Die Qualität der Online- Geschäftsberichte legt zu

Am Schweizer Geschäftsberichte-Rating 2014 gewinnt Clariant vor Swisscom und Swiss Re.

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Am diesjährigen Rating Event vom 18. September holt sich in der Gesamtwertung Clariant Gold vor Swisscom (Silber) und Swiss Re (Bronze). Die Kategorie Design wird von Kuoni gewonnen, dahinter liegen Implenia und Geberit. In der Kategorie Value Reporting liegt zum dritten Mal in Folge Swisscom vorne, vor Credit Suisse und Geberit. Neu eingeführt wurde die Kategorie Newcomer des Jahres. Diese gewinnen Mikron (Value Reporting) und Valiant (Kategorie Design).

Der Jahrgang 2013 ist besser als das Vorjahr

Die Design Jury erkennt für den Jahrgang inhaltliche und formale neue Konzeptansätze und stellt eine qualitative Verbreiterung der Spitze fest. Insbesondere seien zunehmend mehr Firmen bereit, in einen guten Online-Auftritt zu investieren, wie Peter Vetter von der Zürcher Hochschule der Künste und Präsident der Design Jury konstatiert. Auch im Value Reporting haben sich Verbesserungen ergeben, obwohl z. B. die Kriterien zur Be- richterstattung der Vergütung des Managements verschärft wurden. Wer also seinen Rang halten wollte, musste besser werden. Das gilt auch für den Bronze-Gewinner Geberit. «Nach der letztjährigen Kritik durch den Präsidenten der Value-Reporting- Jury, Prof. Alexander Wagner, und im Zuge der Umsetzung der Minder-Initiative haben wir hier deutlich mehr Aufwand betrieben, um sowohl qualitativ wie auch umfangmässig Best-Practice-Standards zu erfüllen», erklärt Roman Sidler, Head Corporate Communications & Investor Relations Geberit.

Wo steht die Schweiz im internationalen Vergleich?

Der mit zahlreichen Design-Preisen ausgezeichnete Jochen Rädeker, Professor an der Hochschule Konstanz und Gründer und Leiter der Agentur Strichpunkt in Stuttgart, war der diesjährige Gastredner. Er analysierte kurz und sehr unterhaltsam die Stärken und Schwächen Schweizer Geschäftsberichte und setzte sie in Vergleich mit sieben internationalen Reporting Trends (siehe Abbildung). Nicht ganz überraschend, dass das traditionsreiche schnörkellose Design der Schweiz nach wie vor sehr gut abschneidet. Aber auch im Bereich der Online-Geschäftsberichtserstattung stellte Rädeker den Schweizern ein gutes Zeugnis aus. In zwei Bereichen ortete er starken Verbesserungsbedarf: einerseits beim Storytelling. Während die besten angelsächsischen Geschäftsberichte wie Magazine daherkommen, ist die Schweiz hier immer noch zu strategieund faktenorientiert. Und wo Rädeker den anwesenden Designern sicher aus dem Herzen sprach: Schweizer Geschäftsberichte dürften viel frecher sein. Hier sind vor allem Corporate Communications- Verantwortliche angesprochen, die aus mangelndem Mut wohl viele gute Ideen in die Schublade verfrachten und nicht auf die Tische von Verwaltungsrat und CEO.

Andreas Jäggi

Die Gewinner in der Übersicht

Design
(Print und Online)
Platz 1. Kuoni
Platz 2. Implenia
Platz 1. Geberit

Value Reporting
Platz 1. Swisscom
Platz 2. Credit Suisse
Platz 3. Geberit

Gesamtwertung Geschäftsberichte
Platz 1. Clariant
Platz 2. Swisscom
Platz 3. Swiss Re

Bilder der Verleihung (Artikel Werbewoche PDF)
 

Der Motz von Butz: Konfi tüürer!

Auf der Suche nach einer nachvollziehbaren Erklärung für die Gastro-Abstimmungswerbekampagne.

Nach langem, anstrengendem Hirnen, was die Initianten, die gegen eine Einheitsmehrwertsteuer auf der Take-away-Basis mit diesem Konfischnitten essenden Buben mir im Einsekunden- Zeitraum auf dem Plakat vermitteln wollen, konnte ich bis jetzt nur eine Erklärung (siehe Headline) finden. Zu Hause eine Konfischnitte zu essen, soll bei einem Ja teurer werden. Das heisst, die «Konfi wird tüürer». Bis hier ein Scherz von mir. Aber nun, welches Irrhirn hat sich diese Werbeidee einfallen lassen? Meine letzte Konfischnitte habe ich vor 50 Jahren gegessen. Gibt’s denn heute noch so etwas? Da besteht doch alles aus Kelloggs, Kindermilchschnitte oder so. Ach ja, bei Nutella existiert diese Brotaufstrich-Tradition noch.

Nun seriös: Warum finde ich diese Kampagne motzenswert? 1. Bei der Abstimmung über die verschiedenen Mehrwertsteuersätze beginnt für den Wähler schon ein kompliziertes Gebilde. Essen im Restaurant gegen Take-away. Das ist doch der Fakt.

Nun kommen aber die Gegner und erzählen mir, dass der Food aus meinem Kühlschrank teurer wird. Mit Peter Lesch zusammen haben wir über die Komplexität diskutiert und herausgefunden, was uns die Kampagne eigentlich tatsächlich erzählen will. Ich denke, kein Schwein guckt hin, auch kein Schwein versteht diesen verdrehten Gedanken. Wir haben uns folglich gedacht, wird die Mehrwertsteuer reduziert, dann werden sich die Produktpreise möglicherweise nicht senken. Im Gegenteil: Wir bezahlen für die Konfischnitte mehr.

Dass es sich nicht einfach gestaltet, diese komplizierten Gedanken brillant zu lösen, ist mir auch klar. Nur, diese Lösung wird die Ja-Wähler nicht wirklich umstimmen. Übrigens sollten wir auch viel weniger essen, sonst werden wir ebenso grausig fett wie eine Überzahl der Amis.

2. Werbung mit Kindern. Auch der Konfischnitten essende Bube wird nicht wie erwartet die Verständlichkeit dieser Kampagne fördern. Im Gegenteil. Ein «Jö-Effekt» wird er beim modernen Konsumenten nicht mehr in diesem Masse auslösen wie anno 1950. Beim oberflächlichen Betrachten des Plakats, was etwa 90 Prozent der Passanten tun, sieht die Werbung aus wie Werbung für Kinderschokolade, Nutella rot oder Hero-Konfitüre. Quintessenz: Ich glaube, keiner versteht die Message. Und so resultiert daraus: viel Geld für wenig Wirkung.

(Freitags geschrieben) Der Aufsteller der Woche war der überraschende Sieg am Goldbach-Medien-Golfturnier im Texas Scramble mit Andreas Durisch, Peter Lesch und Rolf Staub.

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Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit mehr als drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
 

Budgetzeit für Social Media

Wäre es nicht an der Zeit, die Botschaften des Bundesrats auf neuen Wegen zu verbreiten? Eine Frage, mit der wir uns jetzt im Herbst zu Budgetzeiten alle befassen sollten.

Adolf Ogis legendäre Neujahrsansprache vom 1. Januar 2000 im Schweizer Fernsehen live aus Kandersteg gab viel zu reden. Wer erinnert sich? Heute, 14 Jahre später, werfen TV-Appelle von Bundesräten keine Wellen mehr. Was ist passiert? Während der Bundesrat an den SRG-Sendern als primäres Sprachrohr für Video-Botschaften festhält, hat sich das Medienkonsumvolk auch anderen Quellen zugewandt. Wäre es nicht an der Zeit, mit den Botschaften des Bundesrats zusätzlich neue Verbreitungswege zu gehen? Eine Frage, mit der wir uns jetzt im Herbst zu Budgetzeiten alle befassen sollten. Es ist ja nicht so, dass sich seit letztem Herbst nichts getan hätte im Medialand …

Bundesrätin Leuthards Appell gegen die Einheits-Krankenkasse wurde im SRF Webportal 311 mal angeschaut, 2 mal auf Facebook und 1 x auf Google+ geteilt. Der Beitrag fand keine Verbreitung in den Sozialen Medien. Kein Wunder: Auf der Facebook-Seite von SRF News sucht man den Videobeitrag vergebens, und der Bundesrat, so scheint es, hat gar keine Facebook-Seite. Das ist extrem erstaunlich, wenn man bedenkt, dass über drei Millionen seiner «Schäfchen» den Kanal Facebook mindestens einmal im Monat nutzen.

Der Weg des Videobeitrags von Frau Bundesrätin in die Quasi-Anonymität des SRF Web Players ist exemplarisch. Beiden, Bundesrat und SRF, fehlt es meiner Meinung nach an einer Social-Media-Strategie!

In den SRG-Richtlinien zum Service public ist von Social Media aktuell kaum die Rede. Es steht: «Über die Websites der einzelnen Fernsehprogramme der SRG können zahlreiche Sendungen zeitversetzt als Stream angeschaut werden.» Es steht ausser Frage, dass jeder Bewohner des Landes theoretisch die Möglichkeit hat, an die Botschaften der Damen und Herren Bundesräte zu gelangen. Die SRG nimmt den technischen Aspekt ihres Distributionsauftrags auch ernst, indem sie, wie sie schreibt, «über eine komplexe Infrastruktur » verfügt. Die Anzahl von etwas über 300 Views nach sieben Tagen in besagtem Beispiel zeigt aber, dass die Strategie der eigenen komplexen Infrastruktur in der Praxis mit Blick auf den Service-Public-Auftrag zunehmend an Grenzen stösst. Eine Infrastruktur, welche die SRG ja auch via Publisuisse zum Verkauf von Werbeplätzen für Firmen nutzt. Das Problem der erschwerten Erreichbarkeit immer breite rer Bevölkerungsschichten – auch fremdsprachige Zuwanderer sind Teil des «Public» – lässt sich mit dem Strategiefokus auf die eigene Infrastruktur nicht lösen.

Der New York Times Innovation Report bringt das Problem mit einem Phänomen auf den Schmerzpunkt. Immer mehr Visits von Mediennewsseiten kommen aus den Social Media Streams, aus Suchmaschinen oder via Newsletter. Die Folge: Die Homepage Visits gehen zurück, die Site Views bleiben konstant. Die klassische Homepage, insbesondere die Navigation, verliert an Bedeutung. Stattdessen gewinnt das Social Teasing des einzelnen Beitrags an Bedeutung. Gemeint sind Beiträge von News-Seiten, Webseiten oder Blogs, die via Backlink im eigenen Social Media Feed gepostet oder getweetet werden. Verantwortlich für diese Entwicklung sind zwei seit längerem parallel verlaufende Trends, die nun schlagartig zusammengefallen sind: der Social-Media- und der Mobile- Boom. Alle grossen Social-Media-Netzwerke verzeichnen inzwischen mehr Zugriffe über Smartphones und Tablets als über Desktop- Geräte. Bei Facebook lag der Wert per Dezember 2013 in den USA bei 68 Prozent. Alleine bei Facebook hat sich die Anzahl monatlich aktiver Nutzer via mobiler Services von 751 Millionen auf über 1 Milliarde erhöht. Fraglos intensiviert die mobile Nutzung auch die Nutzung von Social-Media-Netzwerken – allen voran vom unbestrittenen Krösus Facebook. Denn die Nutzung ist via Smartphone- App zu jeder Zeit möglich.

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Dem Bundesrat, der SRG und allen Werbetreibenden ist über Nacht die Chance geboren, mittels geposteten Beitrags-Teasern in den Social Media Newsfeeds dem drohenden Bedeutungsverlust der eigenen Homepage und den darin schlummernden Inhalten entgegenzuwirken. Um diese Chance auch wirklich wahrnehmen zu können, muss der Einsatz von Social Media sofort Eingang in die Gesamt-Werbestrategie finden. Konkret heisst das, dass etwa der Krösus Facebook als Massenmedium, mit in Echtzeit messbarer Targeting- Möglichkeit, in jeden Intermediavergleich gehört. Die Zeiten von Facebook als Experimentierfeld für Junior-Assistenten ist vorbei. Facebook für Unternehmen ist inzwischen kostenpflichtig. Der Wandel vom Gratiszum Bezahlwerbemedium hat sich in den letzten Monaten klangheimlich vollzogen. Zwar werden nach wie vor Beiträge gratis ausgeliefert, doch alleine der undurchsichtig agierende Facebook-Algorithmus entscheidet, wer etwa das Video von Frau Bunderätin im eignen Newsfeed zu Gesicht bekommt.

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Es gibt zwei Bezahlwege und einen bislang noch offenen Gratisweg, um gesichert in den Facebook Newsfeed bestimmter Zielgruppen zu gelangen. Erstens, indem man die eigene Fanpage mit Bezahlanzeigen bewirbt. In diesem Fall kauft man eine bestimmte Anzahl Likes ein. Der Preis bildet sich nach dem Bietverfahren. Es kommt also darauf an, wie die Nachfrage nach einer bestimmten Zielgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. Wir kennen das von Google- Adwords. Die Preiselastizität ist enorm. Mit 19 Franken Tagesbudget gibt es 17 bis 67 Likes pro Tag. 75 Rappen pro Klick sind für den Anfang eine Richtgrösse zum Budgetieren. Pro Tag kann man maximal 19 Franken investieren. Zweitens, indem man die eigenen Beiträge bewirbt. Hier kauft man wiederum nach dem Bietverfahren Views ein. Auch hier gibt es pro Beitrag Einschränkungen.

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Drittens, die bereits bestehenden Fans aufzurufen, die Funktion «Benachrichtigungen erhalten» zu aktiveren. Das ist ein Geheimtipp. Fans, welche diese Funktion bei einer bestimmten Page aktiviert haben, kriegen dann Benachrichtigungen, sobald etwas gepostet wird. In einer kürzlich veröffentlichten Studie von u. a. Uni Zürich, coUNDco, Lithium und SAP gaben 60 Prozent aller befragten Firmen an, sich klare Social-Media-Ziele gesteckt zu haben. Social Media hat also Eingang ins strategische Setting gefunden. Doch wo bleibt der Wille zur Vollstreckung? Er wird sich an der Bereitschaft der Werbeverantwortlichen ablesen lassen, jetzt auch namhaft für 2015 in Social Media zu investieren. Als erstes mit Facebook als Massenmedium auf Augenhöhe mit TV. Damit am 1. Januar die Neujahrsansprache von Frau Bundespräsidentin Sommaruga den gewohnten Verbreitungsrahmen sprengt und ihre Worte auch die zahlreich zugewanderten Mitbewohnerinnen und Mitbewohner via Facebook-, Twitter-, LinkedIn oder Instagram-Feed auf den gemeinsamen Weg unseres Landes einschwören. Vielleicht lässt sie sich, wie damals Adolf Ogi, etwas Originelles einfallen. Das zieht nämlich ganz besonders im Social- Web;)

Beat Hürlimann

Mehr zum Thema Social-Media-Strategie gibt’s auf Storify.com/beathuerlimann/social-media-strategy.
 

Nicht den Baum fällen, der Früchte trägt

Wer Innovation im Medienbereich will, sorgt für bessere Rahmenbedingungen für die Medien. Dazu gehört eine Unterstützung der nationalen Nachrichtenagentur. Das hat nichts mit dem Ballenberg zu tun, sondern mit einer sinnvollen Konzentration der Kräfte. Eine Replik.

Christoph J. Walther empfiehlt in seinem Artikel «Platz machen für Neues» den Besitzern der SDA, die Nachrichtenagentur zu schliessen. Er begründet das mit der technischen Entwicklung und den damit verbundenen neuen Kommunikationsmöglichkeiten. Diese reine technokratische Sicht des ehemaligen IT-Entwicklers der SDA greift deutlich zu kurz. Sie verkennt, dass sich die Agentur schon lange auf die neue Entwicklung eingestellt hat und ihre Leistung nicht über die technischen Möglichkeiten definiert.

Es ist unbestritten: Die Medienbranche befindet sich in einem unumkehrbaren Transformationsprozess. Weltweit weiss niemand genau, wohin die Reise geht. Überall sucht man nach Lösungen, wie die erfolgreichen Geschäftsmodelle aus der analogen in die digitale Epoche transferiert werden können. Den Königsweg scheint es nicht zu geben, und das Ei des Kolumbus hat auch noch niemand gefunden.

Besonders unter Druck stehen dabei die journalistischen Inhalte, weil sie schon seit jeher nur dank Werbeeinnahmen so günstig an die Leserschaft gebracht werden konnten. Jetzt, wo die Werbefranken spärlicher fliessen, muss die Produktion der Inhalte kostengünstiger werden.

Und weil gleichzeitig die Treue der Leserschaft abnimmt, bemühen sich die Redaktionen stärker um Exklusives, ohne allerdings die Grundversorgung zu vernachlässigen. Ausserdem müssen sich die Redaktionen in Zukunft besser überlegen, welche Inhalte sie in welchen Kanal spielen. Kurz: Alle müssen mit weniger mehr leisten.

Da gilt es die Kräfte zu bündeln, wie Ende des 19. Jahrhunderts, als aus diesem Grund die Nachrichtenagenturen gegründet wurden. Gerade in der Schweiz ist die nationale Nachrichtenagentur immer noch allein in den Händen der Medien. Deshalb werden sich die Besitzer nicht überlegen, die Agentur zu schliessen, sondern sich Gedanken machen, wie man die etablierte Struktur in Zukunft noch besser nutzen kann.

Christoph J. Walther hat recht, die PR-Stellen von Verwaltung und Wirtschaft müssen nicht mehr über die Nachrichtenagenturen gehen, um zu den Redaktionen zu gelangen. Und er hat auch recht, dass die PR-Schreibe in News-Schreibe umgearbeitet werden muss. Ausserdem müssen Werbeinhalte von News-Inhalten getrennt, Zusatzrecherchen angestellt und Einordnung vorgenommen werden. Dies nachdem zuallererst natürlich eine Selektion durchgeführt wird, ob die Botschaft auch so relevant ist, dass sie redaktionell verarbeitet werden soll.

Das kann natürlich jede Redaktion autonom machen. In einem ziemlich grossen Teil der Fälle wird jede Redaktion zu den gleichen Schlüssen kommen. Und genau da kommt die Agentur ins Spiel. Sie erledigt zentral die Selektion für die Grundversorgung, die ansonsten dezentral erfolgen müsste. Die Agentur ist sich gewohnt, eine grosse Menge von Informationen rasch zu sichten und kundengerecht aufzubereiten. Sie kann den Kundenredaktionen so viel Arbeit abnehmen.

Sie übernimmt ausserdem das Monitoring, die Alarmierung und die Verifizierung. Heute leiden die Redaktionen nicht mehr unter zu wenigen Informationen, sondern darunter, dass sie damit überschwemmt werden. Um effizienter arbeiten zu können, benötigen sie eine unabhängige Orientierungshilfe, und diese bietet die Agentur.

Die Bedeutung der Agentur als technischer Enabler ist heute gering, da hat der Entwickler Christoph J. Walter recht. Dafür ist die Bedeutung der Agentur als Quelle qualitativ hochwertiger Inhalte gestiegen. Die Agentur wird heute für ihren Journalismus bezahlt, nicht für die IT. Allerdings leidet auch sie unter ständig sinkenden Einnahmen und dem Auftrag, in drei Landessprachen gleichwertige Dienste zum gleichen Preis anzubieten. Das trägt der kleine Schweizer Markt schon lange nicht mehr.

Davon, dass die SDA diese Service-public-Leistung trotzdem erbringt, profitiert das ganze Schweizer Mediensystem. Die Belieferung von Zeitungen, Online-Portalen, Radio- und Fernsehstationen mit Informationen aus dem In- und Ausland, die ununterbrochene Grundversorgung mit Nachrichten, die einen Austausch über die Sprachregionen ermöglichen, ist die heute die Leistung der Agentur. Wenn die öffentliche Hand sie dabei unterstützt und damit den Medien günstiger zu diesem Angebot verhilft, ist das eine zukunftsträchtige Idee und keine rückwärtsgerichtete Forderung. Es ist eine indirekte Medienförderung, die allen zugute kommt und in einem direktdemokratischen Land wichtig ist.

Wie erwähnt ist der Transformationsprozess der Medien kein isoliertes schweizerisches Phänomen. In unterschiedlicher Ausprägung ist er weltweit zu beobachten. Kein Mediensystem hat darauf mit der Schliessung der Nachrichtenagenturen, die im Besitz der Medien sind, reagiert. Die Systeme stärken vielmehr die Agenturen und übergeben ihnen neue Aufgaben, sei es als Austausch- und Dokumentationsplattform oder als Lieferant von Fertigprodukten.

Wenn die Schweiz einen anderen Weg gehen würde, wäre es ein Sonderfall. Kein grosser, alter, kranker Baum würde gefällt, wie es Christoph J. Walther schreibt, sondern ein gesunder Baum, der noch viele Früchte tragen kann. Früchte, die die Redaktionen kostengünstig beziehen und weiterverarbeiten können. Damit ihre Spezialitäten den Leserinnen und Lesern, auf welchem Kanal auch immer, gut schmecken.

Bernard Maissen, Chefredaktor SDA und Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission
 

PR-Erfolgsfaktoren? Allgemeinplätze als Akquisitionsinstrument

Nicht nur Journalisten, auch Öffentlichkeitsarbeiter werden mit PR-Botschaften zugemüllt. Besonders peinlich und penetrant sind die zahllosen topseriösen Studien über «Erfolgsfaktoren für wirkungsvolle Medienarbeit». Zeit für die kritische Würdigung eines exemplarischen Fallbeispiels.

Gefühlt alle zwei Tage erhalte ich eine Mail mit den «ultimativen», weil «statistisch signifikanten » und «empirisch erhärteten» Merkmalen besonders effizienter und effektiver Medienarbeit. Die letzte in dieser unrühmlichen Reihe ist vergangenen Freitag durch meinen Spam-Filter geschlüpft und beginnt so: «Was Pressestellen wirklich erfolgreich macht: Nähe zu Journalisten, vielfältige Zielgruppen und starker Fokus aufs Image.» Eigentlich hätte der Betreff ja lauten müssen «Was PRAgenturen wirklich suchen: die Nähe zu potenziellen Auftraggebern.» Aber okay, wer fällt in unserem Metier schon gleich mit der Tür ins Haus. Die Banalität der Befunde solcher Erfolgsfaktor-Enthüllungen beseitigt jedoch subito auch den letzten Zweifel, dass sich hinter solchem Pseudo-Service eine aggressive Akquisitionspolitik verbirgt. Das gilt auch für die in ihrer Einfältigkeit archetypische «Befragung unter knapp 300 Fach- und Führungskräften aus deutschen Unternehmenspressestellen », welche mich vor dem Wochenende ereilte. Erstellt wurde die Studie – ebenfalls nicht untypischerweise – von einem Mainzer BWL-Professor und einer Hamburger PR-Firma. Dritte im Bunde dieser unheiligen Allianz aus Akademie und Agentur ist die für Distribution und Vermarktung des gemeinsamen Produkts zuständige DPA-Tochter News aktuell.

Doch kommen wir zu den zehn gleichrangigen Killer-Kriterien für «überdurchschnittlich erfolgreich arbeitende Pressestellen». Hier die drei eingangs schon erwähnten:

– «Individuelle Medienkontakte»: Neudeutsch heisst das «access is king». Klar, Öffentlichkeitsarbeit ist immer auch ein Beziehungsdelikt. Statt um immer direktere Zugänge in die Redaktionen sollten sich die Kollegen aber mal lieber um die Relevanz ihrer Inhalte kümmern, denn auch für interessensgeleitete Informationslieferanten gilt primär «content is king».

– «Breite Zielgruppenabdeckung»: Nach der Kontaktqualität also die -quantität. Und auch hier wieder ein klassischer Allgemeinplatz. Klar, ohne Reichweite keine Resonanz. Weit wichtiger als irgendein obskurer Abdeckungsgrad ist jedoch die vorgängige, sorgsame Identifikation der Schlüsseladressaten für den jeweiligen Inhalt. Frei nach dem Motto «less (noise) is more (impact) ».

– «Konzentration aufs Image»: Ach was! Die funktionale Differenz von Werbung (Verkaufsförderung zwecks Umsatzsteigerung, vulgo «sales) und Public Relations (Beziehungspflege mit der Öffentlichkeit, vulgo «image») ist kommunikatives Grundwissen auf Gymnasiumsniveau. Mit diesem «Befund» beleidigen die Autoren selbst die Intelligenz von Berufseinsteigern.

Die übrigen goldenen Regeln möchte ich Ihnen und mir ersparen. Ausser vielleicht diese eine: «PR-Profis überzeugen die Chefetage und erschliessen sich höhere Budgets.» Danke für diesen Denkanstoss, darauf wäre ich Naivling gar nicht gekommen! Kein Wunder, wenn man seine Brötchen ein paar Jahre schon im arg- und ahnungslosen Non-Profit-Bereich verdient. Dabei bräuchte unsere Organisation unbedingt einen Upgrade im Medien-Monitoring. Abgesehen von cleveren Dashboards und Sentiment- Analysen soll‘s da neuerdings ja serienmässig auch Tools zur Berechnung des so genannten «Anzeigenwert- Äquivalents» (AWÄ) geben. Angesichts der Qualität und Quantität der Coverage unserer Kampagnen würde der aktuelle AWÄ wohl weitere Argumente zur überfälligen Personalaufstockung in der Kommunikationsabteilung liefern. Sollte dem so sein, hätte sich diese Kolumne doch noch gelohnt. Wenigstens für mich.

Oliver Classen ist Mediensprecher der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern. Zuvor arbeitete er als Medienjournalist.
 

Zu guter Letzt: Die alte Wohnung per App abgeben

Die mühsame Wohnungsübergabe mit Mängelliste und anderen Formularen wird jetzt endlich einfach: App und fertig.

Denn Homegate hat eine App entwickelt, mit der die Wohnungsübergabe zum Kinderspiel wird. Die neue «Handover»-App deckt im Alleingang sämtliche Anforderungen eines Übergabeprotokolls ab. Formulare und Fotos werden digital erfasst und abgelegt. Die Wohnungsübergabe passiert schliesslich komfortabel durch die elektronische Unterschrift des Übergabeprotokolls auf dem iPad, die Dokumente werden direkt als PDF per Mail an die Parteien versandt.

Die App selbst ist gratis, Nutzer bezahlen die einzelnen Protokolle, heisst es in einer Mitteilung von Homegate. «Handover» richte sich insbesondere an KMU und Privatpersonen mit Mehrfamilienhäusern.

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Danach kann der Mieter auch gleich die Rechnungen per eBanking-App begleichen, mit der SBB-App ein Ticket zur neuen Wohnung lösen, mit der Post-App eine Postumleitung veranlassen, mit der Uepaa!-App in der neuen Umgebung Gipfel besteigen, bei Langeweile mit der App Liquidsketch ein Weilchen puzzeln und Whatsapp nicht vergessen –die Schweiz gehört zur mobilen Weltelite. Da fehlt eigentlich nur noch diese App: Allein in der Grossstadt überleben ohne Smartphone. (uma)
 

Kulturmagazin Quottom im Wandel

«Eine kulturelle Plattform für internationale Leser, ein zeitgenössisches Abbild der Perspektiven unserer Gesellschaft» – diesem Anspruch wollen die Herausgeber von Quottom gerecht werden. Seit zwei Jahren sind das Magazin und seine Macher in stetigem Wandel begriffen.

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Begonnen hat alles mit einer Idee: Die Macher von Quottom wollten Ende 2012 ein «ehrliches und unabhängiges Magazin» für ihre gesamte Generation auf die Beine stellen, wie sie damals den Medien mitteilten. Das Kulturmagazin sollte auf insgesamt 250 Seiten Lebensthemen zeitlos mit Kunst verbinden. Dabei werden jeweils zwei Dachthemen fotografisch, künstlerisch, in Wort und Bild angegangen. Aus dem Vorhaben ist mittlerweile ein Herzensprojekt in vollem Gange geworden und die anfängliche Crew bestehend aus Nicolas Walker, Tanja Luchsinger und Ruben Feurer hat sich zu einem zehnköpfigen Kreis erweitert. Zu den Herausgebern des Magazins haben sich inzwischen Yves Sinka, David Khalat und Rebecca Gisler gesellt, viele weitere Personen sind für Quottom online, Event-Management und die Redaktion dazugekommen. Im Magazin selbst finden sich neben noch unentdeckten Autoren und Künstlern wie Philipp Dornbierer (Yehteh) oder dem Journalisten und Fotografen Benjamin Hiller auch bekannte Namen wie Walter Pfeiffer und Yves Netzhammer. «Wir merken durch die Arbeit an Quottom sehr gut, dass man heute viel besser vernetzt ist und die Künstler auch direkt erreichen und begeistern kann», freut sich Nicolas Walker. Das sei früher ohne Internet noch nicht so gut möglich gewesen. Vor allem, da die gesamten Inhalte unentgeltlich abgedruckt werden. Durch eine Crowdfunding- Aktion auf Wemakeit.ch konnte die erste Ausgabe realisiert werden. Heute finanziert sich das Magazin neben Abos, den Verkäufen am Kiosk und Inseraten durch eine bei jeder Publikation stattfindende Publikationsparty. «Den letzten Event besuchten über 1000 Personen», ist Walker heute noch begeistert. Dennoch wolle man den nächsten Event kleiner gestalten, in einem rustikalen Restaurant für rund 250 Leute. «Zum Essen gibt’s Suppe mit Wienerli», sagt er grinsend.

«Ein zeitgenössisches Kulturabbild mit Bestand»

Quottom liegt – neben Cafés, Galerien und Buchhandlungen – auch am Kiosk auf. Ein Verlag steht jedoch nicht hinter dem Magazin. Man wolle unabhängig bleiben, heisst es einstimmig bei den Machern. «Wobei man sich für die Zukunft schon überlegen könnte, mit einem starken Partner die kommerzielle Seite auszubauen», überlegt Yves Sinka, «solange wir dabei unsere Unabhängigkeit nicht verlieren». Sinka kümmert sich um den Aufbau der Kundenbeziehungen und arbeitet aktuell intensiv am Geschäftsmodell des Magazins. Alles selber zu machen, sei aber schon mit sehr viel Aufwand verbunden, gerade etwa die Inserenten-Akquise. Denn noch seien nicht alle Prozesse und Kundenbeziehungen gleich standardisiert. «Es ist halt einfach so: mit je mehr Leuten du in Kontakt bist, desto mehr Inserate kannst du verkaufen», konstatiert Sinka. Und am liebsten würde jeder erst einsteigen, wenn es schon super laufe. «Quottom als Magazin ist aber generell ein Produkt, das funktioniert, könnte man sagen, die Prozesse im redaktionellen Bereich laufen mittlerweile reibungslos ab», sagt er. Es könne aber noch viel gemacht werden im Verkaufsbereich. Sinka ist dennoch sehr zufrieden mit der bisherigen Leistung: «Wir haben eine Auflage von 3000 Exemplaren. » Nicolas Walker weiter: «Wir wollen mit dem Magazin nicht bloss eine Plattform für Künstler und Autoren bieten. Wir wollen ein Produkt machen, das ein zeitgenössisches Kulturabbild darstellt, in dem über aktuelle Themen und auch Unausgesprochenes diskutiert wird. Aber gleichzeitig soll das Magazin auch Bestand haben – es zeigt die Einstellungen zu Themen, welche die Menschen unserer Zeit beschäftigt », erzählt er. Daher sind auch die Themen sehr breit gewählt: Während das Titelbild mit den jeweiligen zwei Themen bloss einen ersten Eindruck vermittelt, entwickelt der Inhalt die gesamte Bandbreite. «Wir haben keine Definition der Begriffe festgelegt », erklärt Sinka. Erst beim Lesen soll der Leser ein Bild davon entwickeln können, was man heute etwa unter einem Begriff wie Angst versteht – aus verschiedenen Perspektiven und unter unterschiedlichen Einflüssen betrachtet.

Quottom, die Praktiker-Schule

Bei Quottom kommen die Inserate an erster Stelle. Sie sind alle gleich auf den ersten Seiten zu finden. So hat der Leser den Eindruck von einem Magazin ganz ohne Werbung. «Wir verstecken die Werbung eben gut», witzelt Yves Sinka. In Wahrheit habe man einfach gemerkt, dass dies die beliebtesten Seiten bei Inserenten seien. «Wir lernen immer mehr dazu, Quottom ist für uns wie eine Schule», beschreibt Sinka die Arbeit für das Magazin. So wisse man nach vier Ausgaben nun schon viel genauer, wann der richtige Zeitpunkt für Publikationen sei. Auch hat das 10-köpfige Team nun erkannt, dass ihr Magazin ein wenig zu gross und zu schwer war, um dieses unterwegs zu lesen. Daher erscheint Quottom nun viermal jährlich und wird dabei handlicher. «Keiner von uns hatte vorher schon einmal ein Magazin gemacht», erzählt Walker. Man habe einfach probiert und jeden Tag wieder etwas Neues gelernt. «Auch unsere Leser sind an Wissen interessiert », schätzt Sinka. Sie seien wohl neugierig, aufmerksam darauf, was in der Welt geschehe, und wollen wissen, wie junge Leute denken. Das Magazin will dem Vorwurf widersprechen, dass junge Leute an nichts anderem interessiert sind, als in den Ausgang zu gehen und sich ins Koma zu saufen. «Darin sind wir zwar schon auch Weltmeister», frotzelt Sinka, «aber wir können auch anders.» Mit dem Magazin wolle man zeigen, «es gibt auch junge Leute, die etwas auf die Beine stellen». Immerhin sind insgesamt 60 Personen am gesamten Prozess von Quottom beteiligt. «Und auch die Jungen wollen mitreden – das Quottom ist eine der Möglichkeiten dafür», wird Sinka wieder ernst. Vor allem funktioniere das bei Quottom auf eine Art und Weise, mit der man sich auch verbunden fühlen könne, meint Walker ergänzend. Dazu gehöre vor allem die richtige Aufbereitung, ohne dabei das Gefühl der «Unbetroffenheit » entstehen zu lassen – «Und dafür gibt es eben uns».

Ursina Maurer

In Kürze

Das umfängliche Kulturmagazin Quottom erscheint in neuer Grösse neu viermal jährlich. Die aktuelle Ausgabe liegt ab dem 3. Oktober 2014 am Kiosk auf. Themenbereich: «Heimat und Wahnsinn». Jede Ausgabe – mit einer Auflage von 3000 Exemplaren – beschäftigt sich mit zwei Themen, und deren Schnittbereich. Die ersten drei Ausgaben drehten sich um die Themenbereiche «Sexualität und Gewalt», «Chaos und Fortschritt», «Angst und Sehnsucht» im Vordergrund. In jeder Ausgabe vermengen sich Text und künstlerische Arbeit. Quottom Nr. 5 erscheint im Januar 2015, Ausgabe 6 im April 2015. Für 48 Franken bekommt man alle 4 Ausgaben pro Jahr nach Hause geschickt. Anfragen für Inserierungsmöglichkeiten an [email protected]

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«Situation in der Ostschweiz unterschätzt»

Die Ostschweiz am Sonntag (OaS) ist die dritte und jüngste Sonntagszeitung der NZZ-Gruppe. Sie hätte dem Sonntagspool, dem Kombi der NZZ-Sonntagstitel, im sonntäglichen Werbemarkt zur höchsten Reichweite verhelfen sollen.

Das ist klar nicht gelungen. Nun bräuchte es Korrekturen. Doch solche hält man in der Ostschweiz derzeit nicht für nötig. Eine Abo-Auflage von rund 100 000 Exemplaren, etwa 200 000 Leser und ein Tausendleserpreis (TLP) von 66 Franken – mit diesen Vorgaben lancierte das St. Galler Tagblatt am 3. März 2013 seine siebte Ausgabe, die «Ostschweiz am Sonntag» (OaS). Man orientierte sich dabei an der Zentralschweiz am Sonntag (ZaS), von der man sogar den identischen Anzeigenpreis übernahm (damals 13 200 Franken für 1/₁ vf). Doch 18 Monate nach dem Start zeigt es sich: Die Erwartungen waren massiv zu hoch. Die OaS setzt bloss etwa 60 000 Exemplare ab und kommt gemäss Mach Basic 2014-2 mit 109 000 Lesern nur auf die Hälfte der angepeilten Reichweite, weshalb der TLP auf 115 Franken kletterte. Damit wurde die OaS zum mit Abstand teuersten Sonntagsblatt. Dies hatte auch Folgen für den Sonntagspool, dem Kombi aus OaS, NZZ am Sonntag (NZZaS) und ZaS. Zusammen hätten die drei Zeitungen das reichweitenstärkste Sonntagskombi bilden sollen, vor SonntagsZeitung (SoZ) und SonntagsBlick. Diese Rechnung ging ebenfalls nicht voll auf – allerdings nicht nur wegen des schwächeren Abschneidens der OaS, sondern auch, weil die NZZaS viele Leser verloren hat.

Drei Punkte falsch eingeschätzt

«Es stimmt, wir hatten andere Zielsetzungen, und unser Businessplan war zu positiv», bestätigt Daniel Ehrat, Gesamtleiter der Tagblatt Medien. Und: «Wir haben die Situation unterschätzt.» Konkret nennt er drei Problempunkte: Von den Abonnenten des St. Galler Tagblatts (SGT) hätten mehr als erwartet sonntags keine Zeitung gewünscht. Und jene, die bereits die NZZaS, die SoZ oder den SonntagsBlick hatten, wollten die wenigsten wechseln. Drittens führt Ehrat die sonntägliche Frühzustellung an, die die ländlichen Gebiete nicht voll abdecke.«Wer abgelegen wohnt, erhält deshalb die OaS erst am Montag per Post. Daran waren aber viele nicht interessiert», sagt er.

Trotzdem sieht der Gesamtleiter auch positive Elemente. Die Hauptsache: «Die OaS ist schon im ersten Jahr Breakeven und generiert sogar einen kleinen Deckungsbeitrag.» Ein zweiter Aspekt: Die meisten OaS-Leser habe man nicht von anderen Zeitungen abgeworben, sondern neu als Sonntagsleser gewinnen können. Die Leserschaftsstudien der WEMF bestätigen dies: Seit der Lancierung der neuen Sonntagsausgabe haben NZZaS, SoZ und SonntagsBlick im ganzen OaS-Verbreitungsgebiet zusammen bloss 3000 Leser verloren. Es fand also eine Marktausweitung für Print statt. «Dass uns dies in einem derart umkämpften und sogar sinkenden Markt gelungen ist, zeigt, dass die Lancierung richtig war», meint Ehrat.

Anzeigentarif bleibt gleich, Abopreis steigt

Eigentlich müssten nun Korrekturen her. Zum Beispiel beim Anzeigentarif, der schon einmal – nur neun Monate nach dem Start – erstmals um 5% gesenkt worden war. Doch diesmal winkt Ehrat, der zunächst eine Reduktion um 12% per 1. Oktober erwogen hatte, ab. Denn dann müsste unter Jahr auch der Tarif des Sonntagspools geändert werden. Man werde den Kunden stattdessen «individuelle und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen» präsentieren», teilt er mit, lässt aber offen, ob der OaS-Tarif per 2015 reduziert wird.

Offen ist auch, ob dies die Werbekunden goutieren. Immerhin musste die hochpreisige OaS schon in den ersten acht Monaten dieses Jahres einen Inserateneinbruch hinnehmen und kommt nun noch auf sieben Anzeigenseiten pro Ausgabe (2013: elf Seiten). Ehrat führt diesen Rückgang allerdings auf das Ende der Einführungsaktion zurück. Eine andere Massnahme erfolgt erstaunlicherweise sofort: Schon per 1. Oktober 2014 wird bei der OaS der Abopreis angehoben: Das Einzelabo steigt von 128 auf 131 Franken, das Siebentage-Abo von 425 auf 435 Franken. Die Begründung des Gesamtleiters: «Wie alle Printtitel müssen auch wir gewisse Werbeausfälle mittels Abobeiträgen kompensieren. » Mit den höheren Abopreisen will er nun weiter in das Gewinnen neuer Abonnenten investieren. «Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft», glaubt Ehrat. Habe man es bisher vor allem bei SGT-Abonnenten versucht, nehme man nun primär Personen ausserhalb des SGTAbostamms ins Visier.

OaS kommt offenbar gut an

An der OaS selbst und ihrem Konzept wird nicht geschraubt. «Wir haben einen guten Respons», sagt Chefredaktor Philipp Landmark. Die OaS bleibe deshalb weiterhin stark regional ausgerichtet, und ihr Umfang beschränke sich bewusst auf 40 Seiten. «Unsere Leser wollen nicht zu viel Papier», sagt er. Auch die OaS-Redaktion, zu Beginn mit zwölf Stellen ausgestattet, bleibt gemäss Landmark «etwa gleich gross» – trotz der vielen Abgänge in den letzten zwölf Monaten.

Künftig bleibt mehr Geld im Haus

Ende Oktober ist es so weit: Die NZZ-Gruppe kauft der PubliGroupe deren 25%-Anteil an der Freien Presse Holding (FPH) für 53 Millionen Franken zurück. In der FPH hat die NZZ-Gruppe die Aktivitäten der Tagblatt Medien und der LZ Medien zusammengefasst. Der Rückkauf hat vor allem einen Vorteil: Fortan zieht kein Grossaktionär mehr Gewinnanteile und Dividenden aus den NZZ-Regionen, weshalb jährlich etwa 6 Millionen Franken mehr in der Gruppenkasse bleiben.

Personelle Wechsel Ende Jahr will die NZZ-Gruppe in die Eigenregie zurückkehren – nach zehn Jahren Publicitas-Pacht. Dazu wurde im Juli die NZZ Media Solutions AG mit rund 100 Mitarbeitenden gegründet. Bei den Tagblatt Medien hat dies eine Personalrochade zur Folge: Urs Bucher, bisher Verlags- und Marketingleiter, übernahm neu die Leitung des Print-Werbemarkts. Neue Verlags- und Marketingleiterin ist Christine Bolt, bisher Direktorin von Toggenburg Tourismus. Künftig werde man aber noch stärker mit der SGT-Redaktion zusammen arbeiten. Dass OaS und SGT bei den Lesern gut ankommen, bestätigen im übrigen die Onlinezahlen von Net-Metrix-Audit. Demnach stiegen die Zugriffe auf Tagblatt.ch schon in den letzten Jahren langsam aber stetig an. Mit dem OaS-Start nahm dann der Traffic noch einmal sichtbar zu. «Wir wollen deshalb den Onlinebereich weiter auszubauen », sagt Ehrat.

Markus Knöpfli
 

Kampagnenforum: Gemeinsam gegen Leukämie

15000 neue BlutstammzellspenderInnen bis Ende Jahr ist das Ziel der Blutspende SRK Schweiz. Unter dem Motto «Lebensretter gesucht» konzipierte das Kampagnenforum dafür in enger Zusammenarbeit mit Blutspende SRK Schweiz eine Kampagne.

Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 1000 Kinder und Erwachsene an Leukämie oder anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des blutbildenden Systems. Vielen von ihnen kann mit einer Transplantation von Blutstammzellen geholfen werden. Um passende Spender zu finden, müssen sich aber möglichst viele Menschen registrieren lassen.

Das Kampagnenforum kreierte daher eine partizipative Kampagne mit dem Tag der Tat als Höhepunkt, wie eine Mitteilung vom Mittwoch bekannt gibt. Die Kampagne fordert über Online- und Offline-Kanäle auf nationaler und regionaler Ebene potentielle BlutstammzellspenderInnen zur Registration auf. Kernstück der Kampagne war der erste Aktionstag am 23. August 2014.

55 Gruppen in 18 Kantonen mit über 200 Freiwilligen engagierten sich und gingen auf die Strasse, um Menschen zu informierten und für die Registrierung zu werben. Am Tag der Tat machten verschiedene Feuerwehren, Samaritervereine, Patientenorganisationen, MedizinstudentInnen und Privatpersonen mit.

Sensibilisierung mit John Twenty im 20 Minuten

Damit möglichst viele Menschen bereits im Vorfeld des Aktionstages auf das Thema aufmerksam wurden, engagierte man den Ganovenjäger John Twenty. Während fünf Tagen löste er in 20Minuten einen lebenswichtigen Fall.

Die Zahl der Online-Registrierungen habe sich kurz vor und im Anschluss an den 23. August verdreifacht, heisst es in der Mitteilung. Die Online-Registrierungsseite war in diesem Zeitraum die drittmeist besuchte Site der Blutspende SRK Schweiz Website.
 

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Zu guter Letzt: Ein Produkt zum Verlieben

Im Spot von Saatchi & Saatchi Düsseldorf verguckt sich ein Roboter in ein Gerät, welches man einfach lieben muss für die Art und Weise, wie es funktioniert.

Lange kämpft der schwerfällige Roboter vergeblich um die Aufmerksamkeit der geschäftigen Maschine. Dann findet er heraus, wie sie arbeitet. Und damit lässt es sich prima leben. (sis)
 

//www.youtube.com/watch?v=0VnCVHZse2s

Key Visual für R Selection Travel in Style

Adam & Adam konzipierte und realisierte das Key Visual für R Selection Travel in Style.

Die Visuals für die Herbstkampagne wurden im sommerlichen Mallorca von Jan Kohlrusch Photography aufgenommen. Als Model wagte sich Samuel Alvarez, Sales Manager des Hotel Cap Rocat Mallorca, ins kühle Nass. Die Testimonial Kampagne wurde bewusst im Stile der klassischen Modefotografie umgesetzt. Wenig Text, viel Bild.

Das Eröffnungssujet wird am Mittwoch in der neu lancierten Reiseausgabe des L’Officiel Voyage zu sehen sein. Roman Sägesser wird L’Officiel Voyage als Editor in Large begleiten. Am Abend findet der Launch Event des L’Officiel Voyage in den Räumlichkeiten von R Selection in Zürich statt.
 

Verantwortlich bei R Selection Travel in Style: Roman Sägesser (Inhaber). Verantwortlich bei Adam & Adam: Willi Adam( Beratung), Verena Buri (Grafik/Konzept). Fotografie: Jan Kohlrusch. Model: Samuel Alvarez.

Keyvisual

Neue Aktionäre bei La Liberté

Die Freiburger Kantonalbank und das Energieunternehmen Groupe E beteiligen sich an der Freiburger Paulusdruckerei und der Tageszeitung La Liberté. Die einzigen bisherigen Aktionäre, die Paulus-Schwestern, verkaufen ihnen einen Drittel ihrer Aktien.

Mit dem Verkauf der Aktien an die beiden Unternehmen aus der Region erhoffen sich die Schwestern des Pauluswerkes, dass der Geist und die Unabhängigkeit der Freiburger Tageszeitung gewahrt werden. Das geht aus einem Brief der Schwestergemeinschaft hervor, der am Mittwoch in La Liberté publiziert wurde.

Schon vor drei Jahren hatten die Ordensschwestern ihre Absicht kundgetan, sich mittelfristig aus dem Zeitungsbusiness zurückzuziehen. Der Grund dafür liegt im immer höher werdenden durchschnittlichen Alter der Schwestern und dem fehlenden Nachwuchs.

Noch muss der Sitz des Ordens in Rom formell grünes Licht zum Aktienverkauf geben, wie die St. Paul-Holding am Mittwoch in einer Mitteilung bekannt gab. Unter dem Dach der Holding haben die Paulusschwestern mehrere Unternehmen vereint.

Keine Rettung in der Krise

Ist es soweit, übernehmen die Freiburger Kantonalbank und die Groupe E das Aktienpaket zu gleichen Teilen. Für den Einstieg ins Zeitungsgeschäft haben die beiden Unternehmen eine Beteiligungsgesellschaft namens Sofripa gegründet.

Der Herausgeber der La Liberté, Thierry Mauron, schreibt in der Ausgabe vom Mittwoch, die finanzielle Situation des Unternehmens sei gesund. Es gehe nicht um die Rettung einer Tageszeitung in der Krise. Chefredaktor Louis Ruffieux ist zufrieden, dass die Entscheide zur Zukunft der La Liberté weiterhin in Freiburg getroffen werden. Die Zeitung erscheint täglich in etwa 40'000 Exemplaren.

Einflussnahme ausschliessen

Dominique Gachoud, Direktor von Groupe E, sagte am Mittwoch auf Anfrage, dem Energieunternehmen gehe es nicht darum, sich ein Kommunikationsinstrument zuzulegen. Die Motivation für den Einstieg bei der La Liberté, sei, deren Weiterbestand zu sichern. Das Unternehmen erwarte einen gewissen Profit von seiner Investition.

Auch Martial Pasquier, Verwaltungsratspräsident der Paulusdruckerei und der La Liberté, sagte, die beiden Unternehmen schlössen jegliche Einflussnahme auf den Inhalt der Zeitung aus.

Sowohl bei Groupe E als auch bei der Freiburger Kantonalbank handelt es sich um halbstaatliche Unternehmen: Der Kanton Freiburg hält 100 Prozent der Akten der Bank und 78,5 Prozent derjenigen von Groupe E.

Zusätzliche Öffnung geplant

Der Verkauf von einem Drittel der Aktien an die Bank und das Energieunternehmen ist laut der Mitteilung der St. Paul-Holding nur der erste Schritt hin zu einer weiteren Öffnung des Aktionariats. Die beiden neuen Aktionären haben zugesagt, zusammen mit weiteren Partnern ein zweites Drittel der Aktien zu übernehmen. Bei diesen Partnern kann es sich um Unternehmen handeln, aber auch um die breite Öffentlichkeit.

Weitere Offerten abgelehnt

Als Interessenten gegenüber den Ordensschwestern des Pauluswerkes aufgetreten waren auch die französische Hersant-Gruppe sowie ein anderes, nicht namentlich genanntes Unternehmen. Dabei handelt es sich nicht um Tamedia, welche ab Januar La Liberté in Bern drucken wird. Beide Angebote wurden nicht berücksichtigt. 

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