Michael Ringier ist Verleger des Jahres

Michael Ringier ist vom Branchenmagazin Schweizer Journalist zum Verleger des Jahres gewählt worden. Der Verwaltungsratspräsident von Ringier verantworte derzeit das beweglichste Medienunternehmen, begründete die Jury den Entscheid.

Der 65-Jährige habe aus einem Schweizer Verlag ein internationales Medienhaus mit mehr als 120 Zeitungen und Zeitschriften, diversen Radio- und Fernsehkanälen, Webplattformen sowie Druckereien geformt, wird «Journalist»-Verleger Johann Oberauer im am Donnerstag verschickten Communiqué zitiert.

Auch im engen Schweizer Markt habe Michael Ringier, der das Medienhaus mit seinen zwei Schwestern besitzt, immer wieder neue Titel gegründet und Akzente gesetzt. Als aktuelle Beispiele nannte die Jury die Neugründung des Magazins Landliebe sowie die Übernahme des Westschweizer Qualitätstitels Le Temps.

Mit dem «Verleger des Jahres» zeichnete die Jury aus der Medienbranche zum neunten Mal eine Persönlichkeit aus, die nach ihrer Ansicht zukunftssichernd für den Journalismus wirkt. Im vergangenen Jahr hatte Norbert Neininger, Chefredaktor und Verleger der Schaffhauser Nachrichten, den Titel gewonnen.

Die Auszeichnung erfolgte zum Start des Verlegerkongresses in Interlaken. (SDA)

(Teaserbild: Keystone)
 

Eine neue Medienordnung braucht das Land

Letzte Woche publizierte die Eidgenössische Medienkommission (EMEK) ihren Bericht über die Förderung der publizistischen Medien. Er ist ein wichtiger Beitrag für die medienpolitische Debatte. Dabei steht viel auf dem Spiel. Die Frage muss beantwortet werden: Welche Medienlandschaft will die Schweiz in Zukunft? Von Josefa Haas, Rektorin EB Zürich; Präsidentin Swiss Films

Die Ausgangslage ist klar: Der Strukturwandel der Medienbranche ist unaufhaltsam. Den Takt gibt die technologische Entwicklung vor. Der kleinen Schweiz entgleitet die Gestaltungshoheit in wesentlichen Bereichen: Google, Apple, Facebook und Co definieren die Kommunikationskanäle, setzen den Preis für publizistischen Inhalt und Werbung, verpflichten die Nutzer zur Preisgabe ihrer Daten. Wer in der Realität des 21. Jahrhunderts leben will, muss sich mit ihnen arrangieren.

Sämtliche Akteure passen sich heutigen Rahmenbedingungen mehr oder weniger erfolgreich an. Die Verleger und Medienanbieter suchen nach tragfähigen Geschäftsmodellen, die Medienschaffenden werben um die Gunst des Publikums mit anregendem oder auch aufregendem Journalismus und die Werbetreibenden suchen die potenziellen Kunden. Am unkompliziertesten bewegen sich Herr und Frau Meier, geben wir den Nutzenden für einmal einen Namen, in der dynamischen Welt: Sie stellen sich ihr Medienmenü selbständig zusammen, finden die gewünschten Informationen, Unterhaltung und Spiele, geniessen Filme und Serien. Darüber tauschen sie sich auf den sozialen Plattformen aus, kommentieren und präsentieren eigene Beiträge. Wer was war um anbietet, wer welchen Preis dafür bezahlt, interessiert die Meiers nur am Rande.

Politischer Zündstoff

Will die Schweiz kulturell nicht in der globalen Medienwelt aufgehen, muss sie Rahmenbedingungen für die Produktion von eigenen Inhalten, die Sicherstellung von Verbreitung und Zugang sowie für die tragfähige Wirtschaftlichkeit des Mediensystems schaffen. Dass die Gesetze, Verordnungen und Regelungen der analogen Zeit nicht eins zu eins in die digitale übertragen werden können, ist unbestritten. Politischer Zündstoff steckt in der Frage, mit welchen neuen Instrumenten dies in Zukunft geschehen solle. Wie bei jeder Veränderung bedeutet sie für die einen den Verlust von Errungenschaften, für die anderen das Geschenk von neuen Optionen.

Der Bericht der EMEK ist Pflichtlektüre für alle Medieninteressierten. Er orientiert sich an der Medienfreiheit und demokratisch relevanten Medienleistungen. Er führt den Begriff der journalistischen Kultur in die politische Debatte ein und verweist auf die Offenheit der Entwicklung der Medienkultur. Die EMEK hält sich nicht lange mit Beschreibungen der Ausgangslage auf, sondern wird schnell konkret. Sie schlägt die Einrichtung von Stiftungen für die Medienförderung vor. Als Vorbilder werden der Nationalfonds im Bereich Forschung und die Pro Helvetia im Bereich Kultur aufgeführt. Im ersten Fördertyp steht die Sicherstellung der Grundversorgung mit Inhalten im Zentrum, im zweiten die Wirtschaftsförderung. Im ersten Fall würde insbesondere die Nachrichtenagentur gestärkt und neu positioniert, im zweiten Fall eine Förderstiftung aufgebaut.

Demokratischer Entscheidungsprozess

Wie jede mit öffentlichen Mitteln finanzierte oder unterstützte Aktivität setzt die Medienförderung einen politischen Entscheidungsprozess voraus, in dem die angestrebten Ziele und Wirkungen bestimmt werden. Bevor über die Instrumente, die zur Erreichung dieser Ziele nötig sind, debattiert wird, sollte eine demokratische Klärung dieser Ziele erfolgt sein. Die EMEK formuliert zehn Anforderungen an die Medienförderung, die sich wie folgt auf den Punkt bringen lassen: Zweckbindung, öffentliches Interesse, Medienfreiheit, Wettbewerbsneutralität, Publizistik, Rahmenbedingungen, Nachhaltigkeit/Innovation, Praxisbezug, Berufs- und Branchenstandards, rechtliche Komplementarität.

Die vorgeschlagenen Förderinstrumente sind von bereits bestehenden im Kultur-, Film- und Wissenschaftsbereich inspiriert: Es geht um die Herstellungsförderung von Autoren oder Anbietern, um die Qualitätsförderung und um die Sicherstellung der Infrastruktur für Produktion und Distribution.

In der Mediendebatte steht die Frage im Zentrum: Wie gewinnt die Schweiz wieder an Gestaltungs- und Deutungsmacht? Wie stellen wir sicher, dass in der Schweiz Interessen und Identitäten ausgehandelt und damit die Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie erhalten werden? Dazu braucht es kreative und kognitive Leistungen: Information, Analyse, Hintergrund, aber auch Fiction, Unterhaltung und Kunst. Die Debatte ist lanciert, engagieren wir uns für unsere Medienzukunft!
 

SSM: Mehr Geld für Bildung bei Radio/TV

Der Nationalrat hat im Rahmen der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes beschlossen, Gelder aus der nicht verwendeten Gebührenreserve auch für die Aus- und Weiterbildung einzusetzen.

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender SSM freut sich, dass der Nationalrat heute, Donnerstag, entschieden hat, einen Teil einer nicht verwendeten Gebührenreserve im Bereich der privaten Radios und Fernsehen unter anderem für die Aus- und Weiterbildung einzusetzen. Nachdem bereits der Ständerat so beschlossen hatte und der Nationalrat auf seinen ersten negativen Entscheid zurückgekommen ist, ist dieser Beschluss definitiv. Man habe sich bereits seit einigen Monaten für diese Stärkung der Aus- und Weiterbildung eingesetzt und konnte bei der Überzeugungsarbeit gegenüber dem Nationalrat auf die Kooperation mit den Verbänden der Privatradios (VSP, RRR), Privatfernsehen (Telesuisse) und mit dem Verlegerverband Schweizer Medien kooperieren, wie das SSM in einer Mitteilung schreibt.

Das Geschäft wurde im Zusammenhang mit der Gesamtrevision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) behandelt. In der Frühlingssession hatte der Nationalrat die Verwendung dieser Gelder für Aus- und Weiterbildung mit 96 zu 92 abgelehnt, im Sommer hatte der Ständerat hingegen klar zugestimmt, heute ist der Nationalrat mit 98 zu 90 der kleinen Kammer gefolgt.

Es sind die privaten Sender, die über eine kostspielige Aus- und Weiterbildung einem signifikanten Teil der Schweizer Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten den Berufseinstieg ermöglichen und den demokratiepolitischen wichtigen Auftrag im Bereich der Versorgung mit regionalen Informationen sicherstellen, heisst es in der Mitteilung weiter. Man begrüsse den Entscheid des Nationalrates, dieses Anliegen aus der Medienbranche zu unterstützen.

Das Radio- und Fernsehgesetz als Ganzes ist noch nicht unter Dach. Der Nationalrat hat in der Frage des Opting out eine Differenz zum Ständerat beschlossen.
 

Publicis: Einfache Antworten mit Post Finance

«Post Finance hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen in der Schweiz in Sachen Geld das Leben einfacher zu machen.» Dies kommuniziert Publicis in einer nationalen Kampagne.

Die Finanzdienstleisterin profiliere sich mit ihren einfachen Antworten bei sämtlichen Fragen rund ums Geld, so die Agentur in einer Mitteilung. Etwa, wenn’s um den finanziellen Überblick, das alltägliche Bezahlen oder den reibungslosen Ablauf von Zahlungen online und mobile geht.

Die Kampagne umfasst eine Serie von Motiven, in denen das Leben ganz schön schwierig ist. Etwa wenn Zwillingskinder ihre Mutter fragen, wen sie mehr möge. Oder beim Zebra-Klassiker: «Ist es weiss mit schwarzen Streifen oder schwarz mit weissen Streifen?» Was glücklicherweise immer gleich einfach bleibt, sind die Antworten von Post Finance auf finanzielle Fragen, so die Agentur zur Kampagne.

Multimedial und am Ort des Geschehens

Die Kampagne für Privatkunden wird in Zusammenarbeit mit Havas Media breit kommuniziert; die Leitmedien sind TV und Digital. Darüber hinaus wird vor allem besonders nahe am Einkaufsort der Konsumenten geworben. Mit Screens in Kiosken, an Tankstellen und bei Mediamarkt, aber auch mit Push-Postern, Railpostern und auf Ticketautomaten wird die einfache Antwort fürs unmittelbare Zahlen in Aussicht gestellt. In den Filialen von Post Finance und an Poststellen ist die neue Positionierung besonders facettenreich zu erleben – von Screens über Banner auf Postomaten bis zum Schaufenster und Verkaufshilfen.

Spot Privatkunden:

//www.youtube.com/watch?v=2tbOTU51SKY

Die auf Geschäftskunden ausgerichteten Motive kommen hauptsächlich im Umfeld von Klein- und Mittelunternehmen zum Einsatz und komplettieren die gesamte Kampagne in TV, Digital und Print. Ausserdem wird in Bahnhöfen und Einkaufszentren eine überraschende Ambient-Inszenierung für zusätzliche Aufmerksamkeit und Sympathie sorgen. Mit dem «einfachsten Minigolf der Welt» wird Post Finance ihren Kundinnen und Kunden den raschen Weg zum Ziel erleben lassen – wenn sie die Post Finance Card dabei haben.

Spot Geschäftskunden:

//www.youtube.com/watch?v=fHzS6qele0E

In den Social Media nimmt die Kampagne weitere komplizierte Fragen aus dem Privat- und Geschäftsleben auf – filmisch, spielerisch und im Dialog.
Die Kampagne startete stufenweise Anfang August, wird noch bis Ende Herbst zu sehen sein und in den folgenden Jahren weiterentwickelt.

Verantwortlich bei Post Finance: Ursula Käser, Nicole Walker und Martin Hügli (Steuerung), Silvan Merki, Sabine Zeilinger, Erich Jans, Katrin Aeschlimann und Pascal Frey (Konzeption Kommunikation), Patric Vifian, Susanna Szelyes, Charly Suter und Sonja Homberger (Marketing), Rico Löhrer, Rémy Spicher, Ronny Kupferschmid, Maria Kaenel, Lisa Reich und Simon Keller (Realisation). Verantwortlich bei Publicis/Havas Media: Wim Roelfs (CD), David Luebke, Antonio Lopez, Oliver Gisi (Text), Marvin Hugentobler, Bruce Roberts (AD), Karin Lang, Barbara Hasenböhler, Esra Yigit (Beratung), Cem van der Schaar, Benjamin Kägi (Art Buying), Tiago Dias, Andy Günter, Massimo Giannotta (Digital), Tanja Güntert, Flavia Hänni, Phillip Läderach (DTP), Adrian Häni (Produktion), Adrian van Felsen, Oliver Nater, Stephan Frey (Media). Produktion Film, Foto und Social Media: Wirz Fraefel Paal Productions, Stefan Usteri (Regisseur), Markus Mueller (Fotograf), Shortcuts (Social Media).

 

Aufgespiesst: Ignorier! Mich! Nicht!

Werbewoche-RedaktorinAnne-Friederike Heinrich über Ignoranz und Leidensfähigkeit.

Wer Kinder hat, weiss, was Ignoranzfähigkeit ist. Ein sperriges Wort für eine lästige Sache: Man sagt etwas, und es ist, als wäre man gar nicht da. Da rein, da raus. Diese Eigenschaft ist derzeit besonders bei unserem knapp Dreijährigen ausgeprägt. Tatort Esstisch: «Bitte iss anständig» – und der Joghurt klatscht aus dem weit geöffneten Mund auf die Sonntagshose, garniert mit einem frechen Grinsen. Oder Tatort Spielplatz: «Warte, nicht so schnell den Abhang hinunteeeeeeeeeeer …!» – und schon ist er weg und Mutti hustet in der zurückbleibenden Staubwolke. Was für ein Glück habe ich doch mit unserem erst sieben Monate alten Sohn! Er interessiert sich zwar auch nicht für meine Wünsche und antwortet höchstens «glglglglgl», aber wenigstens kann er noch nicht vor mir davonlaufen.

Was in frühester Kindheit beginnt, zieht sich offenbar später weiter: Kinder, die von ihren Eltern auf dem Handy angerufen werden, stellen oft einfach auf Durchzug und nehmen die Anrufe nicht an. Rückruf? Wie geht das?

Ehrlich: Ich wäre früher wahrscheinlich auch nicht rangegangen, wenn meine Eltern angerufen hätten. Aber ich hatte zum Glück als Kind noch kein Handy. Genau wie unsere Eltern waren wir damals nicht immer erreichbar. Und damit war vor 35 Jahren nicht nur Erwachsensein, sondern auch Kindsein ein wenig einfacher und unbeschwerter. Stellen Sie sich das mal vor: Man hat beim Versteckspiel gerade das perfekte Versteck gefunden, hält den Atem an, damit man nicht entlarvt wird – und dann ruft Mami an. Toll! Oder noch schlimmer: Man liegt dem tollsten Jungen der Klasse in den Armen – und Papa will wissen, was man gerade macht. Desaster!

Unterschätze nie deine Mutter

Heute aber hat man einfach auf Empfang zu sein. Auch als Zwerg. Auch als Teenager. Auch wenn man es gar nicht will. Das fand auch die Mutter von Bradley Standifirds. Genervt davon, dass ihr Zögling weder auf Anrufe noch auf SMS reagierte, programmierte sie kurzerhand eine Android-App, die Kinder definitiv dazu bringt, ranzugehen oder schnell zurückzurufen, wenn Mama oder Papa nach ihnen verlangen. Denn «Ignore no more» sperrt nach kurzer Zeit das Handy, wenn Anrufe oder SMS ignoriert werden. Spiele, SMS verschicken, surfen, telefonieren – nichts geht dann mehr. Nur der Notruf und von den Eltern ausgewählte Kontakte funktionieren noch. Und das Passwort zum Entsperren des Handys haben natürlich die Altvorderen. Echt fies. Und echt wirksam.

Crash, boom, bang

Ich könnte mir noch mehr praktische Anwendungen für eine solchen App vorstellen: Zum Beispiel, wenn man als Journi versucht, einen bestimmten Gesprächspartner zu erreichen. Und der geht immer nicht ran. Oder wenn man vergeblich auf eine Antwort des Ehemanns im Ausgang wartet. Und auch die umgekehrte Richtung fehlt noch: Wenn der Chef am freien Tag schon viermal angerufen hat, wenn der Ex einen nicht in Ruhe lässt, eine Freundin nicht kapiert, dass man nicht mehr ihre Freundin ist, oder der Versicherungsheini hartnäckig an den Nerven sägt. Wäre doch toll, wenn man mit einer kleinen Implosion auf Knopfdruck das anrufende Handy oder Telefon einfach sprengen könnte. Oder aber: Wir sind ab sofort nicht mehr immer erreichbar, werden nicht für jeden Killefitz bemüht und gehen dafür wieder ran, wenn das Telefon wegen etwas wirklich Wichtigem klingelt. Denken Sie mal drüber nach. 

Der Motz von Butz: Dumme Werbung in intelligentem Umfeld

Doofe Werbung für clevere Leser – ist das wirklich eine gute Idee?

Warum versuchen Werbetreibende, mit doofer Werbung nicht-doofe Leser zu überzeugen? Das ist die Frage. Und diese Frage würde ich gerne an alle beteiligten Gremien, die Werbung erfinden und realisieren sowie in Werbung Auftrag geben, stellen. Warum erscheint die Werbung auf der Rückseite von redaktionellen Beiträgen so schwach und unebenbürtig? Da bezahlen die Werber derart viel Geld, um so unbeachtet und uninteressant zu sein.

Die Print-Redaktion einer Tageszeitung muss jeden Tag bis zu 50 Seiten an attraktivem Inhalt bieten. Die Werbewelt nimmt sich monatelang Zeit für Briefings, Diskussionen, Evaluationen, Schablonen und am Schluss ideenlose Ideen, die – wie gesagt -–für eine Menge Geld publiziert werden.

Zur Weltwoche Nr. 36 – kein Löli-Heft: Ich empfinde nicht alle Meinungen als die meinen, aber die Tonality ist hoch, unterhaltsam und interessant. Zwischen Seite 46 und 47, also der Mitte, gibt’s einen Beihefter mit 24 Seiten. «Suzuki News Herbst/Winter 2014/15» steht da geschrieben. Dieser Beihefter ist eben beigeheftet, sonst würde man diesen im Rundordner ablegen. Entschuldigt bitte diesen altmodischen Ausdruck, aber deleaten lässt er sich leider auch nicht. Also schauen wir uns mal diesen 24-seitigen Fremdkörper genauer an. «Fremdkörper» deshalb, weil im Gegensatz zur sensiblen und professionellen Gestaltung der Weltwoche diese Suzuki News unsensibel, nein grobschlächtig, ideen- und humorlos daherkommen. Der Inhalt dieser Präsentation der Suzuki- Modellreihe ist ein reines Informations-Chaos. Da werden Sondermodelle mit dem Namen Suzuki Swift, Piz Sulai oder Suzuki Jimny Sergio Cellano aufgezählt. Diese Zungenbrecher-Namen bilden aber nur ein Detail in diesen Kommunikations-Wirren. Da wird einem beispielsweise nebst den 220 Suzuki- Fachhändlern auch noch ein über 20 000-fränkiger Piz Sulai 4×4 mit Zusatzpaket angeboten. 4 Winterreifen, ein exklusiver Schlüsselanhänger, Bodenteppiche, Schneeschuhe und robuste Tourenstöcke aus Aluminium. Um diese tollen Zusätze gratis und obendrein abzugeben, hat man bei den Fotoaufnahmen gespart. Die Fotos sind dilettantisch mittels Fotoshop in emotionslose Schneelandschaften einkopiert. Lieber Herr Bachmann (Geschäftsführer Suzuki), Sie zeichnen ja mit Bild und Unterschrift für diese Werbeverkaufsbroschüre. Sicher haben Sie für viel Geld eine Menge dieser hässlichen Broschüren gedruckt. Und dabei noch gedacht, dass die Leser der Weltwoche für ca. CHF 35 000 Einschaltkosten auf solche dilettantische Anmache reinfallen.

Meine Theorie: Hier wurde mal wieder am falschen Ort gespart. Ist denn heute niemand mehr in der Lage, solchen Unsinn frühzeitig zu stoppen? Hässliche Werbung ist erfolglos. Erfolgsprodukte produzieren gute Werbung: IKEA, H&M, Apple, Audi, Tibits u.a. mehr.

Der Aufsteller der Woche war, dass alle roten Schnecken in unserem Garten, nachdem ich sie an der Schneckemannstrasse im Wald ausgesetzt habe, nicht wieder aufgetaucht sind.

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Back to the Future

Vor 47 Jahren erschien die erste gesamtschweizerische Leserschaftsstudie, die LF 67/68. Anlässlich des 18. Schweizerischen Medienforschungstages schaut die WEMF, mittlerweile 50 geworden, hauptsächlich in die Zukunft, wirft aber auch einen Blick zurück.

Um es gleich vorwegzunehmen, die WEMF blickt bei Weitem nicht bis ins Erscheinungsjahr der ersten Leserstudie zurück. Sie belässt es auf 10 Jahren. Die Verhaltens- und Profil-Veränderungen, die am Medienforschungstag präsentiert werden, beziehen sich auf die letzte Dekade. Wir schauen an dieser Stelle viel weiter zurück und präsentieren Ergebnisse aus der ersten Leserschaftsforschung. Altgediente Medienfachleute wissen, die Publikationsblätter mit den Leserzahlen erschienen damals in Grün, Rot und Blau. Genauso konnte man sich darüber ärgern, wenn das Sachverständnis abhanden kam. Nachdem sich die ersten zwei Studienpublikationen nur auf die Agglomerationsgebiete beschränkten, erschien 1967 die erste nationale Leserstudie. Damit hatten die Printmedien ein neues, professionelles Planungszeitalter eingeläutet. Neben den Gesamtleserzahlen, ausgedrückt in Leser pro Nummer, Woche, Monat oder Vierteljahr wurden auch verschiedene Aufgliederungen publiziert. Wichtiger als Einkommen und Interessengebiete waren Konfessionszugehörigkeit, Kaufkraftklassen und Bezugsart. Selbst ein Leserbindungsindex wurde errechnet.

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Vergleiche zwischen der LF Ausgabe von 1967 und der heutigen MACH sind weit hergeholt und im Grunde gar nicht statthaft. Wir wagen es trotzdem, im Wissen, dass seit 1967 mindestens ein halbes Dutzend Systemänderungen vorgenommen wurden und die meisten Titel durch Fusionen und Zukäufe massive Veränderungen erfahren haben. Doch es gibt auch solche, die sind geblieben, wie sie waren. Hier eine kleine Gegenüberstellung zum Amüsieren. Zwischen den beiden Kolonnen liegen 47 Jahre Medienforschung, schon damals unter dem Namen WEMF: Leser pro Woche, das waren noch Zeiten. Mittlerweile sind ganz andere Themen aktuell. Heute geht es vor allem darum, die Total Audience von Medien-Brands zu erfassen. Denn Zeitungen und Zeitschriften werden längst nicht nur auf Papier sondern zusätzlich auf ganz verschiedenen elektronischen Endgeräten wie PC, LAP oder Smartphone genutzt. 20 Minuten zum Beispiel hat neben den 1 571 00 Printnutzer auch 574 000 20minuten.ch Leser. Und 237 000 nutzen beide Quellen. Die WEMF hat in Zusammenarbeit mit NET Metrix Lösungen entwickelt, die dem veränderten Mediennutzungsverhalten Rechnung tragen und die Nutzung von digitalen Angeboten in Ergänzung zu den Druckprodukten zeigen. Die Ergebnisse der neuesten Teststudie werden am Medienforschungstag 2014 publiziert.

Otto Meier

PS: Neben den grünen, roten und blauen Tabellen der LF 67/68 gab es auch noch die gelben. Sie zeigten die Doppelleser. Schon damals!

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Platz machen für Neues

Wer Innovation im Medienbereich will, unterstützt nicht eine Nachrichtenagentur mit Bundesgeldern, sondern stellt sie ein und schafft so Raum für Neues - ein Kommentar zu den Plänen der Medienkommission.

Die Eidgenössische Medienkommission (Emek) hat Anfang September ihre Pläne zur Medienförderung vorgestellt. Diese soll (in Abkehr von der bisherigen Posttaxenverbilligung) auf neue Grundlagen gestellt werden. Das im Frühling letzten Jahres von Bundesrat gewählte 13köpfige Expertengremium schlägt vor, «eine Nachrichtenagentur» finanziell zu unterstüzen, die journalistischen Aus- und Weiterbildung zu fördern und Innovationsprojekte im Mediensektor zu lancieren. Das Gegenteil wäre richtig – und vor allem viel billiger.

Im Internetzeitalter sind Nachrichtenagenturen längst ein Anachronismus. Mit dem Aufkommen der elektrischen Telegrafenverbindungen wurden sie im vorletzten Jarhhundert (Associated Press: 1846, Reuters: 1851, in der Schweiz: 1895) von Verlagen gegründet, um gemeinsam Kosten zu sparen. Denn Fernmeldedienste kosteten horrend viel Geld, vor allem wenn rund um die Uhr und rund um den Globus betrieben. Als Mitte der 1990er Jahre das Internet aufkam und den Globus umspannte, hatte plötzlich jederman für einen vergleichsweisen Pappenstiel die gleichen und inzwischen weit bessern Telekommunikationsmöglichkeiten, für die noch wenige Jahre zuvor Nachrichtenagenturen jährlich sechs bis siebenstellige Summen bezahlten. Und als Verlage begannen, das Internet kommerziell zu nutzen, bauten sie eigene Redaktionen für die neuen Online-Dienste auf, die gleich wie Nachrichtenagenturen funktionieren, nämlich rund um die Uhr ohne feste Abschlusszeiten berichten. Weil gleichzeitig die professionellen Kommunikationsabteilungen in Unternehmen, Organisationen und Behörden kräftig aufgestockt wurden, haben wir heute typischerweise diesen News-Ablauf: Als Chief Communication Officer firmierend verfasst ein ehemaliger Journalist eine Pressemitteilung, obwohl er bestens in der Lage wäre, die gleichen Botschaften im Stil eines Nachrichtenartikels zu verfassen. Diese Medienmitteilung wird elektronisch breit verteilt, gelangt gleichzeitig an alle Redaktionen und Nachrichtenagenturen. Bevor die Verlautbarung ans Publikum weitergeleitet wird, muss sie vom PR-Speak in News-Speak umgeschrieben werden. Gerade im Inland war und ist dies die hauptsächliche Aufgabe von Nachrichtenagenturen. Auf solche unsinnigen Doppelspurigkeiten kann leicht verzichtet werden: Wer etwas mitgeteilt wissen will, liefert den Redaktionen von Anfang an und ohne Umweg medienspezifisch aufbereitete Inhalte, die mit möglichst geringem Aufwand übernommen werden können, so sie denn nicht von Anfang an über Social Media direkt dem interessierten Publikum zugespielt werden (hier finden sich auch Posts über unerwartete News-Eregnisse, wie Erdbeben etc. und zwar in der Regel schneller als über jede Nachrichtenagentur). Dies macht denn auch deutlich, dass die reine Nachrichtenverteilung kaum mehr als journalistisches Geschäftsmodell taugt – es braucht mehr. Um das möglich zu machen, muss der Aufwand für das reine Nachrichtengeschäft auf ein Minimum reduziert werden. Längst könnte sich die Medienbranche auf solche Abläufe geeinigt haben – hat sie aber nicht. Denn wie Raucher ans Nikotin haben sich Redaktorinnen und Journalisten an Agenturmeldungen gewöhnt. Zwar erhalten sie die meisten Informationen zeitgleich, doch bevor sie bearbeitet werden, wartet man oft lieber ab, was die Agentur darüber meldet. Ist dieses Signal des Vortrommlers eingetroffen, weiss man sich auf den Redaktionen auf der sicheren Seite, um eine eigene Version zu verfassen (oder dann doch gleich den Agenturtext zu veröffentlichen). Man merkt: Agenturen sind heutzutage nicht nur ein unnötiger und aufwändiger Umweg, sondern fördern den Einheitsbrei und tragen so wesentlich zum Verlust der Medienvielfalt bei. Wer bessere Medien will, verzichtet zuerst auf Nachrichtenagenturen.

Ohne Agentur kein Geri-Gate

Es gibt weitere Idealisierungen, die in Zusammenhang mit Nachrichtenagenturen in der Schweiz hartnäckig im Umlauf sind und sich bestens zur Jagd auf Subventionen einsetzen lassen. Dazu gehört, die finanzielle Unterstützung der Nachrichtenagentur trage der Sprachverständigung im Lande bei. Schon immer wurden über diesen Kanal zahlreiche Meldungen übersetzt und in andere Landesteile verbreitet. Und schon immer wurden diese in den Redaktionen auf der jeweils anderen Seite des Röschtigrabens in den allermeisten Fällen ignoriert – ein helvetischer Leerlauf. Und auch hier ist dank dem Internet der Informationsfluss zwischen den Landesteilen längst und einfach sichergestellt. Jederzeit kann auf die Originalquelle und die Berichterstattung in den Medien aus den anderen Landesteilen zugegriffen werden. Auch sind Nachrichtenagenturen nicht der Hort reiner und objektiver Informationen und sie sind somit nicht als Gegenmittel geeignet, um die (angeblich) nachlassende Qualität der Medien zu kurieren. Gerade hat der Fall Geri-Gate gezeigt, wie die Nachrichtenagentur als Teil Medienmeute funktioniert. Ohne Meldung einer Nachrichtenagentur, die nur schon aus einem Konkurrenzdenken heraus von den Medien rasch weiterverbreitet wird, hätten andere Redaktionen bedächtiger reagieren können. Aber weil die Nachrichtenagentur das Thema aufgegriffen und damit geedelt hat, waren alle Medien gezwungen, ebenfalls auf das Thema einzusteigen und sei es nur, indem sie die Agenturmeldung veröffentlichten. Kommt dazu, dass in diesem Fall der auffälligste Beitrag der Agentur nicht gerade rühmlich war: Die vielerorts verbreitete Falschmeldung, die Chatpartnerin sei 21jährig und nicht wie später richtig gestellt 33jährig, stammte von der Nachrichtenagentur.

Wird die Nachrichtenagentur heruntergefahren und eingestellt, anstatt mit Bundesgeldern ballenbergisiert, können gleich zwei weitere Anliegen der Medienkommission in Erfüllung gehen und zwar ohne, dass dafür Steuergelder aufgewendet werden müssten. Sie will Innovation fördern und zwar sowohl über die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) wie zusätzlich mit einer zusätzlichen Anschubfinanzierung für Medien-Start-ups. Und sie will einen Medienfonds ins Leben rufen, um «herausragende redaktionelle oder journalistische Leistungen» zu fördern. Zusätzlich sollen Recherchefonds gefördert werden. Gibt es dereinst keine Nachrichtenagentur mehr, ist es wie im Wald: Ist einmal ein jahrzehntealter Riesenbaum gefällt, können an seiner Stelle zahlreiche neue Pflanzen spriessen. Das sind die gewünschten Medien-Start-ups, die im neuen Medien-Ökosystem ihre Chancen suchen. Dass Medienunternehmen in der Start-up-Welt gut unterwegs sind, hat die Werbewoche in der Ausgabe 13 (Seite 18) vor den Sommerferien dokumentiert. Und müssen einmal Redaktionen nicht länger grössere Budgetposten der Nachrichtenagentur abliefern, können diese Gelder (jährlich branchenweit rund 20 Mio. Fr.) für Rechercheprojekte eingesetzt werden – bevorzugterweise nicht, um weitere Geri-Gates zu produzieren oder sie der Not gehorchend schlicht einzusparen.

Solche Schritte sind nicht Aufgabe der Medienkommission (womit ihre Daseinsberechtigung hinterfragt werden kann), sondern der Verlage (und der SRG). Solange deren Leidensdruck nicht gross genug ist, werden sie kaum zu einem gemeinsamen Vorgehen für zeitgemässe Kooperationsmodelle finden (und aufgrund dieser branchenweiten Trägheit gezwungen sein, überkommene und teure Strukturen am Leben zu erhalten). Haben Medienunternehmen indes weiterhin solch markante und ungehobene Rationalisierungspotentiale, brauchen sie nicht mit Staatsgeldern unterstützt zu werden.

Christoph J. Walther

(Offenlegung: Der Autor war zwischen 1979 und 2004 in verschiedenen Funktionen bei einer Nachrichtenagentur tätig.)

Zur Sache: es reicht

Die Qualität der Medien in der Schweiz ist zu einem Must-Thema geworden. Seit ewiger Zeit beklagen linke Politiker den Rechtsdrall gewisser Journalisten und rechte Politiker jammern über den linken Mainstream der Schreiberlinge.

Wirtschaftsbosse monieren die generell wirtschaftsfeindliche Haltung der Journalisten und alternative Gruppen prangern die Verflechtungen der Medienhäuser an. Alle beklagen sich über schwindende oder gar nicht mehr vorhandene Dossierkompetenz bei den Journalisten. Medienforscher warnen vor einer immer stärker werdenden Boulevardisierung und einer damit einhergehenden Personifizierung und selbst ernannte Medienethiker beklagen sich generell. Printjournis beklagen sich über die Oberflächlichkeit ihrer Online- Kollegen und die Onliner lächeln über die ewig gestrigen Argumente der Print-Saurier.

Vieles ist übertrieben und zum Teil sehr interessengetrieben, doch haben die unzähligen Sparmassnahmen bei den Redaktionen schon gewisse Spuren hinterlassen. In manchen Fällen führten diese eindeutig zu einem Absinken der Qualität. Man spart an Produzenten, man streicht das Korrektorat zusammen und auch die Zeit für tiefergehende Recherchen wird immer knapper. Anstelle von Zurücklehnen und Reflexion heisst es Online first. In den Kommentarspalten der Medien erscheinen immer mehr kritische Kommentare zur Leistung der Medien und diese wohlgemerkt nicht nur von den üblichen Bagatell-Cholerikern und Trollen. So oft wie in den letzten Monaten musste ich meinen Berufsstand noch nie verteidigen. Das ist dann nicht einfach, wenn einem die Argumente fehlen.

Die Medien ihrerseits tun wenig dafür, dass die Qualitätskeule wieder eingepackt wird. Man zeigt zerfetzte Opfer von Flugzeugabstürzen und erschossene Kriegsgefangene im Nahen Osten und wenn man es schon nicht zeigen kann, dann weist man wenigstens darauf hin, dass das Video der Hinrichtung auf YouTube zu finden sei … Alles entweder gar nicht verpixelt oder dann so, dass es die Neugier des Lesers nur noch mehr anstachelt. Jede kleinste Geschichte wird zu einem nationalen Empörungsfall (Porno-Selfie aus dem Bundeshaus, Geri-Gate), die Persönlichkeitsrechte werden nicht mehr berücksichtigt oder zumindest nur in Teilen. Mittlerweile kann praktische jeder Lesende mit geringem Aufwand die H. X. in Y. identifizieren – Facebook sei Dank.

Der «Stifterverein Medienqualität Schweiz» will eine Stiftung errichten, die durch Aufbau und Betrieb einer unabhängigen Bewertungsinstitution die Qualität der Schweizer Medien neutral und fair bewertet und ein Rating der Medien Schweiz erstellt. Es bewegt sich was und schon das ist gut.

Pierre C. Meier, Chefredaktor

[email protected]
 

«Nummer 7 hat mir die Tränen in die Augen getrieben»

Nach über 2340 Firmen in der Schweiz will Supertext jetzt auch in Deutschland nach neuen Kunden fischen. In Berlin kann der 2005 in Zürich gegründete Sprachdienstleister die Eröffnung einer ersten Filiale im Ausland feiern. Ein Interview mit Rinaldo Dieziger, dem «Chef vom Ganzen».

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WW: Welche Schlagzeile über Supertext würden Sie in der nächsten Werbewoche gerne lesen?
Rinaldo Dieziger: Zehn fantastische Gründe, warum 95 Prozent aller Marketingleiter weltweit auf den Online-Sprachdienstleister Supertext setzen. Nummer 7 hat mir die Tränen in die Augen getrieben.
 
Wann haben Sie zum ersten Mal seit der Gründung Ende 2005 realisiert, was Supertext heute sein könnte?
Das war schon vor der Gründung. Als mir die Idee für Supertext kam. Es war das gleiche geile Gefühl wie als Werbetexter. Du schreibst Slogan um Slogan. Und irgendwann kribbelt es im Bauch. Die Finger zittern. Dann weisst du, jetzt hast du was, das einschlagen könnte.
 
Wie gross ist das täglich verarbeitete Volumen, und aus welchen Bereichen kommen die Aufträge für Supertext?
Wir bearbeiten 60 bis 120 Aufträge täglich. Bis heute wickelten mehr als 2340 Firmenkunden aus allen Branchen Text- und Übersetzungsaufträge online ab und profitieren dabei von modernsten Sprachtechnologien und Online-Workflow-Anbindungen.
 
Wie verteilen sich die Anfragen: Gibt es mehr Aufträge von Agenturen oder von direkten Auftraggebern?
Für viele direkte Auftraggeber sind wir der schnelle, flexible und kostengünstige Partner für das Outsourcing der gesamten Sprachdienstleistungen. Wir bieten spannende Rahmenverträge dafür an. Die Werbeagenturen nutzen uns hauptsächlich für eine kreative Lokalisierung ihrer Kampagnen in Französisch, Italienisch und Englisch. Mit Webagenturen – und immer häufiger auch mit dem Kunden im Dreieck zusammen – bewältigen wir die Textarbeit für Webauftritte. Oder für die Erstellung von Inhalten für Content-Marketing. Wir haben so an den Webprojekten von Swiss, Migipedia, Swissmilk, Zweifel, Wander und vielen weiteren mitgearbeitet.
 
Wie viele Fachkräfte braucht es, um das alles bewältigen zu können?
Wir arbeiten mit mehr als 500 vertraglich gebundenen Textern, Autoren, Fachübersetzern, Lektoren und Korrektoren weltweit zusammen. Für die wichtigsten Sprachen haben wir zwecks Qualitätskontrolle Sprachmanager angestellt. Sie verteilen die Aufträge an die Freelancer und kontrollieren deren Arbeit. Die Projektmanager fungieren als Single Point of Contact für unseren Kunden. Wir arbeiten nach einem definierten und von unserem System gestützten Workflow.
 
Sie werden überflutet von Bewerbungen. Gibt es zu viele Texter, oder ist Supertext für viele eine willkommene Nebenbeschäftigung?
Wir haben derart viele Bewerbungen, dass wir eine Online-Registrierung für Texter und Übersetzer eingerichtet haben. Sobald in einem Fachgebiet Bedarf aufkommt, checken wir die Profile und laden zu Testaufträgen ein. Wer nicht mindestens fünf Jahre Berufserfahrung und entsprechende Referenzen mitbringt, muss mit einem aussergewöhnlichen Bewerbungstext auf sich aufmerksam machen.
 
Wie finden Sie für einen bestimmten Job die richtige Fachperson?
Das System schlägt vor, der Sprachmanager entscheidet. Wir legen für jeden Freelancer ein detailliertes Profil an. Wir haben Algorithmen für das Matching von Sprachkombinationen, Branchen, Fachgebieten, Textarten, Tonalität und Kunden- Feedback.
 
Was ist bald zehn Jahre nach der Gründung von Supertext mehr gefragt: Texte oder Übersetzungen?
Die Nachfrage nach guten Inhalten für Content- Marketing sowie die Globalisierung und Digitalisierung der Welt haben bei uns sowohl für mehr Textals auch für Übersetzungsaufträge gesorgt. Die Übersetzungen machen heute aber den grösseren Anteil aus. Der Löwenanteil liegt bei Französisch, danach folgen Italienisch und Englisch mit ähnlichem Anteil. Alle anderen Sprachen, wir bieten 30 Sprachen an von Arabisch bis Thailändisch, machen kaum 10 Prozent des Volumens aus.
 
Die Expansion nach Berlin: Wieso braucht es für einen Internet-Dienst eine physische Vertretung vor Ort?
All Business is local. Wir wickeln zwar alle Aufträge mit unserem webbasierten Tool ab, dennoch geht den meisten Kundenbeziehungen und auch vielen grösseren Projekten ein persönliches Gespräch oder Briefing voraus.
 
Wieso ist Ihr Konzept von Konkurrenten nicht einfach zu kopieren?
Das Konzept kann kopiert werden. Und vielleicht auch das System, das wir über die Jahre laufend verbessert und komplett inhouse programmiert haben. Aber nicht die Erfahrung, die wir seit 2005 gesammelt haben. Und auch nicht das Vertrauen, das die Kunden uns mittlerweile schenken.
 
Sie haben ein jährliches Umsatzwachstum von 61 Prozent. Wie lange kann das noch so weitergehen?
Das ist ein Durchschnittswert. Es gab Jahre, da lag das Wachstum darunter. Und es gab Jahre, da lag es darüber. Mit der systematischen Online-Abwicklung haben wir einen gewissen Skalierungsgrad erreicht. Mit der Expansion in neue Märkte versuchen wir diesen nochmals zu steigern. Wir wollen uns damit auch global tätigen Unternehmen empfehlen.
 
Sie schreiben selber eine Kolumne im Tages-Anzeiger. Ist der Rest Ihrer Zeit mit Managen verbucht?
Ich schreibe bei mehreren Blogs mit, um in Form zu bleiben. Wenn ich als Supertext-Chef keinen geraden Satz brünzeln könnte, wäre das ziemlich unglaubwürdig. Und einen blanken Bildschirm mit Worten zu füllen, finde ich noch immer eine der spannendsten Herausforderungen, die es gibt.
 
Sie wirken mit im Berufsverband der Texterinnen und Texter: Was wollen Sie dort erreichen?
Ich setze mich im Vorstand dafür ein, dass der Beruf des Texters ein ehrenwertes Handwerk bleibt.
 
Am 24. September moderieren Sie einen Workshop «Neu! Jetzt noch lustiger!» mit Domenico Blass, dem Headwriter von «Giacobbo/Müller»: Kann man Humor erlernen?
Das müssen Sie schon den Domenico fragen.
 
Interview: Andreas Panzeri

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Somm ins VSM-Präsidium gewählt

Markus Somm, Verleger und Chefredaktor der Basler Zeitung, ist am Donnerstag ins Präsidium des Ver-bands Schweizer Medien gewählt worden. Somm folgt auf Filippo Leutenegger, der nach zwei Jahren im Präsidium zurückgetreten ist.

Mit der Wahl Somms werde die Basler Tradition im Präsidium fortgesetzt, sagte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument an der Mitgliederversammlung des Verbands in Interlaken. In Somms Wahl gab es zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Er wisse, was Unabhängigkeit für einen Journalisten bedeute, sagte Somm mit Blick auf das Engagement von Christoph Blocher bei der Basler Zeitung. Zwei Dinge seien ihm wichtig: der Kampf gegen das weitere Vordringen der SRG und die Skepsis gegenüber einem wachsenden Einfluss des Staats in den Medien.

Leutenegger verabschiedete sich mit einem weinenden Auge von den Verlegern. Er sei während 33 Jahren in der Medienbranche tätig gewesen. Und er habe sehr gern für die Medien gearbeitet. Als Stadtrat von Zürich werde er den Medien verbunden bleiben. (SDA)

 

Vor dem Briefen reflektieren – bessere Briefings durch Horizonterweiterung

Mehrheitlich ist es die Aufgabe einer Website, ein Marketingbedürfnis zu erfüllen. Wenn ich die Resultate betrachte, ist es zum Teil fragwürdig, ob das Bedürfnis erkannt und umgesetzt wurde. Liegt der Grund dafür in einschränkenden Briefings und Vorstellungen oder in einer unreflektierten Umsetzung?

Die Prozesse zur Entwicklung von Webauftritten, die Technologien für die Umsetzung und die Vermarktungsinstrumente sind vielfältig und das Zusammenspiel ist komplex. Selbst für uns Webspezialisten ist es aufwändig, sämtliche Möglichkeiten zu verfolgen und zu beurteilen; Nicht-Spezialisten haben da den Überblick schon längst verloren. Dennoch wird das Wissen der Webspezialisten im Ausschreibungsprozess für eine neue Website wenig genutzt.

Günstig ist nicht immer gut

Ich beobachte, dass immer wieder Briefings für einen neuen Webauftritt ohne vorherige Reflexion mit potenziellen Partnern verteilt werden und das günstigste Angebot den Zuschlag erhält. Dieses Vorgehen führt oft zu unangenehmen Überraschungen: Relevante Anforderungen werden nicht erkannt und nicht explizit für die Offertstellung verlangt. Wenn diese Anforderungen im Projektverlauf auftauchen, entstehen kostspielige Nachbesserungen und nicht selten auch Streitigkeiten zwischen Auftraggeber und Dienstleister.

Reflexion erweitert den Horizont

Meine Erfahrung ist, dass Unternehmen, welche die funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen an ihren Webauftritt sammeln und diese mit Spezialisten reflektieren, bevor sie das Briefing endgültig verabschieden, ein optimales Endresultat erhalten. Die Reflexion erweitert den Horizont des Auftraggebers, hilft, eventuelle Schwachpunkte des Briefings frühzeitig zu erkennen und neue Aspekte für die Umsetzung aufzudecken. Nicht selten hat der Mehrwert der Erkenntnisse einen markanten Einfluss auf die Projektausrichtung. Mit den Erkenntnissen der Reflexion formulieren sie ein präzises Briefing, mit welchem sie strukturierte, vergleichbare Offerten einfordern können. Eine Reflexion vermittelt Sicherheit: In der Diskussion der Anforderungen erkennen Sie, wie fit Ihr Gesprächspartner im Umgang mit den Web- und Online-Marketing-Instrumenten ist, wie er die Anforderungen beurteilt und wie er die Aufgabe angeht. Spätestens nach drei Gesprächen sind Sie in der Lage, die Qualität der potenziellen Partner, ihres Briefings sowie die Budgetvorstellungen zu beurteilen.

Spezialisten rechnen sich

Auch wenn die Briefing-Anforderungen in Ihrem Unternehmen ausführlich diskutiert wurden, verfügen Sie nicht über die Sicherheit, alle wesentlichen Aspekte erkannt zu haben. Darum zahlt es sich aus, Ihre Anforderungen und Vorstellungen mit Spezialisten zu erörtern, bevor das Briefing für den Relaunch einer Website erstellt und verteilt wird. So sparen Sie im Projektverlauf viel Zeit und Ärger.

Imre Sinka
 

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