Onlinemarketing als Unterhaltung

Wer mit Webspielen dauerhaften Traffic generieren will, muss meist tief in die Tasche greifen

Wer mit Webspielen dauerhaften Traffic generieren will, muss meist tief in die Tasche greifenVon Clemens Hörler Webspiele haben sich auch in der Schweiz als ein beliebtes Marketinginstrument entwickelt. Sie sollen Internetnutzern auf spassige Art den Zugang zu einer Marke oder einer Firma öffnen.
Wer heute die Konsumenten zu wiederholten Besuchen auf seiner Website animieren will, muss mehr bieten als eine statische Firmenbroschüre. Denn eine solche ist etwa so sexy wie weisse Tennissocken mit Schweissrändern.
«Neben Informationen sind interaktive Elemente und Unterhaltung von zentraler Bedeutung für eine Website, die zum wiederholten Besuch einladen soll», meint Roland Bernhard, Director of Communications von Coca-Cola Schweiz. Auf www.coca-cola.ch kann man sich derzeit mit zwei Games die Zeit vertreiben.
Klein kann bekanntlich auch fein sein
Doch nicht nur grosse Marken bieten ihren Besuchern Fun in Form von Spielen: So hat etwa Maeder Fleisch, Basel, ein Online-Memory mit Motiven vom Bauernhof aufgeschaltet; demnächst sollen die User ein virtuelles Schaf scheren können. «Online-spiele müssen nicht riesig sein, es genügt, wenn sie dem User einen kurzen Spass für zwischendurch ermöglichen», meint Francis de Andrade, Mitbegründer der Basler Firma Businessgames.
Onlinegames sollen vor allem mehr Traffic auf die Website und die Besucher in Kontakt mit der Marke bringen. Wenn man die Spiele noch mit einem Wettbewerb verbindet, kann man zusätzlich Kundendaten oder E-Mail-Adressen gewinnen. Spiele, bei denen die erreichte Punktzahl gemessen und publiziert wird, motivieren die Spieler zusätzlich, die Site immer wieder zu besuchen. Immer gleich bleibende Games können sonst schnell zu Ermüdungserscheinungen führen.
Online-Tamagochi: virtuelles Sparschweinfüttern
Die ZKB und die Schweizer Milchproduzenten haben einen anderen Weg gewählt, um die Spieler wiederholt auf ihre Websites zu locken: Auf Zoink.ch, das von FutureCom im Auftrag der ZKB realisiert worden ist, kann man seit dem 12. April und noch bis Ende Juni ein virtuelles Schwein züchten. Damit es den Schweinen richtig gut geht und die «Züchter» ein Handy oder ein Sparkonto mit 200 Franken gewinnen können, müssen sie regelmässig mit ihrem Schwein spielen, ins Kino gehen und ihm Kleider kaufen.
Auch die ZKB sammelt
E-Mail-Adressen und Daten über Spieler. Zoink ist gemäss Andreas Hauri, Leiter Kampagnenmanagement der ZKB-Geschäftseinheit Privatkunden, der Start zu einer Onlinejugendplattform im Bankenbereich. Zur Spielhalbzeit hatten sich 8000 vor allem jugendliche Spieler registriert.
Eine vierstellige Zahl von Internauten bereitet auf der Website der Schweizer Milchproduzenten swissmilk.ch ihre Kuh auf eine Reise zum Mars vor. Auch dieses Spiel der Firma Beaulieu Software Sàrl funktioniert nach dem Tamagochi-Prinzip und läuft noch bis 30. Juni. Solch langatmigen Spiele bergen allerdings die Gefahr, dass das Vieh virtuell verendet. Da sind auch wöchentliche Aufforderungen per E-Mail, sich um sein Getier zu kümmern, meist zwecklos. (Wo bleibt der Tierschutz im Internet?)
Der Onlinespielspass ist nicht ganz billig
Einfache Flash- oder Shockwavegames sind bereits für einige tausend Franken zu haben. Für ein komplexes Spiel muss man aber bis zu mehreren hunderttausend Franken hinblättern. Und die Ansprüche der Internetnutzer werden immer höher. «Die User vergleichen Schweizer Sites mit dem internationalen Angebot», betont Bernhard. «Wir haben aber oft nicht die Ressourcen, die zum Beispiel im Riesenmarkt USA zur Verfügung stehen.»
Mindestens so wichtig wie Spezialeffekte sind eine originelle Idee und ein Bezug zum Brand. Bei den meisten Onlinespielen ist die Marke mehr oder weniger dezent im Hintergrund sichtbar. So flitzen die virtuellen Eishockeyspieler auf www.feldschloesschen.ch über ein Spielfeld mit Bandenwerbung des Bierbrauers und das Zoink-Schweinchen geht dank ZKB billiger ins Kino. «Das Produkt darf und sollte im Spiel vorkommen, der Spieler darf aber nicht das Gefühl bekommen, einen Werbespot anzuschauen», betont Antoine Schaub, Mitbegründer von Businessgames.
Die Hersteller

Die meisten grossen Webagenturen sind in der Lage, Online-games herzustellen. Die gestiegene Nachfrage hat allerdings auch Spezialisten auf den Plan gerufen, so zum Beispiel die Zürcher New Media Agentur Cultimedia (www.cultimedia .ch) oder die vor wenigen Wochen gegründete Businessgames in Basel (www.business games.ch).

Begehrter Beruf: Marketingplaner

An der 18. Marketingplanerprüfung haben dieses Jahr 1222 (Vorjahr 1092) Kandidaten und Kandidatinnen teilgenommen. 1143 haben die Prüfung beendet.

An der 18. Marketingplanerprüfung haben dieses Jahr 1222 (Vorjahr 1092) Kandidaten und Kandidatinnen teilgenommen. 1143 haben die Prüfung beendet.Ein Beweis dafür, dass der eidgenössische Fachausweis Marketingplaner mit Abstand der begehrteste Fachausweis der Schweiz ist. Laut Jürg Berger, Präsident der Prüfungskommission, ist nicht nur die Teilnehmerzahl gestiegen. Auch die durchschnittliche Erfolgsquote ist die beste seit vielen Jahren. 771 Kandidaten und Kandidatinnen (Männeranteil: 61 Prozent) haben die Prüfung bestanden. Dies bedeutet einen Zuwachs von rund 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von den Absolventen stammen 708 aus der Deutschschweiz, 42 aus der französischen und 21 aus der italienischen Schweiz. In diesem Jahr wurden sieben Kandidaten mit der Note 5 und mehr ausgezeichnet: Mit je 5,2 Katja Wiesendanger und Roger Maurer, mit je 5,1 Beat Bärtschiger Haefeli und Barbara Ritz und mit 5 Thomas Merkli, Pius Graf sowie Rosmarie Wieser. Die vollständige Liste der 771 erfolgreichen Absolventen ist unter www.werbewoche.ch zu finden.

Gelber Strom in Buchform.

Mit der Privatisierung des Strommarktes in Deutschland haben sich neue Marken gebildet.

Mit der Privatisierung des Strommarktes in Deutschland haben sich neue Marken gebildet. Yello Strom ist eine davon. Die Gestaltungsgeschichte dieses Brands hat Werber Bernd Kreutz in ein dreihundert Seiten dickes Buch gepackt. Die Eigenwerbung soll auch als Lektüre zur Vorbereitung auf auf den privatisierten Schweizer Strommarkt dienen. «Also ich glaube, Strom ist gelb» ist im Buchhandel für 73 Franken erhältlich. ISBN 3-7757-0920-7.Uster: BaZ verträgt 20 Minuten probeweise. In einem Pilotversuch erhalten die 6000 Haushalte von Uster diese Woche die Pendlerzeitung 20 Minuten gratis per Frühzustellung zugestellt. Die Probefrühzustellung in Uster besorgt die Basler Mediengruppe, über ihre 100prozentige Tochter Distriforce in Glattbrugg. Ab nächster Woche werden die Ustemer dann befragt, ob sie die Frühzustellung weiterhin wünschen und dafür den nicht kostendeckenden Betrag von 50 Franken pro Jahr (20 Rappen pro Ausgabe) bezahlen wollen. Bei gutem Echo will der Verlag das Angebot auf andere Gemeinden ausdehnen. 20 Minuten will so gemäss Verlagsleiter Rolf Bollmann vermehrt Autopendler erreichen. Letzlich will Bollmann wohl aber testen, ob 20 Minuten mit der Frühzustellung den Leuten vermehrt die Tageszeitung ersetzen kann.
St. Galler Tagblatt räumt ab. Gleich zwei Preise hat das St. Galler Tagblatt beim erstmals vergebenen European Newspaper Award abgezügelt: einen für die vorbildlich gestaltete Titelseite und einen für die Typografie. Der European Newspaper Award wird von den drei Journalistenfachblättern De Journalist (Amsterdam), Medium Magazin (Frankfurt a. M.) und Der Österreichische Journalist (Salzburg) vergeben. Am Wettbewerb hatten sich 161 Zeitungen aus 21 Ländern beteiligt.

Carlo Schmid wird Astag-Präsident. Ein weiteres Präsidialamt für Carlo Schmid-Sutter: Neben dem Ständerat und der Schweizer Werbung leitet der Appenzeller CVP-Politiker ab dem 30. September auch den Nutzfahrzeugverband Astag. Die Delegierten des Verbandes wählten Schmid einstimmig zum Nachfolger des Waadtländer Liberalen Charles Friderici.
Clever genutzte Bauwände. Bauarbeiter statt schöne Models – dafür mit kreativen Muskeln: Mit einer unkonventionellen Plakataktion fällt Lesch+Frei zurzeit in Basel auf. Für die Bucherer AG, Europas grösste Fachgeschäftskette für Schmuck und Uhren, hat die Agentur sieben Sujets produziert, die mit Szenen aus dem Baualltag um Verständnis dafür bitten, dass bei Bucherer an der Freien Strasse in Basel zurzeit umgebaut wird. Witzig dabei ist das Spiel mit den schillernden und funkelnden Namen der abgebildeten Bauarbeiter. Sie heissen C. Ollier, P. Erle, G. Ucci oder R. Ado.
Glogger moderiert Skandalsendung. Star-TV macht seinem Namen Ehre: Im neusten Sendegefäss dreht sich alles um Hollywoods Kultstars. «Akte Hollywood» soll Leidenschaften und Laster berühmter Schauspielerinnen und Schauspieler wie Jayne Mansfield oder Gary Cooper präsentieren. Moderiert wird die wöchentliche Sendung, die auf Material des amerikanischen TV-Kanals NBC beruht, von Glückspost-Chefredaktor Helmut-Maria Glogger.
TV-Produzenten Brainpool und Ronin kooperieren. Die deutsche Brainpool TV («Wochenshow», «TV Total») übernimmt 20 Prozent der Anteile an Ronin Entertainment AG. Die britisch-schweizerische Ronin wurde 1999 von den Produzenten Robin Greene und Richard Hearsey (ehemals Pearson TV) und der Zuger Venture-Capital-Firma MYO Media Holding gegründet. In der Schweiz war Ronin für TV 3 mit der Gameshow «Champions» tätig. Laut Bruno Seemann, VR von Ronin, soll ab August der Standort Zürich für die internationale Verbreitung der Formate von Ronin und Brainpool ausgebaut werden.
Geschäftsbericht als Zeitdokument. Nicht nur trockene Zahlen, sondern ein Zeitdokument über die Jugend von heute hat die Genossenschaft Migros Aarau mit ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1999 präsentiert. Auf 120 Seiten ist mit unzähligen Alltagsszenen das Leben von neun Jugendlichen dokumentiert. Der Fotoroman ist an verschiedensten Schauplätzen der Migros-Welt aufgenommen worden und wurde von der Abteilung Kommunikation + Kulturelles der Migros Genossenschaft Aare in Schönbühl realisiert.
Fisch Meier Direkt sponsert Piranhas. Nicht die Tatsache, dass sich Direktmarketer zuweilen wie Raubfische auf Konsumenten stürzen, veranlasste die Adliswiler Agentur Fisch Meier Direkt, den Piranhaschwarm des Zürcher Zoos zu unterstützen. Vielmehr solle damit das Agenturmotto «Verführung mit Biss» kommuniziert werden, sagte Geschäftsführer Gilbert Fisch der WerbeWoche. Letzte Woche übergab er Zoodirektor Alex Rübel vor Gästen einen symbolischen Check über 10000 Franken für die 40 bissigen Fischlein.
Mattscheibe statt geld. TV plus, ein zweites Basler TV-Projekt, hat das für den Start notwendige Kapital noch immer nicht zusammen. Initiant Klaus Kocher, ehemaliger Geschäftsführer von Tele Basel, hatte gehofft, die Finanzierung seines Senders bis Ende April gesichert zu haben. Er benötigt 1,5 Millionen Franken für Vorinvestitionen sowie 2,3 Millionen Franken pro Jahr für den Betrieb. Einmal mehr schiebt Kocher den Entscheid hinaus, diesmal zum 30. Juni. Fortsetzung folgt.
Zukunft von Basler Woche und Stab entschieden. Die Basler Mediengruppe (BMG) hat am Mittwoch, 21. Juni, nach Redaktionsschluss über die Zukunft ihrer Gratistitel Basler Stab und Basler Woche entschieden. Neue Gerüchte, wonach die Basler Woche eingestellt werden soll, wollte der VR-Delegierte der BMG, Beat Meyer, nicht kommentieren. Alles deutet darauf hin, dass die BMG eine eigene Pendlerzeitung lancieren und die beiden Redaktionen zusammenlegen will.
Editorial

Zukunft braucht Herkunft Trendguru: Das Wort wirkt wie ein rotes Tuch auf den deutschen Soziologen und Professor Holger Rust. «Klares Denken statt Trendgemunkel» lautet der Titel eines seiner Antitrendbücher. In heiligem Zorn und mit beissendem Zynismus geisselt er die «Business-Schamanen», die überforderte Manager steile Bergwände hochjagen oder über glühende Kohlen laufen lassen (siehe Interview Seite 41). Prototyp des Managementgurus ist für Rust Gerd Gerken: exotisch, esoterisch und ziemlich teuer. Eine Firma muss schon Zehntausende von Franken für den Genuss seiner Erkenntnis auf den Tisch legen.
Einschlägige Trendbücher strotzen in der Regel vor Halbweisheiten, vermischt mit Wissenschaftsdaten, Astrologie und Lebenshilfe. Doch es gibt Ausnahmen: Matthias Horx Trendbücher sind mehr als simple Handlungsanweisungen für Manager. Mit ethnologischer Akribie beschreibt er unsere Alltagskultur und liefert ein ironisches Gesellschaftsporträt. Auch David Bosshart und Norbert Bolz zeigen in ihrem Buch «Kult-Marketing», wie wir in unserem Konsumverhalten auf Muster zurückgreifen, die weder Aufklärung noch Verwissenschaftlichung kennen. Bolz und Bosshart interpretieren klassische Begriffe neu: das Einkaufsverhalten mutiert zum Ritual, Marken erhalten Kultstatus, das Fussballspiel wird zur Pilgerfahrt…
Es ist des Menschen Sehnen, die Zukunft im Voraus zu erfahren. Und in der Tat hat es noch keine Zeit gegeben, die so neuigkeitssüchtig war wie die unsere. Je mehr Informationen transparent und frei verhandelbar sind, desto mehr steigt unsere Abhängigkeit von Trends. «Niemand kann sie stoppen», ist Bosshart überzeugt, «man kann sich ihnen nicht entziehen, sie sind einfach da, und man muss versuchen ein kluges Arrangement mit ihnen zu finden.»
An einer Trendtagung (sic!) in Zürich, zu der ihn die Medien Z Holding kürzlich eingeladen hatte, sagte Holger Rust, das Wesen der Innovation bestehe ohnehin nur darin, mit möglichst revolutionären Mitteln alles beim Alten zu lassen. Die beiden Positionen sind gar nicht so weit auseinander, bleibt doch die Spannung zwischen Tradition und Trend paradox. Denn das Neue können wir nicht ohne das Alte haben – Zukunft braucht Herkunft. Samuel Helbling

Der gelungene Flug des Bumerangs

Einführung ins Corporate Branding oder die Geschichte des Logos für die Olympischen Sommerspiele in Sydney

Einführung ins Corporate Branding oder die Geschichte des Logos für die Olympischen Sommerspiele in SydneyVon Werner Catrina Die australischen Ureinwohner, die Aborigines, lieferten mit ihrem Bumerang das Signet für die Olympischen Spiele. Für das gesamte Image-System der Olympischen Sommerspiele in Sydney zeichnet FHA Image Design.
«Die Ironie ist, dass eine Melbourner Designfirma das Logo für die Olympischen Sommerspiele in Sydney entwarf», schreibt die Zeitung The Australian. Das tönt etwa so, wie wenn eine Zürcher Agentur das Logo für die Basler Mustermesse entworfen hätte; zwischen den beiden australischen Metropolen herrscht seit jeher Rivalität. Eine rennende Figur, komponiert aus drei Bumerangs, darunter der Schriftzug Sydney 2000, zeigt das Logo für die kommenden Olympischen Sommerspiele, die vom 15. September bis am 1. Oktober die ganze Welt in Atem halten werden.
«Kommen Sie doch am Mittwoch nach der Arbeit vorbei, wir trinken ein Glas Wein», erklärt Richard Henderson spontan, als ich ihn aus dem Hotel in Melbourne anrufe. Der Group Design Director von FHA Image Design wirkt so, als ob er viel Zeit hätte; dabei beschäftigt die Firma, die er mit zwei Partnern leitet, sechzig Personen.
FHA musste zweimal für das Logo antreten
Abends um sechs wirkt das Atelier an der 123 Rosslyn Street in West Melbourne noch wie ein Bienenhaus, und die iMacs schimmern in allen Farben in den grossen Räumen des umgenutzten alten Lagerhauses aus Backsteinen. Henderson, in den Vierzigern, holt den Journalisten aus der Designhochburg Switzerland beim Empfang ab und führt ihn in das dezent mit letzter Hightech bestückte Besprechungszimmer mit den Ausmassen einer Loft.
Vor 20 Jahren gründeten Trevor Flett (Creative Director, Marketing Strategist), Richard Henderson (Group Design Director, Design Strategist) sowie Jeff Arnold (Production Director) das Unternehmen. Die drei Anfangsbuchstaben der Familiennamen ergaben das Firmenkürzel, das man beibehielt, auch wenn sich inzwischen in der Führungsriege eine Änderung ergeben hat.
Die Melbourner Designfirma hatte vor Jahren bereits den Wettbewerb für die Kampagne gewonnen, mit dem Sydney gegen die andern Olympiabewerber die Spiele gewann. Mit diesem Bonus begab sich das Team unter der Leitung von Richard Henderson erneut in die Arena, um das Logo für die Olympischen Sommerspiele zu schaffen.
Der relaxed wirkende Design Director lässt auf dem Grossbildschirm ferngesteuert Kaskaden von Entwürfen Revue passieren. «Die ersten Skizzen erfolgen immer auf Papier», erklärt er, «denn die Qualität der Linien ist am besten auf Papier; am Computer optimieren und retuschieren wir, bis der Entwurf sitzt.»
Ins Rennen ging FHA mit einem sehr klaren Logo, das den Schriftzug Sydney 2000 verschränkt mit den olympischen Ringen mit einer stilisierten Hand darüber zeigt. Dieses Logo siegte, doch einige Tage später teilte man dem perplexen FHA-Team mit, man müsse den Wettbwerb neu auflegen, weil der Vorschlag einem Jurymitglied missfalle.
Designer inspirierten sich an der Musik der Aborigines
Wohl oder übel kniete sich FHA mit vier weiteren eingeladenen Agenturen nochmals in die Arbeit. «Wir sagten jetzt erst recht: Das ist eine Herausforderung, die wir gewinnen wollen!», erinnert sich Henderson. «Mein Team arbeitete nachts am Olympia-Logo und tags an anderen Jobs.»
Das halbe Dutzend beteiligter Graphic Designer pflasterte die Wände mit australischen Sujets voll, hörte Musik der Aborigines; von den Ureinwohnern verzierte Steine und andere Gegenstände stellte man zur Inspiration neben die Bildschirme.
«Wir wollten Ursprünglichkeit und Energie», erklärt Richard Henderson, «und wir wollten ein Logo, so einfach, dass man es in den Sand zeichnen kann.»
So destillierte sich der rennende Athlet, komponiert aus den Bumerangs, heraus, womit FHA erneut alle andern Kontrahenten ausstach. Kritiker merken allerdings an, dass die an den Rand der australischen Gesellschaft gedrängten Aborigines sozusagen als Feigenblatt herzuhalten hätten. Ja sogar, es sei zynisch, ausgerechnet ein Symbol der Ureinwohner zum Logo von Olympischen Spielen in Australien zu missbrauchen.
Einer der Gründe für den erneuten Sieg war, dass FHA eine umfassende Lösung schuf, den «total Brand». Das Image-System umfasste die gesamte Palet-te vom Plakat über das Logo für die Sponsoren bis zum T-Shirt und zum Olympia-Einkaufssack. «Ich bin stolz, diesen Prozess aufzuzeigen», erklärt Richard Henderson, «dahinter stecken Schweiss und Tränen, aber auch Glücksgefühle. Einige Mitarbeiter verschoben ihre Ferien, riskierten durch ihre nächtlichen Einsätze gar ihre Beziehungen.»
Als böses Zwischenspiel kam aus heiterem Himmel eine Klage, FHA Image Design habe die Idee mit den Bumerangs bei der Konkurrenz abgekupfert. «Für fast ein Jahr waren wir draussen», erinnert sich Henderson, «doch dann waren die Vorwürfe entkräftet, man rief uns wieder und wir konnten weiter arbeiten.»
Zum Logo mit dem rennenden Mann schuf FHA noch eine zweite Ebene: fünf Ringe, die sich im Wasser spiegeln als Signet für das olympische Sydney, eine von Wasser umgebene Stadt. Diese leicht verschwommenen Ringe sind schon lange vor den Spielen in Sydney allgegenwärtig, sie erscheinen als Signet in Zeitungsberichten, flattern auf Fahnen und Halstüchern und werden wohl für immer zur Corporate Identity der Stadt gehören.
Image Guidelines als Bibel fürs Merchandising
Als erste Agentur in der Geschichte der Olympischen Spiele gestaltete FHA zuerst die Kampagne für die Ausscheidung, die zum Sieg Sydneys als Olympiastadt führte; dann Logo und Image-System für die Olympischen Spiele und auch für die Paralympics, die anschliessend an die Sommerspiele stattfinden.
Das Image-System kommt in einem dicken Buch, dem «Image Guidelines» daher; vorherrschend sind klare, kräftige Farben. Henderson beschreibt die Arbeit für Olympia als Marathon, wo man nicht zurück, sondern nur nach vorne blicke. «Wir haben so viel Zeit investiert, weil wir der Welt zeigen wollen, was wir können.»
Sechs Personen arbeiteten am Olympia-Logo und am ganzen Spektrum seiner Anwendung, wobei jedes einzelne Design immer «durch mehrere Hände geht», wie es Henderson ausdrückt. Das Budget für den Auftrag sei knapp, erklärt er, ohne Beträge zu nennen, doch am Ende werde sich der Einsatz für FHA bezahlt machen.
Trotz zunehmenden internationalen Wettbewerbs und rasanter weltweiter Vernetzung ist Richard Henderson überzeugt, dass bestimmte Grundprinzipien nach wie vor gelten. Dazu gehören «Hingabe, Geduld, Durchsetzungsvermögen, Humor und natürlich die Gottesgabe der Kreativität».
50 internationale Sponsoren werfen eine Milliarde Aussie-Dollar, wie die einheimische Währung hier genannt wird, auf und erwerben damit das Recht, ihre Produkte mit dem Logo zu schmücken. Einheimische Sponsoren pumpen eine weitere halbe Milliarde in das Grossereignis, bei dem das Global Village mitfiebern wird.
«Was wir gemacht haben, ist ein Global-Brand-Image-Projekt von gewaltigen Dimensionen», sagt der Group Design Director, «unsere Strategie umfasst alle Ausdrucksformen von Verpackung über Anzeigen und Sponsoring zu TV und Piktogrammen bis hin zu den Uniformen.»
«Unsere Arbeit für die Olympischen Spiele hilft zu zeigen, dass Design wirklich Mehrwert für die Kunden schafft», hält Richard Henderson beim Hinausgehen fest, «wir machen kein l’art pour l’art, der kreative Prozess ist letztlich immer mit dem Business verknüpft. Aber wir empfinden immer noch den gleichen Thrill wie vor 20 Jahren!»
Ob er so viel Feuer wegen des Nachruhms entfache, frage ich Henderson noch. Er blickt mich überrascht und belustigt an: «Unsere Arbeit ist nicht fürs Museum! So ist es halt, wir wissen, dass alles, was wir machen, früher oder später im Abfall landet.»

Anzeigerkleeblatt im Glück

Vier neue Gratisanzeigenblätter rund um Zürich geplant

Vier neue Gratisanzeigenblätter rund um Zürich geplantDie Region Zürich hat seit drei Monaten eine neue Gratiszeitung mit dem Titel Zürich-Ost-Anzeiger (ZOA). Weitere folgen: im August der Zürich-Süd-Anzeiger, bis Frühling 2001 auch Ableger im Norden und Westen. Alle stammen aus dem gleichen Haus mit dem vorläufigen Namen Media@Print (MP) im zürcherischen Bauma. MP-Alleininhaber ist der Garagist Peter Leutenegger.Leuteneggers Konzept ist einfach: Er will das Gebiet um Zürich – nicht aber die Stadt – lückenlos abdecken. Dazu beliefert er in jeder Himmelsrichtung rund 60000 Haushalte per Post, womit die Stoppkleber umgangen werden können.
Dereinst wird jeder Anzeiger einmal monatlich erscheinen, jeweils jede Woche ein anderer. So kann der 35-Jährige die Blätter seines Anzeigerkleeblattes einzeln oder im Kombi verkaufen. Inserenten erhalten dadurch die Möglichkeit, ihre Anzeigen von Woche zu Woche zu aktualisieren oder zu stoppen.
Die Stadt Zürich deckt Leutenegger nicht ab, weil es dort seiner Meinung nach bereits genug Blätter gibt. Das gelte aber nicht für die Umgebung. Der bereits realisierte 16-seitige ZOA hat mittlerweile eine Auflage von 64000 Exemplaren und deckt das Gebiet von Kloten bis Rapperswil ab. Den Anzeigenverkauf besorgt MP selbst, einzig Kloten und Effretikon hat Leutengger bei der Firma Stumpp Media in Regensberg in Teilpacht. Ein ganzseitiges vierfarbiges Inserat beim ZOA kostet derzeit brutto 8030 Franken.
Inhaltlich bietet der ZOA vor allem Inserate und unbezahlte PR-Texte. So kann sich der Flughafen Kloten jeweils auf einer Seite präsentieren, andere Firmen können sich darstellen und die Verkehrsvereine ihre Veranstaltungen bekannt geben.
Nur wenig Inhalt und gar gähnende Leere auf weiten Strecken bietet dagegen Leuteneggers Homepage (www.zoa.ch).
Dennoch: Das Konzept ist bisher aufgegangen. Gemäss Leutenegger musste er bei keiner der bislang erschienenen vier ZOA-Ausgaben drauflegen. Im Gegenteil: In der neusten Ausgabe hätte er nach eigenen Angaben sogar mehr bezahlte Infos platzieren können als Raum vorhanden war. Markus Knöpfli

Bald warmer Regen für die Werber

Das ZKG Werbemonitoring liefert eine anhaltende Schönwetterprognose für die Werbewirtschaft

Das ZKG Werbemonitoring liefert eine anhaltende Schönwetterprognose für die WerbewirtschaftVon Bruno Amstutz Zum dritten Mal hat die Werbeagentur Zogg Kettiger Gasser eine Umfrage unter den führenden Schweizer Unternehmen zur Situation der Werbung lanciert. Nach zwei stürmischen Jahren der Budgetumverteilungen stehen die Zeichen auf Aufschwung.
Die Studie unter dem Titel ZKG Werbemonitoring führte das Marktforschungsinstitut Demoscope durch. Aus den umsatzstärksten und werbeintensivsten Unternehmen der Deutsch- und Westschweiz wurden 300 Werbeleiter befragt. Die Themen reichen von der Beurteilung gelungener Markeneinführungen über die Dauer der Zusammenarbeit mit Werbeagenturen bis zur Zahl der Konkurrenten, die zu einem Pitch eingeladen werden.
Rückkehr zur klassischen Werbung
«Gleich wird es Geld regnen», lautet eine Zwischenbilanz der Umfrage. Grund für diesen Optimismus ist die Aussage, wonach 28 Prozent der finanzstärksten Unternehmen eine Erhöhung ihres Werbebudgets planen, durchschnittlich um 15,9 Prozent. Lediglich vier Prozent sehen dagegen eine Kürzung der Werbeausgaben vor.
Ausserdem bestätigen 68 Prozent der befragten Firmen, innerhalb der letzten zwölf Monate neue Produkte oder Dienstleistungen lanciert zu haben. Dies spricht für eine grosse Dynamik verschiedener Wirtschaftszweige.
Die Lage der klassischen Werbeagenturen erscheint allgemein günstig. Eher rückläufig ist jedoch die Zusammenarbeit mit Spezialagenturen. So beauftragen beispielsweise noch 29 Prozent der befragten Unternehmen ein Marktforschungsinstitut – 25,3 Prozent weniger als in der Studie aus dem Vorjahr. Ebenfalls rückläufige Zahlen weist die Kooperation mit Event- und PR-Agenturen auf. Dies könnte auf eine Verlagerung der Mittel in die klassische Werbung hindeuten. Trotzdem stehen die Sterne auch für die PR-Agenturen wieder günstig: 14 Prozent der befragten Unternehmen wollen zukünftig PR-Agenturen in ihre Dienste nehmen, lediglich
4 Prozent dagegen die Aufträge einstellen.
Jährliche Umfrage als Instrument zur Trenderfassung
Oskar Gasser, Mitinhaber der Zürcher Werbeagentur Zogg Kettiger Gasser, gab die Umfrage 1998 zum ersten Mal in Auftrag. «Fragen zum Umgang mit Werbeagenturen wurden bis anhin nur von Verlagen gestellt», so Gasser, «und dann ging es meist nur um die Aufteilung der Mediabudgets.»
Im ZKG Werbemonitoring sieht er ein längerfristiges Projekt, das helfen soll, Trends aufzuspüren. Die Erhebungen bleiben im Kern vergleichbar, werden aber jährlich durch aktuelle Fragen ergänzt.
1998 und 1999 sieht Gasser als stürmische Jahre, in denen viele Budgets umverteilt wurden. Die ökonomische Krise mischte die Karten in der Werbebranche neu. Jetzt sind die Karten verteilt, für 2001 erwartet Gasser keine grossen Turbulenzen.
Was das Werbemonitoring ebenfalls ans Licht bringt, sind riesige, für Werbeagenturen brachliegende Gebiete: 29 Prozent der grössten Schweizer Firmen wickeln ihre Werbung ausschliesslich intern ab, Tendenz seit letztem Jahr steigend. Oskar Gasser wünscht sich deshalb auch «Missionare, die diese verirrten Schäfchen in die Koppel des BSW führen», wie er in seiner Auswertung schreibt. In den Schweizer Unternehmen wittert Gasser noch ein Multimillionen-budgetpotenzial.

Wenn We(r)ber zur Gitarre greift

Wie die Konzertmarke Blue Balls Music der Holding Weber Hodel Schmid ins Rollen kam

Wie die Konzertmarke Blue Balls Music der Holding Weber Hodel Schmid ins Rollen kamVon Ernst Weber Wenn Urs Leierer nur etwas für den Blues, Jazz und Rock tun kann: Vor acht Jahren organisierte der damals 28-Jährige erstmals die Luzerner Blues Session, heute leitet der gebürtige Meggener die Konzertagentur Blue Balls Music.
Nur knapp zwei Jahre brauchte der ehemalige Werbeberater, um aus der Idee Reinhold Webers eine Marke zu formen, mithin ein Unternehmen, das 3,5 Millionen Franken umsetzt.
Im Mai 1998 kam dem Chef der WHS-Gruppe, Reinhold Weber, die Idee, er könnte unter dem Label Blue Balls Music Konzerte veranstalten. Keinen Monat später, am 3. Juni, fand die erste von mittlerweile zehn Blue Balls Nights statt. Weber, der selbst Gitarre spielt, hatte den amerikanischen Bluesgitarristen David Lindley auf die Bühne des Zürcher Inrestaurants Kaufleuten geholt.
Von der Resonanz des Bluesabends ermutigt, setzte sich Reinhold Weber im August 1998 mit den Veranstaltern der Luzerner Blues Session, Urs Leierer und Martin Vokinger, an einen Tisch, um die Gründung einer Konzertagentur zu diskutieren. Das Trio einigte sich darauf, Blue Balls Music als GmbH ins Handelsregister einzutragen.
Weber steuerte 51 Prozent
des nötigen Kapitals bei und integrierte die Gesellschaft in die WHS-Holding, Leierer und Vokinger beteiligten sich zu je 24,5 Prozent an dem Projekt. «Aber nicht das Kapital, sondern die Kompetenz gibt bei uns den Ton an», sagt Urs Leierer, seit November 1998 Geschäfsführer der im Gebäude von WHS, Zürich, domizilierten Blue Balls Music GmbH.
Inzwischen entwickelte sich Blue Balls Music unter Leierers Federführung zu einer eigenständigen Konzertmarke: Das Publikum bringt das Label mit stimmigen Live Acts internationaler Blues-, Jazz- und Rocklegenden und von Musikern in Verbindung, die in Insiderkreisen als Geheimtipp bekannt sind. Die beiden blauen Kugeln des Signets erinnern an die kosmische Dimension, den unendlichen Schoss der Muse, in den sie wie Planeten im Weltall eingebettet sind. Und
der Schatten symbolisiert den Moment der Inspiration: Wo die Kugeln ihren Schatten berühren, küsst quasi die Muse die Welt.
Ohne Sponsoren keinen Ton von Blue Balls Music
Bisher stand die Bekanntmachung der Marke im Vordergrund. Die Werbung für die Blue Balls Nights beschränkte sich deshalb auf die Verankerung der Marke und ihres Logos. «Die Bezeichnung Blue Balls stösst auf Musikgehör: Obwohl junge Promotorcompanies gerne überhört werden, hat sich der Name beim Publikum und bei den Agenten sehr schnell bewährt», bemerkt Urs Leierer.
Nach gelungener Einführung baute man nun in den Auftritt, der aus den Basiswerbemitteln Flyer, Plakat und Inserat besteht, eine emotionale Komponente ein: Ein Foto des Stars on Stage soll den Betrachter auf das bevorstehende Konzert einstimmen.
Erstmals flankiert ein TV-Spot die Printwerbung. Der 3D-animierte 15-Sekunden-Film wurde von Primetime produziert. Der Spot läuft auf TV 3. Die TA-Media AG ist seit den ersten Stunden Medienpartner der Konzertagentur. Das Verlagshaus unterstützt auch das Blue Balls Festival, das von 21. bis 29. Juli in Luzern stattfindet, indem es dem Veranstalter Inseratenraum und Sendezeit zur Verfügung stellt. Der Spot für das Blue Balls Festival wird ebenfalls auf MTV zu sehen sein.
«In diesem Zusammenhang muss ich einmal sagen, dass wir sehr stark auf Sachleistungssponsoren angewiesen sind. Ohne den Goodwill unserer Medienpartner und das Wohlwollen unserer Drucker und Lithografen würden weder die Blue Balls Nights zu Stande kommen, noch gäbe es das Blue Balls Festival», meint Urs Leierer, der im gleichen Atemzug auch die Swisscom erwähnt, die seit Anfang des Jahres Presentingsponsor der Blue Balls Nights ist.
Das Unternehmen in neue Bahnen gelenkt
Um eine Steigerung der Präsenz und Festigung des Images der Konzertmarke zu bewirken, benannte man die bisher eigenständige, in sich geschlossene Luzerner Blues Session in Blue Balls Festival um. Sacha Huber, Art Director bei WHS, Zürich, hat das neun Tage dauernde, wichtige europäische Musikhappening unter den optischen Hut von Blue Balls Music gebracht.
«Die Zürcher profitiert nun von der Bekanntheit der Luzerner und die Luzerner von der Bekanntheit der Zürcher Veranstaltung», sagt Urs Leierer. Als weiteren, weniger markentechnischen, sondern mehr praktischen Grund für die Zusammenlegung der Auftritte führt der Organisator das immense Arbeitspensum an, das von einer Einzelperson nicht mehr zu bewältigen gewesen sei. Obschon der Musikfan auf zahlreiche freiwillige Helfer, den Verein Luzerner Blues Session, den Support von WHS, Zürich, und auf Martin Vokinger, der das Booking macht, zählen kann, managt er Blue Balls Music doch weitgehend als Einmannshow.
Ferner erfolgte die Zusammenlgeung im Hinblick auf das verstärkte Engagement, das Blue Balls Music in peripheren Organisationsbereichen eingehen will. Die gewonnene Kapazität nutzt Leierer beispielsweise, um vermehrt Veranstaltungen am Konzertrand einzubauen, wie etwa die Weltpremiereausstellung «Dick Polak’s Photography of The Rolling Stones Rock’n’Roll Circus», die während des Blue Balls Festivals zu sehen ist. Die Butter aufs doch reichlich harte Veranstaltungsbrot aber will sich Urs Leierer mit der Durchführung von Kundenkonzerten und Tourneeprojekten verdienen. Erste Anlässe dieser Art sind ein geschlossenes Konzert für die Swisscom im September und die Schweizer Tour des upcoming New Yorker Bluesgitarristen Popa Chubby.
Blue Balls Music hat nicht vor, den Löwen des Konzertveranstaltungsbusiness, etwa Good News, den Rang streitig zu machen. Die Zielvorgabe des Marketings lautet vielmehr, möglichst grosse Künstler vor ein möglichst kleines Publikum zu bringen.
Diesem Credo entsprechend findet das Blue Balls Festival unter anderem im geeigneten Ambiente des Kultur- und Kongresszentrums Luzern statt, die Blue Balls Nights aber im «Kaufleuten». Locations wie das unpersönliche Zürcher Hallenstadion fallen ausser Betracht, obwohl es mit Namen wie Peter Green, Robert Plant, Billy Cobham, Johnny Winter, Robert Cray oder John Mayall vermutlich gut zu füllen wäre.
«Das von sechs auf neun Tage verlängerte Blue Balls Festival hat seine optimale Grösse erreicht», sagt Leierer, der dieses Jahr mit 45000 Besuchern rechnet. Und verspricht: «Ich werde es auch dann nicht weiter ausbauen, wenn der Erfolg es verlangt. Das Blue Balls Festival soll nicht wie das Jazz-Festival Montreux zu einer werden.»
Shawne Borer eröffnet das Blue Balls Festival ’00

Die Frau des Schweizer Botschafters in Berlin, Shawne Borer-Fielding, hat das Patronat des Eröffnungsabends des Blue Balls Festival ’00 im Kunst- und Kulturzentrum in Luzern übernommen. Sie wird am 21. Juli persönlich den Weltstar Natalie Cole (USA) und deren nahezu 20 Mann starke Band präsentieren.

Muse & Musse: Martin Felix Meyer

Muse & Musse Martin Felix MeyerWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?Martin Felix Meyer: Die neue Tate Gallery in London. Weil sie einfach ein

Muse & Musse Martin Felix MeyerWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?
Martin Felix Meyer: Die neue Tate Gallery in London. Weil sie einfach ein Muss ist. Und es sich auch noch lohnt.
Was lesen Sie gerade und warum?
Meyer: «Nackt» von David Sedaris. Weil mein Agenturpartner mir das Buch geschenkt hat. Dann ist es auch ein Muss. Und die Lektüre lohnt sich meistens auch.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Meyer: Zurzeit höre ich fast ausschliesslich die stets lauten CDs im Auto meines Agenturpartners. Aber nicht mit Vorliebe.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen und warum?
Meyer: Ich wäre schon froh, ich hätte einige Filme auch nur ein erstes Mal gesehen.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Meyer: Ich schalte gar nicht erst ein.
Welche ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Meyer: Egomedia.com – einfach sauber gemacht.
Liebe ist…?
Meyer: …einer jener Begriffe, die man nicht fassen kann.

Kleb dir ’nen Dot an die Mattscheibe

Strategisches Tool der deutschen Firma TV-Miles kontrolliert die Zuschauertreue

Strategisches Tool der deutschen Firma TV-Miles kontrolliert die ZuschauertreueDie deutsche Firma TV-Miles hält ihr Marketingsystem für revolutionär: Fernsehzuschauer erhalten von einem werbetreibenden Konzern ein fünflibergrosses Kartonstück – den so genannten Dot. Den kleben sie auf eine Ecke ihres TV-Bildschirms. Der Dot enthält einen Film, der das TV-Signal aufzeichnet. Der Sender, mit dem TV-Miles und der Konzern eine Partnerschaft eingehen, strahlt ein spezielles sichtbares Logo mit dem Programm und der Werbung des Konzerns aus. Wenn der Zuschauer später den Dot an den Konzern zurückschickt, lässt sich an der Aufzeichnung überprüfen, ob er das Programm treu verfolgt oder herumgezappt hat. Wer dabei geblieben ist, darf an Wettbewerben oder anderen Aktionen teilnehmen.
TV-Miles sieht den Dot als effizientes strategisches Tool für integriertes Marketing. Die Firma bietet Dot-Kampagnen «schlüsselfertig für alle Partner», wie Andrej Henkler, Mitglied der Geschäftsleitung, der WerbeWoche erklärte. Dazu gehörten Kreativarbeit, Umsetzung und Vermittlung. TV-Miles hat das System weltweit patentieren lassen und es bereits in Ungarn und Portugal lanciert. Etwa fünf Millionen Dots wurden dabei jeweils in Umlauf gebracht. Als nächstes Land ist Spanien dran.
Auf den deutschen Markt will sich TV-Miles im ersten Halbjahr 2001 wagen. «Die Schweiz haben wir uns noch nicht richtig angeguckt», gestand Henkler. Durch die neuen privaten Sender sei da aber sicher ein interessantes Marktumfeld entstanden. Stefano Monachesi

Erste Schlappe für die Schweizer in Cannes

Nachdem bereits 1999 kein Press-and-Poster-Award von Cannes den Weg in die Schweiz fand, gingen die Schweizer Werber auch an der Werbe-Weltmeisterschaft 2000

Nachdem bereits 1999 kein Press-and-Poster-Award von Cannes den Weg in die Schweiz fand, gingen die Schweizer Werber auch an der Werbe-Weltmeisterschaft 2000in der Kategorie Plakate und Zeitungsanzeigen trotz 255 Einreichungen leer aus. Keine Schweizer Anzeige schaffte es aufs begehrte Podest. Den Grand Prix holte sich Lowe Lintas London für die Whitbread-Kampagne. Die Wahl des Siegers hatte zu keinen Diskussionen Anlass gegeben, wie Jurypräsident Marcello Serpa, Co-CEO und CD von Almap-BBDO Sao Paulo, der WerbeWoche gegenüber betonte. Grundsätzlich sei die Qualität der eingereichten Arbeiten sehr hoch gewesen, sagte Serpa weiter.Zwar holten die Briten den Grand Prix. Mit 28 Goldlöwen haben sich aber die Brasilianer als die grossen Abräumer in dieser Kategorie empfohlen. Die Zahl der Einreichungen der Südamerikaner war mit 1108 Arbeiten auch die höchste (1999 hatten sie 772 Arbeiten eingereicht und 19 Auszeichnungen gewonnen). Mit Silber- und Bronzelöwen kamen sie auf 57 Auszeichnungen. Die Engländer folgten mit 21, Frankreich mit 13 und die USA mit 10 goldenen Raubkatzen. Einen guten Schnitt machte auch Malaysia, das mit 43 Einreichungen immerhin einen Bronzelöwen abholte. In der Filmjury, die am Wochenende ihre Preise vergibt, sitzt kein Schweizer. (bf)

Fax: Publicis kauft Saatchi & Saatchi

Der französische Werbekonzern Publicis hat der britischen Agentur Saatchi & Saatchi ein Übernahmeangebot unterbreitet. Publicis zahlt über drei Milliarden Franken in Aktien.

Der französische Werbekonzern Publicis hat der britischen Agentur Saatchi & Saatchi ein Übernahmeangebot unterbreitet. Publicis zahlt über drei Milliarden Franken in Aktien.Fax Publicis kauft Saatchi & Saatchi Die neue Publicis Groupe SA, an der die Saatchi-Eigner 30 Prozent halten werden, belegt Rang 5 im Agenturranking von Advertising Age mit Billings von 3,3 Milliarden Franken. Saatchi & Saatchi soll als
eigenständiges Netzwerk geführt werden.
Nike schreibt Media aus Der Sportbekleidungshersteller Nike hat sein Mediabudget für Europa neu ausgeschrieben. Eine Shortlist wird demnächst erstellt. Vor sechs Jahren zog Nike sein Budget, das heute rund 150 Millionen Franken beträgt, von CIA ab und verteilte es auf lokale Betreuer. In der Schweiz liegt es bei MC Media Company, Zürich.
Kommunikationsverband: Entlassungen Der Kommunikationsverband.de soll schlanker und interaktiv werden. Gemäss einer Mitgliederbefragung und Branchenexperten will sich der Verband als Portal für Fachinformationen aufs Web konzentrieren. Die Administration wird ausgelagert, langjährige Mitarbeiter der Geschäftsstelle werden entlassen.
Tabakwerbeverbot der EU wackelt Das für Sommer 2001 geplante EU-weite Werbeverbot für Tabakerzeugnisse wird wohl nicht in Kraft treten. Nach Ansicht des Gutachters beim Europäischen Gerichtshof, Generalanwalt Nial Fennelly, gibt der Binnenmarkt keine Rechtsgrundlage für ein solches Verbot her. Die EU-Werberichtlinie sei nichtig, heisst es in seinem Rechtsgutachten. Das Urteil des Gerichtshofs wird im Oktober erwartet.

Pistoleros von der NZZ

Weshalb lagen der Einladung zum Event der NZZ blaue Bohnen bei? Wollen die Mannen wie Tannen von der Falkenstrasse in Zukunft noch schärfer schiessen im täglichen Showdown um Anzeigenkunden?

Weshalb lagen der Einladung zum Event der NZZ blaue Bohnen bei? Wollen die Mannen wie Tannen von der Falkenstrasse in Zukunft noch schärfer schiessen im täglichen Showdown um Anzeigenkunden?Von Beat Fritsch Alles Quatsch. Kunden, Bekannte und Freunde des Traditionsblattes durften einer Privataufführung des Stücks «Präriepriester» im Zürcher Theater Gessnerallee beiwohnen – bei schönstem Gartenbeizwetter. Die Aussicht auf einen Abend im Theatersaal dürfte denn auch einige potenzielle Gäste abgeschreckt haben.
Immerhin gab es vor der Aufführung einen langen Apéro samt Verpflegung im lauschigen Hinterhof, wo früher die Pferdetränke des Armeereitstalls lag. Fürs leibliche Wohl war Victor Imfeld vom «Riesbächli» besorgt, der dreierlei Risotto aus dem Parmesanlaib servierte, aufgepeppt mit Würstchen. Wir haben allerdings in Viktors «Riesbächli» schon besser getafelt – um einen Risotto zu kochen, brauchts keinen Imfeld. Seis drum, es hat den meisten geschmeckt. Trotzdem schade, durfte er nicht etwas Gänseleber und französischen Käse mitbringen, man hätte das Foodbudget ruhig etwas höher ansetzen können.
Schliesslich war das Jahr 1999 ein ausgezeichnetes für die NZZ. Und 2000 habe noch besser begonnen, meinte NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan, der die geladenen Gäste mit einer kurzen und witzigen Rede begrüsste. Früher habe in der Schweizer Medienszene jeder sein Gärtchen gehabt, heute aber herrschten wahrhaft Wildwestmanieren, schlug Trevisan den Bogen zum Thema des Abends.
Im Rubrikenmarkt seien plötzlich neue Goldschürfer aufgetaucht, die ihre Claims abstecken wollten. Und im klassischen Anzeigenmarkt werde schärfer geschossen denn je. Das Printstädtchen werde von den TV-Indianern belagert und ehemalige Piraten machten mit Banken gemeinsame Sache. Das sei fast schon eine verkehrte Welt, hätten doch früher Banditen die Banken ausgeraubt, schloss der NZZ-«Sheriff» die Rede.
Kommunikationsszene und Wilder Westen fanden auch im Theater Berührungspunkte. Der Texter Rockford wacht nach erlittenem Herzanfall auf dem Boden seiner Wohnung auf, der sich in der Folge zur Prärie Arizonas verwandelt hat. Dort trifft Rockford in Tombstone auf eine Reihe skurriler Gestalten, bis er sich der Frage stellen muss, ob er nicht schon in die ewigen Jagdgründe eingegangen sei. Die Inszenierung von Niklaus Helbling mit Musik von Markus Schönholzer und Martin Gantenbein ist schön schräg und ebenso unterhaltsam.
So auch der Tenor der Besucher/innen. Das Publikum war gut durchmischt und kam von überall her. Unter den Gästen von «Sheriff» Trevisan und NZZ-Anzeigen-«Manitu» Marcel Kohler waren die Zürcher Werber Elfi und Viktor Rosser sowie Jolanda und Dominique von Matt, Pick-Pay-Werbeleiterin Sandra Ulrich, Canon-Werbeleiter Benno Leibbach, die Mediaspezialisten Delia Kümin Grumbach, Hélène Sonderegger und Christoph Meier, Jean-Marie Egger, der bei Publicis das NZZ-Budget betreut, Beat Sinzig und Karin Reimann von der Basler Agentur Schneider Berthoud, Nicole Stamm und Angelika Wyss von der Solothurner Agentur IBL oder Darko Soolfrank vom Musical Spacedream, der Neuigkeiten hatte. Der Überraschungserfolg aus Baden feierte nach fünf Jahren – ursprünglich waren vier Monate geplant – Finissage. Es werde aber ein neues Musicalprojekt geben und die ungefähre Richtung sei auch schon skizziert. Man darf gespannt sein, was die Spacedream-Macher für die Zukunft aushecken.
Neues gibts auch von Thomas Rüttimann, dem ehemaligem Medialeiter bei Metzger Lehner Briccola. Er hat sich mit einer eigenen Marketingagentur im Zürcher Seefeld niedergelassen und kam in Begleitung seiner Nachfolgerin bei MLB, Isabelle Vetter, und der Juristin Daniela Eugster an die Aufführung.
Beat Fritsch

besuchte auf Einladung der Alten Tante von der Falkenstrasse die Aufführung «Präriepriester» der Zürcher Theatergruppe Mass & Fieber.
Wer sich sonst in der Werbebranche in Szene setzt, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Wer jedoch den definitiven Sprung auf die begehrten Shortlistplätze schafft, entscheidet die Redaktion. Haben Sie tatsächlich schon jetzt etwas zu berichten? Dann greifen Sie mal zum Hörer (01 296 97 98) oder mailen Sie an [email protected]. Online gibt es Veranstaltungstipps bei www.werbewoche.ch

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