Drei wollen in Basel pendeln

Die Basler Mediengruppe (BMG) sowie die Zürcher Pendlerzeitungen 20 Minuten und Metropol haben bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) Offerten für Boxen eingegeben.

Die Basler Mediengruppe (BMG) sowie die Zürcher Pendlerzeitungen 20 Minuten und Metropol haben bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) Offerten für Boxen eingegeben.Von beiden Zürcher Verlagen war zu erfahren, dass sie sowohl Boxen an den Haltestellen als auch in Bus und Tram beantragt haben, wobei Metropol gemäss Verlagsleiter Urs Zeier in den Fahrzeugen ein Exklusivrecht wünscht. 20 Minuten verzichtet laut Projektleiter Sacha Wigdorovits auf Exklusivrechte. Auch die BMG wünscht kein Exklusivrecht und verzichtet zudem auf Boxen in den Fahrzeugen, sagte der VR-Delegierte Beat Meyer der WerbeWoche. Wie BVB-Vizedirektor Georg Vischer erklärte, wird die BVB die Offerten auswerten und dem BVB-Verwaltungsrat einen entsprechenden Antrag stellen. In der zweiten Hälfte August wird der mehrheitlich aus Grossräten bestehende VR entscheiden. In Basel sei man zwar nicht gerade Feuer und Flamme für die neue Papierflut, jedoch sei die BVB auch nicht grundsätzlich abgeneigt, sagte Vischer. Um von den Erfahrungen in Zürich zu lernen, trifft sich diese Woche eine BVB-Delegation mit Vertretern der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ).
Im BVB-Verwaltungsrat ebenfalls vertreten ist die Baselland Transport AG (BLT). Gemäss Vischer wird diese laufend über die Gespräche mit den Pendlerzeitungen informiert und kann zu einem späteren Zeitpunkt auch gleich in die Verhandlungen einbezogen werden.
Seitens der SBB ist nach wie vor offen, wann sie ihrerseits eine Ausschreibung für Boxenstandorte vorlegen. Eigentlich wollte man dieses Vorgehen mit den jeweiligen Verkehrsbetrieben vor Ort koordinieren. In Bern erarbeitet man mit den Partnern des Verkehrsverbundes Bäre-Abi ein gemeinsames Konzept, in Basel hingegen ist die BVB vorgeprellt. Gemäss SBB-Sprecher Reto Kormann haben aber in Basel Metropol und die BMG bereits Interessen bei den SBB angemeldet, in Bern wurden die Berner Tagblatt Medien sowie – neu – ebenfalls Metropol vorstellig. Zu einem Projekt in Bern wollte Metropol-Geschäftsführer Urs Zeier jedoch keine Stellung nehmen. (mk)

Logo ist es ein Bumerang

Ein Logo, «das man in den Sand zeichnen kann», wollte die australische Agentur FHA Image Design für die olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney entwerfen.

Ein Logo, «das man in den Sand zeichnen kann», wollte die australische Agentur FHA Image Design für die olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney entwerfen.Die Idee entwickelte sich nicht zum Bumerang, obwohl jetzt mehr als ein solcher auf dem Logo zu sehen ist. Wieso? Das steht auf Seite 20

Namensänderung bei Fiechter.Demirci

Die Rheintaler Agentur Fiechter.Demirci ändert ihren Namenszusatz.

Die Rheintaler Agentur Fiechter.Demirci ändert ihren Namenszusatz.Künftig möchte die junge AG als Dienstleister im Bereich «Unternehmensberatung für integrierte Kommunikation» gesehen werden, nicht mehr als klassische Werbe- und PR-Agentur. «Wir sind stark in Image-Analyse und strategischer PR», erklärt Mitinhaber Oliver Fiechter, «diese Bereiche möchten wir weiter ausbauen.» Fiechter.Demirci betreuen Kunden wie Hilti, SFS Stadler AG, Flexi AG oder EPA Ostschweiz. Momentan beschäftigt das Unternehmen zehn Leute, will aber bis Ende Jahr auf dreizehn bis fünfzehn Mitarbeiter anwachsen. (ba)

Aufgefallen: Als Tochter eines Zoologen bekam ich schon in jungen Jahren Gespräche über interessante Paarungsrituale mit.

AufgefallenAls Tochter eines Zoologen bekam ich schon in jungen Jahren Gespräche über interessante Paarungsrituale mit. Allerdings handelte es sich bei den beteiligten Protagonisten immer um Gestalten aus der Tierwelt, die ihren Sexualtrieb eng

Aufgefallen Als Tochter eines Zoologen bekam ich schon in jungen Jahren Gespräche über interessante Paarungsrituale mit. Allerdings handelte es sich bei den beteiligten Protagonisten immer um Gestalten aus der Tierwelt, die ihren Sexualtrieb eng an einen Urinstinkt knüpften – den Fortpflanzungstrieb der eigenen Rasse. Diese allein von der Lust am geschlechtlichen Zusammensein getriebene Motivation stand nicht zur Diskussion. Ein Instinkt, der ja praktisch identisch von der katholischen Kirche übernommen worden ist und an dem auch heute noch der eine oder andere fell- und schuppenfreie Gläubige festhält.
Sex aus purem Vergnügen ohne Fortpflanzungsabsicht ist spätestens seit der 68er-Revolution salonfähig geworden. Spass muss schliesslich sein, oder? Beim Sammeln dieser Anzeigen tauchten allerdings leichte Zweifel auf, ob es der Homo sapiens, befreit von Sinn und Zweck, auch nicht mehr zum Höhepunkt bringt. Dass ein kurz vor dem Vereinigungsakt stehendes, gut gebautes Paar ein klassischer Augenfänger ist, versteht sich. Dass ein solches Sujet aber zugleich für eine neue Kücheneinrichtung, Männerkleider und -parfüm werben muss, macht mich doch eher stutzig.
Vielleicht weckt ja der Gedanke an eine Kücheninstallation lustbetonte Gefühle von bislang ungeahnter erotischer Dimension. Zumal die Einnahme von Nahrung peroral als Ersatzhandlung für den Koitus und die Küche als Vorbereitungsplatz dafür als geeignet gilt. Und da Probieren über Studieren geht, nehm ich nächstes Mal den neuen Miele-Katalog in die Spielwiese mit. Fortsetzung folgt. Das garantieren Werber. Chandra Kurt
Spracbeobachter

Erste Halbzeit – die schönsten Szenen
Fussball wird auf dem Rasen gespielt und nirgendwo sonst.
Karl-Heinz Rummenigge
Der Ball ist rund. Wäre er eckig, wäre er ja ein Würfel.
Gyula Lorant
Ja, was soll man da sagen.
Max Merkel
Es hängt alles irgendwo zusammen. Sie können sich am Hintern ein Haar ausreissen, dann tränt das Auge.
Dettmar Cramer
Fussball ist Schwachsinn. Einzig dieser Begriff ist angemessen, um die ästhetischen, ideologischen, medizinischen und intellektuellen Unzulänglichkeiten des Fussballsports zu fassen.
Dirk Schümer
Manche Leute halten Fussball für eine Sache von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich kann Ihnen versichern, es ist sehr viel wichtiger als das!
Bill Shankley
Es gibt Leute, die denken so, und es gibt Leute, die denken so. Das ist immer so, wenn viele Leute zusammenkommen.
Toni Polster
Ich rede nicht viel, aber wenn ich den Mund aufmache, dann hören Sie meine Meinung.
Gerd Müller
Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser.
Franz Beckenbauer
Erich Ribbeck (über die aufgeladene Atmosphäre vor einem Länderspiel): Dies kann ein Nachteil oder ein Vorteil sein, sowohl für uns als auch für die gegnerische Mannschaft.
Christoph Daum (über die Grüppchenbildung im Team): Wir haben ungefähr 27 Gruppen im Kader. Wir treten an unter der Prämisse der Artenvielfalt.
Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen.
Erich Ribbeck
Heute haben die Spieler mehr Pressekontakte als Ballkontakte.
Gerd Niebaum
Ich bin jetzt seit 34 Jahren Trainer, da habe ich gelernt, dass zwei und zwei niemals vier ist.
Leo Beenhakker
Wer hinten steht, hat das Pech der Glücklosen.
Helmut Schulte
Resignation ist der Egoismus der Schwachen.
Jörg Berger
Kein Drama der Welt ist so übersichtlich wie ein Fussballspiel.
Marcel Reich-Ranicki
Ich hoffe, dass die Mannschaft auch in der zweiten Halbzeit eine runde Leistung zeigt, das würde die Leistung abrunden! Günter Netzer
Es steht 1:1, aber genauso gut könnte es umgekehrt stehen.
Heribert Fassbender
Beat Gloor www.textcontrol.ch
Kolumne

Werbe-Gen gefunden
Von Anna Esposito
Wieder mal teilt eine wissenschaftliche Entdeckung die Menschheit in zwei Hälften: Die einen habens, die anderen nicht: das Werbe-Gen. Nach der Entschlüsselung der Erbinformation 3234id79798xy34e steht fest: Wer diese Bausteine nicht besitzt, sieht die Werbedimension einfach nicht, ist sozusagen werbeimmun. Und somit wird alles einfacher. Was früher als latente Begabung bei allen vermutet wurde, siehe Fortpflanzung, beschränkt sich jetzt ganz klar auf eine bestimmte Gruppe. Vorbei das schier unmenschliche Zeitverlochen an einem Sitzungstisch, wo zwei Universen in Kontakt treten wollen mit Sätzen wie: «Diese 16. Promotion macht uns jetzt zur Marke.» Oder: «Was sollen wir mit einer Idee, wir wollen unser Produkt sehen.» Nun gibt es den handlichen DNS-Test, der verhindert, dass gemischte Gengruppen zusammen werben. Die einen scharen sich um das heilige Feuer des Konzepts, kaufen Vitrinen für die Ideen und fühlen sich gut. Die anderen füttern Rechner mit Daten, pflegen die reine Information und fühlen sich gut. Wer früher noch den Mumm hatte, für eine Idee Kreuzzüge zu entfesseln und Glaubenskriege zu gewinnen, soll doch eine Beiz auf- oder in Kunst machen.
Überzeugend werben, indem man den nummerischen Status quo ausserhalb der Werbung und die passenden brillanten Umsetzungen innerhalb der Werbung finden will, ist doch für den Sisyphus. Kreative Strategen, die den Spagat zwischen Werbern und Nichtwerbern ausgehalten, ja zur Königsdisziplin gemacht haben, gehen mit ihren Visionen am besten zum Arzt. Ihre Erfolgschancen waren und sind so häufig wie spontane Mutationen. Wer will schon gute Werbung erfinden? Die ist doch schon lange erfunden, da ist man sich doch einig. Entweder man hat die Kunden inklusive Werbe-Gen dazu oder nicht. Denn ohne Gen kein Empfang unter oben genannter Nummer.

Weko bremst BTM

Gossweiler Media AG startet dennoch mit Jungfrau-Zeitung

Gossweiler Media AG startet dennoch mit Jungfrau-ZeitungDie Wettbewerbskommission (Weko) prüft die Kooperation zwischen Berner Zeitung (BZ) und Berner Oberland Medien AG eingehender, was die Realisation des Projekts zumindest verzögert. Die Jungfrau-Zeitung von Urs Gossweiler hingegen wird trotzdem Anfang Oktober erscheinen.Die Verlagshäuser Schaer Thun AG und G. Maurer AG, Spiez, wollen die Berner Oberland Medien AG (BOM) gründen und ab November die Berner Oberland Zeitung (BOZ) herausgeben. Geplant sind zwei Regionalausgaben (Thuner Tagblatt und Berner Oberländer) mit redaktionell unabhängigen Lokalteilen. Der Mantelteil soll jedoch dank eines Kooperationsabkommens durch die Berner Zeitung (BZ) geliefert werden.
Dadurch würde die BZ-Auflage von derzeit 134000 Exemplaren auf rund 172000 Exemplare anwachsen. Die BZ ist derzeit zu 49 Prozent an Schaer Thun beteiligt, wäre aber nicht direkt im BOM-Verwaltungsrat vertreten (siehe WW 13/00). Wegen der neuen BOZ würden das Oberländische Volksblatt (OV) und die BZ-Oberland-Ausgabe verschwinden.
Die Weko ist nun zum Schluss gekommen, dass die BZ «durch die Zusammenarbeit die wirtschaftliche Kontrolle» über die zu gründende BOM übernähme. Zudem habe eine vorläufige Prüfung ergeben, «dass Anhaltspunkte für die Begründung einer marktbeherrschenden Stellung vorliegen», schreibt die Weko weiter.
Sie will nun bis zum 10. Oktober eingehender prüfen, ob dadurch auch «wirksamer Wettbewerb beseitigt, begründet oder verstärkt wird». Je nachdem was zutrifft, kann sie den Zusammenschluss untersagen oder diesen unter Auflagen oder Bedingungen zulassen.
Als Folge des Weko-Entscheides werden die an der BOM-Fusion beteiligten Zeitungen, Thuner Tagblatt und Berner Oberländer, das OV und die Oberlandausgabe der BZ, mindestens noch bis zum Frühjahr 2001 in eigenständiger Form erscheinen, sagte der designierte BOM-Geschäftsführer Konrad Maurer.
Kippt das Weko-Nein auch die Strategien der BTM?
Albert P. Stäheli, VR-Delegierter der BTM, war für die WerbeWoche nicht erreichbar. Doch die jetzige Situation stellt für die BTM einen herben Rückschlag dar. VR-Präsident Charles von Graffenried hatte schon klar gemacht, dass die BTM nach einem Weko-Njet zum Oberland-Projekt ihre gesamte Strategie neu würde überdenken müssen. Bei der BTM war man davon ausgegangen, dass die Kooperation mit der BOM auch als mögliches Modell in den Räumen Solothurn oder Freiburg dienen könnte.
Wird der Weko-Entscheid auch das Erscheinen der neuen Jungfrau Zeitung (JZ) der Gossweiler Media AG (WW 22/00) verzögern, immerhin kooperiert die JZ mit dem Echo von Grindelwald, das derzeit noch ein Kopfblatt des OV ist? JZ-Initiant Urs Gossweiler aber winkt ab: Die JZ werde wie vorgesehen am 6. Oktober erscheinen, und zwar mit dem Echo von Grindelwald als eines von drei Kopfblättern. Diesen Entscheid, den auch Echo-Verlagsleiter André Zbinden bestätigt, habe man kurzfristig über Pfingsten gefasst. Nicht ausgeschlossen sei, dass das Echo parallel dazu bis Ende Jahr auch noch als OV-Kopfblatt erscheine, sagte Gossweiler.
Dennoch kritisiert auch Gossweiler den Weko-Entscheid, denn dieser mache den JZ-Start mühsamer und teurer. Gossweiler, sonst ein Konkurrent der BZ, bricht diesmal eine Lanze für seinen mächtigen Kollegen von Graffenried. Die geplante Zusammenarbeit zwischen BZ und BOM werde eine Lücke hinterlassen, was die Lancierung der JZ und damit das Entstehen einer neuen lokalen Konkurrenz erst ermögliche, sagt er.
Doch das Schulterklopfen hat noch einen Grund: Gossweiler hat mit von Graffenried einen Deal ausgehandelt, über dessen Inhalt sich beide ausschweigen. Gossweiler spricht aber von «namhaften Zugeständnissen» der BTM, mit denen «die Rahmenbedingungen der JZ verbessert» würden – jedoch nur, falls die BOZ erscheinen darf.
Erhält die BOZ indes kein grünes Licht, werden auch die BTM-Zugeständnisse nichtig, was die Chancen für das JZ-Projekt verschlechtern würde, nur schon deshalb, weil dann – zumindest kurzfristig – drei Blätter im kleinen Berner-Oberland-Markt präsent sein werden. Weil sich nun Gossweiler mit seinem «Pfingstentscheid» selbst unter Erfolgszwang gesetzt hat, ist er daran interessiert, dass die BOZ bald starten darf.
Markus Knöpfli

Fredy irrt sich nie

Publicis stellt für Emmentaler eine neue Käsefalle auf

Publicis stellt für Emmentaler eine neue Käsefalle aufDer glaubhafteste Käseexperte der Welt erhält ab Montag auf allen Schweizer TV-Kanälen seine eigene Show: «Alles Käse oder was?» heisst das Spektakel, in dem eine weisse Maus namens Fredy die Zuschauer von der unnachahmlichen Qualität des Original-Emmentalers zu überzeugen versucht. Mit diesem von der Zürcher Agentur Publicis entwickelten Auftritt will die in Bern domizilierte Sortenorganisation und Promotorin Emmentaler Switzerland den Vormarsch ausländischer Käsekopien erschweren oder gar stoppen. Diese drängen auf den Schweizer Markt, seit das neue Landwirtschaftsgesetz in Kraft getreten ist. Ferner soll die TV-Show die Konsumbremse lösen, die die traditionelle Werbung vor allem bei einem jüngeren Publikum anziehen half. Emmentaler Switzerland investiert ungefähr dreimal mehr Geld in die Kommunikation als die Schweizerische Käseunion, die vor der neuen Landwirtschaftsordnung für die Absatzförderung des Originals, des Emmentaler Emmentalers, zuständig gewesen war. Seite 14

Gute Idee statt Verzweiflung

Wo finde ich in hektischen Zeiten einen idealen Freiberufler?

Wo finde ich in hektischen Zeiten einen idealen Freiberufler?Aus dieser Verzweiflung heraus hat Denise Eberle eine gute Idee entwickelt. Ihre zusammen mit Sonia Soutter neu gegründete Werbekraft GmbH vermittelt qualifizierte Freelancer im gesamten Bereich der Werbe- und Kommunikationsbranche. Eberle, die sich als ausgebildete Werbeassistentin während sechs Jahren in einer Agentur mit dem Problem der Freelancer-Rekrutierung herumgeschlagen hat, führt das Büro Nordwestschweiz in Pratteln. Soutter, die jahrelang Erfahrung als Personalfachfrau mit eidgenössischem Ausweis gesammelt hat, leitet das Büro Nordostschweiz von Werbekraft GmbH in Winterthur.
Vom Texter über die Grafikerin bis zum Stylisten, Konzepter, Illustrator, Übersetzerin oder Art Director werden Freelancer und Kunden im persönlichen Gespräch oder auch via Internet zusammengeführt. Unter www.werbekraft.ch kann von potenziellen Kunden ein Anforderungsprofil eingegeben werden. Interessierte Freelancer werden im Rahmen von ausgiebigen Interviews in die Kartei aufgenommen. Die beiden Frauen sorgen am Telefon dafür, dass Freelancer zu ihren Kunden gelangen. Sie sind zu erreichen unter den Nummern 061 823 80 76 oder 052 202 01 79. (pan)

«Pipilotti soll nicht mehr nach New York gehen müssen»

100 Jahre APG: Affichage-Chef Christian Kauter über Machbares in der Zukunft

100 Jahre APG: Affichage-Chef Christian Kauter über Machbares in der ZukunftIntegration der elektronischen Medien und Weiterentwicklung zum Contentprovider – das sind die wichtigsten Innovationen, mit denen die APG ins zweite Jahrhundert ihres Bestehens aufbricht. Doch auch im Ausland soll es laut Affichage-Chef Christian Kauter beschleunigt vorwärts gehen.Das wichtigste Glied der Affichage-Gruppe, die APG, geht ins 2. Jahrhundert. Was ist Ihre Vision für die Zukunft?
Christian Kauter: Wir wollen die Ersten sein, die ein Plakat auf dem Mond haben. Falls es so weit kommt. Bleiben wir aber vorerst auf dem Boden, denn auch hier tut sich Bahnbrechendes für uns. Das
21. Jahrhundert wird das der elektronischen Medien. Stichwort Big Screen. Mit dem Schritt dorthin begeben wir uns auf Neuland: Wir werden künftig auch Inhalte anbieten und die Werbung damit garnieren. Pipilotti muss nicht mehr nach New York gehen, um ihre Filme zu zeigen. Das soll künftig auch in Zürich, Bern oder Basel möglich sein.
Wann wird das ersehnte Stückchen Times Square oder Picadilly Circus bei uns Wirklichkeit?
Kauter: Wir arbeiten an den Details für einen Pilot im Zürcher Hauptbahnhof. Wenn alles rund läuft, werden wir noch in diesem Jahr einen 60 bis 80 Quadratmeter grossen Big Screen in Betrieb nehmen. Nach einer Testphase hoffen wir dann, das System im Markt anbieten zu können.
Zürich ist aber nicht New York und die Schweiz nicht Amerika. Bei uns ist alles enger, die räumlichen Möglichkeiten in Bahnhöfen und auf Plätzen sind begrenzt. Was wird anders bei uns?
Kauter: Wir haben in der Schweiz sechs Bahnhöfe mit Besucherfrequenzen, für die der Einsatz von Big Screens Sinn macht: Zürich, Bern, Basel, St. Gallen, Lausanne und Genf. Ausserhalb der Bahnhöfe wird es bereits eng. Beim Zürcher Paradeplatz zum Beispiel gibt es kaum Möglichkeiten für einen Big Screen. Das zwingt uns, innovativ zu sein und nach massgeschneiderten eigenen Lösungen zu suchen.
Wie könnten die aussehen?
Kauter: Ein einziger grosser Screen etwa in der Bahnhofhalle bringt keine hinreichende Kontaktqualität. Zur Ergänzung sind diverse kleinere Screens nötig, verteilt auf die Perrons und andere gut frequentierte Passagen im Bahnbereich. Das Ziel ist: Kein Bahnhofbenützer soll an unserem neuen elektronischen Werbe- und Informationssystem vorbeikommen. In einem weiteren Schritt überlegen wir uns sogar, öffentliche Busse in der Schweiz mit kleinen Screens auszustatten.
Die Zürcher Oberländer Verkehrsbetriebe fahren damit bereits seit längerem. Mit magerem Erfolg. Welche Verbesserungen planen Sie?
Kauter: Das System in den Oberländer Verkehrsbetrieben ist zu wenig aktuell. Das hat zum Teil mit der Technik zu tun: Die Geräte in den Bussen werden von Kassetten gespeist. Ein elektronisches Medium muss man heutzutage online betreiben. An diesem Schritt arbeiten wir.
Mit der Hinwendung zu den elektronischen Medien stellt sich die Affichage-Gruppe einer weiteren neuen Herausforderung: Neben Werbebotschaften sollen künftig auch Inhalte transportiert werden. Machen Sie diese selber oder suchen Sie dafür Partnerschaften?
Kauter: Da sind wir uns jetzt am Vortasten. Klar ist: Die Inhalte müssen spezifisch lokalen Charakter haben. Das heisst, wir brauchen Partner mit Kompetenz im regionalen und lokalen Raum.
Lokal-TV-Sender könnten etwa Partner der Affichage werden?
Kauter: Das schliesse ich nicht aus. In der jetzigen Phase müssen wir das Visier ganz weit offen haben, was mögliche Partnerschaften anbetrifft.
Das System Big Screen ist eine riesige Investition und wird auch im Betrieb sehr teuer sein.
Kauter: Wir sehen Investitionen in Big Screen im Umfang von rund zehn Millionen Franken vor, ein Betrag, der sich nicht so schnell wird abschreiben lassen. Das neue Produkt ist heute noch relativ teuer, was sich aber ändern wird, wenn wir in die Massenproduktion gehen.
Nicht nur mit den Big Screens wird die Affichage-Gruppe im öffentlichen Raum neue Akzente setzen. Auch sonst soll die Rolle als Stadtgestalter weiter gepflegt werden. Telefonkabinen, Tram- und Buswartehallen oder WC-Häuschen gibt es schon. Was kommt jetzt?
Kauter: Auch in Zukunft werden wir uns auf Stadtmobiliarien konzentrieren. Weitere sind denkbar, etwa Abfallkübel oder Bike-Trees, die wir schnell realisieren könnten. Eine andere Möglichkeit, die im Ausland bereits praktiziert wird: ganze Kioske erstellen.
Wollen Sie der Kiosk AG Konkurrenz machen?
Kauter: Selbstverständlich nicht. Wenn wir uns beim Kioskbau engagieren würden, dann in Zusammenarbeit mit der Kiosk AG. Unsere Aufgabe würde sich dabei auf das Aufstellen der Gebäulichkeiten und auf die werbetechnischen Aspekte beschränken.
Künftig soll das Unternehmen vor allem im Ausland wachsen. Der Einstieg bei Europlakat hat bis jetzt vor allem Geld gekostet. Und die Liaison mit dem anderen grossen Player, Decaux, ist von der Wettbewerbskommission blockiert. Wann wollen Sie im Ausland Geld verdienen?
Kauter: Die Zusammenarbeit mit Europlakat brauchte eine bestimmte Anlaufzeit. Doch jetzt geht es steil nach oben: Allein seit Anfang Jahr haben die Umsätze um 25 Prozent zugenommen, und für die kommenden Monate erwarte ich einen weiteren Wachstumsschub. Mit Europlakat sind wir im osteuropäischen Raum in verschiedenen Ländern die Nummer eins. Mit Decaux verfügen wir zudem über einen Aktionär, der als weltweit tätiges Unternehmen ein riesiges Know-how besitzt. Das ist wesentlich für unsere Auslandstrategie. Bis zum Entscheid der Wettbewerbskommission, der im Herbst erfolgen soll, sind wir aber blockiert.
Eine andere Wachstumsmöglichkeit könnte die Kombination von Plakat und Lokalradio sein. Ihre Konkurrentin Plakanda hat diesen Schritt mit dem Einstieg bei der Westschweizer Station Radio One bereits getan. Hegen Sie ähnliche Pläne?
Kauter: Bei uns in der kleinräumigen Schweiz sind die Verhältnisse ganz anders. Das wichtigste Hindernis: Die einzelnen Lokalradios haben nur kleine Empfangsgebiete. Wir müssten viel zu viele Stationen aufkaufen, damit das Ganze Sinn machen würde. Bereits heute können Mediaagenturen auf Wunsch Werbekombis mit Plakat und Radio schnüren.
Interview: Daniel Schifferle

Dumme Frauen kaufen gerne ein

US-Magazine und -TV-Stationen haben die Errungenschaften des Feminismus rückgängig gemacht

US-Magazine und -TV-Stationen haben die Errungenschaften des Feminismus rückgängig gemachtVon Thérèse Balduzzi Amerikanische Frauen werden zurzeit mit einer Fülle von Medien- und Marketingangeboten umworben, die vorgeben, speziell auf die Bedürfnisse der modernen, berufstätigen Frau zugeschnitten zu sein. Websites, Fernsehsendungen, sogar ganze Kabelsender richten sich spezifisch an Frauen. Bei Lichte besehen fällt das Angebot enttäuschend aus.
Unter grosser Medienbeachtung wurde kürzlich der Kabelsender Oxygen lanciert. Oxygen Media kombiniert eine Kabelfernsehstation und ein Internetnetwork zu einem Unterhaltungs- und Marketingkonglomerat, das sich an «moderne» Frauen richtet. Der Sender enthält ein Sportprogramm, Yoga, eine Comedy-serie, einen Trickfilm mit dem Titel «X-Chromosome», eine Talkshow mit Candice Bergen und Freitagabend eine Pyjamaparty mit weiblichen Prominenten.
Praktische Anleitungen erfährt das Publikum durch die zwölfteilige Serie «Oprah goes Online», in der der Talkshow-Königin das Internet von einem Beau namens Omar erklärt wird. Finanzielle Beratung für Frauen bieten die Sendung «Money, Business & Career» von Ka-Ching und Webpages mit Titeln wie SheCommerce, eine «virtuelle Shopping-Tour, die den Frauen hilft, bessere Konsumentinnen zu sein».
Oxygen wurde von Geraldine Laybourne, ehemalige Präsidentin von Disney/ABC Cable Network, konzipiert und mit mächtigen Partnern wie Oprah Winfreys Harpo Entertainment Group, America Online und den TV-Produzenten Marcy Carsey, Tom Werner und Caryn Mandabach hergestellt. Das Budget beträgt 400 Millionen Dollar.
Oxygen ist das grösste neue Marketingunternehmen, das sich an das weibliche Publikum richtet. Die Websites iVillage.com und Women.com folgen ähnlichen Mustern und bieten Unterhaltung und Ratgeber für Fragen zu Karriere, Familie, persönlichen Beziehungen, Finanzen und Körperpflege.
Sie stehen vor dem Hintergrund einer erstaunlichen Fülle von Medienprodukten, die spezifisch an ein weibliches Publikum vermarktet werden: Fernsehserien wie «Ally McBeal», Talkshows wie «The View», Hollywoodfilme wie Diane Keatons neue Komödie «Hanging Up» und Bücher wie die Kassenschlager «The Girl’s Guide to Hunting and Fishing» von Melissa Bank und «Bridget Jones’s Diary» von Helen Fielding. Dazu gesellen sich der ältere Frauenkabelsender Lifetime, die unzähligen Daytime-Talkshows und die zahlreichen Frauenzeitschriften, die sich alle Jahre wieder mit neuem Facelifting präsentieren.
Pseudofeministische Medienprodukte
Die neuen Medienangebote werden als Antwort auf den lang gehegten Wunsch auf spezielle Beachtung für das komplizierte moderne Leben der berufstätigen Frauen und Mütter dargestellt: «Wir mussten lange darauf warten. Jetzt gibts einen Ort, wo Frauen nicht nur lesen können, wie sie das Beste aus ihrem Leben machen, sondern sich auch gegenseitig helfen können, dieses Ziel zu erreichen», lautet der Willkommensspruch von Chefredaktorin und Mitbegründerin von iVillage.com Nancy Evans.
Der Spot zur Website legt nahe, dass Frauen sich nach einem anstrengenden Tag, an dem sie den beruflichen und familiären Ansprüchen gerecht zu werden versuchten, endlich in vertrauter Umgebung entspannen können, wo sie verstanden werden.
Doch die Realität ist enttäuschend: Die Themen auf iVillage.com bewegen sich von Astrologie, Diäten, Falten, Schwangerschaften, Gesundheit, zu Beziehungen, Shopping, Reisen, Arbeit und Geld. Zeitmanagement für die chronisch überarbeitete Frau läuft unter dem Titel «Finden Sie mehr Zeit für ihre Familie». Die Artikel sind kurz und belanglos. «Schnelle Lösungen für Ihre Beauty-Dilemmas» verspricht ein Link. Ein Artikel offeriert Kochtipps für die (vermutlich männlichen) Footballfans im Haus.
Modern an diesem Konzept ist nur die Tatsache, dass zu diesen abgeklatschten Themen eine Computerrubrik gehört. Doch diese dient wahrscheinlich nur dazu, die Besucherinnen zu ermuntern, möglichst bald auf eines der farbig leuchtenden Werbelinks für Shoppingsites zu klicken. Ein Besuch der Website Women.com ist nichts anderes als ein virtueller Gang durch die Shopping Mall.
Das neue morgendliche Fernsehmagazin «The View» auf ABC wurde von Starjournalistin Barbara Walters ins Leben gerufen. «Ich hatte diese Idee zu den verschiedenen Frauen mit verschiedenen Sichtweisen, manchmal etwas zu verschieden», sagt sie im Vorspann. Die Sendung präsentiert sich als Kaffeeklatsch von vier Frauen, von denen politisch korrekt zwei weiss, eine schwarz und eine asiatisch sind.
Im lockeren Plauderton werden Fragen der Erziehung, Kosmetik, Mode und Moral besprochen. So erzählt beispielsweise anfangs die Präsentatorin Meredith Vieira, eines ihrer Kinder hätte vorgegeben, krank zu sein, um nicht in die Schule zu müssen, was man da als Mutter tun soll. Während der perfekt inszenierten Kaffeerunde tauchen immer wieder Gäste auf wie der Gesundheitsguru Andrew Weil, die gegenwärtige Freundin von Playboygründer Hugh Hefner oder eine unbekannte Sängerin.
Noch offensichtlicher als in anderen Talkshows entpuppen sich die einzelnen Segmente als reine Werberunden für Bücher, CDs, Kosmetika, die neuesten Pflegeprodukte für Säuglinge.
Spezialrabatte fürs Shoppen
im Internet
Das plötzliche Interesse für die vermeintlichen Bedürfnisse der Frauen entspringt nicht der Nächstenliebe, sondern der Marktforschung, die ergibt, dass der Anteil der Frauen unter den Konsumenten am Wachsen ist, vor allem auch der Konsumenten, die übers Internet einkaufen.
Das Internetshopping wird in Amerika mit Kräften gefördert: Kampagnen für Websites haben in jüngster Zeit einen grossen Anteil der Werbezeit und -flächen in Zeitschriften- und Fernsehwerbungen erobert. Supermärkte und Drugstores offerieren neben Vergünstigungen durch Kundenkarten neuerdings auch zusätzliche Rabatte, die nur über Websites erlangt werden können.
Noch ärgerlicher ist, dass hinter den pseudofeministischen Angeboten oft erfolgreiche Frauen stehen, die ohne die feministischen Bemühungen ihrer Vormütter kaum einen solchen beruflichen Aufstieg erlebt hätten. Selbst offensichtlich vom Profitdenken geleitete Marketingunternehmen könnten frecher und ehrlicher daher kommen.
Shoppen als Ersatzhandlung für gestresste Frauen
Seit Mitte der Neunzigerjahre sind zahlreiche feministische Errungenschaften stillschweigend wieder rückgängig gemacht worden. Gleicher Lohn für Frauen ist nach wie vor ein Fernziel, mit dem Unterschied, dass es nicht mehr Mode ist, darüber zu reden. Affirmative-Action-Regelungen, die gesetzlichen Massnahmen, die der Benachteiligung von Frauen und Minderheiten Abhilfe leisten sollten, wurden nach und nach abgeschafft oder verwässert.
Der viel besungene wirtschaftliche Aufschwung hat die Arbeitslosigkeit zwar praktisch beseitigt, allerdings zum Preis, dass unzählige Amerikaner gleichzeitig mehrere dieser zahlreichen, neu entstandenen Jobs ausführen müssen, um überleben zu können. Wie so oft trifft diese Entwicklung überproportional Frauen. Gleichzeitig sind Kinderhorte Mangelware und Frauen mit der Organisation ihres Alltags allzu oft völlig im Stich gelassen.
Brisante und aktuelle Themenbereiche über die Mühsal der Frauen, Beruf und Familie zu verbinden, abgekämpft zu sein und zu wenig Zeit für sich und ihre Familien zu haben, werden in der ganzen Palette von Frauenmedien kaum noch mit einem Wort gewürdigt.
Errungenschaften des Feminismus klanglos gekippt
Die Zeitschriftenlandschaft spiegelt diesen Backlash wider: Anfang der Neunzigerjahre vermittelten zahlreiche Frauenzeitschriften immerhin eine Lightversion von Feminismus. Ging es um Kosmetik oder Sex, wurde das Wohlbefinden der Frauen ins Zentrum gestellt.
Mittlerweile bewegen sich die Schlagzeilen wieder wie gehabt im Stil der «Zehn Sex-Tricks, die Ihren Mann um mehr betteln lassen werden». Die Zeitschrift Glamour, die lange einen mainstreamfähigen feministischen Grundton vermittelte, enthielt bis vor eineinhalb Jahren die Kolumne Frauen in Washington, in der politische Entscheidungen, die die Situation der Frauen betreffen, besprochen wurden.
Glamour brachte auch Artikel über den Notstand der Kinderhorte und Affirmative Action. Mittlerweile ist die politische Kolumne verschwunden und durch eine astrologische ersetzt worden. Cosmopolitan und Marie Claire haben ähnliche Wandlungen durchgemacht. Allure, ein Condé-Nast-Heft, das 1991 lanciert wurde, versuchte, Kosmetik und Mode in einem intelligenten Rahmen zu besprechen, und lud hochkarätige Autoren wie John Updike ein. Mittlerweile geht es auch darin nur um Make-Up und Celebrities. Das Niveau ist gesunken, die Auflage gestiegen.
Hollywood nährt die Farce
von der erfolgreichen Frau
Die Farce, mit der vorgegeben wird, auf die Interessen und Probleme der Frauen einzugehen, um sie zum Kauf unnötiger Produkte anzuspornen, ist nicht nur zynisch, sondern auch reaktionär: Je mehr Angebote speziell für Frauen gestaltet werden, desto mehr werden die schlimmsten Stereotypen und Vorurteile reproduziert: Warum braucht Oprah zwölf Lektionen, um aufs Internet zu können? Warum muss sie sich die Schritte dazu von einem Mann erklären lassen und nicht beispielsweise von einer jungen College-Studentin?
Die erfolgreichen Fernsehserien «Ally McBeal» und «Sex in the City», die junge, ambitionierte Frauen darstellen, geben sich modern, indem sie ihre Protagonistinnen offen über Sex sprechen lassen. Doch gleichzeitig interessieren sich die selbstständigen, berufstätigen Frauen nur für eins: Heiraten.
Auch in den Filmen auf Lifetime, einem Unterhaltungssender für Frauen, werden die übelsten weiblichen Stereotypen reproduziert: Die herzlose, ältere Verführerin junger männlicher Unschuld ist dabei noch das Erfrischendste. Meistens handelt es sich um Geschichten von Frauen, die sich mit einem Betrüger eingelassen haben, der nichts anderes will, als sie so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen, um an die Lebensversicherung, die Schwester oder die beste Freundin ranzukommen. Und Hollywood dagegen setzt auf Märchenprinzengeschichten und Familiensentimentalität.
Das Angebot an Magazinen und TV-Sendungen ist letztlich so deprimierend wie beleidigend, dass Frauen nur zwei Möglichkeiten übrigbleiben: auf eine einsame Insel abhauen oder Frustkäufe tätigen. Aber genau darin besteht die Absicht.

Edipresse beteiligt sich an Star-TV.

Das Westschweizer Verlagshaus Edipresse beteiligt sich mit 30 Prozent am Zürcher Spartensender Star-TV und will damit die Ausbauvorhaben von Star-TV forcieren.

Das Westschweizer Verlagshaus Edipresse beteiligt sich mit 30 Prozent am Zürcher Spartensender Star-TV und will damit die Ausbauvorhaben von Star-TV forcieren. Das welsche Programmfenster wird zu einem eigenen Kanal ausgebaut. Durch die starke Stellung von Edipresse im Ausland werden laut einem Communiqué die Expansionspläne von Star-TV auf eine solide Basis gestellt. Wenn der Bundesrat den Handel bewilligt, hält Gründer und Geschäftsleiter Paul Grau noch 50 Prozent von Star-TV. Ex-Werber Walter Bosch baut seinen Anteil von 10 auf 20 Prozent aus. Nicht mehr beteiligt ist die Filmproduktionsfirma Kings Road Entertainment, Los Angeles.STEAKHOLDER VALUE. «Momoll… Da bin ich auch dabei, wenn es um eine Genussaktie mit Kult(ur)value geht», heisst es im Lead zu einem verführerischen Coupon, mit dem Daniel E. Eggli Aktionäre für sein Salz & Pfefferland sucht. Der Flyer wurde gestaltet von der Werbeagentur JWT + Hostettler + Fabrikant. Für die Kapitalerhöhung will Eggli 100 neue Aktien zu 5000 Franken in den freien Verkauf bringen. Nach Jahren des Aufbaus «könnte es sich lohnen, Aktien dieses Pionierunternehmens ins grosse Portfeuille zu legen», verspricht Eggli, der sich finanziell momentan sicher fühlt und im Prospekt Ausbaupläne ankündigt, von Kochbüchern über den Cybermarkt bis zum Markt von Messen & Events, wo das gepfefferte Unternmehmen schon heute 20 Prozent seines Erlöses erwirtschaftet.
NZZ plant und plant und plant eine neue beilage. Der bisherige Zürcher Wochenkalender, er liegt der NZZ freitags bei, soll ab Herbst zu einem nationalen Veranstaltungskalender ausgebaut werden, weiss die WerbeWoche. NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan bestätigte und dementierte nichts und sagte nur, es sei bekannt, dass die NZZ bereits seit Jahren an einem neuen Veranstaltungskalender arbeite.
Boxenstopp für City-Kombi. Der Verwaltungsrat der Tagblatt der Stadt Zürich AG, Herausgeberin des Zürich Express (ZE), hat bis 15. Juli eine Verhandlungspause für das mit Basler und Berner Gratistiteln geplante City-Kombi verordnet. Bisher konnten weder die Basler Mediengruppe noch die Berner-Tagblatt-Medien Nullnummern ihrer Pendlerzeitungsprojekte vorlegen. Zudem sind sich die ZE-Aktionäre NZZ und TA-Media uneins, ob der Kombipartner in Bern allenfalls auch Bund (mit Anzeiger Region Bern) heissen soll – und darf.
Comm in vor Relaunch und Neupositionierung. Die Fédération Romande de Publicité et de Communication (FRP) will das Magazin Comm in vom Verband abkoppeln. Das Organ der FRP soll stärker kommerzialisiert und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Der FRP wird in einer zu gründenden GmbH ein Mehrheitsrecht zugesichert, damit sie die Entwicklung von Comm in mitbestimmen kann.
Zwei neue Gratiszeitungen für Zürich. In der Region Zürich ist seit drei Monaten eine neue Gratiszeitung mit dem Titel Zürich Ost Anzeiger, einem Verbreitungsgebiet von Kloten bis Rüti und einer Auflage von 58000 Exemplaren auf dem Markt. Ein Zürich West Anzeiger soll im Herbst erscheinen. Initiant beider Blätter ist Peter Leutenegger, ein Newcomer in der Verlegergilde.
BELLE EPOQUE IN PARIS. Plakate aus dem Paris vor der Wende zum 20. Jahrhundert zeigt der Plakatraum gegenüber dem Museum für Gestaltung an der Limmatstrasse 57 in Zürich. Die Plakate dieser Belle Epoque widerspiegeln eine Gesellschaft, die Konsum, den technischen Fortschritt und das Glück der Massen als höchste Ideale feierte.Vor allem das Bild der Frau als Objekt der Begierde, das sich seinen Weg in die Werbung bahnte und für jeden erdenklichen Zweck eingesetzt wurde. Die Ausstellung dauert vom 20. Juni bis 15. September.
GENF VERBIETET TABAK- UND ALKOHOLWERBUNG. Im Kanton Genf darf laut Grossratsbeschluss nicht mehr auf Plakaten für Tabak und Alkohol geworben werden. Das Verbot beschränkt sich auf Getränke mit über 15 Prozent Alkohol. Plakatgesellschaften haben zwei Jahre Zeit, sich darauf vorzubereiten. Die Schweizer Werbung (SW) kritisierte den Entscheid in einem Communiqué. SW-Kommunikationsleiter Piero Schäfer sagte der WerbeWoche, das Verbot sei eine «heuchlerische Angelegenheit»: Die einheimische Weinproduktion wurde von der 15-Prozent-Regel ausgenommen.
Ringier übernimmt Westschweizer Internetfirma. Der Medienkonzern Ringier übernimmt die Internetfirma Fastnet im waadtländischen St-Sulpice zu 100 Prozent. Fastnet bietet Internetzugang, Webhosting und E-Commerce-Lösungen. Fastnet arbeitet bereits mit Webdo.ch zusammen, der Internetplattform von Ringier Romandie.

BRACHLIEGENDE FLÄCHEN. Neben immer gleichen Produkteinfos auf Fruchtsäften und anderen Tetrapackungen kann bei Tetra Medien ab sofort und in Millionenauflage Werbung geschaltet werden. Möglich ist auch Werbung über die Rückseite einer Packung. Mehr über Tetra weiss Telefon 032 685 04 75.
GERINGE SCHWEIZER AUSBEUTE AM ADCE-AWARD. 278 Beiträge, von den Mitgliedsverbänden des Art Direcors Club of Europe (ADCE) ausgezeichnet, bewarben sich Pfingstsamstag um die Best of European Design and Advertising Awards 2000. Die Jury nominierte 37 Arbeiten. Sechs davon gewannen Gold und eine – der britische TV-Spot Surfer von Abbot Mead Vickers für Guinness – den Grand Prix. Für die Schweiz gabs wenig Preise. Zwar hielt sie mit 50 Beiträgen den Rekord und stellte in den Kategorien Print und Poster je ein Drittel der Einreichungen. Dort reichte es aber nur für eine Nominierung (für die Landminenkampagne von McCann-Erickson, Genf). Jurymitglied Uwe Schlupp, AD bei Publicis, Zürich, erklärte dies mit den strengen Kriterien, die andere Länder anlegten. In anderen Kategorien hatte die Schweiz mehr Glück: Nominiert wurden Guye & Partner mit einem SSR-Mailing und Studio Achermann mit den Geschäftsberichten für Migros und Bon Appétit.
Editorial

Sicher ist nur das Nichts
Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendwo ein Werbefestival zu einer Award-Show einlädt und mit dem Glamourfaktor die Branche ködert. Um in Kreativrankings den ersten Platz zu ergattern, betreiben Agenturen einen enormen finanziellen und zeitlichen Aufwand. Diese Festivals leben vom Narzismus der Werber. Wenn es darum geht, sich seine kreative Expertise durch Awards vergolden zu lassen, scheint vielen Werbern keine Mühe zu gross. Ihre Selbstverliebtheit ruft immer mehr Veranstalter auf den Plan, die mit immer spezialisierteren Angeboten im Markt der Wettbewerbe Geld machen wollen. Grossagenturen lassen für die Teilnahme an diesen Nabelschauen locker einige Hunderttausend Franken jährlich liegen …
Jenseits dieser Awardinflation präsentiert sich das International Advertising Festival (IAF) heuer zum
47. Mal als sicherer Wert im unübersichtlichen Meer der Kreativwettbewerbe. Vom 19. bis 24. Juni ist Cannes wieder der unbestrittene Nabel der Werbewelt. Das Kreativfestival an der Côte d’Azur ist der wichtigste Anlass der Kommunikationsbranche, Cannes-Löwen sind die begehrtesten Werbetrophäen überhaupt.
Zuversichtlicher als auch schon reisen die hiesigen Kommunikationsprofis dieses Jahr nach Südfrankreich: Mit 399 Arbeiten hat die Zahl der Schweizer Einreichungen einen neuen Rekord erreicht. In der Kategorie Press & Poster stieg die Beteiligung um 68 Prozent auf
255 Arbeiten, und beim Film verdoppelte sie sich gar auf 120. Relativiert werden diese Zahlen, wenn man in Betracht zieht, dass der ADC Schweiz heuer nur gerade zehn wegweisende Arbeiten auszeichnete und in der Kategorie Film lediglich einmal Silber verlieh (für den Eschenmoser-Spot von Wirz). Noch rigoroser selektionierte der ADC of Europe: Von den
278 Arbeiten, die seine Mitgliederverbände einreichten, wurden sechs mit Gold und eine mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Da darf man also gespannt sein, wie die international zusammengesetzten Jurys entscheiden werden. Denn «sicher ist in Cannes nur», wie es Press-&-Poster-Jury-Mitglied Frank Bodin im Gespräch auf Seite 49 ausdrückt, «dass nichts sicher ist».
Samuel Helbling

«D Friburgera» muss expandieren

Der neue FN-Chefredaktor Marcel Waeber rüstet für eine (Zeitungs-)Schlacht bei Murten

Der neue FN-Chefredaktor Marcel Waeber rüstet für eine (Zeitungs-)Schlacht bei MurtenVon Christophe Büchi Die Freiburger Nachrichten werden von der Berner Zeitung hart bedrängt. In dieser Lage gibt es für die deutschsprachige Tageszeitung des Kantons Freiburg nur eins: noch professioneller werden. Mit einem neuen Chefredaktor wollen die Freiburger dem Berner «Panzergeneral» und Medienboss von Graffenried Einhalt gebieten.
«D Friburgera», wie die Freiburger Nachrichten (FN) von ihren Lesern liebevoll genannt wird, hat einen neuen Chef. Der
58-jährige Marcel Waeber löst den bisherigen Chefredaktor Walter Buchs ab, der ins Glied zurücktritt. Waeber ist für den neuen Job wie geschaffen: als waschechter Deutschfreiburger, der jahrelang beim Tages-Anzeiger gedient hat, bringt er einen hundertprozentig freiburgischen «Pedigree» mit, ist aber auch in der Welt herumgekommen. Als Aviatikspezialist hat er keine Angst vor Bruchlandungen, und als Bergsteiger ist er sich an Gratwanderungen gewöhnt: gute Voraussetzungen für den neuen Job.
Der gestandene Dienstredaktor wurde, wie andere Jahrgänger auch, von der TA-Media im Zeichen des (vom Freiburger Roger de Weck initiierten) Jugendkults vorzeitig zum «freiwilligen» Ruhestand gedrängt. Dies geschah natürlich ganz auf Tagi-Art, mit Honigbrot statt mit Peitsche: die Konditionen waren einfach so gut, dass man nicht Nein sagen konnte. Der Frühpensionierte hatte aber keine Lust, aufs Altenteil zu gehen. Am 30. April hatte er beim Tagi den letzten, am 1. Mai bei den Freiburger Nachrichten den ersten Arbeitstag – und dies am Tag der Arbeit, für viele Schweizer ein Tag ohne Arbeit.
Wird der Schnauf
wohl reichen?
Bei den FN wartet Arbeit auf Waeber. Die einzige Tageszeitung des deutschsprachigen Kantonsteils kommt zwar in ihrem Einzugsgebiet – Sensebezirk (um Tafers und Düdingen), Seebezirk (Murten) und ein Teil der Stadt Freiburg – auf eine Reichweite von 53 Prozent. Aber mit einer Auflage von nur 16900 Exemplaren ist sie an der unteren Grenze des für eine Tageszeitung Lebensnotwendigen.
Zwar bezieht sie ihre nationalen und internationalen Seiten von der Solothurner Zeitung, so dass sie sich ganz auf die lokale und regionale Berichterstattung konzentrieren kann. Dies erlaubte ihr in den letzten Jahren, rentabel zu arbeiten und ihren Aktionären regelmässig eine Dividende – und ein gutes Essen inklusive Trinken – zu servieren. Dennoch operiert die Zeitung in einer Zitterzone, in der die Luft sehr dünn ist. Kein Wunder, dass im schönen Freiburgerland immer wieder die Frage gestellt wird, wie lange es dauert, bis der «Friburgera» der Schnauf ausgehe.
Kommt hinzu, dass das Freiburgerland längst nicht mehr ein eingezäuntes Gärtchen ist. «Mach us üsserm Ländli, i de Not äs Wändli», heisst es im Senslerlied: aber das Wändli gibt es nicht mehr. So wurden die Blumenbeete im Garten der FN in den letzten Jahren mehr und mehr von einem Bären aus der Nachbarschaft plattgedrückt. Die Berner Zeitung BZ, von der die Rede ist, hält sich seit längerem eine eigene Freiburger Redaktion, die bis zu drei Seiten täglich produziert.
Der BZ kommt die sozioökonomische Entwicklung zugute. So ist das reformierte Murtenbiet historisch stark mit Bern verbunden. Zudem verwächst Deutschfreiburg immer mehr mit der Region Bern – eine Entwicklung, die durch den Bau der Autobahn A 1 über Murten und Payerne noch beschleunigt wird.
Die Berner stehen einfach früher auf
Die Berner Zeitung hat natürlich einen anderen Tiger im Tank als die FN. So ist die BZ in Murten schon frühmorgens bei den Abonnenten, während die FN erst mit der Post kommt. Auch ist die BZ natürlich einiges umfangreicher als die FN.
Wie kann sich der kleine Freiburger David gegen den Berner Goliath behaupten? Für Chefredaktor Marcel Waeber gibts nur eins: «Wir müssen noch professioneller werden.» Dies bedeutet unter anderem, dass die Zeitung leserfreundlicher werden solle: «Wir waren lange Zeit sehr textlastig. Ich will mindestens 25 Prozent Bildanteil.» Vor allem aber: Die Regionalberichterstattung muss noch dichter werden, und dies zuerst im Seebezirk. Nicht umsonst unterhält die FN heute eine eigene Redaktionsstelle in Murten.
Kommt es zur Neuauflage der Schlacht bei Murten?
In der Tat wird die Schlacht zwischen FN und BZ wahrscheinlich in Murten und Region entschieden. Die Freiburger, die hier einst zusammen mit den Bernern den Burgunderherzog Karl den Kühnen bezwangen, geben die neue Schlacht von Murten gegen die Truppen des Berner «Panzergenerals» von Graffenried noch nicht verloren. Gewiss, ein erstes Scharmützel ging letztes Jahr zu Gunsten der BZ aus: Die Berner schnappten sich den zweimal wöchentlich erscheinenden Murtenbieter, den die FN auch gerne gehabt hätte. Aber die Freiburger trösten sich mit der Devise: «Nous avons perdu une bataille, non pas la guerre.»
«Beweisen, dass wir den
Preis wert sind»
Waeber wie auch Verlagsdirektor Paul Stritt sind jedenfalls überzeugt, dass die FN in ihrem Einzugsgebiet sich nicht nur behaupten, sondern sogar etwas wachsen kann. Am Donnerstag erscheint «d Friburgera» ja bereits in einer Grossauflage, die ingesamt 56000 Leser erreicht. Auch hat sich das einstige CVP-Blatt in den letzten Jahren zur politisch und konfessionell offenen und ökumenischen Forumszeitung gewandelt, was die Absatzchancen erhöht. Und vielleicht können die Freiburger sogar im nahen bernischen Grenzgebiet etwas grasen. Nicht umsonst führt die FN eine Rubrik «Bernische Nachbarschaft» – wie Du mir, so ich Dir!
Aber ist das Blatt mit 16900 Exemplaren Auflage und 38000 Lesern auch bei einem kleinen Wachstum nicht einfach zu klein? Marcel Waeber zur WerbeWoche: «Die Auflage ist nicht alles. Ich bin überzeugt, dass wir Zukunft haben. Aber wir müssen natürlich beweisen, dass wir unseren Preis wert sind.» Die beiden Vorgänger Waebers auf dem FN-Chefredaktorenstuhl waren Quereinsteiger: Waeber ist der erste «in der Wolle gefärbte Journalist» – ein Zeichen der Zeit!
Ungleiche SchwesternDer zweisprachige Kanton Freiburg ist in der glücklichen Lage, zwei Tageszeitungen zu besitzen: La Liberté für den welschen Kantonsteil und die Freiburger Nachrichten für Deutschfreiburg. Beide werden in der von Klosterfrauen betriebenen Paulus-Druckerei in Freiburg gedruckt. Die Redaktionen liegen auf dem gleichen Stockwerk. Doch gibt es da eine kleine Subtilität, denn der rechtliche Status der beiden Schwesterzeitungen ist nicht derselbe. Während La Liberté dem Paulus-Verlag direkt gehört, werden die FN von einer Aktiengesellschaft herausgegeben, die früher vor allem die Deutschfreiburger CVP-Kreise und heute ein breites Spektrum Deutschfreiburgs repräsentiert. Der Paulus-Verlag ist im Fall der FN also nur Mandant und Drucker.

Schwimmende Jobbörse

Was haben Bundesräte, Kindergärtner und Verlagsfachleute gemeinsam?

Was haben Bundesräte, Kindergärtner und Verlagsfachleute gemeinsam?Shortlist
Von Andreas Panzeri
Sie mögen im Sommer eine möglichst gesellige Schulreise unternehmen. Am Freitag vor Pfingsten trafen sich aktive und passive Mitglieder der Vereinigung Schweizerischer Verlagsfachleute (VSV) sowie ehemalige und längst schon diplomierte Absolventen des Fachkurses des VSV zur traditionellen Bootsfahrt auf dem Zürichsee. «Es ist allerdings fast schade um diese schöne Fahrt, denn kein Mensch schaut sich die Landschaft an. Es wird nur geschnorrt und geschnorrt», meinte Vorstandsmitglied Ueli Custer vor knallblauem Himmel bei der Wegfahrt um 18.30 Uhr. «Wahrscheinlich findet das Treffen nur auf dem Schiff statt, damit niemand französisch abhauen kann», witzelte der selbstständige Verlagsfachmann.
Wie sich bei immer tiefroter werdendem Sonnenuntergang auf dem See herausstellte, wollte dann allerdings niemand das mit Wein und köstlichen Häppchen für mindestens eine Atlantiküberquerung gerüstete Schiff vorzeitig verlassen. Schliesslich konnte man sich auf der gecharterten MS Säntis wie auf einer Jacht fühlen, nachdem nur 46 von über 150 eingeladenen Verlagsfachleuten zur Party gekommen sind. «Wahrscheinlich hat vielen das Datum so kurz vor Pfingsten nicht gepasst», orakelte Urs Arnet von der Target Publishing AG. Dass selbst VSV-Präsidentin Riccarda Mecklenburg von den AZ Fachverlagen AG, Aarau, zur Schulreise ihres Verbandes nicht angetreten ist und stattdessen in den Ferien weilte, musste damit erklärt werden, dass der Termin für diese Bootsfahrt noch vor ihrer Wahl zur neuen Präsidentin festgesetzt worden ist.
Und so durften sich eben 46 Leute den Wein von 150 teilen. Nein – Spass beiseite. Es blieb bei allem Überfluss eine sehr anständige Runde, wie die von ihren Leserreisen noch viel grössere Kreuzfahrtschiffe gewohnte Brigitte Schatzmann von der Glückspost meinte.
«Diese Bootsfahrt ist sehr beliebt als Jobbörse. Man hört, wer unzufrieden ist oder wo sich neue Türen öffnen», fachsimpelte Thomas Sterchi von Job-Index. Er genoss die Fahrt auf dem Vorderdeck zusammen mit Bruno Bötschi von Salz & Pfeffer. Dieser konnte allerdings weder lachen noch motzen über den Wein, weil ihm eine Stunde vor Abfahrt ein Weisheitszahn gezogen werden musste.
In bester Laune, weil er sich auf dem Schiff wieder einmal ganz ohne seine Konkurrenten von 20 Minuten und Metropol als Löwe im Korb fühlen durfte, gab sich Heinz Krebs. Dem Verlagsleiter des Zürich Express wäre es nach dem zweiten Grappa beinahe herausgerutscht, dass seine Leserschaft solche Bargetränke demnächst auch in Zürich…aber lassen wir das.
Immer noch nur probehalber Mitglied beim Verband ist JeanClaude Bruhin von Cinecom. «Als Elektronischer bin ich bei den Printleuten doch völlig falsch», versuchte er sich standhaft um den fälligen Mitgliederbeitrag zu drücken. Schliesslich kreuzte die MS Säntis aber so lange unter dem inzwischen magisch strahlenden Mond, bis Bruhin sich geschlagen geben musste. Er bekommt nun als Beitrittsgeschenk ein – für ihn bereits zweites – Abonnement des Media Trend Journals, genau so wie die frischen VSV-Mitglieder Francesca Canazza (SonntagsZeitung), Raphael Jud (St. Galler Tagblatt), Oliver Zuckschwerdt (Pegasus), Alois Ospelt (Liechtensteiner Vaterland), Jacqueline Friedrichs (NZZ) und Rolf Veraguth (Publicitas Biel), die auf der Schulreise ihren erfolgreichen Abschluss des letzten VSV-Kurses feiern konnten.
Andreas Panzeri kreuzte am letzten Freitag zusammen mit Ueli Custer (links) und 45 weiteren pfingsstauabstinenten Mitgliedern der Vereinigung Schweizerischer Verlagsfachleute fast fünf Stunden lang auf dem Zürichsee.

Wer sich sonst an den Partys der Kommunikationsbranche verlustiert, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Wer jedoch den definitiven Sprung auf die begehrten Shortlistplätze schafft, entscheidet die Redaktion. Haben Sie tatsächlich schon jetzt etwas zu berichten? Dann greifen Sie mal schnell zum Hörer (01 296 97 98) oder mailen Sie an [email protected]. Online gibt es Veranstaltungstipps bei www.werbewoche.ch

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