Simon Muster hat in St. Gallen Betriebswirtschaft und Marketing studiert. Er ist auch als Software Engineer ausgebildet. Vor seiner Rückkehr zu Maxomedia wirkte er u. a. bei der Werbeagentur Republica sowie als Brandmanager beim Schweizer Ableger von Nike Sportswear. Simon Muster startete seine Karriere in der Online- Welt als Programmierer im Medienhaus der Berner Zeitung. Dazu hatte er das Ziel, an der ETH zu studieren. Wie er damals richtig einschätzte, wurde zu Beginn des neuen Millenniums das Potenzial der digitalen Kommunikation aber noch nicht bei allen Marktteilnehmern richtig erkannt. Muster beschloss deshalb, «das Ganze umzudrehen» und zuerst einmal in St.Gallen Betriebswirtschaft und Marketing zu studieren. «Mit dem Hintergedanken, dass ich dann zur richtigen Zeit meine Kenntnisse im digitalen Bereich einsetzen will». Seine Strategie war «doppelspurig aufgestellt sein»: technisches Verständnis für das Internet haben und gleichzeitig die Mechanismen des Marketings verstehen. Um auch noch die praktischen Aspekte der Branche kennenzulernen, arbeitete Simon Muster neben dem Studium bei einer kleinen Basler Agentur. Bei der Swift Management AG hat er Webseiten konzipiert und auch die ersten Webshops betreut. «Mein Job war es, für Traffic zu sorgen.» Diese Erfahrungen führten ihn 2010 zum ersten Mal zu Maxomedia. «An vorderster Front der Online-Entwicklung war ich als Berater in dieser Pionier-Agentur sehr happy. » Dann kam allerdings ein Angebot von Nike, das er einfach nicht ausschlagen konnte.
Im Sommer 2011 wechselte Simon Muster als Brandmanager zum Schweizer Ableger von Nike Sportswear. Von Bassersdorf aus durfte er sich um die Markenführung in der Schweiz kümmern. Muster verantwortete das Marketing für den Livestyle- Bereich und die Markteinführung von Action Sports. Nike hatte sich vorgenommen, die Snowund Skateboard-Szene in der Schweiz zu erobern. Entsprechend musste das Marketing vorsichtig agieren. «Die Snöber sind eine sehr kritische Zielgruppe. Auf der einen Seite galt es, die Opinion Leaders zu gewinnen. Auf der anderen Seite wollten wir auch die Massen beliefern. Aber die ganze Szene ist nichtnur sehr markenaffin, sondern auch markenkritisch. Da zeigt man sich schnell einmal dagegen, wenn eine grosse Marke aus den USA kommt.» Simon Muster baute eine Community auf und organisierte «Grass Roots»-Events für die Basis. Für seine Überzeugungsarbeit konnte er nicht nur auf legendäre Namen mit WM-Titel setzen. Er durfte auch über «ein tolles Mediabudget mit Kinospots und TV-Kampagnen» verfügen.
Der Brandmanager hat in dieser Verantwortung «viel gelernt». Auch, was eine starke Firmenkultur bedeutet. «Es hat sicher viel Positives, wenn alle am gleichen Strick ziehen und man weiss, was man machen muss.» Andererseits seien Querdenker auf verlorenem Posten. «Im Grossbetrieb einer internationalen Marke sind alle Ideen der Firmenpolitik unterstellt.»
Etwas mehr als ein Jahr hat Muster dieser «Kampf gegen Windmühlen» Spass gemacht. Er konnte mit seinen Aktivitäten auch interessante Zahlen im Bereich Absatz vorweisen. Trotzdem lockte ihn schliesslich wieder eine Aufgabe, wo er ein bisschen mehr kreative Freiheit ausleben durfte. Eine solche Oase war die Republica in Bern. In diesem «Land der Inspiration» (Eigenwerbung) wirkte Simon Muster ab Herbst 2012 als Strategischer Planer und Mitglied der Geschäftsleitung. Zu seinen wichtigen Kunden zählte der Schlittschuh Club Bern. Das Team des SCB hatte eben einen weiteren Meistertitel gewonnen und wollte nach diesem Erfolg auch in der digitalen Welt etwas «offensiver » feiern.
Der im Winter 2013 erfolgreichste Eishockeyclub Europas «hatte ja kein Problem, sein Stadion zu füllen ». 97 Prozent Auslastung während der Qualifikation und 99 während den Play-offs. «Aber: In diesem Umfeld ist das Sponsoring-Angebot irgendwann erschöpft», rechnete Muster. Und wenn alle Banden und Plätze auf den Helmen «verkauft» sind, bleibt nur noch die Erweiterung ins Netz. Bei diesem Auftrag war Simon Muster federführend. Seine Herausforderung: «Wir brauchten einen Content, der funktioniert, und für die Community einen möglichst exklusiven Zugang zur Mannschaft.» Die Lösung war eine digitale Strategie, welche kanalspezifische Inhalte liefert. Zum Beispiel eine App für das Handy. Diese holte Fans beim Auswärtsspiel ab. Oder das digitale TV mit «Behind the scenes»-Material, in welchem auch die Sponsoren mit eingebunden werden konnten. «Mehrwert für die Fans, statt plumpe Werbung».
Bewährte Seilschaften
Solche Aufgaben und ihre Resultate machten Simon Muster «sehr glücklich» bei Republica. Es fiel ihm deshalb schwer, als ihm Bernhard Herzig noch einmal ein Angebot machte, für die Maxomedia zu arbeiten. Aber gleichzeitig war es ja auch ein Comeback in die Agentur, die er wegen Nike damals nur ungern verlassen hatte. «Es warteten Kunden und Mitarbeitende, die ich noch bestens in Erinnerung hatte.» Seit Januar 2014 wirkt Simon Muster nun bei Maxomedia als Leiter Beratung und Mitglied der Geschäftsleitung. «Bei meinem ersten Aufenthalt waren wir als Schweizer Wegbereiter der Online- Werbung die einzige Agentur, die klassischer werden wollte. Dies ist uns mittlerweile gelungen, während die meisten klassischen Agenturen nach wie vor versuchen, digitaler zu werden», fasst Muster die Entwicklung zusammen. Für den zweispurig Erfahrenen bildet diese Aufstellung das ideale Umfeld, in welchem er sich in Zukunft mit vollen Kräften und im wahrsten Sinne des Wortes noch weiter crossmedial entfalten kann. Sein Ziel dabei: «Weiter belächelt werden, weil wir der Zeit manchmal ein bisschen voraus sind, wie damals bei der Gründung von Maxomedia.»
Andreas Panzeri
WW: 1996 haben Sie mit Roman Hirsbrunner zusammen Maxomedia gegründet. Seither ist der Zwei-Mann-Garagenbetrieb zu einer Full-Service- Agentur mit über 50 Leuten angewachsen. Was war der grösste Treiber für diesen Erfolg?
Bernhard Herzig: Wir haben die Agentur in der Überzeugung gegründet, dass sich die klassische und die digitale Kommunikation vereinen werden. Dies beeinflusste die Entwicklung der Agentur, nicht nur in Bezug auf den Kreationsprozess, sondern auch in Bezug auf Organisation und Kultur. In den letzten 17 Jahren haben die Veränderungen in der Medienlandschaft und in der Gesellschaft uns zugespielt. Wichtig war auch der Teamgeist: Roman und ich waren schon damals gut befreundet, haben uns ergänzt und trotzdem eine Vision geteilt.
Bernhard Herzig zu seiner digitalen Vergangenheit: «Die Idee muss gut sein. Dass sie in der digitalen Welt auch funktionieren muss, ist eine Vorgabe der heutigen Zeit, nicht meiner Person.»
Gab es im Verlauf der Entwicklung auch nennenswerte Widerstände für Maxomedia?
Ja, gerade zu Beginn. Wir mussten uns in der Branche erst einmal behaupten. Schliesslich waren wir nicht die klassischen Werber und hatten keine breite Agenturerfahrung. Auch auf ein hilfreiches Beziehungsnetz konnten wir anfangs nicht zurückgreifen. Mit dieser Ausgangslage das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, war nicht immer ganz einfach.
Wieso darf man Maxomedia mit Recht als eine Schweizer Pionier-Agentur im Online bezeichnen?
Für uns war bereits 1996 im Umgang mit der digitalen Welt der Blickwinkel der Kommunikation wichtiger als derjenige der Technik. Zwar war es eines unserer Ziele, kommunikative Herausforderungen mittels Einsatz von innovativen Technologien zu meistern – aber nicht als IT-Unternehmen, sondern als Kommunikationsagentur.
Wie und wo haben Sie sich Ihre Kenntnisse in der Online-Kommunikation erworben?
Am wichtigsten sind die unzähligen grossen und kleinen Erfahrungen, die ich im Rahmen der Projekte über die Jahre machen konnte. Aber auch externe Inputs waren eine wichtige Quelle, beispielsweise Studien, Seminare, Kongresse oder Blogs. Im Laufe der Zeit nahmen hier die Möglichkeiten, sein Wissen zu erweitern, enorm zu. Die sinnvolle Selektion ist heute die grosse Herausforderung.
Was sehen Sie persönlich als Ihre wichtigsten beruflichen Erfolge?
Aus unternehmerische Sicht, dass es Maxomedia in der heutigen Form gibt und dass sich die Agentur am Markt behauptet. Beruflicher Erfolg ist für mich, wenn ich sehe, dass wir uns in unseren Projekten weiterentwickeln – bei herausragenden Peaks, aber auch im Kleinen, im Alltag. Im letzten Jahr war der Gewinn des Löwen in Cannes ein persönlicher Meilenstein, den zu erreichen wir uns lange erträumt hatten.
Wann haben Sie realisiert, dass Maxomedia einmal zu der Agentur werden könnte, die sie heute darstellt?
Ich erinnere mich diesbezüglich unter anderem an die Stimmung und die Gespräche mit unseren Kunden und Mitarbeitern anlässlich unserer 10-Jahr- Jubiläums-Chilbi im Jahr 2006. Dieser Spirit und diese Energie beflügelten uns damals und verhalfen uns zu dem Boost, den wir in den darauf folgenden Jahren erlebt haben.
Was hat sich verändert, seit Sie im letzten Oktober die Leitung allein übernommen haben?
Das Ziel des Wechsels im Management war nicht, die Agentur grundsätzlich zu verändern. Und es ist natürlich nicht so, dass ich die Agentur alleine leite, sondern gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Geschäftsleitung. Trotzdem ist nicht ganz alles beim Alten geblieben, da der Groove und das Klima von den Charakteren in der GL geprägt werden. Wir haben die personellen Wechsel auch zum Anlass genommen, beispielsweise unsere Arbeitsprozesse ein wenig zu aktualisieren.
Sie waren in den früheren Zeiten «Leiter Digital». Jetzt sind Ihre Aufgaben als Geschäftsführer zumindest im Titel umfassender geworden. Was hat sich für Sie verändert?
Meine Aufgaben haben sich effektiv verändert. Als Leiter Digital war ich in mehr Projekte tiefer involviert, mein Beitrag im Alltag sehr operativ. Heute hat sich das etwas verschoben: Der Fokus ist im Alltag ganzheitlicher geworden. Und natürlich vertrete ich die Agentur häufiger nach aussen. Ich bin aber auch weiterhin in unsere Projekte involviert. Und das soll auch so bleiben.