Spannende Zeiten

Martin Kall, langjähriger CEO der Tamedia, heute Mitglied in den Aufsichtsräten der FAZ und der Funke-Gruppe, Verwaltungsrat der Tamedia und VR-Delegierter sowie Miteigentümer des Verlags AG Schweizer Bauer, im Interview mit Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier.

Werbewoche: Wie kamen Sie zur Funke- Mediengruppe (ehemals WAZ-Gruppe)?
Martin Kall: Durch Kontakte. Bei verschiedenen Gelegenheiten hat sich irgendwann mal der Kontakt zu den Eigentümern ergeben. Das liegt aber schon einige Jahre zurück.

Warum haben Sie das VR-Präsidium bei der Funke-Mediengruppe abgegeben?
Für Funke ist der Abschluss der Verhandlungen des Projekts mit Axel Springer ein grosser Schritt. Sowohl wirtschaftlich als auch kulturell und in Bezug auf die Unternehmensperspektiven. Es bietet eine einzigartige Chance, ein nationales Medienunternehmen von führender Bedeutung sowohl inhaltlich wie wirtschaftlich zu werden. Es wird die Modernisierung enorm beschleunigen. Aber es fordert auch das Unternehmen und verlangt entsprechend viel Energie. Mit dem Zeitbudget, das ich zur Verfügung hatte, war das nicht vorstellbar. Darum habe ich mir vorgenommen, ich bleibe bis zum Abschluss dabei. Danach wäre es nach meiner Meinung unverantwortlich, ein Unternehmen dieser Grössenordnung mit einem zu geringen Zeitbudget als Aufsichtsratsvorsitzender zu leiten. Darum freue ich mich über und für meinen Nachfolger Michael Wüller.

Waren Sie eigentlich der Spiritus rector der Übernahme?
Nein. Das hatte schon früher begonnen. Es ist eine starke Leistung der Gesellschafter und der Geschäftsführung. Sie haben dieses herausfordernde Projekt gemeinsam sehr gut gemeistert.

Christian Niehaus, Ex-Co-Geschäftsführer der Funke-Gruppe, hätte als ehemaliger Springer-Mann für die Redaktionen des Hamburger Abendblattes und der Berliner Morgenpost eine wichtige Rolle spielen können. Warum verliess er Funke?
Wir schauen jetzt bei Funke in die Zukunft, stellen uns neu auf, und ich möchte das gar nicht mehr «kommentieren».

…die Geschichte der WAZ tönt ja eigentlich wie ein Krimi..
(schmunzelt) Es ist kein Krimi, sondern eine wunderbare unternehmerische Geschichte. Nachdem Frau Grotkamp sich entschlossen hat, die Anteile der Familie Brost zu kaufen, hat sich die Entwicklung beschleunigt. Damit entstand eine neue, wirklich klare Struktur und die wird klug genutzt, um zum Wohle des Unternehmens nach vorne zu gehen. Das finde ich toll.

Gehe ich recht in der Annahme, dass die Kostenoptimierungsstrategie bei den Regionalzeitungen der Funke-Gruppe Ähnlichkeiten mit derjenigen bei Tamedia hat – einfach eine Nummer grösser?
Funke hat in Nordrhein-Westfalen eine Auflage von ungefähr 600'000. Dazu kommen noch die wichtigen Aktivitäten in Braunschweig, Thüringen, Hamburg und Berlin. Tamedia hat in verschiedenen Regionen der Schweiz auch über 600'000 Auflage. Die Herausforderungen an die Zeitungsverlage in Mitteleuropa sind sehr vergleichbar. Natürlich geht es dabei um die richtige Balance zwischen Konsolidierung und Innovation. Einerseits passen wir unsere Strukturen den neuen Zeiterfordernissen an, auf der anderen Seite müssen wir aber auch Dinge wagen, Neues probieren, das Digitale parallel entwickeln, um auch dort führend zu werden. Dabei ist der Markt in Deutschland viel grösser, so dass die Branche lange noch nicht so konsolidiert ist. In der Schweiz ist der Marktanteil der zwei, drei grössten Zeitungsverleger wesentlich höher als derjenige der zwei, drei grössten Zeitungsverleger in Deutschland.

Und jetzt haben Sie Rolf Bollmann zur Funke- Gruppe geholt…
Gute Idee, oder? (schmunzelt). Wir suchten jemanden, der einerseits das Zeitungsgeschäft von der Pike auf kennt und nachweislich in verschiedenen, schwierigen Situationen die Aufgaben gemeistert hat. Bollmann war ja nicht nur bei Tamedia für einen so wichtigen Titel wie den Tages-Anzeiger zuständig, sondern hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir den Zürcher Zeitungsmarkt konsolidieren konnten. Er hat im Aargau damals für die Verlegerfamilie Wanner die beiden grossen Zeitungen sehr erfolgreich zusammengeführt. Und jetzt in Basel hat er das Zeitungshaus komplett neu aufgestellt und letztendlich gerettet. Das ist das eine. Das andere ist: Ich kenne kaum einen in unserer Branche, der in den vergangenen 10, 15 Jahren so viel auch Innovatives auf die Beine gestellt hat. Er hat eigentlich 20 Minuten zum Leben erweckt, er hat mit den Kollegen als einziger in Europa einen Verbund von Regionalzeitungen zu einem führenden nationalen Newsportal (Newsnet) geschmiedet. Den innovativen Kopf, der ein gutes Auge für junge Talente hat, aber auch schon Unternehmen gesund und nachhaltig aufgestellt hat, den haben wir gesucht. Ich habe ja nur den Erstkontakt hergestellt. Er musste durch alle Prozesse gehen, die für eine solch wichtige Aufgabe zu Recht verlangt werden. Er hat die Kollegen in Deutschland überzeugt, sonst wäre er jetzt nicht da.

Wechseln wir den Schauplatz. Was sind Ihre Aufgaben im Aufsichtsrat der FAZ?
Wir sind ein fünfköpfiger Aufsichtsrat. Es gibt zwei Mitglieder, die stärker dem Tageszeitungsgeschäft verbunden sind, der Verleger aus Fulda und vielleicht ich, obwohl ich ja auch Erfahrung im Digitalen oder Zeitschriftenbereich habe. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Karl Dietrich Seikel, kommt aus dem Zeitschriftengeschäft, verfügt aber über beinahe zwanzig Jahre Erfahrung im Zeitungsgeschäft als Verwaltungsrat bei Tamedia. Dazu kommen zwei sehr stark unternehmerisch denkende Persönlichkeiten, die auch mit der «DNA» der FAZ und der Fazit Stiftung ganz besonders verbunden sind. So ergänzt sich dieses Gremium wunderbar.

Die FAZ wies 2012 ein negatives Ergebnis aus. Die Aussichten für 2013 sind auch nicht rosig. Wohin geht die Reise? Nimmt man jetzt die Entwicklung des Online-Bereichs stärker an die Hand? Verglichen mit ihrer Stellung im Print-Bereich ist sie ja bis heute Online eher schmalbrüstig unterwegs…
Die FAZ will von ihrem Anspruch her im deutschsprachigen Raum ein Leitmedium sein…

…aber Online ist sie es eben noch nicht…
Das möchte ich nicht so sagen. Zum Beispiel ist es gelungen, mit Mathias Müller von Blumencron einen wirklich ausgewiesenen Profi zu gewinnen. Man darf bei Online auch nicht nur auf Reichweite schielen. Auch die Zeitung FAZ war nie die auflagenstärkste Deutschlands. Das ist gar nicht unser Ziel. Das dürfen durchaus andere Zeitungen sein. Wir wollen für eine ganz spezifische Zielgruppe ein führendes Medium sein. Das setzen wir – zunehmend immer besser – auch online um. Dass wir aber noch besser werden können und wollen, ist selbstverständlich. Mit der FAZ am Sonntag haben wir ein starkes Medium, das die FAZ ergänzt. In den vergangenen 18 Monaten ist es dem Team auch gelungen, die Frankfurter Rundschau nicht nur aus der Liquidation zu übernehmen, sondern sie auch so aufzustellen, dass sie jetzt zum ersten Mal seit vielen Jahren gesund ist.

Damit ist die FAZ mit ihrer Schwester, der Frankfurter Sozietät, in einer der stärksten Regionen Europas, dem Rhein-Main-Gebiet, sehr gut aufgestellt. Und stark meine ich nicht nur in Bezug auf die wirtschaftliche, sondern auch kulturelle und politische Kraft. Das gilt es jetzt aber weiter zu entwickeln. Das neue Team hat gerade erst am 1. Januar angefangen. Sehen Sie, selbst Unternehmen, die im Digitalen weiter sind, wie die New York Times, Le Monde oder Der Spiegel, haben immer noch grosse Herausforderungen vor sich. Denken Sie an die Personalwechsel in allen drei Unternehmen. Alle Medien sind heute extrem gefordert – der Druck wächst enorm. Ein gutes Harmonieren zwischen den Eigentümern oder deren Vertretern, der Geschäftsführung und den redaktionell Verantwortlichen ist eine entscheidende Stärke von Unternehmen. Das zu pflegen und es zu schaffen, dass es nicht zu einem gegenseitiges Sich-Lähmen kommt oder aber zum Überfahren von Einzelnen, ist eine unternehmerische Herausforderung. Ich glaube, die Unternehmen, die das besser schaffen, werden sich auch schneller auf die neue Zeit einrichten und letztendlich zu den Gewin nern gehören. Und die FAZ sehe ich auf diesem Weg.

Kommen wir zur Schweiz. Ich gehe davon aus, dass Sie auch bei der Strategie zur Übernahme der PubliGroupe massgeblich beteiligt sind (tiefes Angebot von Fr. 150, Kauf der Tweedy-Brown-Anteile zu Fr. 190, nachdem Swisscom nur für ihren 50-%-Anteil an Local.ch schon 230 Millionen geboten hat, Kauf von weiteren Aktien, so dass Tamedia mittlerweile einen Anteil von 17,6 % an der Publigroupe hält) . Ist das so?
Eines möchte ich klar festhalten: Bei Tamedia habe ich mich ganz bewusst diszipliniert als Verwaltungsrat eingereiht. Die Führung liegt bei den operativ Verantwortlichen und dem VR-Präsidenten.

Akquisitionen sind ja VR-Angelegenheiten…
Auch! Und da bin ich ein hoffentlich gutes, wertvolles Mitglied eines Teams. Das ist mir wichtig, und deshalb kann ich wenig dazu sagen, was und wie die Strategie ist. Da müssten Sie diejenigen fragen, die dafür verantwortlich sind. Mir macht die Sache eine Riesenfreude. Wie es auch Pietro Supino und Christoph Tonini gesagt haben, ist es eine grosse, einmalige Chance, ein starkes Gegengewicht zu Google aufzubauen. Sie haben die FAZ erwähnt – wenn Sie der Debatte (Schirrmachers Antwort auf den offenen Brief von Döpfner an Google betreffend der Marktposition) in der FAZ folgen, dann merken Sie – und ich glaube, diese Diskussion ist noch viel zu wenig in der Schweiz angekommen –, dass wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen. Ich sehe in einer eventuellen Zusammenarbeit zwischen Local.ch und Search.ch eine Chance, dass es auch zumindest ein Schweizer Angebot in diesem Bereich gibt, das langfristig in Bezug auf die Qualität der Dienstleistung im Wettbewerb überleben kann. Darum finde ich die Idee, die beiden Unternehmen zusammenzuführen, absolut richtig. Wir werden sehen, wie es weiter geht. Die Chancen sind da, aber gewonnen hat man immer erst nach neunzig Minuten – manchmal gibt es auch noch eine Verlängerung und dann ein Elfmeterschiessen. Das macht ja auch den Reiz des Fussballs aus (lacht).

Im Dezember 2012 sagten Sie in einem Interview mit der Medienwoche, dass das Thema Zeitungskrise in ein paar Wochen wieder vom Tisch sei. Dem ist nicht so, der Pessimismus geht weiter. Was kann man dagegen tun?
Ja, die Krise! Früher wurde das Wort damit verbunden, dass man eine gewisse zeitlich definierte Periode durchlebte, in der ein Medium in einer Krise war. Darum kann man jetzt gar nicht mehr von einer Krise sprechen. Wir sind in einem Wandlungsprozess, der faszinierend ist. In einer gewissen Hinsicht ist es ein Privileg für jemanden, in so einem Prozess mitwirken zu können. Die Zeiten sind für Zeitungsverlage oder Medienunternehmen so spannend wie vielleicht noch nie, seit Gutenberg mit seiner Druckerpresse eine Revolution auslöste. Wir müssten diesen Prozess eher als Chance betrachten und uns darauf einlassen, ohne genau zu wissen, wo das am Ende in einem neuen Gleichgewicht endet.

Bundesrätin Doris Leuthard bemängelte letzte Woche am Swiss Media Forum die fehlenden Ideen der Schweizer Medienbranche. Sie erwähnte, dass sich in den vergangenen Jahren kein einziges Medienprojekt um eine Förderung via der KTI (Kommission für Technologie und Innovation) beworben hat? (Diese Aussage hat sich im Nachhinein zwar als falsch herausgestellt, denn sowohl Tamedia als auch NZZ haben bei der Kommission für Technologie und Innovation KTI sehr wohl Projekte eingereicht).
Etwas ist ja sehr stabil in unserer Gesellschaft und Branche. Die Politik wird von uns äusserst kritisch betrachtet, und es wird ihr Innovationsfeindlichkeit und Ratlosigkeit vorgeworfen. Dass sich die Politik dafür revanchiert, ist dann nur zu verständlich. Also wirft sie den Medien Ähnliches vor. Das ist schon fast wie eine Diskussion zwischen einem alten, lange verheirateten Ehepaar. Beide Seiten würden etwas vermissen, wenn das nicht so wäre. Darüber würde ich mich nicht zu sehr ärgern. Der Idee, dass es eine staatliche Förderung gibt für Medien, stehe ich sehr skeptisch gegenüber. Ich glaube, Innovation entsteht wesentlich dadurch, dass der Staat Rahmenbedingungen schafft, in denen sich die Menschen entfalten können und innovativ werden. Natürlich ist die Schweiz mit acht Millionen Einwohnern, über 20 Prozent Ausländern und vier Sprachen nicht in der Lage, Medien wie in einem Markt mit 300 Millionen Menschen zu entwickeln. Alles wird immer individualisierter, stärker auf eine Nische ausgerichtet. Dabei ist die Schweiz in gewisser Hinsicht ein Nischenmarkt bzgl. Grösse, und für neue Technologien braucht man einen gewissen Skaleneffekt. Darum ist manches undenkbar in der Schweiz. Aber auch hier wäre ein Blick über die Grenzen gut. In der FAZ wird zu Recht eine Diskussion geführt, dass entscheidende Innovationen und die Monopolisierung dieses Bereichs letztendlich von wenigen Konzernen in den USA ausgehen und in Europa relativ wenig entstanden ist.

Wenn ich jetzt den Medienmarkt Schweiz im Verhältnis ansehe, gibt es schon einiges, auf das man stolz sein darf. Wir haben zum Beispiel einen fantastisch entwickelten Sonntagsmarkt, den es so in dieser Form in keinem anderen Land Europas gibt. Wenn Sie sich die Rubrikanzeigenmärkte anschauen, kann sich eine Firma wie Jobs.ch oder Homegate. ch mit jeder in Europa vergleichen. Auch Local.ch und Search.ch sind Innovationen gewesen. Ja, der Schweiz ist es nicht gelungen, Google zu entwickeln, aber dass Google den wichtigsten Standort ausserhalb den USA in Zürich unterhält, spricht ja auch für das Land und seine Menschen. Ringier und Tamedia gehören mittlerweile beim Anteil von Digital- am Gesamtumsatz unter traditionellen Mediengruppen in Europa zu denjenigen mit dem höchsten Anteil. Dann die regionale Vielfalt. Dass wir immer noch so viele Regionalzeitungen haben, dies auch in sehr kleinen Gebieten. In Deutschland diskutiert man, ob das Saarland mit über einer Million Einwohnern überhaupt noch lebensfähig sei. Man würde es am liebsten mit Rheinland-Pfalz fusionieren. Hier haben gerade mal zwei Kantone über eine Million Einwohner und die kleinsten sind bei 30 000. Keiner käme auf die Idee, diese zu fusionieren. Und die haben alle ihre Regionalzeitung. Auch das ist Innovation. Das sollte die Politik durchaus mal anerkennen.

Weltwoche-Medienkolumnist Zimmermann wirft der Finanz und Wirtschaft aufgrund ihrer Berichterstattung zur Publi- Groupe Konzernjournalismus vor. Ist das Effekthascherei, Profilierungssucht oder die Suche nach der Wahrheit?
Wenn Sie seit Jahren jede Woche eine Kolumne schreiben müssen, dann gibt es manchmal fantastische Stücke, die ich mit Freude und Gewinn lese, und manchmal kann man wirklich nur sagen, er hätte besser mal Ferien genommen. In diesem Fall wäre eine Woche an der Sonne sicher besser gewesen. Diese Verschwörungstheorien – über die er sich übrigens in anderen Kolumnen zurecht wiederum amüsiert –, sind einfach Blödsinn. Wer die FuW, Mark Dittli, sein Team und Tamedia kennt, weiss, dass das einfach Humbug ist. Mehr kann man dazu nicht sagen. Aber wenn man so grosse Verdienste als Kolumnist hat wie Kurt Zimmermann, darf man auch mal komplett daneben liegen.

Veit Dengler, der NZZ-CEO, meinte im Interview mit der Werbewoche, die Medienhäuser müssten sich stärker in Richtung Technologieunternehmen entwickeln. Was sagen Sie dazu?
Fast alle grossen Zeitungshäuser waren mal Drucker und haben deswegen eine Affinität zur Technik. Das ist eindeutig ein wesentlicher Bestandteil auch in Zukunft. Aber Technologie ist nur ein Teil. In den Medienhäusern, für die ich tätig bin, sind andere Fähigkeiten, wie der journalistische Teil, immer noch dominant. Wenn ich ein starkes Herz habe, bin ich noch kein guter Läufer, ich brauche die Muskulatur dazu. Das ist ein Zusammenspiel von vielen Dingen – Technologie gehört auch dazu – , aber ich würde das nicht überbewerten.
 
Ihre Aussage überrascht mich. Bis heute hatte ich immer das Gefühl – und es wird auch so kolportiert –, dass Sie sich für das journalistische Produkt wenig interessieren.
Tamedia hat in der Zeit, in der ich bei ihr arbeiten durfte – auch wenn das manche nicht wahr haben wollen – viele Stellen im Journalismus geschaffen. Indem beispielsweise 20 Minuten enorm expandierte, in dem wir in Online-Journalismus so viel investiert haben, dass zwei sehr starke Newssites aus diesem Unternehmen kommen. Indem wir den Bund bewahrt haben. Journalismus braucht grosse Freiräume. Und sich in diese nicht einmischen, kann in dem Sinne nicht falsch sein. Es kann auch ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Journalismus sein, dass man sagt, wir schaffen ganz bewusst als Unternehmen Rahmenbedingungen, in denen ihr euch entwickeln und einen grossen Freiheitsgrad erwarten könnt. Jetzt kann man sagen, das sei eine Riesenvernachlässigung, für die ich verantwortlich wäre, man kann aber auch sagen, nein, er hat verstanden, wie sehr sich Kreativität und Journalismus bedingen, und hat die dafür nötigen Rahmenbedingungen mit geschaffen.

Das haben Sie noch nie so klar gesagt!
Na, ich muss Ihnen ja mal was Neues sagen, damit Sie mich interviewen! Ich lese eine Zeitung, eine Zeitschrift, eine Website, ich schaue Fernsehen: alles nur wegen des Inhalts. Die Technik ist natürlich wichtig. Z. B. wenn das Ding dreimal abstürzt und einem das Einloggen fürchterlich erschwert wird

Dengler meint ja noch was anderes. Er denkt an neue Angebote, an Bundle etc.
In unserer Branche philosophieren ganz viele über das, was nötig sein könnte. Am Ende ist entscheidend, wie im Journalismus was bei Redaktionsschluss vorliegt. Ich denke an meine Tanzstunde. Früher als 15-Jährige sind einige in die Tanzstunde gefahren und haben sich im Bus unter den Jungs unterhalten, wer welches Mädchen anspricht. Nach der Tanzstunde sind sie wieder zurückgefahren und haben sich darüber unterhalten, wer nächstes Mal welches Mädchen ansprechen wird. Dann gab es aber auch ein paar Jungs, die haben weder am Ende noch am Anfang darüber geredet, die haben es einfach gemacht. Wir müssen in unserer Branche einfach mehr tun und weniger darüber reden, was vielleicht zu tun wäre.

Genau, und das können Sie jetzt beim Verlag Schweizer Bauer, den Sie den heutigen Eigentümern zu einem guten Preis verkauft haben, ausleben und sich austoben…
Da haben Sie absolut recht. Das ist eine sehr gute Abrundung für mich. Es ist für mich neu, «nur» Verwaltungsrat zu sein.

Wahrscheinlich juckt es Sie ja heute gelegentlich im Verwaltungsrat…
Nein, nein, nicht so oft (lacht). Aber klar, es ist ein andere Rolle, die ich erlernen musste. In dem Sinne ist es natürlich schon ein Privileg, einen solchen Ausgleich zu haben. Und dann noch als Miteigentümer. Man kann sich einfach mal ausleben und seine eigenen Fehler und Dummheiten begehen.

Ihr Portfolio ist ja schon faszinierend…
Es ist wirklich spannend. Bei Funke kann ich mit anschauen, wie ein grosser IT-Bereich mit Tausenden von Nutzern outgesourct und mit Partnerunternehmen geführt wird. Beim Schweizer Bauer frage ich mich, was die neue Redaktions-Software für unser kleines Team kosten soll, wo wir sie hosten und ob wir sie uns überhaupt leisten können. Das Verbindende aber ist, dass ich das Privileg habe, mit Menschen zusammenzuarbeiten, mit denen es Freude macht. Als ich die Eigentümerfamilie von Funke kennengelernt habe, war das ein entscheidender Grund für mein Engagement bei Funke. Es sind aber auch die Leute, die bei der FAZ im Aufsichtsrat und bei der Tamedia im Verwaltungsrat sitzen, und beim Schweizer Bauer ist es der Mehrheitseigentümer OGG. Für mich ist heute ausschlaggebend, dass ich mit Menschen arbeite, mit denen es ein Vergnügen ist und ein Gewinn für beide Seiten darstellt. Wenn man das schafft, dann ist man auch unternehmerisch erfolgreich.

Interview: Pierre C. Meier

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Googles intelligente Suchmaschine

Intelligente, automatisierte Verknüpfung von Daten ist für Internetdienstleister keine Neuigkeit mehr. Doch wie weit steht es mit der Semantischen Suche wirklich? Die Werbewoche hat das erste Google House – zum 10-Jahr-Jubiläum der Google Niederlassung in Zürich – besucht und sich mit Matthias Meyer, Sprecher von Google Schweiz, darüber unterhalten. 

Das Google House – eine kleine Zeltstadt, in dem die diversen Dienste von Google den Besuchern vorgestellt werden – verspricht deren Bewohnern, dass sie mit den Apps und Produkten von Google leichter durch den Alltag kommen. Die Führung durch das Google House gab Einblicke in die verspielte, aber auch technisch versierte Erlebniswelt von Google. Und Google ist heute tatsächlich «auch ein iPhone» – oder eben ein virtueller Assistent. Dieser besteht aus Google Now, der Google Sprachsuche, Google Maps und Google Translate. So etwa kann der Nutzer sich über das Wetter informieren, schnell checken, welche Filme laufen, bevor er mit dem Tram nach Hause fährt. Die Google-Sprachsuche reagiert auf Stimmerkennung, was bei ungenauer Aussprache oder einem lauten Umfeld noch nicht wie gewünscht funktioniert. Mit Google Street View kann der Nutzer sein Tablet nicht nur 360 Grad drehen, sondern auch nach oben schauen und die Wolken am Himmel zählen. In den Ferien schnell die Speisekarte fotografiert und schon ist die entsprechende Übersetzung vor Ort. Und dennoch sind alle diese Funktionen schliesslich auf etwas zurückzuführen: die Suche nach Informationen – nur weiterentwickelt.

Der Knowledge Graph

Auch Googles Suchfunktion ist bereits weiterentwickelt und nennt sich Knowledge Graph. Er besteht aktuell aus über 60 Trillionen einzelnen Seiten und versammelt Informationen über verschiedene Dinge in der realen Welt. Daten über bekannte Persönlichkeiten, wie das Geburtsdatum und deren Grösse werden mit weiteren Daten im Knowledge Graph verknüpft, wie etwa mit Angaben zu Herkunft oder einer Epoche. So kann beispielsweise der Google Graph die Frage «Wie viele Kinder hat Roger Federer?» anhand von intelligenter Datenverknüpfung beantworten. So weit so klar. Was neu ist: in der Weiterentwicklung können nun bereits Folgefragen gestellt werden. Das heisst, die Frage kann auf die vorhergehende referieren. Ist der Knowledge Graph also einfach eine weitere spielerische Zusatzfunktion der Google-Suche, wie etwa die Google-Sprachsuche? Matthias Meyer, Sprecher von Google Schweiz, gibt Auskunft darüber, welchen Nutzen der Knowledge Graph für die Suche bedeutet und was für die Weiterentwicklung geplant ist:  

Matthias Meyer zum Knowledge Graph

WW: Was ist der Knowledge Graph?
Matthias Meyer: Wir stehen immer noch ganz am Anfang der Suche. Vor nur wenigen Jahren wurden Ihnen als Suchresultate einzig blaue Links gezeigt. Die Suche hat sich über die Zeit verbessert. Wir zeigen Ihnen je nach Suchanfrage auch kleine Bilder oder Videos. Seit letztem Jahr zeigen wir auch auf Deutsch in den Suchresultaten sogenannte Einheiten an – eben den Knowledge Graph.

Was sind das für Informationen?
Das sind Infos, die es im Web schon gibt und die von der Google-Suche indexiert haben. Sie sind thematisch aufbereitet und helfen so dem Nutzer, schneller die richtige Quelle für seine Frage zu finden. Neu ist: Google versteht heute, dass zum Beispiel Stephan Eicher ein Sänger ist. Oder dass Paris eine Stadt ist. Die Suche zeigt neu «things, not only strings». Also eben nicht mehr bloss blaue Links, die man früher bei der Suche erhalten hat. Google versteht heute Einheiten.

Das heisst, Informationen werden einfach neu präsentiert?
Genau, die Informationen werden in der Google-Suche auf der rechten Seite der Suche dargestellt. Für den Nutzer ist der Knowledge Graph praktisch, weil alle Informationen zu einem Thema überblicksartig arrangiert werden. Er kann Suchergebnisse erkunden und so schneller die richtige Seite finden, welche ihm seine Frage beantwortet.

Was ist das Ziel dieser Weiterentwicklung?
Wir wollen den Leuten helfen, die richtigen Informationen schneller zu finden, aber auch Dinge zu entdecken, die für Sie interessant sein können und die sie eventuell noch gar nicht in Betracht gezogen haben. Beispielsweise suche ich einen Musiker, aber ich weiss seinen Namen nicht. Nun weiss ich aber, dass er etwa zur gleichen Zeit wie Mozart gelebt hat. Der Knowledge Graph zeigt mir verwandte Suchanfragen. So finde ich etwa Ludwig van Beethoven und Sebastian Bach. Das war jetzt ein einfaches Beispiel, aber im Endeffekt geht es genau in diese Richtung. Mit dem Knowledge Graph erhalten Sie Antworten auf Fragen, die Ihnen vielleicht noch gar nicht in den Sinn gekommen sind.

Also gibt mir der Knowledge Graph in naher Zukunft direkt praktische Anleitungen entsprechend meiner Frage?
Der Knowledge Graph kann meine Frage mit kontextueller Information beantworten. Wie immer bei Google werde ich dann auf die Seite geführt, wo die Informationen zu finden sind.

Wie wird die Google Suche sich entwickeln?
Der Knowledge Graph war ein wichtiger Schritt und hat unsere Sprachsuche verbessert. Ich kann heute eine Konversation mit Google führen. Sie können auf das Mikrofonsymbol in der Google-Such-App klicken und sagen: «Wer ist Roger Federer?» Google antwortet mir. Dann frage ich: «Wie alt ist ER?» Google versteht, dass es sich hierbei um eine Folgefrage handelt. Das ist schlussendlich unsere Vision, man soll mit Google natürlich sprechen können. Wir fokussieren uns aktuell sehr aufs mobile Gerät, weil die Leute viel unterwegs sind und unterwegs nicht tippen, aber mit Ihrer Stimme suchen wollen.   

Ursina Maurer
 

Kampf um die Bodenmannschaft

Hintergründiges und Spekulatives zur sich anbahnenden PubliGroupe-Übernahme

Ein Drama wird’s auf jeden Fall und sicher auch ein spannendes: Der Übernahmekampf um die PubliGroupe wird die Medienbranche als Sommertheater im Banne halten. Da ist zum einen der Niedergang des ehemaligen Grossreichs der «P» – eine Geschichte, die sicher noch vielfach reminisziert werden wird. Und zum anderen die Schlacht von derzeit zwei Kontrahenten, die den Rest des Reiches begehren. Vorab eine kurze Chronologie des letzten Kapitels in dieser Geschichte eines angekündigten Untergangs: 2. April 2014: Die Werbevermittlerin PubliGroupe trennt sich vom klassischen Inseratgeschäft und verkauft ihre Tochter Publicitas an das deutsche Unternehmen Aurelius. 17. April 2014: Tamedia veröffentlicht eine Voranmeldung eines öffentlichen Übernahmeangebots für die PubliGroupe und bietet darin 150 Franken pro Aktie. 25. April 2014: Swisscom unterbreitet der Publi- Groupe ein unverbindliches Angebot von 230 Mio. Franken für die von PubliGroupe gehaltenen Aktien an der LTV Gelbe Seiten AG sowie der Swisscom Directories AG. Das bisher als Joint Venture geführte Geschäft von local.ch ginge damit vollständig in den Besitz der Swisscom über. 14. Mai 2014: Tamedia übernimmt die bisher von der Beteiligungsgesellschaft Tweedy Browne LLC gehaltenen PubliGroupe-Aktien zu CHF 190 pro Aktie und hält damit einen Aktienanteil von 17.6 Prozent. Damit wird Tamedia zum grössten Aktionär der PubliGroupe. 16. Mai 2014: Swisscom veröffentlicht eine Voranmeldung für ein öffentliches Kaufangebot der PubliGroupe-Aktien zu einem Preis von 200 Franken pro Aktie.

Übernahmekommission koordiniert Bieterrunden

Die nächsten Etappen sind aufgrund der gesetzlichen Vorgaben (vorab in den Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Börsen und den Effektenhandel, «Börsengesetz» oder im Juristenslang BEHG) absehbar. Eine zentrale Rolle kommt der Übernahmekommission (UEK) zu. Diese Bundesbehörde ist aufgrund des BEHG dafür besorgt, dass bei öffentlichen Kaufangeboten die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Sie definiert dafür allgemeine Grundsätze und koordiniert in Einzelfällen den Ablauf, etwa wenn die zeitlichen Abläufe mehrerer Angebote untereinander zu koordinieren sind.

Wie eine solche Übernahmeschlacht ablaufen kann, zeigte im letzten Winter der Kampf der AEVIS Holding SA und der Swiss Private Hotel AG um die Victoria-Jungfrau Collection AG. Nach einer Voranmeldung Ende Oktober der AEVIS Holding und der Veröffentlichung eines Angebotsprospektes Anfang November (250 Franken pro Aktie) folgte kurz vor Weihnachten die Voranmeldung Swiss Private Hotel AG (277 Franken). Wenige Tage später veröffentlichte AEVIS die erste Prospektänderung und verlängerte aufgrund der Vorgaben der UEK die Angebotsfristen aufgrund des Gegenangebots. In einer zweiten Prospektänderung erhöht AEVIS am 23. Januar den Angebotspreis auf 305 Franken. Das hat Auswirkungen auf die Fristen des Angebots der Swiss Private Hotel AG, die eine Woche später nachzieht und auf 310 Franken erhöht (was wiederum die Fristen beim AEVIS-Angebot beeinflusst). Mitte Februar bietet mit einer vierten Prospektänderung auch die AEVIS Holding ebenfalls 310 Franken. Im März veröffentlichen beide Kontrahenten zuerst provisorische, dann definitive Zwischenergebnisse und schliesslich macht das definitive Endergebnis der AEVIS Holding klar, dass sie als Gewinnerin vom Platz geht – vor allem, weil sie massgebliche Beteiligungen Dritter hatte übernehmen können.

Die Veröffentlichung einer Vorankündigung betrifft auch den Verwaltungsrat der Zielgesellschaft. Er darf nun nicht mehr nach Belieben schalten und walten und etwa Teile des Unternehmens veräussern. (Obwohl sonst im Zuständigkeitsbereich des Verwaltungsrates, wäre deshalb beim ersten Kaufangebot der Swisscom für die beiden Unternehmensteile die Zustimmung einer ausserordentlichen Generalversammlung nötig gewesen.) Vor allem hat der Verwaltungsrat der Zielgesellschaft den Inhabern von Beteiligungspapieren einen Bericht vorzulegen, in dem er zum Angebot Stellung nimmt. Wesentlicher Teil dieser Stellungnahme ist eine Fairness- Opinion (sinngemäss: anständige, ehrliche, gerechte Meinung). Damit werden bei Unternehmensübernahmen (sog. Mergers & Acquisitions M&A) Stellungnahmen eines unabhängigen Gutachters basierend auf der Durchsicht öffentlich zugänglicher Dokumente zur Beurteilung eines geplanten Unternehmens(ver)kaufs aus Sicht der Aktionäre bezeichnet. Gleich wie die Angebotsprospekte werden auch diese Dokumente bei der Übernahmekommission eingereicht und von ihr geprüft.

Bieter können dazu Stellung nehmen und Ergänzungen verlangen. So geschehen auch bei der Jungfrau- Collection-Übernahme, wo die Fairness-Opinion das erste Angebot von 250 Franken als zu niedrig beurteilte. Die Zielgesellschaft ist verpflichtet, alle Bieter gleich zu behandeln. Hat sie etwa einem freundlichen Anbieter eine Due-Diligence-Prüfung und somit einen vertieften Einblick in nicht öffentliche Geschäftsbereiche gewährt, muss sie dies später auftretenden Bietern ebenfalls gewähren. Der Verwaltungsrat der PubliGroupe hat mitgeteilt, zu den beiden Kaufangeboten Stellung zu nehmen, sobald diese definitiv vorlägen, und sich dabei auf eine bereits in Auftrag gegebene Fairness-Opinion zu stützen. In Anlehnung an eine Studie der Zürcher Kantonalbank hat die (in Tamedia-Besitz befindliche) Finanz und Wirtschaft jüngst einen fairen Wert von gut 340 Mio. Franken ermittelt und lag damit in der gleichen Grössenordnung wie das erste Angebot von Tamedia von 150 Franken, was auf einen Unternehmenswert von PubliGroupe von 351 Mio. Franken hinauslief. Allerdings räumte die FuW ein, ihre Schätzung beruhe auf einer «konservativen und wegen fehlender Daten groben Rechnung» – man kann gespannt sein, wie hoch der PubliGroupe-VR den Wert seines Rest-Unternehmens einschätzt und wie die Aktionäre und Bieter darauf reagieren werden.

Komplexe Kreuzbeteiligungen

Nicht minder spannend wie das mutmasslich bevorstehende Bieterrennen sind die Motive für die Übernahme der PubliGroupe. Seitens von Tamedia-Vertretern wurde wiederholt gesagt, man sei bei Publi- Groupe hauptsächlich an local.ch interessiert. Bei einer genaueren Sicht auf die Faktenlage kann dieses Statement allenfalls sinnbildlich verstanden werden. Im Detail geht es um ein Joint Venture, das im Jahr 1999 mit diesen beiden Unternehmen ins Leben gerufen worden war:

Swisscom Directories AG: Swisscom: 51 Prozent, PubliGroupe: 49 Prozent. Zur Grundversorgungskonzession, die Swisscom Fixnet vom Bundesrat erhalten hat, gehört auch die Aufgabe, zusammen mit allen Telefoniedienst-Anbieterinnen einen Verzeichnisdienst zu betreiben. Swisscom Directories bietet diese Dienstleistung im Auftrag der Swisscom und der übrigen Anbieterinnen von Telefonanschlüssen (z. B. Sunrise, Swisscom Mobile, Orange usw.) an, die die dafür nötigen Daten sammeln und zur Verfügung stellen müssen. Zudem führt die Swisscom Directories AG im Auftrag vom Bakom (Bundesamt für Kommunikation) eine Notfalldatenbank, mittels der Notrufe lokalisiert und die entsprechenden Geo-Koordinaten an die zuständigen Notfall-Organisationen übermittelt werden. Diese Verzeichnis-Daten sind gefragt und werden gegen gutes Geld verkauft: Nebst den Print- und Online- Verzeichnissen basieren auch Sprach-Auskunftsdienste (18xy) auf diesen Daten, die zudem für Dialog- Marketing, Wirtschaftsinformationen etc. benutzt werden.

LTV Gelbe Seiten AG: Swisscom: 49 Prozent, PubliGroupe: 51 Prozent. Dieses Unternehmen (LTV steht für Lokal-Telefon-Verzeichnis AG) entstand in den 1970er Jahren und wurde 1996 von der Publi- Groupe übernommen. Ihr Kerngeschäft war und ist das Verlegen von rund hundert Telefon- und Branchenbüchern und die Akquisition der Werbung in diesen Verzeichnissen. Mit rund 20 Prozent Umsatzrendite gehörte dieser Bereich während langer Zeit zu den rentabelsten der PubliGroupe. Die gedruckten Telefonbücher sind auch im Online-Zeitalter noch längst kein Auslaufmodell. Gemäss einer Studie vom letzten Jahr nutzen drei Viertel der Schweizer Bevölkerung das papierene Telefonbuch. Auch wenn dieses Geschäft unter dem Druck der Onlineverzeichnisse leidet, ist es weiterhin einträglich: Dem Geschäftsbericht der PubliGroupe für das Jahr 2013 kann entnommen werden, dass die LTV Gelbe Seiten AG der Swisscom im Rahmen des Joint Venture Dividenden von 6,4 Mio. Franken (2012: 6,9 Mio. Fr.) überwiesen hat.

Local.ch AG: Eine hundertprozentige Tochter der Swisscom Directories AG (die wiederum zu 51 Prozent der Swisscom und zu 49 Prozent der PubliGroupe gehört, s.o., im Verwaltungsrat sitzen somit auch PubliGroupe-Vertreter). Dieses Unternehmen wurde im November 2005 von der PubliGroupe im Rahmen des Joint Venture mit der Swisscom gegründet und arbeitete von Anfang an bei der Vermarktung gedruckter und elektronischer Verzeichnisse eng mit der LTV Gelbe Seiten AG zusammen. Nach fünf Monaten Entwicklungszeit ging die regionale Suchmaschine am 18. April 2006 um 18:53 Uhr live und verzeichnete gemäss dem Unternehmens-Blog nach zwei Tagen 2731 Besucher – heute sind es über vier Mio. Unique Clients pro Monat, womit local.ch zu den meistbesuchten Sites im Schweizer Internet gehört. In letzter Zeit haben die Joint-Venture-Gesell- schaften ihren Marktauftritt unter der Marke local. ch zusammengefasst. So kommen die Telefonbücher jetzt unter der Marke LocalGuide daher, die der LTV Gelbe Seiten AG gehört. Dieser konsolidierte Auftritt nach aussen mag erklären, weshalb das Übernahmegeschäft oft so dargestellt wird, als gehe es einzig um local.ch. Diese Betrachtung wird indes den letztlich ausschlaggebenden rechtlichen Aspekten nicht gerecht. 

Search.ch AG: Tamedia 75 Prozent, Die Post: 25 Prozent. Bereits zehn Jahre bevor local.ch im Web erschien, war unter search.ch eine Schweizer Suchmaschine aktiv. Gegründet von Informatik-Pionieren der damaligen Zeit, konnte dort seit Ende 1999 das Telefonbuch abgefragt werden. Mitte 2004 übernahm Die Post diese Informationsplattform aus der Schweiz für die Schweiz – ein weiterer Versuch des gelben Riesen, im Internet Fuss zu fassen. Mit beschränktem Erfolg, denn vier Jahre später ging die Aktienmehrheit von 75 Prozent an Tamedia (gleichzeitig mit der Ankündigung, dass Tamedia und die NZZ-Gruppe ihrer Aktivitäten in der Frühzustellung von Zeitungen und Zeitschriften an die Schweizerische Post übertragen). Bemerkenswert ist, dass die Entwicklermannschaft von search.ch nach dem Verkauf an die Post weiterzog und den Grundstein für Google Maps legte, das heute im Local-Search- Markt zur treibenden – allerdings kommerziell nicht dominanten – Kraft geworden ist.

Ohne starken Aussendienst nur magere Ausbeute

Damit ergibt sich folgende Ausgangslage: Tamedia: Gelingt die PubliGroupe-Übernahme, kann Tamedia einzig bei der LTV Gelbe Seiten AG die Mehrheit übernehmen. Hier geht es allerdings nicht nur um gedruckte Telefonverzeichnisse, sondern vor allem um die Verkaufstruppe, die Werbung eintreibt. Sie umfasst rund 400 Mitarbeitende und ist somit etwa zehnmal grösser als die Aussendienst- Equipe bei search.ch. Swisscom: Sie muss fürchten, bei local.ch genau den Vorteil der LTV-Verkäufer-Truppe zu verlieren. Ohne die Zusammenarbeit mit der LTV Gelbe Seiten AG käme local.ch mit den eigenen Verkäufern so wenig vom Fleck wie heute search.ch. Beim Übernahmekampf um die PubliGroupe geht es also vor allem um die LTV-Bodenmannschaft. Denn wer beim lokalen Gewerbe kostenpflichtige Zusatzeinträge verkaufen will, sitzt mit Vorteil beim Wirt in die Gaststube oder besucht den Garagier in seiner Werkstatt. Allein mit einem Webformular oder per Telefonverkauf ist da kaum viel zu holen.

Die beiden Kaufangebote von Tamedia und Swiss com sind somit von der Erkenntnis geprägt, im Online-Geschäft mit Verzeichnisdaten allein nicht auf einen grünen Zweig kommen zu können. Zwar beschwichtigt der Tamedia-Unternehmenssprecher, womöglich mit der Wettbewerbskommission im Hinterkopf, search.ch und local.ch sollen als eigenständige Marken weitergeführt werden und man «wäre an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Swisscom interessiert», spricht aber auch davon, man sei «überzeugt, dass mit der Übernahme von local.ch ein noch stärkerer Schweizer Verzeichnisanbieter entstehen könnte». Derweil schreibt die Swisscom, mit der beabsichtigten Übernahme wolle sie «die volle Kontrolle über local.ch übernehmen und das für Swisscom strategische Verzeichnisgeschäft im bestehenden Marktumfeld weiterentwickeln. »

Gehen die beiden Kontrahenten korrekt vor, wird es im Vorfeld des Übernahmekampfes keine gegenseitigen Absprachen gegeben haben. Deshalb müssen die Berner mit einem Szenario rechnen, das bisherige Geschäftspraktiken von Tamedia berücksichtigt, die mitunter k(n)all-hart waren. Tamedia könnte das Joint Venture kündigen und den Verzeichnismarkt künftig mit search.ch und den Stärken der LTV selber betreiben (die Grundkonzession an die Swisscom schreibt ihr das Führen des Verzeichnisses für alle Telefonanschlüsse, nicht aber das Verlegen von Telefonbüchern vor). So wird klar, dass die Assets der LTV Gelbe Seiten AG für beide Kontrahenten strategisch wichtig sind. Swisscom kann sie nicht ohne Weiteres rasch ersetzen. Hingegen ist fraglich, ob Tamedia die LTV-Verkäufer einfach auf ihr bisheriges Konkurrenzprodukt wird umpolen können.

Wer macht das Rennen?

Wer die PubliGroupe übernehmen will, braucht 66 ⅔ Prozent der Aktien, entweder in der eigenen Hand oder als verbindliche Zusage.

Tamedia: Die Zürcher halten bereits einen Aktienanteil von mindestens 17,6 Prozent und sind somit der grösste Aktionär des Lausanner Werbevermittlers. Sie brauchen noch weitere knapp 15 Prozent der Aktien, um, wenn nicht die PubliGroupe zu übernehmen, so doch der Berner Konkurrenz diesen Schritt zu verunmöglichen. Sollten bei den Aktionären nicht nur monetäre, sondern auch moralische Überlegungen eine Rolle spielen, ist Tamedia im Nachteil: Sie hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten mit ihrer Geschäftspolitik (Stichwort: Eigenvermarktung) den Niedergang der «P» mit herbeigeführt und tritt nun als Angreifer auf, um ihr den finalen Stoss zu versetzen.

Swisscom: Die Berner können auf ihre langjährige Partnerschaft im etablierten Joint Venture verweisen, die bewahrt werden soll. Die mehrheitliche Beteiligung des Bundes könnte in einem Übernahmekampf nachteilig interpretiert werden. Deshalb erscheint es geschickt, dass Swisscom zuerst nur ein Kaufangebot für die betroffenen Unternehmensteile unterbreitet hat (und damit beim Verwaltungsrat der PubliGroupe offenbar nicht auf Anklang gestossen ist).

Ringier: Konzernchef Marc Walder sagte am 9. Mai anlässlich einer Podiumsdiskussion, stehe eine Firma wie PubliGroupe zur Disposition, müsse «das auch Ringier interessieren». Ringier ist seit Anfang dieses Jahres Alleinaktionärin der Scout24-Gesellschaften (AutoScout24, MotoScout24, ImmoScout24) in der Schweiz und mit diesen Marktplätzen für Rubrikanzeigen komplementär zu den Verzeichnisdiensten von local.ch unterwegs. Doch ein Angebot von Ringier ist bisher nicht aufgetaucht.

PubliGroupe: Nach der Ankündigung des Swisscom- Übernahmeangebots kündigte der Verwaltungsrats der PubliGroupe AG an, zu den beiden Angeboten Stellung zu nehmen und sich «in dieser Beurteilung strikte von den Interessen aller Aktionäre und den Interessen sämtlicher Stakeholder leiten» zu lassen. Da wird wohl der bessere Preis massgebend sein, auch wenn am Schluss der Mitteilung nachgeschoben wird: «PubliGroupe positioniert sich als eine führende europäische Anbieterin im Bereich Performance-Marketing und digitaler Werbehandel. Nach dem Verkauf von Publicitas wird die Gruppe über 80 Prozent der Umsätze mit digitalen Produkten und Dienstleistungen erzielen. » Der Verwaltungsrat wird aufzeigen wollen, inwiefern die bestehenden Beteiligungen (etwa: Zanox) und den in letzter Zeit neu erworbenen (u.a. Improve Digital, Spree7 und kürzlich Sellbranch) nicht nur eine reine Beteiligungsgesellschaft bilden, deren Assets einzeln gehandelt werden können, sondern wie diese Beteiligungen gemeinsam zukunftsträchtige Synergien mit einem Mehrwert erzielen. Gelingt dies, könnten Aktionäre so allenfalls überzeugt werden, ihre Aktien zu halten, respektive ein neuer Eigentümer davon abgehalten werden, den Rest des Unternehmens zu zerschlagen und meistbietend zu verkaufen.

Angst-Gegner Google

Stellt sich abschliessend die Frage nach den Zukunftsaussichten in diesem Geschäft, da es unter dem Stichwort «local search» um weit mehr als nur um Telefonverzeichnisse gehen könnte. Und da gibt es einen klaren Angst-Gegner und der heisst: Google. Zwar hat Google keine Privatadressen wie local. ch und search.ch, doch für den Anzeigenverkauf sind ohnehin nur Firmen interessant. Und die haben längst eigene Web-Auftritte und können somit direkt über Suchmaschinen gefunden werden, ohne dazu in ein spezielles Verzeichnis zu wechseln. Kommen gerade beim Gewerbe heute noch viele Webauftritte altbacken und selbstgestrickt daher, wird sich das in nächster Zeit ändern. Denn der Markt mit Angeboten für professionelles Web-Design ist gut besetzt und so werden diese KMU-Sites zunehmend interaktiv, Suchmaschinen-optimiert und geo-codiert. Hier hätten sowohl local.ch wie search.ch seit Jahren innovativ aktiv werden können, sind aber auf ihrem Stammgeschäft verharrt. Dass hier der Wurm drin ist, scheinen laut einem Eintrag auf dem Arbeitgeberbewertungs-Portal kanunu. com zu local.ch aus dem Jahr 2012 zwar die Angestellten, nicht aber die Chefs erkannt zu haben: «Die Geschäftsleitung sollte viel stärker auf Online setzten, statt immer weiter die gedruckten Verzeichnisse zu behalten. Die Kunden werden über den Tisch gezogen, da man ihnen sagt, dass die Werbeprodukte ganz toll für sie sind.»

Wer immer aus dem Übernahmekampf als Sieger hervorgehen wird: Eine weitere Konsolidierung im Online-Verzeichnismarkt in der Schweiz ist mindestens längerfristig absehbar. So erscheint es fragwürdig, Millionen von Franken in einem Übernahmekampf – in einem notabene schwindenden Markt – zu verbrennen, in dem pro LTV-Aussendienstmitarbeiter rund eine Million Franken geboten werden. Eine vorwärts gerichtete Fusion wäre da einem kostspieligen Take-over vorzuziehen – zumal, wenn die nun angestrebte Übernahme nicht zustande kommen sollte. Eine solche Neugründung könnte die Stärken der drei Player vereinen und hätte bessere Chancen, im Markt gegen Google punkten zu können. Das kann nur gelingen, wenn so ein innovativer und mit unternehmerischen Freiheiten aufgestellter Start-up entsteht. Einem solchen Zusammenschluss (wie auch einer Übernahme) wird sich die Wettbewerbskommission kaum widersetzen. Als sie vor vier Jahren das Joint Venture zu beurteilen hatte, fand sie keinen Anlass für eine Prüfung des Falles und sprach davon, der Markteintritt neuer Online- Verzeichnisdienste sei leicht, da alle die gleichen Grunddaten verwenden können. Da Endkunden einfach auf andere Anbieter, wie etwa Suchmaschinen, ausweichen könnten, sei der Werbemarkt in diesem Bereich benachbarter Märkte ausgesetzt und auch die ständig geringer werdende Bedeutung von Telefonbüchern und gedruckten Branchenverzeichnissen lasse auf einen grossen Wettbewerbsdruck schliessen, sodass in diesem Werbemarkt es kaum möglich sei, Preise monopol artig unabhängig festzulegen. Würde eine solche Zusammenführung heute vollzogen, hätten einzig die PubliGroupe-Aktionäre das Nachsehen, die weiterhin darauf warten (und hoffen) müssten, bis ihr Schrumpf-Unternehmen aus eigener Kraft einen besseren Preis an der Börse verdient hat – und das werden sie kaum tun.

Christoph J. Walther
 

Zur Sache: Wer gewinnt?

Zur Wahl des Werbers des Jahres sind vom Wahlgremium, bestehend aus den ehemaligen Werbern und Werberinnen des Jahres sowie den jeweiligen Finalisten, sechs Persönlichkeiten der Schweizer Werbeszene nominiert worden.

Eine interessante Mischung, wie mir scheint: ein gestandener Kreativer, schon einige Male nominiert und schon lange bei der gleichen, sehr erfolgreichen Agentur tätig; ein Kreativer, ebenfalls ADC-Vorstandsmitglied, der Lust auf Veränderung hat und Kommunikation wirklich ganzheitlich sieht; ein Kreativer, der mit seiner Agentur im digitalen Bereich erfolgreich unterwegs ist (Platz 3 im Best of Swiss Web Ranking (Gesamtranking aller Agenturen in der Schweiz) und auf Platz 1 im Bereich «Creation »); ein langjähriger Werber, der nach vielen Jahren als CEO nun die ganze Werbeagentur-Gruppe leitet; ein Werber, der mal nicht aus Zürich kommt und sich für KMU-Kunden und ihre Bedürfnisse interessiert. Last but not least eine Frau, Strategin, Werberin, die sich für die Schweizer Werbebranche begeistert und enttäuscht darüber ist, dass der Branche in den letzten Jahren der Mut abhanden gekommen ist. Das will sie ändern – immerhin war sie schon mal Werberin des Jahres.

Ich gratuliere allen Nominierten sehr herzlich. Den ersten Schritt zum Werber oder der Werberin des Jahres haben sie nun schon hinter sich. Jetzt heisst es abwarten. Die Abonnentinnen und Abonnenten der Werbewoche können nun aus den Nominierten ihren Favoriten küren. Dazu erhalten sie Anfang nächster Woche die Abstimmungsunterlagen. Wie immer kann man aber auch für eine nicht nominierte Persönlichkeit stimmen. Letztmöglicher Termin für das Absenden der Abstimmungskarten ist der 30. Mai.

Die Redaktion hat 20 Kampagnen ausgewählt, von denen wir glauben, dass sie ein gutes Abbild des Werbeschaffens zeigen, und stellt diese zur Wahl der «Kampagne des Jahres». Bis zum 30. Mai können hier alle Leser online abstimmen. Auf Werbewoche.ch gibt es einen entsprechenden Link.

Am 5. Juni wird dann der Sieger oder die Siegerin der Wahl den begehrten Egon der Werbewoche in Empfang nehmen und den Abend als frischgebackener Werber oder Werberin des Jahres 2014 feiern können. Auch der Titel «Kampagne des Jahres» wird dann vergeben. Die Gewinner-Agentur und ihr Kunde erhalten eine Auszeichnung.

Am Abend des Schweizerischen Markenkongresses wird die Verleihung an der Galaveranstaltung «Nacht der Marke» im «The Dolder Grand» in Zürich erfolgen. Details finden sich auf Nacht-der-Marke.ch. Wir freuen uns auf Sie.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]
 

Felder Vogel tritt für SBB Immobilien auf

SBB Immobilien lässt auf dem Areal «Rösslimatt» Raum für Gewerbe, Dienstleistungen, Gastronomie und Wohnen entstehen. Felder Vogel hat zusammen mit SBB Immobilien das Branding bestimmt, welche das Areal wie auch einzelne Gebäude charakterisieren sollen.

Dafür wurde Ovrea Corporate Personality eingesetzt. Das Branding für das Areal soll eine eigenständige, von der SBB unabhängige Marke werden, welche die Vielfalt der Nutzung widerspiegelt und eine klare Positionierung ermöglicht, so die Agentur in einer Mitteilung vom Donnerstag. Felder Vogel hat in einem ersten Schritt folgende Elemente erstellt: Naming, Logo, Corporate Design, Broschüre «perron – village luzern rösslimatt» und die Website für die erste Projektphase.

sbb

Verantwortlich bei Felder Vogel: Daniel Felder (Art Direction), Mark Vogel (Strategie, Konzeption und Text), Dorothee Ketterer und Andrea Pfister (Projektleitung und Media), Michael Mathis (Grafikdesign), Menk Bürgi (Fotografie), Janic Halioua (Film), Ina Gammerdinger (Social Media und PR). Verantwortlich bei SBB Immobilien: Massimo Guglielmetti (SBB Development, GPL Arealentwicklung), Ruedi Eicher (SBB Marketing), Urs Schmid (SBB Kommunikation), Eduardo Silva (SBB Bewirtschaftung Anlageobjekte), Marco Imboden (SBB Portfolio Management), Ronny Reuther (SBB Development, GPL Baufeld A).

Die Klappe: «PR Film» auf den Prüfstand

Zum dritten Mal schreibt der Kommunikationsverband «Die Klappe – Das PR Filmfestival» aus. Der Wettbewerb für Deutschland, Österreich und die Schweiz, stellt die Disziplin «PR Film» auf den Prüfstand.

Im vergangenen Jahr beteiligten sich 30 Unternehmen, Agenturen und Produktionen darunter Bayer, Bosch, die Deutsche Bahn, Daimler, Fresenius, Lufthansa und RWE mit 85 Filmen am Wettbewerb. Die Preisverleihung zum 3. PR Filmfestival wird am 24. September 2014 in Berlin stattfinden.

Arbeiten können bis am 30. Mai hier eingereicht werden.
 

Ökologische Verpackungslinien für Exped gestaltet

Keim Identity hat für zwei Packsacksortimente von Exped Verpackungen nach ökologischen Gesichtspunkten konzipiert. Beide Sortimente umfassen je mehrere Produktlinien und –grössen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Packsackverpackungen bestehen die Verpackungen vollkommen aus Karton. Auf Klebstoffe oder Kunststoffelemente habe man bewusst verzichtet, so das Unternehmen in einer Mitteilung vom Donnerstag. Ausserdem wurde darauf geachtet, dass in der Produktion möglichst wenig Karton benötigt werde.

Eine lamellenartige Falttechnik erlaubt es, durch den Wechsel von tiefliegenden und hochliegenden Lamellenelementen, den aufgerollten Packsack zu fixieren. Dies sei möglich, da das Produkt mit seiner Ausdehnungsspannung den entstanden Raum zwischen den wechselseitig angeordneten Lamellenelementen mit Druck ausfülle und somit die Verpackung stabilisiere, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Das Produkt sei sozusagen ein funktionaler Bestandteil der Verpackung. Am POS werde das Produkt durch einfaches Entnehmen für den Kunden erlebbar und sei für den Händler wieder einfach zu verstauen.

//www.youtube.com/watch?v=JU4tPeARoLU

//www.youtube.com/watch?v=aKkAk-B3Yx4

Keim Identity zeichnet verantwortlich für die Entwicklung der Verpackungsform und das Verpackungsdesign. Beide Verpackungslinien erhielten einen IF-Packaging Award und sind für den Deutschen Designpreis nominiert.
 

United Colors of Switzerland

Schweizer Werbung prägt das «Wir-Gefühl» der Schweiz. Allerdings politisch nicht ganz korrekt. Rod Kommunikation und Regula Fecker haben untersucht: «Wie viel Diversität wagt die Schweizer Werbung?»

Rod Kommunikation macht als Basis für ihre Werbung regelmässig Forschungsarbeiten. Im Umfeld der Masseneinwanderungsinitiative ist der Agentur nun aufgefallen, dass sich die Öffentlichkeit «sehr überrascht» gezeigt hat, dass wir in der Schweiz einen Ausländeranteil von rund einem Fünftel der Wohnbevölkerung aufweisen. «Da kam bei uns die Frage auf: Wie viel hat die Werbung zu dieser verschobenen Wahrnehmung beigetragen?», erklärt Regula Fecker. Aus der Frage wurde die Motivation für eine Untersuchung: «Wie viel Diversität wagt die Schweizer Werbung?» Die überraschenden Resultate sollen nun nicht ethisch oder moralisch gewertet werden. Rod will auch keine Empfehlungen geben. «Wir wollen nur feststellen, dass es hier einen Gap gibt.»

Werbung prägt das «Wir-Gefühl» eines Landes. Marken bemühen sich darum, ihren Konsumenten vertraut und nahe zu sein. Sie wollen am Puls der Zeit sein und auf soziale und gesellschaftliche Veränderungen eingehen. Darum sehen wir in heutigen TV-Spots auch «Working Moms», vitale «Best Ager», hedonistische «DINKS» und umweltbewusste «LOHAS ». Schweizer Marken produzieren Werbung, welche die Bewohner der Schweiz anspricht, indem sie diese und deren Lebenswelt abbildet. «Darum trägt Schweizer Werbung einen gewichtigen Teil zur Identitätsstiftung der Schweiz bei», meint Fecker.

Fehlende Ausländer

Doch wie präsent ist der mit 23,3 Prozent hohe Ausländeranteil der Schweiz in der Schweizer Werbung? Für die Antwort haben Regula Fecker und Anne Langer «von Hand» 2638 TV-Spots und 1141 unterschiedliche Plakate analysiert. Das waren alle TVSpots, die 2013 in der Deutschschweiz über Publisuisse geschaltet worden sind, sowie die Plakate der APG. Die Resultate sind verblüffend: Rund 94 Prozent der in der Schweiz ausgestrahlten TV-Spots beinhalten ausschliesslich weisse Darsteller. Nur 6 Prozent lassen einen oder mehrere farbige Darsteller auftreten. Bei den Plakaten ist es mit rund 97 Prozent das gleiche Bild. Werbung in der Schweiz zeigt somit kaum Menschen anderer Kulturen oder mit Migrationshintergrund. Ausnahmen bilden nur wenige wie Rivella, AMAG und Swisslos sowie die globalen Marken Apple, H&M oder L’Oréal.

Fazit von Rod: Werbung in der Schweiz stellt das Land und dessen Bewohner als uniformes Volk dar, das so gar nicht existiert. Sie verpasst es, das Land und dessen Bewohner als international, global und multikulturell darzustellen. Wer es anders macht, hätte hier «eine riesige Chance zur Differenzierung im Werbemarkt.»

Andreas Panzeri

Die komplette Studie kann auf www.rod.ag für 90 Franken heruntergeladen werden.

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Aktion Medienfreiheit: Natalie Rickli neue Präsidentin

An ihrer Generalversammlung hat die Aktion Medienfreiheit eine neue Präsidentin gewählt. Die Winterthurer Nationalrätin Natalie Rickli übernimmt das Präsidium von ihrem Vorgänger Filippo Leutenegger.

Filippo Leutenegger tritt mit Blick auf seine neue Aufgabe in der Zürcher Stadtregierung als langjähriger Präsident der Aktion Medienfreiheit von seinem Amt zurück, wie es in einer Mitteilung der Vereinigung heisst. Die Generalversammlung wählte darauf einstimmig und mit Applaus die Winterthurer Nationalrätin Natalie Rickli zur neuen Präsidentin der Aktion Medienfreiheit. Rickli ist Mitglied der SVP und war von 2008-2014 bereits Vizepräsidentin der Aktion Medienfreiheit. Seit ihrer Berufslehre ist sie in der Medienbranche tätig. Sie ist zudem Vizepräsidentin der nationalrätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen und Mitglied der nationalrätlichen Rechtskommission.

Neuer Vizepräsident der Vereinigung wird der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen. Im Anschluss an die Generalversammlung referierte Publizistikprofessor Otfried Jarren über seine Aufgaben als Präsident der Eidgenössischen Medienkommission.

Weiterhin im Vorstand tätig sind die Nationalräte Thomas Maier (GLP), Thomas Müller (SVP), Marco Romano (CVP), Gregor Rutz (SVP) sowie Martin Baltisser, Pierre Bessard und Filippo Leutenegger (FDP).

Teaserbild: Keystone

«bsw leading swiss agencies» als einzigartiges Qualitätslabel

Gastkommentar von Gerri Aebi, Präsident bsw leading swiss agencies, CEO und Mitinhaber Wirz Gruppe

Keine Frage: Die Komplexität der Kommunikationsaufgaben hat im digitalen Zeitalter ganz eindeutig zugenommen – und zwar in aller Regel mehr als die zur Verfügung stehenden Mittel (die meist eher in die andere Richtung tendieren). Das bedeutet aber auch: Die Qualität der Kommunikationsmassnahmen und die Notwendigkeit ihres Wirkungsnachweises sind heutzutage noch wichtiger geworden.

Beides freut grundsätzlich die Mitglieder der «bsw leading swiss agencies», denn sie stehen hierzulande nachweislich für besonders effiziente und effektive Kommunikation. Das zeigt sich alle zwei Jahre wieder im Rahmen der EFFIE-Awards, die regelmässig von bsw-Agenturen dominiert werden, so auch diesmal mit 15 von 16 Gewinnern. Aber es dokumentiert sich auch in all den Kampagnen, die im letzten Jahr in der breiten Öffentlichkeit und bei den jeweiligen Zielgruppen besondere Beachtung gefunden haben – und von denen sich die meisten im soeben erschienenen bsw-Portrait-Buch wiederfinden. Für Auftraggeber bedeutet dies: Das Blättern darin lohnt sich doppelt. Sie erhalten damit nicht zuletzt ein grosses Mass an Investitionssicherheit, weil «bsw leading swiss agencies» nicht nur der Verband der führenden Kommunikationsagenturen der Schweiz ist, sondern auch ein verlässliches Gütesiegel.

Das letztlich nur Mitglieder erhalten, die in einem aufwendigen Aufnahmeverfahren eine Vielzahl strenger Qualitätskriterien erfüllen und dabei über eine gewisse Marktstellung sowie über ausgewiesene Erfahrungen und Kompetenzen verfügen. Aktuell dürfen sich übrigens 74 Agenturen auf das bsw-Qualitätslabel berufen, das sind immerhin 12 mehr als vor drei Jahren. Ihr Stellenwert zeigt sich auch darin, dass sie im Auftrag ihrer Kunden rund zwei Drittel des gesamten Werbevolumens der Schweiz realisieren. Unsere Mitglieder rekrutieren sich aber längst nicht mehr nur aus dem Bereich Werbung und Media. Als neuer bsw-Präsident freut es mich ganz besonders, dass wir zunehmend auch führende Digital- und Dialog- sowie Corporate- Agenturen für unseren Verband gewinnen und so die gesamte Kommunikationsbranche noch besser vertreten können.

Sollten Sie sich also demnächst einmal auf «Partnerwahl» befinden, dann können wir Ihnen die Lektüre unseres bsw-Jahrbuches nicht nur bei der Suche nach einer kompetenten Werbe- oder Mediaagentur wärmstens empfehlen. Sie finden darin – neben einem praktischen Leitfaden zur Wahl einer Agentur – ein Who’s who der talentiertesten strategischen und kreativen Köpfe des Landes sowie zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus allen Kommunikationsdisziplinen. Dabei reicht die Palette von der einfachen Idee über die mehrjährige Kampagne bis zur komplex vernetzten Crossmedia- Casestudy und dem komplett neuen Unternehmensauftritt Dass gute Qualität auch ihren fairen Preis hat, versteht sich in diesem Zusammenhang eigentlich von selbst. Wer Kommunikation primär als Kostenfaktor betrachtet und nicht als langfristige Investition in den Erfolg der Marke und des Unternehmens, der verkennt letztlich ihre Bedeutung und Möglichkeiten. Als bsw leading swiss agencies treten wir darum ein für eine faire und transparente Honorierung, die den Wert von Ideen und ihre Nutzung respektiert. Und verwehren uns dagegen, dass kreative Leistungen immer öfters ohne Berücksichtigung der Qualität wie Schrauben oder Schweinebäuche nur über den Preis eingekauft werden. Im Übrigen sei all den ambitionierten Procurement- Leuten an dieser Stelle gerne eine entscheidende Erkenntnis in Erinnerung gerufen, die aber leider in vielen Fällen zu spät kommt: Wirklich teuer ist nur wirkungslose Kommunikation, egal wie billig sie eingekauft worden ist.

In diesem Sinne: Investieren Sie gut!

PS: Das bsw-Jahrbuch mit den Agentur-Portraits kann man via www.bsw.ch bestellen. Oder bei der bsw- Geschäftsstelle, Weinbergstrasse 148, 8005 Zürich.
 

Noise lanciert zweiten Daumenkino-Blockbuster

Noise hat einen zweiten Daumenkino-Film produziert und damit das neue Produkt von 3M, die Post-it Super Sticky Notes, beim Zielpublikum lanciert.

Der Film zeigt ein kleines Männchen, dass seinen Lieblingsfilm zu Recht nicht einer kleinen Leinwand sehen will, sondern nach mehr verlangt. Nach mehr Platz: «Gut, gibt es ab sofort Post-it Super Sticky Notes in gross.» Unterlegt wurde der Commercial mit rockigem Sound der Band «The Wee Sma’s» mit dem Song «Hi Ho».

Passenderweise wurde der Spot in einer grossangelegten Kinokampagne in der Schweiz sowie in Österreich gezeigt. Zudem verteilte ein Promotion Team vor und nach den Vorstellungen Samples mit beigelegtem Gewinncode. Die Codes können auf der Microsite http://www.mypostit.ch eingelöst werden. Zu gewinnen gibt’s 450 Kinoeintritte sowie als Hauptpreis ein Kino-Gutschein im Wert von 500 Franken.

Die Site ist im Responsive Design konzipiert und programmiert. Bis heute wurden über 11’600 Codes eingelöst und über 6’700 Kinobesucher haben sich bereits für den Wettbewerb registriert.

//www.youtube.com/watch?v=HwHQzAXw980

Verantwortlich bei 3M: Priska Engelbogen (Kommunikationsverantwortliche), Paola Fabbian und Stefan Marte (Marketingverantwortliche). Verantwortlich bei Noise: Patrik Leuenberger (Gesamtverantwortung), Vanessa Pfründer (Beratung), Andreas Mädler (Creative Director), Nijan Ouliaei (Onlinemarketing), Claudio Knechtle (Text), Marius Eitzinger (Grafik), Johannes Röttger (Programmierung). Verantwortlich bei Trikk17 Animationsraum: Björn Magsig (Produzent), Sandra Schiessl (Regie), Michael Verhülsdonk (Illustration/Animation).

 

Kunst live im Hauptbahnhof Zürich

Die Volvo Art Session hat am letzten Wochenende den Hauptbahnhof Zürich in ein Kunststudio verwandelt. Während vier Tagen haben internationale und nationale Künstler jeweils einen Volvo XC90 live inszeniert.

Vom 15. bis 18. Mai erlebten Passanten, Kunstfans und Autoliebhaber am Hauptbahnhof, «wie eine Illusion Wirklichkeit wird» – internationale Urban-Art-Künstler hatten je einen Tag Zeit, um einen Volvo XC90 zusammen mit dem Hintergrund integral nach ihren Vorstellungen zu inszenieren. Am Ende eines jeden Tages stand ein dreidimensionales Gesamtkunstwerk, welches tags darauf übermalt und vom nächsten Künstler neu inszeniert wurde. Dabei durften Passanten nicht nur zusehen, die ganze Vorstellung war gleichzeitig auch begehbar. Das Highlight der diesjährigen Volvo Art Session war eine dreidimensionale Installation des schwedischen Künstlers Erik Johansson – interessant auch die Präsentation des faltbaren Kohlenstofffaser- Solar-Panels von Volvo. Melanie Winiger und Blanda Eggenschwiler eröffneten die Art Session. Sie enthüllten das Kunstwerk von Erik Johansson: eine dreidimensionale Illusion, auf der Marc Sway mit seinem Showcase die Illusion Wirklichkeit werden liess.

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Die Volvo Art Session fand 2014 zum vierten Mal statt – Simon Krappl, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Volvo Automobile Schweiz, erklärt, warum:

WW: War die VAS bisher so erfolgreich?
 
 Simon Krappl:  Ja, man hat eigentlich wirklich klein angefangen auf einer ganz kleinen Bühne. Dann ist der Anlass immer grösser geworden. Die Volvo Art Session hat sich etabliert, sowohl bei den Medien als auch bei den Zuschauern. Auch bei den Künstlern stösst der Event auf sehr grosses Interesse. Wir hatten Anfragen von diversen Künstlern.

Welche Künstler haben sich denn beworben?
Mit einigen Künstlern arbeiten wir bereits erfolgreich zusammen, so etwa mit Daim. Er stand schon zweimal auf der VAS-Bühne und hat das diesjährige VAS-Logo entworfen. Er ist jetzt ein Ambassador von Volvo. Blanda Eggenschwiler stand 2013 auf der Bühne und designte einen Volvo Art Car. In Kontakt waren wir auch mit der Stricksachen-Künstlerin Olek aus New York. Schlussendlich mussten wir die Künstler aber so auswählen, dass sie einerseits zum Brand passen und andererseits einen gewissen Mehrwert bieten können.

Sollte die VAS das Markenimage verändern?
Volvo wurde ja eher als rational empfunden. Das ist nun nicht mehr so. Man hat wirklich den Fokus anders gelegt. Natürlich werden die Kernwerte immer noch gross geschrieben bei Volvo, so vor allem Sicherheit, Nachhaltigkeit, Qualität. Aber seit ein paar Jahren wird der Design-Aspekt in den Fokus gerückt. Man geht einen Schritt weiter, indem man zeigt, was innovativ an der Marke ist, und zeigt damit den emotionalen Wert.

Was verbindet den VAS-Slogan «Erlebe, wie eine Illusion Wirklichkeit wird» mit der Marke?
Der Zusammenhang liegt darin, dass wir etwas anderes machen wollten. Das heisst, auch etwas Etabliertes wieder neu zu erfinden, ist immer schwierig. Das ist uns mit der 3D-Illusion vom schwedischen Fotografenkünstler Erik Johansson gelungen. Man muss den Leuten eine Plattform geben, um sich selber definieren oder auch inszenieren zu können. Heute bewegt sich Kommunikation ja nicht mehr nur in eine Richtung. In allen sozialen Medien wollen die Leute Interaktion, und sie wollen teilhaben an der Marke. Niemand kauft eine Premium-Marke, nur weil er von A nach B fahren will, sondern weil man eben mit seiner Wahl auch eine Aussage machen will.

Ursina Maurer

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