Peter Edelmann geht in Pension

Im Frühling 2015 kommt es bei den Zürcher Oberland Medien zu einem Wechsel in der Geschäftsleitung. Direktor Peter Edelmann geht per 30. April 2015 in Pension.

Zum Zeitpunkt seines Austritts wird der 66-jährige Peter Edelmann knapp 40 Jahre lang im Dienst der ZO Medien gestanden haben, davon 19 Jahre als Mitglied und elf Jahre als Vorsitzender der Geschäftsleitung. Unter seiner kaufmännischen und technischen Führung hat das Unternehmen in den 1980er Jahren die in der Medienbranche nötig gewordenen grossen technologischen Veränderungen erfolgreich umgesetzt und sich mit der richtungsweisenden Drei-Medien-Strategie strategisch rechtzeitig auf die Zukunft vorbereitet. Die vollumfängliche Konzentration auf den regionalen Medienmarkt mit dem Ausstieg aus dem Akzidenzdruck, den Investitionen in ein regionales Newsportal, der Lancierung der Wochenzeitungen «regio» sowie die Übernahme des «Anzeigers von Uster» und erst kürzlich des «Glattalers» haben das wirtschaftlich auf äusserst solider Basis stehende Unternehmen zum führenden Medienhaus des Zürcher Oberlandes gemacht.

Der Verwaltungsrat hat laut Mitteilung Dani Sigel auf den 1. Mai 2015 zum Nachfolger von Peter Edelmann gewählt. Der 50-jährige Sigel kennt die Medienszene aus seiner bisherigen Berufstätigkeit sowohl aus verlegerischer wie auch aus journalistischer Sicht. Zuletzt war er während zwölf Jahren Verlagsleiter und Geschäftsführer der Liechtensteiner Volksblatt AG. Seit dem 1. Januar 2014 leitet er die Abo-Dienste und das Marketing der Zürcher Oberland Medien.

Bild: Zürcher Oberland Medien
 

JvM/Limmat: Immer da, wo Zahlen sind

Jung von Matt/Limmat hat für Raiffeisen einen neuen Kommunikationsauftritt kreiert und zeigt, dass jede Lebenslage durch Zahlen geprägt wird.

Raiffeisen ist die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz. Durch die lokale Verankerung der über 300 Raiffeisenbanken ist Nähe ein fester Wert in der Geschäftsbeziehung zwischen Kunde und Bank. Diese Nähe wird besonders zum Vorteil, wenn es um die alltäglichen und auch um die besonderen Zahlen geht.

Jede Lebenslage wird durch Zahlen geprägt. Wer für diese Zahlen einen starken Partner an seiner Seite wünscht, der kann sich auf die Begleitung von Raiffeisen verlassen. Denn Raiffeisen ist immer da, wo Zahlen sind. Dieser Gedanke ist die tragende Idee in der neuen Raiffeisen-Kampagne, die schweizweit ab dem 29. September startet. Mit authentischen Bildern, die verschiedene Stationen im Leben aufzeigen, wirbt Raiffeisen in Anzeigen, Plakaten, Online-Bannern, Direct-Mailings und einem TV-Spot auf Image- und Produktebene für ihre umfassenden Dienste. Die Momentaufnahmen aus einem Leben voller Zahlen werden im TV-Spot von den Klängen der Sängerin Katie Herzig mit dem Song «Wish you well» begleitet.

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Verantwortlich bei Raiffeisen Schweiz Genossenschaft: Oliver Niedermann (Leiter Marketing); Jürg Moosmann (Leiter Werbung & Markenführung); Fiorella Brülisauer (Leiterin Werbung Privatkunden); Didier Graf (Projektleiter Kampagne). Verantwortlich bei Jung von Matt/Limmat: Alexander Jaggy (Executive Creative Direction); Maurus Zehnder, Christian Bobst (Creative Direction); Christina Wellnhofer (Art Direction); Maren Beck (Text); Aude Kohler (Grafik); Sarida Bossoni, Deborah Herzig (Art Buying); Thomas Steiner, Sebastian Suter, Andrea Walker, Rahel Zumbühl (Beratung); Marcel Langenegger (Regie), Filip Zumbrunn (Kamera), Michela Trümpi (Chocolate Films), Katie Herzig (Song), Alex Kirschner (Audio-Postproduction); Fergus Padel (Fotografie), X1 (Bildbearbeitung); Konnex (Media).
 

Republica: SCB-Spieler als 3D-Figuren für Westside

Das Shopping- und Erlebniscenter Westside steht seit sechs Jahren als Goldsponsor «side by side» mit dem SC Bern. Im Rahmen dieses Engagements hat Republica eine neue Kampagne für die laufende Saison 2014/15 konzipiert. Herzstück sind die 3D-Figuren von SCB-Spielern.

Westside ist bereits seit seiner Eröffnung im Jahr 2008 Goldsponsor beim 13-fachen Eishockey- Schweizermeister SC Bern. Die intensive Partnerschaft drückt sich unter anderem prägnant auf der Helmwerbung der ersten Mannschaft sowie erstmals in diesem Jahr auch im Bullykreis auf der Eis- fläche aus.

SCB-Spieler als Mini-3D-Figuren

Nachdem für die letztjährige Kampagne die lebensgrossen und echten SCB-Cracks Tristan Scherwey, Marco Bührer, Pascal Berger und Beat Gerber im Zentrum standen, sind es in der neuen Saison ihre Mini- 3D-Ebenbilder. Diese limitierten, 20 Zentimeter grossen Actionhelden beruhen auf einem 3D-Scan der Originale, werden in Bern produziert und sind exklusiv im Westside erhältlich. Mit ihnen hat Republica diverse Inserate in den SCB-Medien sowie einen Videotron-Spot für die Bewerbung im Stadion realisiert.

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Pünktlich zum Saisonstart ging auch die von Republica neu konzipierte Sponsoring-Website von Westside live. Diese informiert unter Westside.ch/sponsoring über alle Sponsoring-Partnerschaften des Shopping- und Erlebniscenters und präsentiert neben News auch Fan-Angebote, Ticket-Gewinnspiele und vieles mehr.

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Verantwortlich bei Republica: Chris Morgan, Mike Krüll (Creative Direction), Daniela Zehr (Senior- Beratung), Janine Kabulka (Beratung), Andrea Nehls (Junior-Beratung), Bala Trachsel (Gesamtver- antwortung), Boss Bern (Produzent 3D-Figuren), MySign (Programmierung Website). Verantwortlich bei Westside: Lorenz Feller (Projektleiter Sponsoring Migros Aare), Ludwig Nehls (Cen- terleiter Westside).
 

Ringier Axel Springer kauft ungarisches Jobportal

Die in Osteuropa im Rahmen eines Joint Venture gemeinsam aktiven Medienkonzerne Ringier und Axel Springer stärken ihr Portfolio in Ungarn und kaufen das führende Jobportal Profession.hu.

Eine entsprechende Vereinbarung sei mit dem Finanzinvestor Central Group Media Holding geschlossen worden, heisst es in einer Medienmitteilung vom Freitag. Angaben zum Kaufpreis wurden keine gemacht. «Die Akquisition von Profession.hu ist ein wichtiger Schritt, um unser digitales Portfolio zu erweitern», wird Mark Dekan, CEO von Ringier Axel Springer Media zitiert. Der Vollzug der Transaktion stehe unter Vorbehalt der Zustimmung durch die zuständigen Kartellbehörden. Zudem werden die ungarischen Aktivitäten von Ringier und Axel Springer in den  kommenden Wochen in Ringier Axel Springer Media eingebracht. Hier sei die Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörde bereits erfolgt. (SDA)

Matter Gretener Lesch: Abfallkübel-Trophy

Die Agentur Matter Gretener Lesch verhilft Thalwil mit der ersten Abfallkübel-Trophy der Schweiz spielerisch zu mehr Sauberkeit.

Wie sorgt man nachhaltig für weniger Littering? Ganz einfach: Man macht schon Kindern und Jugendlichen klar, dass der nächste Abfallkübel nie weit weg ist. Genau das ist die Idee hinter der Abfallkübel-Trophy, welche die Nudge-Agentur Matter Gretener Lesch für die Gemeinde Thalwil entwickelt hat. Sie fand im Vorfeld des nationalen Clean-Up-Day vom 12./13.9.2014 statt und lud die 6. Klassen der Thalwiler Primarschulhäuser dazu ein, möglichst viele der auf dem Gebiet der Gemeinde Thalwil aufgestellten und mit einem individuellen Code versehenen Abfallkübel zu finden. Die 6. Klasse, welche die meisten Codes sammelte und diese auf der Webseite Trophy.thalwil-littering.ch eingab, gewann einen Ausflug.

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Den verhaltensökonomischen Hintergrund für den erfolgreich durchgeführten Wettbewerb liefert die Tatsache, dass Littering häufig damit gerechtfertigt wird, dass eben gerade kein Abfallkübel in der Nähe war. Durch die mentale Verankerung der Omnipräsenz von Abfallkübeln wird dieses entschuldigende Argument entkräftet und das Bewusstsein für den Verstoss gegen die sozialen Normen «Sauberkeit» und «Ordnung» wiederhergestellt – gerade auch an Anlässen mit grossen Menschenmengen, wo das Littering-Problem besonders ausgeprägt ist.

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Der Thalwiler Gemeinderat Jan Rauch, Bereichsverantwortlicher Infrastruktur: «Wir sind überzeugt, dass wir mit der Durchführung der Abfallkübel-Trophy spielerisch den Grundstein für die von uns gewünschte Verhaltensänderung gelegt haben.»

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Die Aktion ist Teil der ungewöhnlichen Initiative «Vertrag für ein sauberes Thalwil», für deren Kommunikationsmassnahmen Matter Gretener Lesch seit 2013 verantwortlich zeichnet. Entgegen der üblicherweise von Stadt- und Gemeindeverwaltungen zur Minderung des Littering-Problems gewählten Strategie von Bussen und Verboten entschied sich die Zürcher Seegemeinde Thalwil für ein anderes Vorgehen. Sie suchte das Gespräch mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern und entwickelte zusammen mit ihnen eine ungewöhnliche Idee: den «Vertrag für ein sauberes Thalwil». Konkret: Alle schliessen mit allen einen Vertrag, in dem sie sich verpflichten, keinen Abfall mehr auf den Boden zu werfen.

Verantwortlich bei der Gemeinde Thalwil: Gion Hagmann (Leiter DLZ Infrastruktur), Franziska Kummer (DLZ Infrastruktur). Verantwortlich bei Matter Gretener Lesch: Marcus Gretener, Ulrich Stauffacher (Beratung), Laura Haas (Grafik); Programmierung: Digitale Offensive.
 

What’s great? What’s not? What’s next?

BSW Leading Swiss Agencies blickt auf ein spannendes Impuls-Seminar zurück – und mit neuen Erkenntnissen in die Zukunft.

In der alten Cigarettenfabrik präsentierte Dietmar Dahmen seine Visionen unter dem Titel «this shit is happening». Patrick Comboeuf bot Insights über die digitale Transformation bei den SBB, von Gregor Doser folgten die neuesten Zahlen über die stetig wachsende Nutzung von Youtube. Gemäss Marco Boselli nutzen bereits 80 Prozent der 20 Minuten-Leser die Mobile-Version und Lukas Speiser und Alan Frei klärten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf, dass sich Sex besser denn je verkauft – wenn man’s denn richtig macht. Gelegenheit zu Gesprächen bot sich anschliessend bei Hot-Dogs von Dr. Dog.

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SW und PS planen neue Dachorganisation

SW Schweizer Werbung und PS Publicité Suisse planen ein engeres Zusammengehen. Entscheiden darüber werden die Mitglieder der beiden bislang unabhängigen Interessenvertretungen der kommerziellen Kommunikation in der Schweiz.

Geschehen wird dies an den jeweiligen Mit­glieder­versammlungen im kommenden Jahr. Die Vorstände von SW Schweizer Werbung und PS Publicité Suisse haben auf Basis ihres Letters of Intent aus dem Jahr 2012 diesen Sommer einen Prozess in die Wege geleitet, um die Strukturen der beiden Dachorganisationen den aktuellen Anforderungen des schweizerischen und internationalen Werbemarktes anzupassen. Zurzeit sind verschiedene Arbeitsgruppen daran, die Möglichkeiten auszuloten und optimale Verbandsstrukturen zu evaluieren. Ziel ist es, den Mitgliedern beider zurzeit noch rechtlich unabhängigen Verbände auf die Mitgliederversammlungen 2015 hin einen entsprechenden Vorschlag zur Diskussion zu stellen. Ständerat Filippo Lombardi, Präsident von SW Schweizer Werbung, ist überzeugt, dass die Zeit reif ist für einen gesamtschweizerischen Verband: «Gerade heute, da die kommerzielle Kommunikation immer mehr unter Druck gerät und der Spielraum für kreative Werbung von zahlreichen Richtlinien und Verboten ein­geengt wird, ist es entscheidend, dass wir näher zusammenrücken und mit einer Stimme sprechen». François Besençon, Präsident von PS Publicité Suisse, ergänzt: «Wir sind optimistisch, dass unsere Mit­glieder die Notwendigkeit erkennen, dass wir gemeinsam mehr für unsere Branche erreichen können als allein.»

SW Schweizer Werbung ist der Dachverband der kommerziellen Kommunikation. Er vertritt die Inte­ressen von Werbe­auftraggebern, Auftragnehmern bzw. Medien­unternehmen sowie Agenturen und repräsentiert hierzulande annähernd 22'000 Angestellte. PS Publicité Suisse wurde 1928 gegründet und ist die Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation in der fran­zösischsprachigen Schweiz. Gemeinsam mit SW Schweizer Werbung engagiert sie sich mit all ihren Mitteln und im gan­zen Land für liberale Werberichtlinien.

Neuer Key-Account-Manager bei 20 Minuten

Der Verlag von 20 Minuten erhält Verstärkung im konvergenten Verkaufsteam. Neu ist Robin Brühlmann Key-Account-Manager der Digitalagenturen und digitalen Units der Medienagenturen im nationalen Verkaufsteam, unter der Leitung von Marco Gasser.

Der 32-jährige Robin Brühlmann ist seit rund 5 Jahren in der Branche tätig und bringt ein grosses Know-how im Onlinebereich mit. So war er bei den Anfängen von Tilllate.com dabei, arbeitete für BAT und gelangte durch die Amiado Group zu Cinergy, wo er zuletzt stellvertretender Verkaufsleiter war.

Bild: Twitter.com

AZ Medien: Oltner Tagblatt fast ganz übernommen

Die AZ Medien haben mehr als 99 Prozent der Aktien des Herausgebers des Oltner Tagblatts, des Druck- und Medienunternehmens Dietschi, übernommen.

Das teilte das Aargauer Medienunternehmen des Verlegers Peter Wanner mit. Die AZ Medien hatten bereits über eine Mehrheit an Dietschi verfügt. In einer ausserordentlichen Generalversammlung habe der Grossteil des amtierenden Verwaltungsrates von Dietschi seinen Rücktritt bekannt gegeben, heisst es in einer Mitteilung.Dem neuen Verwaltungsrat gehören neben Verleger Wanner auch Rudolf Steiner (Vorsitz) und Philip Funk an. Die AZ Medien hatten Anfang Juni den Minderheitsaktionären ein Kaufangebot gemacht. Das Oltner Tagblatt erscheint mit einer Auflage von 14'800 Exemplaren seit Jahren im AZ-Medienverbund Nordwestschweiz.

Der Verwaltungsrat von Dietschi hatte den Minderheitsaktionären empfohlen, das Angebot der AZ Medien anzunehmen. Dietschi hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust eingefahren. Ursache für die roten Zahlen waren nach eigenen Angaben Abschreibungen auf der Zeitungsdruckmaschine. Das Oltner Tagblatt wird von Dietschi selber gedruckt. (SDA)

Sichtbare Forschung

Wissenschaftsjournalisten klagen über einen Abbau von Wissensredaktionen bei Tamedia – nicht zuletzt deshalb, weil sie sich mit einer Hochschulkommunikation konfrontiert sehen, welche mit professionellen Mitteln um die Gunst eines wachsenden wissenschaftsinteressierten Publikums wirbt.

Max Planck war 1919 überzeugt, «dass die reine Wissenschaft ihrem Wesen nach unpopulär ist». Das «Ringen mit dem spröden Stoff» erfordere eine Konzentration, die jedem «Aussenstehenden ganz unverständlich bleiben» müsse. Das mag zu Plancks Zeiten richtig gewesen sein. Seine Prognose, dass es immer so bleiben würde, erwies sich aber als falsch. «Darauf würde ich mit dem Titel eines Spiegel- Artikels vor ein paar Jahren kontern‚ Wissenschaft ist sexy», so Roman Klingler, Leiter News und Medienstelle der ETH Zürich. «Heute interessieren sich unterschiedliche Bevölkerungsschichten für Wissenschaft, wenn man sie in einer sympathischen, verständlichen und dialogischen Form vermittelt. » Zahlreiche neuere und populär aufgemachte Wissenschaftssendungen wie «Einstein, Quarks & Co» oder «Galileo» geben ihm recht.

Wie Wissenschaft populär wurde

Vonseiten der Verleger und Chefredaktoren kam das Interesse in den 60er-Jahren im Kontext der Diskussion um die Atomkraftwerke virulent auf, erinnert sich Rosmarie Waldner, Gründerin des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus (SKWJ) und (mittlerweile pensionierte) Wissenschaftsjournalistin. Ein zentraler Auslöser sei der Atomunfall von Lucens 1969 gewesen. Daraufhin schuf man für Waldner die erste Stelle als Wissenschaftsjournalistin beim Tages-Anzeiger. Die Entscheidung des damaligen Chefredaktors erwies sich als weitsichtig. Auf der politischen Bühne kam es in den Folgejahren auch zu Auseinandersetzungen über Gentechnologie oder Tierversuche. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) habe bereits zu Beginn des Jahrhunderts eine Wissenschaftsbeilage lanciert, bei den meisten Tageszeitungen habe sich die Wissenschaftsberichterstattung hingegen Ende der 80er-Jahre richtig etabliert, erzählt Waldner.

Journalisten befürchten Abbau

Angesichts der jüngsten Entwicklungen bei Tamedia befürchtet der SKWJ nun eine Tendenz in die andere Richtung. Nachdem im Frühling bereits der eigene Wissensbund aus der SonntagsZeitung verschwunden ist (er wurde in den Gesellschaftsbund integriert), kündigt das Medienunternehmen nun eine Zusammenlegung mehrerer Ressorts von Tages- Anzeiger und SonntagsZeitung an. Betroffen ist neben Gesellschaft und Kultur wiederum das Ressort Wissen. Der SKWJ reagiert auf die beiden Veränderungen mit einem offenen Brief an die Tamedia- Geschäftsleitung. SKWJ-Präsident Olivier Dessibourg fordert darin von den Medienhäusern die nötigen Ressourcen für einen Journalismus, «der sich nicht damit begnügt, Sprachrohr der Wissenschaft zu sein». Obschon das neue Ressort laut Tamedia- Mitteilung «mit rund zehn Stellen zu den grössten der Schweiz gehören» wird, ist der Wissenschaftsjournalist von Le Temps überzeugt, dass die Fusion durch Sparmassnahmen motiviert ist und einen faktischen Abbau bedeutet. Er befürchtet ausserdem, dass der Schweizer Wissenschaftsjournalismus bei kontroversen Themen statt mit zwei manchmal verschiedenen Stimmen nur noch mit einer sprechen werde.
 
Tamedia-Mediensprecher Christoph Zimmer relativiert die Befürchtung einer schwindenden Meinungsvielfalt. Das neue Wissensressort werde über eine Co-Leitung verfügen, bestehend aus den beiden bisherigen Ressortleitern von Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung, Matthias Meili und Nik Walter (für seinen Artikel «Schlampereien im Tierlabor» kürzlich mit dem Prix Média 2014 der Akademien der Wissenschaften ausgezeichnet). Es bestünden bei den beiden Titeln schlicht unterschiedliche Leserbedürfnisse und diese werde man auch zukünftig berücksichtigen. Dass mit der Zusammenarbeit gespart werden soll, negiert Zimmer nicht. Er betont aber, dass durch die Fusion in erster Linie die vorhandenen Kräfte gebündelt werden sollen. «Angesichts klar rückläufiger Werbeumsätze muss eine Redaktion ihre Mittel sehr gezielt einsetzen, um weiterhin ein gutes Produkt anbieten zu können. Der Vorteil einer Fusion ist, dass wir die Dossierkompetenz erhalten können.» Geplant sei eine Zusammenarbeit einzelner Ressorts, wie es sie im Bereich Sport bereits seit der Gründung der Sonntags- Zeitung gibt. Kündigungen werde es im Rahmen der aktuellen Zusammenlegung nicht geben. Zimmer bestätigt aber den Ressortwechsel eines Mitarbeiters innerhalb der SonntagsZeitung. Nächstes Jahr werde zudem eine Stelle infolge Pensionierung nicht wieder besetzt.

Als diesen Frühling der eigene Wissensbund der SonntagsZeitung aufgegeben wurde, brachte das keine personellen Konsequenzen mit sich. Innerhalb des übergreifenden Ressorts Gesellschaft wird dem Thema auch nicht weniger Platz eingeräumt. «Wenn man nicht über einen eigenen Bund verfügt, muss man aber um den Platz kämpfen», ist Dessibourg überzeugt. Für Waldner spricht ein zweiter wichtiger Grund für einen eigenen Bund: «Man sollte signalisieren, dass sogenannt seriöses Wissen einem echten Publikumsinteresse entspricht – Gesellschaft umfasst dagegen auch Klatschgeschichten oder Modetrends.» Ausser vielleicht für ganz grosse Zeitungen oder Fernsehsendungen sei das Wissenschaftsressort nach wie vor bloss «nice to have» – trotz immenser Bedeutung der Forschung für den Wirtschaftsstandort Schweiz, stellt Dessibourg fest. Die Vorwürfe des SKWJ seien «nur begrenzt nachvollziehbar», widerspricht Zimmer, da man den Wissenschaften einen hohen Stellenwert zuschreibe. Sie würden auf wachsendes Leserinteresse stossen. Insbesondere Themen an der Schnittstelle zwischen Ethik und Wissenschaft seien gefragt. «Gesellschaftspolitische Diskussionen, die über reine Wissenschaftsvermittlung hinausgehen, werden in den nächsten Jahren sicher zunehmen.» 

Forschung auf Akzeptanz angewiesen

Der Wissenschaftsjournalismus fristet in der Schweiz kein Nischendasein mehr. Er sieht sich aber mit einem Wissenschaftsbetrieb konfrontiert, dem viel umfassendere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen wie noch vor ein paar Jahrzehnten. Dessibourg, der zwischen Juli 2002 und April 2004 beim Pressedienst vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) tätig war, gehörte damals einem achtköpfigen Team an, welches in der Zwischenzeit auf rund 14 Mitarbeitende aufgestockt wurde. Die Gründe sind vielfältig. «Es findet ein Kampf um Sichtbarkeit zwischen den einzelnen Bildungsinstitutionen statt. Sie spielt mittlerweile auch bei der Vergabe von Fördergeldern eine entscheidende Rolle», so Dessibourg. Waldner betont, dass Pharma- und Agroindustrie ihre PR-Abteilungen aufgerüstet hätten, als die Ablehnung gegen Gentechnologie aufkam. «Industrie und Hochschulen sehen sich gezwungen, Akzeptanz für die eigene Forschung zu schaffen.» Viele Universitäten verfügen zu diesem Zweck über eine breite Palette an Print- und Online-Produkten. Die ETH Zürich betreibt nebst einer News- Plattform einen eigenen Wissenschaftsblog. Seit 2009 berichten Forschende auf dem ETH-Klimablog fundiert über den Klimawandel. Letzten Herbst wurde das Portal in Zukunftsblog umbenannt und beleuchtet nun diverse Nachhaltigkeitsthemen von Klima über nachhaltige Stadtentwicklung bis hin zu Welternährung. «Der Blog bietet den Forschenden die Möglichkeit, auf persönliche und glaubwürdige Weise über ihre Kernkompetenzen zu schreiben. Der Absender ist absolut transparent », so Klingler. Das Portal werde von Fachjournalisten beachtet und sei ein wichtiger Ideenlieferant für die Medien.

Der Zukunftsblog ist für Waldner «gut gemacht, aber reine PR». Auf die negativen Seiten einer Forschung werde auf einem solchen Portal nie hingewiesen. «Uns ist bewusst, dass wir nicht die gleiche Rolle spielen können und wollen wie ein Journalist», so Klingler. Angesichts von Politikern und Steuerzahlern, die wissen wollen, ob die gesprochenen Gelder sinnvoll investiert sind, müsse man jedoch die Leistungen in Forschung und Lehre sichtbar machen. Öffentliche Veranstaltungen wie der Treffpunkt Science City oder die Scientifica würden das direkte Gespräch zwischen Studierenden und Forschenden und der Zürcher Bevölkerung ermöglichen. «Eine Hochschule operiert nicht im luftleeren Raum und ist auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen», ist Klingler überzeugt.

Für Waldner hängt das Mitbestimmungsbedürfnis der Bevölkerung nicht zuletzt mit der gewaltigen Explosion der Wissenschaften zusammen. «Die jahrhundertealten Autoritäten bröckeln, weil heute viele Menschen über einen wissenschaftlichen Hintergrund verfügen und den Forschungsbetrieb dadurch kritischer beobachten.» Auch an den Universitäten begegne man mittlerweile Fachleuten, die der Atomenergie oder der Gentechnologie gespalten gegenüberstehen. Dessibourg ist überzeugt, dass man einem fachfremden Leser die relevanten Aspekte einer Forschung aufzeigen kann. Im Falle der Abstimmung von 1998 nach der Genschutzinitiative von 1993 sei es beispielsweise geschehen. Im Gegensatz zur Genforschung gäbe es aber andere Wissenschaftsbereiche, über welche niemand ein Referendum ergreife, weil sie für die Bevölkerung nach wie vor im Dunkeln liegen.

Simone Isliker

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Seit 2011 geben die ETH Zürich und die Universität Zürich der Bevölkerung an der Scientifica unterhaltsame Einblicke in den Forschungsbetrieb. Jede Scientifica ist einem populären Thema gewidmet, zu dem beide Hochschulen forschen. Die letztjährige Scientifica stand unter dem Motto «Risiko – Was wir wann wagen».

Diener der Inhalte

Matthias Saner von Sanerstudio ist Kopf und Herz hinter dem Online-Design von Tagesanzeiger, Bilanz, Handelszeitung, Le Matin, Bernerzeitung, 24 Heures, Bund und Züritipp. Sein Credo: «Design ist dann gut, wenn man es nicht bemerkt.»

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Was Matthias Saner gestaltet, ist schlicht, wohltuend für das Auge, klassisch und sehr weiss. Und dabei dennoch modern und überraschend. Und es funktioniert – was besonders wichtig ist, denn Saner ist Spezialist für Online, Mobile und Apps. Und ein Könner darin, diese Kanäle mit Print unter einen gestalterischen Hut zu bringen, ohne die über lange Zeit tradierten Markeneigenschaften des Produkts aus dem Blick zu verlieren. Saner ist es wichtig, dass Design nicht zum Selbstzweck wird: «Gerade beim Editorial-Design halte ich es für zentral, dass man den Inhalt zur Geltung bringt und nicht nur schöne Knöpfe und tolle Farbflächen bastelt», sagt er. «Als Designer stehe ich in erster Linie im Dienst des Lesers, denn nur wenn die Zeitung viele Leser hat, kann man sie verkaufen, kann man Werbung verkaufen. Design ist keine Kunst, sondern ermöglicht die optimale Nutzung eines Angebots. Es muss alles gut funktionieren – und trotzdem muss es schön aussehen.» Dass es Saner gelingt, diesen Anspruch in die Realität umzusetzen, belegen die vielen positiven bis euphorischen Reaktionen auf sein Tagi-Re-Design (siehe Zitate rechts oben).

Inhalte im Mittelpunkt

«Beim Re-Design eines Titels geht es oft auch darum, hochwertiger auszusehen als zuvor, besonders wenn eine Paywall eingeführt werden soll», erklärt Saner. «Ausserdem soll das Leseerlebnis gesteigert und der Brand mit Blick auf die konvergenten Redaktionen nochmals gestärkt werden. Beim Tagi zum Beispiel wollten wir ein einziges Produkt über die verschiedenen Kanäle schaffen, damit der User immer ‹seinen Tagi› wiedererkennt und eine gemeinsame DNA spürt, egal auf welchem Gerät er die Zeitung liest.» Bei der Auswahl der Schriften und Farben orientierte Saner sich deshalb stark am Design der Printausgabe, die Druckversion wurde im Gegenzug um Gestaltungselemente ergänzt, die für Online wichtig sind. «Die grösste Herausforderung ist die Anpassung des Designs an die verschiedenen Bildschirmformate – Desktop, Mobile und Pad – und das von Oberfläche zu Oberfläche variierende Nutzungsverhalten», betont Saner. «Der eine schaut einmal am Tag rein, der andere mehrmals täglich während der Kaffeepausen. Wir müssen alle diese Leser gleichermassen abholen. Die Klammer ist eine visuelle Sprache über alle Geräte.»

Während Zeitungen und Magazine derzeit mittlere bis grosse Sprünge wagen, um beim Kampf um die Mobile-Leserschaft vorn dabei zu sein, hinkt die Werbung kläglich hinterher. «Ich staune, wie langsam sich der Werbemarkt im digitalen Bereich entwickelt», sagt Saner. «Die Werber finden scheinbar, die klassische Displaywerbung genüge. Werbung stört online ganz häufig, Interaktivität beschränkt sich darauf, dass ich die Banner wegklicke, und man versucht, mich auf eine andere Website zu locken, um Klicks zu generieren. Dabei könnte man an Ort und Stelle so viel erzählen und spannende Sachen machen.»

Mens sana in corpore Saner

Matthias Saner startet nach seiner Matura 1990 mit einem Informatikstudium. Doch er merkt schnell: Nur Nullen und Einsen sind nicht meine Welt. Er sattelt um und belegt einen Grafikfachkurs an der damaligen Schule für Gestaltung, der heutigen ZHdK. Nach dem Diplom arbeitet er ein Jahr lang in einem Grafikbüro in Hongkong, danach gründet er in Zürich mit drei Partnern die Firma Popeye, ein Unternehmen für Webdesign. «Ende der 1990er- Jahre wurde das Internet für Grafik und Design interessant und wer ein wenig davon verstand, war sofort gut im Geschäft», erinnert sich der Designer. 2003 beginnt Saners Liaison mit dem Tagi: Er steigt zunächst als Teilzeit-Art-Director für den digitalen Bereich ein, mit dem Start des Newsnet konzentriert er sich Vollzeit auf die Zeitung. Trotzdem spielt er dauernd mit dem Gedanken, sich wieder selbstständig zu machen. 2012 ist es so weit: Saner gründet Sanerstudio. «Als Art-Director beim Tagi /Newsnet hatte ich mich vorrangig darum gekümmert, neue Sachen zu entwickeln sowie Bestehendes zu erneuern, zu verbessern und an veränderte Bedürfnisse anzupassen», erzählt Saner. «Als ich mich dann selbstständig machte, bekam ich gleich das Mandat für ein Re-Design des Tagesanzeigers, das zusammen mit der Paywall gelauncht wurde.» Schon viele grosse Schweizer Zeitungs- und Zeitschriftentitel haben auf Saners Pult ein neues oder frischeres Gesicht erhalten, darunter die Handelszeitung und die Bilanz. Doch seit Saner binnen eines Jahres den Print- und Onlineauftritt des Tagesanzeiger sowie dessen Mobile- und Pad-Version inklusive Apps neu gestaltet hat, ist er einer der gefragtesten Editorial-Designer des Landes. Saner selbst verbucht die Konzeption und Umsetzung der ersten Tagi-iPad-App als sein bisher grösstes berufliches Highlight. Aktuell arbeitet er am Roll-out der Paywall für die verschiedenen Tamedia-Titel. Ausserdem hat Saner eine App für 20 Minuten und ein Projekt für Annabelle auf dem Tisch, und er entwickelt gemeinsam mit einem Fotografen und einer Logopädin verschiedene Bildungsapps. Auch bei diesen Arbeiten darf man die typisch sanersche Handschrift erwarten: ruhig, weiss, Funktionen unterstützen den Inhalt, Design stärkt die Marke.

Händchen für die Zukunft

Wer Online, Mobile und Apps gestaltet, braucht nicht nur ein Gespür dafür, ob Anwendungen funktionieren, sondern auch, wie sie in Zukunft noch funktionieren könnten – er braucht also ein Händchen für das Kommende. Saner profitiert bei seiner Arbeit von seiner Affinität zur Technologie: Er selbst arbeitet zwar visuell, begreift aber auch die Arbeit der Programmierer, kann einschätzen, welche Funktionen einer Website oder App sinnvoll und möglich sind und welche nicht. «Besonders spannend finde ich dynamische Benutzeroberflächen mit animierten Inhalten, bei denen nicht einfach die nächste Seite da ist, wenn ich einen Knopf drücke, sondern die Seite sich vor meinen Augen aufbaut», erklärt der Designer. «So etwas ist im besten Fall nicht nur ein cooler Effekt, sondern macht die Architektur einer Seite verständlicher. Und das ganz intuitiv, sodass man mit dem Design noch mehr zurückgehen kann. Solche Sachen machen ein Interface viel besser und attraktiver.»

Wenn Saner neuen Designideen Gestalt gibt, ist er erstaunlich offline: «Ich zeichne dann sehr viel auf Post-its», verrät er. «Die kleinen gelben Zettel zwingen einen, seine Gedanken auf engstem Raum konzentriert zu skizzieren.» Bei den komplexen Verzahnungen im digitalen Raum besteht leicht die Gefahr, den Überblick zu verlieren. Schrittweises Konzipieren und Visualisieren ist also gefragt. «Ich probiere immer sehr rasch aus, ob meine Idee funktioniert», sagt Saner. «Heute entwickelt man nicht mehr ein Design, das hinterher von Programmierern umgesetzt wird, heute arbeiten Designer und Programmierer Hand in Hand.» Saner arbeitet eng mit dem Art-Director und dem Entwickler-Team seines jeweiligen Auftraggebers zusammen. Überhaupt stemmt er seine Riesenprojekte nicht im Alleingang. Er beschäftigt eine Designerin und ist auch weiterem Wachstum nicht abgeneigt: «Wir haben sehr viel zu tun und könnten noch Unterstützung gebrauchen », sagt Saner. «Aber es ist nicht mein Ziel, Sanerstudio ganz schnell ganz gross zu machen.» Trotz seines Erfolgs ist der Designer bescheiden geblieben. Er ist glücklich, wenn sein Kunde ihm vertraut, ihm für seine Arbeit grosse Freiheiten und vor allem die nötige Zeit lässt: «Etwas wird gut und macht Spass, wenn man es entwickeln kann, bis es wirklich funktioniert – was nicht heissen muss, dass es nicht schnell geht. Dann ist es toll zu sehen, wie viele Menschen jeden Tag die Web- und Mobile- Seiten und Apps nutzen, die wir gestaltet haben. Das ist für mich das grösste Lob und die schönste Bestätigung meiner Arbeit.» Als Bub wollte Matthias Saner Astronaut werden. Abzuheben, ohne die Bodenhaftung zu verlieren, ist ihm auf jeden Fall schon einmal gelungen.

Anne-Friederike Heinrich

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Gefährdete Informationsfreiheit?

Die wichtigsten Fragen und Antworten (FAQ) zum Urteil des Obersten Europäischen Gerichts, mit dem das Recht auf Vergessen höher bewertet wird als die Informations- und Meinungsäusserungsfreiheit – und das auch in der Schweiz bereits konkrete Auswirkungen hat.

Was ist das Recht auf Vergessen?

Es geht um die Frage, wie die Gesellschaft mit der neuen Entwicklung umgehen soll, dass dank Datenbanken und Suchmaschinen längst zurückliegende Ereignisse aus dem Leben eines Einzelnen jederzeit und ohne grossen Aufwand wieder präsent werden. Mit dem Recht auf Vergessen soll dies eingeschränkt werden können.

Wie ist es zu dem Urteil gekommen?

Es geht um Google, die Tageszeitung La Vanguardia in Barcelona und um den Spanier Mario Costeja. Dieser, von Berufes wegen Gerichtsgutachter für Handschriften in Barcelona, stiess offenbar beim Ego-Googeln vor sechs Jahren auf eine amtliche Notiz mit seinem Namen, die in den Ausgaben vom vom 19. Januar bzw. 9. März 1998 erschienen war. Es ging um die Zwangsversteigerung eines 90 Quadratmeter grossen Grundstücks in der katalonischen Stadt Sant Feliu de Llobregat, das Costeja und seiner damaligen Ehefrau gehörte. Weil La Vanguardia im Jahr 2008 sämtliche Ausgaben seit dem ersten Erscheinen im Jahr 1881 digitalisiert und frei zugänglich ins Internet gestellt hatte, tauchte zehn Jahre später diese Notiz zuoberst auf der Suchergebnisliste bei Google auf, woran sich Costeja derart störte, dass er über mehrere Instanzen hinweg La Vanguradia und Google die Veröffentlichung verbieten wollte. Als der Fall im Jahr 2010 bei der Audiencia Nacional, einem der obersten spanischen Gerichte, landete, wussten die Richter dort nicht weiter und zogen mit einem «Vorabentscheidungsersuchen » den Obersten Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu Rate. Seit dem 13. Mai dieses Jahres liegt das Urteil vor, das für die Gerichte der EU-Mitgliedstaaten bindend ist.

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Worum geht es im Urteil genau?

Darin geht es um einen Ausgleich zwischen dem Recht auf Privatsphäre und Datenschutz im europäischen Recht mit dem legitimen Interesse der Öffentlichkeit, ungehindert auf solche Informationen zugreifen zu können. (Beide Bürgerrechte sind in der Europäischen Menschenrechtskonvention enthalten.) Es unterscheidet zwischen öffentlichen und privaten Personen, und es geht um Suchmaschinen im Allgemeinen, nicht nur um Google, sondern um alle, die personenbezogene Daten verarbeiten. Namentlich bejaht das Gericht, dass es im Internet für Privatpersonen ein «Recht auf Vergessen» gibt. Im Allgemeinen überwiegen nach Ansicht des Gerichts die geschützten Rechte der betroffenen Person gegenüber dem Interesse der Internetnutzer auf freie Information und gegenüber den wirtschaftlichen Interessen der Suchmaschinenbetreiber.

Was ist an dem Urteil bemerkenswert?

Damit setzt das 13-köpfige Richtergremium, das mit einem Durchschnittsalter von 61,4 Jahren kaum als Internet-affin einzustufen ist, unerwartet deutliche Akzente. Denn ein Jahr zuvor hatte der Generalanwalt, der Finne Niilo Jääskinen, zuhanden des Gerichtes seine (unverbindlichen) Anträge abgegeben und war in verschiedenen Aspekten zu ganz anderen Ansichten gelangt. Er erwähnte mehrmals, das geltende Recht, die EU-Richtlinie 95/46/ EG, stamme aus der Vor-Internet-Zeit (sie soll noch in diesem Jahr durch eine neue «Datenschutzgrundverordnung » ersetzt werden). Weil Google zwar personenbezogene Daten verarbeitet, dies aber nicht persönlich, sondern mittels Computercode mache, könne die Suchmaschine nicht für die Verarbeitung verantwortlich gemacht werden. Anders als das Gericht, das auf die Freiheit der Meinungsäusserung nicht einging, setzte sich Jääskinen damit auseinander, und er riet davon ab, es den Suchmaschinenanbietern zu überlassen, im Einzelfall die einander widerstreitenden Interessen ins Gleichgewicht zu bringen. Und er sagte voraus: «Es käme zu einem Eingriff in die Freiheit der Meinungsäusserung des Webseitenurhebers, der in einem solchen Fall ohne angemessenen Rechtsschutz bliebe, da ein ungeregeltes Verfahren zur Meldung und Entfernung eine privatrechtliche Angelegenheit zwischen der betroffenen Person und dem Suchmaschinen-Diensteanbieter wäre. Dies liefe auf eine Zensur der vom Urheber veröffentlichten Inhalte durch einen Privaten hinaus.»

Wie wurde das Urteil aufgenommen?

Vor allem amerikanische und britische Kommentatoren sehen im Urteil einen gefährlichen Schritt in Richtung Zensur. Bei den Amerikanern wird traditionell das Recht auf freie Meinungsäusserung (Free Speech) höher gehalten als der Schutz von Personendaten. Dass ausgerechnet Europa mit seiner Vergangenheit sich in diese Richtung bewegt, stiess vielerorts auf Unverständnis, und einer giftelte gar, die grossen Gewinner des Urteils seien französische Minister, die den Namen ihrer letzten Mätresse vergessen machen möchten. Ein Ausschuss des britischen Oberhauses kritisierte in einem Gutachten das Urteil scharf und kam zum Schluss, es sei «nicht umsetzbar» und «fehlgeleitet in den Grundannahmen ».

Wie wird das Urteil umgesetzt?

Mitte Juli teilte Google mit, es seien bisher 91 000 Löschanträge eingegangen, in denen das Entfernen von 328 000 Links gefordert wurde. (Dabei wird ein Dokument nicht generell, sondern nur dann entfernt, wenn der jeweilige Name zu den Suchbegriffen gehört.) Etwa der Hälfte der Löschanträge wurde stattgegeben, und in weiteren 15 Prozent sind zusätzliche Angaben angefordert worden. Es gibt Stimmen, die meinen, Google handle zu grosszügig und wolle so die schwierige Umsetzung des Urteils thematisieren. Kritisch beurteilt wird auch, dass Google als Privatunternehmen und nicht eine amtliche oder richterliche Stelle die Gesuche prüft und entscheidet. Derweil bemängeln europäische Datenschützer, dass Google die jeweiligen Website-Betreiber über die Löschung informiert und diese lediglich auf den Google-Seiten in Europa (und nicht weltweit) vornimmt. Die Datenschützer sind daran, das Entfernen von Suchergebnissen in einer Leitlinie genauer zu regeln. Google seinerseits hat einen Experten- Beirat eingesetzt, der in öffentlichen Sitzungen in verschiedenen europäischen Hauptstädten die Umsetzung des Urteils diskutiert. Auch andere Internet-Akteure wie Microsoft mit seiner Bing- Suchmaschine oder Yahoo sind daran, sich auf die neue Rechtsprechung auszurichten, um künftig ebenfalls Löschanträge zu bearbeiten.

Was geht uns das in der Schweiz an, da europäische Urteile in der Schweiz nicht rechtsgültig sind?

Zwar hat das Urteil in der Schweiz keine Rechtskraft, doch Google hat entschieden, in allen EU und EFTA-Ländern gleich vorzugehen. So haben denn bis im Juli auch 1645 Schweizer oder Schweizerinnen bei Google entsprechende Löschanträge gestellt, die 7085 Websites betreffen.

Wie ist die Rechtslage dazu bei uns?

Die Privatsphäre wird hier hoch gehalten (Stichwort: Bankgeheimnis), und geht’s um das Recht auf Vergessen, kann man ob der umfangreichen und jahrzehntealten Praxis des Bundesgerichts und der entsprechenden Gesetze leicht zum Eindruck gelangen, dies sei eine schweizerische Erfindung. So erstaunt es denn nicht, dass der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür angesichts des EuGHUrteils prophezeit, die schweizerische Rechtsprechung würde in einem vergleichbaren Fall wohl ähnlich reagieren. Für Schweizer Verlage ist etwa ein Lausanner Urteil aus dem Jahr 1996 wegweisend, mit dem selbst eine wahrheitsgemässe Berichterstattung über eine in der Vergangenheit zurückliegende Zuchthausstrafe als persönlichkeitsverletzend und somit nicht zulässig eingestuft wurde.

Inwiefern wirkt sich das Recht auf Vergessen auf Schweizer Medienunternehmen aus?

Löschanträge, wie sie nun in der Folge des Richterspruchs bei Google bergeweise eintreffen, sind hierzulande ein längst etabliertes, wenn (bislang) auch selten genutztes Recht. Eine Umfrage unter den Verlagshäusern Tamedia, NZZ und Ringier ergibt folgendes Bild: Bei Tamedia sind es laut Unternehmenssprecher Christoph Zimmer im publizistischen Bereich (wozu auch Tilllate.com gehört) monatlich rund zwei Dutzend Lösch- und Anonymisierungs- Gesuche. Doch nur in «einer Handvoll Fällen pro Jahr» sei eine Anonymisierung aufgrund des Rechts auf Vergessen gerechtfertigt. Bei der NZZ-Mediengruppe gehen im publizistischen Bereich (also ohne z. B. Moneyhouse) gemäss Generalsekretär Hanspeter Kellermüller pro Jahr 10 bis 15 Gesuche im Zusammenhang mit dem Recht auf Vergessen ein und weitere zirka 20 Anträge, die auf eine andere Verletzungen der Persönlichkeit Bezug nehmen. Ringier bewegt sich nach den Worten von Chief Communications Officer Edi Estermann in den gleichen Grössenordnungen: «Wir sprechen durchschnittlich von weniger als 20 Begehren dieser Art pro Jahr über alle Titel hinweg. Zumeist betreffen sie die Titel der Blick-Gruppe.» Bei Ringier betreffe die Löschung dann meist auch die Schweizer Mediendatenbank SMD. Derweil hält Tamedia-Zimmer fest, eine Löschung im SMD erfolge nur, «wenn wir dazu rechtlich verpflichtet sind».

Wird Link-Löschen zum neuen Volkssport?

Obwohl das europäische Urteil rechtlich keine direkte Bedeutung für die Schweiz habe, vermeldet Zimmer, habe es «gleichwohl zu einer deutlichen Zunahme der Lösch- und Anonymisierungs-Gesuche geführt». Auch Kellermüller berichtet, die Zahl der Gesuche habe in letzter Zeit zugenommen, wobei vor allem die Auffindbarkeit im Internet angesprochen werde, und er hat beobachtet, dass solche Gesuche zunehmend auch aus Deutschland kommen.

Wie hat man in der Schweizer Medienbranche bisher auf das Urteil reagiert?

Bislang haben Journalisten und Verleger sowie die entsprechenden Verbände zum Urteil des Obersten Europäischen Gerichts geschwiegen, mit dem auch journalistische Beiträge dem Vergessen anheim geführt werden. Wie Recherchen der Werbewoche ergaben, werden die Auswirkungen des EuGH-Urteils verfolgt und diskutiert, und die Meinungsbildung ist noch im Gange. Allgemein besteht die Auffassung, da die aktuelle Berichterstattung nicht direkt betroffen ist, dass kein Widerspruch zur Pressefreiheit bestehe. Anders wenn es um Pressearchive geht: Beim Verband Schweizer Medien betont etwa Direktorin Verena Vonarburg: «Archive müssen auch im Internetzeitalter geführt werden können.» Es sei «sehr wichtig», dass das Recht auf Vergessen nicht beansprucht werden könne, wenn es um Archive (wie etwa SMD) geht, die der Öffentlichkeit nicht frei zugänglich, die aber für Recherchen, Hintergrundberichte, ja sogar die Geschichtsschreibung unentbehrlich sind.

Christoph J. Walther
 

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