News: Scholz & Friends verliert Telekom

Die Deutsche Telekom hat ihrer Stammagentur Scholz & Friends fristlos gekündigt.

Die Deutsche Telekom hat ihrer Stammagentur Scholz & Friends fristlos gekündigt.NewsScholz & Friends verliert Telekom
Der Grund: S&F Berlin soll heimlich eine Tochterfirma namens Nova gegründet und diese trotz Kundenkonflikt in den Pitch um den Mobilfunkanbieter Genion geschickt haben. Die Agenturführung bestreitet allerdings die Verbindungen zu Nova und versucht die Telekom zu überzeugen, den Entscheid rückgängig zu machen. An dem zweistelligen Millionenetat, der hauptsächlich T-Online betrifft, arbeiten 40 Angestellte bei S&F.
Dunlop vergibt Europaetat an 180Die Reifenmarke Dunlop wird in Europa künftig von der Amsterdamer Kreativagentur 180 betreut. 180 setzte sich in der Endrunde des Pitches gegen Springer & Jacoby durch. Etathalterin Abbott Mead Vickers BBDO war schon früher ausgeschieden. Dunlop, eigentlich eine japanische Marke, gehört in Europa zum Goodyear-Konzern.
Y&R lanciert neuen Jaguar weltweit
Young & Rubicam (Y&R) New York ist vom Autokonzern Jaguar mit dem Launch des neuen Modells X-Type beauftragt worden. Y&R setzte sich gegen die WPP-Schwesteragenturen Ogilvy & Mather (O&M) und J. Walter Thompson (JWT) durch. O&M ist Jaguars Stammagentur in Nordamerika; JWT betreut den Konzern in Europa und weiteren Märkten. Das Team von Y&R wurde von Creative Director Ross Sutherland angeführt, der bis letztes Jahr noch bei O&M für den Jaguar-Account zuständig war.
Euro RSCG wird Nr. 6 in Spanien
Euro RSCG expandiert in Spanien: Mit der Übernahme der Grupo Lorente, der grössten unabhängigen Agentur des Landes, stösst die Havas-Tochter auf Platz sechs im spanischen Markt vor. Die fusionierte Euro RSCG Lorente wird Billings von 400 Millionen Franken aufweisen. Zur Gruppe gehören Agenturen für klassische und Internetwerbung, PR, Media und Direktmarketing mit rund 200 Angestellten in Madrid und Barcelona.

Relikte aus der Prohibition

In den USA wird wieder vermehrt für Spirituosen in Radio und TV geworben

In den USA wird wieder vermehrt für Spirituosen in Radio und TV geworbenVon Thérèse BalduzziSpirituosenverteiler in Amerika haben begonnen, die freiwillige Zensur für Alkoholwerbung am Radio und Fernsehen aufzuheben. Die Abkehr von der jahrzehntelang aufrechterhaltenen Regelung vollzog sich bisher nur in einzelnen lokalen Märkten und wird sich kaum durchsetzen.
Vorreiter der Wende war die Seagram Spirits & Wine Group, als sie vor vier Jahren einen Spot für Crown Royal lancierte. Seither hat die gleiche Firma auch für Chivas Regal und die Firma Allied Domecq für Kahlua am Fernsehen geworben. Letztes Jahr zogen Bacardi, Captain Morgan Spiced Rum und Jack Daniel’s Whiskey nach.
Obwohl die Werbung für Spirituosen am Fernsehen seit 1996 ums Dreifache gestiegen ist, steht sie in keinem Verhältnis zur Bier- und Weinwerbung. Whiskey, Cognac und Vodka repräsentieren nur gerade drei Prozent der gesamten Alkoholwerbung am Radio und TV.
Das ist auch einer der Gründe, warum Spirituosenfirmen die Wende eingeläutet haben. Sie fühlen sich gegenüber leichteren Getränken im Wettbewerb benachteiligt und leiden unter sinkenden Verkaufszahlen. «Alkohol ist Alkohol» lautet ihr Einwand.
Als weiterer Grund für die Aufhebung der Selbstzensur wird auch die zunehmende Aufsplitterung der Massenmedien genannt. Während früher die drei grossen Networksender Programme für ganz Amerika ausstrahlten, ist es heute möglich, Werbung so gezielt einzusetzen, dass sie mehrheitlich Erwachsene erreicht und damit der Kritik ausweicht, Jugendliche würden zum Alkohol verführt.
Der Umweg führt über den Kabelprovider
Landesweit sind der Spirituosenwerbung am Radio und TV jedoch nach wie vor rigorose Grenzen gesetzt. Die Networksender, sowohl Radio als auch TV, akzeptieren keine Spirituosenwerbung. Auch die meisten Kabelsender nehmen keine solche Werbung an. Selbst unabhängige Sender und regionale, die in Partnerschaft mit den Networksendern stehen, verhalten sich mehrheitlich ablehnend.
Da sie aber keinen Industrierichtlinien unterstehen und selber entscheiden dürfen, stellen sie eine der Möglichkeiten für die Spirituosenwerbung dar. Die andere Möglichkeit besteht darin, Werbezeit nicht beim Kabelsender, sondern beim Kabelprovider einzukaufen.
Auf diesen Umwegen schaffen es die Spirituosenfirmen zwar nur auf lokal beschränkten Märkten, jedoch oft während landesweit ausgestrahlten, beliebten Sendungen zu werben. Immerhin gelangten Spots für Seagramprodukte auf diese Weise auf 100 lokale Sender und erreichten damit 20 Prozent der Kabelhaushalte.
Radiosender sind gegenüber Alkoholwerbung offener, weil ihr Publikum erwiesenermassen älter und die Gefahr kleiner ist, dass Kinder ihre Spots hören. Fast alle Spirituosenmarken sind mittlerweile mit Radiospots vertreten.
Fernsehwerbung für Spirituosen spielt sich vorläufig noch im kleinen Rahmen ab, und die Spirituosenfirmen verhalten sich vorsichtig, weil sie Protestbewegungen fürchten. So wird das Wagnis mit einigen selbst auferlegten Einschränkungen begangen: Allied Domecq verzichtet beispielsweise darauf, in ihren Spots Modelle einzusetzen, die jünger als 25 aussehen. Bacardi-Spots zeigen zwar junge, attraktive Leute beim Tanzen und Schmusen, aber nicht beim Trinken.

Aufgefallen: Ein Schneemann ist ein Schneemann, ist ein Schneemann und bleibt ein Schneemann, auch dann noch, wenn er durch die Toni Molkerei oder Hermès zu einer Werbesäule mutiert wird.

AufgefallenEin Schneemann ist ein Schneemann, ist ein Schneemann und bleibt ein Schneemann, auch dann noch, wenn er durch die Toni Molkerei oder Hermès zu einer Werbesäule mutiert wird. Denn der Werbeeffekt dieser maskierten Wintersymbolik schmil

AufgefallenEin Schneemann ist ein Schneemann, ist ein Schneemann und bleibt ein Schneemann, auch dann noch, wenn er durch die Toni Molkerei oder Hermès zu einer Werbesäule mutiert wird. Denn der Werbeeffekt dieser maskierten Wintersymbolik schmilzt schon vor dem Eintreffen der ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen dahin. Spätestens dann wird aber klar, dass die Anzeige absolut veraltet und meteorologisch abhängig ist und zudem nur von schneeverwöhnten Regionen erkannt wird. Interessant hingegen, wie sich ein Label zwecks Erkennung auf wenige Objekte wie Goldketten oder Plastikdeckel reduzieren lässt. Mich interessiert jetzt natürlich, wie denn die Condomeria ihren Schneemann schmücken würde.
Chandra Kurt
Kolumne

Bibeli
Von Martin Lanz
Haben Sie auch einen Schamhaarföhn? Hätten Sie einen, wenn es einen gäbe? Wären Sie dem Schamhaarföhnerfinder dankbar, dass er eines Ihrer grossen Probleme gelöst hat? Würden Sie als überzeugter Hedonist denken, das müssten Sie unbedingt noch anschaffen? Wenn Sie so eine sind oder so einer, dann spinnen Sie. Dann sollten Sie sich behandeln lassen. In sich gehen. Zum Beispiel die Bibel lesen.
Die Bibel gibts jetzt auch in der Migros. Zwischen Kondomen und Mitteln gegen Akne noch ein Bibeli. Zehn Schtutz das Stück Glück. Wahrscheinlich hat eine Werbeagentur die Kirche so beraten. Die Leute wollen die Bibel nicht mehr lesen. Stellen Sie sich vor: Es gibt Leute, die wollen nicht glauben, dass Moses im Alter von etwa 800 Jahren noch Kinder gezeugt hat. Wollen nicht wahrhaben, dass der böse Gott einem Vater befohlen hat, seinem Kind den Kopf abzuhacken. (Hat es dann im letzten Moment sein lassen. Scheintötung. Folter vom Grausamsten.) Wollen nicht annehmen, dass eine ungehorsame Frau zu einer Salzsäule erstarrt ist. Mögen zweifeln, dass Jesus Tote lebendig gemacht hat. Sich selber auch noch. Wollen einfach nicht einsehen, dass man das, was man vor 2000 Jahren geglaubt hat, heute auch noch glauben soll. An dieser Scheibe verzweifelt die Kirche. (Vielleicht ist die Erde ja immer noch eine Scheibe. Daran hat man doch auch geglaubt.) Und statt das Unglaubliche mal wegzulassen, verhökert sie es zum Spottpreis. Als obs am Geld läge. Oder würden Sie den Schamhaarföhn kaufen, wenn er nur einen Franken kostete? Dann ab in die Therapie! Sage ich.
Aber wie wärs, wenn Sie
die griechischen Sagen läsen? Mindestens so abenteuerlich wie die Bibel. Mindestens so glaubhaft. Sind jetzt neu aufgelegt worden. Kosten ein Mehrfaches vom Neuen MigrosTestament. Aber gehört zur Bildung. Genau so wie die Bibel. Man muss ja nicht grad alles glauben, was man liest. Und auch einer Werbeagentur muss man ja nicht grad alles glauben, liebe Kirche.
Sprachbeobachter

Hundert Fragen ans neue Jahr (26–50)
26. Welchen Menschen könnten Sie bald verlieren?
27. Wie möchten Sie die letzten Stunden Ihres Lebens verbringen? Und die nächsten?
28. Geht Ihre Uhr vor, nach oder richtig?
29. Wo oder wann haben Sie Ihre besten Ideen?
30. Worüber streiten Sie am meisten?
31. Mit wie vielen Menschen stehen Sie in Kontakt?
32. Mit wie vielen Menschen haben Sie Sex gehabt? Finden Sie das viel oder wenig?
33. Wonach beurteilen Sie andere Menschen? Nach dem Aussehen? Nach dem, was sie sagen? Nach ihren Leistungen oder ihrem Mut?
34. Gibt es einen Menschen, dem Sie alles erzählen? Gibt es Dinge, die Sie niemandem erzählen?
35. Wovor haben Sie am meisten Angst? Folgen Sie Ihrer Angst?
36. Weswegen verlieben Sie sich?
37. Lieben Sie jemanden mehr als sich selbst? Weiss das diese Person?
38. Würden Sie gerne einmal im Hotel leben?
39. Pinkeln Sie unter der Dusche? Oder singen Sie? Beides? Zugleich?
40. Wie viele Rollen spielen Sie? Sind Sie ein Individuum?
41. Wenn Sie sich verdoppeln könnten: Wie würden Sie Ihr Leben aufteilen?
42. Lesen Sie eher Bücher oder Zeitungen?
43. Leben Sie Ihr Leben, oder lebt das Leben Sie?
44. Wenn Sie so auf der Autobahn vor sich hin fahren, werden Sie dann schneller oder langsamer?
45. Sind Ihre Kindheitsträume in Erfüllung gegangen? Oder haben Sie Vernunft angenommen?
46. Gibt es Ereignisse, die Ihre Lebensphilosophie verändern könnten?
47. Tun Sie etwas für Ihre Unsterblichkeit? Oder sind Sie froh, wenn es vorbei ist?
48. Woran haben Sie heute Morgen nach dem Aufwachen als Erstes gedacht?
49. Kaufen Sie sich in einer fremden Stadt einen Stadtplan, oder gehen Sie einfach los?
50. Was ist das Schönste, was Ihnen jetzt, beim Lesen dieser Frage, passieren könnte?
Beat Gloor, www.textcontrol.ch

Aus Osten wieder Neues

Lebrument und Heuberger spannen im Kampf um das Mediengebiet CH-Ost zusammen

Lebrument und Heuberger spannen im Kampf um das Mediengebiet CH-Ost zusammenVon Markus KnöpfliGleich zwei Attacken fahren Lebrument und Heuberger gegen das St.Galler Tagblatt: Im TV-Bereich festigen sie ihre Kooperation mit der Gründung einer gemeinsamen Firma, und im Radiobereich erweitern sie den Leader-Pool mit Radio L. In St.Gallen reagiert man gelassen.
Die Ostschweizer Medienlandschaft kommt nicht zur Ruhe. Zum Zeitungsstreit im Thurgau (WW 01/01) gesellen sich nun zwei weitere Projekte mit Zündstoff im TV- und Radio-Bereich. Akteure sind in beiden Fällen Südostschweiz-Chef Hanspeter Lebrument und Günter Heuberger, Chef der Top-Gruppe. Im TV-Bereich gründen Tele Top und Tele Südostschweiz (TSO) mit je hälftiger Beteiligung unter dem Namen Tele Leader AG eine Firma, in der sie ab April 2001 Produktion und Verkauf zusammenlegen. Die beiden Sendermarken und Programme bleiben jedoch eigenständig bestehen.
Beim Radioprojekt geht es um die Erweiterung des Leader-Pools zwischen den Radios Zürisee, Top und Grischa. Der Pool wurde per 1. Januar um eine Plus-Variante mit Radio Liechtenstein ergänzt. Der TKP beträgt 7.50 Franken.
Beide Projekte können als Attacken gegen die St.Galler Tagblattgruppe (SGT) verstanden werden. Einerseits, weil der Radio Leader-Pool mit Radio L nun just jenes Gebiet überlagert, das Radio Aktuell dank der mit Ri geplanten Programmzusammenlegung ab April 2001 hinzugewinnen wird (WW 45/00). Viel stärker aber fällt ins Gewicht, dass nun die SGT-Gruppe weiter isoliert wird.
Lebrument, von dem die Ideen für die Kooperationen stammen, spricht allerdings von ganz anderen Absichten. Mit seinen Allianzen verfolge er immer ein Prinzip: die Vergrösserung des Werbemarktes seiner Medien. «Bevor ich zu Heuberger ging, sprach ich mit St.Gallen», sagt Lebrument. Aber beim SGT habe man weder im Radio- noch im TV-Bereich klar gesagt, was man wolle. Darum habe er bei Top angeklopft. Doch sei seine Tür gegenüber dem SGT nicht verschlossen.
TV-Bereich von Zeitungsstreit nicht tangiert
Anton Schaller, interimistischer Leiter von Tele Ostschweiz (TO), bestätigt die Gespräche mit Lebrument. Dass man in St.Gallen aber keine Zusammenarbeit gewollt habe, weist er zurück. «Wir wollten uns lediglich nicht gleich mit einer Firmengründung festlegen», sagt Schaller. Er sei aber weiterhin offen für Kooperationen.
Und was meint Schaller zur SGT-Isolation, insbesondere zu derjenigen im TV-Bereich? «Das sehe ich auf keinen Fall so», sagt er und verweist auf die Mitgliedschaft beim neuen TeleNewsCombi, das im April startet. Zudem setze man auf ein qualitativ hoch stehendes Produkt und vor allem auf die beantragte Konzessionserweiterung für TO (WW 28/00). Letztere erwartet Schaller bis Ende Januar.
Weiter erwähnt er eine kürzlich von Tele Ostschweiz gesendete Diskussion zwischen Urs Lüdi, VR-Präsident der Thurgauer Medien AG, und Hans-Peter Klauser, VR-Präsident der St.Galler Tagblatt AG. Laut Schaller hat es von beiden Seiten Signale gegeben, wonach der TV-Bereich wegen des Zeitungsstreites nicht tangiert sei und man dort weiter kooperieren könne.
«Das wäre allerdings eine falsche Interpretation», entgegnet Lüdi auf Anfrage. «Aus der gegebenen Situation fehlt mir die Motivation, Signale für Kooperationen in anderen Geschäftsbereichen nach St.Gallen auszusenden.»
Eines steht somit fest: Für weitere Bewegung in der Ostschweizer Medienlandschaft ist gesorgt.
Tele Leader setzt Mittel für Studios frei

Tele Leader, die neue Firma von TSO und Tele Top, erhält ihren Sitz in Frauenfeld. Von dort aus werden die Bereiche Moderation, nationaler Verkauf, Promotion und Technik zentral geführt. Durch diese Konzentration wird Geld frei, um das Top-Studio in Frauenfeld auszubauen und in Chur ein TSO-Studio für Regionales zu bauen. Im gleichen Zug löst Tele Südostschweiz seinen Vertrag mit der Produktionsfirma S-Recording (Sennwald) auf.
Der Verwaltungsrat von Tele Leader setzt sich aus drei Top- und zwei Südostschweiz-Vertretern zusammen: Lebrument wird Verwaltungsratspräsident, Günter Heuberger wird Verwaltungsratsdelegierter und Geschäftsführer, Topverkaufsleiter Peter Bronhofer übernimmt die Leitung Verkauf und Marketing und Silvio Lebrument die Geschäftsführung von Tele Südostschweiz. Der fünfte Posten ist noch nicht besetzt.
Ostpool wird zu Aktuell plus

Mit der Programmzusammenlegung der Radios Aktuell und Ri wurde der Ostpool nicht einfach hinfällig (wie in der WW 45/00 fälschlicherweise beschrieben), sondern per 1. Januar zu Aktuell plus. Mit einer Tagesreichweite von insgesamt 65000 Hörern kostet der Pool 19.50 Franken pro Sekunde (6 bis 9 Uhr). Aktuell allein kostet 16.50 Franken.

Weihrauch und Myrrhe fürs Web

An der Dreikönigstagung wurden Erfolgsmodelle und Trends im Onlinegeschäft vorgestellt

An der Dreikönigstagung wurden Erfolgsmodelle und Trends im Onlinegeschäft vorgestelltVon Andreas PanzeriKonzepte und Erfahrungen zum Thema Geld im Netz standen an der Dreikönigstagung im Zürcher World Trade Center im Vordergrund. Zahlen und Hintergründe präsentierten Verantwortliche der Onlineprojekte von The Wall Street Journal, 20 Minuten oder «Big Brother» auf TV 3. Beruhigendes gab es rund um Börsenkurse von Medienunternehmen zu berichten.
Passend zum Thema versprach Karl Lüönd in seiner Begrüssung: «In diesem Jahr werden wir Ihnen zum letzten Mal eine gedruckte Dokumentation aushändigen. Das nächste Mal bekommen Sie alle Unterlagen online.» Der Geschäftsführer des Medieninstituts durfte für die heuer bereits zum dritten Mal durchgeführte Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Presse wiederum die PubliGroupe als Hauptsponsorin verdanken.
Unter den zehn prominenten Rednern sind vor allem Rich Jaroslovsky von The Wall Street Journal (WSJ) mit seinem bereits rentablen Onlineprojekt sowie Birger Magnus mit den diesbezüglichen Plänen von Schibsteds 20 Minuten auf grosses Interesse gestossen. Handfest, trotz eines weitschweifenden Blicks in die Zukunft, referierte Hans-Peter Rohner vom Publicitas Promotion Network über die aktuellen Trends in internationalen Märkten.
Der Wirtschafts- und Anlageberater Hans Kaufmann glaubt, dass der unlimitierte Zugang zum Internet zu Tiefstpreisen der Vergangenheit angehört. Diese Entwicklung werde die Ertragssituation vieler börsenkotierter IT-
Unternehmen verbessern. Kaufmann verriet auch, wieso die Tamedia-Aktie im Gegensatz zu vielen anderen Titeln aus der Medienwelt zurzeit unterbewertet sei.
Peter Schütz von der Fachhochschule Hildesheim prophezeite, dass es im IT-Business noch viel zu tun gibt – aber damit verbunden auch erfreulich viele neue Berufe im neuen Bereich Wissensmanagement, Internetscout oder Issuesmanager. Einen dieser neuen Jobs scheint Peter de Mönnink auszuüben, der als Director Internet of Elsevier Business Information Europa allerdings mit der Schilderung seiner vernetzenden Tätigkeiten «Content Providing and Selling» an ziemlich viel futuristisch orientierte Fantasie appellierte.
Konkreter sprach Jürg Wildberger von TV 3 über neue Beobachtungen zum Paarungsverhalten der verschiedensten Medien in seinem Container und präsentierte erstmals auch die gemäss seinen Erwartungen «sehr erfolgreichen» Zahlen zum Abschluss des ersten «Big Brother»-Experiments. Mit dem Fazit: «In keinem anderen Land ist die Post so abgegangen wie in der Schweiz» erntete Wildberger an der Tagung der drei Könige aus dem Morgenland sowohl Anerkennung von den Mediaspezialisten als auch ein paar Lacher für diese offenherzige Formulierung.
Ergänzend zu solchen neumodischen Online-Entwicklungen versuchte die Tagung schliesslich noch etwas Neues aus der Welt des Prints vorzustellen: Carlo Imboden von der Novo Business Consultants AG Bern erklärte zusammen mit Markus Zölch von Interpublicum Bern ihr neues Monitoringinstrument für Tageszeitungen und Zeitschriften.
Gleiche Identität von Print- und Onlineredaktion aufbauen
Angesponnen wurde das Netz der Referenten traditionsgemäss von Hans Heinrich Coninx. Der Präsident des einladenden Klubs bekam von Karl Lüönd den Referatstitel «Papierveredler oder Treuhänder des Inhalts» vorgesetzt. Der Tamedia-Verwaltungsratsvorsitzende zeigte auf, dass er und seine Manager heute im Netz täglich schneller entscheiden müssen als noch vor einigen Jahren, zum Beispiel bei der Lancierung von Facts.
«Die Risiken sind aber höher», plauderte Coninx aus der Schule der Verleger. Als interessantes Detail deckte er auf, dass beim Tagi anders als bei vergleichbaren ausländischen Titeln die Onlineredaktion in die Printredaktion integriert sei. «Man soll die gleiche Identität finden und kein Einzelleben entfalten», begründete Coninx das Konzept.
Wieso es bei der Finanzseite WSJ.com gerade andersherum funktioniert, erklärte Rich Jaroslovsky von The Wall Street Journal. Das Online-Angebot dieser Zeitung spielt als erste Verlegerplattform der Welt bereits viel Geld ein (Details dazu auf Seite 27).
20 Minuten will meist gelesene Zeitung der Schweiz werden
«Das wäre eine sehr kurze Rede, wenn ich hier zum Thema ‹Geld verdienen im Netz› sprechen müsste», fasste Birger Magnus seine ersten Erfahrungen mit der Onlineplattform von 20 Minuten zusammen. Der CEO von Schibsted Print Media AS, Oslo, überzeugte aber mit sehr interessanten Zukunftsplänen. Die gedruckte Zeitung und das elektronische Portal als gegenseitiger Zubringerdienst sind sein Konzept.
Diese Idee bildet einen Schwerpunkt in der Geschäftspolitik von 20 Minuten. Das Rezept sieht ein «printed portal» für die Pendler am Morgen sowie spätere «news updates» im Internet und schliesslich eine vom Printmedium getragene, vielseitige Website zum Spielen, Einkaufen, Vertiefen und Chatten am späteren Abend vor.
Entsprechende Erfahrungen mit dem Netz sammelt Schibsted schon seit 1996. Die Websites der von Schibsted gegründeten Scandinavia Online verzeichnen heute 5,2 Millionen Besucher monatlich. Die Onlineausgabe des schwedischen aftonbladet.se wäre mit täglich 1,32 Millionen «Lesern» in den USA bereits die viertgrösste Onlinezeitung nach usatoday.com, nytimes.com und washingtonpost.com.
«In einem bis zwei Jahren wollen wir die meistgelesene Zeitung in der Schweiz sein» waren die Schlussworte, mit denen sich Birger Magnus von seiner Schweizer Konkurrenz – allerdings nur im Rahmen dieser Tagung – verabschiedet hat, nicht ohne zu erwähnen: «Das Publikum muss zum Gefühl kommen, unsere Website sei die beste in der Schweiz!»
Der als Trendforscher vorgestellte Hans-Peter Rohner, CEO Europa/Asia/Latin America Publicitas Promotion Network, freute sich zuerst einmal über Karl Lüönds korrektes Buchstabieren dieses langen Titels. Kürzer und prägnanter machte er es dann mit seinen Visionen.
Das Internet wurde zu Beginn als etwas «potenziell Gefährliches und eine Bedrohung für die Verleger» thematisiert, meinte Rohner. Aufgrund des ausgeprägten West-Ost-Gefälles in der Internetentwicklung hätten viele europäische Verlage inzwischen von den amerikanischen Erfahrungen gelernt. «Sie haben sich rechtzeitig als eigenständige Contentanbieter zu positionieren versucht und das Internet auch als offensive, unternehmerische Herausforderung angenommen», ist Rohner überzeugt.
Inserat als Auslöser von
E-Commerce-Transaktionen
Er sieht das Netz dabei in drei wertvollen Teilbereichen. Internet als Distributionskanal für Inhalte und Werbung (der Blick kann zum Beispiel auch im fernen Ausland online gelesen werden). Internet als Geschäftsplattform für Printmedien (Internetleser abonnieren später auch die gedruckte Zeitung). Internet als neue Möglichkeit, Arbeitsabläufe und Prozesse zu vereinfachen und Kosten zu sparen (zum Beispiel digitale Anzeigenübertragung).
Als wichtigste Trends zeichnete Rohner eine Entwicklung für Zeitungen und Zeitschriften hin zu globalen Marken (Lizenzausgaben, Splitausgaben, Internetausgaben). Als Beispiele führte er an, wie Le Monde im Verlauf der amerikanischen Präsidentenwahlen bereits originale Seiten der New York Times übernommen hat.
Eine wachsende Chance sieht Rohner auch für «neue» Gratiszeitungen im Bereich der jüngeren Leserschichten. «Weg vom klassischen Abo» heisst ein Zukunftskonzept, bei dem die interessierten Leser nicht mehr «alles für zwei Franken», sondern mehr und vertiefte Information zu einem Spezialthema über das Netz «auch gegen eine Verrechnung von 20 Franken» abrufen wollen.
Bald werden Anzeigen
mit Barcodes versehen
Bezüglich Inserate glaubt Rohner, dass sich verschiedene Verlage zu neuen Allianzen zusammenschliessen wollen, zum Teil auch im Verbund mit starken Industriepartnern wie zum Beispiel Automarken oder Banken. «Classified Datenbanken, die lediglich eine Angebotsübersicht ermöglichen, ohne auch die direkte, spätere Transaktion anzubieten, sind kaum wettbewerbsfähig.»
Das Inserat als Ausgangspunkt für E-Commerce-Transaktionen könnte in Zukunft mit abgedruckten Barcodes in der Zeitung funktionieren. Die Zeitung als wichtigste Frequenzbeschafferin für den lokalen und regionalen Detailhandel könnte bald einmal online noch viel zielgerichteter potenzielle Kunden erreichen.
«Billige Swatch oder exklusive JWC – und in der Mitte läuft nichts?» Das war die Frage, die Karl Lüönd im Verlaufe der Tagung auch verschiedentlich in die Welt der Internetzeitungen zu übertragen suchte. Oder mit anderen Worten: WSJ.com und die Onlineaktivitäten von 20 Minuten können Geld bringen. Wie steht es aber um die vielen Schweizer Printmedien in der bisher noch ohne Netz und damit mit doppeltem Boden funktionierenden Mitte? – Die nächste Dreikönigstagung findet am 8. Januar 2002 statt.

Dreimal klick und schon gekauft

Eine neue Technologie soll es ermöglichen, per E-Mail zu werben und dort gleich die Transaktion abzuwickeln

Eine neue Technologie soll es ermöglichen, per E-Mail zu werben und dort gleich die Transaktion abzuwickelnIn der Schweiz steckt Marketing mittels E-Mail noch in den Kinderschuhen. Derweil experimentieren in den USA und in Grossbritannien die ersten Firmen mit Systemen, die nicht nur Werbung per E-Mail, sondern gleichzeitig auch die Abwicklung von Transaktionen ermöglichen, ohne dabei die Mailprogramme verlassen zu müssen. Die in New York und London ansässige Firma Cybuy (www.cy buy.com) nimmt für sich in Anspruch, erste Anbieterin einer Technologie zu sein, dank der Kunden eine per E-Mail beworbene Ware mit wenigen Klicks sicher bestellen können, ohne das Mailprogramm verlassen oder der Website des Anbieters besuchen zu müssen.
Wengier Klicks,
höhere Transaktionschancen
Dabei übernimmt das System auch Back-end-Dienste, wie die elektronische Auslösung der Bestellung beim Anbieter, die Aufzeichnung der Transaktionsroute oder das Supply-Chain-Management.
«Die meisten E-Mail-Marketinglösungen zwingen den Konsumenten, sich durch mehrere Browserfenster zu ackern und mehrere Male zu klicken, um etwas zu kaufen, wobei die Chance, dass es tatsächlich zum Kauf kommt, mit jedem Klick weiter sinkt» begründet Sandra Robinson, Gründerin von Cybuy, die Vorteile ihres Systems.
Tatsache ist, dass auch die Betreiber von Onlineshops derzeit bemüht sind, die für einen Kauf nötigen Klicks auf ihrer Website zu reduzieren, damit die Kunden nicht schon resignieren, bevor es zum Kaufabschluss kommt. Das spricht für die Argumentation Robinsons.
Eine Technologie für
teure Produkte
Es gibt aber auch Gründe, die dagegen sprechen: Schliesslich ködern auch reale Supermärkte ihre Kunden mit bestimmten Sonderangeboten, weil sie hoffen, dass diese in den Laden gelockten Kunden vor den aufgetürmten Waren zu weiteren Käufen verführt werden, wenn sie erst mal das ganze Angebot überblicken. Genauso können auch per E-Mail angepriesene Sonderangebote dem Zweck dienen, einen User auf die Site zu locken und dort noch zu weiteren Käufen zu verführen.
Solche subtilen Erkenntnisse sind auch Cybuy nicht verborgen geblieben. Das Unternehmen empfiehlt die Anwendung der Technologie deshalb in erster Linie für eher kostspieligere Produkte, über die der Benutzer schon Bescheid weiss und nicht erst noch Informationen einholen muss. Ansonsten lohnen sich die zusätzlichen Marketingausgaben kaum.
Eine Voraussetzung für den Einsatz des Systems von Cybuy ist natürlich auch die Tatsache, dass vorher schon ein Kontakt mit dem Kunden stattgefunden hat und er beim Lesen der
E-Mail daran erinnert wird.
Wie beim E-Mail-Marketing im Allgemeinen gilt auch bei dieser Programmneuheit, dass Werbe-E-Mails nur mit Einverständnis der Kunden verschickt werden sollten.
Zudem ist die Chance, dass ein Kauf auch zustande kommt, viel grösser, wenn ein Unternehmen den Kunden und seine Interessen kennt und ihn gezielt mit Werbung beliefern kann. Schliesslich ist auch nicht anzunehmen, dass ein einigermassen vorsichtiger Internetnutzer eine Bestellung bei einem Anbieter, den er noch nicht kennt, gleich per E-Mail aufgeben wird. Customer Relation Manager haben noch ein Stück Arbeit vor sich.
Clemens Hörler

Eine Bühne fürs gute Design

Die Raymond Loewy Foundation besitzt jetzt auch einen Ableger in der Schweiz

Die Raymond Loewy Foundation besitzt jetzt auch einen Ableger in der SchweizAlle reden von Design, und die Raymond Loewy Foundation tut etwas dafür. Sie gründete in der Schweiz einen Ableger ihrer Stiftung, die erstmals vor zehn Jahren in Deutschland ins Leben gerufen worden war.Ende Dezember trafen sich rund 20 Topshots der internationalen Designszene zum 1. St. Moritzer Design Summit, das von der Stiftung organisiert worden war. Die hochalpine Stadt möchte jährlich ein solches Summit organisieren und damit internationale Reputation verdienen. «Am Ende des Konstruktionswahns der letzten Jahrzehnte werden die Designer die Menschen und deren Gestaltungskraft wieder viel ernster nehmen müssen», meinte Michael Erlhoff, Mitinitiant des Summits, zu dessen Raison d’être.
In der Schweiz will die Raymond Loewy Foundation mit Publikationen, Ausstellungen und spezifischen Fördermassnahmen, so Stiftungssprecher Adrian Erni, die Öffentlichkeit «über Komplexität und Entwicklungen im Bereich des Designs» informieren. Ausserdem lobt sie in der Schweiz den Lucky Strike Junior Designer Award aus, mit dem Nachwuchstalente gefördert werden sollen. Zudem nominiert sie Schweizer Teilnehmer für den internationalen Lucky Strike Designer Award. Carlo Bernasconi

Königlicher Jahresauftakt

Zur Tradition ist die Dreikönigstagung des Medieninstituts im World Trade Center in Zürich-Nord bereits geworden.

Zur Tradition ist die Dreikönigstagung des Medieninstituts im World Trade Center in Zürich-Nord bereits geworden.Von Beat Fritsch Nach Silvester wird die Gelegenheit gerne genutzt, sich ein erstes Stelldichein zu geben und an allen Ecken ein gutes neues Jahr zu wünschen. Ausserdem gibts neben dem Sehen-und-gesehen-Werden auch noch einige Referate zu hören.
Hans Heinrich Coninx verriet bei seiner Begrüssung gleich ein Geheimnis. Er bestimme Titel und Inhalt seiner Tagungsrede jeweils nicht selbst, sondern erfahre sie erst aus dem Programm. Karl Lüönd sei so gütig, einen Titel auszudenken, worauf er, Coninx, das dazu passende Referat zu schreiben habe. Dieses handelte heuer von den Herausforderungen des Internets für die Verlage.
Weil diese Herausforderung in diesen schnelldrehenden Zeiten schon länger die Gesprächsinhalte möbiliert, hörte das Publikum nichts wirklich Neues. Statt sich vom Internet herausgefordert zu fühlen, sollte man gelegentlich daran denken, Geld damit zu verdienen, meinte maliziös ein Kommentator. Sonst gingen die teuren Verlagshomepages bald auch den Weg der von der Börse gebeutelten Dotcomfirmen.
Einer, der es geschafft hat, ist Rich Jaroslovsky. Er scheint mit der Onlineversion des Wall Street Journal tatsächlich Geld zu verdienen. Allerdings wirken auch seine 500000 zahlenden und über die ganze Welt verstreuten Abonnenten vor dem von den Internetpropheten gepredigten Potenzial von Usern im globalen Dorf vergleichsweise mickrig.
Damit diejenigen, die sich in Jugendjahren vor allem dem Frühfranzösisch widmeten, alles verstehen, kam zum ersten Mal eine Simultanübersetzungsanlage zum Einsatz. Was natürlich mit Tücken verbunden war. Mal war es eine fehlende Batterie, mal ein falsch eingestellter Kanal oder ein nicht umgekippter Schalter – aber auch die unförmigen Headsets sorgten immer wieder für Erheitung.
Auch sonst klappte nicht alles wie am Schnürchen. Während des Vortrags von Jaroslovsky sah man Karl Lüönd nervös durchs Foyer laufen. Der aus Amsterdam angekündigte Redner Peter de Mönnink schien sich zu verspäten. Doch Lüönd zog sich mit einer Rochade und einem Bonmot elegant aus der Affäre: Normale Verkehrslage habe es heute Morgen am Radio geheissen. Er vermute, dass dies den Stau am Baregg-Tunnel schon mit einschliesse. Und auf dem «unique» Airport Zürich herrsche wohl ebenfalls normale Verkehrslage, weshalb das Programm leicht umgestellt werden müsse. So kam das Auditorium 20 Minuten früher als erwartet zum Refe-
rat von Schibsted-CEO Birger Magnus.
Gut frequentiert war auch das leckere und appetitlich aufgebaute Mittagsbuffet, und im Gegensatz zum vergangenen Jahr lichteten sich die Zuschauerreihen nach dem Essen nur
unwesentlich. Dafür mussten die Veranstalter allerdings in die Trickkiste greifen. Jürg Wildbergers Ausführungen zu seinen
Erfahrungen mit dem Cross-Media-Experiment «Big Brother» wurden als letzter Programmpunkt aufgeführt. Offenbar wollte sich niemand die Erkenntnisse von König Midas Wildberger entgehen lassen, wie man das geistreiche WG-Leben von zehn Proleten in klingende Münze verwandelt.
Wenn übrigens jemand diskret den Saal verliess, weil das Handy vibrierte, oder sich in der Kaffee- oder Mittagspause telefonierend in irgendwelche Ecken verdrückte, sorgte auch das für Gesprächsstoff. «Der hat doch wieder irgendwas am Kochen», hörte man beispielsweise Jean-Frey-CEO Peter U. Naef zu Headhunter Hans Hofmann sagen, als Ringiers Thomas Trüb intensiv telefonierend an den beiden vorbeirauschte. Aber auch viele andere übten sich in der Kunst des diskreten Informationsaustausches, ganz wie es sich für die gar so verschwiegene Branche geziemt.
Beat Fritsch

hörte sich an der im Podium und auf dem Parkett wie jedes Jahr stets mit viel Prominenz besetzten Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Presse die Referate an und genoss den Smalltalk in den Pausen. Hier gibt sich jeweils die Ehre, was in Schweizer Verlagen Rang und Namen hat.
Wo man sich sonst in der Kommunikationsbranche trifft, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info@werbe
woche.ch). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlist-
bilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Balsam auf die Wunden der Seele

Advico Young & Rubicam hat für Médecins sans Frontières die Kampagne des Jahres gestaltet

Advico Young & Rubicam hat für Médecins sans Frontières die Kampagne des Jahres gestaltetVon Andreas PanzeriDie aufrüttelnde Idee hat ihre Wirkung nicht verfehlt: Médecins Sans Frontières haben mit den Narben-Sujets von Advico Young & Rubicam (AY&R) am meisten Stimmen für die Kampagne des Jahres erhalten. Die Orange-Kampagne von Euro RSCG Partner und die Agentur Fam. Müller mit ihrer Werbung für Escolette teilen sich den zweiten Rang.
Der Schock wirkte doppelt: Nicht nur die Narben als Zeichen und Buchstaben, mit denen Médecins Sans Frontières ihre Botschaften in die Öffentlichkeit brachten, rüttelten auf. Irritiert war die Fachwelt auch kurzfristig vom Umstand, dass in Cannes im Jahr 2000 eine durchaus verwechselbare Werbung der Madrider McCann-Erickson mit dem goldenen Löwen ausgezeichnet worden war.
«Das Nähzeug kam nicht aus Madrid», durfte die WerbeWoche aber beruhigen, nachdem von der Organisation Médecins Sans Frontières einwandfrei bestätigt worden war, dass Advico Young & Rubicam als erste Agentur bereits am 6. Dezember 1999 ihre Originalidee für die Narbenkampagne absegnen lassen konnte, während McCann-Erickson, Madrid, die später preisgekrönten Sujets erst am
21. März der spanischen Sektion der international hilfreichen Ärzte vorgelegt hatte.
Aber auch wenn sich die Kreativen von Advico Young & Rubicam in Gockhausen jetzt zum Trost für den eigentlich von ihnen verdienten Preis in Cannes über die Auszeichnung der WerbeWoche-Leser für die beste Kampagne des Jahres freuen dürfen – wichtiger als eitle Preise ehrt die Kommunikationsspezialisten in dieser Sache doch die Wirkung, mit der letztlich die Botschaft der Médecins inzwischen unter das Volk gebracht worden ist.
Plastische Chirurgie für
gelungene Werbung
«Mutig und aufrüttelnd», urteilte das Publikum auf einer Internetseite, die Médecins Sans Frontières extra für eine Diskussion rund um diese Kampagne eingerichtet hat. «Die meisten Reaktionen waren positiv. Wer geschockt war, der hat das im Endeffekt als sinnvoll empfunden», fasst Stephan Müller, Verantwortlicher Fundraising Deutschschweiz, für die 1999 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Hilfsorganisation, das Feedback auf die Kampagne zusammen.
Der Auftritt 2000 besteht aus sieben Anzeigen, einem Fernseh- und Kinospot sowie Internetbannern. Creative Director Martin Spillmann und Beraterin Isabella Büeler von AY&R haben sich erfolgreich engagiert, die breit geschaltete Kampagne zu einem stolzen Teil über verschiedenste Nonprofitbudgets aller Beteiligten laufen zu lassen.
Für die Gestaltung der Narben, die gemäss AD Denis Schwarz einen symbolischen Stil zwischen Abstossen und Berühren treffen sollten, hat die Maskenbildnerin Anne-Rose Schwab unter Anleitung eines Arztes Wunden in die Silikonabdrucke von der Haut echter Menschen geschnitten und wieder vernäht.
Für die Zunge, die kein Model still genug für einen Abguss halten konnte, wurde zum Modellieren auf medizinische Objekte aus der Moulagensammlung der dermatologischen Uniklinik in Zürich zurückgegriffen. Dieser abgeschnittenen und wieder zusammengenähten Zunge hat Texter Jürg Brechtbühl den Satz: «Médecins Sans Frontières: Informiert auch dann, wenn andere schweigen» unterlegt.
Kontinuität sicherte Orange
den zweiten Platz
«The Winner is Orange», hat es vor einem Jahr geheissen, als Euro RSCG mit ihrer Arbeit für den Mobilfunkbetreiber die zum erstenmal von der WerbeWoche ausgelobte Kampagne des Jahres gewonnen hat. Jetzt ist Euro RSCG Partner mit dem gleichen Kunden bereits wieder unter den ersten drei besten Kampagnen gelandet – doch müssen sich Kunde und Agentur diesmal die Ehre von Platz zwei mit der Zürcher Agentur Fam. Müller teilen.
Nach dem fast schon esoterisch angehauchten Spot aus der Wüste vor einem Jahr doppelte Orange mit einem bildschön kargen Film aus dem arktischen Grönland nach. Das Motto für die Kampagne dürfte sich am englischen Sprichwort «Never change a winning team» orientiert haben. Umgemünzt auf das Werbe-Idiom hiesse es dann
«Never forget a good idea».
Die Agentur durfte ihre Arbeit für Orange Schweiz fortsetzen, auch wenn Orange International nach dem Zusammengehen mit France-Télécom den Etat von WCRS, London, zu dessen Havas-Netzwerk auch Euro gehört, weg zu Lowe Lintas & Partners verschoben hat.
Die also exklusiv für den Schweizer Markt konzipierte Spot- und Printkampagne wollte keinen Stilbruch provozieren, wie Group Account Head Dennis Flad bei Euro RSCG Partner erklärt, denn der Mobilfunkbetreiber Orange soll mit der offenbar auch bei den Fachleuten unter den Lesern der WerbeWoche gut angekommenen Werbung weiterhin auf eine erfolgreiche Kontinuität zählen können.
Witz und Trends sorgten für Stimmen bei den Youngstern
Jung ist das Zielpublikum – und deshalb sollten die Sujets für «affengeile Ferien» mit der Tochtergesellschaft Escolette aus der Hotelplan-Gruppe auch trendig frech sein. Kreiert hat die witzig gestylte Kampagne Fam. Müller. Die kreative, dreiköpfige Familie und ihre Freelancer haben bei den WerbeWoche-Lesern mit ihren humorigen Ideen ebenfalls den zweiten Platz erreicht.
Ein ausgeflippter Gorilla-Kinospot, eine zielgruppenspezifische Website mit Videospiel und magazinähnlich gestaltete Reisekataloge mit den Titeln «Der Strand» oder «Die Stadt» bilden die originellen Werbemittel.
Clever ist dabei vor allem die Idee, wie in all diesen Medien mit dem Einbezug jugendlicher Comics-Charaktere als Teencodes eine funktionierende Community aufgebaut wird. Originell ist auch, wie sich die Angehörigen der Agentur Fam. Müller gleichzeitig als Hauptfiguren in die Umsetzungen mit eingebracht haben.
In der Abstimmung der WerbeWoche-Leser sind die im Jahre 2000 präsentierten Kampagnen nicht eben klanglos untergegangen: Mit knappen Resultaten verwiesen die drei platzierten Werbefeldzüge die Kampagnen für Heineken, Passugger und Tibits auf die weiteren Ränge.

Muse & Musse: Sybille Häberling

Muse & MusseSybille HäberlingWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?Sybille Häberling: Ein Gospelkonzert. Weil mich die tiefe kulturelle Verwurzelung dieser Musik beeindruckt.Was lesen Sie ger

Muse & MusseSybille Häberling
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?
Sybille Häberling: Ein Gospelkonzert. Weil mich die tiefe kulturelle Verwurzelung dieser Musik beeindruckt.
Was lesen Sie gerade und warum?
Häberling: «Wassermusik» von
T. C. Boyle (wurde mir sehr empfohlen).
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Häberling: Keine konkrete. Ich höre viele Musikrichtungen und Interpreten immer wieder gerne.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen und warum?
Häberling: «Schindlers Liste». Weil es selten einem Film gelungen ist, mich emotional so zu berühren.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Häberling: «Marienhof». Sehr «geistreich»!
Welche ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Häberling: Da es sich beim Internet um ein so schnelllebiges Medium handelt, entdecke ich täglich Neues.
Liebe ist…?
Häberling:…grösser und mächtiger als alles andere.

Angst vor den Aktionären

Le Temps’ schwierige Suche nach einem unabhängigen Nachfolger für David de Pury

Le Temps’ schwierige Suche nach einem unabhängigen Nachfolger für David de PuryVon Christophe BüchiDer plötzliche Tod von David de Pury bringt die Tageszeitung Le Temps in Nöte. Sie muss sich einen neuen Verwaltungsratspräsidenten suchen, der unabhängig ist von den Aktionärsgruppen.
Der frühere Wirtschaftsdiplomat, «Weissbuch»-Exponent und ABB-Vize David de Pury, der seit einiger Zeit als Privatbankier wirkte, besass noch ein weiteres Mandat. Es war zwar wenig einträglich, lag ihm aber besonders am Herzen: das Verwaltungsratspräsidium bei Le Temps.
Das bekam er nicht von ungefähr, denn de Pury war einer der Hauptakteure beim Zusammenschluss von Nouveau Quotidien und Journal de Genève zu Le Temps, der bekanntlich nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne gegangen war (siehe auch Im Gespräch, Seite 45 und 46).
Laut Le-Temps-Chefredaktor Eric Hoesli wäre die Fusion ohne de Pury kaum zu bewerkstelligen gewesen: «Diese Zeitung ist deshalb auch die seine.» Für seinen Verlegerjob war de Pury sogar bereit, auf sein kokettes Mandat im Überwachungskomitee der Fondation Sandoz zu verzichten. Diese Stiftung, die von den Erben der Pharmafamilie Sandoz eingesetzt wurde, stellt eine der grössten Kapitalkonzentrationen der Romandie dar. Sie besitzt ein riesiges Aktienportefeuille, zudem Hotels, Uhrenfirmen und Finanzgesellschaften, und sie ist auch eine der grossen Kultursponsoren der Westschweiz.
Wettbewerbskommission will Unabhängigkeit von Aktionären
Zudem ist die Fondation Sandoz seit mehreren Jahren eine der grossen Aktionäre des Verlags Journal de Genève, der heute zusammen mit Edipresse die Fusionszeitung Le Temps herausgibt (beide Gruppen halten je 47 Prozent des Aktienkapitals, der Rest gehört den Journalisten). Da aber die Eidgenössische Wettbewerbskommission ihre Einwilligung zur Fusion nur unter der Bedingung gegeben hatte, dass der Verwaltungsratspräsident von beiden Aktionärsgruppen unabhängig sei, musste de Pury zwischen dem Präsidium von Le Temps und seinem Mandat bei der Sandoz-Stiftung wählen. Dass er sich für Ersteres entschied, zeigt, wie viel ihm an seinem Verlegerjob lag.
De Pury hat sich um Le Temps verdient gemacht. Ihm ist es gelungen, die immer wieder angefeindete Zeitung gegen alle Anfechtungen abzuschirmen. Gleichzeitig erwies er sich, so Hoesli gegenüber der WerbeWoche, als ein äusserst liberaler Präsident, der sich hütete, in die Belange der Redaktion einzugreifen.
Dies ist alles andere als selbstverständlich. Denn nicht zuletzt die Genfer Kreise, die dem alten Journal de Genève nahe standen, üben permanent Kritik an der Nachfolgezeitung. Und auch gewisse Privatbankiers, die die aufwändige Zeitung bezahlen müssen, möchten sie vermehrt auf einen wirtschaftsliberalen Kurs zwingen.
Nach de Purys Hinschied muss Le Temps nun einen neuen Präsidenten suchen, der weder mit Edipresse noch mit dem Verlag Journal de Genève verbandelt sein darf. Gesucht wird also ein Mann (oder eine Frau) mit moralischer Autorität, verbürgter Liberalität, diplomatischem und politischem Fingerspitzengefühl und mit einem Minimum an verlegerischem Sachverstand.
Diese Person zu finden, wird vielleicht gar nicht so einfach sein. Für Le Temps geht es aber um eine lebenswichtige Frage. Denn die Zeitung ist nach der Lancierung mehrerer Beilagen noch immer in den roten Zahlen – schwarze werden von Hoesli frühestens im nächsten Jahr erwartet. Von der Person des Präsidenten hängt es wesentlich ab, ob die Zeitung im Stande sein wird, ihre Aktionäre bei der Stange zu halten.

Plakativer Blick in die Zukunft

APG lässt Luzerner Grafikstudenten Plakatluft schnuppern

APG lässt Luzerner Grafikstudenten Plakatluft schnuppernSo viel steht fest: Neue Grafiker bekommt das Land. Das beweist die Neujahrsplakataktion, welche die Luzerner APG im Rahmen ihres Kunstsponsorings zum dritten Mal ermöglichte.Seit 1997 lädt der Aussenwerber der Nation jeweils die Absolventen der 2. Grafikklasse der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern (HGKL) ein, ihre Gedanken, Wünsche und Erwartungen zum Jahreswechsel zu formulieren und umzusetzen; eine geeignete Plattform, um gleichzeitig das gemeinsame Anliegen hoch zu halten: qualitativ gute Plakate. Schliesslich soll dem Schweizer Plakat auch in Zukunft der hohe künstlerische Rang zuerkannt werden.
«Der Nachwuchs an der HGKL hat es in der Hand, die gute Qualität unserer ‹Galerie der Strasse› aufrechtzuerhalten und zu entwickeln», sagte APG-Direktor Bruno Niederberger anlässlich der Vernissage am 4. Januar vor dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern, wo die zehn von der Jury ausgewählten Plakate noch bis 26. Januar ausgestellt sind.
Wissenschaftliche Fortschritte wie etwa die Manipulation von Stammzellen wurden visionär umgesetzt. Aber auch virtuelle Welten, Gewalt und Widerstand gegen Rücksichtslosigkeit prägten die Arbeiten, die unter der Projektleitung von HGKL-Dozent Paul Brühwiler entstanden sind.
Luca Aloisi
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