Jeremy Rawle vertritt Schweiz in Eurobest-Jury.

22 Jurymitglieder erküren Anfang Dezember die Sieger der Eurobest Awards 2000. Zum zweiten Mal ist die Schweiz in der Jury vertreten.

22 Jurymitglieder erküren Anfang Dezember die Sieger der Eurobest Awards 2000. Zum zweiten Mal ist die Schweiz in der Jury vertreten. Die Wahl fiel auf Jeremy Rawle, seit rund einem Jahr Creative Director von Euro RSCG Schweiz. Matthias Luchsinger, CEO der Schweizer Eurobest-Zentrale Cinecom, äusserte sich überzeugt von Rawles Eignung als Juror: «Jeremy verfügt über einen ausgesprochen internationalen Background.» Rawle war für Euro RSCG bereits in Singapur, Malaysia, Australien und Grossbritannien tätig.Lesch+Frei wird ICOM-Mitglied. Die Zürcher Werbeagentur Lesch + Frei tritt dem internationalen Agenturverbund ICOM bei. ICOM ist ein Netzwerk von knapp 80 inhabergeführten Kommunikationsfirmen in über 50 Ländern. Hauptsitz sind die USA; mit Lesch+Frei ist ICOM erstmals in der Schweiz vertreten.
My Magazine startet mit Schweizer Beteiligung. Der Leipziger Verlag My Media lanciert unter dem Namen My Magazine das «erste Hochglanzmagazin zum Thema Gesundheit». My Magazine soll monatlich erscheinen und startet mit einer Auflage von 380000 Exemplaren. Die Gestaltung stammt vom Zürcher Designer Beda Achermann, der als Creative Director von My Magazine firmiert. Die Erstausgabe enthält zudem Beiträge der Schweizer Künstler François Berthoud und Michel Comte. My Magazine ist eingebettet in einen Medienverbund mit TV-, Radio-, Call-Center- und Onlineangeboten (www.myweb.de).
«Goldene Anzeiger» für AY&R und McCann-Erickson, Zürich. Der Kommunikationsverband Bayern BWF hat die Auszeichnungen für die besten Anzeigen und Plakate der Periode 1999/2000 im deutschsprachigen Raum vergeben. Die Gewinner wurden ermittelt aus 1379 Einsendungen (Kategorie Anzeigen) und 894 Einsendungen (Kategorie Plakate), die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht worden sind. Zwei von drei der begehrten «Goldenen Anzeiger» gingen in die Schweiz: Ausgezeichnet wurden die Flims-Laax-Falera-Kampagne von Advico Young & Rubicam und die Nico-Jahrbuch-Kampagne von McCann-Erickson, Zürich.
CR Kommunikation und By Heart gegen Tabak. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will mit einer mehrjährigen Kampagne die Schweizer vor den Gefahren des Tabakkonsums warnen. Realisiert wird die Kampagne, die im Frühling 2001 starten soll, von cR Kommunikation und By Heart in Zürich. cR konzentriert sich auf Strategie und allgemeine Kommunikation, während By Heart für die klassische Werbung zuständig ist. cR habe sich erst selbstständig bewerben wollen, aber bald gemerkt, dass sie für die Umsetzung eine starke, innovative, junge Agentur brauche, begründete cR-Berater Stefan Batzli die Zusammenarbeit. Im Februar werde zudem über die Gestaltung des Onlinemoduls der Kampagne und den allfälligen Beizug einer Webagentur entschieden. cR und By Heart setzten sich im Pitch gegen Heinrich Werbeberatung aus Affoltern am Albis durch. Bereits vor der Präsentation ausgestiegen waren AY&R und Wirz.
DEN KUNDEN ZUM GNOM GEMACHT. Als Spielzeug für grosse Kinder positioniert ein witziger Auftritt von Lowe|GGK, Zürich, die Gattung der Kleinkopiergeräte von Canon. Die Copybaby genannten Apparate sind für ein Kopieraufkommen in der Grössenordnung ausgelegt, wie es etwa zuhause, in einem Kleinbüro oder beim Kegelclub Ligerz anfällt. Die Umsetzung visualisiert das wohl verbreitetste Vergnügen, seit es Kopierer gibt: Die Sujets zeigen gnomenhafte Fratzen, Karikaturen von Gesichtern mit plattgedrückter Nase, wie sie entstehen, wenn man sein Konterfei von einem Kopierer ablichten lässt. Diese Umsetzung harmoniert auf schräge Weise mit dem Claim «der persönliche Kopierer», der wiederum inexplizit die Grösse und Kapazität der Gattung der Copybaby thematisiert.
Ringier gibt Buchverlag und MEX auf. Der Ringier-Konzern stellt die Aktivitäten seines Buchverlags per Ende Jahr ein und verkauft die Jugendzeitschrift MEX Musenalp Express. Der Buchverlag gehöre nicht zum Kerngeschäft, teilte Ringier mit. Die noch bestehenden Rechte an den Buchtiteln sollen verkauft werden – mit Ausnahme des Gastroführers Gault Millau, der innerhalb des Zeitschriftenbereichs weitergeführt wird. Im Segment Jugendzeitschriften sieht Ringier für MEX langfristig keine Erfolgschancen. Laut Pressesprecher Fridolin Luchsinger verhandelt der Verlag zurzeit mit ungenannten Käufern. «Aber Sie kennen ja den Schweizer Jugendzeitschriftenmarkt», sagte Luchsinger, «der Verkauf wird sicher schwierig.» Nicht verkauft wird Mextown, der Onlineauftritt von MEX, den Ringier erst kürzlich zur dreidimensionalen virtuellen Community ausgebaut hat.
Aus Aloha wird C-Matrix Group. Die PR-Agentur Aloha Communications hat sich in C-Matrix Group umbenannt. Der neue Name verdeutlicht die veränderte Ausrichtung auf integrierte Kommunikation.
C-Matrix will in den Bereichen Corporate, Marketing und New Media Communications sowie Issues Management und Investor Relations tätig sein. Die Agentur, die Mitglied des BPRA und Vertreterin des International PR Network in der Schweiz ist, hat zudem einen neuen Firmensitz in Baar bezogen.
Vorolympischer Produktionswettlauf. Die Region Zürich/Graubünden hat ihre Kandidatur für die Durchführung der Olympischen Winterspiele 2010 beim Schweizerischen Olympischen Verband (SOV) in zwei transparenten Ordnern eingereicht. Die unbekannte Rothrister Agentur XOPH musste die insgesamt rund 300 Seiten umfassenden Dossiers in sozusagen olympischem Geist produzieren: Die aus Regierungsmitgliedern der an der Kandidatur beteiligten Kantone Zürich, Schwyz und Graubünden und Christoffel Brändli, dem Initianten der Kandidatur, bestehende Task Force Zürich/Graubünden 2010 hatte XOPH den Auftrag nämlich erst einen Monat vor dem Abliefertermin erteilt und die Texte gar erst knapp eine Woche vor Einreichung der Kandidatur angeliefert. Das Signet gestaltete Hartmann von Matt.
Editorial

Gerüchte, hart nachgerechnet
Ein Gerücht hält sich seit Monaten hartnäckig in der Medienbranche: Das Aktienpaket von 45 Prozent, das die A&A Actienbank an 20 Minuten (Schweiz) hält, stehe zum Verkauf, vorab NZZ und Tamedia, aber auch andere Verlage seien daran interessiert. Bisher wurde von allen Seiten dementiert (siehe Seite 49).
Doch die Tatsache, dass das Gerücht keinen Aufschrei (mehr) erzeugt, zeigt, dass Pendlerzeitungen in Verlegerkreisen kein rotes Tuch mehr sind. Drucken darf man sie ja bereits, weshalb nicht auch über eine Beteiligung nachdenken?
Offenbar zögern die Verleger aber noch. Wohl weil sie Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Pendlerblätter hegen. Denn – so geht ein zweites Gerücht – 20 Minuten soll für nächstes Jahr ein Betriebsdefizit von 25 Millionen Franken budgetiert haben. Nun soll hier nicht 20 Minuten verunglimpft werden: Falls die Grösse stimmt, dürfte sie in etwa auch für Metropol zutreffen.
Doch ist sie überhaupt realistisch? Gilt sie für das Kalenderjahr 2001 oder für ein verlängertes Budgetjahr ab der Expansion im Oktober? Und was sind Vorinvestitionen, was Betriebskosten?
Man rechne. Der Druck von 240 Ausgaben pro Jahr à 300000 Exemplaren kostet etwa 12 Millionen Franken, die Personalausgaben betragen rund 8 Millionen (bei Metropol die Hälfte), der Vertrieb 4 Millionen. Hinzu kommen Büromiete und -betrieb sowie Werbeausgaben. Macht rund 26 bis 28 Millionen Franken für ein Kalenderjahr. Rechnet man für Oktober bis Dezember 2000 einen Viertel dazu, kommt man auf 32 bis 35 Millionen Franken. Über den Daumen gepeilt.
Kurz: Das erwähnte Budgetdefizit ist – für die Zeit von Oktober 2000 bis Dezember 2001 – zumindest möglich. Denn die beiden Blätter erleben (noch) keinen Anzeigenboom. Die Doppelpräsenz, das Image, die relativ tiefen Leserwerte pro Exemplar und eine konzeptbedingte, eher schwache Leserbindung könnten die Gründe sein.
Der Break-even dürfte sich deshalb allen internationalen und multimedialen Vernetzungen zum Trotz nicht wie geplant im Jahr 2002 einstellen. Verschiedene Schweizer Verleger sehen dies offenbar auch so. Markus Knöpfli

Aufgefallen: Was im ersten Moment nach einem Fehler der Druckmaschine oder einer Erschöpfungserscheinung der Kreativabteilung aussieht, ist in Wahrheit ein Trend im aktuellen Anzeigendesign.

Was im ersten Moment nach einem Fehler der Druckmaschine oder einer Erschöpfungserscheinung der Kreativabteilung aussieht, ist in Wahrheit ein Trend im aktuellen Anzeigendesign. Weisse Anzeigenseiten – die nur in bescheidener Grösse das Logo eines

Was im ersten Moment nach einem Fehler der Druckmaschine oder einer Erschöpfungserscheinung der Kreativabteilung aussieht, ist in Wahrheit ein Trend im aktuellen Anzeigendesign. Weisse Anzeigenseiten – die nur in bescheidener Grösse das Logo eines Unternehmens oder einer Marke zeigen und den Rest des Raumes der Fantasie des Betrachters überlassen. Ein Unterfangen, das zweifellos nur mit bekannten, in unserer Erinnerung bereits vorhandenen Anbietern gewagt werden kann und dem überreizten Betrachterauge eine angenehme Ruhe gönnt. Bleibt die Frage, ob diese positive Empfindung dem Auftraggeber der Blankoanzeige oder vielmehr den auf den Folgeseiten geschalteten Anzeigen zugute kommt. Zumal man in der Regel nach einer kurzen Pause viel aufnahmefähiger ist. Warum also nicht nach einer leeren Seite unverzüglich mit einer etwas stärker bebilderten nachdoppeln? Eine weitere Frage, die mir bei diesen «nackten» Anzeigen in den Sinn kommt, ist die Art und Weise ihrer Präsentation vor dem Auftraggeber – und da kommt mir schlicht und einfach das Märche «Des Kaisers neue Kleider» in den Sinn. Chandra KurtKolumne

Blindtexter und Bildlimenschen
Von Christoph Dill
Lorem ipsum dolor…oder: Apollonius autem luctu fatigatus levavit caput suum et sic ait quicumque es, domine, vade, discum be et epulare cum meis ac si cum tuis. Ego vero valde afflictus sum meis calamitatibus, ut non lum epulari sed nec vivere desiderarim. Confusus Athenagora subiit de subsannio navis rursus ad navem et discumbens ait non potui domino vestro persuadere, ut ad lucem procederet. Itaque quid faciam, ut eum a proposito mortis revocem? Bene mihi venit in mentem: perge, puer, ad lenonem lum et dic ei, ut mittat ad me Tharsiam. Cumque perrexisset puer ad lenonem, haec leno audiens non potuit eum contemnere, licet autem contra voluntatem, nolens misit illam. Veniente autem Tharsia ad navem, videns eam Athenagora ait ad eam veni huc ad me, Tharsia domina; hic est ars studiorum tuorum necessaria, ut consoleris dominum navis huius et horumomnium, sedentem tenebris horteris consolationem recipere, et eum provoces ad lucem exire lugentem coniugem et liam. Haec est pietatis causa, per quam dominus hominibus fit propitius. Accede ergo ad eum et suade exire ad lucem: forsitan per nos deus vult eum vivere. Si enim hoc potueris facere, X dies a le none te redimam, ut devotae virginitati tuae vacare possis; et dabo tibi insuper decem sestertia auri…waren das noch Zeiten, als die Bildlimenschen nichts dafür konnten, dass sie nur Bahnhof verstanden! Und heute? Function follows form, an ihrer Leseneurose hat sich nichts geändert. Gute Headlines nehmen sie ja noch wahr. Nix da bei den Body Copys. Da lassen sie sich die anzüglichsten Doppeldeutigkeiten ent- gehen, ja, dank Unkenntnis der inneren Werte zwingen sie einen, dass sich unsereins
als Ästhetiknutte (lay)outet, schreiben wir inzwischen doch «auf Stand», damit auch der Schlusspunkt der letzten Zeile schön bündig mit dem letzten Buchstaben der zweitletzten des Blocksatze… wann gründen wir den Verband der eidgenössisch diplomierten Blindtexter?
Sprachbeobachter

Falsche Trennungen 81 bis 90
Falsche Trennung 81rom
antik
Falsche Trennung 82tee
nager
Falsche Trennung 83sehr
ohr
Falsche Trennung 84abt
reibung
Falsche Trennung 85bet
rüger
Falsche Trennung 86erd
rückend
Falsche Trennung 87land
essender
Falsche Trennung 88tau
sender
Falsche Trennung 89frust
ration
Falsche Trennung 90miss
etat
Beat Gloor, www.textcontrol.ch

Ansatz setzt ein neues Zeichen

Die zehnjährige Werbe- und Beschriftungsfirma Ansatz hat in Windisch ihre zwanzigste Filiale eröffnet.

Die zehnjährige Werbe- und Beschriftungsfirma Ansatz hat in Windisch ihre zwanzigste Filiale eröffnet.Nach dem Motto «Vereinfachung und Konzentration» soll im ehemaligen Chäs-Ueli-Laden – Standort des neuen Ablegers – ab sofort effiziente Werbung für Kleinbetriebe gemacht werden. (ko)

«Real Life Portal» für Webcontent

Der Content Summit in Zürich soll die Stadt zur Content-Zentrale Europas machen

Der Content Summit in Zürich soll die Stadt zur Content-Zentrale Europas machenVon Clemens HörlerVom 15. bis zum 17. November findet im Zürcher «Swissôtel» der erste Content Summit statt. Die Veranstaltung für die europäische Contentindustrie im Internet setzt sich zusammen aus Workshops, einer Messe, einer Award-Verleihung, Networking Events und der Interactive Publishing Konferenz, aus der sie hervorgegangen ist.
Bis vor kurzem kleckerten die traditionellen Medienunternehmen im Internet noch und kopierten einfach ihre gedruckten Inhalte ins Netz. Nun wird auch geklotzt. Dazu gehört der Aufbau von Onlineredaktionen, die speziellen Inhalt fürs Web herstellen. Der Bedarf nach aktuellem Content wächst aber auch bei Unternehmen, die bisher nicht als Publisher auftraten.
Viele Markenartikler zum Beispiel wollen ihre Websites mit aktuellen Inhalten auffüllen, auch wenn sie oft nicht so recht wissen, womit denn genau. Aber Content muss sein, denn schliesslich ist das Internet ohne Content wie ein See ohne Wasser. Und das Wasser im See muss erst noch sprudelnd frisch, sprich aktuell sein, denn sonst badet bald niemand mehr darin. Wenn möglich soll es auch den individuellen Ansprüchen einzelner Benützerinnen und Benützer angepasst sein: Die einen baden lieber in tiefem, die anderen vorzugsweise in seichtem Wasser.
Die Contentindustrie ist ein32-Milliarden-Markt
Die steigende Nachfrage nach Inhalten lässt gegenwärtig eine eigentliche Contentindustrie erblühen. Analysten schätzen den weltweiten Markt für Contentverkauf und -lizenzierung im Internet bereits in diesem Jahr auf 32 Milliarden Franken.
Von dem Boom profitieren nicht nur Medienhäuser und Agenturen, sondern auch neue Provider im Text-, Bild- und Multimediabereich. Um diese Inhaltsproduzenten herum, die den Kern der Contentindustrie bilden, haben sich weitere Player angesiedelt: Softwarefirmen, die Content Management Tools herstellen, aber auch Contentbroker, die für die Weitervermittlung der Inhalte sorgen.
Dieser Entwicklung haben die Interactive Publishing GmbH und ihr Gründer Norbert Specker, der 1994 die erste Interactive Publishing Konferenz lanciert hat, Rechnung getragen: Die Interactive Publishing schloss sich mit weiteren Veranstaltungspartnern der Branche zusammen. Das Resultat: der Content Summit, eine breit ausgerichtete Veranstaltung rund ums Contentgeschäft, die weit über die Interactive Publishing Konferenz hinausgehen soll.
An die Strategen richtet sich vor allem die 7. Interactive Publishing Konferenz, aber auch TV meets the Web, eine Veranstaltung von Van Dusseldorp und Partners, Amsterdam, rund um Breitband- und interaktives TV. Beide Veranstaltungen werden führende Strategen und Praktiker der Publishingbranche aus den USA und Europa zusammenbringen.
Die Masters Series, eine Reihe von Workshops mit amerikanischen Publishingexperten, widmen sich praktischeren Fragen: Wie macht man einen Newsletter, oder wie viel kann man für den Content verlangen? Weitere Veranstaltungen sind die Verleihung der IP Top Awards am 16. November im Hochspannungslabor im Zürcher Seefeld und ein Event für Start-ups und Investoren von First Tuesday am 15. November.
Abschied vom bisherigen Standort «Swissôtel»?
Die Messe Basel führt zum ersten Mal die dreitägige Content Show durch. Unter den Ausstellern findet man vor allem Technologiefirmen, Contentproduzenten und Unternehmen, die sich auf die Weitervermittlung von Content spezialisiert haben. Im Zentrum aller Events steht nicht zuletzt das Networking. Damit dies garantiert nicht zu kurz kommt, sind Teilnehmer und Aussteller des Content Summit zum informellen Networking-Event am 15. November ins Restaurant Stars im Zürcher Hauptbahnhof geladen.
Specker über den Entschluss, die Interactive Publishing massiv auszudehnen: «Schon letztes Jahr sah ich, dass man der Entwicklung des Onlinepublishing nur aus der Verlegerperspektive nicht mehr gerecht werden kann. Die ursprüngliche Frage der Interactive Publishing, wie Verleger das Internet nutzen können, hat sich immer stärker ausgeweitet. Diese Ausweitung erfolgt auf der Seite der Endgeräte ebenso wie auf der Seite der Inhaltsanbieter. Und damit stellt sich eine neue Kernfrage: Welcher Inhalt ist für welches Endgerät in welcher Situation sinnvoll und damit auch erfolgreich?» Antworten darauf, so Specker, suchten ein viel breiteres Feld von Unternehmen, als man bisher mit der Interactive Publishing angesprochen habe.
Wohl zum letzten Mal wird der Content Summit dieses Jahr im «Swissôtel» durchgeführt. Wegen des beschränkten Platzes konnten für die Content Show nur 23 Aussteller berücksichtigt werden. Maria Finders, International Projects Manager der Messe Basel: «Für die kommenden Jahre rechnen wir mit einem Potenzial von 200 Ausstellern.» Die Organisatoren können also schon mal nach einem neuen Austragungsort Ausschau halten.
Eine kurze Beschreibung der einzelnen Veranstaltungen finden Sie auf Seite 22. Weitere Infos
und Anmeldungen unter www.contentsummit.com

Muse & Musse: Natalie Jäggi

Muse & Musse Natalie JäggiWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?Natalie Jäggi: Das Festessen zum Alpabzug in Châtel St-Denis. Weil es «les moutards des paccots» nur einmal im Jahr gibt.Was le

Muse & Musse Natalie Jäggi
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?
Natalie Jäggi: Das Festessen zum Alpabzug in Châtel St-Denis. Weil es «les moutards des paccots» nur einmal im Jahr gibt.
Was lesen Sie gerade und warum?
Jäggi: Die Krimis von Batya Gur. Wegen Inspektor Ochajon – das ist noch ein Mann!
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Jäggi: «Viva la Woman» von Cibo Matto.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen und warum?
Jäggi: «Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs» von Pedro Almodovar. Geteiltes Leid ist halbes Leid!
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Jäggi: Schlafe nie fernsehend ein.
Welche ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Jäggi: www.blacksocks.ch
Liebe ist …?
Jäggi: International!

Das Trendportal für «20plus»

Der Zürcher Huxley.ch-Verlag hat sein Onlinemagazin zu einer Plattform für junge trendige Städter ausgebaut

Der Zürcher Huxley.ch-Verlag hat sein Onlinemagazin zu einer Plattform für junge trendige Städter ausgebautVon Clemens Hörler Huxley.ch, das Onlinemagazin für trendige Twens und andere Postadoleszente, präsentiert sich neu als «Portal for a brave new world». Vorerst noch mit starker Ausrichtung auf das urbane Leben von Downtown Switzerland.
«Wenn schon unabhängige Unterhaltung, dann richtig. Wenn schon quere Information, dann wenigstens hirnvoll. Und wenn schon ein Produkt für alle, die 20plus sind wie wir, die Herausgeber, dann halt eines, das Trend setzt und ihnen nicht nachrennt.» Die Macher von Huxley.ch haben keine Angst davor, den Mund voll zu nehmen. Und ebenso wenig vor grossen Schritten. Bewiesen haben sie das mit dem Ausbau ihres neuen Onlinemagazins zu einem frechen Portal für die Generation, «die kritisiert, ohne Sandalen mit Wollsocken tragen zu müssen».
Neben dem bekannten Lesestoff sind auf Huxley.ch seit kurzem auch Ferien- und Jobangebote, ein E-Mail- und Gratis-SMS-Dienst, ein Chatroom, ein Onlineradio, eine Flirtecke und ein Partykalender zu finden. Sehr beliebt bei den Besuchern ist die Site «Les Zuriquois» mit Bildern der Zürcher Partyszene. Schliesslich sieht sich das trendige Partyvolk am liebsten selber.
Noch nicht allzu ausgebaut ist das E-Commerce-Angebot, dafür sind die angebotenen Produkte nicht gerade alltäglich: zum Beispiel «Contact 18», ein Parfüm mit speziellen Duftstoffen, «das die Attraktivität des Durchschnittmannes auf die Durchschnittsfrau erhöhen soll». Natürlich kriegen auch die Frauen ihr entsprechendes Wässerchen.
«Bei den Partnerangeboten haben wir sehr genau darauf geachtet, dass diese zu unserer Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen passen», betont Adrian Hagenbach, Mitglied der dreiköpfigen Redaktions- und Verlagsleitung von Huxley.ch. Für den Partykalender wird mit der Zürcher Partyplattform Usgang.ch zusammengearbeitet, im Reisebereich mit Nettoreisen.ch und bei den Jobangeboten mit Poolside.ch.
Das Magazin bleibt im Zentrum der Geschäftstätigkeit
Mit der Ausweitung der Geschäftstätigkeiten erwirtschaftet Huxley.ch weitere Einnahmemöglichkeiten neben der Bannerwerbung. Laut Steven Hargitay, Mitglied der Redaktions- und Verlagsleitung, möchte Huxley die Bannerwerbung als Haupteinnahmequelle mittelfristig ersetzen, etwa durch Sponsoring und Merchandising, «immer unter Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit».
Die neuen Angebote sollen aber keinesfalls auf Kosten des wöchentlich aktualisierten Onlinemagazins gehen. Das nach dem britischen Schriftsteller Aldous Huxley (1894–1963) benannte Magazin informiert in fünf Rubriken über ein breites Themenspektrum: von Uriella über die neuesten Desktoprechner bis hin zu Herbstdepressionen und deren Gegenmittel: den Topszenetreffs.
Neben der Redaktions- und Verlagsleitung sind über zwanzig Freelancer um die verschiedenen Inhalte besorgt. Bis Ende Jahr soll das Angebot noch beträchtlich ausgebaut werden. Dann wollen die Zürcher gar über die Grenzen von Downtown Switzerland, oder simpler Zürich hinausschauen.

Hochkarätiges Marketing

Mit einem Award lanciert die Schweizer Optimas Signity in Nordamerika

Mit einem Award lanciert die Schweizer Optimas Signity in NordamerikaVon Luca AloisiKreativität, Talent und Geschick standen im Mittelpunkt des ersten Colored Gemstone Design Award 2000 in New York. Hinter dem Schmuckevent stand Edelsteingigant Signity, für den Optimas die glanzvolle Marketingplattform initiierte und ausbauen darf.
Zur elfjährigen Brüttiseller Kommunikationsgruppe Optimas AG zählt unter anderem die AG für Marktbearbeitung. Diese in klassischer Werbung, DM und Telefonmarketing tätige Agentur erhielt von der Horgener Signity im Herbst 1999 einen ungewöhnlichen Auftrag.
Speziell war er deshalb, weil Optimas Signitys Bekanntheitsgrad und Imagewert sowohl der Marke als auch ihrer Produkte in den fernen Märkten der USA und Kanada steigern und ausbauen sollte. Vorgabe war ein Marketingkonzept, das sich auf Edelsteinausstellungen abstützte, die jährlich in einem anderen Land stattfinden.
Aus- und Aufbau einer Luxusmarke im Überseemarkt
Hinter Signity verbirgt sich die weltweit grösste Edelsteinfirma im Maschinenschliff. Das Unternehmen mit Sitz in Horgen vertreibt echte und synthetische Edelsteine sowie Perlen an Juwelierfirmen wie Cartier, Bulgari oder Tiffany und entstand im Juni 1999 aus dem Joint-Venture zwischen der österreichischen Swarogem, einer Division von D. Swarovski & Co., und der Waadtländer Golay Buchel.
Dank des fliessenden Übergangs von den Mutterhäusern zur neuen Marke konnte das wichtige Vertrauenskapital ohne Verlust erhalten werden. Trotzdem drängten sich für Signity zwei Fragen auf: Welche Strategie und welche Agentur wählen für das grosse Potenzial des wichtigen US-Markts?
Weil Signity Distribution Logistik und Marketing zentral steuert, hielt Marketing Manager Bernd Stadlwieser bei der Partnersuche für die Kommunikation nach Agenturen in der Nachbarschaft Ausschau. Und da Optimas international ausgerichtet ist und vernetzte Marktbearbeitungstools anbietet, wurde er in Brüttisellen fündig.
Für den Bereich echter Edelsteine entwickelten die Brüttiseller Werbeleute einen Design Award. «Mit einem professionellen Marktauftritt, dem Design Award, sollte das schon bestehende Marketingkonzept aufgefrischt werden können», sagt Optimas-Berater Patrik Leuenberger.
Eine blendende Plattform, die auf die primäre Zielgruppe wie zugeschliffen war und gleichzeitig ein grosses mediales Feedback erzeugen sollte – den Colored Gemstones Design Award 2000. Die Chance, die angebotene Plattform zu nützen, dabei zu sein, zu gewinnen und damit den ganzen PR-Effekt für sich auszunützen, nahmen gleich 526 Juwelierprofis wahr.
Aufgrund des Erfolgs und der guten Medien- und Publikumsresonanz will Signity die Veranstaltung institutionalisieren. Denn solche Anlässe wirken in zwei Richtungen. Sie steigern
das Qualitätsbewusstsein, was auf die Marke abstrahlt. Und das anonymere Umfeld solcher Events baut beim Normalverbraucher Schwellenängste ab. Der Anlass bietet damit einen idealen Rahmen, um die Marke im Glanz ihrer Edelsteine erstrahlen zu lassen.
Farbtherapie als emotionaler Schlüssel zu den Edelsteinen
Das Resultat führte dazu, dass das Kommunikationsbudget auch für die Auflage 2001/2002 bei Optimas geblieben ist. «Es ist im Moment sogar im Gespräch, den Contest auf die ganze Welt auszuweiten, um dann im Jahr 2002 auf der Schmuck- und Uhrenmesse in Basel das grosse Finale – das schönste Schmuckstück der Welt – präsentieren zu können», blickt Bernd Stadlwieser in die Marketing-Zukunft.
Vorerst hat die Agentur für den nächsten Wettbewerb schon den Webupgrade abgeschlossen und für die Voranmeldungen zum Wettbewerb die Infopacks vorbereitet.
Als verbindendes Element der letztjährigen Kampagne – mit 40000 Mailings an potenzielle Teilnehmer – fungierte eine grafische Umsetzung, die auf einem Frauengesicht als Key Visual basierte, das aus den Facetten eines Edelsteins hervorstach.
Auf allen Stufen wurde der Wettbewerb von der Fachpresse wie einer Fachjury begleitet: von der direkten Ansprache der potenziellen Teilnehmer – «Your Chance to Shine» – bis zur Ausstellung der 62 Finalisten und der Wahl zum schönsten Schmuckstück – «An Invitation to Colorize Your Life».
Für Signity entstanden zwei Contestbroschüren mit dem gleichen Look und Feel, um die Edelsteine mit Emotionen zu verbinden und die Affinität zur Modewelt zu unterstreichen: eine für das Messeereignis selbst, die andere als Verkaufsinstrument.
Einen PR-Gewinn schlagen aber auch die Finalisten aus der Veranstaltung: Nebst einer speziellen Fachmesse im vergangenen Sommer im New Yorker Javits Center erscheinen ihre Arbeiten mit Bezugsadresse auf der Signity-Site im Internet.

Links gehts rum

insernet.ch verlinkt ungefragt 150 Anbieter von Onlineanzeigen

insernet.ch verlinkt ungefragt 150 Anbieter von OnlineanzeigenVon Markus KnöpfliUnter www.insernet.ch hat ein Unternehmensberater ein Portal für Onlinerubrikeninserate eröffnet. Doch vorerst handelt es sich bloss um eine Linksammlung zu Inserateanbietern. So kann über insernet.ch auch bei den einzelnen Anbietern inseriert werden.
«Alle Zeitungsinserate im www.
insernet.ch», steht provokativ auf kleinen Klebern, die letzte Woche an verschiedenen Orten anzutreffen waren. Schon wieder ein Internetpirat, der wie anzeiger.ch (WW 40/00) überall Inserate abzockt? Diese Frage stellt sich unwillkürlich.
Ein Besuch auf der Website zeigt jedoch: insernet.ch ist ein Portal für Onlineinserateanbieter. Unter 20 Rubriken (Auto, Immobilien, Jobs und anderes mehr) sind 150 Links aufgeführt, die u.a. zu winner.ch (Tamedia), good-day.ch (Anzeiger Luzern), ruebliland.ch (Aargauer Zeitung) oder auch anzeiger.ch führen. Das Bild einer nackten Dame am Rand wirkt hier eine Spur zu anzüglich.
Das scheint aber nicht beabsichtigt zu sein. «insernet.ch soll Personen, die Inserate suchen, einen Überblick über die Anbieter geben», erklärt Betreiber Karel Svec. Nun müsse man nicht mehr das ganze Internet nach Onlineinserateanbietern durchforsten. Seit seinem dreimonatigen Bestehen hätten sich die Besucherzahlen praktisch allein über die Mund-zu-Mund-Propaganda pro Monat verdreifacht. «Zurzeit verzeichnen wir rund 1000 Besucher täglich», sagt Svec.
Unfaire Sammlung von Links, aber alles noch im Graubereich
Zwar finden sich auf insernet.ch Werbebanner. Doch Svec gibt keine Tarife an. «Preise nach Absprache», sagt er. Vorerst geht es ihm weniger um Umsatz als um das Etablieren seines Portals. Dann aber werde insernet.ch auch für die Werbewirtschaft interessant, «denn alle Besucher sind potenzielle Käufer», sagt Svec. Zudem könne man spezifische Zielgruppen nach Rubriken ansprechen und ohne Streuverlust erreichen.
So gut die Idee auch ist, insernet.ch hat einen Schönheitsfehler: Alle Anbieter kamen unfreiwillig auf die insernet.ch-Linksammlung. Svec gibt unumwunden zu, dass er niemanden angefragt habe. Die meisten Anbieter wissen denn auch nichts von ihrem Glück, wie eine kleine WerbeWoche-Umfrage ergab. Marius Hagger, COO bei winner.ch, zum Beispiel wird insernet.ch juristisch noch berurteilen lassen. «insernet operiert in einem Graubereich, aber es ist weniger dramatisch als bei anzeiger.ch», sagte er. Ähnlich sieht es Mark Ehrsam, Product Manager Internet bei der Gassmann AG (Bieler Tagblatt). Svecs Vorgehen sei «nicht fair», allerdings sei es auch «nicht so schlimm, so lange es sich bei insernet.ch bloss um eine Linksammlung handelt».
Doch dabei will es Svec nicht belassen. Sein Ziel ist es, nicht nur die Links, sondern alle Inserate pro Rubrik zusammenzufassen. «Jetzt muss man beim Suchen innerhalb einer Rubrik von einem Anbieter zum andern klicken, das ist viel zu aufwändig», sagt er. Vorerst will Svec aber eine AG gründen; zudem arbeitet er daran, insernet auch in Deutschland und Österreich zu lancieren.

The Futur(e)s est Franglais

Agefi-Verleger Alain Fabarez lancierte Futur(e)s und bekam mit seiner Einführungswerbung ziemlichen Ärger

Agefi-Verleger Alain Fabarez lancierte Futur(e)s und bekam mit seiner Einführungswerbung ziemlichen ÄrgerVon Christophe BüchiDie Westschweizer Verlagsgruppe L’Agefi lanciert ein – ganz auf die New Economy spezialisiertes – Monatsmagazin. Es heisst Futur(e)s und hat auch typografisch grosse Ambitionen.
Das lang erwartete und immer wieder angekündigte Monatsmagazin der Agefi-Gruppe ist endlich da. Es wurde mit einer bemerkenswert vulgären Werbekampagne in Frankreich und in der Schweiz lanciert, die dann auch prompt den französischen Gesetzeshütern ins Auge stach. Ein Sujet, auf dem ein Mann seine Hosen runterlässt und den Passanten sein pralles, nacktes Hinterteil entgegenstreckt, wurde den Franzosen auf behördliche Weisung vorenthalten. Immerhin kam damit das Produkt aber ins Gerede. Und das kostet ja bekanntlich nichts…
Genau genommen handelt es sich eigentlich um zwei Magazine, denn der neue Titel kommt in einer französischen und einer schweizerischen Ausgabe heraus. Rund 60 Prozent des Inhalts findet sich in beiden Blättern. Der Hauptteil der Produktion befindet sich in Paris. Vier Redaktorinnen und Redaktoren des Lausanner Ablegers sind zur Hauptsache damit beschäftigt, den in der französischen Metropole produzierten Inhalt zu Verschweizern.
Futur(e)s ist der eigenartige, halb französische, halb englische Name des neuen Wirtschaftsmagazins, von dem man nicht recht weiss, wes Geistes Kind er ist. Es ist also nicht ganz klar, ob der geneigte Käufer am Kiosk ein «Fütür» oder ein «Fjuutscher» oder gar ein «Fjuutschers» verlangen soll. No future…
Futur(istisches) wird zu Fast-Food-Journalismus
Das erste Futur(e)s umfasst 178 Seiten. Viele Fotos, eine gewollt schiefe Graphik, LED-Typo: Das Heft will mit der Vergangenheit brechen und sich nach einer modernen, aus der Computerwelt stammenden Ästhetik ausrichten. Die Themen sind ganz auf New Economy und vor allem auf die neuen Applikationen in der Informatik fokussiert. Dem alten Wirtschaftsjournalismus wird ade gesagt: Es werden keine ellenlangen Artikel, keine Geschäftszahlen und keine Umsatzkurven serviert.
Als Ersatz dafür bekommt man viel Human touch und eine Menge Kleinfutter verabreicht. Das Magazin in Bilanz-Format kommt ganz gefällig, aber auch etwas beliebig daher. Der altmodische Leser, der gern auch etwas liest, muss sich gedulden und bis Seite 34 vorblättern, bis er endlich einigermassen solide Kost zwischen die Zähne bekommt. Und auch am Schluss dürfte ihm der Magen knurren. Fast-Food-Journalismus.
Futur(e)s will kein zweites Bilan sein
Das Magazin will bewusst die Regeln des traditionellen französischen Wirtschaftsjournalismus überwinden, sagt Danielle Hennard, die 49-jährige Chefredaktorin der Schweizer Ausgabe. Für Agefi-Verleger Alain Fabarez geht es auch gar nicht darum, den etablierten Zeitschriften wie Bilan etwas Gleiches entgegenzusetzen, sondern der New Economy und der damit verbundenen Kultur breiten Platz einzuräumen.
Fabarez will auch nicht einfach das klassische Publikum der Wirtschaftspresse ansprechen, sondern weiter ausholen: «Wir denken an den 18-jährigen Studenten, der noch nicht weiss, was er später tun will, aber auch an den 55-jährigen Kadermann, der sich auf dem Laufenden halten will. Den Leser, den wir nicht bekommen, ist der Angestellte, der auf seinem Sessel klebt.»
Futur(e)s made by Agefi ist in Frankreich für 20 französische Francs und in der Schweiz für 8.50 Schweizer Franken zu haben. Es erscheint am ersten Montag des Monats. Fabarez hat sich zum Ziel gesetzt, pro Heft fünfzig Seiten Werbung zu akquirieren. In Frankreich will man zwischen 70000 und 100000 Exemplare verkaufen, in der Schweiz wäre man mit 30000 verkauften Exemplaren zufrieden.
Die Westschweizer Konkurrenz – vor allem Bilan aus dem Haus Edipresse und PME Magazine von der Gruppe HandelsZeitung – gibt sich einstweilen gelassen. Bilan-Chefredaktor Alain Jeannet bezeichnet Futur(e)s als späten Remake von Wired: «Diese Grafik ist bereits aus der Mode. Futur(e)s wird nicht einmal 10000 Exemplare verkaufen. Die New Economy nur mit den Start-ups gleichzusetzen, das ist passé. Die New Economy, dazu gehören auch die Migros und die Post.»
Fabarez lässt sich von den freundlichen Worten der Konkurrenz nicht beirren. Er hat zwischen fünf und sieben Millionen (Schweizer) Franken ins Projekt gesteckt. Würde er diesen Einsatz verlieren, könnte er es mit Fassung tragen. Denn beim Börsengang der Agefi-Gruppe hat er grosse Kasse gemacht. Und die Aktionäre brauchen sich – bisher zumindest – nicht zu beklagen. Die Agefi-Aktie wurde im Juli 1999 zu 227.50 Franken an die Börse gebracht und hat ihren Wert beinahe verdreifacht.
Also: Wo liegt das Problem?

Männermagazin tell. wird zu untell.

Name vor der Lancierung weggeschnappt

Name vor der Lancierung weggeschnapptDas am 14. September lancierte Männermagazin tell. des Genfer Verlags Audace Publishing wurde bereits mit der zweiten Ausgabe im November umgetauft und heisst neu untell. Die Geschäftsleitung von Audace Publishing hatte seinerzeit wohl abgeklärt, ob der Name bereits vergeben sei, es aber unterlassen, tell. als Marke registrieren zu lassen. Eine Privatperson auf dem Platz Genf, die in Eigenregie bereits das wenig professionell aufgemachte Gratismagazin Happy few zur Verteilung in den Genfer Hotels herausgibt, zeigte sich smarter als die Leute von tell. Einen Monat vor der Lancierung des Herrenmagazins hat eine gewisse Madame Ferbach den Namen tell magazines registrieren lassen, angeblich nicht wissend, dass Audace Publishing eine Zeitschrift gleichen Namens publizieren wollte.
Die Geschäftsleitung von Audace Publishing verzichtet auf den Gang vor den Richter, um den jungen Verlag nicht unnötig mit Kosten zu belasten, und wählt den weniger strapazierenden Weg mit einem Namenswechsel.
Für die Macher von tell. bereitete die Suche nach dem neuen Namen kaum Kopfzerbrechen, figurierte untell. doch bereits unter den Varianten, die zu Beginn des Projektes diskutiert worden seien, sagt Verlagsleiter Eric Valette. Untell. soll das Magazin noch besser als einzigartiges Produkt auf dem Markt positionieren. Von den Lesern sei die Namensänderung, die visuell tatsächlich nicht ins Auge sticht, kaum wahrgenommen worden, stellt Valette weiter fest. Zudem mache der Titel allein nicht den Ruf des Magazins aus; wichtig sei der Inhalt, meinte Chefredaktor Frédéric Gilbert gegenüber der WerbeWoche.
Audace Publishing ist nach Ringier Romandie das zweite Medienunternehmen der Westschweiz, das bei der Namensgebung seiner neuen Titel eine böse Überraschung erlebte. Das Frauenmagazin von Ringier Romandie brachte es 1996 nur bis zur Nullnummer unter dem Namen Style. Der war nämlich bereits von einem deutschen Magazin besetzt gewesen. Die Verlagsleitung liess sich dann zwei Jahre Zeit, um ihr Produkt mit dem für eine welsche Frauenzeitschrift unüblichen Namen Edelweiss zu taufen. Anita Vaucher

Das Bezahlfernsehen ist teuer und kommt nur im Schneckentempo

Das digitale Fernsehen hat weltweit unterschiedliche Anlaufschwierigkeiten: In den USA geht es rasant voran, doch in Europa und Asien machen die Zuschauer noch lange nicht mit

Das digitale Fernsehen hat weltweit unterschiedliche Anlaufschwierigkeiten: In den USA geht es rasant voran, doch in Europa und Asien machen die Zuschauer noch lange nicht mitVon Wolfgang KoschnickEs gibt so gut wie keinen Zweifel: Dem digitalen Fernsehen gehört die Zukunft. Aber die Zukunft lässt auf sich warten. In Europa geht der Fortschritt so schleppend voran, dass einem ganz bang werden könnte. In den USA, in Asien und sogar in manchen Teilen Afrikas geht es etwas flotter, aber fast überall gibt es grosse Schwierigkeiten, grössere Publika für das neuzeitliche TV-Angebot zu rekrutieren.
Die Amerikaner blicken schon auf eine sechsjährige Erfahrung mit dem digitalen Fernsehen zurück. 1994 startete das Direct Broadcast Satellite System (DBS) noch ganz zaghaft. Heute versorgen sich rund 14 Millionen Amerikaner per Satellit mit dem Programmangebot des Digital Satellite System (DSS).
Monatlich 250000 mehr DTV-Konsumenten in den USA
Die aktuellen Wachstumsraten sind gewaltig. Jeden Monat entscheidet sich eine weitere Viertelmillion Amerikaner für das digital übertragene Satellitenfernsehen. In den USA ist der Satellitenempfang heute de facto synonym mit digitalem Fernsehen: Das digitale Fernsehen kommt praktisch ausschliesslich per Satellit in die Haushalte.
Unter den einst fünf teils grossen, teils kleinen Anbietern – die allesamt miteinander in harter Konkurrenz standen – hat es im Verlauf der letzten Jahre eine markante Flurbereinigung gegeben. Sie haben einander zum grossen Teil aufgekauft. Und jetzt sind praktisch nur noch zwei Konkurrenten am Markt.
Führend war und ist DirecTV mit Sitz in El Segundo, Kalifornien. Es liefert ein Basisangebot und eine Reihe von Pay-per-view-Kanälen: insgesamt über 500 Kanäle, aus denen die Abonnenten die Qual der Wahl haben. Zu den attraktivsten Elementen zählen Spielfilme, Sport, Musik und Nachrichten. Vor allem exklusive Programmpakete mit populären Sportereignissen und über fünfzig Kanäle mit Pay-per-view-Filmen haben das Unternehmen schon in den ersten Jahren an die Spitze katapultiert.
DirecTV ist eine Tochter der Hughes Electronics Corporation, die auch am amerikanischen Raumfahrtprogramm beteiligt ist und selbst Satelliten baut. Das Unternehmen hat sich längst zu einem global operierenden TV-Veranstalter gewandelt. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf Lateinamerika und auf Asien. Über eine Mehrheitsbeteiligung an Galaxy Latin America kontrolliert DirecTV den lateinamerikanischen Markt mit Programmangeboten in elf Ländern (Brasilien, Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Chile, Ecuador, Guatemala und andere).
In den USA ist DirecTV mit über neun Millionen Abonnenten und einem Marktanteil von 65 Prozent Marktführer. Die Pionierjahre des digitalen Satellitenfernsehens in den USA standen ganz unter dem Zeichen einer erbitterten Konkurrenz zwischen DirecTV und PrimeStar. Eine Zeit lang lagen die beiden Unternehmen nach der Abonnentenzahl fast gleichauf. Doch dann preschte DirecTV dem Konkurrenten davon. Im April 1999 schliesslich schluckte es PrimeStar mit seinen damals rund 2,3 Millionen Abonnenten. In diesen Tagen ging das Gesamtangebot nahtlos in DirecTV über.
Die jahrelange Nummer zwei entstand als ein Gemeinschaftsunternehmen verschiedener Kabelgesellschaften: Tele-Communications Inc. (TCI), Time Warner, Continental Cablevision, Comcast und Cox schlossen sich mit General Electronics Americom zur Firma PrimeStar Partners mit Sitz in Bala Cynwyd, Pennsylvania, zusammen. Zur besten Zeit strahlte PrimeStar über 500 Kanäle aus.
Während die Abonnenten von DirecTV die Parabolantenne und das Empfangsgerät kaufen müssen, funktionierte PrimeStar auf Mietbasis. Gerätemiete und Abonnementkosten wurden dabei zu einem Monatsbetrag zusammengerechnet, der für die kleinste Programmkombination mit einem Dollar pro Tag begann. Darin lag der entscheidende Unterschied: DirecTV trat von Anfang an als high-power DBS-System an, PrimeStar als medium-power DBS. Für DirecTV kommt man mit ziemlich kleinen Satellitenschüsseln aus. Die für PrimeStar sind ein Stückchen grösser. In der Pionierphase, als das Empfangsequipment für DirecTV noch gut 600 Dollar kostete, profitierte PrimeStar von dieser Kalkulation. Mit fallenden Gerätepreisen liess die Attraktivität stark nach.
Die Konkurrenz ist zwar geschrumpt, schläft aber nicht
Das Dish Network mit Sitz in Littleton, Colorado, gehört zur EchoStar Communications Corporation und bietet inzwischen auch über 500 Kanäle an. Nach jahrelangem Krebsgang hat es Dish Network in den letzten Jahren auf mehr als drei Millionen Abonnenten gebracht. Es ist der zurzeit am schnellsten wachsende Anbieter von digitalem Satellitenfernsehen. Heute hat es 4,76 Millionen Programmbezieher. Die Programmangebote von DirecTV und EchoStar unterscheiden sich nur noch marginal voneinander, und auch die Preise liegen heute in etwa auf demselben Niveau.
Bedeutungslos ist heute AlphaStar in Stamford, Connecticut, eine Tochtergesellschaft der kanadischen Tee-Comm Electronics in Milton, Ontario, und seit Juli 1996 auf dem Markt. Es bietet eine Auswahl aus 110 Kanälen und hat noch rund 10000 Abonnenten. AlphaStar nutzt einen Satelliten der Telefongesellschaft AT&T und spielt praktisch nur noch in Kanada eine Rolle.
Erfolgreicher als Videorecorder und CD-Player
Die Programme, die von den meisten Digital-TV-Nutzern gewählt werden, sind Sportübertragungen. Vorteil: Auch Spiele, die von den normalen Sendernetzen nur regional gezeigt werden, können im ganzen Land gesehen werden. Allerdings ist das ziemlich teuer. Im Durchschnitt zahlt jeder DSS-Kunde 75 Dollar im Monat, um unter rund 500 verschiedenen Angeboten wählen zu können.
In den USA hat sich das digitale Fernsehen in Windeseile durchgesetzt. Nur 13 Monate nach seinem Start im Oktober 1994 registrierte DirecTV den millionsten zahlenden Teilnehmer. So schnell haben weder Videorecorder noch CD-Player je in einem Land Fuss gefasst. Heute ist digitales Fernsehen in etwa jedem achten amerikanischen Haushalt zu empfangen.
Die Akzeptanz des digitalen Fernsehens wurde in den USA dadurch erleichtert, dass die Amerikaner es gewohnt sind, für ein erweitertes Fernsehangebot zur Kasse gebeten zu werden. Kabelfernsehen ist in Amerika eine kostspielige Angelegenheit, über die kein Amerikaner mehr ein Wort verliert. Entweder man hats und zahlt dafür, oder man hats nicht.
Dass man – wie in vielen europäischen Ländern – über dreissig Fernsehprogramme frei Haus in die guten Stuben geliefert bekommt, finden die meisten Amerikaner absurd: «There is no such thing as a free lunch.» Wird etwas gratis angeboten, so wittern die Amerikaner den Ausbruch des Sozialismus. Und der ist ihnen suspekt.
Das amerikanische Kabelfernsehen hat in den letzten Jahren viel von seiner einstigen Attraktivität eingebüsst. Es bietet oft nur eine geringe Anzahl an Kanälen und ist in ländlichen Gebieten extrem störanfällig. Mit einem für amerikanische Verhältnisse miserablen Kundendienst haben die Kabelgesellschaften selbst den Satellitenanbietern den Weg gebahnt.
Kabelfernsehen besitzt noch immer 65 Millionen Kunden
Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als wolle der weltweit operierende Medientycoon Rupert Murdoch auch den Digital-TV-Markt in den USA aufmischen. Vor einigen Jahren kündigte er an, er wolle über EchoStar ein digitales Satellitensystem mit 500 Fernsehkanälen anbieten. Das tat er zu einem Zeitpunkt, als DirecTV gerade mal 200 Kanäle im Angebot hatte.
Dazu hatten EchoStar und Murdochs Partnerkonzern MCI Communications zusammen mehr als die Hälfte der Satellitenplätze in den USA gekauft und reserviert. Doch dann verabschiedete sich Murdoch kurzentschlossen wieder von seinen ambitionierten Satellitenplänen und verkaufte die beiden Satelliten von ASkyB für 1,1 Milliarden Dollar an den Konkurrenten PrimeStar.
Es war den Betreibern von terrestrischem und Kabelfernsehen gelungen, EchoStar und Murdoch dicke politische Steine in den Weg zu rollen. Darüber zerbrach die Partnerschaft. EchoStar geriet eine Zeit lang in ernste finanzielle Turbulenzen, aus denen es sich inzwischen allerdings wieder freigestrampelt hat.
Anders als in Europa und in Asien spielt das Satellitenfernsehen in den USA dennoch keine allzu grosse Rolle. Rund 14 Millionen Haushalte werden über direkt strahlende Satelliten versorgt. Das sind knapp 15 Prozent aller US-TV-Haushalte. Sehr viel wichtiger ist dem gegenüber immer noch das Kabelfernsehen, das mehr als 65 Millionen Kunden zählt.
Im nördlichen Nachbarland Kanada spielt das digitale Direct-to-Home (DTH)-Satellitenfernsehen eine noch sehr viel geringere Rolle als in den USA. Marktführer ist Bell ExpressVu mit etwa 215 000 Abonnenten. An zweiter Stelle folgt Star Choice mit 190 000 Abonnenten.
Murdoch will zwei Drittel der Weltbevölkerung erreichen
Für den global operierenden Medientycoon Rupert Murdoch stand eine Zeit lang der Erfolg eines weltumspannenden Fernsehnetzes auf dem Spiel, mit dem er zwei Drittel der Weltbevölkerung mit Fernsehprogrammen beliefern wollte und womöglich noch immer will.
Seine Ambitionen reichen weit über den amerikanischen und den britischen Markt hinaus. Auch in Lateinamerika, in Asien und im Nahen Osten zählt seine News Corporation heute zu den Big Players.
Murdochs Star TV operiert in Asien seit fast zehn Jahren und geniesst damit gegenüber den meisten Konkurrenten einen Know-how-Vorsprung. Allein in Indien erreicht Star TV über zwanzig Millionen Haushalte, in Pakistan sind es drei Millionen. In Indien bietet Star TV zehn Kanäle, in Pakistan sogar zwölf. Dabei sind nur zwei bis drei der Kanäle englischsprachig. Bei Star TV weiss man längst, dass auch das globale TV-Geschäft vor Ort gemacht wird.
Die Gesamtzahl der Abonnenten von Star TV, das weltweit in 53 Ländern sendet, beläuft sich auf über 300 Millionen Haushalte. Allein in China hat der chinesischsprachige Unterhaltungskanal Phoenix, der zu 45 Prozent Murdoch gehört, eine technische Reichweite von 36 Millionen Haushalten.
Heute beherrscht Star TV das digitale Fernsehgeschäft in ganz Asien und darüber hinaus in Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas. Allein in der Volksrepublik China unterhält es neun Kanäle. In Hongkong ist es sogar mit über zehn Programmen vertreten.
Dennoch findet man es auch in Taiwan mit neun Kanälen, die ausnahmslos auf lokale Sehbedürfnisse ausgerichtet sind. Kein einziges ist irgendein britisches oder amerikanisches Programmbouquet, das einfach vor chinesischem Publikum abgenudelt wird.
Es gibt kaum ein Land in Asien, in dem Star TV heute nicht mit einem eigenen digitalen TV-Angebot vertreten ist: auf den Philippinen, in Australien, Papua-Neuguinea, Neuseeland, Thailand, Vietnam, Malaysia, Singapur, Macao, Korea, Indonesien, Bangladesh, Sri Lanka und Brunei gibt es Star TV ebenso wie in Israel, Kasachstan, Usbekistan, Georgien, den Malediven oder Neu-Kaledonien.
In Japan ist die Goldgräberstimmung verflogen
So erfolgreich wie in den USA ist das digitale Fernsehen sonst nur in Japan. Dort ging 1996 als erster Anbieter Rupert Murdochs Star TV mit einem relativ bescheidenen Programm auf Sendung. Auf dem Höhepunkt gab es allein sechs konkurrierende Anbieter: PerfecTV, ein rein japanisches Unternehmen, DirecTV, das amerikanische Kommunikationsunternehmen, das in Japan zusammen mit japanischen Partnern auftritt, JSkyB von Rupert Murdochs News Corporation, Star TV, ebenfalls von Murdochs News Corporation, und SkyD, wieder ein rein japanisches Unternehmen.
Auch in Japan ist die Goldgräberstimmung der ersten Pionierjahre längst verflogen. Eine grosse Flurbereinigung hat die Zahl der Anbieter drastisch reduziert. Einige der ausländischen Anbieter haben sich in der fremdenfeindlichen Atmosphäre der japanischen Medienlandschaft blutige Nasen geholt: allen voran Rupert Murdoch. Als er sich 1996 in den Sender TV Asahi einkaufte, löste das einen wahren Aufruhr in Japan aus. Neun Monate später verkaufte er seine Anteile wieder und konzentrierte alle Anstrengungen darauf, das digitale Satelliten-TV-Paket JSkyB in den widerstrebenden Markt zu pushen.
Auch das scheiterte. Und Anfang 1998 verkaufte Murdoch seinen Satellitensender wieder an den Marktführer PerfecTV, der sich in SkyPerfecTV umbenannte. Der Marktführer SkyPerfecTV dürfte es in diesem Jahr auf über zwei Millionen Abonnenten bringen. Die japanische Niederlassung des Hughes-Konzern, DirecTV Japan, hat es in den drei Jahren seit ihrer Lancierung im Herbst 1997 gerade mal mit Mühe und Not auf unter 400000 Abonnenten gebracht.
Die Basis für das Digital-TV ist schon deshalb besonders günstig, weil die Japaner zu den fleissigsten TV-Zuschauern der Welt zählen. Über vier Stunden verbringen sie im Tagesdurchschnitt vor dem Bildschirm. Sie wären die Weltmeister im Dauerglotzen, wären da nicht die Amerikaner.
In der Verbreitung konzentrieren sich die Digital-TV-Anbieter auf die knapp zehn Millionen japanischen Satellitenhaushalte. Verkabelt sind in Japan weniger als drei Millionen Haushalte. 43 Millionen Haushalte empfangen ihr Fernsehprogramm noch immer über Antenne. Auch im Hochtechnologieland Japan wird oft nur mit Wasser gekocht.
Das bezieht sich auch auf die wirtschaftliche Lage des digitalen Satellitenfernsehens: Die beiden ungleich starken Konkurrenten, SkyPerfecTV und DirecTV Japan, sind noch weit davon entfernt, schwarze Zahlen zu schreiben. Es müsste eigentlich mit dem Teufel zugehen, wenn überhaupt alle beide auf Dauer überleben würden.
Alle Anzeichen sprechen dafür, dass DirecTV Japan sich in der längerfristigen Perspektive gegen die einheimische Konkurrenz nicht behaupten kann und eher früher als später geschluckt wird oder sich aus dem Markt schleicht.
Reibungslose Etablierung des DTV in afrikanischen Ländern
Die Verbreitung des digitalen Fernsehens hängt am allerwenigsten vom technischen Entwicklungsniveau eines Landes ab. Mindestens genauso wichtig ist die medienpolitische Konstellation. So haben sich digitale Fernsehangebote in einigen afrikanischen Ländern wie Namibia, Zimbabwe, Angola und Malawi – die allesamt nicht gerade zu den globalen Spitzennationen der Unterhaltungsindustrie zählen – relativ reibungslos etabliert. Umgekehrt ist das Digitalfernsehen in manchen hochentwickelten Industrieländern bis zum heutigen Tag im zähen Sumpf der Medienpolitik praktisch stecken geblieben.
37 Staaten in Afrika, im Nahen Osten, in Griechenland und Zypern können über Satelliten ungefähr vierzig Fernsehprogramme empfangen. Bereits im Oktober 1995 startete MultiChoice mit DStv in Südafrika ein digitales Programmangebot, das es auf rund 200000 Abonnenten bringt. Es versteht sich fast von selbst, dass die MultiChoice-Kunden durchwegs eher weiss und wohlhabend sind. Dementsprechend ist das Programmbouquet ausgerichtet.
Die meisten Programme werden in Englisch angeboten, drei in anderen europäischen Sprachen sowie in Chinesisch und Hindi. Afrikanische Sprachen und Dialekte kommen im afrikanischen digitalen Satellitenfernsehen gar nicht vor. Schöne neue Welt.
Fernsehen der Zukunft

Dies ist die dritte Folge der Artikelserie über das «Fernsehen der Zukunft». Darin beschreibt und analysiert Wolfgang J. Koschnick die schleppende Ausbreitung des digitalen Fernsehens in der aussereuropäischen Welt. Die vierte und letzte Folge untersucht die Situation und die vielfältigen Probleme des digitalen Fernsehens in
Rasantes Wachstum

DirecTV PrimeStar EchoStar Gesamt
September 1999 5 923 000 1 800 000 2 972 000 10 695 000
Oktober 1999 6 138 000 1 600 000 3 113 000 10 851 000
November 1999 6 365 000 1 500 000 3 250 000 11 115 000
Dezember 1999 6 679 000 1 400 000 3 420 000 11 499 000
Januar 2000 6 879 000 1 200 000 3 540 000 11 619 000
Februar 2000 7 095 000 1 100 000 3 650 000 11 845 000
März 2000 7 360 000 1 000 000 3 865 000 12 225 000
April 2000 7 670 000   800 000 4 005 000 12 475 000
Mai 2000 7 960 000   600 000 4 155 000 12 715 000
Juni 2000 8 242 000   435 000 4 310 000 12 987 000
Juli 2000 8 542 000   280 000 4 460 000 13 282 000
August 2000 8 864 000   110 000 4 612 000 13 586 000
September 2000 9 017 000 — 4 760 000 13 777 000
Quelle: Redaktionsbüro Koschnick Europa.
Sendername DirecTV PrimeStar* EchoStar

Gesellschafter GM Hughes Electronics News Corp. (30 %), Dish Network (100 %)
(71,5 %), PanAmSat TCI (14 %),Cox Cable
(28,5 %) Communications (14 %),
Continental Cablevision (14 %);
Time Warner (14 %), Comcast
Cable Communications (14 %)
Sendestart Juni 1994 Juni 1994 April 1996
Zahl der Abonnenten** 9 017 000 –– 4 760 000
Anzahl der TV-Kanäle über 500 über 500*** 500
* PrimeStar ist seit April 1999 eine hundertprozentige Tochter von DirecTV
** Stand September 2000
*** bis August 2000
Quelle: Redaktionsbüro Koschnick
Sendername SkyPerfecTV DirecTV Japan

Gesellschafter 28 japanische Firmen: Japan Satellite Hughes Communications (35 %), Culture
Systems (13,9 %), Itochu (13,85 %), Convenience Club (35 %), Matsushita (10 %),
Nissho Iwai (13,85 %) , Mitsui (13,85 %), Mitsubishi (5 %), Mitsubishi Electric (5 %),
Sumitomo (13,85 %), Sony (5 %), Space Communications (5 %),
Toyota (5 %), NEC (3 %), NTT (2,4 %), Dai Nippon Printing (5 %)
Sharp (1,5 %), Toshiba (1,5 %),
Matsushita (1,5 %), Yoshimoto Kogyo
(1,5 %) und 15 weitere
Sendestart Oktober 1996 Herbst 1997
Zahl der Abonnenten 1 597 100 386 600
Anzahl der TV-Kanäle über 150 über 150
Quelle: Redaktionsbüro Koschnick (Stand Mitte 2000)

Strom heisst jetzt Axpo

AY&R will die Stromholding als Leader im brandlosen Energiemarkt platzieren

AY&R will die Stromholding als Leader im brandlosen Energiemarkt platzierenDer Energiemarkt ist im Umbruch. Öffentliche Unternehmen werden zu AGs, aus dem Angebots- ein Nachfragemarkt. Stromversorger müssen sich für die 2007 vorgesehene Marktöffnung eine Poleposition verschaffen. Mit der Bildung der Holding Axpo und einer imposanten Launchkampagne bereiten sich sechs grosse Elektrizitätswerke und ihre Vertriebspartner auf härtere Strommarktbedingungen vor. Dafür orientierte sich Advico Young & Rubicam nur in Ansätzen an den deutschen Vorreitern Yellow und E-On. Die Agenturlösung basiert auf einer Reduktion der Komplexität und platziert die Marke als Leader mit der Botschaft: Axpo = Energie oder Energie = Axpo. Seite 10
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