«Werbung ist ein störendes Nebengeräusch»

Pascal Magnenat über seine Beobachtungen von Schweizer Websites aus der Sicht des Benutzers

Pascal Magnenat über seine Beobachtungen von Schweizer Websites aus der Sicht des BenutzersDer Genfer Ergonom Pascal Magnenat empfiehlt Schweizer Websitebetreibern, sich wieder mehr auf die Wirkung des geschriebenen Textes zu besinnen.Was muss man sich unter einem Ergonomen vorstellen?
Pascal Magnenat: Ich betrachte sozusagen vom Standpunkt des Endverbrauchers aus die Benutzerfreundlichkeit von interaktiven Systemen wie Bancomaten, Billettautomaten und Websites und berate die entsprechenden Unternehmen, unterbreite Verbesserungsvorschläge oder ganze Installationspakete.
Wie wird man Ergonom?
Magnenat: Es gibt bis jetzt keinen klassischen Ausbildungsweg. Es sind Quereinsteiger, die sich einerseits stark für die Technik interessieren und andererseits für psychologische Aspekte. In den USA gibt es dazu einen Spezialkurs für Psychologen. An der Uni Genf wird den Psychologiestudenten ebenfalls eine Anzahl Stunden Ergonomie angeboten. Ich arbeite seit sechs Jahren in diesem Bereich. Zu Beginn habe ich mich bei einer Privatbank um die interaktiven Systeme gekümmert. Ich habe dann Seminare für Ergonomie in den USA besucht, weil mich die Aspekte der Benutzerfreundlichkeit zu faszinieren begannen. Seit September 1999 arbeite ich selbstständig.
In der von Ihnen ausgearbeiteten Studie über die Benutzerfreundlichkeit verschiedener Websites von Schweizer Unternehmen haben Sie festgestellt, dass 62 Prozent der Benutzer nicht in der Lage waren, ein Billett bei den SBB zu bestellen. Was raten Sie diesen Leuten?
Magnenat: Ja nicht auf diese Website zurückzukehren. Ich möchte betonen, dass sämtliche an dieser Studie beteiligten Personen mit Internet und E-Mail vertraut waren. Aber es war ja nicht nur die Website der SBB, die den Benutzern Kopfzerbrechen bereitete. Der Easyshop von Nestlé ist inzwischen sogar geschlossen worden. Offenbar rentierte die Sache nicht, weil das System zu wenig benutzerfreundlich war.
Wer hat diese Studie in Auftrag gegeben?
Magnenat: Niemand. Es war rein persönliches Interesse. Als ich mich selbstständig machte, wollte ich mit konkreten Zahlen künftigen Kunden gegenübertreten.
Was hat Sie persönlich überrascht an den Resultaten dieser Studie?
Magnenat: Ähnliche Studien in den USA zeigten in etwa die gleichen Werte, was die Benutzerfreundlichkeit von Websites angeht. Überrascht war ich allerdings, dass es gerade so grosse und bekannte Unternehmen wie Nestlé und die SBB waren, die bei den Tests am schlechtesten abschnitten.
E-Commerce entwickelt sich bei weitem nicht so, wie es euphorische Prognosen in Aussicht gestellt hatten. Erstaunt Sie das?
Magnenat: Eigentlich nicht. Dabei sind es nicht nur die schlecht gestalteten Websites, sondern die technischen Schwierigkeiten, die Normalbürger überwinden müssen, um ins Internet zu gelangen. Der Konsument muss sich zuerst auch noch daran gewöhnen, Produkte zu bestellen, die er vorher nicht sehen und berühren kann.
Welche Zukunft hat Ihrer Ansicht nach der E-Commerce?
Magnenat: Ich glaube an die Zukunft des E-Commerce, unter der Voraussetzung, dass die Systeme benutzerfreundlicher werden und die Zutrittsmöglichkeiten zum Internet nicht nur via PC erfolgen, sondern auch über TV oder Touchscreens.
Welche Produkte haben langfristig eine Chance, via Internet verkauft zu werden?
Magnenat: Es ist eigentlich gar nicht so sehr eine Frage des Produkts. Der Konsument wird immer dann via Internet einkaufen, wenn er das Gefühl hat, damit Zeit zu sparen. In England gibt es eine Ladenkette, welche die Einkäufe der Internauten analysiert und entsprechend personalisierte Einkaufsangebote unterbreitet.
Ihre Studie bemängelt auch die relativ komplizierte Terminologie auf den Websites. Gibt es einen Trend zur Standardisierung?
Magnenat: Das Problem besteht wohl im Moment darin zu definieren, was das Internet überhaupt ist. Ist es ein Medium zur Übermittlung von Informationen, wie dies die klassischen Medien tun, oder ist es ein Instrument, mit dem man interaktiv werden kann? Heute wird der Unterschied zwischen diesen beiden Richtungen noch nicht überall nachvollzogen. Deshalb trifft man auf den meisten Websites ein grosses Durcheinander von Informationen und interaktiven Möglichkeiten an. Jeder Anbieter versucht, sich durch eine möglichst originelle und aufwändige Homepage von der Konkurrenz abzuheben – aber fast immer auf Kosten der Benutzerfreundlichkeit. Eine in den USA veröffentlichte Studie zeigt, dass das E-Branding schliesslich nicht nur aufgrund einer originellen und möglichst attraktiven Homepage basiert, sondern ebenso auf einem einfachen Zugriff zu den Informationen. Die dritte Generation der Hompages wird dort eben neu überdacht und konzipiert.
Welche Unterschiede sehen Sie generell zwischen den USA und der Schweiz?
Magnenat: Zumindest die grossen amerikanischen Unternehmen investieren enorm in die Benutzerfreundlichkeit der Websites. Dabei wird immer mehr auf grafische Elemente verzichtet, man besinnt sich wieder auf die Wirkung des Geschriebenen. Texte ersetzen allmählich Bilder und Grafiken.
Dann sind die Websites der Schweizer Unternehmen also überladen?
Magnenat: Die meisten Websites, die wir hier sehen, wurden von Grafikern konzipiert. Sie sind sehr ästhetisch und kreativ, aber in den meisten Fällen nicht sehr benutzerfreundlich. Vielfach wird bei der Kreation einer Website auch vergessen, dass sie je nach Bildschirmgrösse des Benutzers anders wirkt und der Zugang zu den Informationen schlicht nicht möglich ist.
Was halten Sie von der Werbung auf den Schweizer Websites?
Magnenat: Von der Benutzerseite her gesehen wird die Werbung auf den Sites allgemein als störend empfunden. Wenn schon Werbung, dann sollte sie immer im direkten Zusammenhang mit dem Unternehmen stehen und dem Benutzer eine sinnvolle Zusatzinformation geben. In den USA hat ein Test gezeigt, dass Werbung, die zu dominant war, blinkte oder sich bewegte, von den Benutzern mit der Hand abgedeckt wurde, weil sie derart störte.
Dann lohnt es sich also nicht, im Internet Werbung zu schalten?
Magnenat: Doch. Nur muss man bei der Werbung im Internet andere Überlegungen anstellen als bei der Werbung für klassische Medien. Sie muss in jedem Fall benutzerfreundlich sein. Wenn ich zum Beispiel bei Ticketcorner ein Billett für ein Konzert in Basel bestellen will, kann es nützlich sein, wenn ich via SBB-Werbung darauf angesprochen werde, dass ich gleichzeitig die Fahrkarte dazu kaufen kann. Interview: Anita Vaucher

Swissclick mit neuer Portal-Site-Strategie

Swissclick, die Onlineanzeigenplattform, startet am 14. August mit einer neuen Strategie.

Swissclick, die Onlineanzeigenplattform, startet am 14. August mit einer neuen Strategie.Swissclick, die Onlineanzeigenplattform, startet am 14. August mit einer neuen Strategie. Die Nummer 1 im Onlineanzeigenmarkt soll von der reinen Datenbank für Autos, Jobs und Immobilien zur Portal-Site mit Zusatznutzen für den User werden. Dazu gehören Informationsangebote, die von Partnern bereitgestellt werden. In Planung befindet sich eine Auktionswebsite, die für Swissclick «von strategischer Bedeutung» ist. Mit dem weiteren Meilenstein will Geschäftsführer Roger Baltensweiler die nationale Leaderposition von Swissclick im Onlineinseratemarkt weiter ausbauen. Hinter Swissclick stehen die Basler Mediengruppe, Edipresse, die Neue Zürcher Zeitung und Publicitas. Im zunehmend schärfer werdenden Verdrängungswettbewerb im Web profitiert Swissclick von der vorteilhaften Ausgangslage des grössten Inseratepoolings in der Schweiz mit über sechzig assoziierten Verlagstiteln.
Für die neuen Dienste will Swissclick auch Kooperationen mit Experten und Fachjournalisten ausserhalb seiner Shareholderstruktur eingehen, «zumal unsere Shareholder nicht alle Bereiche abdecken können», wie Swissclick präzisiert. Aus den Partnerschaften mit ausgewählten Informationsanbietern entstehen jetzt Informations- und Servicetools, «und zwar branchenweise einzeln abrufbar und massgeschneidert auf das jeweilige Bedürfnis». (pan/sm)

Kopf der Woche: «Die Schweiz ist ein guter Testmarkt für die Multimediastrategie von Pro 7»

Christian Gartmann von Radio Z wird Direktor der MGS MediaGruppe Schweiz AG

Christian Gartmann von Radio Z wird Direktor der MGS MediaGruppe Schweiz AGKopf der Woche «Die Schweiz ist ein guter Testmarkt für die Multimediastrategie von Pro 7»
Das Angebot, ab August als Direktor die MGS MediaGruppe Schweiz AG zu leiten, war für Christian Gartmann «sehr attraktiv». Und dies noch bevor er offiziell wusste, dass mit der Fusion von Pro 7 und Sat 1 sein neuer Arbeitgeber der grösste TV-Sender Europas werden wird. Die MGS vertritt die Gesamtinteressen der Pro 7 Media AG in der Schweiz mit allen Produkten und Töchtern, mit der nicht unwesentlichen Ausnahme der Fernsehvermarktung, die weiterhin bei der IP Multimedia bleibt.
Als Tochter der deutschen Pro 7 Media AG vermarktet der Schweizer Ableger vorerst vor allem die Websites von Pro 7 und der dazu gehörenden Sender. Die MGS MediaGruppe Schweiz AG kümmert sich aber auch um das Sendermarketing von Pro 7 und Kabel 1 in der Schweiz, den Vertrieb von Merchandising- und Licensingrechten und die Neuprojekte der Gruppe.
«Die Strategie der ganzen Gruppe ist eine echte Multimediastrategie. Da macht es sehr viel Sinn, wenn die Sendergruppe in der Schweiz durch eine eigene Tochter vertreten ist», zeigt sich Gartmann überzeugt. Zwar sei die Schweiz kein Markt, in dem es um wahnsinnig viel Volumen gehe, aber ein guter Testmarkt für die Zukunft.
Als erste Aufgaben will er in den Büros an der Eidmattstrasse beim Zürcher Klusplatz die Verkaufsorganisation für den Internetbereich aufbauen. In einem zweiten Schritt sollen dann Contentanpassungen vorgenommen werden. «Die Schweizer Sites der deutschen Sender werden nicht einfach mit einem <.ch> versehen, sondern helvetisiert, dort, wo es Sinn macht», heisst das Konzept.
Gartmann, der vor seiner Ernennung 1996 zum Geschäftsleiter bei Radio Z in sämtlichen Abteilungen auch als Journalist Karriere machte, ist sich gewohnt, für kommerzielle und redaktionelle Inhalte verantwortlich zu sein. Und auch der Aufbau einer neuen Firma ist für ihn nichts Neues: Schon während seines Studiums der Betriebswirtschaft in St. Gallen importierte der damalige Jungunternehmer die Snowboards von Marktführerin Burton und leitete den Snowboardboom der Schweiz mit in die Wege.
Gartmann, der mit der «Tagesschau»-Moderatorin Katja Stauber verheiratet ist und zwei Kinder hat, ist «echt dankbar», dass seine Frau ein erprobtes Talent im Planen und Organisieren ist. Mit Katja Staubers Fünfzigprozentjob beim Schweizer Fernsehen sollte das Familienleben deshalb auch mit der neuen Herausforderung in Zukunft noch irgendwie stattfinden können. Vorher will sich der Papa allerdings noch kurz für einen Monat nach Amerika absetzen. Der Privatpilot will dort die beim Jobhüpfen frei gewordene Zeit für das Auffrischen seiner aviatischen Fähigkeiten nützen. Andreas Panzeri

Radio Top gegen P

Streit um ein Inserat von Radio Aktuell im St. Galler Tagblatt

Streit um ein Inserat von Radio Aktuell im St. Galler TagblattVon Markus Knöpfli Radio-Top-Chef Günter Heuberger hat bei der Lauterkeitskommission Klage gegen die Publicitas St. Gallen eingereicht. Anlass ist ein Inserat im St. Galler Tagblatt (SGT).
Für das SGT vom 24. Mai 2000 hat Radio Top ein Inserat gebucht, in dem die Allgemeine Reichweite von Radio Top mit jener von Radio Aktuell verglichen wird.
Das Inserat erschien, unmittelbar daneben aber auch eines von Radio Aktuell. Und relativierte den Vergleich.
Hinter dem Konter ortete Heuberger «St. Galler Machtspiele»: Die P St. Gallen habe der Geschäftsleitung von Radio Aktuell das Top-Inserat unterbreitet und ihr die Möglichkeit zum Gegeninserat gegeben, glaubt er. Schliesslich habe die P sowohl mit dem SGT als auch mit Radio Aktuell Pachtverträge und sei auch an beiden beteiligt.
Das Tandem Publicitas/SGT könne somit einen fairen Wettbewerb verhindern, beschwerte sich Heuberger am 5. Juni bei der P St. Gallen und – weil er «innert nützlicher Frist keine Antwort erhielt» – neun Tage später auch bei der Lauterkeitskommission. Deren Entscheid steht noch aus.
Publicitas weist jede Verantwortung von sich
Gegenüber der WerbeWoche wollten Raphael Jud, SGT-Anzeigenleiter bei der P St Gallen, SGT-Verlagsleiter Daniel Ehrat und Aktuell-Direktor Herbert Bosshart nicht sagen, wie Radio Aktuell über das Top-Inserat informiert worden war, und verwiesen auf das laufende Verfahren. Jud hielt lediglich fest, dass das Leck nicht bei der P zu suchen sei.
Ehrat und Bosshart rechtfertigten das Vorgehen, da Radio Top in seinem Inserat die unterschiedliche Grösse der Konzessionsgebiete verschwiegen, unvergleichbare Zahlen aus verschiedenen Studien verwendet und zudem suggeriert habe, die Differenz der Hörerzahlen entspreche dem Gewinn von Top. Diese Vorwürfe weist Heuberger zurück.
Immerhin: Ehrat vermutete beidseitige Rachegefühle wegen der Konkurrenz im Radio- und TV-Bereich als Hintergrund für den Zwist. Die neue Situation um TeleCombi und Tele-Leader-Pool (WW 22/00) hätten die Nerven blank gelegt. Und Bosshart konstatiert: «Es wurden wohl auf beiden Seiten Fehler gemacht.»

Ausserdem: Führungswechsel bei OMD Zollikerberg.

Ausserdem Führungswechsel bei OMD Zollikerberg. Luigi G. Baretella will das Unternehmen per Ende August verlassen; Nachfolger noch unbestimmt.Neue Beraterin bei Lesch + Frei: Am 13. Juni hat Eveline Stocker an der Weinbergstrasse ihr

Ausserdem Führungswechsel bei OMD Zollikerberg. Luigi G. Baretella will das Unternehmen per Ende August verlassen; Nachfolger noch unbestimmt.
Neue Beraterin bei Lesch + Frei: Am 13. Juni hat Eveline Stocker an der Weinbergstrasse ihr Büro bezogen. Sie ist verantwortlich für Kunden wie Bucherer, British American Tobacco, Atraxis, die Clariden Bank und Metropol.
Nach dem Ausscheiden von Martin Perini und Stefan Glöckler wird die Quarteco GmbH von Franz Bühler, Urs Frey und Norbert Unternährer geführt. Die Teilhaber arbeiten aktiv im Unternehmen mit und sind hauptsächlich für die direkte Kundenbetreuung zuständig.

Streetmarketing im Web

Mit der virtuellen Verkaufsplattform sammeln Unternehmen Daten über ihre Fans

Mit der virtuellen Verkaufsplattform sammeln Unternehmen Daten über ihre FansVon Thérèse Balduzzi Streetmarketing auf dem Internet hat sich für subkulturelle Musikrichtungen etabliert. In Sachen Filme machte der Marketingerfolg des Low-Budget-Films «The Blair Witch Project» von sich reden. Neu wird in Amerika die Internetversion des Streetmarketings jedoch auch für grosse Unterhaltungsproduktionen wie die neue Folge von Eddie Murphys «Nutty Professor» eingesetzt.
Streetmarketing hat in der Musikbranche Tradition. Plattenlabels decken an Konzerten Musikfans mit T-Shirts, Gratis-CDs und anderem Promomaterial ein, um die Mund-zu-Mund-Propaganda zu fördern. In der Internetversion der Strategie rekrutieren Marketingfirmen Gruppen von Fans, die auf Websites bestimmter Musikrichtungen neue CDs oder völlig unbekannte Musiker vorstellen. Paradebeispiel für diese Strategie ist die Popsängerin Christine Aguilera, die mittlerweile zum Star avanciert ist.
Mit Hilfe der Internetmarketingfirma Electric Artists aus New York orchestrierte das Label RCA einen Sturm auf unter Teenagern beliebten Websites. «Der Trick dabei ist, den Teenagern nicht das Gefühl zu geben, dass es sich um eine Marketingkampagne handelt», sagt Ken Krasner, Präsident und Mitbegründer der erst seit drei Jahren bestehenden Firma.
Da Collegestudenten auf zu offensichtliches Marketing oft negativ reagieren, versuchen die Firmen gar nicht erst, sich als Fans auszugeben, sondern platzieren ihre Informationen gezielt und überlassen alles Weitere den Fans. Im Fall von Aguilera suchte Electric Artists zuerst das Web nach Sites ab, in denen Aguilera bereits besprochen wurde. Aguilera hatte im Disney-Film «Mulan» gesungen und eine Single auf den Markt gebracht.
Darauf belieferte die Firma Musikfans mit CDs, Fotos, Hintergrundinformationen und Bannerwerbung, die diese in Chatrooms verbreiteten. Dank der vorgepflügten Pfade kam Christine Aguileras erste CD vergangenen August auf den ersten Platz der Hitparade in Amerika.
Die eingespannten Fans werden nicht bezahlt, da sie sonst zu Angestellten würden und nicht mehr reine Musikfans wären. Sie geben sich mit den «Freebies» zufrieden und mit dem Gefühl, an der Quelle der Information zu sein. «Sie wollen, dass diese Musiker Erfolg haben. Sie machen es aus Leidenschaft», sagt Mark Schiller, CEO und Partner von Electric Artists.
Internetmarketing wird auch für Mainstreamfilme eingesetzt
Ihr Publikum ist wiederum für die Information offen, weil es für den Einzelnen unmöglich geworden ist, eine Übersicht über die ausufernde Unterhaltungsindustrie und das Überangebot an Websites zu behalten. Zudem lockt die Möglichkeit, Konzerttickets oder CDs im Internet zu kaufen, bevor sie auf den Markt kommen.
In jüngster Zeit werden diese Firmen für Internetmarketing auch für das Marketing von Mainstreamfilmen eingesetzt: M80 hat den Film «Black & White» für Sony Pictures Entertainment vermarktet und sorgt zurzeit für die Internetpräsenz des Miramaxfilms «Human Traffic». Electric Artists hat das Internetmarketing für den Film «American Psycho» betreut und arbeitet zurzeit für den Film «The Nutty Professor 2: The Klumps» mit Eddie Murphy. Die Idee besteht darin, entweder über die Soundtracks oder über andere Aspekte der Filme «coole» Seiten herauszustreichen, um ethnische Gruppen und Subkulturen wie etwa der Afroamerikaner in den USA anzusprechen.
Der Film ist nicht das einzige neue Medium, das so vermarktet wird. Electric Artists Kundenliste umfasst auch die Tommy-Shops des Kleiderdesigners Tommy Hilfiger, die Mobilfunkfirma Air Touch, die Zeitschrift Rolling Stone sowie eine Menschenrechtsorganisation. Die Firmen fördern den Informationsaustausch über die Produkte, realisieren Verkäufe und sammeln Daten über ihre Fans. Die Wirkung dieser Strategie auf die Offline-Verkäufe ist aber schwer zu messen.

Die kultivierte Provokation

AY&R wirbt für die SonntagsZeitung mit Menschen, die diese Zeitung nicht lesen

AY&R wirbt für die SonntagsZeitung mit Menschen, die diese Zeitung nicht lesenHöflichkeit sei der Versuch, die anderen so zu sehen, wie sie nicht sind, behauptete einmal der deutsche Bonvivant und Charakterdarsteller Victor de Kowa. Aber falsche Rücksichtnahme war noch nie Sache der SonntagsZeitung. Im Gegenteil, sie nimmt für sich in Anspruch, die Sachen beim Namen zu nennen. Folglich durfte auch die neuste Werbekampagne für das TA-Media-Produkt nicht zahm sein, sondern musste Ecken und Kanten aufweisen. Die hat sie in der Tat auch, wenngleich sie, an ihren Vorläufern gemessen, ziemlich gut gepolstert sind. Die Gefahr, dass dem bald an der Börse gehandelten Unternehmen wegen seiner werblichen Blutgrätschen Ehrverletzungsklagen ins Haus stehen, hat das Kreativteam von Advico Young & Rubicam wohlweislich reduziert, ohne seinen Hang zur Provokation vollständig aufzugeben. Die Werbebotschaft fokussiert nicht mehr auf die Inhalte des Blattes, sondern, und das ist das Unübliche daran, auf seine Nichtleser. Auf die, die am Sonntag vermeintlich Besseres zu tun haben, als auf dem Laufenden zu bleiben. Seite 10

«Das Sawi ist der Dorfplatz der Kommunikationsbranche»

Hans-Peter Rohner, Direktionsmitglied der PubliGroupe, ist neuer Präsident des Sawi

Hans-Peter Rohner, Direktionsmitglied der PubliGroupe, ist neuer Präsident des SawiDer neue Präsident des Sawi, Hans-Peter Rohner, prophezeit dem nationalen Aus- und Weiterbildungsinstitut in Biel eine spannende Zukunft. Mit neuen Unterrichtsformen sollen die Kommunikationsberufe an die sich rasch wandelnden Marktverhältnisse angepasst werden. Das Sawi will zudem international tätig werden.Was reizt Sie am Präsidialamt?
Rohner: 1974 habe ich am Sawi als Mediaplaner den Werbeassistentenkurs besucht. Zugleich war ich bereits Dozent am Sawi. Was mich nachhaltig beeindruckt hat, war der Ideen- und Erfahrungsaustausch. Die besondere Ambiance am Sawi hat massgeblich dazu beigetragen, dass ich mich im Alter von 21 Jahren entschieden habe, meine berufliche Laufbahn im Kommunikationsbereich anzutreten. Im Laufe der Jahre habe ich mich dann in verschiedenen Gremien des Sawi engagiert, unter anderem auch als Prüfungsexperte.
Bestehen daneben auch emotionale Bindungen ans Sawi?
Rohner: Das Sawi als Institution hat es mir einfach angetan. Deshalb konnte ich wohl auch nicht Nein sagen, als vor Jahresfrist mein Vorgänger René Hürlimann auf mich zukam mit der Bitte, das Präsidium zu übernehmen.
Als Direktionsmitglied der PubliGroupe und Verantwortlicher für den europäischen, lateinamerikanischen und asiatischen Markt sind Sie beruflich gefordert. Warum haben Sie dieses Amt trotzdem übernommen?
Rohner: Das Thema Ausbildung und insbesondere die Aus- und Weiterbildung der Kommunikationsfachleute in der Zukunft und die Förderung von Talenten interessieren mich brennend. Das Sawi als Ausbildungsunternehmen mit einem Jahresumsatz von zehn Millionen Franken und seinem breitgefächerten Angebot hat hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Die Institution Sawi steht ausserdem vor einer spannenden Wende zu neuen Unterrichtsformen wie zum Beispiel dem interaktiven Lernen. Das Sawi hat zudem die Absicht, sich international auszurichten, und da kann ich mit meinen Kontakten zum Ausland etwas einbringen. Im Bereich der Human Ressources wird es für Unternehmen, die in den nächsten Jahren Werbe- und Kommunikationsfachleute engagieren wollen, immer schwieriger werden, qualifizierte und talentierte Leute zu finden. Für die jungen Berufsleute wird andererseits das lebenslange Lernen eine noch ganz andere Bedeutung erhalten, als das bis anhin der Fall war.
Was wollen Sie als Sawi-Präsident bewirken?
Rohner: Ich habe grossen Respekt vor dieser Institution und möchte die Bemühungen zur Internationalisierung des Sawi vorantreiben. Das Sawi soll sich noch vermehrt als Ausbildungsstätte mit einem qualitativ hoch stehenden Angebot positionieren. Im Moment ist das Sawi führend in der Ausbildung in allen etablierten Berufen der Kommunikation. Das soll auch in Zukunft und für die neuen Berufe der Fall sein.
Ist der notwendige Spirit dazu vorhanden?
Rohner: Ich bin zuversichtlich, denn am Sawi herrscht zurzeit ein innovativer Geist auf operativer Seite. Dies erkennt man nicht zuletzt auch daran, was das Sawi in der Westschweiz auf die Beine gestellt hat. Für die Schweiz einmalig bietet Polycom in Lausanne als erste Institution ein nicht auf ein einziges Fachgebiet ausgerichtetes Angebot an, sondern verknüpft die Kommunikationsdisziplinen miteinander.
Ist das Angebot des Sawi ohne Qualitätsverlust erweiterbar?
Rohner: Heute ist das Sawi ein nationales Aus- und Weiterbildungsunternehmen mit Kurslokalen in der ganzen Schweiz. Das Sawi eifert dem Vorbild der Universitäten nach, die nebst dem wissenschaftlichen Unterbau eine praxisnahe Ausbildung anbieten, indem sie mit der Wirtschaft eng zusammenarbeiten. Damit soll auch beim Sawi verhindert werden, dass der Kursteilnehmer nur eine theoretische Ausbildung erhält, die zudem in der Qualität stark vom zuständigen Dozenten abhängt. Die Zeiten, in denen sich ein Dozent vor die Klasse hinstellt und die Kursteilnehmer glauben lässt, dass er das einzig Wahre erzählt, gehören bald der Vergangenheit an.
Was sollen diese neuen Unterrichtsformen beinhalten?
Rohner: Ich bin überzeugt, dass uns bezüglich neuer Unterrichtsformen spannende Zeiten bevorstehen. Ich denke dabei unter anderem an die Lösung von Fallbeispielen in direktem Kontakt zum entsprechenden Unternehmen. Für die Qualitätsgarantie des Unterrichts erscheinen mir auch internationale Kontakte unabdingbar. Es gibt ganz deutliche Signale dafür, dass die Wirtschaft Leute will, welche sich im internationalen Marktumfeld auskennen und bewegen können.
Tatsache ist, dass immer mehr private Institute ähnliche Kurse wie das Sawi anbieten. Macht Ihnen diese Konkurrenz Sorgen?
Rohner: Die Konkurrenz macht mir überhaupt keine Sorgen. Es braucht sie meines Erachtens sogar, weil sie auch immer wieder Ansporn ist, am Ball zu bleiben. Für Ausbildungsinteressierte ist es relativ schwierig, sich ein Bild machen zu können vom Ausbildungsangebot. Es gibt nebst den seriösen Mitbewerbern des Sawi auch einige nicht besonders gute Anbieter, die es an Seriosität fehlen lassen.
Sie haben das Sawi als einzigartig in seiner Art qualifiziert. Worin besteht seine Einzigartigkeit?
Rohner: Das Sawi hat als nationale Institution eine relativ kleine Organisation mit nur 30 vollamtlichen Angestellten und über 400 Dozenten, die nicht nur altersmässig, sondern auch von ihrer Berufsausrichtung her aus den unterschiedlichsten Gruppierungen kommen und einen maximalen Meinungs- und Ideenaustausch ermöglichen. Das Sawi ist zum eigentlichen Dorfplatz der Kommunikationsbranche geworden.
Die Westschweiz wird bezüglich des Ausbildungsstandes der Kommunikationsfachleute und der Qualität der dort praktizierten Werbung in Deutschschweizer Kreisen gerne als Drittweltland bezeichnet. Wie beurteilen Sie die Anstrengungen des Sawi, diesem Ruf entgegenzuwirken?
Rohner: Tatsache ist, dass im Werbemarkt eine überdurchschnittliche Konzentration in und rund um Zürich besteht und die Westschweiz bevölkerungsmässig etwa viermal kleiner ist als die übrige Schweiz. So ist es schwieriger, in der Westschweiz eine grosse Anzahl Interessenten und Kursteilnehmer zu finden. Darum zwingt die Kleinheit des Marktes immer wieder zu neuen und innovativen Lösungen. Dieser Druck hat zum Beispiel zur Lancierung von Polycom geführt.
Wird das Sawi in nächster Zukunft auch eine Ausbildung für angehende Journalisten anbieten?
Rohner: Das Sawi hat klare Statuten und Richtlinien. Diese schliessen eine Journalistenausbildung definitiv aus.
Wie lange wollen Sie Präsident des Sawi sein?
Rohner: Gemäss der neuen statutarischen Regelung ist der Präsident jeweils für zwei weitere Amtsperioden wählbar, und eine Amtszeit dauert drei Jahre. Das Sawi wird mich also spätestens nach neun Jahren wieder los sein. Interview: Anita Vaucher

Aufgefallen: Was sich hier wie die Ansicht einer Nuss präsentiert, ist vielmehr ein Beweis dafür, dass verschiedene Menschen manchmal zu ähnlichen Schlüssen gelangen.

AufgefallenWas sich hier wie die Ansicht einer Nuss präsentiert, ist vielmehr ein Beweis dafür, dass verschiedene Menschen manchmal zu ähnlichen Schlüssen gelangen. Grundsätzlich ist das auch ganz in Ordnung, selbst in der Werbung, sonst könnten

Aufgefallen Was sich hier wie die Ansicht einer Nuss präsentiert, ist vielmehr ein Beweis dafür, dass verschiedene Menschen manchmal zu ähnlichen Schlüssen gelangen. Grundsätzlich ist das auch ganz in Ordnung, selbst in der Werbung, sonst könnten ja mit Brand- und Labeltreue gar keine derart hohen Umsätze getätigt werden. Blöd ist allerdings nur, wenn mit der gleichen Idee – wie im abgebildeten Fall – für zwei Konkurrenten geworben wird, und dies erst noch in so kurzer Zeitfolge. Denn während die eine Nuss zurzeit für das Asset Management der Credit Suisse (CS) wirbt, lenkte die Zürcher Kantonalbank (ZKB) diesen Frühling die ganze Aufmerksamkeit des Zeitungslesers auf ihr Sponsorkind, die Volkshochschule.
Optisch erinnert die geschälte Nuss zweifelsohne an die Oberflächenstruktur der menschlichen Hirnmasse, zumindest ansatzweise. Und demzufolge wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie als Symbol dafür hinhalten muss. Fraglich ist nur, warum im Falle der CS nicht gleich das Hirn per se abgebildet wird, da hier kein Wortspiel wie beim ZKB-Beispiel – «Nahrung für die grauen Zellen» – kreiert wurde.
Was den Effekt der beiden Bankanzeigen anbelangt, dürfte er hingegen in beiden Fällen gleich sein. Entweder man bekommt Lust, sich so eine sauber geschälte Nuss in den Mund zu schieben, oder man hintersinnt sich, warum in Bankenwerbung Nüsse mehr Platz bekommen als Inhalte. Chandra Kurt
Kolumne

In der Tat Von Michael Barney
Obwohl ich kein Profi für Fussball bin, so verfolge ich dennoch die EM 2000 vorm TV. Und während ich dies in meine Olivetti tippe, kommen die Niederländer gerade weiter. Aber eigentlich will ich auf was anderes hinaus: Die Rede soll von Günter Netzer sein, einem Idol meiner Jugend. Jetzt als Kommentator der ARD, immer im perfekten Outfit, immer mit der Satzstellung: «In der Tat.» Sowas fällt uns Schreiberlingen natürlich auf. Franz Beckenbauer begann jahrelang seine Anworten mit «Ja, sicherlich.» Und wie man es auch dreht und wendet, ja, sicherlich, in der Tat sind die Deutschen bei der EM 2000 weg vom Bildschirm. Mit Recht. BRD – o weh! Denn auch der Radler Jan Ullrich hat bei der Tour de Suisse nur am Leadertrikot riechen dürfen, gewonnen hat ein anderer, jawohl, ein Schweizer. An der Reklamefront allerdings scheinen die Deutschen den Schweizern etwas wegzuschnappen: den Smartetat, zum Beispiel. Also, da muss der Chef selber ran. Und schon zog es den Reini nach Berlin, um das Ruder noch einmal rumzureissen. «In der Tat, keine leichte Aufgabe», hörte ich den Günter Netzer sagen. Und in Cash, meiner Lieblingszeitung, lese ich: «Die smarten Zeiten sind vorbei.» Währenddessen wird Prinz William 18, pinkelt der Prügelprinz von Hannover öffentlich auf der Expo. Warum auch nicht, immerhin hat er dort ein Heimspiel, womit ich wieder beim runden Leder wäre. «Guten Abend, allerseits!», tönt Heribert Fassbender dazwischen. Und wer ein offenes Ohr für Wortschmankerl hat – wie man in Bayern sagt –, der bedankt sich mit «Einem guten Abend, wo immer Sie uns zugeschaut haben.» (ZDF). Der Medienexperte unter Ihnen würde das alles als «verbale Markenzeichen» betiteln. So wie das Falschdeutsch von Verona Feldbusch, das «Irgendwie so» von Dieter Bohlen oder das typische «Wir sind auf einem guten Weg» von Joschka Fischer. In der Tat, so höre ich schon wieder den Satzbeginn, egal, wer nun die EM 2000 gewonnen haben wird, der schönen Claudine ist es in der Tat schnurzegal, oder?
Sprachbeobachter

Stimmen nach dem Spiel Die Schweden sind keine Holländer – das hat man ganz deutlich gesehen. Franz Beckenbauer
Die Breite an der Spitze ist dichter geworden. Berti Vogts
Einige haben von einem recht guten Spiel gesprochen. Da frage ich mich, ob ich zum Augen- oder zum Ohrenarzt muss. Andreas Möller
Ich glaube nicht, dass wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre. Uli Hoeness
Nun gut, das Unentschieden, da war natürlich Pech dabei, also, es waren, es, also simmer zufrieden, ich, möglicherweise, um das abzuschliessen, vielleicht hat nach den 90 Minuten, wenn man alles zusammenzählt, dass vielleicht keiner den Sieg verdient hat. Franz Beckenbauer
Ich habe zwei verschiedene Halbzeiten gesehen. Volker Finke
Wir sind hierher gefahren und haben gesagt, okay, wenn wir verlieren, fahren wir wieder nach Hause. Marco Rehmer
Leo Beenhakker auf die Frage, wie dem deutschen Fussball zu helfen sei: Haben Sie eine Stunde Zeit?Die Schotten feiern richtig schön, ohne Ausschreitungen. Die trinken so viel, da können sie gar nicht mehr zuhauen. Gerd Delling
Ich könnte den anonymen Alkoholikern beitreten. Das Problem dabei ist nur, ich kann nicht anonym bleiben. George Best
Bei der Fussball-WM habe ich mir Österreich gegen Kamerun angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten – und auf der anderen Seite Kamerun. Dieter Nuhr
Der Swissair-Pilot nach der 0:3-Niederlage in Tschechien zur Schweizer Nati: Ich weiss gar nicht, ob wir euch mit nach Hause nehmen sollen.
Ich wundere mich immer, wie schnell mein Mann laufen kann. Zu Hause geht ihm schon beim Treppensteigen zu uns in den dritten Stock die Luft aus. Nathalie Pires über Robert Pires
Während ich mich mit verschränkten Armen an den linken Torpfosten lehnte, genoss ich den Luxus, meine Augen zu schliessen. Vladimir Nabokov (während seiner kurzen Karriere als Torwart in England)
Johannes Rau zum Vorschlag, Fussballstadien nach Frauen zu benennen: Ja wie soll denn das heissen? Dem-Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion oder was?Ich sage nur ein Wort: «Vielen Dank!» Horst HrubeschWeitere Sprüche finden Sie auf www.blutgraetsche.de. Oder bestellen Sie die letzten vier Folgen als Wordfile unter sprachbeo@ textcontrol.ch, um die Sommerpause zu überbrücken.
Beat Gloor

James home alone

Für den Launch des E-Butlers entstand eine aussergewöhnliche Werberallianz

Für den Launch des E-Butlers entstand eine aussergewöhnliche WerberallianzMit dem fortschreitenden Ausbau des Global Village und der damit verbundenen Mobilität verkümmern Funktion und Bedeutung des Zuhauses zum Boxenstopp. Um bei diesen Gelegenheitsaufenthalten nicht das Skelett des Hamsters im Rad und ungebetene Gäste im Bett aufzufinden, hält James die Wohnung rund um die Uhr in Schuss und informiert über verschiedene Vorgänge via SMS, E-Mail oder übers Telefon. Und so wundert es niemanden, dass die breite Launchkampagne für den elektronischen Hausdiener aus der Schweiz branchenkonform über einen Ozean und einen Kontinent hinweg zum grössten Teil via Internet entstanden ist. An der zukunftsweisenden Patchwork-Kreation beteiligten sich nebst dem Zürcher James-Hersteller, Start-up-Unternehmen Starseed, die Werbepraxis Gebel und Frame by Frame in Zürich und Los Angeles sowie – last but not least – eine gute Bekannte: Liliane Lerch mit ihrer Surf-through-Agentur. Für die 17 Low-Budget-Spots engagierte die umtriebige Wahlkalifornierin mehrere Studenten des renommierten American Film Institute (AFI). Seite 10

Vom All in die Hosentasche

Sony bewirbt seinen neuen Walkman mit einem Alien namens Plato

Sony bewirbt seinen neuen Walkman mit einem Alien namens PlatoVon Thérèse Balduzzi Ein süsser Alien steht im Mittelpunkt einer Grossoffensive der Sony Electronics in Amerika für ihre neue Sony-Walkman-Produktereihe. Die 21 Jahre alte Marke will sich bei einer neuen Generation von jungen Musikliebhabern als Trendmarke positionieren.
Unter dem Titel «The Walkman has landed» startet Sony Electronics in Amerika die grösste Kampagne, die sie für ihre Marke Sony Walkman je lanciert hat. Der Anlass dazu ist eine neue Serie von Walkman-Produkten: der CD Walkman, der MD Walkman (Minidiscplayer) und die digitalen Audioplayer Network Walkman und Memory Stick Walkman, die Musik aus dem Internet oder von CDs speichern und wiedergeben können.
Die Kampagne, in die Sony um die 30 Millionen Dollar investiert haben soll, umfasst TV-Spots, Printanzeigen, Onlinewerbung und Event- und Guerillamarketing. Ihr Zielpublikum ist die so genannte Generation Y, von Zynikern oft auch «Why?» genannt, die Nachzügler der Generation X, das sind die gegenwärtig 14- bis 24-Jährigen.
Star der Marketingkampagne ist ein Alien namens Plato. Vier TV-Spots – «Spaceship», «Language Lab», «Dog» und «Dorm Room» – erzählen, wie Plato in einem College-Campus landet, Kurse nimmt, in einem College-Dorm lebt und sich entspannt, währenddessen er stets Musik ab dem neuen Sony-Walkman hört.
Plato amüsiert sich gerne, hat eine allgemein lockere Lebenseinstellung und viel Humor. Er ist auch technologisch auf dem neuesten, also futuristischen Stand und führt seinen staunenden Mitstudenten die soeben aus dem All importierten neuen digitalen Walkman-Modelle vor.
Die Spots werden, angefangen beim Musiksender MTV, vor allem auf Kabelsendern ausgestrahlt werden. Die Printanzeigen werden in den Zeitschriften Rolling Stone, The Source und Teen People erscheinen, die Internet-Bannerwerbung auf CD Now, Launch.com, MTV.com und Shockwave.com. Verschiedene, auf Search Engines platzierte Links werden Websurfer auf die Website www. sony.com/walkman führen, wo sie Musik herunterladen können.
Teenager haben keine
Probleme mit Plato
Die Kampagne wurde von Young & Rubicam Advertising in New York entwickelt und soll der 1979 eingeführten Marke Sony-Walkman, einem der erfolgreichsten Produkte des japanischen Unterhaltungsmultis, wieder ein trendigeres Image verleihen. Sie spielt auf Werte wie persönliche Freiheit, Unabhängigkeit und Kreativität an und spricht den gewandten Umgang mit Technologie der heutigen Teens an.
Untersuchungen, die Sony und Y&R durchgeführt haben, zeigten, dass die Generation Y eine grosse Bandbreite von Musik hört und eine optimistische Lebenseinstellung hat. Deshalb legen sich die Spots nicht auf ein paar Musikstile fest, sondern bedienen sich eklektisch aus dem breiten Spektrum populärer Musik.
Vor allem die Möglichkeit, Musik vom Internet (oder der privaten CD-Sammlung) herunterzuladen und danach in den kleinen, leichten Walkmans in der Hosentasche mit sich herumtragen zu können, sollte diese Generation ansprechen und ein Stück Freiheit im 21. Jahrhundert verkörpern.
Mit dem Alien Plato ein Maskottchen einzuführen, sieht Scott Edwards, der Vizepräsident der Marketingkommunikation von Sony Electronics, nicht als Wagnis: «Als wir Plato in Untersuchungsgruppen testeten, fielen die Reaktionen sehr positiv aus. Teenager akzeptierten ihn bedingungslos und mochten seine Persönlichkeit.»

NZZ verlängert das Wochenende

NZZ Ticket, die neue, bunte Ausgeh-Agenda, kommt ab 7. September immer donnerstags

NZZ Ticket, die neue, bunte Ausgeh-Agenda, kommt ab 7. September immer donnerstagsVon Daniel Schifferle Sie ist bunt, sie besitzt ein auffälliges Format, und sie trifft bereits am Donnerstag bei den Lesern ein: NZZ Ticket, die neue Ausgehagenda der Neuen Zürcher Zeitung, richtet sich an ein nationales Publikum.
Das Thema Ausgehen war bisher ein Stiefkind in der Neuen Zürcher Zeitung. Ausser dem knapp und äusserst trocken gehaltenen Zürcher Wochenkalender, der lediglich der Ausgabe Stadt Zürich beigelegt ist und sich unter anderem durch eine Übersicht der Gottesdienste profiliert, suchte man in der NZZ bisher vergeblich nach vollständigen und die ganze Schweiz berücksichtigenden Veranstaltungstipps. Diese Lücke füllt ab dem 7. September das neue NZZ Ticket, ein rund 60 Seiten starker nationaler Ausgehkalender, der in Zusammenarbeit mit der Zürcher Werbeagentur By Heart entstanden ist.
NZZ Ticket ist Welten vom optisch und inhaltlich wenig attraktiven Zürcher Wochenkalender entfernt. Das zeigt sich nur schon beim Format: In der Höhe normales Tabloid, in der Breite aber um drei Zentimeter schmaler als die Norm, setzt sich die neue Ausgehagenda auffällig von der übrigen Zeitung ab, was etwa der dreispaltige Umbruch im Kinoteil beweist. Ebenfalls ein Schritt in eine neue Richtung: Bunte Bilder und blau unterlegte Titelschriften sorgen für Farbigkeit, die man in der NZZ im Zeitungsdruck jedenfalls bislang vergeblich gesucht hat.
Inhaltlich ist die neue Ausgehagenda in die Rubriken Zürich, Schweiz und International gegliedert. Die vierte Rubrik Präferenzen am Schluss des Heftes erleichtert den lebensfrohen Lesern der NZZ die Qual der Wahl: Auf insgesamt drei Seiten fasst die Redaktion die heissesten Veranstaltungstipps zusammen.
Im NZZ Ticket findet laut Kenneth Angst, stellvertretender Chefredaktor bei der NZZ, «alles Eingang, was die Unterhaltungs- und Kulturindustrie zu bieten hat». Also nicht nur klassische Hochkultur, sondern alles, was auch das junge Publikum anzieht: Partys, Popkonzerte, Events mit Massencharakter. Inhaltlicher Schwerpunkt bleibt aber auch in der neuen NZZ-Beilage die Rubrik Zürich, die den Löwenanteil des Heftes füllen wird.
In der Tonalität beschränkt sich NZZ Ticket auf knappe Hinweise. Ausser dem Fortsetzungskrimi von Roger Graf mit dem Titel «Die Reise mit Freddy» auf der drittletzten Seite bietet die Ausgehagenda kaum längere Lesestoffe. Zwar kommen Kurzkritiken da oder dort vor. Aber sie wollen den spitzen Federn des Feuilletons nichts vorwegnehmen und werden deshalb ganz bewusst nicht bereits in der Vorschau zur Premiere einer Veranstaltung, sondern erst in der Woche darauf nachgeliefert.
Trotzdem gibt die umfangreiche Beilage viel zu tun. Unter der Leitung von Claudia Baer, die bereits seit zehn Jahren als Lokalredaktorin bei der NZZ arbeitet, kümmern sich künftig sechs Personen oder total fünfeinhalb Stellen um die donnerstägliche Beilage.
Hedonistisches Publikum schafft neues Potenzial
Vom NZZ Ticket erhofft sich die NZZ nicht nur bessere Serviceleistungen für die Leser; sie will damit auch neue Potenziale im Inserentenmarkt ausschöpfen. «Wir haben eine Leserschaft, die gerne ausgeht und dabei viel Geld ausgibt», sagt Verlagsleiter Tobias Trevisan. Unter den Inserenten sind deshalb vor allem jene angesprochen, die Produkte für ein hedonistisches Publikum anbieten: Mode, Uhren, Autos, Alkohol und Zigaretten. Mit einem Seitenpreis von 7837 Franken und 20 Rappen für eine vierfarbige Anzeige fahren sie zudem günstiger als im Hauptblatt. Zusätzlicher Anreiz zum Einsteigen: Bis Ende Jahr gilt das Einführungsangebot 2 für 1.
Vom NZZ Ticket gibt es auch einen Ableger im Internet (www.nzz.ch/ticket) mit interaktiven Zusatzleistungen. Er wird schrittweise auf- und ausgebaut.
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