All you need is zelo.
Haare waren ganz zu Beginn der Beatles ihr Markenzeichen.
NZZ Online gewinnt «Spot der Woche». Der TV-Spot «Hitler Face», mit dem die Düsseldorfer Online Marketing Agency auf Vox für NZZ Online wirbt, wurde von den Besuchern der Website von Werben & Verkaufen zum Spot der Woche gewählt. In dem etwas irreführend benannten Wettbewerb können Surfer auf www. wuv.de/network/spots.html einer Spotauswahl Noten von eins bis fünf geben. Konkurrenten waren Coca-Cola, Shell, uboot.com, Fielmann und Financial Times Deutschland.
Calida zieht auch Jurys an. Die einen tun es (Nike), die anderen sind es – sichtbar erfolgreich. Das Calida-Plakat für die saumlose Linie «Just Be» wurde kürzlich von der namhaft besetzten 13-köpfigen Münchner Plakatjury zu einem der zwölf besten Grossflächenplakate des Jahres gewählt. Das Gremium ermittelt seit Anfang der Fünfzigerjahre vierteljährlich das beste Plakat aus Wirtschaft und Kultur, das in und um die Stadt zum Anschlag gelangt. Werbeleiter René Stucki darf sich doppelt freuen. Nicht nur sind die Umsatzziele der Dessouslinie längst übertroffen worden. Dank der international seit April eingesetzten Kampagne, die inhouse mit dem Münchner Fotografen Esad Cicic entsteht, konnte das Markenbild emotionalisiert und zugleich markant verjüngt werden.
Orangen für eine Pfirsichhaut. Von Yoko Ono stammt die Vermutung, wonach Männer beim Betrachten ihrer Anatomie den Humor entdeckt haben. Beobachtet man, mit wie viel Geld sie gegen den Haarausfall kämpfen, scheint der Humor eher in Verzweiflung zu kippen. Ähnlich trifft Cellulite Frauen. Auch für sie scheint Anatomie nicht Schicksal zu sein, wie es Sigmund Freud gesehen hätte. Mit einer Give-away-Aktion machte Matter & Partner kürzlich für ein Adliswiler Kosmetikinstitut Werbung. In Anlehnung an den kommunen Medizinalbegriff wurden Orangen an Passanten verteilt, die in typischem Schutzpapier eingewickelt waren und die Werbebotschaft – ebenfalls im typischen mediterranen Look – trugen.
Coop wird Dachmarke. Der Startschuss für die flächendeckende Lancierung des neuen Coop-Logos ist erfolgt: Auf dem Coop-Hauptsitz in Basel prangt das in zwei Orange-Tönen gehaltene Logo, das im Juni erstmals präsentiert wurde. Vom 1. Januar bis 31. Mai 2001 wird landesweit umgestellt: Von der Internetsite bis zur Aktionswerbung. Das neue, von Külling Partner Identity gestaltete Logo wurde nötig, weil Coop seine 14 Genossenschaften auflöst und als Unternehmen mit einheitlicher Erscheinung auftreten will. Im Januar lanciert Coop parallel eine Eigenmarken-Werbekampagne.
Plakat von 460 Quadratmetern. BlowUp Media Schweiz GmbH veranstaltet mit dem Hochbaudepartement der Stadt Zürich einen Gestaltungswettbewerb für ein Riesenposter. Das 23 Meter breite und 20 Meter hohe Megaposter wird am Gerüst gegen das Limmatquai am Amtshaus VI im Zentrum von Zürich hängen. Das Thema für den Inhalt des Posters wird in einer Ausschreibung am 20. Dezember im Newsmail der WerbeWoche publiziert. Die Teilnahmebedingungen für den Wettbewerb finden sich auch auf www. blowup.com
Deag mit Schweizer holding. Das deutsche Entertainmentunternehmen DEAG setzt nach der Übernahme der Konzertagentur Good News im Juli einen weiteren Schritt in die Schweiz und gründet die DEAG Global Entertainment Holding. Ziel der neuen Firma sei es, Mehrheitsbeteiligungen an internationalen Tournee- und Managementagenturen einzugehen sowie das Tournee- und Konzertsegment weiter auszubauen, teilte DEAG mit. Als erste Beteiligung habe die neue Holding 70 Prozent von Entertainment One in Zürich übernommen.
Ran an die Wäsche. Neulich, beim Abholen seiner Hemden in der Wäscherei, hat Frank Bodin, der Creative Director von McCann-Erickson, Genf, einen neuen Werbeträger entdeckt: den unbedruckten Karton, den die Wäscherei jeweils in die frisch gebügelten Hemden steckt, damit diese nicht zerknittern. Dieser Hemdkarton könnte doch auch als Träger von Werbebotschaften dienen, die auf lokales Business ausgerichtete Firmen dem männlichen Zielpublikum ausrichten wollen. Erstmals eingesetzt hat die Agentur den neuen Werbeträger im Rahmen eines Auftritts, den sie für das Zürcher Fitness- und Tanz-Center arena 225 konzipierte.
Editorial
Die Zähmung der Widerspenstigen
Ende der Fünfzigerjahre veröffentlichte Vance Packard seinen Bestseller «Die geheimen Verführer» und löste damit eine lang anhaltende Debatte über die Rolle der Werbepsychologie in der modernen Konsumgesellschaft aus. Packard schilderte die Kommunikationsbranche als trickreiche Manipulationsindustrie, der jedes Mittel recht ist, Absatz zu pushen. Heute wissen wir es besser. Packards Grundlage für seine viel zitierte Theorie der «unterschwelligen Werbung» entpuppte sich selbst als Fälschung. Die Kommunikationsbranche gibt sich heute auskunftsfreudig über jederlei und auch über sich selbst. Werbung ist kein Mythos mehr, wenige noch glauben an ihre Allmacht. (Siehe dazu den Artikel zum neu aufgelegten Buch «Advertising and the Mind of the Consumers» von Max Sutherland und Alice K. Sylvester auf den Seiten 25ff.)
Der aufgeklärte Konsument weiss, dass Werbung übertreiben darf. Fakt ist, dass der bewussten Täuschung aber rechtliche Grenzen gesetzt sind. Diese gelten indes nicht für die eher praktizierte Beihilfe zur Selbsttäuschung, zu der uns die Werbung gerne verführt. So betrachtet ist sie auch ein Werkzeug, das – einmal pathetisch gesagt – hilft, das kollektive Unterbewusstsein einer Gesellschaft zu entschlüsseln.
Viele Moralisten des kapitalistischen Zeitalters wollen es nicht wahrhaben:
Der Konsument entpuppt sich weit widerspenstiger, als sie denken. Millionen werden für Marktforschung ausgegeben, um herauszufinden, was er (kaufen) will. Schliesslich wird Werbung ja immer unter der heiligen Massgabe betrieben, nur die Anzeigen und die Spots zu entwickeln, die dem Konsumenten gefallen und ihn zu überzeugen verstehen. Denn heute sieht sich die Wirtschaft immer häufiger mit Kaufverweigerung auf Grund von Werbung konfrontiert: Produkte werden von einem Teil der Konsumenten nicht mehr gekauft, weil ihre Werbung langweilig und ärgerlich ist oder ihre Adressaten für blöd verkauft. Samuel Helbling
PS: Mit der vorliegenden Ausgabe verabschieden wir uns für dieses Jahr von Ihnen. Die nächste WerbeWoche erscheint am 11. Januar 2001. Wir wünschen frohe Festtage und ein glückliches neues Jahr.
