Aufbruch ins unsichtbare Netz

Trendforscher Matthias Horx wirft einen Blick in die Zukunft des Internets

Trendforscher Matthias Horx wirft einen Blick in die Zukunft des InternetsVon Stefano MonachesiDie Zukunft des Internets ist das unsichtbare Netz, das allen Alltagskram abzunehmen versteht. Und E-Commerce führt zu einer Renaissance der Tante-Emma-Läden. So sieht es Matthias Horx, Trendforscher aus Hamburg, in seinem neuesten Buch.
In der Antike waren Priester für die Vorhersage der Zukunft zuständig. Sie erhielten Visionen von ihren Göttern oder lasen aus Vogelflug und Fischgedärm. Heute sind Trendforscher an die Stelle des Orakels getreten. Weil ihnen die Autorität des Sakralen abgeht, müssen sie ihr Publikum anders überzeugen. Das Zukunftsinstitut von Matthias Horx setzt in seiner Studie «Die Zukunft des Internets» auf markige Sprüche, trendigen Slang und bunte SF-Grafiken, um über die mangelnde Datenbasis hinwegzutäuschen. Dennoch lohnt die Studie einen tieferen Blick.
Für die nächsten fünf Jahre wird die Internetnutzung auf einem Zwischenplateau verharren. Laut Horx werden Sicherheitsbedenken, komplizierte Bedienung und nicht zuletzt mangelnder Nutzen für breite Bevölkerungsschichten dafür sorgen, dass sich der «Digital Divide» zwischen Heavy Usern und Verweigerern festigt.
Die Überwindung dieser Blockade verspricht sich die Studie von neuen Technologien. Besonders High-Speed-Datenübertragung per Glasfaserkabel wird als Erlöser der Onlinewelt gefeiert. Bandweitenüberfluss soll grenzenlose Unterhaltung übers Netz ermöglichen und Wartezeiten verschwinden lassen.
Er erlaubt auch die Anwendung von so genannten Bots: intelligente Programme, die dem Nutzer im Netz assistieren, ihm mühselige Aufgaben abnehmen und als Wesen mit eigener Persönlichkeit erfahren werden. Zusammen mit neuen, vereinfachten Endgeräten werden sie laut Horx das Web zur unkompliziert und intuitiv nutzbaren Erlebniswelt machen.
Horx verspricht uns eine blendende Zukunft
Neben der privaten Nutzung befasst sich die Studie auch mit der Zukunft des E-Business. Laut Horx entwickelt sich aus dem heutigen Gegensatz von Old und New Economy die «Smart Economy»: Die alten Konzerne entdecken den vielfachen Nutzen des Netzes, das neben Rationalisierungen eine ganz neue Welt der Kundenorientierung eröffnet. Mass Customization und personalisiertes Customer Relationship Management sind die Schlagworte.
Für E-Commerce sagt Horx eine Rückkehr zu lokalen Verteilzentren und Kooperationen mit «realen» Händlern voraus, die zur Renaissance des Tante-Emma-Ladens führen. Ausführlich werden Marktchancen verschiedener Branchen untersucht.
Zum Schluss erlaubt sich Horx einen Ausflug ins Reich der Fantasie: In vier Farbtafeln wird plastisch die Entwicklung der Gesellschaft in den nächsten 30 Jahren dargestellt. Vom Kleingerätechaos über die Breitbandwelt gelangen wir schliesslich ins «Invisible Net». Ab 2020 nimmt uns das Netz alle Sorgen ab; die Menschheit kehrt zurück zu Kreativität und Kontemplation. The future is bright, the future is…
Matthias Horx: «Die Zukunft des Internets – Auf dem Weg zum Digitalen Realismus». 79 Seiten, 398 Mark. Bestellformular unter www.zukunftsinstitut. de

Kopf der Woche: «Ferien kann ich später noch machen»

Kaspar Loeb ist seit dem 1. Dezember CEO der Seiler-DDB-Gruppe, Schweiz

Kaspar Loeb ist seit dem 1. Dezember CEO der Seiler-DDB-Gruppe, SchweizKopf der Woche «Ferien kann ich später noch machen»
Dieser Mann hat eine Macke: Wer sonst sagt seine Ferien ab, um freiwillig fünf Wochen früher als abgemacht seinen neuen Job anzutreten? «Ich konnte nicht anders», sagt Kaspar Loeb. Geradezu reingezogen habe es ihn, als er Ende Oktober bei Seiler DDB «nur mal so reingeschaut hat». «Ferien kann ich später noch machen», sagt er.
Jetzt heisst es für ihn erst einmal bei Seiler DDB Impulse setzen, dafür sorgen, dass die Agentur «noch erfolgreicher» wird. Den ersten Erfolg hat er bereits erzielt. Zusammen mit seinem Team gewann er Anfang November den Etat von Zurich Financial Services. «Es hat sich gelohnt, dass ich meine Ferien verschoben habe», lacht Loeb.
Statt knapp sechs Wochen nur vier Tage Auszeit. Ihm hat es gereicht, um sich vom Berater- und Leiterjob bei Interbrand Zintzmeyer & Lux zu erholen. Schliesslich «gibt mir meine neue Arbeit Kraft», sagt Loeb. Er liebt es anzupacken. Sich voll einzugeben. Etwas zu bewegen und mitzuprägen. Als Journalist hat ihm dieser Einfluss gefehlt. «Da muss man über etwas berichten, auf das man keinen direkten Einfluss nehmen kann.» Schnell war für ihn als Journalist deshalb klar: «Immer bleibe ich nicht Journalist.»
Nach zehn Jahren als Nachrichtenchef SonntagsZeitung, Wirtschaftsredaktor beim Magazin Politik und Wirtschaft, Wirtschaftsredaktor bei der Weltwoche, Moderator und Redaktor bei Cash-TV, Projektmitverantwortlicher beim Ringier-Magazin Reflex und stellvertretender Chefredaktor der Schweizer Woche wechselte er deshalb 1995 «die Seite».
Bereut hat er den Wechsel nie. «Ich fühle mich in meinem neuen Arbeitsfeld sehr wohl», sagt er. Ein Produkt verkaufen, mit einer Idee einen bleibenden Eindruck hinterlassen, eine Firma führen, Verantwortung übernehmen: Bei Seiler DDB kann Kaspar Loeb das tun, was er am liebsten macht. «Ich habe schon als Journalist immer die Verantwortung gesucht», sagt er. Trotzdem: Das Angebot, die Seiler-DDB-Gruppe mit 150 Leuten als CEO zu übernehmen, hat sich der 44-Jährige reichlich überlegt. «Herbert Seiler und ich haben über vier Monate lang intensive Gespräche geführt, ehe der Entscheid fiel. Schliesslich wollten beide genau wissen, worauf wir uns einlassen», sagt er.
Inzwischen ist Loeb als CEO daran, die Agentur Zürich zu verbessern und die Stützpunkte Basel und Bern auszubauen. «Wer sich nicht stets verbessert, ist schnell weg vom Fenster», weiss er. Dazu gehört, dass er einige Kunden betreut und regelmässig in Basel und Bern vorbeischaut.
Viel Zeit für Kurztrips in sein neues Ferienhaus in Südfrankreich bleibt ihm dabei derzeit nicht. Doch das ist okay so. «Schliesslich kann ich mich auch hier erholen: mit Theater- und Ausstellungsbesuchen.» Diese zwei Dinge gehören nämlich zu seinen grossen Leidenschaften. «Und dank Marthaler muss ich für gute Theateraufführungen nicht mehr weit reisen», sagt Loeb. Annelies Friedli

Ein Plakat allein macht noch lange kein Festival

Die besondere Herausforderung an der Arbeit für das Montreux Jazz Festival bestand für Albin Christen darin, seine Illustrationen so zu gestalten

Die besondere Herausforderung an der Arbeit für das Montreux Jazz Festival bestand für Albin Christen darin, seine Illustrationen so zu gestalten, dass sie sich auch auf andere Produkte übertragen liessen, die am Festival verkauft wurden, wie T-Shirts, Baseball-Mützen, Krawatten und anderes mehr. Gefordert hat ihn aber insbesondere das Bühnenbild. Es war das erste Mal in der Geschichte des Montreux Jazz Festivals, dass das Plakatsujet zugleich als Bühnendekoration diente.Die Figuren mussten dazu dreidimensional in Styropor ausgearbeitet und auf der Bühne so miteinander verbunden werden, dass sie den gleichen Zirkel wie auf dem Plakat formten und die gleiche Dynamik entwickelten. Grosse Bedeutung kam bei der Inszenierung auf der Bühne der Beleuchtung zu. Für den Einzelgänger Albin Christen war die Teamarbeit mit dem Beleuchter und Bühnenmeister ungewohnt, aber äusserst bereichernd und das Resultat erstaunlich.
Bereits zum dritten Mal wurde dieses Jahr speziell für das Montreux Jazz Festival eine Swatch-Uhr lanciert. Albin Christens Idee war es, seine Figuren zum Leben zu erwecken. Anstatt der Stunden- und Minutenzeiger drehen sich zwei Plastikscheiben mit den aufgemalten Figuren aus dem Veranstaltungsplakat. Dass der Saxofonist dabei der Sängerin unter den Rock schaut, indem er im Minutentakt vorwärtstuckert, ist ein amüsantes Detail.
Die Uhr sei in diesem Fall sowieso eher Spielzeug als Zeitmesser, da ja auch die Ziffern zur genauen Zeitangabe fehlten, meint Christen zu seiner Kreation. Den Festivalbesucher jedenfalls hat es wohl kaum gestört, wenn er nicht ständig daran erinnert wurde, wie spät in der Nacht beziehungsweise wie früh am Morgen es schon war. Anita Vaucher

«Ich hoffe auf mehr Mitglieder in der welschen Schweiz und im Tessin»

Odile Nerfin, script-Präsidentin, über neue Dienstleistungen des Texterverbandes

Odile Nerfin, script-Präsidentin, über neue Dienstleistungen des TexterverbandesIm kommenden Jahr wird der 1982 gegründete Schweizerische Texterverband neu unter dem Namen script auftreten. Mit einem moderneren Image will Präsidentin Odile Nerfin vermehrt auch jüngere Texterinnen und Texter ansprechen. Ihnen bietet eine ebenfalls frisch gestaltete Website unter www.scriptweb.ch verschiedene Dienstleistungen bis zur Arbeitsvermittlung für freie Texter und Übersetzerinnen an.Warum will der Texterverband neu unter dem Namen script auftreten?
Odile Nerfin: Das Berufsbild des Texters hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Unser Auftritt entsprach also nicht mehr dem, was heutige Texter brauchen. Zudem wollen wir neben der Werbung in Zukunft auch die Bereiche PR und Unternehmenspublizistik ansprechen. Und zwar nicht mehr nur in oder um Zürich, sondern in der ganzen Schweiz, inklusive Welschland und Tessin.
Wie viele Mitglieder sind zurzeit im Verband organisiert?
Nerfin: Wir haben jetzt rund hundert Mitglieder und hoffen natürlich, dass diese Zahl dank unseren neuen Aktivitäten deutlich ansteigen wird. Bereits im Herbst haben wir im Welschland und im Tessin eine grosse Werbeaktion organisiert. Sie sollte ab Januar erste Resultate zeigen.
Wieso soll eine Texterin oder ein Texter Mitglied in diesem Verband werden?
Nerfin: Die meisten der bei uns angemeldeten Texter sind selbstständig. Sie brauchen Unterstützung in Form eines Netzwerks. Eine wertvolle Hilfe kann unsere Suchmaschine sein, die wir ab Januar anbieten wollen. Damit können potenzielle Auftraggeber den für ihre Bedürfnisse jeweils idealen Texter finden, und selbstständige Texter kommen umgekehrt an Aufträge ran. Wir haben auch vor, Unterstützung im Bereich Urheberrecht anzubieten. Zusätzlich fördert der Verband mit einem Webforum den Austausch unter den Mitgliedern. Schliesslich wollen wir über unsere Website auch verschiedenste Veranstaltungen und Weiterbildungsmöglichkeiten kommunizieren.
Alle Kommunikation verläuft nur noch elektronisch?
Nerfin: Ja, diese Neuerung funktioniert ab dem 1. Januar 2001 gleichzeitig mit der Umwandlung zu script. Wir publizierten in den letzten Jahren ein Bulletin, das rund fünfmal im Jahr verschickt wurde. Jetzt wird die ganze Kommunikation virtuell über www.scriptweb.ch oder die E-Mail-Adresse kontakt@ scriptweb.ch abgewickelt. Damit sind wir jederzeit aktuell.
Bis jetzt waren Ihre Mitglieder vor allem selbstständige Texter. Wie weit wollen Sie in Zukunft auch Agenturleute ansprechen?
Nerfin: Diese gehören auch zur Zielgruppe und sind natürlich sehr willkommen. Ich denke aber, dass Texter in einer Agentur bereits an ihrem Arbeitsplatz entsprechend organisiert und eingebettet sind. Solche Texter sind mit anderen Problemen konfrontiert als Texter, die selbstständig arbeiten. Interessant für Agenturtexter dürften hingegen auch unsere Weiterbildungsmöglichkeiten sein.
Was für Weiterbildungsmöglichkeiten werden Sie konkret organisieren?
Nerfin: Da sind verschiedene Veranstaltungen bereits geplant. Wir bieten im Januar einen Workshop zum Thema Urheberrecht an. Ein weiterer Workshop wird sich mit Onlinepublishing befassen.
Bietet script auch Hilfe bei finanziellen Verhandlungen?
Nerfin: Ja, wir haben eine Liste mit Honorarempfehlungen, die laufend aktualisiert wird.
Halten sich Auftraggeber an diese Forderungen?
Nerfin: Die Empfehlungen helfen den Textern sicher, sich besser zu verkaufen. Für mich persönlich jedenfalls funktioniert es.
In welchen Bereichen arbeiten Texter, die bei script organisiert sind?
Nerfin: Unsere Mitglieder sind in den Sparten Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Unternehmenspublizistik von der Kundenzeitung bis zur Gebrauchsanleitung aktiv. In der Werbung geht es darum, sowohl Werbetexte neu zu schreiben als auch Texte für verschiedene Medien zu adaptieren oder – sehr wichtig – nicht rein literarisch, sondern werbetextmässig zu übersetzen.
Sie stammen aus der Westschweiz. Arbeiten Sie vor allem als Übersetzerin?
Nerfin: Ich kreiere französische Werbetexte, adaptiere Marketingtexte und texte zurzeit vor allem Websites. Das ist momentan der Trend. Hier gibt es auch einen grossen Arbeitsbedarf.
Wie steht es mit der Konkurrenz: Gibt es Ihrer Meinung nach zu wenige oder zu viele Texter? Wie sieht der Arbeitsmarkt aus?
Nerfin: Die Arbeitsmöglichkeiten sind seit längerem gut. Die Nachfrage wird sogar immer grösser.
Unter welchen Bedingungen kann ein Texter neu in den Verband aufgenommen werden?
Nerfin: Alle sind willkommen, die sich mit unseren Zielen identifizieren können. Er oder sie kann gegen bescheidene Gebühren auf unserer Website auftreten. Etwas härter sind die Aufnahmebedingungen, wenn man sich ins Berufsregister eintragen lassen will. Der Zusatz Mitglied script BR soll zu einem Gütesiegel werden. Für dieses Qualitätszeichen gibt es eine Prüfung. Kandidatinnen und Kandidaten müssen sechs Arbeitsproben vorlegen sowie eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren aufweisen.
Was hat Sie motiviert, das Präsidium des Texterverbandes zu übernehmen?
Nerfin: Meine Hoffnung bestand darin, dass der Verband vielleicht davon profitieren kann, dass ich nicht Deutschschweizerin, noch keine fünfzig Jahre alt und kein Mann bin. Mit anderen Worten: Der Verband will sich für neue Mitglieder öffnen.
Sind schon viele Frauen dabei?
Nerfin: Zurzeit sind ungefähr ein Drittel Texterinnen.
Was sind Ihre persönlichen Verbandsziele als Präsidentin?
Nerfin: Ich hoffe auf mehr Mitglieder in der welschen Schweiz und im Tessin. Mit dem Hintergedanken, dass es einem Zürcher nicht mehr so viel Angst macht, ein E-Mail auf Französisch zu verschicken. Auch unsere Homepage wird ab Januar viersprachig sein, inklusive Englisch. Der Aufbau dieser Homepage ist zurzeit die wichtigste Aufgabe im Vorstand. Die Plattform, die zum noch attraktiveren Forum für unsere Jobvermittlung werden soll, zählt bereits heute rund 2500 Hits pro Woche. Hier können sich alle interessierten Texterinnen oder Übersetzer in einem Porträt vorstellen. Diese Möglichkeit zur Präsentation wird von unseren Mitgliedern als sehr effizient eingestuft. Interview: Andreas Panzeri

Wer wird Werber des Jahres 2001?

Sechs Männer stehen zur Wahl, doch mit Ihrer Stimmkarte können Sie auch eine Frau ins Spiel bringen

Sechs Männer stehen zur Wahl, doch mit Ihrer Stimmkarte können Sie auch eine Frau ins Spiel bringenDie 24. Wahl zur Werberin oder zum Werber
des Jahres ist eröffnet. Mit Stimmzetteln, die dieser Ausgabe beigelegt
sind, können Sie Ihren Favoriten bestimmen. Wie in den Vorjahren hat
ein Nominationsgremium aus ehemaligen Werberinnen und Werbern des
Jahres sechs Kandidaten vorgeschlagen.Wer hat 2000 die Schweizer
Werbung geprägt und ihr neue Impulse verliehen? Wer hat sich besonders
stark für die Werbebranche eingesetzt oder herausragende Werbung
gemacht? Wer war besonders mutig, innovativ, kreativ und
richtungweisend? Kurz: Wer hat das Zeug zur Werberin oder zum Werber
des Jahres 2001?
Um Ihnen die Wahl etwas leichter zu machen, hat
wiederum ein Nominationsgremium aus ehemaligen Titelträgern (Rang eins
bis drei) sechs Personen nominiert. Es sind dies (in alphabetischer
Reihenfolge): Edi Andrist, CD McCann-Erickson; Urs Beer, Consultant;
Frank Bodin, CD McCann-Erickson; Markus Ruf, Texter und Berater; Martin
Spillmann, CD Advico Young & Rubicam; Dominique von Matt,
Mitinhaber Honegger von Matt.
Sie können jedoch auch nach eigener
Wahl einen Werber oder eine Werberin nominieren: Das letzte Wort haben
wie bisher die Abonnentinnen und Abonnenten der WerbeWoche. Mit den
zwei Stimmen, die Ihnen zur Verfügung stehen, können Sie auf dem
beiliegenden Wahlzettel entweder bis zu zwei Namen ankreuzen oder die
Liste mit ein oder zwei neuen Namen ergänzen (doppelte Namensnennung,
also Kumulieren, ist nicht möglich). Wir möchten Sie wiederum einladen,
uns Ihre Antwort bis zum 5. Januar 2001 schriftlich mitzuteilen (Datum des Poststempels).
Edi AndristSeit
1995 ist Edi Andrist (49) Creative Director von McCann-Erickson
Schweiz. 1998 wurde er Executive Creative Director und Vice Chairman
von McCann-Erickson Schweiz und Deutschland. Er begleitete zudem den
Neuaufbau der deutschen Agenturen. Edi Andrist kam nach einer
Grafikausbildung an der Kunstgewerbeschule Basel als Junior Texter zu
GGK. Nach zwölf Jahren wechselte das ADC-Mitglied als CD zu Stalder
& Suter und wurde danach Geschäftsführer Kreation bei ASGS/BBDO
bzw. Aebi/BBDO. Für seine kreativen Arbeiten erhielt er über 200
nationale und internationale Auszeichnungen.
Begründung der Jury:
Edi Andrist hat als CD bei McCann-Erickson Schweiz und Deutschland für
kreative Glanzlichter gesorgt und das Niveau nachhaltig geprägt.
Urs BeerUrs
Beer (54) begann nach kurzer Lehrertätigkeit seine Werbelaufbahn 1971
als Berater bei der Agentur Wiener Deville Wälchli, die er 1980 als
Client Service Director verliess, um als Geschäftsführer die Zürcher
Niederlassung von Young & Rubicam aufzubauen. 1988 initiierte Urs
Beer die Fusion mit Advico. Unter seiner Führung stieg Advico Young
& Rubicam zur kreativsten Schweizer Agentur auf. Nach fast 20
Jahren tritt er zurück und wird im Januar in Zürich sein eigenes
Consultingbüro eröffnen.
Begründung der Jury: Urs Beer hat jahrelang
die grössten und kreativsten Agenturen geleitet und sich mit grossem
Einsatz für die Branche verdient gemacht (Marbach Academy, Markenmuseum
Marcarama). Beer hat seine Nachfolge umsichtig geplant und hervorragend
gelöst.
Frank BodinADC-Mitglied
Frank Bodin (38) wurde 1996 Creative Director bei McCann-Erickson,
Genf, und Mitglied der Geschäftsleitung. Nach einem Musikstudium
sammelte Bodin bei Andy Steiner und GGK, Küsnacht, erste Erfahrungen
als Texter/Konzepter in der Werbung. Von 1992 bis 1996 arbeitete der
Vater zweier Kinder bei Aebi Strebel. Im Verlauf seiner Karriere wurde
Frank Bodin von praktisch allen bedeutenden nationalen und
internationalen Festivals mit rund 200 Awards ausgezeichnet.
Begründung
der Jury: Frank Bodin ist ein werberisches Multitalent, das fortlaufend
kreative Highlights produziert. Er hat McCann-Erickson, Genf, zu einem
kreativen Hotshot gemacht und gezeigt, dass gute Werbung auch in der
Westschweiz möglich ist. Es gibt kaum einen Kreativen in der Schweiz,
der mit mehr Preisen überhäuft wurde.
Markus RufFreelance-Texter
Markus Ruf (37), der vor allem für Guye & Partner und Ruedi Wyler
Werbung arbeitet, macht seit Jahren durch kreative Konstanz auf
ADC-Würfelniveau von sich reden. Der gelernte Schriftsetzer stieg 1985
bei Grendene + Lanz als Junior Texter in die Werbung ein. Danach
textete Markus Ruf bei Advico, Farner Publicis und GGK, Zürich, bis ihn
1994 sein Drang nach Unabhängigkeit selbstständig werden liess. Von
Agentur zu Agentur unterwegs, sahnen seine Arbeiten schon seit Jahren
beim ADC regelmässig Preise ab.
Begründung der Jury: Markus Ruf
hätte den Preis für seine aussergewöhnlich kreativen Leistungen
eigentlich schon lange verdient. Als Freelancer steht Ruf oft im
Schatten derer, die sich beklatschen lassen. Die Schweiz verdankt ihm
einige hervorragende Werbekonzepte.
Martin SpillmannMartin
Spillmann (46) ist seit sieben Jahren bei Advico Young & Rubicam
(AY&R) als CD für zahlreiche preisgekrönte Kampagnen
verantwortlich. Bevor Spillmann 1985 zu Y&R kam, arbeitete er nach
einer Grafikerausbildung in verschiedenen Agenturen, unter anderen auch
für BSSM. Innerhalb der Y&R-Gruppe wechselte Spillmann, der
Präsident des ADC of Europe und ADC-Mitglied ist, 1989 nach New York,
wo er CD und Vice President wurde. 1993 kehrte er als CD zu AY&R,
Zürich, zurück.
Begründung der Jury: Spillmann ist einer der wenigen
Schweizer Kreativen, die auch in der Kategorie Film mitreden können und
dies schon mehrmals international demonstriert haben (Silber und Bronze
in Cannes). Spillmann steht für konsequent kreative und starke Werbung.
Dominique von MattSeit
1993 ist Dominique von Matt (42) Mitinhaber der Agentur Honegger von
Matt. Der studierte Betriebswirtschafter, der an der Universität Zürich
mit einer Arbeit über Markenpolitik promovierte, arbeitete unter
anderem als Account Executive bei DMB&B, London, und als
Beratungsgruppenleiter und Mitglied der Geschäftleitung bei Wirz.
Ausserdem ist Dominique von Matt Dozent am
Sawi-Kommunikationsleiterkurs, in der ADC/ BSW-Kreativschule und am
BSW-Planning-Seminar.
Begründung der Jury: Dominique von Matt hat
mit seiner Agentur Qualität und Konstanz gezeigt. Er verfügt über
unternehmerisches Rückgrat, ist ein gescheiter Denker und gleichzeitig
ein guter Praktiker.
Wahlfeier: 18. Januar 2001Die
Verleihung des Titels Werberin oder Werber des Jahres 2001 findet am
Donnerstag, 18. Januar 2001, im Rohstoff-lager, Binzmühlestrasse 86, in
Zürich-Oerlikon statt. Die Türen sind ab 17.30 Uhr geöffnet. Die
Anmeldekarte für die Wahlfeier und die anschliessende Party befindet
sich auf Seite 21 dieser Ausgabe. Sie können sich auch über
www.werberdesjahres.ch anmelden.

Aufgefallen: Es liegt also doch nicht nur an meiner manchmal etwas beschränkten Auffassungsgabe, wenn ich den Inhalt zahlreicher Werbesujets nicht auf Anhieb verstehe.

Es liegt also doch nicht nur an meiner manchmal etwas beschränkten Auffassungsgabe, wenn ich den Inhalt zahlreicher Werbesujets nicht auf Anhieb verstehe. Vielen muss es ähnlich ergehen, denn in diesem Beispiel aus dem Hause Louis Vuitton Moët Hennes

Es liegt also doch nicht nur an meiner manchmal etwas beschränkten Auffassungsgabe, wenn ich den Inhalt zahlreicher Werbesujets nicht auf Anhieb verstehe. Vielen muss es ähnlich ergehen, denn in diesem Beispiel aus dem Hause Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) werden gleich drei Interpretationsmöglichkeiten mitgeliefert. Und trotz der doch recht neckischen Strandszene springen die drei Lösungsansätze auf der linken Seite deutlich schneller ins Auge – zumindest optisch. Was man damit aber genau sagen wollte, ist unklar. Antwort A könnte am ehesten stimmen, wobei es sich diesfalls um die internationale Ausgabe einer Survivalshow handeln müsste, denn im Schweizer Pendant würde man wohl eher auf Calida-Wäsche, Migros-Sonnencrème und Crest-Pariser treffen.Auf B und C muss ich nicht weiter eingehen, da ich eine ganz andere Aussage vermute. Und zwar: Was macht Mann auf einer Insel, wenn er auf eine Frau trifft, die schmuckbehangen auch lauwarmen Champagner nicht scheut, ihren Kaviar mit Sandkörnern geniesst und nur Augen für ihren treuen Pudel hat? Er schleicht sich auf Knien in die Nähe des Vierbeiners und erschlägt diesen mit seiner Bananenernte. Oder so. Es könnte sich aber auch um ein Teaser-Bild für Tom Hanks’ neuen Hollywood-Auftritt als Robinson Crusoe handeln. Chandra Kurt
Kolumne

Pitch um Ogi
von Simon Freiburghaus
Der Rücktritt unseres Kanderstegers war zweifelsfrei eines der markantesten Ereignisse in diesem Jahr. Die anstrengende Präsentiererei im Rahmen der immer gleichen Pitches gegen die immer gleiche Konkurrenz von A,B,M & Partner ZSVP (Abächerli, Blocher, Mörgeli) forderte ihren Tribut. Und damit den Abgang des besten PR- und Werbeberaters, der je das Rot der Berner Geranien erblickte. Schade. Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt: Wie dem unverwüstlichen Russi aus den Siebzigern dürften auch Dölf bald einmal lukrative Angebote ins Haus flattern. Zum Beispiel als Testimonialtelefonierer für Diax: «Danke, Ueli, aber ich bloche in die andere Richtung.» Oder vom SMP als Kaspar Villiger beim Melken der Milchkuh Lovely.
Doch das Millenniumsjahr hatte auch seine Sonnenseiten. So demonstrierte die SP-Präsidentin Ursula Koch eindrücklich, wie Frauen in Kaderpositionen Arbeitsplätze erhalten und Mehrarbeit schaffen können. So viel und so ausdauernd hatten die Journalisten noch nie über die Schweizer Sozialdemokraten berichten und spekulieren dürfen wie in diesem Jahr.
Aber nicht nur die Kommunikationsspezialisten im kapitalen Bern sorgten für Höhepunkte, auch in Zürich ging die Post ab. Und zwar grösstenteils zu Publicis, die das Heft beim gelben Riesen nach wie vor fest in der Hand hält. Einmal abgesehen vom gelben Sofa auf dem Mond. Aber das ist bekanntlich eine andere Geschichte, auf deren Pointe wir noch warten.
Natürlich könnte ich jetzt im Rahmen dieser Kolumne vom einen zum anderen und vom Hundertsten zum Tausendsten kommen. Noch dazu, wenn ich daran denke, dass dies die allerletzte Kolumne des 20. Jahrhunderts ist. Aber ich erspare es Ihnen. Und hinterlasse Ihnen zum Abschied lieber eine Adresse, bei der Sie ein Jahrtausendgeschenk gewinnen können: www.tausend jahre.ch. Und wünsche Ihnen www.froehliche-weihnacht.ch
Sprachbeobachter

Xmas 2000
Liebe Weihnachtsmänner und -frauen, liebe Christkinder!
Xmas 2000 steht vor der Tür. Das Rollout ist über die Bühne, die Xmas-Mailing-Aktion just in time gestartet. Die Kick-off-Veranstaltung (1. Advent) für das diesjährige SANCROS (SANta Claus ROadShow) fand am 3. Dezember statt, die Xmen stehen in den Startlöchern.
Nach dem offiziellen Meeting des Organizing Committee haben wir dieses Jahr erstmals ein Projektstatus-Meeting vorgeschaltet, bei dem in Workshops entwickelte To-do-Listen und einheitliche Job Descriptions erstellt wurden. So konnten wir klare Verantwortungsbereiche definieren und eine optimierte Geschenk-Allocation schaffen, was den Servicelevel erhöht und Xmas als Brand global implementiert.
Das Meeting diente gleichzeitig dazu, die Ablauforganisation gemeinsam mit dem Co-Head Global Christmas Markets (K. Ruprecht) logistisch zu synchronisieren, die Geschenkdistribution an die zuständigen Private-Schenking-Center PSC sicherzustellen und die Zielgruppen zu definieren. Erstmals werden auch Geschenk-Units übers Internet angeboten (www.intergift.com).
Die Service Provider (Engel, Elfen, Rentiere) wurden über ein Rundmail mit den Core Competencies betraut. Ein Bundle von Incentives und ein Teambuilding Event haben den Motivationslevel erhöht und sorgen für eine einheitliche Corporate Culture.
Der Vorschlag, jedem Engel einen Coach zur Seite zu stellen, wurde aus Budgetgründen gestrichen. Dafür hat die Client Management Conference beschlossen, im Rahmen eines Pilotprojekts einen Testbezirk mit einer Hotline (2.17 Rp./Min.) für Express-wünsche einzurichten, was den Added Value für die Geschenk-EndbenutzerInnen signifikant steigert.
Ein neues Management Information System gewährleistet ein benchmarkorientiertes Controlling für jedes PSC. Externe Consultants haben ein neues Literaturkonzept definiert, was es ermöglichte, das diesjährige Golden Book (Release 1.1) bereits vor dem Xmas-Event als Instruction Manual zu erstellen. Als Ergänzung dient ein Newsletter fürs Updating.
Lowcost Give-aways mit hohem Teaserwert dienen als flankierende Massnahme. Ferner wurde das Mission Statement von Frohe Weihnachten zu Let’s keep the candles burning redesignt. Santa Claus hatte am Anfang Bedenken angesichts der Neupositionierung, akzeptierte aber dann den progressiven Marketingansatz und würdigte das Know-how seiner Investor Relations Manager.
Da bleibt mir nur noch, Ihnen allen erfolgreiche Weihnachten 2000 zu wünschen. Holy Xbam!
Beat Gloor, www.textcontrol.ch

Neue Allianzen der Onlinewerber

Vermarkter und Pay-for-Surf-Anbieter suchen und finden sich und werden auch auf dem Schweizer Markt aktiv

Vermarkter und Pay-for-Surf-Anbieter suchen und finden sich und werden auch auf dem Schweizer Markt aktivVon Clemens HörlerDie drei wichtigsten Pay-for-Surf-Anbieter im deutschsprachigen Raum haben einen professionellen Onlinevermarkter an sich gebunden. Diese können dank der neuen Allianzen ihren Werbekunden gute Targetingmöglichkeiten anbieten. In der Schweiz allerdings erst mit sehr kleiner Reichweite.
Im November hat AdLink Internet Media GmbH angekündigt, ab sofort das Angebot des
Pay-for-Surf-Anbieters FairAd GmbH (www.fairad.de), München, zu vermarkten. Kurz vorher haben sich auch Real Media und AllAdvantage.com für eine europaweite Kooperation zusammengeschlossen. Bereits seit Mai vermarktet AdMaster exklusiv die «Cash-Machine» der Münchner CyberProfit AG (www.cashmachine.de).
Thematisches und zeitliches Targeting
Für die Vermarkter bedeuten diese strategischen Partnerschaften mit den genannten Anbietern eine willkommene Ausweitung ihres Portfolios und die Möglichkeit, ihren Kunden ein ziemlich genaues Targeting anbieten zu können, und das sowohl vom Interesse der User her als auch vom gewünschten Zeitpunkt.
Tatsächlich kennen Pay-for-Surf-Anbieter ihre Kunden nach einer bestimmten Zeit ziemlich genau. Denn diese hinterlassen bei der Registrierung genaue Informationen und willigen auch ein, dass sie auf ihren Wegen durchs Internet beobachtet werden und die gesammelten Informationen in anonyme Profilgruppen verpackt an Werbekunden weitergegeben werden.
Im Gegenzug erhalten die User, die sich die Software der betreffenden Anbieter herunterladen, einen bestimmten Geldbetrag für die Werbung, die in ihr Werbefenster eingespielt wird, das über oder unter dem Internetbrowser installiert ist. Einige Anbieter wie FairAd oder CyberProfit bieten Werbekunden zudem die Möglichkeit an, bildschirmfüllende Werbefilme abzuspielen.
Noch wenig Nutzer in der Schweiz
Real Media vermarktet das Angebot des global tätigen Unternehmens AllAdvantage.com bereits in elf europäischen Ländern, unter anderem auch in der Schweiz. Hier sind die Mitgliederzahlen allerdings im Vergleich zu den USA oder auch zu Deutschland noch sehr gering. Dies liegt vor allem daran, dass man je nach Anbieter bis vor kurzem oder immer noch ein Konto im Ausland haben musste, wenn man die Belohnung für das Betrachten von Werbung kassieren wollte.
«Die Mitgliederzahl nimmt zu, wichtiger ist uns aber das genaue Targeting, das nun mit AllAdvantage.com möglich ist», meint Alex Schatt von Real Media Schweiz. Real Media und AllAdvantage.com erhoffen sich von ihrem so genannten ViewBar in deutscher Sprache auch in der Schweiz einen schnellen Mitgliederzuwachs.
Während CyberProfit noch keinen Markteintritt in die Schweiz plant, zählt FairAd in Österreich und der Schweiz laut Mediensprecherin Johanna Stengel bereits 10000 Mitglieder, hofft aber auf baldige Expansion. Dann könnte auch AdLink Schweiz von der Zusammenarbeit betroffen werden. Alexander Gaigl, Geschäftsführer von FairAd: «Mit AdLink haben wir einen Partner gefunden, der nicht nur in Deutschland das Potenzial zur erfolgreichen Vermarktung aufweist.»
Die Zusammenarbeit mit einem Vermarktungsnetzwerk ermöglicht es FairAd, CyberProfit und AllAdvantage.com, sich darauf zu konzentrieren, Marktforschung zu betreiben, neue Marketingformen zu entwickeln und ihr Angebot für die User auszubauen.
Ein konsolidierter Markt wird auch für Werber attraktiv
So verstehen die genannten Firmen ihre Werbefenster schon lange nicht mehr als Bannerfenster, sondern als Minibrowser, die den Mitgliedern einen Zusatznutzen bieten sollen, zum Beispiel aktuelle Schlagzeilen. Die «Cash-Machine» von Cyberprofit bietet Nutzern auch die Möglichkeit, SMS oder E-Mail zu versenden, ohne dafür eine bestimmte Website aufrufen zu müssen.
Noch bis vor kurzem hatte man Pay-for-Surf-Firmen eher misstrauisch begutachtet. Viele Anbieter in Deutschland sind auch wieder eingegangen. Der Markt hat sich konsolidiert, und offensichtlich ist nun auch die Werbewirtschaft gewillt, mit den verbleibenden Unternehmen zusammenzuarbeiten, umso mehr, als diese inzwischen beachtliche Kundenstämme von mehreren Hunderttausend Personen aufbauen konnten.

Nachts leuchten nur die Statuen

Nordkorea ist noch das einzige werbefreie Land der Welt. Doch das wird sich vielleicht dank ABB bald ändern

Nordkorea ist noch das einzige werbefreie Land der Welt. Doch das wird sich vielleicht dank ABB bald ändernVon Werner CatrinaNirgendwo ist in der nordkoreanischen Metropole Pjöngjang Werbung zu sehen – ausser staatliche Propaganda. Nachts leuchten nur die Statuten des Grossen Führers und seines Sohnes. In den Regalen der Läden liegt ein spärliches Angebot an Waren. Doch die Zeiten ändern sich: Bald darf ABB als erste Westfirma ihr Logo anbringen.
Aus dem Fenster der eben gelandeten Iljuschin der nordkoreanischen Air Koryo erblicken wir ein riesiges Porträt des Grossen Führers Kim Il Sung. Wir sind nach anderthalbstündigem Flug von Peking auf dem Flughafen von Pjöngjang gelandet, der von Gerüchten umwobenen Hauptstadt Nordkoreas. Kommerzielle Werbung gibt es hier nicht, allein der allmächtige kommunistische Staat wirbt mit Parolen und heroischen Bildern.
Statt der klapprigen Busse russischer Bauart stehen Mercedes vor dem Terminal; Funktionärskarossen und Limousinen für Diplomaten und ankommende wichtige Delegationen. Wir Besucher aus Europa kommen uns vor wie Pandabären im Zoo. Denn Nordkorea verzeichnet im Jahr nur gerade 100000 Ankünfte von Ausländern, neun Zehntel davon sind Chinesen. Touristen und Geschäftsleute aus Europa sind rar.
Über die leere Flughafenautobahn fährt unsere kleine Gruppe von Journalisten und Reisefachleuten, «behütet» von einer nordkoreanischen Reiseleiterin und zwei Reiseleitern, nach Pjöngjang hinein. Wo sich in andern asiatischen Städten eine schrille Werbewand an die andere reiht, ziehen hier zwischen Airport und City vor dem Busfenster braune Reisfelder vorüber. Menschen arbeiten mit Sicheln auf den Äckern, da und dort zieht eine Kuh einen zweirädrigen Karren. Im ganzen Land ist der motorisierte Verkehr fast inexistent, da es keine privaten Autos gibt. Hie und da taucht ein Bus auf, manchmal ein Funktionärswagen; Lastwagen dürfen auf den Autobahnen nicht fahren.
In allen Metropolen dieser Welt rücken elektronische Leinwände und Megaplakate Konsumgüter ins richtige Licht. In Pjöngjang werben handgemalte Riesenfresken und gigantische rote Sterne einzig und allein für die Segnungen der kommunistischen Partei Nordkoreas, die ihr 55-jähriges Bestehen zelebriert.
Beim Monument des Grossen Führers Kim Il Sung, einer Bronzestatue so hoch wie ein Kirchturm, machen wir den ersten Halt. Soldaten, Schüler und Hochzeitsgesellschaften nähern sich schweigend, verneigen sich und legen Blumen nieder. Der 1994 verstorbene Kim Il Sung bleibt über seinen Tod hinaus «auf ewige Zeiten» Staatspräsident. Auch dies ein weltweites Unikum.
Keine Coca-Cola-Werbung, kein Waschpulverplakat
«We try harder» wirbt ein amerikanischer Autovermieter mit rotem Label rund um den Globus, jedoch nicht in Nordkorea. Hier ist die Farbe Rot bis dato der Kommunistischen Partei der Arbeit Koreas mit ihrer auf Unabhängigkeit gegründeten «Juche-Doktrin» vorbehalten. Traurige Ironie: Seit Mitte der Neunzigerjahre wird das Land von einer dramatischen Hungersnot heimgesucht und hängt am Tropf der ausländischen Nahrungsmittelhilfe, von der das Volk jedoch nichts Konkretes erfährt.
Die von knapp drei Millionen Menschen bewohnte Metropole Pjöngjang ist die einzige Hauptstadt auf Erden ohne jede kommerzielle Werbung. Kein Coca-Cola-Schild, keine Reklame für Waschpulver oder gar Computer lenken ab von den Bildnissen Kim Il Sungs und seines Nachfolgers, Kim Jong Il.
Die mitten durch Pjöngjang führende Siegesstrasse wirkt wie verfremdete Champs-Elysées ohne Läden und Restaurants. Für staatliche Funktionäre und Ausländer gibt es ausser den Hotelrestaurants noch einige wenige weitere Gaststätten in der Stadt, wo man zu westlichen Preisen bei Soju (Reiswein) schlemmen kann.
Wie im Krieg werden die knappen Lebensmittel den Bewohnern vom Staat zugeteilt. Davon spüren die Touristen freilich nichts, sie bezahlen für ein achttägiges Pauschalarrangement ab Peking inklusive Visum gegen 3000 Franken und werden üppig verpflegt.
Der Dollar wird zu einem Mondkurs umgerechnet
Besucher aus andern Ländern können ihre Dollars in eine Ausländerwährung wechseln und an besonderen Verkaufsstellen Importprodukte kaufen. Für einen Dollar blätterte man uns 2,2 Won auf den Tresen, ein Mondkurs. In China bekomme man für einen einzigen Dollar weit über hundert nordkoreanische Won, weiss ein Geschäftsmann aus Malaysia.
Gläser mit Nescafé stehen in den Regalen eines kleinen Kaufhauses für Ausländer, Pampers für Diplomatenkinder und Stereoanlagen aus Japan sind aufgereiht. Sogar Weisswein aus der Schweiz haben wir entdeckt. Dutzende gleicher Dosen mit Thunfisch füllen ein ganzes Gestell, daneben sind grosse Flächen leer. Ginsengprodukte, eines der wenigen Exportgüter des Landes, stehen zum Verkauf. Wegen des absurden Wechselkurses ist aber alles teurer als in Tokio.
Im Stadion gibts kein
Schälchen Reis und keinen Tee
Das grösste Kaufhaus im Zentrum der Stadt ist morgens um elf noch geschlossen, der riesige Platz davor beklemmend leer. In den Schaufenstern, die an Schweizer Volksmagazine in den Fünfzigerjahren erinnern, sind Kleider ausgestellt, deren Schnitt auf der Strasse niemand trägt. Wir haben weder Märkte gesehen noch Läden, in denen man den Eindruck hatte, dass wirklich gekauft wird. Wie wir von unsern Reiseleitern erfahren, verdienen alle Nordkoreanerinnen und Nordkoreaner 200 Won im Monat, zehn Prozent davon kostet die Wohnung. Wo die Menschen den Rest ausgeben, blieb ein Rätsel.
Im werbefreien May-Day-Stadion mit seinen 150000 Plätzen gibt es keinen einzigen Getränkestand. Unmöglich, nur ein Schälchen Reis mit Gemüse oder ein Glas Tee zu kaufen. Mit leerem Magen machen sich die Menschenmassen nach der Jubelschau der Partei durch dunkle Strassen zu Fuss auf den Heimweg.
Die Strassen von Pjöngjang sind klinisch rein, denn in dieser konsumabstinenten Welt gibt es nichts wegzuwerfen. Brigaden von Werktätigen schrubben im Übrigen täglich Gehsteige und Plätze, «Freiwillige» kauern vor Statuen und Triumphbögen auf den Knien und fegen den Boden.
Der Fernseher im Pyongyang Koryo Hotel bietet – wie alle Apparate im Lande – nur das Programm des staatlichen Senders mit glücklichen Gesichtern, Massenparaden, jubelnden Kinderchören, idyllischen Landschaften und dem Bildnis des Grossen Führers und seines Sohnes. Werbeblocks und Nachrichtensendungen gibt es nicht, nur staatliche Verlautbarungen, Propaganda.
Immerhin haben die Nordkoreaner vom überraschenden Treffen ihres lieben Führers, Kim Jong Il, mit dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung erfahren, und auch vom herzzerreissenden gegenseitigen Besuch von Verwandten, die sich fünfzig Jahre nicht mehr sehen durften. Dass Kim Dae Jung für seine Versöhnungspolitik den Friedensnobelpreis erhielt, verschweigen die Medien dem Volk.
Heroische Fresken in der
werbefreien Metro
Der Staat rührt mit grösster Kelle an: Pjöngjang verfügt über mehr Stadien als die meisten Städte der Welt. Auch hier nicht die kleinste Werbung für ein Konsumprodukt. Die Strassen sind breiter als in Paris, die Monumente höher als in Washington. Auf den leeren Plätzen ebenso wie in den Hallen der Metro klingt von irgendwoher pompöse Musik. Auch in der Untergrundbahn fehlt kommerzielle Werbung vollständig. Dagegen illuminieren Kronleuchter heroische Fresken. Die Menschen wirken gut gekleidet, Armut haben wir in Pjöngjang nicht gesehen; die Hungergebiete liegen auf dem Land, abgelegen im Norden. Der Blick in die Lebensverhältnisse der Nordkoreaner bleibt Ausländern absolut verwehrt. Wie lange dieser rigide Staat das Informationsmonopol in der vernetzten Welt wahren kann, bleibt offen.
Der Strom für Pjöngjang werde aus den Randregionen abgezogen, die oft in Dunkelheit lägen, weiss ein Gruppenteilnehmer, der Nordkorea schon zum zweiten Mal bereist. Nachts wirkt auch die Hauptstadt dunkel, nur die illuminierten Statuen und Prachtbauten ragen aus der Finsternis auf.
Doch Hilfe für die marode Infrastruktur naht aus dem Westen. In der letzten Novemberwoche 2000 weilte ABB-Chef Göran Lindahl auf Einladung der Regierung zu Besuch in Pjöngjang. Lindahl ist der erste Boss eines westlichen Unternehmens, das mit den nordkoreanischen Machthabern ins Geschäft kommt.
ABB hat mit der Demokratischen Volksrepublik Korea einen langfristigen Kooperationsvertrag unterzeichnet; Spezialisten des schweizerisch-schwedischen Technologiekonzerns sollen die veralteten Stromnetze modernisieren und die vorsintflutlichen Steuerungssysteme nordkoreanischer Kraftwerke und Industriebetriebe aufrüsten. Es ist absehbar, dass der dynamische Konzern als Pionier schon bald auf dem letzten weissen Fleck der Werbewelt seine Botschaft ausposaunen darf: «ABB – global and local».
Abgeschottet

Die Demokratische Volksrepublik Korea ist dreimal so gross wie die Schweiz und zählt 23 Millionen Einwohner. Für die koreanische Halbinsel war das 20. Jahrhundert über weite Strecken eine Epoche des Schreckens. Der jahrzehntelangen brutalen Kolonisierung durch Japan folgte der verheerende Koreakrieg (1950–53), in dem das Land zwischen die Mühlsteine der Grossmächte USA, Russland und China geriet. Der Krieg endete mit der Teilung des Landes. Im Süden zogen Zehntausende amerikanischer Soldaten als Schutzmacht ein. Das kommunistische Nordkorea isolierte sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr. Jetzt soll das Land unter Druck der wirtschaftlichen Misere vorsichtig geöffnet werden.

Bilanz will auch ins Radio

Neubesetzung wichtiger Positionen soll die Bilanz-Familie stärken und die Customer Services dynamisieren

Neubesetzung wichtiger Positionen soll die Bilanz-Familie stärken und die Customer Services dynamisierenVon Daniel SchifferleEs kommt Bewegung in die Führungsstruktur des Jean-Frey- Verlagshauses: Die Ex-Werberin Elke Zappe wird ab 1. Januar 2001 die WM Wirtschaftsmedien AG (WW 44/00) leiten und neue Multimediaprodukte für die Bilanz-Familie entwickeln. Ihr Vorgänger Edi Häusler soll derweil als Marketingfachmann dem Bereich Customer Service neue Impulse geben.
Per 1. Januar 2001 kommt es bei der Jean Frey AG zu wichtigen Neuerungen: Die Ex-Werberin Elke Zappe leitet ab Jahresbeginn die WM Wirtschaftsmedien, Herausgeberin der Bilanz. Edi Häusler, der diese Stelle erst seit Mai dieses Jahres innehatte, wechselt auf den Chefposten Customer Service.
Dieser war seit mehreren Jahren vakant gewesen und wurde interimistisch von Peter Kümmerli geführt, als Zusatzjob zu den übrigen Aufgaben des Be- obachter-Verlagsleiters. Jetzt soll allerdings mehr Dynamik in dieses Geschäftsfeld einfliessen. Und genau dafür scheint Häusler prädestiniert zu sein, zumal der langjährige Marketingchef bei Ringier hohe Affinitäten zum Direktmarketing aufweist sowie am Sawi und am Medieninstitut zum Thema doziert. Zudem war er vor seinem Wechsel zur Jean Frey AG im letzten Frühjahr als Partner bei der Stäfner Direktmarketingagentur Factum mitten im Alltagsgeschäft drin. Häusler soll vor allem neue Entwicklungen im Customer-Relationship-Management, Micro Billing und Data Mining vorwärts bringen. Vieles davon in enger Zusammenarbeit mit dem Mutterhaus in Basel.
Das kompetente Führen einer Marke will gelernt sein
Und welche Impulse erwartet man von Elke Zappe? Die studierte Wirtschaftswissenschafterin hat so ziemlich alles kennen gelernt: Mehr als zehn Jahre verbrachte sie in diversen Schweizer Werbeagenturen. Sie war Partnerin bei Studer & Zappe und wirkt seit einiger Zeit als Unternehmensberaterin. Lediglich der Verlagsbereich ist für die künftige Bilanz-Leiterin Neuland. «Das spielt jedoch keine Rolle, denn die Bilanz hat ja je einen Leiter Anzeigen- und Lesermarketing, die das klassische Verlagsgeschäft bereits bestens abdecken», erklärt Peter Urs Naef, Direktionsvorsitzender der Jean Frey AG. «Was für uns sehr attraktiv ist, sind Elke Zappes Kompetenzen in der Unternehmensführung, ihre Verankerung in der Werbebranche und, vielleicht das allerwichtigste Kriterium: ihre Erfahrung im Führen einer Marke.»
Bilanz soll neue Radio- und TV-Sendungen erhalten
Dieses Know-how in der Markenführung ist laut Naef besonders nützlich für eine der künftigen Aufgaben von Elke Zappe: die Multimediaplattform der Bilanz mit weiteren Produkteideen zu erweitern. Unter anderem denkt Naef an eine verstärkte TV-Präsenz, etwa mit neuen Formaten, die man zusätzlich zur bisherigen Sendung ausstrahlen könnte. Ein weiteres Thema im Rahmen der neuen Multimediastrategie: Bilanz-Wirtschaftssendungen am Radio. «Auch da wird Elke Zappe zusammen mit Bilanz-Chefredaktor Medard Meier Ideen entwickeln», sagt Naef.

Kopf der Woche: «Die Schweiz muss über ihre Grenzen hinaus blicken»

Jeremy Rawle, CD bei Euro RSCG, nimmt Anfang Dezember Einsitz in die Eurobest Jury

Jeremy Rawle, CD bei Euro RSCG, nimmt Anfang Dezember Einsitz in die Eurobest JuryKopf der Woche
«Die Schweiz muss über ihre Grenzen hinaus blicken»
Eigentlich plante der CD von Euro RSCG nie, lange zu bleiben, wenn er in einem neuen Land zu arbeiten begann. Daraus sind jeweils zehn Jahre Aufenthalt geworden. Seine Werberkarriere startete Jeremy Rawle in London, bis es ihn 1981 nach Sydney zog. Heute ist sich der Werber allerdings nicht mehr sicher, was damals die grössere Anziehungskraft auf ihn ausübte: der australische Werbemarkt oder die tollen Möglichkeiten, seiner Segelleidenschaft zu frönen.
Die Arbeit als Creative Director in Sydneys Agenturen wie Ogilvy & Mather, Lintas und Leo Burnett weckte allerdings seine Faszination sowohl für das Werben als auch für das Leben in Down Under. Heute besitzt Rawle neben dem britischen auch einen australischen Pass.
Auch seine Übersiedlung nach Singapur plante er 1991 lediglich als Abstecher. Der Aufstieg bis zum CD für die Region Asia Pacific bei Euro RSCG Partnership Singapore verlängerte seinen Aufenthalt jedoch erheblich: Verlassen hat Rawle die asiatische Metropole erst wieder im Jahr 2000, um in Zürich den Posten des CD bei Euro RSCG zu übernehmen und Verstärkung zu bieten, als die Agentur in Arbeit versank. Nach rund zehn Monaten in der Schweiz ist er überzeugt, dass er auch hier noch einige Jahre länger stationiert bleiben wird.
«Ich habe nicht erwartet, je in der Schweiz zu arbeiten», gesteht Rawle, «sie stand nicht auf meiner Top-Ten-Liste der Werbemärkte.» Positiv überrascht zeigt er sich trotzdem, sowohl vom hiesigen Stand des Designs als auch von der Lebensqualität in Zürich. Dass er in der Werbebranche fast ausschliesslich Schweizer antrifft, erstaunt ihn hingegen. «An allen anderen Orten, an denen ich jeweils gearbeitet habe, gab es immer eine Mischung aus einheimischen und ausländischen Talenten», so Rawle, «ich habe auch Schweizer im Ausland kennen gelernt. Hier hingegen trifft man nur ab und zu einige Deutsche.»
In dieser Geschlossenheit des Schweizer Marktes sieht der CD auch eine gewisse Gefahr: «Andere kleine Länder wie Singapur schaffen es, ihre Arbeit ins Ausland zu exportieren, und dort liegt auch die Zukunft der Schweiz. Man muss seinen Teil beisteuern zum internationalen Pool, sonst importiert man am Ende nur noch Ideen.»
Gelegenheit, die besten Arbeiten aus einem internationalen Pool zu honorieren, erhält Rawle dieser Tage als Jurymitglied der Eurobest Awards. Das zentrale Kriterium für die Bewertung der besten Arbeiten ist für den CD eindeutig: «Ich will Werbung sehen, von der ich denke: Ich wünschte, das hätte ich selbst gemacht!» Bleibt nur zu hoffen, dass Jeremy Rawle in den Eurobest Awards auch auf Schweizer Einsendungen trifft, die ihn auf diese Weise beeindrucken. Bruno Amstutz

Top-Gruppe beteiligt sich an 20-Minuten-Holding.

Im Zug der Aktionariatsumbildung bei der 20 Minuten-Holding (WW 44/00) hat sich die Top-Gruppe (Radio und Tele Top) beteiligt.

Im Zug der Aktionariatsumbildung bei der 20 Minuten-Holding (WW 44/00) hat sich die Top-Gruppe (Radio und Tele Top) beteiligt. Dies bestätigte Chris Tanner, Mitinhaber der A&A Actienbank. Zuvor hatte Top-Geschäftsführer Günter Heuberger in einem Communiqué fälschlicherweise verlauten lassen, die Top-Gruppe werde sich an der 20 Minuten (Schweiz) AG beteiligen. Heuberger erhofft sich Impulse in den Bereichen Marketing und Internet, sagte er der WerbeWoche. Über die Höhe seines Anteils wurde Stillschweigen vereinbart. Doch ist der Top-Anteil im Paket von 29,1 Prozent integriert, das die A&A an der 20-Minuten-Holding hält. Heuberger ist zu rund 40 Prozent an der Top-Gruppe beteiligt.Kiosk AG kauft Swiss Mail-Mitglied Distriforce. Die Inserateunion, eine Tochterfirma der Basler Mediengruppe (BMG), verkauft die Vertriebsorganisation Distriforce (Glattbrugg) per 1. Januar 2001 an die Kiosk AG. Dies bestätigte BMG-Verwaltungsrätin Ruth Ludwig. Die Distriforce, die ehemals die Züri Woche verteilte, ist Mitglied von Swiss Mail (SM), einer von drei grossen Vertriebsfirmen im Bereich Direktmarketing (WW 39/00).
Taklen wie Casanova. «Ich hatte sie alle.» Ob Linda Evangelista, Brigitte Nielsen,Verona Feldbusch, Naomi Campbell, Sonja Kirchberger, Pamela Anderson, Cindy Crawford oder die Spice Girls: Schwach wurden sie alle bei Harald, als Schmidt diese Frauen in seine Talkshow lud. Natürlich sind auch ein paar Männer gekommen. «Lieber Harald, vielen Dank für 5 amüsante Jahre. Wer bis jetzt noch nicht bei dir war, kommt auch noch. Weiter so!», gratuliert SAT 1 seinem Comedytalker. Nicht irgendwo, versteht sich, sondern auf der Seite für politische Bücher in der FAZ vom 5. Dezember. Und dies auch nicht halbseidig, sondern gleich halbseitig. Gestaltet hat das Inserat FCB Berlin.
Virtueller Adventskalender. Die Lungenliga der Schweiz präsentiert sich weihnächtlich aktuell und technisch mit ihrem New-Media-Spendenkonzept up to date. Unter www.froehliche-weihnachten.ch darf in einem virtuellen Adventskalender täglich ein Fenster geöffnet werden. Hinter den elektronischen Pförtchen sind 24 Masani’s-Karten versteckt, die man als cards for free weiterleiten kann. Konzipiert und realisiert wurde die Idee von Freiburghaus und Banderini, Bern. Als weiteren Teil des neuen Online-Sammelkonzepts für die Lungenliga hat die Agentur auch eine von orange8.com produzierte CD-ROM an über 86000 Schweizer Firmen verschicken lassen. Darauf findet sich für sämtliche 24 Adventstage ein jeweils neues Sujet als Bildschirmschoner.
BILANZ IS THE GIRL’S BEST FRIEND. «Nobody is perfect» heisst es im Film «Some like it hot», wenn sich Marylin Monroes lange gesuchter Millionär zum Schluss als armer Schlucker outet und der echte Millionär sich dafür als vertrottelter Schlappi entpuppt. Einfacher haben es die leichten Girls von heute. Viel zumindest finanzielle Potenz findet sich in der neuesten Bilanz mit den 300 reichsten Schweizern. In einer doppelseitigen Anzeige von der Agentur Publicis wird das Fahndungsbuch für Gold-Diggers deshalb als «Der beliebteste Kontaktanzeiger der Schweiz» verkauft. Was nicht nur Blondinen beim Blättern der goldenen Bilanz auffällt: Die Redaktoren des Schweizer Wirtschaftsmagazins haben auch dieses Jahr die Werber bei ihren Recherchen wieder einmal vergessen. Aber eben: Nobody is perfect. Oder so.
Aus MGS wird Sevenone Media. Die MGS MediaGruppe Schweiz heisst ab sofort SevenOne Media (Schweiz) AG. Die Umfirmierung ist eine Folge der Verschmelzung der ProSieben Media AG und Sat 1 zur neuen ProSiebenSat 1 Media AG. Dabei wurden auch die beiden Vermarktungsunternehmen MGM MediaGruppe München und Media 1 fusioniert. Entstanden ist der grösste Vermarkter audiovisueller Media in Europa.
Rufs neue @dresse. Markus Ruf, freier Konzepter, hat einen unterhaltsamen Weg gefunden, Kunden und Agenturen seine neue E-Mail-Adresse bekannt zu geben. Anstatt eine kommune Massen-E-Mail zu versenden, hat er auf das gute alte Medium Postkarte gesetzt. Mit seiner Cardserie setzte er dabei die gängigsten Computerbegriffe in Fensterleisten mit Bildern aberwitzig falsch um: Der «Browser» ist da ein Duschkopf, die «Festplatte» ein kalorienreiches Buffet, der «Speicher» ein Estrich voller Ramsch. Ein Althippie mit Joint symbolisiert den Begriff «Links». Rufs selbstironischer Kommentar auf der Rückseite der Karte: «Trotz beschränkter Computerkenntnisse habe ich jetzt eine neue E-Mail-Adresse.»
Media Focus erfasst Online-Vermarkter ab 2001. Ab dem nächsten Jahr sollen alle Schweizer Vermarkter von Internetwerbung ihre Umsatzzahlen Media Focus melden. Das Hergiswiler Unternehmen für Werbeaufwandmessung erfasste bisher nur Zahlen von Real Media, Qualiclick, Active Agent und Banner.ch. Banner.ch-Chef Sven Wenger erklärte der WerbeWoche, alle zehn Schweizer Vermarktungsfirmen hätten zugesagt, an der Media-Focus-Erhebung teilzunehmen. Dabei sollen auch rückwirkend die Umsatzzahlen für 2000 bekannt gegeben werden. Für die Monate Januar bis Oktober wies Media Focus einen Bruttowerbeaufwand im Internet von 20,29 Millionen aus. Wenger schätzt, dass mit den vier beteiligten Vermarktern etwa 60 bis 65 Prozent des Schweizer Marktes abgedeckt würden.
Editorial

Treffen Sie die Wahl aus 46 Kampagnen
Sie zählt zu den international am meisten beachteten deutschen Kampagnen der Nachkriegszeit: die Printkampagne der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit den klugen Köpfen. Sie läuft seit über fünf Jahren, und weder Konsumenten noch Werbejuroren haben sich an den unverwechselbaren Motiven aus dem Hause Scholz & Friends Berlin satt gesehen. Im Gegenteil: Man wartet ungeduldig aufs nächste Sujet, das einen immer wieder an ungewöhnliche Orte führt. Die Kampagne beweist, dass Kontinuität in unserer schnelllebigen Zeit nicht langweilig sein muss. Eins ums andere Mal bescheinigen die Jurys den Kreativen um Sebastian Turner, dass es ihnen gelingt, den «Klassiker» unter den Kampagnen auf immer wieder überraschende Weise fortzuführen. «Wer nicht einen langen Atem hat», so die feste Überzeugung Turners, «kommt erst gar nicht zu einer Sichtbarkeit.»
Der Geschäftsführer von Scholz & Friends gehört zu den am häufigsten ausgezeichneten Kreativen in Deutschland. 1999 wurde er zum Agenturkopf des Jahres gewählt. Seit September ist der «German Advertising Guru» – so das Wall Street Journal – zudem Vorstandssprecher des deutschen ADC. Im Interview mit der WerbeWoche erklärt Turner, wie er den Schrottanteil in der Werbung senken will und warum die Deutschen bei internationalen Festivals meist unter ferner liefen dabei sind (siehe Seite 41).
Das Werbejahr neigt sich dem Ende zu. Allenthalben wird bilanziert und juriert: Im zu Ende gehenden Jahr haben wir auf den Titelseiten insgesamt 46 Kampagnen präsentiert, die wir Ihnen auf den Seiten 16 bis 19 nochmals zeigen. Wiederum sind wir gespannt, welche Ihnen am besten gefallen hat. Schreiben Sie uns Ihre Favoriten auf die frankierte Postkarte auf Seite 19. Einsendeschluss ist der 5. Januar 2001. Das Ergebnis werden wir anlässlich der Feier zum Werber des Jahres am 18. Januar im Rohstofflager Zürich-Oerlikon bekannt geben. Samuel Helbling
PS: Die Wahlzettel für die Werberin beziehungsweise den Werber des Jahres 2000 werden der letzten Ausgabe der WerbeWoche vom 14. Dezember beigelegt. Auch die Anmeldekarte werden Sie dort finden.

News: Altavista.ch kommt

Die Suchmaschine Altavista ist neu mit einer Schweizer Ausgabe im Web präsent.

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Der Schweizer Index hat zurzeit etwa 3,5 Millionen Sites. Die Suchoberfläche umfasst einige neu lancierte Angebote wie die Personalisierung, das Speichern häufig verwendeter Suchergebnisse oder einen E-Mail-Versand von Ergebnissen. Daten aus den Personalisierungsfunktionen sollen nicht für Targeting verwendet werden, erklärte Marketingmanager Alexander Holl.
Aus Dplanet wird ein Diax-PortalDiax hat ein Portal lanciert, auf dem verschiedenste Kommunikations-Dienstleistungen integriert werden. Dplanet.ch, wie das Diax-Portal bis anhin geheissen hat, wurde mit der Corporate-Site verschmolzen.
OnlineReports.ch wächst weiter
Mit 100000 Visits und 3000 Pageviews täglich hat das Basler Newsportal Onlinereports.ch im vergangenen Jahr markant zugelegt. «Reich werde ich damit nicht,» meint der Gründer von Onlinereports, Peter Knechtli. Trotzdem ist er überzeugt, dass hinter Onlinereports ein tragfähiges Geschäftsmodell steckt. So haben sich die Einnahmen aus der Bannerwerbung im letzten Jahr verdoppelt, womit der Dienst laut Knechtli kostendeckend betrieben werden kann.
Bol holt auf67 Prozent der Schweizer können ungestützt kein Unternehmen nennen, das online Bücher, Musik oder Videos verkauft. Auch bei der gestützten Befragung geben immer noch 24,1 Prozent an, keines der genannten Unternehmen wie Bol.ch, ExlibrisOnline oder Amazon zu kennen. Dies ergab eine von Bertelsmann Online (BOL) in Auftrag gegebene Umfrage des deutschen Marktforschungsunternehmens Emnid in der Schweiz. Am bekanntesten in der ungestützten Befragung war laut Emnid BOL, das von 13,5 Prozent der Befragten genannt wurde. BOL verdrängte damit in diesem Herbst erstmals Amazon vom ersten Platz. Amazon kam nur noch auf 11,7 Prozent ungestützte Bekanntheit. Auf den weiteren Plätzen folgen Books.ch und Buch.ch.
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