Muse & Musse: Barbara Hartmann

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?Muse & Musse Barbara Hartmann
Barbara Hartmann: Einen filmreifen Sonnenaufgang.
Was lesen Sie gerade und warum?
Hartmann: «Aschenbechergymnastik» von Max Goldt, kurz und schräg.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Hartmann: Je nachdem, von «Moloko» bis «Bullitt».
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen und warum?
Hartmann: «Delicatessen» von Jeunet et Caro, tiefschwarzer Humor, wunderbar.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Hartmann: Beim ersten Film des Abendprogramms, beim nachfolgenden bin ich mittendrin wieder aufgewacht, dies ergab einen etwas seltsamen, völlig neuartigen Film.
Welche ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Hartmann: www.britart.com
Liebe ist…?
Hartmann: Unbeschreiblich.

«Drei Schüsse, ein Volltreffer»

Ringier sieht gute Zukunft für MEX

Ringier sieht gute Zukunft für MEXMartin Kall, bei Ringier Leiter Zeitschriften, äussert sich zum Verkauf von MEX.Es ist ungewöhnlich, dass Ringier einen Verkauf ankündigt und nicht nach erfolgtem Verkauf informiert.
Martin Kall: Wir haben mit MEX-Mitarbeitern eine Marktanalyse gemacht und das Resultat mit dem Verkaufsvorschlag der Konzernleitung vorgelegt. Dieser Gruppe waren wir eine offene Antwort über den Entscheid schuldig. Zudem dürfte jetzt auch das Verkaufen leichter werden. Jeder erfährt ja aus den Medien, dass wir verkaufen wollen.
Ist es so schwierig, einen Käufer für MEX zu finden?
Kall: Es muss ein flexibler Kleinunternehmer sein, der im Jugendmarkt eine Verankerung hat. Wenn wir den finden, wird er viel Freude an MEX haben. Ich bin optimistisch.
Wenn Sie schon unseren redaktionellen Teil für Werbung nutzen, legen Sie hier doch bitte gleich einen Werbespot für MEX hin.
Kall: (lacht) Nein, so weit will ich nicht gehen, sonst wird Ihr redaktioneller Inhalt zu sehr mit Werbung belastet. Das würde dem Image der WerbeWoche schaden.
Ringier will nur das Heft verkaufen, nicht aber das zugehörige Internetangebot www.mextown.ch. Das macht doch keinen Sinn?
Kall: Mextown läuft sehr gut. Aber wenn ein Interessent für die Zeitschrift auch am Internetauftritt interessiert ist, werden wir das natürlich prüfen – wenn das preisliche Angebot stimmt.
1998 floppte auch Cashual. Warum hatte Ringier in jenem Jahr keine allzu glückliche Hand?
Kall: 1998 war auch das Jahr, in dem wir GesundheitSprechstunde lanciert haben. Ein wunderbarer Titel, der heute 500000 Leserinnen und Leser hat. Wenn ich jedes Mal von drei Schüssen einen Volltreffer habe, bin ich auch zufrieden. Im Übrigen ist in den Zeitschriftenmärkten von Deutschland oder Frankreich der Anteil der Titel, die lanciert und eingestellt werden, viel höher als in der Schweiz. Zudem gehört es zum Verlagswesen, dass man etwas wagt. Aber man muss auch den Mut haben zu sagen, wenn etwas nicht geklappt hat. Interview: Markus Knöpfli

Die Riesen forcieren ihr Marketing

MSN, Yahoo & Co. wollen ihre Plattformen auch in der Schweiz stärker als bisher vermarkten

MSN, Yahoo & Co. wollen ihre Plattformen auch in der Schweiz stärker als bisher vermarktenVon Clemens Hörler Hotmail, GMX oder Yahoo gehören zu den am meisten genutzten Websites der Schweiz. Trotzdem wurden sie bisher als Plattformen für Schweizer Onlinewerbung nicht allzu intensiv genutzt. Viele globalen Internetriesen haben nun aber begonnen, ihre Sites in der Schweiz verstärkt zu vermarkten.
Auch auf internationalen Dotcomsites kann man mit Werbebannern gezielt Internetuser in einem bestimmten Land oder einer klar eingegrenzten Region ansprechen. Möglich macht dies eine automatisierte Analyse der Daten, die der Besucher einer Website hinterlässt, zum Beispiel die IP-Nummer, über die er sich ins Internet eingewählt hat. Andere Websites betreiben Geotargeting anhand von Nutzerprofilen, die die Konsumentinnen und Konsumenten selbst erstellt haben und die auch Aufschluss über ihren Wohnort geben. Dies ist zum Beispiel bei Hotmail der Fall.
Eine Umfrage unter Schweizer Vermarktern zeigt, dass Geotargeting auch in der Schweiz ein Thema ist. Allerdings wurden in der Schweiz internationale Websites gemessen am Traffic bisher eher stiefmütterlich behandelt. Dies, obwohl Yahoo, Hotmail oder Altavista zu den am häufigsten genutzten Websites gehören.
Laut MA Comis 2000 kommt MSN Hotmail in der Deutschschweiz auf einen engeren Nutzerkreis von 258000 Personen. Bei MSN Schweiz spricht man von 480000 aktiven Nutzern aus der ganzen Schweiz. Eine stattliche Nutzergemeinde hat auch Yahoo: Philippe Guillanton, Director of Operations von Yahoo Europe, schätzt die Zahl der Yahoo-Nutzer in der Schweiz auf Grund von Logfileauswertungen auf 400000 bis 700000 Personen.
Dass auf diesen Sites bisher nur ein leises Schweizer Werbelüftchen wehte, hat zwei Gründe.
Einige der grossen Sites wurden bisher noch nicht mit voller Kraft vermarktet. Zudem bevorzugten viele Schweizer Unternehmen, ihre Werbebanner auf Schweizer Sites zu schalten.
«Viele Werbekunden waren sich bis vor kurzem gar nicht bewusst, dass Geotargeting überhaupt möglich ist. Sie dachten einfach, dass ein Schweizer Produkt auch auf einer Schweizer Website beworben werden muss», erklärt Gianni Abner, Verantwortlicher für die Internetmediaplanung bei B, G, Media «Internet» in Zürich.
Auch Urs Wolfensberger, Managing Director von Real Media Schweiz, das bisher auch Yahoo vermarktet hat, glaubt, dass es wohl einfacher wäre, Yahoo.ch als Yahoo.com oder Yahoo.de in der Schweiz zu vermarkten.
Und Peter Strassmann, Geschäftsleiter von ActiveAgent Switzerland, stellt fest: «Viele Werbekunden tendieren auch online zu Produkten, die sie bereits aus der Offlinewelt kennen.» Bestes Beispiel dafür sind die Websites von Medienunternehmen, die sich bereits im Printbereich als zuverlässige Werbepartner erwiesen haben.
Das Marktforschungsinstitut Forrester Research hat für Deutschland aufgezeigt, dass dort einige Mediensites nicht einmal unter den Top 50 bezüglich Page Impressions zu finden sind, sich bei den Werbeerlösen aber unter den Top 10 tummeln.
Laut Abner ist nun aber ein Trend zu den internationalen Plattformen erkennbar: «Viele Kunden merken, dass man auch im Internet für gewisse Kampagnen in kurzer Zeit einen grossen Werbedruck entwickeln muss. Dafür kommen auf Grund der Trafficzahlen nicht sehr viele Schweizer Sites in Frage.»
Druck der Globalplayers auf Schweizer Websites steigt
Nicht nur Werbekunden entdecken vermehrt die globalen Internetplattformen, auch diese entdecken die Schweiz. Vor allem US-Player, die sich bei ihrem Markteintritt nach Europa auf Grossbritanninen, Deutschland und Frankreich gestürzt hatten, wollen auch kleinere Märkte künftig stärker beackern: Microsoft beispielswiese möchte laut Roger Moser, Business Manager von MSN Schweiz, die Vermarktung des MSN-Angebots ankurbeln, zu dem auch Hotmail gehört.
Im Gegensatz zu den meisten anderen internationalen Playern hat MSN schon 1998 eine Schweizer Plattform (www.msn.ch) lanciert. Bei der Vermarktung zählt MSN auf Real Media, Active Agent und Ad Pepper, aber auch auf eigenes Verkaufspersonal.
Noch in diesem Jahr möchte auch Altavista eine eigene Schweizer Website lancieren. Dann sollen neben dem internationalen Vermarktungspartner DoubleClick auch Schweizer Vermarkter zum Zug kommen. Vorläufig ohne eigene Schweizer Website möchte Yahoo die Vermarktung in der Schweiz forcieren und gründet zu diesem Zweck eine Niederlassung in Zürich, die Ende Jahr den operativen Betrieb aufnehmen wird. Laut Wolfensberger wird auch Real Media weiterhin Yahoo in der Schweiz vermarkten.
Die verstärkten Vermarktungsbemühungen der globalen Internetriesen in der Schweiz, aber auch das wachsende Bewusstsein der Werbekunden, dass man auch auf Websites globaler Player Schweizer Konsumenten ansprechen kann, werden wohl den Konkurrenzkampf um die Onlinewerbefranken verschärfen.
Leid Tragende könnten dadurch vor allem mittelgrosse Websites sein, die weder eine genaue Zielgruppenansprache ermöglichen noch mit den ganz grossen Portalen hinsichtlich Traffic mithalten können. Dies betrifft vor allem so genannt horizontale Plattformen der 2. Reihe.

Die Zukunft hat noch Glamour

Bei der Edi-Verleihung wurde auch über die Zukunft der elektronischen Medien diskutiert

Bei der Edi-Verleihung wurde auch über die Zukunft der elektronischen Medien diskutiertVon Andreas Panzeri Wie sieht das Drehbuch der Zukunft aus für das neue TV-Programm «Verschmelzung von Film, Internet und Fernsehen»? Und hat diese Entwicklung überhaupt das Potenzial, ein Publikums-Hit zu werden? Antworten auf diese Fragen suchte eine Podiumsdiskussion mit prominenter Besetzung im Rahmen der Edi-Preisverleihung.
«Morgen wird so sein wie heute. Sachen ändern sich nicht so schnell.» Das war das provokative Einleitungsstatement von Joseph Weizenbaum. Der Computerpionier und Guru vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, war Ehrengast bei der von WerbeWoche-Autor Wolfgang J. Koschnick geleiteten Diskussion.
Das Rad der Zeit mit verbindlichen Gewinnversprechen in die Zukunft vordrehen konnten seine prominenten Diskussionsteilnehmer natürlich nicht. Für ein paar Brosamen der unterhaltenden Prophezeiung hat es aber trotzdem gereicht. «Das Fernsehen der Zukunft wird anders ausschauen. Aber viele werden es weiterhin zappend mit Fernbedienung nutzen», meinte Jürg Wildberger von TV3.
Mit Verweis auf seinen grossen Bruder bei Tamedia erklärte er: «Als Produzent kann ich in Zukunft neue Programme nicht mehr allein über Free-TV finanzieren. Ich muss nach einer Mehrzahl neuer Kanäle suchen.»
Abends will der Konsument passiv vor der Kiste hocken
«Jedes Massenmedium ist 90 Prozent Schrott. Und das bleibt auch weiterhin so. Für mich ist das ein Naturgesetz.» Weizenbaum würde sich weiter auch von einem «Big Brother»-Format in allen nur denkbaren Varianten nicht sonderlich zu mehr TV-Konsum animiert fühlen.
Florenz Schaffner, Abteilungsleiter Kommunikation bei SF DRS, sah es pragmatisch: «Den User wird es kaum interessieren, auf welchen technischen Wegen eine Kommunikation zu Stande kommt.» Er glaubt vor allem an das Reizwort Content.
Weder Internet noch ein TV-Bildschirm könnten annähernd so viel Glamour wie eine Szene im Kino evozieren, führte Schaffner weiter aus. Die ursprünglichen Medien würden auch parallel zu den verrücktesten Internetentwicklungen bestehen bleiben. Schaffner wie Wildberger sind sich einig, dass viele den Abend vor dem TV feiernden Normalrezeptoren keinen Bock mehr auf interaktives Fernsehen haben, wenn sie schon am Arbeitsplatz dauernd aktiv sein mussten.
Christian Vaterlaus, Coordination Manager für www.skim.com, geht davon aus, dass aufgeklärte Leute in Zukunft eine Sendung anschauen, «dann, wenn sie zeitlich Lust dazu haben» und nicht mehr, wann es dem Programmdirektor passt. Das Codewort zur Operation «Abschaffung der Prime Time» heisst «Breitband».
Eine TV-Gesellschaft ohne Prime Time muss natürlich völlig neue Werbeformen entwickeln. Gunter Guzielski, der technische Geschäftsführer der Fantastic Corporation (Deutschland), glaubt an eine Verschiebung zu mehr Product Placement, denn solche in eine Szene integrierte Werbung kann auch in Zukunft nicht mit technischen Unterbindern wegamputiert werden wie konventionelle Werbeblocks.
Für den Computerpionier Weizenbaum ist klar, dass die Speicherkapazität auch in Zukunft noch auf revolutionäre Weise weiter steigen wird. Möglich für ihn wären demnach Videorecorder, die einen ganzen Tag lang zum Beispiel fünf Kanäle gleichzeitig nonstop aufzeichnen. Am Abend kann man dann mit einem Knopfdruck löschen, worauf man glaubt verzichten zu können.
Einig waren sich gegen Schluss alle, dass der Mensch auch übermorgen noch eine heimliche Sehnsucht nach einem traditionell strukturierten Tagesablauf haben könnte. Auch wenn die «Tagesschau» heute zeitverschoben auf SF2 verfolgt werden kann, schalten die meisten Zuschauer nach wie vor zur gewohnten Stunde ein. Für ein Formel-1-Rennen aus Japan wälzen sich echte Fans auch zu unchristlichsten Morgenstunden aus dem Bett.
Nur ein Teil der Zuschauer dürfte deshalb scharf sein auf Infos on demand. Die Mehrheit wird sich weiterhin am kollektiven Ereignis laben wollen. Jedenfalls wurde auch die Diskussion an diesem Podium noch nicht timegeshiftet ins Internet gestellt. Die Zusammenfassung des Podiumsgesprächs wurde wenigstens von einem analogen Tonband abgeschrieben.

Fax: SF DRS setzt auf Eigenproduktionen

Das Schweizer Fernsehen setzt 2001 vermehrt auf Eigenproduktionen.

Das Schweizer Fernsehen setzt 2001 vermehrt auf Eigenproduktionen.Fax SF DRS setzt auf Eigenproduktionen
Das Infoangebot auf SF 1 über Mittag wird ausgebaut: Zur «Tagesschau» hinzu treten das «MittagsMagazin» mit regionalen Hintergrundberichten und die Ratgebersendung «Trend». Auf SF 2 erhält Frank Baumann eine neue Spielshow: «Doppelmoppel.ch» ist ein modernes «Montagsmaler», in dem zwei Teams eine Woche lang auf dem Computer Begriffe zeichnen und erraten. Auf SF 1 werden im Februar «Risiko» durch «Eiger, Mönch & Kunz» und «Schlag auf Schlager» durch «Hit auf Hit» ersetzt. Weitere Details unter www.sfdrs.ch/programm_2001
BS: Gratiszeitungen zahlen für Ständer Auch die Anbieter von Gratiszeitungen müssen in Basel ab sofort Gebühren für das Aufstellen von Zeitungsständern bezahlen. Der Regierungsrat hat am Dienstag in der Verordnung zum Allmendgebührengesetz eine Gesetzeslücke geschlossen. Künftig kostet dies 300 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Ausserdem überlegt man in der Verwaltung die Einführung einheitlicher Zeitungsständer für alle Gratiszeitungen.
Edelweiss wechselt Chefredaktion aus Marie-France Vigor heisst die neue Chefredaktorin der Westschweizer Lifestyle-Zeitschrift Edelweiss. Die 45-jährige Journalistin löst per sofort Ludivine Ribeiro ab. Die Trennung von Ribeiro sei «im gegenseitigen Einvernehmen» erfolgt, teilte Ringier mit. Die neue Chefredaktorin verfügt über langjährige Erfahrung bei französischen Zeitschriften.
«Cinderella» wird eingestellt Nach 53 Ausgaben wird die Beauty-Show «Cinderella» auf TV3 Ende Dezember eingestellt. Zwar konnte die Sendung mit Moderatorin Nubya die durchschnittliche Zuschauerzahl von 75500 auf 80900 steigern. Damit liegt sie aber offenbar unter den Erwartungen, die der Erfolg von «Big Brother» bei TV 3 geweckt hat. Den Sendeplatz von «Cinderella» wird eine zweite Ausgabe der «Millionärsshow» einnehmen.

Der Edi und die Jubilarin

Der «Edi» ist nicht der Nachfolger vom «Ogi», sondern der personifizierte Preis für die besten Schweizer Auftrags- und Werbefilme, verliehen von den Swiss Film and Video Producers.

Der «Edi» ist nicht der Nachfolger vom «Ogi», sondern der personifizierte Preis für die besten Schweizer Auftrags- und Werbefilme, verliehen von den Swiss Film and Video Producers.Von Beat Fritsch Mit dem Patronat durch das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) wurden auch gleich die höheren magistralen Weihen erteilt.
Nichtsdestotrotz dokumentierte die Samstagsausgabe der Kaufzeitung Blick, wenigstens was die Randnotiz zum Edi betraf, ein ungewohnt elitäres Kulturverständnis – geflossen aus der Feder von Lilith Frey, Lebenspartnerin von Ringier-Lautdenker und -Schönschreiber Frank A. Meyer. Die Autorin fühlte sich berufen – natürlich in Unkenntnis der Sachlage –, die Edi-Verleihung als «marktschreierische Werbeveranstaltung» abzuhandeln.
Wie kam es dazu? Zur selben Zeit wie der Filmevent ging in der Zürcher Schiffbauhalle auch eine Lesung von Alice Schwarzer, Vorzeige-Walküre eines überholten Frontalfeminismus, über die Bühne. Das Schwarzer-Publikum habe, schimpfte Blick-Kulturkämpferin Frey, im Dunkeln und an geparkten Autos vorbei, mit dem Nebeneingang der Schauspielhaus-Dépendance Vorlieb nehmen müssen. Dem Ärger über die Auftragsfilmer machte sich die Autorin Luft, indem sie weitere Entwicklungen dieser Art befürchtet, sodass das Schauspielhaus, das sich «…den internationalen Kulturmantel umgehängt hat, doch letztlich nur eine provinzielle Mehrzweckhalle ist».
Viel Freude am Blick-Artikel dürften neben dem Schauspielhausdirektorium auch die Patronatsverantwortlichen im EDI gehabt haben; einem Departement, bei dem notabene nicht nur viel Film- und Kultur-, sondern auch viel Frauenförderung betrieben wird.
Die früher zum Filmfestival Locarno gehörende Edi-Veranstaltung fand heuer das erste Mal als eigenständiger Event in Zürich statt. Man liess sich deshalb einiges einfallen. Gestartet wurde mit einer Podiumsdiskussion und Mittagessen, um mit gut gefülltem Bauch die Shortlist-Filme zu visionieren. Die Prämierung und Trophäenverleihung rundeten das Ganze ab. Und last but not least hatte man bei Speis und Trank abschliessend genügend Zeit, sich in Werbers und Filmers Lieblingsdisziplin, dem gegenseitigen Gedankenaustausch, vulgo Werberklatsch, zu üben.
Das Publikumsecho zum Anlass war durchwegs positiv. Mehr oder weniger zufrieden zeigte sich auch Ernst Wirz. Er hatte zwar keinen Preis bekommen, war aber auf der Shortlist gut vertreten. Dies sei darauf zurückzuführen, dass es sich halt nicht um eine reine Werbejurierung handle, sondern auch andere Kriterien zum Tragen kämen.
Viel Arbeit heisst es demnächst für die Powerwomen vom ADC. Sie rüsten sich bereits auf den grossen Pappenansturm, der die ADC-Geschäftsstelle bald wieder ins jährliche Jurierungsschlachtfeld verwandeln wird. Auf Grund des veränderten Prozederes seien neu 25000 Juroren-Stimmen im PC zu erfassen, im Gegensatz zu den früheren 1200. So stellte ADC-Geschäftsführerin Helen Müller mit Silvia Stillhard gleich ihre neue Fachkraft für die zu erledigende Mehrarbeit vor.
News gabs auch von Catherine Stroppel, die mit Freundin Garda Alexander zugegen war. Sie hat eine eigene Firma gegründet und bietet im Atelier 10012 (gesprochen Zehn-Null-Zwölf) Webdesign und Internetunterstützung an. Und Künstlerin Garda Alexander hat diesen Freitag Vernissage ihrer neuesten Lichtobjekte in Ueli Wehrlis Mönchhof-Galerie.
Trefflich unterhielt man sich am Tisch von Tarzis Bono und Leo?s Gerteis. Dort philosophierte die Runde über Golf und andere Handicaps. Oder an der Barecke mit den Leuten von Blood Sweat & Tears, hier sorgte neben Producer Fredy Messmer auch Assistentin Sebahat Derdiyok (der klingende Nachname ist Synonym für «sorgenlos») für Stimmung.
Gepflegt, gesittet und ein bisschen behäbiger gings tags darauf am 100-Jahr-Jubiläum der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) zu. Geladen hat das Unternehmen unter Führung von Christian Kauter ins Zürcher «Baur au Lac», wohin nicht nur Wichtige aus der Werbewelt, sondern neben anderen Magistraten auch ein Bundesrat den Weg fand. Highlight des Abends war denn auch der Auftritt von Kaspar Villiger, der eine humorig angehauchte Rede unter dem Titel «Verdichtung und Wahrheit» hielt.
Ein freudiges Wiedersehen mit dem Bundesrat gab es für Kenneth Angst, stellvertretender Chefredaktor der NZZ. Er hatte als Villiger-Berater vier Jahre in Bundesbern verbracht und nutzte die Gelegenheit, seinem früheren Chef Gattin Nicole-Cécile Weber vorzustellen. «Haben Sie es auch schon gemerkt, Ihr Mann ist gar kein einfacher…», meinte der Magistrat zur Angetrauten des NZZ-Kadermanns.
Weiterer Höhepunkt war – natürlich neben dem feinen Essen und dem mondänen Ambiente – die von Jakob Schönenberger inszenierte Plakatzeitreise durch die Aushängekunst der letzten hundert Jahre. Bilder von Plakaten aus verflossenen Zeiten wurden dabei jenseits des benachbarten Schanzengrabens auf zwei überdimensionale Leinwände sowie eine Wand aus Sprühnebel projiziert. Die Performance sorgte für andächtiges Schweigen im Aussenflügel der Nobelherberge.
Und nicht nur mit ihrer Veranstaltungsreihe, die über das Jahr verteilt in verschiedenen Städten stattfand, und natürlich der abschliessenden Gala in Zürich zeigte sich die APG überaus grosszügig. Als Dankeschön erhielt jeder Besucher zum Abschied eine Serigrafie des Künstlers Celestino Piatti geschenkt.
Ein nachträgliches Korrigendum zur Shortlist, auf das uns Beobachter-Verlagsleiter Peter Kümmerli aufmerksam machte, möchten wir noch anbringen.Wir tauften leider auf unserer Homepage Andreas Z’Graggen in Medard Meier um, und machten ihn wieder zum Chefredaktor der Bilanz, was er einmal gewesen war. Wir entschuldigen uns bei allen Betroffenen und danken Leser Peter Kümmerli. Gut beobachtet!
Beat Fritsch schmunzelt über ein Bonmot von Bundesrat Kaspar Villiger. Wie Figura zeigt, ging es am APG-Jubiläum sehr gepflegt zu und her.

Wann und wo Werber sonst pfleglich feiern oder Filme jurieren, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbe woche.ch/shortlist

Aufgefallen: Dass Amerikaner eine spezielle Beziehung zur Medizin und zu ihr verwandten Themata pflegen, ist nicht erst seit dem Erfolg der Spitalserie «Emergency Room» klar.

AufgefallenDass Amerikaner eine spezielle Beziehung zur Medizin und zu ihr verwandten Themata pflegen, ist nicht erst seit dem Erfolg der Spitalserie «Emergency Room» klar. Sie sind auch die absolut treuesten Erfinder von Medikamenten für alle n

Aufgefallen Dass Amerikaner eine spezielle Beziehung zur Medizin und zu ihr verwandten Themata pflegen, ist nicht erst seit dem Erfolg der Spitalserie «Emergency Room» klar. Sie sind auch die absolut treuesten Erfinder von Medikamenten für alle nur denkbaren Therapien. Dieser im New York Times Magazine gefundene Doppelseiter richtet sich offensichtlich an rund zehn Millionen Amerikaner, die unter Social Anxiety (Angst vor Gesellschaft) leiden, und bietet ihnen die endgültige und alle Fesseln befreiende Lösung an. Sie heisst Paxil. Da allerdings jede Medaille auch ihre Kehrseite hat, werden auf der Anzeige auch gleich die Nachteile dieser Aufstellerpille beschrieben. So kann sie etwa einen trockenen Mund, Appetitlosigkeit, sexuelle Nebenwirkungen bei Mann und Frau (es lebe die Fantasie) oder Schläfrigkeit auslösen. In der Copy erfährt man zum Glück noch, dass die meisten Paxil-Schlucker trotz dieser Gratiseffekte nicht auf das Medikament verzichten. Verständlich, denn schliesslich sind es die Amis gewesen, die die Lebenshaltung «The show must go on» erfunden haben. Und zwar nicht nur bezüglich Hollywood. Chandra Kurt
Sprachbeobachter Kitsch! (I)
Kitsch ist, wenn man heulen muss, zum Beispiel…» – «Sag bloss, du hast bei geheult!» – «Ich habe auch bei geheult.» – «Da wäre Tolstoi aber beleidigt gewesen.» – «Ach wo, Tolstoi ist kein Kitsch, auch wenn ich geheult habe, und ist trotzdem Kitsch, auch wenn du nicht geheult hast.» – «Komm schon, du heulst einfach schneller als ich…»
Kitsch ist schwer zu definieren – und wird wohl deshalb leicht als Schimpfwort verwendet. Heulen allein reicht als Kriterium nicht aus. Wenn wir Texte, Bilder oder Musik kritisieren, fehlen uns nach einem ersten, subjektiven Vor-Urteil auf einmal die Massstäbe.
Kitsch kommt vom alten Mundartwort kitschen und bedeutet so viel wie mischen, zusammenschmieren. Auch kitten (zusammenkleben) schwingt mit. Ein Feuerzeug in Form einer venezianischen Gondel ist deshalb kitschig, weil seine Funktion (Feuer geben) mit der Form eines Bootes verklebt wurde. Wenn es im Kugelschreiber auf die kleine Jesuskrippe schneit, sind drei Dinge miteinander verkitscht: Weihnachten, Schnee und Kugelschreiber. Steht zusätzlich noch «I love Tobago» drauf, ist der Kugi noch kitschiger.
Ein Kriterium für Kitsch liefert Vilém Flussers Modell des Kulturkreislaufs: Der Mensch ist zur Hauptsache damit beschäftigt, Natur in Kultur zu verwandeln (aus der Tierhaut wird ein Schuh). Die Kulturgüter zerfallen durch Gebrauch (Konsum) zu Abfall, der nach einer gewissen Zeit wieder in Natur übergeht.
Das Recycling läuft diesem Prozess entgegen: Aus Abfall wird nicht Natur, sondern wieder Kultur. Genau dies ist die Funktion von Kitsch: die Rückführung von Abfall in die Kultur. Statt die Volksmusik zum Beispiel in Frieden ruhen zu lassen (da es diese Völker bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr gibt), liefern kostümierte Stadtseppen aufgemotzte Versionen alter Weisen.
Ist Kitsch vielleicht deshalb so anziehend, weil er die Zeit umkehrt? Vergangenes wird wieder gegenwärtig. Das ist schön (Nostalgie) und bequem: Wir müssen nichts Neues lernen. Beat Gloor, www.textcontrol.ch
Kolumne Kedi ist tot
Von Martin Lanz
Ich war im Gefängnis. Ich habe einen Mörder besucht. Ich habe ihn gefragt, ob er mir seine Geschichte erzählen wolle. Er hat sie mir erzählt. Seine Geschichte. Und er hat geweint. Da habe ich ihn in die Arme genommen. Habe mit ihm geweint. Habe ihn gefragt, ob ich sein Freund sein dürfe. Denn hinter den Schlagzeilen fand ich einen Menschen. Eine schreckliche, tragische, traurige Gestalt. Deiner und meiner Liebe würdig.
Mein Freund Murat hat mir ein Chätzli geschenkt. Ich habs Kedi getauft. Weil Kedi auf Türkisch Katze heisst. Kedi ist überfahren worden. Ich bin zu meinem Freund Murat geeilt. Und wir haben langelange miteinander geweint. Er auf Türkisch. I uf Bärndütsch. Und ich habe erfahren, dass türkische Tränen so sind wie schweizerische Tränen. Wie Tränen meines Freundes, des Mörders.
Als in seinem Land Krieg war, kam Assan zu mir. Er hatte Angst um seine Familie. Er hat geweint. Und ich mit ihm. Er auf Albanisch. I uf Bärndütsch. Dann haben wir uns die Hand gereicht. Er mir seine albanisch vertränte. Ich ihm meine schweizerisch verheulte.
Weg damit! Sagst du. Sollen wir die auch noch durchfüttern? Fragst du. Nichts gegen die. Aber alles, was recht ist. Meinst du. Pack ist Pack, und wir sind wir. Glaubst du. Scheissdealer. Scheisshuren. Scheissjugos.
Wenn du einen siehst, so einen Dreckskerl. Wenn du einer begegnest. So einer Schlampe. Dann fackle nicht lange. Hol zu einem kräftigen Schlag aus. Zu einem Handschlag. Und bitte um eine Geschichte. Seine Geschichte. Ihre Geschichte. Und schau auf die Tränen in diesem Gesicht. Und gib deine dazu. Als Zielpublikum sind sie für uns Werber ja unbrauchbar. Haben kein Geld. Aber Geschichten haben sie. Hör zu. Mach sie zu deiner Geschichte. Und erzähl sie unseren lieben Freunden von rechtsaussen. Auch die haben Tränen. Und Kedi lebt. Schnurrt. Siehst du? Hörst du?

Diese Lovely Advertising Awards

Die helvetische Superkuh macht derzeit die wohl beste Werbung weltweit für nichtalkoholische Getränke

Die helvetische Superkuh macht derzeit die wohl beste Werbung weltweit für nichtalkoholische GetränkeVon Bruno Amstutz Nach einigen glücklosen Jahren durfte die Schweiz am 13. November endlich einen London International Advertising Award abholen. Einmal mehr erwies sich Lovely als beste helvetische Botschafterin. Sechs weitere Schweizer Arbeiten schafften es ins Finale.
Jedes Jahr warten die renommierten London International Advertising Awards (LIAA) mit neuen Einsenderekorden auf: 17799 Arbeiten aus 77 Ländern wurden dieses Jahr eingereicht, das sind 573 Beiträge mehr als letztes Jahr. Allerdings beteiligten sich sieben Länder weniger.
Einmal mehr geriet der Wettbewerb zum Heimspiel der angelsächsischen Agenturwelt. In insgesamt 175 Kategorien waren Awards ausgeschrieben, 42 davon wurden jedoch nicht vergeben.
Die Juroren der LIAA behalten sich das Recht vor, für einzelne Kategorien die Awards zurückzuhalten, wenn ihrer Meinung nach keine eingereichte Arbeit die nötigen Anforderungen erfüllt. Von den 133 verteilten Preisen blieben 24 in Grossbritannien, 39 Preisträger stellten die USA. Die restlichen 75 Länder buhlten somit um die verbleibenden 70 Awards.
Aufgeholt haben die deutschsprachigen Werber. Noch letztes Jahr fanden lediglich sechs Awards ihren Weg nach Deutschland, die Schweiz und Österreich gingen leer aus. Das neue Jahrtausend brachte Deutschland zehn Preise ein, zwei davon im Bereich Interactive Media. Den einzigen Schweizer Award kann sich einmal mehr die Milchkuh Lovely ans Horn stecken.
Lovely ist einmal mehr das Aushängeschild der Schweiz
Erfolgreich war das Nashornsujet in der Kategorie Print – nichtalkoholische Getränke. Dass Lovely in der Schweiz nicht nur gegen Dickhäuter, sondern auch mit rechtlichen Problemen kämpft, vermochte die Juroren nicht zu beeindrucken.
Die Kuh als Schreck der Schachgrossmeister erreichte in der Sparte TV/Cinema – Milchprodukte zusätzlich einen Finalplatz und unterstrich ihre Position als Aushängeschild der Schweizer Werbung.
Bierideen stehen bei den LIAA ziemlich hoch im Kurs
Advico Young & Rubicam buchte einen weiteren Finalplatz mit den Spots für Kuoni, die restlichen Finalisten in der Sparte TV/Cinema stellten cR Seiler DDB, Basel (Stop Aids), McCann-Erickson, Zürich (Anonyme Alkoholiker), und Publicis, Zürich (Mambo Friendship Store).
McCann-Erickson, Genf, erhielt als Belohnung für ihre Anti-Landminen-Kampagne gleich zwei Plätze auf der Finalistenliste in der Sparte Print. Die Futurecom Interactive AG besetzte schliesslich den einzigen helvetischen Finalplatz im Bereich interaktive Medien mit ihrer Arbeit für Swissair Freeflight.
Als grosse Gewinner des Wettbewerbs erwiesen sich unter den angelsächsischen Agenturen DDB Chicago: Mit ihren Bierideen für Budweiser und Bud Light ergatterte sich die Agentur die Grand Prizes in den Sparten TV/Cinema und Radio. Nachdem die «Whassup»-Spots für Budweiser bereits in Cannes einen goldenen Löwen eingesteckt haben, zementieren sie mit dem LIAA Grand Prize ihren Wert als eine der wichtigsten Kampagnen des Jahres.

Im Ton liegt die Emotion

Renzo Selmi setzt sich für mehr akustische Qualität in der Werbung ein

Renzo Selmi setzt sich für mehr akustische Qualität in der Werbung einVon Bruno Amstutz Das Selmi Tonstudio gilt in der Werbebranche als Garant für qualitativ hoch stehende Radiospots. Die akustische Werkstatt produziert aber auch ein breites Spektrum von Eigenkompositionen und will die Tonqualität von TV-Spots auf ein höheres Niveau hieven.
Renzo Selmi und Christoph Grunder, Inhaber von Selmi Tonstudio, sind Advokaten des guten Tons. Der macht bekanntlich die Musik, auch in der Radio- und TV-Werbung. Dass sie oft den richtigen Ton getroffen haben, zeigen die zahlreich gewonnenen Awards: 38-mal wurde das Studio vom ADC Schweiz und zweimal vom ADC Deutschland mit Preisen bedacht, dazu gesellen sich 10 Auszeichnungen des goldenen Ohrs, 3 Clio Awards und 2 goldene ITVA-Auszeichnungen.
Doch um die Tonqualität in der Schweizer Werbung steht es gemäss Renzo Selmi nicht zum Besten; manchmal fühle er sich in der Schweiz wie in einem akustischen Drittweltland. Gerade bei TV-Spots liegen für Selmi 60 Prozent der Wirkung in der Tonspur, sie transportiert die Emotionen, verstärkt und beeinflusst den Ausdruck der Bilder. Dessen ungeachtet ortet der Tonmeister in Schweizer Spotproduktionen ein grosses akustisches Defizit.
Auch teure Spots werden oft billig vertont
«Die Vertonung ist oft das schwächste Glied in der Produktionskette», bemängelt Selmi, «für sie wird manchmal weniger Geld aufgewendet als für das Catering einer grösseren Filmproduktion.» Die Lieblosigkeit der Akustik führt seiner Meinung nach auch zu einer Lieblosigkeit, mit der die Zuschauer viele Spots konsumieren.
Wenn auf dem Bildschirm die Protagonisten in zehn Meter Entfernung sprechen, tönt es für Selmi wie ein Verbrechen, wenn er hört, dass die Sprecher im Studio zwanzig Zentimeter vor dem Mikrofon sitzen. Synchronisiert er Spots, lässt er seine Sprecher notfalls bei Schnee und Regen im Garten ihre Texte rezitieren.
Produktionen in den USA haben bei den Studioleitern auch die Sinne für die Qualität von Eigenkompositionen geschärft. «In den USA hat der Ton mehr Gewicht», so Selmi, «und man findet leichter professionelle Musiker, die ihren Job ohne falsche Attitüden auf hohem Niveau erledigen.» Er und sein Team wissen auch, wo man solche Leute in der Schweiz findet.
Wenn Orchestermusik gefragt ist, spielt für Selmi ein Orchester und kein Synthesizer. Vom Ländler bis zum Michael-Jackson-Soundalike bieten die Klangspezialisten ein breites Spektrum an Eigenkompositionen an.
Zu tun gibt es genug, doch Selmi will nicht vergrössern. Neben den Inhabern sind ein Tontechniker und eine Sekretärin angestellt, bei Bedarf werden Freelancer beigezogen. «Wir wollen technisch an der Front bleiben», erklärt Selmi, «aber nicht wachsen. Grösse killt die Kreativität.»

Eine Stadt lernt Toleranz

AY&R regt Zürichs Bevölkerung zum Nachdenken über Ausländerfeindlichkeit an

AY&R regt Zürichs Bevölkerung zum Nachdenken über Ausländerfeindlichkeit anMit einer Werbekampagne setzt die Stadt Zürich ein Zeichen für ihre Ausländer. Damit entspricht sie einem im vergangenen Jahr verabschiedeten Bericht für ihre Integrationspolitik. «Neben konkreten Massnahmen zur Lösung von Problemen braucht es auch atmosphärische Verbesserungen des vor allem von der SVP geschürten fremdenfeindlichen Klimas», begründet Brigit Wehrli, Direktorin der Fachstelle für Stadtentwicklung, den Auftritt. Die aus Plakaten, Inseraten, TV- und Kinospots bestehende Kampagne wurde von Advico Young & Rubicam (AY&R) konzipiert und basiert auf dem Slogan «Nur eine weltoffene Stadt ist eine Weltstadt».
«Wenn man schon eine Weltstadt sein will und der Schweiz mit einer gewissen Arroganz begegnet, müssen sich die Bewohner auch wie die Bürgerinnen und Bürger einer Weltstadt verhalten», sagt Wehrli.
«Wir haben einen Weg gesucht, möglichst viele Leute, die wir vielleicht nie erreichen würden, zum Denken anzuregen», sagt Texter Jürg Brechbühl. Gewisse Focusgruppen etwa versucht man an Orten mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit zu konfrontieren, an denen diese mit Vorliebe verkehren. Ein Sujet mit der Headline «Stellen Sie sich vor, bei den ZSC Lions würden nur Zürcher spielen» etwa wird auf einer mobilen Plakatstelle vor dem Hallenstadion platziert. «Die Plakate wollen keine Werbung sein, deshalb muten sie fast wie Manuskripte an», sagt Art Director Valentina Herrmann.
Eine bereits vollzogene Integration zeigen die Spots: Bei beiden Filmen hört der Zuschauer einen gesellschaftlich offenbar integrierten Menschen in Mundart von sich erzählen, während das Bild eine gleich bleibende Einstellung zeigt. Diese Sequenz dauert 13 Sekunden. Erst wenn zum Schluss des Films der Sprecher ins Bild kommt, wird klar, dass es sich um farbige Zürcher handelt: nämlich um die Flight Attendant Mary Wamaitha aus Kenya und den 15-jährigen ZSC-GC-Junior Richard Schuppisser aus Jamaica. Ernst Weber

Mit Barbie im Sandkasten

NatraTaste profitiert als Image-Trittbrettfahrer und -Provokateur

NatraTaste profitiert als Image-Trittbrettfahrer und -ProvokateurVon Thérèse Balduzzi Zwei provokative Spots für den künstlichen Süssstoff NatraTaste in Amerika machen sich über die Werbung für ein teureres Konkurrenzprodukt lustig. Durch ihre selbst gebastelte Machart vermitteln sie den Eindruck, das Produkt sei billiger, weil es auf glamouröse Werbung verzichte.
Der Spot «Spokesmodel» macht sich über Werbung mit Supermodels lustig: Zuerst ist nur ein hübsches Paar lange Frauenbeine zu sehen, die den Strand entlang stolzieren. Doch bald wird klar, dass es sich bei der Blondine, die zuerst im Bikini mit Schwimmflossen, danach mit einem Ball und schliesslich mit einem Cowboyhut und einem Pferd fotografiert wird, um eine Barbiepuppe handelt, die von einer Hand im Sandkasten herumgeschubst wird.
Der Hintergrund besteht aus einem zusammengesetzten Puzzle. Eine Off-Stimme erklärt: «Wir geben nicht viel Geld für Supermodels aus, damit Sie nicht viel Geld für NatraTaste ausgeben müssen.» Im Spot «Blimp» fährt eine Hand einen an Fäden aufgehängten Spielzeugblimp, das sind die in New York allgegenwärtigen Werbeluftschiffe, vor dem Hintergrund eines Sportstadions herum. Ähnlich wie zuvor erklärt die Off-Stimme: «Wir geben nicht viel Geld für Blimps aus, damit Sie nicht viel für NatraTaste ausgeben müssen.» Auf die Spots folgt die Tagline: «Der gleiche Süssstoff wie Equal zu einem süsseren Preis».
Werbliche Seitenhieberund um die Uhr
NatraTaste erlaubt sich einen Seitenhieb auf die teurere Konkurrenz und gibt zu verstehen, dass Konsumenten die teure Modelwerbung mit dem Preisunterschied mitfinanzieren. Equal ist eine geschützte Marke der Firma Nutrasweet. NatraTaste ist eine geschützte Marke des Herstellers Stadt Corporation.
Die Spots wurden von der New Yorker Agentur Pedone & Partners gestaltet. Die Low-Budget-Qualität der Machart verkörpert den bodenständigen Charakter des billigeren Konkurrenzprodukts und wurde für die Zielgruppe von Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren kreiert. Die Spots laufen von morgens bis abends auf allen Networksendern. Zusätzlich wird NatraTaste auch die Chase Women’s Tennis Championship, die im November im Madison Square Garden stattfindet, sponsern.
Frühere Spots für NatraTaste verglichen den Kauf des Konkurrenzprodukts Equal statt von NatraTaste mit einer Reihe absurder Situationen. «Es ist eine gute Gelegenheit, auf Angriff zu gehen», sagt Tom Cook, CD von Pedone & Partners. NatraTaste habe das Image einer frechen Marke, die keine Konfrontationen scheue. Sie erfreue sich zudem
einer loyalen Kundschaft. Unerwähnt bleibt jedoch die Tatsache, dass solche Seitenhiebe unterschwellig vom teuer aufgebauten Image des Konkurrenten profitieren.

Fleischlos fast fooden

Wirz wickelt für die Fastfood-Marke Tibits Zucchini in Bratwurstpapier ein

Wirz wickelt für die Fastfood-Marke Tibits Zucchini in Bratwurstpapier einTibits heisst das Lokal eines neuen Gastrokonzepts, aus dem eine Schnellkostkette für Vegetarier hervorgehen soll. Damit erschliessen die Urheber eine Marktnische. Zu Tibits geht, wer Appetit auf frisches Gemüse aus biologischem Anbau hat, gerne in einem Lokal mit Produkten aus eigener Entwicklung verkehrt, dessen Einkauf produktethische Gesichtspunkte berücksichtigt und den grösstmöglichen Bogen um genmanipulierte Zutaten macht. Geführt wird der Restaurant-Bar-Takeaway-Betrieb, der am 5. Dezember an der Zürcher Seefeldstrasse seine Türen öffnet, von Vegetarierpapst Rolf Hiltl. Seite 10
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