Am vierten CNN Davos Debrief hat CNN-Moderator Richard Quest mit Benoît Battistelli (President European Patent Office), Harry Hohmeister (CEO Swiss Air) und Ulrich Spiesshofer (CEO ABB) im Zürcher Aura über die Themen des World Economic Forum 2015 diskutiert. Ebenfalls vor Ort war Petra Malenicka, CNN International Senior Vice President Advertising Sales Europe and the Ameri-cas. Die Werbewoche hat die Gelegenheit genutzt, mit ihr über die Globalisierung von Werbemärk-ten, digitale Plattformen und Inhalte sowie über deren zunehmende Wichtigkeit zu sprechen:
WW: Zu Beginn dieses Jahres wurden Sie zur Senior Vice President Advertising Sales Europa and the Americas befördert. Was ist bei CNN International im Schweizer Markt in den letzten Jahren passiert?
Petra Malenicka: Ich habe im Jahr 2004 bei CNN International begonnen als Account Director Ad Sales für Zentraleuropa und Frankreich. Als ich von meinem Mutterschaftsurlaub zurückkam, über-nahm ich zusätzlich die Schweizer Geschäftsbereiche. Speziell diese Entscheidung war fantastisch, denn genau dieser Markt war sehr interessant für CNN. Die Entscheidung war auch eine strategi-sche, da die Schweiz einerseits ein exportorientiertes Land ist, aber auch einen Markt für Luxusgüter hat sowie ein starker Finanzplatz ist. So sind auch die Zuschauer von CNN auf Individualität und Geschäftsentscheider ausgelegt. Das heisst, viele Schweizer Marken suchen genau nach dem für CNN typischen Zuschauer. Mit meinem fantastischen Team habe ich es geschafft, die Schweiz in die Top- 3-Märkte für CNN International weltweit zu bringen. Das heisst, die Schweiz birgt einen massiven Markt, der für CNN sehr wichtig ist. Zudem ist die Luxusgüter-Industrie enorm gewachsen und damit auch die Investitionen in CNN. Luxus ist für CNN heute die Nummer eins im Investitions-sektor. Was man dafür sucht, ist Inhalt. Das heisst, CNN sucht nach guten Inhalten für TV genauso wie für Mobile und Social Media – die digitalen Plattformen allein sind nicht interessant, sie gewinnen erst in der Verbindung mit TV, Online und Social an Wichtigkeit.
Die digitalen Plattformen allein sind zu wenig interessant?
Wichtiger ist es, einen sehr guten, soliden Inhalt zu haben, eine gute Marke, das richtige Publikum und dem zu entsprechen, was man den Marken verspricht. Dann hat ein Medienunternehmen den richtigen Mix für die Kunden.
Und doch ist jeder Kunde anders.
Das würde ich auch sagen. Doch als globale Organisation sieht man, dass sie Märkte verlangsamen oder gar nicht werben, während andere Märkte übernehmen. Es ist ein ununterbrochener Balance-akt starker Märkte. Das Muster wechselt jedes Jahr. Aber als globale Organisation haben wir die nötige Flexibilität, über mehrere Märkte hinweg zu arbeiten und Prioritäten festzulegen.
Worin unterscheiden sich die Märkte Europa, Südamerika und USA grundsätzlich?
Bis Ende letzten Jahres war ich verantwortlich für die Märkte Westeuropas, 2014 bekam ich das Angebot, die Führung über den Werbezeitenverkauf von CNN in Westeuropa mit zusätzlicher Verantwortung für Nord- und Lateinamerika zu übernehmen. Nordamerika ist dem Markt in West-Europa sehr ähnlich. Lateinamerika hingegen ist ein wachsender Markt, sehr dynamisch. Damit habe ich eine Mischung aus Ländern mit aufstrebenden Märkten. Die Hauptinvestition dort wird wohl im Reise- und Tourismusmarkt liegen. Die Länder werden als Reise- aber auch als Investitionsdestinationen gefördert. Aber auch Luxusgüter sind ein Thema. Das Ganze ist also eine Mischung aus gereiften und aufstrebenden Strukturen mit einem hohen Wachstum.
So kann CNN auch Synergien zwischen diesen Märkten nutzen. Welche Rolle spielt dabei der Inhalt?
Es gibt einen klaren Vorgang, wie wir mit Werbern arbeiten, sowohl in der Schweiz als auch in an-eren Märkten: Wir bieten massgeschneiderte Lösungen rund um den Inhalt. Inhalt ist der Schlüssel, in allem, was wir tun. Nehmen wir beispielsweise Omega, ein Kunde, der seit Jahren bei uns ist, rund um ein Projekt namens «Leading Women». Das ist ein TV-Programm, welches über Business-Frauen spricht und über den Ausgleich zwischen Privat- und Berufsleben. Omega ist mit «Leading Women» verknüpft, daher fördert das Unternehmen mit CNN seine Kollektion für Frauen. Digital verbreiten wir selbstverständlich nicht nur denselben Inhalt – wir arbeiten unterschiedlich mit digitalen Plattformen. So versuchen wir vor allem mit Interaktivität die digitalen Plattformen zu animieren. Dadurch erreicht der Inhalt nicht nur die Zuschauer von CNN, sondern geht über diesen Kreis hinaus. Diese Lösung ist sehr nah dran an dem, was Omega erreichen will: Mit Inhalt in Verbindung gebracht zu werden, dessen Wertvorstellungen sehr genau mit denen ihrer weiblichen Kunden übereinstimmen – und gleichzeitig auf alle Märkte gehen, durch den Inhalt in einer einzigen über-einstimmenden Stimme sprechen. Und daraufhin viral gehen sowie digital, aber immer mit Interakti-on, sowohl in spezifischen Märkten, als auch auf globalen Märkten, je nach Projekt. Diese Art der plattformübergreifenden Tätigkeit beträgt etwa 90 Prozent unserer täglichen Arbeit. Das heisst, wir sprechen nicht mehr unterschiedlich in TV oder digital. Wir verbinden TV, Mobile, Social Media so, dass es für den Kunden Sinn macht.
Die Struktur entwickelt sich also rund um den Inhalt, eine globale Methode. Erfordern die unter-schiedlichen Werbemärkte nicht unterschiedliche Methoden?
Der Markt ist grundsätzlich vielmehr durch den Inhalt strukturiert als aufgrund der entsprechenden Plattformen. Diese Arbeitsmethode hat sich in Europa als erfolgreich erwiesen. In anderen Märkten kann man dieselbe Methode anwenden. Es gibt wohl lediglich eine Kleinigkeit zu unterscheiden: In wachsenden Märkten sind die Hauptkunden oft Landesregierungen, während in Europa der Kunde meist ein privates Unternehmen ist. Das heisst, die Struktur des Kundenportfolios ist ein wenig anders, aber die Arbeitsmethode ist tatsächlich die gleiche.
Sie sagen also, für die Zukunft setzt CNN auf Qualität im Inhalt?
Ich denke, Qualität ist sehr wichtig, speziell für globale Marken, welche sich anspruchsvoll und mit sehr speziellen Werten positionieren. Auf diese Weise kann man sich von der Konkurrenz abgren-zen. Inhalt ist der Schlüssel, absolut der Schlüssel – Qualität ist sehr wichtig, um eine starke Marke für die Kunden und sich selbst zu etablieren. Markenwert ist sehr wichtig. Denn aus den Investitionen muss mehr resultieren. Und dies muss beweisbar sein. Daher haben wir viel in unsere Research-Abteilung investiert. Dies nicht nur, um die Media-Performance der Kampagnen zu messen, sondern auch die Effektivität von Markenwerten in Bezug auf Markenpositionierung und Kaufabsicht. Schlussendlich wird diese gesamte Wertekette regelmässig gemessen bei den Kampagnen von CNN – das ist ein Teil des Erfolgs.
Was wird nun in Zukunft das Hauptanliegen von CNN?
Ich denke, Interaktivität ist wirklich der Schlüssel im digitalen Bereich. Wenn Sie das richtig machen, haben Sie bereits einen grossen Schritt gemacht. Digitale Plattformen werden sich entwickeln, Social Media werden sich entwickeln, Mobile ist aktuell der grosse Spieler. Der mobile Gebrauch hat in Bezug auf Seitenaufrufe von CNN.com über 140 Prozent zugenommen. Auch die Social Media sind riesig geworden. Für CNN bedeutet das, dass wir das Engagement am Laufen halten sowie den Austausch mit unseren Zuschauern fördern müssen. CNN International geht bereits genau in die richtige Richtung: Inhalt ist der Schlüssel, digitales Engagement ist sehr wichtig und wir arbeiten gleichzeitig an massgeschneiderten Lösungen rund um den Inhalt. Das ist die Zukunft.
Interview: Ursina Maurer
Petra Malenicka ist Senior Vice President für CNN International Advertising Sales Europe and the Americas. In dieser Position vereint sie die Führung über den Werbezeitenverkauf von CNN in Westeuropa, Nord- und Lateinamerika. Malenicka startete ihre Karriere bei CNN International 2004 als Account Director Ad Sales für Zentraleuropa und Frankreich und übernahm 2006 zusätzlich die Schweizer Geschäftsbereiche. 2009 wurde sie zum Sales Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz befördert. 2013 wurde sie Vice President of Advertising Sales für Westeuropa – das erste Mal, dass alle Märkte unter gemeinsamer Führung standen. Malenicka startete ihre Laufbahn 1994 in der Entwicklung des Programmgegengeschäfts für Time Warner und leitete später die Ad-Sales-Abteilungen für die Themen-Sender in Zentraleuropa. Als französisch- schwedische Staatsbürgerin spricht sie Französisch, Englisch, Schwedisch, Russisch und Tschechisch. Sie hält einen Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paris-Sorbonne.