz Tourismus. Die Preisverleihung für Die Klappe fand am 14. März in Hamburg im Theater Kehrwieder statt.

Andreas Panzeri

Die Schweizer Gewinner (PDF)
 

Schwierig und trotzdem grossartig

Mit Maison Cailler hat Nestlé Anfang 2012 ein völlig neues Schokoladen-Angebot lanciert. Die Feedback-Agentur Exsider.com hat das Angebot und die Erfahrungen der ersten Monate im Rahmen einer exklusiven Studie untersucht.

1986 hat Nestlé Nespresso lanciert und damit den Kaffeegenuss neu definiert. Nespresso war anfangs ein Flop, später ein durchschlagender Erfolg. Nestlé Nespresso erzielt heute einen weltweiten Umsatz von mehr als 3,5 Milliarden Schweizer Franken und ein organisches Wachstum von ca. 20 Prozent. «Trotz wirtschaftlich turbulenter Zeiten und obwohl die Auswahl auf dem Markt für portionierten Spitzenkaffee weiter zunimmt, haben sich die Kunden im vergangenen Jahr auf der Suche nach puren Genussmomenten für Nespresso entschieden», erklärt Richard Girardot, CEO von Nestlé Nespresso.

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Maison Cailler wie anno dazumal

26 Jahre später will Nestlé diesen einmaligen Erfolg wiederholen und startete vor 12 Monaten mit Maison Cailler ein völlig neues Schokoladenkonzept. In ihrer Pressemitteilung schreibt Nestlé: « Bei Maison Cailler verschmilzt die traditionelle Chocolatiers-Kunst des Traditionshauses Cailler mit den erlesensten Zutaten und einem massgeschneiderten Service zu Haute- Couture-Schokolade in erstklassiger Qualität.» Das haben wir verstanden. Nicht ganz verstanden haben wir aber das neue Konzept Maison Cailler. Wir haben uns gefragt, ob das an unserem Unvermögen liegt oder ob dieses Konzept tatsächlich nicht ganz einfach zu verstehen ist, und haben uns darum im Rahmen einer kleinen Studie über Maison Cailler zuerst mit drei Konkurrenten von Maison Cailler unterhalten und dann vor Ort auch mit Cedric Lacroix, CEO von Maison Cailler, André Hefti, Marketingleiter Maison Cailler, und mit Florian Helmke-Becker von The Pool und verantwortlich für die PR, unterhalten.

Mit ganz verblüffendem Resultat und einem völligen Gesinnungswandel unsererseits. Aber schauen Sie selbst. Maison Cailler umschreibt sein Angebot folgendermassen: «Maison Cailler bietet den ultimativen Luxus in Sachen Genuss: die personalisierte Schokolade.» Mit einem eigens entwickelten Verfahren können Geniesser ganz bequem zuhause ihren persönlichen Schokoladen- Charakter bestimmen – die «massgeschneiderte » Schokolade folgt postwendend! Maison Cailler, die neue Luxusmarke aus dem Hause Cailler, kreiert auf den individuellen Geschmack zugeschnittene Schokolade. In zahlreichen sensorischen Studien hat Maison Cailler ein exklusives Verfahren entwickelt, um individuelle, aromatische Vorlieben zu enthüllen und dadurch den persönlichen Schokoladen-Charakter zu bestimmen. So können Geniesser – ob für sich selbst oder als Geschenk für die besten Freunde – auf massgeschneiderten Genuss setzen, eine Pralinenschachtel voller Favoriten.
 
Bei einer Bestellung erhält etwa der Beschenkte zunächst den ChocoTasteur. Das Coffret enthält fünf verschiedene Schokoladenproben. Diese werden online in einem einfachen Fragebogen bewertet, beruhend auf dem wissenschaftlichen Verfahren wird daraus der entsprechende Schokoladen-Charakter ermittelt. Anhand dieses Profils kreiert Maison Cailler in einem zweiten Schritt eine Auswahl von frischen Pralinen, die perfekt auf die Vorlieben des Konsumenten abgestimmt ist und ihn innerhalb von 48 Stunden erreicht. Ob ChocoArty, ChocoCooning oder ChocOla – die Auswahl erfolgt aus 21 verschiedenen Rezepten, die exklusiv kreiert wurden, um den Gaumen des anspruchsvollen Schokoladenliebhabers zu entzücken. Die Pralinen werden in Coffrets von einer bis fünf Lagen geliefert – als Assortiments, mit nur einer einzigen Sorte oder regelmässig auch als aussergewöhnliche Limited Editions.

Charakter online

Heisst folgendes: Das Ganze ist ein Online-Angebot und nur ein Online-Angebot. Ich bestelle eine Probepackung mit verschiedenen Schokoladenstücken in verschiedenen Geschmäckern. Ich probiere die Schokoladenstücke und bewerte sie online im Internet. Auf Grund dieser Bewertung wird mein «Charakter » bestimmt, und gemäss diesem Charakter erhalte ich eine spezielle Schokoladen-Auswahl. Darum heisst es in der Werbung von Maison Cailler auch: Ihr Geschmack hat Charakter. Weil dem tatsächlich so ist.
 
Auf der Website von Maison Cailler werden diese Charaktere auch beschrieben. Beim Charakter ChocoCocooning heisst es zum Beispiel: Es lebe die Natürlichkeit. Sie sind vertrauensvoll, zuversichtlich und loyal. Sie schätzen aufrichtige Beziehungen, die Natur und eine ursprüngliche Lebensart. Ihr Zuhause ist ein gemütlicher, warmer Kokon, geprägt von schlichtem weissen Porzellan und nach Honig duftendem Holz. Sie kochen und backen gern und verwöhnen Ihre Lieben mit selbstgemachten Geschenken. Ihre Devise: «Klar wie ein Bergbach». Sie mögen einfache Zutaten wie Schokolade mit frischer Milch, edle Vanille, feine Haselnüsse oder Caramel nach althergebrachtem Rezept.

Geschenk als Ziel

Der Charakter aber ist erst der Anfang, denn Maison Cailler definiert nicht nur den Schokoladen-Konsum neu, es möchte sich auch vor allem als zukünftiges Geschenk-Konzept etablieren. Man sollte also die Schokolade weniger für sich bestellen als vielmehr sie jemandem schenken. Das heisst, zuerst schenke ich ihm nicht die Schokolade als vielmehr die Auswahl-Packung, auf Grund derer der Schokoladen- Geschmack bestimmt werden kann, auf Grund dessen ich dann meine Schokoladen-Charakter- Auswahl bekomme. Und das ist dann auch nicht irgendeine Schokolade, sondern eine ganz besondere Schokolade, Haute Couture aus den allerbesten Kakaobohnen, von den allerbesten Chocolatiers hergestellt und allerbestens verpackt. Cedric Lacroix bringt es auf den Punkt: «Ich bin der Überzeugung, dass die Art von Maison Cailler die Art ist, wie Schokolade in Zukunft verkauft wird. Personalisierung ist ein Trend, Client Service ist ein Muss, Brand Engagement ist ein Muss, Social Media ist ein Muss und E-Commerce ist booming.»

Zwei Probleme

Bei aller Zukunft, Maison Cailler hat im Moment vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen: erstens den Emotionen und zweitens dem Verständnis. Noch ist Maison Cailler nicht emotional. «Schoggi », so André Hefti, «funktioniert 100 Prozent über Emotionen. Der Verkauf muss emotional sein, das ist bei allen Luxusprodukten so. Der Besuch beim Chocolatier ist emotional. Diese Emotionen übers Internet zu kommunizieren, ist sehr schwierig. Denn quasi par défaut ist das Internet distanziert.» Und das Konzept wird auch noch nicht so richtig verstanden. «Am Anfang», so André Hefti, «haben wir den Konsumenten allenfalls ein bisschen überschätzt und mussten da einige Anpassungen vornehmen. Botschaft vereinfacht. Ganz im Sinne eines elevator pitches; wo man innerhalb kürzester Zeit das System erklären und gleichzeitig einen emotionalen Bezug schaffen muss.»

Zwei Lösungsansätze

Maison Cailler versuchte und versucht diese beiden Probleme durch verschiedene Anpassungen anzugehen. Zum einen möchten sie über Social Media eine Nähe und emotionale Verbindung zum Kunden aufbauen. Darum sieht man auf der Facebook-Seite von Maison Cailler nicht das Unternehmen, auch nicht die Fabrik, sondern fünf Mitarbeiter, die aus ihrem Alltag erzählen. Auch die Website, die am Anfang schön, aber auch etwas kalt war, versucht man jetzt wärmer und emotionaler zu gestalten. Auf der anderen Seite versucht man beim Verständnisproblem über eine Vereinfachung und eine Emotionalisierung den Zugang zu finden. Der Lösungsansatz zeigt sich in der neuen Kampagne. Da wurden die Botschaft und die visuelle Struktur drastisch vereinfacht. Weniger kleine, verschiedene Sachen, sondern vielmehr ein klares Bild mit klarem Zugang. In der ersten Kampagne seien sie, so André Hefti, inhaltlich zu fortschrittlich gewesen und hätten auch schon von den verschiedenen Schoggi- Charakteren gesprochen. Alles viel zu detailliert. Neu fokussiert die Kampagne auf einen einfachen, klaren und vor allem auch emotionalen Aufhänger. Schauen Sie sich doch die beiden Inserate an und urteilen Sie selbst. Vielleicht ist es jetzt etwas emotionaler und vielleicht auch ein bisschen einfacher. Alles in allem also doch besser.

Trotzdem grossartig

Die Anpassungen zeigen aber vor allem das, was wirklich grossartig an Maison Cailler ist: Man passt an. Vielleicht werden Sie einst die Schokolade im Nespresso Flagship Store vorfinden und dort gleich probieren und bestellen können. Wir zum Beispiel würden gerne Schokolade auswählen können, die zum Charakter des Beschenkten passt, denn sich mit seinem Gegenüber zu beschäftigen, über ihn nachzudenken, was er gerne hätte, ist das schönste Geschenk. Auch Nestlé geht nicht davon aus, dass sie alles wissen und alles planen können. Nein, vielmehr setzen sie das Projekt grosszügig und langfristig auf, studieren die Reaktionen der Konsumenten und optimieren laufend. Ganz nach dem Trial-and- Error-Prinzip. Darum hat Cedric Lacroix auch völlig zu recht gemeint: «Unser grösstes Problem: loosing the vision! Loosing sight where we want to go!» Genau darum ist Maison Cailler ein grossartiges Projekt, von dem nur zu hoffen ist, dass es Erfolg haben wird und damit auch Vorbild sein wird für weitsichtiges, unternehmerisches Handeln.

David Guggenbühl und Boris R. Lautenbach

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ChoCocooning
Es lebe die Natürlichkeit
Sie sind vertrauensvoll, zuversichtlich und loyal. Sie schätzen aufrichtige Beziehungen, die Natur und eine ursprüngliche Lebensart. Ihr Zuhause ist ein gemütlicher, warmer Kokon, geprägt von schlichtem weissen Porzellan und nach Honig duftendem Holz. Sie kochen und backen gern und verwöhnen Ihre Lieben mit selbstgemachten Geschenken. Ihre Devise: «Klar wie ein Bergbach». Sie mögen einfache Zutaten wie Schokolade mit frischer Milch, edle Vanille, feine Haselnüsse oder Caramel nach althergebrachtem Rezept.

ChocoArty
Das Leben ist ein Kunstwerk
Kultiviert und stets elegant, umgeben Sie sich am liebsten mit Menschen, die klare Ansichten haben. Sie selbst hängen Ihr Fähnchen auch nicht nach dem Wind. Herausforderungen sehen Sie als Chancen, als Ansporn zu Höchstleistungen. Immer auf der Suche nach Neuem, lassen Sie auch Ihre Lieben an Ihren Entdeckungen teilhaben. Ihre Devise: «Das Leben ist ein Kunstwerk.» Sie mögen den raffinierten Geschmack einer dunklen, herben Schokolade – gerne noch betont durch delikate Vanillenoten oder veredelt durch fruchtige Aromen.

ChocHolistic
Das Leben macht glücklich
Sie sind stets optimistisch. Am wohlsten fühlen Sie sich in Gesellschaft Ihrer Freunde. Voller Energie und mit viel Enthusiasmus beflügeln Sie sich selbst und andere. Irgendwo und irgendwie haben Sie immer ein Projekt am Laufen. Sie möchten nicht auf High-Tech verzichten, setzen sich jedoch für alternative Energien ein, denn Nachhaltigkeit liegt Ihnen am Herzen. Ihre Devise: «Alle sollen glücklich sein.» Sie mögen Milchschokolade genau so wie dunkle, in Verbindung mit intensiven Kakaoaromen, gerösteten Haselnüssen und zartschmelzendem Caramel.

ChocHorizon
Leben heisst entdecken
Sie sind Forscher aus Leidenschaft. Diese Neugier erstreckt sich auch auf das Entschlüsseln Ihrer eigenen Persönlichkeit. Schritt für Schritt gewinnen Sie an Selbstvertrauen und verstehen es, Ihre Schwächen in Stärken zu verwandeln. Sie lieben Herausforderungen für Körper und Geist und gehen den Dingen auf den Grund. Ihre Devise: «Kenne dich selbst!» Sie mögen exotische Gaumenfreuden. Den Genuss von raffinierten dunklen Ganaches und Milchschokoladen, veredelt mit Vanille, Früchten oder Gewürzen. Die ideale Kombination? Sinnliche Texturen und reichhaltige Aromen.

ChocOla
Das volle Leben
Sie sind im Hier und Jetzt. Sie lieben starke Gefühle und erleben jeden Augenblick als etwas Aussergewöhnliches. Von Rückschlägen lassen Sie sich nicht aufhalten. Zusammen mit Ihren Freunden – je mehr, desto besser – wollen Sie ständig Neues erfahren und sich für das Besondere begeistern. Ihre Devise: «Sich gemeinsam des Lebens freuen». Sie mögen cremige dunkle oder Milchschokolade mit intensiven Caramel-, Mandel- sowie Zitrusaromen. Sie experimentieren gerne, um immer wieder neue Geschmacksrichtungen zu entdecken.
 

Goldbach Interactive: Ostereier sortieren mit Lisa und Bruno

Goldbach Interactive hat für die Osterkampagne von Coop eine Microsite realisiert, die speziell Familien ansprechen soll. Im Mittelpunkt steht ein Onlinespiel, bei dem die Teilnehmenden den zwei Hasen Lisa und Bruno beim Ostereier sortieren helfen.

Darüber hinaus bietet die Seite Bastelideen, Rezepte und Informationen zu Produktaktionen. Die Microsite von Goldbach Interactive ist integrierter Bestandteil der Oster-Kampagne von der Coop-Leadagentur KSP. Sie passe bezüglich Look&Feel deshalb gut zu den entsprechenden Offline-Massnahmen, so die Agentur in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Zentrale Figuren sind die beiden Osterhasen Bruno und Lisa, die in einem Online-Spiel Unterstützung beim farblichen Sortieren der Ostereier benötigen. Angesprochen sind insbesondere Familien, wobei mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen sowohl Kinder als auch Erwachsene angesprochen sind. Das Game ist responsive gestaltet und soll so den Usern auf allen Endgeräten (Mobile/Tablet und Desktop) ein angenehmes Spielerlebnis bieten.

Die Microsite ist noch bis und mit Ostern online.

coop_ostern_microsite

Verantwortlich bei Coop: Thomas Schwetje (Leiter Marketing / Services), Sacha Zuberbühler (Leiter Werbung), Michael Bietenhader (Leiter CRM / Digitales Marketing), Oliver Johnson (Leiter Digitales Marketing). Verantwortlich bei Goldbach Interactive: Nico Schlup, Damian Kunz, Elisabeth Hassa (Projektleitung Beratung), Bruno Manser (Konzept), Raphaël Liechti, Dirk Unger, René Schoedon, Renato Zülli, Rachel von Dach (Kreation), Dominic Wirz (Text), Jan Steffen (IT).
 

Zur Sache: alle rein

Extra omnes – alle raus – hiess es am Dienstag um 17.33 Uhr in Rom. Alle nicht wahlberechtigten Kardinäle mussten die Sixtinische Kapelle verlassen. Das Konklave zur Papstwahl begann.

Alle rein heisst es hingegen bei der Mediapulse. Nachdem die erste Expertengruppe bestehend aus zwei Experten aus Norwegen und Belgien ihren Bericht termingemäss letzte Woche ablieferte – sie hatte den Schwerpunkt auf die Frage zu legen, ob die internationalen Standards der Medienforschung eingehalten werden –, geht jetzt die Mediapulse in die Informationsoffensive. O-Ton: «Mit dem Ziel einer offenen und transparenten Information werden diese Expertenberichte unverändert veröffentlicht werden. Vor ihrer Publikation werden die Expertenberichte im Kreise von Vertrauenspersonen der Stakeholder analysiert. Diese haben im Rahmen von Hearings die Gelegenheit, im direkten Gespräch mit dem Experten deren Analysen und Befunde auf fachlicher Ebene eingehend zu diskutieren.» Eingeladen zum ersten Hearing, das am 15. März stattfindet, wurden das BAKOM, der Verband Telesuisse, die SRG, 3+, die RTL-Gruppe und Sat1/Pro7 in Vertretung der Programmveranstalter, die Vermarkter Publisuisse, Goldbach Media und Ringier, die SWA in Vertretung der Werbeauftraggeber sowie die IGEM in Vertretung der Medienagenturen. Auch Kantar Media als Eigner und Betreiber des neuen Panels wird an den Hearings präsent sein.
 
Aha, da scheint sich jemand absichern zu wollen. Alle Beteiligten sollen jetzt mal ihren Senf dazugeben, in der Hoffnung, dass nachher dann Ruhe einkehren wird. Im Sinne von Mitgegangen – Mitgefangen – Mitgehangen.
 
Beim zweiten Hearing geht es um die Eignung der neuen Forschung bei der Erfassung der Fernsehnutzung für die Lokalfernsehsender. Diesmal sind es zwei Schweizer Experten. Dieses Hearing findet am 26. März statt. Eingeladen sind: siehe oben! Und dann? O-Ton: «Nach diesen Hearings wird der Verwaltungsrat der Mediapulse, in dem die genannten Interessenskreise (siehe oben!) vertreten sind, über die aus den Expertisen abzuleitenden Massnahmen und die Publikation der Daten entscheiden. » So so!
 
Da stellen sich mir schon einige Fragen: Waren die anstehenden Probleme (Senderzuordnung, Panelaufstockung oder Gewichtung für die regionalen Sender), um nur die wichtigsten zu nennen, nicht schon lange bekannt? Gab es bis zum Eklat Mitte Februar etwa gar keine Expertenberichte? Oder wurden diese gar nicht diskutiert? Oder wurden sie einfach durchgewunken, weil die Fachleute die Probleme etwa kleinredeten? Das werden wir wohl nie erfahren.
 
Wie hiess es letztes Jahr an einer Medienorientierung so schön: «Die Mediapulse rückt in der Fernsehforschung zur Weltspitze auf.»
 
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]

Managerin mit Drive

Vor viereinhalb Jahren übernahm Cornelia Harder bei Draftfcb/Lowe Group das Steuer. Die zielstrebige Geschäftsführerin hat die Agentur profitabel gestaltet und ihr zu kreativem Aufschwung verholfen.

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2008 gehörte Draftfcb/Lowe Group in der Liga der Kreativagenturen nicht zu den Top-Playern. Der Zusammenschluss von Draftfcb und Lowe lag noch nicht lange zurück, die Agentur befand sich im Wandel. Zwei Unternehmenskulturen mussten zueinanderfinden, alles stand auf dem Prüfstand. Genau der richtige Zeitpunkt für Cornelia Harder, bei Draftfcb einzusteigen. «Für mich war es eine schöne Herausforderung, die Agentur in eine neue Ära zu führen.» Die Managerin zieht es stets dorthin, wo sie etwas bewegen kann. Das war schon zu Beginn ihrer Karriere so, als sie beim Dachverband der Schweizer Milchproduzenten SMP die Marketingkommunikation verantwortete und gemeinsam mit Advico die erfolgreiche Werbemilchkuh Lovely aus der Taufe hob. Eine enorm schöne Zeit, wie Harder rückblickend sagt. «Ich hatte viel Handlungsfreiheit und konnte neue Konzepte und Kampagnen erarbeiten und begleiten.»

Aus ähnlichem Anlass wechselte sie 2005 von Publicis zur Publigroupe, um die Geschäfte der Publicitas Mittelland zu führen. Die Aussicht, dass bei der Publigroupe-Tochter ein Change-Prozess auf sie wartete, zog die Managerin auf die Vermarkterseite. Publicitas übernahm damals gerade die Anzeigenregie für die Zeitungstitel der AZ-Medien-Gruppe, die AZ-Verkaufsorganisation wurde in der Folge in die Publicitas-Filiale integriert. Verkäufer, die sich zuvor auf dem Markt bekämpften, sassen plötzlich im gleichen Büro. Dies war eine anspruchsvolle Managementaufgabe, die mit dem nötigen Feingefühl rasch gelöst werden musste. Eine Herausforderung nach ihrem Geschmack. Harder ist ambitioniert, zielstrebig und dynamisch.
 
«Mein Motto lautet ‹mehr Drive›», sagt sie. «In unserem Business muss man flexibel denken und agieren können.» Dass die Managerin derzeit durch eine Operation an der Achillessehne gezwungen ist, einen Gang tiefer zu schalten, stellt sie auf die Geduldsprobe. Mit dem Stiefel, eine Art riesiger Snowboardboot, der wie ein Gipsverband ihren Fuss fixiert, geht alles etwas langsamer. «Ich befinde mich momentan im Slow Modus», so Harder. Der sportliche Ausgleich zur Arbeit fehlt ihr. Sie, die gerne Tennis spielt und im Winter auf den Ski Tempo macht. Zu klagen, käme ihr allerdings nicht in den Sinn. Ein paar Wochen an Krücken gefesselt zu sein, damit wird sie locker fertig. «Ich habe ansonsten eine gute Konstitution und bin nie krank.»

Niederlagen wegzustecken, erneut aufzustehen und das Team zu Höchstleistungen zu motivieren, kennt die ehemalige Volleyballerin aus dem Sport. Diese Erfahrung kommt ihr im Geschäftsalltag zugute. Wenn es harzt, zeigt sie Ausdauer. Wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, geht sie nochmals mit Elan dahinter. Nach einem Rückschlag steuert sie mit neuer Motivation in einen Pitch.

«Cornelia ist sehr ehrgeizig», sagt Executive Creative Director Dennis Lück über sie. «Aber nicht auf die verkrampfte Art. Sie setzt sich mit Freude und Positivität für kreative Arbeit ein.» Mit ihrem Spirit reisst die Agenturchefin ihr Team mit. «Cornelia versteht es, andere zu motivieren», so Lück. In heissen Phasen sorgt Harder dafür, dass alle am gleichen Strang ziehen. Im Gegenzug wird später zusammen gefeiert und der Kopf ausgelüftet. Erst kürzlich bei einem Wochenendausflug in Engelberg.

Ein guter Draht zur Kreation

Von traditionellen Hierarchien hält Harder nichts. Sie ist Teil des Teams, sei es bei Pitches als Coach und für den strategischen Input oder bei Kundenpräsentationen. Getreu ihrem Motto «One team one spirit ». Let’s go for it! Immer wieder schleichen sich im Gespräch mit ihr Worte aus dem Englischen ein. Neben Management-Ausdrücken flechtet Harder, die einst Publicis Lausanne als CEO geleitet hat, ebenfalls gerne französische Begriffe ein. Der finanzielle Turnaround ist Harder bei Draftfcb gelungen. Sie hat aufgeräumt und das Unternehmen profitabel gestaltet. Und auch kreativ mischt die Agentur vorne mit. Beim Kreativranking kletterte Draftfcb vom 15. auf den 7. Platz, beim ADC besetzt sie den 6. Rang.
 
Diesen kreativen Aufschwung hat Harder vor allem ECD Dennis Lück zu verdanken, der im Oktober 2011 von Scholz & Friends nach Wallisellen kam. «Seit Dennis bei uns ist, geht es kreativ aufwärts. Mit ihm pflegt die Geschäftsführerin eine enge Zusammenarbeit. «Wir sind uns gegenseitig wertvolle Sparringspartner. Da unser Geschäft auf kreativen Ideen basiert, ist die Teamarbeit matchentscheidend. Und dies nicht nur auf der Führungsebene, sondern in der ganzen Agentur.»

Ihren Kreativpartner hat sich die Managerin sorgfältig ausgesucht. «Ich habe ihn auf Herz und Nieren getestet», sagt Harder und lacht. Bevor Lück in der Agentur begann, hatte er zu beweisen, was er drauf hat. Wie in einem Kundenwettbewerb musste er auf einem definierten Briefing Konzepte und Claims entwickeln. Harder wollte sichergehen, dass der neue ECD konzeptionell stark und kreativ innovativ ist, aber auch menschlich mit seiner Auffassung ins Team passt. Es funktioniert: «Wir haben uns als Duo inzwischen auch innerhalb des weltweiten Netzwerkes kreatives Ansehen erschaffen und werden zurzeit mit internationalen Projekten belohnt », so Harder.

Allem voran verbindet Harder und Lück ihr Anspruch, aus einem Briefing mehr zu machen. «Das ist unser Credo.» Als BMW sich eine DIN-A5-Weihnachtskarte wünschte, hat die Agentur daraus einen erfolgreichen Viral entwickelt – die schnellste Weihnachtskarte gemalt auf dem Beifahrersitz eines BMW M5, der über die Rennstrecke brettert. Ein Jahr später folgte der schnellste Weihnachtssong mit einer A-cappella-Gruppe, der es hörbar schwerfällt, während der rasanten Fahrt den richtigen Ton zu treffen. Auch das Briefing des Theaters Rigiblick für einen Geschäftsbericht hat Draftfcb kreativ umgesetzt. Die Bilanz wurde in ein Bühnenstück umgeschrieben und inszeniert, der Geschäftsbericht zum Schluss in der Aufmachung eines Reclam-Heftes verteilt. Dass es bei Draftfcb kreativ vorwärts geht, wird in der Branche registriert. Für den Geschäftsbericht Theater Rigiblick gab es einen silbernen Cannes-Löwen und vom Art Directors Club einen Würfel in Gold und zweimal Bronze.

Für den schnellsten Weihnachtssong nahm Draftfcb einen bronzenen Löwen aus Cannes mit nach Hause. Ausdruck der stärkeren Visibilität ist nicht zuletzt Harders Nominierung als Werberin des Jahres. Für die Agenturchefin eine Überraschung – und eine Ehre. «Die Nomination ist eine Anerkennung meiner kontinuierlich guten Arbeit in der Schweizer Werbung. So lange an vorderster Front mitzuhalten – in einem hektischen Business wie der Werbung, in dem vor allem jung und erfolgreich zählt – ist keine Selbstverständlichkeit.» Nach vielen Jahren im Metier weiss Harder, wie der Karren läuft. Langweilig wird es ihr trotzdem nicht. Routine ist in ihrem Job inexistent. Das gefällt ihr. Dass die Volatilität durch den harten Preisdruck in der Branche allgemein zugenommen hat, kritisiert sie dagegen: «Ich wünsche mir, dass Ideen und geistiges Eigentum wieder mehr wertgeschätzt werden.» Dass der Margendruck auf Lieferanten abgewälzt werde, sei nicht ungewöhnlich. «Was uns aber missfällt: Wir werden in die gleiche Lieferantenschublade gesteckt wie ein Schraubenhersteller.

Der Einkauf kreativer Ideen wird gleich behandelt wie derjenige von zwei Tonnen Papier. Das ist absurd. Kreatives Gedankengut, das dem Kunden Mehrwert bringt, muss fair honoriert werden. Eigentlich müssten Agenturen Projekte, die nicht korrekt honoriert werden, schlicht ablehnen», meint Harder. Dass dieser Vorsatz einfacher gefasst ist als umgesetzt, weiss sie als Geschäftsführerin allerdings nur zu gut. Die Konkurrenz aus dem In- und Ausland schläft nicht. Und die Löhne wollen am Ende des Monats bezahlt sein. Die Ziele für Draftfcb hat Harder gesteckt: «Wir wollen mit den besten Kreativagenturen mithalten.» Als Agentur, die sich mit ausgezeichneter Autowerbung hervorgetan hat, empfiehlt sich Draftfcb für weitere Aufträge aus dieser Sparte. «Wir sind bereit für neue Autokunden», so Harder. Pläne für einen Standortwechsel bestehen ebenso. Bei Auslaufen des Mietvertrags im kommenden Jahr will die Agentur definitiv in die Innenstadt ziehen. Persönlich hat derzeit ihre Genesung Priorität. Im Sommer, so der Plan, wird Harder wieder den einen oder anderen Tennismatch bestreiten. Gleich im Anschluss lässt sie sich die andere Achillessehne operieren. Rechtzeitig, um zur Skisaison wieder einsatzbereit zu sein. Isabel Imper

In Kürze
Cornelia Harder leitet seit Juni 2008 die Geschäfte von Draftfcb/Lowe Group. Während ihrer Laufbahn arbeitete die ausgebildete Werbeleiterin sowohl auf Kunden- als auch auf Agenturseite. Beim Dachverband der Schweizer Milchproduzenten (SMP) war sie verantwortlich für die Marketingkommunikation und gilt als Geburtshelferin von Werbemilchkuh Lovely. Im Jahre 1995 überquerte Harder den Röstigraben und betreute bei der Publicis in Lausanne nationale Kunden wie Nestlé, L’Oréal oder Swiss Lotto. Nach sechs Jahren wurde sie auf den Posten des Managing Director Publicis Zürich beordert. In dieser Zeit war Harder zudem in den Branchenverbänden BSW Leading Swiss Agencies als Präsidentin und Vorstandsmitglied sowie in der SW Schweizer Werbung im Vorstand tätig.
 

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