Überleben im Absturzmarkt

Netzwoche und Internet Standard profitieren trotz Baisse der New Economy von Messen und Ausstellungen

Netzwoche und Internet Standard profitieren trotz Baisse der New Economy von Messen und AusstellungenVon Daniel SchifferleDie beiden Schweizer Internettitel Netzwoche und Internet Standard sind mit ihrer Lancierung haargenau in den Absturz der New Economy hineingeraten. Doch mit dicken Spezialausgaben zu Messen und Ausstellungen können sie die ungenügende Belegung der normalen Ausgaben noch ausgleichen.
Ungemütlicher hätte das Umfeld für die Lancierung der beiden neuen Schweizer Internettitel Netzwoche und Internet Standard nicht sein können. Denn just, als das B2B-Blatt Netzwoche am 19. April an den Start ging, hatte der Absturz der New Economy in den USA eingesetzt. In der Folge gab es nur noch Prügel für die Internetwirtschaft, deren Akteure fast schon in die Nähe Krimineller gerückt wurden.
Und als der Publikumstitel Internet Standard am 18. August auf den Markt kam, war die Krise der New Economy vollends auf den alten Kontinent übergeschwappt. Die Aktienkurse selbst der besten Unternehmen schrumpften auf kleine Bruchteile ihres ursprünglichen Wertes zusammen. Viele junge Internetfirmen verschwanden ganz von der Bildfläche.
Potenzielle Inserenten der jungen Blätter starben damit weg, und die überlebenden Firmen müssen mit ihren Geldern sparsam umgehen. Eine traurige Realität für Printprodukte, die noch in der Hochblüte der Internetspekulationen geplant worden waren. Aber mit dieser Entwicklung ist nicht nur die Investitionskraft einer ganzen Branche zusammengeschrumpft. Auch beim Publikum haben die nicht mehr abreissenden schlechten Nachrichten das Interesse an Themen der New Economy gründlich vergrault.
Das hat markante Auswirkungen auf die Nachfrage der potenziellen Leser nach den neuen Blättern. Zwar geben sich beide noch zugeknöpft mit detaillierten Zahlen. Claude Settele, Verlagsleiter Internet Standard, bestätigt aber, dass sein Blatt am Kiosk pro Ausgabe weniger als 1000 Exemplare absetzt. Kein gutes Zeichen, denn bei diesem Verkaufskanal zeigt sich die Vitalität eines Titels wie sonst nirgends.
Aber auch bei den Abos ist der Internet Standard laut Settele erst bei 5500 Exemplaren angelangt – weit, weit von dem entfernt, was einst als Ziel ausgegeben worden war. Laut dem ursprünglichen Businessplan sollte bis Ende 2001 die Marke von 17000 verkauften Exemplaren erreicht werden. Jetzt steckt Settele zurück und hält bis zum Jahresende lediglich noch 10000 Exemplare für realistisch.
Optimistische Budgets werden jetzt zurückgestuft
Am Kiosk ergeht es der Netzwoche ganz ähnlich wie dem Internet Standard – ebenfalls «unter 1000 verkaufte Exemplare pro Ausgabe». Allerdings ist der Kiosk für ein B2B-Blatt auch viel weniger bedeutsam als für einen Publikumstitel. Die persönlich adressierte Auflage der Netzwoche schwankt laut Herausgeber Heinrich Meyer zwischen 4000 und 6000 Exemplaren pro Ausgabe, je nach Marketingmassnahmen. Darin sind neben den Jahresabos auch die Probe- und Schnupperabos mit drin.
«Das Budget wurde in einer ganz anderen Zeit gemacht», begründet Settele das Auseinanderklaffen von ursprünglichem Anspruch und aktueller Realität. Der inzwischen an einer schweren Krankheit verstorbene ehemalige Verlagsleiter des Internet Standard, Martin Meier, hatte für 2003 sogar eine Auflage von über 30000 Exemplaren angestrebt. «Auch das erachte ich nicht mehr als realistisch», sagt Settele, der nach Meiers Tod vom Chefredaktor- auf den Verlagsleiterposten gewechselt hatte.
Allzu kleines Marketingbudget rächt sich jetzt
Settele gesteht auch ein, der Internet Standard habe im ersten halben Jahr, seit er auf dem Markt ist, zu wenig ins Marketing investiert. Da werde man jetzt intensivieren. Erst im Dezember habe man in Daniel Allemann (vorher bei Cash) jemanden gefunden, der sich richtig ums Marketing kümmere. Besonders spürbar wurde der geringe Aufwand für das Marketing am Kiosk. Statt den Druck zu erhöhen, ging die Präsenz bei diesem für das Image und die Bekanntheit eines Titels so wichtigen Verkaufskanals immer mehr zurück. Mittlerweile ist das Aushängeplakat für den Internet Standard nur noch ausnahmsweise an einem Kiosk anzutreffen.
Aber nicht nur im Lesermarkt ist die Luft dünn geworden. Auch auf der Seite der Inserenten sieht die Wirklichkeit heute ganz anders aus als noch vor einem halben Jahr. «Den Dotcom-Firmen geht das Geld aus, deshalb müssen sie jetzt ihre Mittel sehr dosiert einsetzen», sagt Settele. Vorbei sind die Zeiten, als die Geldreserven von den Börsengängen noch prall waren und die jungen Start-ups Inserate schalten konnten, als wären sie bereits grosse, arrivierte Unternehmen.
Doch trotzdem ist eine ergiebige Quelle für Inserate nach wie vor intakt: Im Umfeld von Messen wie Internet-Expo, Orbit, Jobfair oder Karriere-Expo sprudeln die Anzeigen reichlich, denn bei diesen Drehscheiben der New Economy will jede Firma, die mit dem Internet zu tun hat, Präsenz markieren. Auf solche Ausstellungen hin können sowohl Netzwoche als auch Internet Standard ihre dicken Nummern realisieren. Mit der Folge, dass, wenn immer möglich, gleich zwei Ausgaben auf eine Messe hin realisiert werden.
Statt drei bis vier Inserateseiten, wie man sie zum Beispiel in den normalen Ausgaben der Netzwoche antrifft, gibt es in diesen Sonderausgaben zwölf bis fünfzehn Seiten. Dasselbe kann man beim Internet Standard beobachten: Statt, wie in den normalen Nummern durchschnittlich drei oder vier Inserateseiten, zählt man bei den Ausgaben auf Messen hin ebenfalls zehn bis vierzehn Inserateseiten.
Gründlich verrechnet haben sich beide Titel bei ihrer Rolle als Plattform für den Stellenmarkt. Sowohl Netzwoche als auch Internet Standard hatten bei ihrer Lancierung auf ihre Bedeutung für den Stellenmarkt der IT-Branche gesetzt. Weit gefehlt. Denn die Jobseiten in den normalen Nummern haben selten mehr als ein oder zwei Stellenangebote. «Wir hatten mehr erwartet», gesteht Netzwoche-Herausgeber Meyer. «Wir dachten, es brauche weniger Aufbauarbeit», argumentiert Settele. Einen Hauptgrund, den beide für die schwache Nachfrage verantwortlich machen: Gute Mitarbeiter im Webbereich würden persönlich oder via Headhunter kontaktiert.
«Geht es weiter nach unten, müssen wir über die Bücher»
Doch trotz des Katzenjammers in der New Economy geben sich Netzwoche und Internet Standard zuversichtlich, was ihre Zukunftsperspektiven betrifft. Settele gesteht allerdings ein: «Wenn es noch weiter nach unten geht, müssen wir über die Bücher.» Vorläufig sei die Situation aber nicht dramatisch. Er verweist dabei auch auf die Vorteile eines grossen und finanzkräftigen Unternehmens im Rücken: «IDG produziert weltweit rund 300 Printtitel, und darunter brauchten etliche einen langen Schnauf, bis sie erfolgreich waren.»
Ebenfalls keine Alarmglocken hört man im Moment beim B2B-Blatt Netzwoche läuten. Man habe die Kosten im Griff und werde bereits in diesem Jahr Break-even erreichen, sagt Heinrich Meyer. Er ist überzeugt, dass die Nachfrage nach Inserateraum trotz des Niedergangs der New Economy nicht noch weiter sinken wird. «Denn die so genannte Old Economy investiert jetzt konsequent und richtet ihre Organisationen und Abläufe auf das Internet und E-Business aus – Hype hin oder her.»

Mode nur für Geduldige

Markus Ruf und Danielle Lanz erneuern den Auftritt der Modekette Big

Markus Ruf und Danielle Lanz erneuern den Auftritt der Modekette BigDie Menschheit teilt sich seit Urzeiten und in allen Bereichen in zwei Lager. So verhält es sich auch in der Mode: Zum einen gibt es die Fashion Victims. Das sind Menschen, die jedem Dernier Cri nachrennen, kaum ist er auf dem Laufsteg präsentiert worden. Und dazu passend gibt es die wahren Opfer der Fashion Victims, weil sie sich deren Leidenschaft fügen müssen. Bedrohlich wird es dabei vor allem im näheren Umkreis einer bestimmten Modekette: Big.Nach vier Jahren wieder mit dem Direktmandat betraut, schneiderte das freie Kreativduo Danielle Lanz (Werberin des Jahres 1999) und Markus Ruf (amtierender Werber des Jahres) für die Frauenmodekette ein ganz neues Kommunikationsoutfit. Nach allen Regeln der Kunst umgingen die beiden Werber die Standardumsetzung für Mode. Ohne drapierte Schönheiten oder massive Tabubrüche dramatisiert die Kampagne die Zeit raubende Auswahl des Modehauses. Seite 12

Muse & Musse: David Hanselmann

Muse & MusseDavid HanselmannWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?David Hanselmann: Ich habe mir während der Ferien auf Bali im Landesinnern einige dieser legendären Hahnenkämpfe angeschaut. Gigantisch, wie da die Emot

Muse & MusseDavid Hanselmann
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
David Hanselmann: Ich habe mir während der Ferien auf Bali im Landesinnern einige dieser legendären Hahnenkämpfe angeschaut. Gigantisch, wie da die Emotionen der Einheimischen hochgehen.
Was lesen Sie gerade?
Hanselmann: «Sneaker-Story» – der Zweikampf von Adidas und Nike. Früher ging es im Sport um Schweiss, heute um Glamour.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Hanselmann: «Light Years» – Kylie Minogue.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Hanselmann: «Snatch». Weil darin der erste piepsende Pitbull der Filmgeschichte vorkommt.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Hanselmann: Ich schlafe nie vor dem Fernseher ein. Brauche hingegen am Morgen immer ein paar Videoclips als Muntermacher.
Welche ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Hanselmann: www.laforet.ne.jp
Liebe ist …?
Hanselmann: …unheimlich stark.

Ausserdem: Der bisherige Generalsekretär der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Jean-Blaise Defago, tritt per 1. Juni in die Geschäftsleitung der Kommunikationsagentur Burson-Marsteller Schweiz ein

AusserdemDer bisherige Generalsekretär der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Jean-Blaise Defago, tritt per 1. Juni in die Geschäftsleitung der Kommunikationsagentur Burson-Marsteller Schweiz ein und übernimmt die Leitung des Bereichs Public Affa

AusserdemDer bisherige Generalsekretär der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Jean-Blaise Defago, tritt per 1. Juni in die Geschäftsleitung der Kommunikationsagentur Burson-Marsteller Schweiz ein und übernimmt die Leitung des Bereichs Public Affairs/Corporate Communications Bern/ Westschweiz.
Seit kurzem leitet Stefan Schär die Bereiche Marketing und Verkauf beim Contentprovider Swiss TXT. Schär war zuletzt bei der Swisscom Immobilien für den Marketingausbau zuständig.
Carla Fuhlrott-Capello verstärkt seit dem 1. März die Generation Media AG. Neben Petra Kreussler wird sie in der Beratungsleitung tätig sein. Fuhlrott-Capello war zuvor bei der Media-Agentur m&m.
Mario Aldrovandi übernimmt bei der Medien-Z-Holding den Bereich Business Development elekronischer Medien B2C. Aldrovandi war bisher Geschäftsleiter von Yellowcontent.
Heinz Billeter, bisher Leiter und Business Manager der Schweizer Niederlassung von Reader’s Digest, verlässt das Unternehmen. Seine Nachfolge trat am 2. März Tamara Tschuor an.
Ab April wird die Kreation von Wirz dreifach verstärkt. Thomas Kurzmeyer und Christoph von Arb werden als Texter/Konzepter tätig sein, Maria Schönbucher wird ihre Erfahrungen im Art Buying einbringen.
Der bisherige Sales Manager von Radio Sunshine, Pascal Köchli, wechselt zur Werbevermarkterin Radiotele.
Per 1. März hat Bernhard Oehrli die Leitung des Geschäftsbereichs Druckerzeugnisse bei der Limmatdruck AG in Spreitenbach übernommen.

«Monopole aufbrechen ist billiger als Unternehmen aufkaufen»

Gérard Unger, Präsident von Mediavision, über das schrittweise Erobern neuer Märkte

Gérard Unger, Präsident von Mediavision, über das schrittweise Erobern neuer Märkte«Monopole aufbrechen ist billigerals Unternehmen aufkaufen»
Vor zwei Jahren expandierte der französische Kinovermarkter Mediavision in den Westschweizer Markt und brach damit das Monopol von Cinecom auf. Derweil hat Mediavision in der Westschweiz 44 Kinosäle unter Vertrag und kommt dort so auf 37 Prozent Marktanteil (siehe Seite 23). Der Schritt in die übrige Schweiz ist vorbereitet.
1999 drang Mediavision in den Schweizer Markt vor mit der Vermarktung der Kinowerbung für das Multiplex Balexert in Genf und brach damit das Monopol von Cinecom auf. Was bringt Ihnen der Schweizer Markt?
Gérard Unger: Wir sind auf internationalem Expansionskurs. Dabei folgen wir unseren wichtigsten Geschäftspartnern, also jenen Kinogruppen, die auch ausserhalb von Frankreich tätig sind. Für die Schweiz ist das die Village-Road-Show (VRS), die das Multiplexkino Balexert Genf betreibt. Unsere Strategie besteht also nicht darin, nur Präsenz zu markieren, was meist mit Verlusten verbunden ist. Zudem ist es ja immer einfacher, in einem Land ohne viel Konkurrenz Fuss zu fassen. Es ist auch kein Zufall, dass in den meisten Ländern Duopole oder Oligopole bestehen. Ein Monopol ist immer sehr fragil.
Haben Sie mit Ihrer Expansionsstrategie noch andere Monopole aufbrechen können?
Unger: Ja, in Holland.
Hat Mediavision selber in einem Land ein Monopol?
Unger: Nein, aber in Frankreich beherrschen wir zwei Drittel des Marktes, in den Niederlanden 50, in Polen 55 und in Spanien sind
es rund 30 Prozent. In der Westschweiz sind es vorläufig 37 Prozent. Wie gesagt, ein Monopol ist sehr anfällig, deshalb streben wir das auch nicht an.
Welches sind für Mediavision die drei wichtigsten Kinogruppen in Europa?
Unger: In Frankreich ist dies Gaumont Pathé, die jetzt unter Europalace operiert, an zweiter Stelle kommt UCI, die hauptsächlich in Spanien, Portugal, Italien und ausserhalb Europas in Brasilien tätig ist. An dritter Stelle steht VRS. Kinepolis ist für uns einzig in Frankreich ein wichtiger Partner.
Im vergangenen Jahr hat Mediavision in der Schweiz 3 Prozent des Kinowerbeumsatzes erreicht – obwohl die Bruttoumsätze 2000 in dieser Branche um 7,9 Prozent zurückgegangen sind. Wie konnten Sie ein solches Resultat erzielen?
Unger: Balexert war das erste grosse Multiplex in der Schweiz und steht zudem in einer so wichtigen Stadt wie Genf. Das zieht sehr viele Leute an. Deshalb auch das überraschend gute Resultat.
Seit Beginn dieses Jahres hat Mediavision 31 weitere Kinosäle unter Vertrag. Und nächstes Jahr sollen noch einmal mindestens 13 dazukommen. Was bieten Sie den Kinobetreibern Besonderes an?
Unger: Mit dem Aufbrechen des Cinecom-Monopols haben wir Leben in den Schweizer Markt gebracht. Die Kunden bekommen auch Lust zu vergleichen. In der Westschweiz kannte man zudem Mediavision schon. Wir geniessen hier einen sehr guten Ruf. Wir bringen auch eine über 70-jährige Erfahrung mit.
Generell gesehen: Was unterscheidet Ihr Angebot von dem der Konkurrenz, also von Cinecom?
Unger: Nebst den Tarifstrukturen, die sich kaum von der Konkurrenz unterscheiden, und dem Werbepotenzial spielen sicher auch der Service und die Beratung eine grosse Rolle. Auch der Chemie zwischen den Partnern messen wir grosse Bedeutung zu. Wir können massgeschneiderte Lösungen anbieten, wovon unsere Schweizer Kunden bald profitieren werden.
Der Schweizer Markt ist aber vergleichsweise sehr klein. Was sind für Mediavision die Besonderheiten dieses Marktes?
Unger: Die Grösse des Marktes ist für uns eigentlich gar nicht so wichtig. Viel entscheidender ist die Frage, was und wie viel aus einem Markt herausgeholt werden kann. Der Schweizer Werbemarkt ist hoch entwickelt. Bezüglich Zuschauer ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft.
Letzten Herbst hat RMB Cinecom übernommen. Wäre das nicht auch eine Gangart für Mediavision gewesen, leichter in den Schweizer Markt vorzudringen?
Unger: Nein, das ist nicht unsere Philosophie. Einem Kunden, das heisst einem Kinobetreiber in ein Land zu folgen, um ein Monopol aufzubrechen, ist viel wirkungsvoller und weit billiger.
Bis jetzt ist Mediavision ja nur im Westschweizer Kinowerbemarkt tätig. Was hindert Sie daran, in den Deutschschweizer Markt oder ins Tessin vorzustossen?
Unger: Es sind eher kulturelle Probleme, zudem sprechen wir nicht die gleiche Sprache. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir bereits Schritte unternommen haben und entsprechende Kontakte bestehen. Wir sind an diesem Teil der Schweiz sehr interessiert.
Haben Sie denn auch Besitzer von kleinen und mittleren Kinos kontaktiert, oder haben Sie kein Interesse an dieser Kundschaft?
Unger: Oh doch. Wenn wir in Frankreich zwei Drittel des Marktes beherrschen, so auch darum, weil wir an kleinen und mittleren Betrieben interessiert sind. Hier in der Westschweiz haben wir eine ganze Anzahl Verträge mit kleinen und mittleren Kinohäusern abgeschlossen.
Seinerzeit setzte Mediavision auf VRS, welche Balexert in Genf besitzt, um im Schweizer Markt aktiv zu werden. VRS wird Balexert verkaufen und sich aus der Schweiz zurückziehen, wenn nicht gar Europa ganz verlassen. Über welche Perspektiven verfügt denn nun Mediavision?
Unger: Wäre dies vor sechs Monaten geschehen, hätte uns das sicher Kopfzerbrechen bereitet, weil wir damals nur dieses eine Kinozentrum in der Westschweiz bedienten. Unterdessen haben wir ja Verträge mit zahlreichen andern Kinos abschliessen und somit definitiv Fuss fassen können. Natürlich hoffen wir, auch mit dem zukünftigen Besitzer von Balexert – wer immer das auch sein mag – zusammenarbeiten zu können.
Die schweizerische Tabakindustrie denkt laut darüber nach, die Kinowerbung für ihre Produkte aufzugeben. Das würde für Sie einen grossen Verlust bedeuten. Welche langfristige Entwicklung sehen Sie für den Schweizer Markt?
Unger: Es würde sich dabei nur um einen zeitlich beschränkten Verlust handeln. Wir haben das ja in Frankreich erlebt. Dort wurde 1991 nicht nur die Werbung für Tabakprodukte in den Kinos verboten, sondern auch für Alkohol. 1993/94 hatten wir die Krise überwunden. Wir suchten ganz einfach andere Werbepartner, die auf ein junges, kulturell interessiertes Publikum ausgerichtet waren und Produkte anbieten konnten wie Mobiltelefone, Jeans und Parfums.
Welches waren 2000 Ihre wichtigsten Werbekunden? Und welche Kunden haben Sie für dieses Jahr bereits verpflichten können?
Unger: British American Tobacco BAT, Coop, Swisscom. In diesem Jahr neu dazu gekommen sind Nike, Henniez, Nivea, Nestlé, Fiat, Amag und SSR-Reisen.
Mit welchen Möglichkeiten kontrolliert Mediavision die Ausstrahlung ihrer Werbefilme?
Unger: Wir haben zum einen Kontrolleure, die stichprobenmässig und anonym die Kinos besuchen. Zum andern muss der Kinobetreiber ja ein Formular über die ausgestrahlten Filme ausfüllen.
Cinecom hat eben ein Büro in der Westschweiz eröffnet. Stört Sie das?
Unger: Mediavision und RMB sind in allen Ländern die grössten Konkurrenten. Einmal sind wir es, die einen Erfolg markieren, das andere Mal halt die Konkurrenz.
Sie sagen es, denn Cinecom hat eben mit Metrociné oder neu Europlex, der zweitgrössten Kinokette der Schweiz, die Verträge mit 29 Kinos für eine längere Periode erneuert. Ihr Angebot hatte offenbar keine Chance. Weshalb?
Unger: Wahrscheinlich waren wir zu teuer. Wir sind aber der Ansicht, dass eine gute Leistung ihren Preis hat. Wenn wir also unsere Dienstleistungen korrekt erbringen wollen, können wir kein Preisdumping betreiben.
Interview: Anita Vaucher

Uncoole Arrogant.01

Event-hopping war mal wieder angesagt. Mittwochs im Zürcher Niederdorf die Premiere des neuen Trio-Eden-Spektakels «That’s Amore».

Event-hopping war mal wieder angesagt. Mittwochs im Zürcher Niederdorf die Premiere des neuen Trio-Eden-Spektakels «That’s Amore».Von Beat Fritsch Ein Besuch von Helmi Sigg, Guy Landolt und Midi Gottet lohne sich, denn Lacher und Brüller folgten ohne Ende, wurde dem Shortlistautor ausgerichtet. Der verbrachte als echter Zürcher letzten Mittwoch natürlich in Basel, um sich «Schnitzelbängg» anzuhören und Selbstkritik zu üben:
«Mir häns gschafft, zem erschte Mool, vom Baanhof zem Barfi kei Metropol!
Mit 20 Minute, das isch z biduure, gits bim Fuudibutze schwarzi Spuure.»
Mit Hinweis auf die Stasivergangenheit des Basler Theaterdirektors entlarvten sich die «Nachtschwärmer» als Agenten vom «Clara-Boschte» (so heisst die Basler Polizeihauptwache):«Als Agänte dien mir d Lyt gärn umme schutte und foltere si denn mit em 20 Minute.
Und sind die Kaibe vo däm nid duure, gits ains mit em Metropol uff d Schnuure.»
Soweit die Basler Fastnacht für Zürcher und deren Verlage. Lustigerweise und um weiteren Gerüchten Vorschub zu leisten, wurde in keiner einzigen «Bangg» die NZZ, die Weltwoche oder Matthias Hagemann erwähnt! Hat die Basler Mediengruppe nun auch alle «Bangg»-Dichter monopolisiert?
Am folgenden Tag trabte man für eine Stippvisite in die «Giesserei» in Oerlikon, wo suchtreffer.ch seine Lancierung im Schweizer Markt feierte. Dann pilgerte man ins benachbarte «Rohstofflager», wo an der Arrogant.01 Schweizer Medienschaffende mit zweifelhaften Auszeichnungen bedacht wurden. Auch im Supermarket Geroldstrasse war mit G-17 Neues angesagt. So nennt sich der künftige Donnerstagabend-Event von Urs Mühlherr, bekannt von den Massiv-Ursives-Events mit Yves Spink.
Bei suchtreffer.ch wurde gleich noch Wachablösung gefeiert. Rolf Suter, früher bei IP Multimedia, übernahm die Geschäftsleitung des Suchdienstes, der zur Hälfte der Medien-Z-Holding und der deutschen Suchtreffer AG gehört. Von Letzterer gab sich Vorstand Andreas Owen die Ehre, um mit seinem Partner Klaus Kappeler am Event Präsenz zu markieren.
Richtig los gings an der Arrogant.01. Da erdreisteten sich doch die Veranstalter vollmundig, ein Buffet anzukündigen. Es bestand aus Migros-Canapés. Sie wurden genau eine Viertelstunde lang gereicht – dann war das Budget erschöpft. Und bei den Gratis-drinks handelte es sich um alkoholisierten Sirup. Der wurde an exakt einer – hoffnungslos belagerten – Bar ausgeschenkt. Zuletzt stellte sich heraus, dass ziemlich jeder einen dieser blöden VIP-Bändel um den Hals hatte, die man beim Eingang empfangen hatte. Ein voller Erfolg also!
Die Veranstaltung ist ein Verdienst von Mad-Coiffeur Marc Menden und Kultiker Rainer Kuhn. Bei der Verleihung der Awards werden die unbeliebtesten Schweizer Medienschaffenden gewürdigt. Dabei gibt es so wahnsinnig originelle Kategorien wie «Bester Witwenschüttler» (SI-Chef Marc Walder dank Ilona Hug) und «Grösster Karrieresprung» – für Peter Rothenbühler. Aber auch eine so wahnsinnig begehrenswerte Auszeichnung wie «Das schönste rollende R» wurden vergeben – sie ging an Alenka Ambroz.
Einziger anwesender Titelträger war übrigens Detlev Munz (Tele 24), der seinen Mann stand und sich für seinen zweiten Platz für «Beste TV-Frisuren» gleich auf der Bühne einen neuen Haarschnitt verpassen liess.
Beat Fritsch

wurde an der Arrogant.01 wie andere auch von Paparazzi belästigt. Dabei hatte er endlich mal einen Suchtreffer gelandet. Kein Wunder verging ihm die Lust, so dass er sich in Richtung Supermarket verabschiedete.
Wer sich sonst und wo in der Kommunikationsbranche arrogant benimmt – und das tun ja fast alle –, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

TV 3 stoppt unfreiwillig die Unterbrecherwerbung

Nachdem auch das Bundesgericht auf strikte Einhaltung des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) pocht und Unterbrecherwerbung auf TV 3 für unzulässig erklärt

Nachdem auch das Bundesgericht auf strikte Einhaltung des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) pocht und Unterbrecherwerbung auf TV 3 für unzulässig erklärtTV 3 stoppt unfreiwillig die Unterbrecherwerbung
, gibt es für den Tamedia-Sender keine Möglichkeiten mehr, doch noch Schützenhilfe gegen das veraltete Gesetz zu erhalten. Vergangenen Montag haben deshalb zwischen TV 3 und dem Bakom Verhandlungen darüber begonnen, wie die beanstandeten, mit Werbung unterbrochenen Sendungen künftig gesetzeskonform gestaltet werden können. TV-3-Chef Jürg Wildberger: «Es wird programmliche Änderungen geben.» Dabei werde es um mehr als nur um Kosmetik gehen. Allerdings beruhigt er die Werbewirtschaft: Die bisherigen GRP-Leistungen würden auch mit den bevorstehenden Änderungen gehalten. Auch Erlösminderungen für TV 3 als Folge der Anpassungen hält Wildberger für unwahrscheinlich.
Nach wie vor kein Verständnis für die verlangten Änderungen hat Ueli Custer, Geschäftsleiter Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM): «Das Urteil wirft neue Fragen auf. Etwa diese: Was ist eine Sendung? ‹Millionär› wird in längeren Sequenzen aufgezeichnet und bewusst in Einzelstücke aufgeteilt. Dies beweist, wie unsinnig solche Regeln sind.» Eine vorgezogene Revision der Werberegeln drängt sich laut Custer deshalb immer mehr auf. (dse)

Den Privaten Marktanteile abgeknöpft

SRG-Radios gewinnen Hörer vor allem in der Deutschschweiz

SRG-Radios gewinnen Hörer vor allem in der DeutschschweizFür die Deutschschweizer SRG-Radios war das Jahr 2000 ein Meilenstein, konnten sie doch erstmals seit 15 Jahren wieder Marktanteile (MA) von den Privaten zurückholen. Auch in der Westschweiz scheint der Trend hin zu den Privatradios gebrochen, während im Tessin sowohl die SRG-Sender wie auch die Privaten unter Druck waren.Seit der Einführung der Privatradios zu Beginn der Achtzigerjahre wiesen die MA der SRG-Radios stets nach unten. Gut 15 Jahre später ist es der SRG erstmals gelungen, Publikum von den Privaten zurückzuholen. Zumindest in der Deutschschweiz. Die Radios der SRG erhöhten ihren Marktanteil im Jahr 2000 um vier auf 51 Prozent. Dies auf Kosten sowohl der inländischen als auch der aus dem Ausland den Äther belegenden Privatsender, die beide je zwei Prozent MA verloren. Für die Deutschschweizer Privatradios ging es damit runter auf 38 Prozent, die Auslandradios landeten bei 11 Prozent MA.
Ähnlich zu Gunsten der SRG verlief die Entwicklung in der Westschweiz. Auch hier konnte der anhaltende Trend hin zu den Privaten erstmals durchbrochen werden. Die SRG-Radios verbesserten sich um zwei Punkte auf 46 Prozent MA, die Privaten hingegen mussten einen Verlust von drei Punkten auf 37 Prozent MA einstecken. Im Unterschied zur deutschen Schweiz kamen die Auslandradios in der Romandie aber ungeschoren davon: Sie konnten sich vergangenes Jahr bei 18 Prozent halten.
Tessiner Radios verstärkt unter Druck der italienischen Sender
Einzig im Tessin schalteten weniger Hörer die Frequenzen von SRG-Radios ein. Und dies, nachdem es gerade in den drei Jahren davor gelungen war, den in der Südschweiz besonders starken Auslandradios Publikum abzujagen. Doch im Jahr 2000 konnten sich diese jetzt wieder um ganze drei Punkte auf 17 Prozent MA verbessern. Leidtragende war aber nicht nur die SRG, die zwei Punkte einbüsste und nun bei 75 Prozent MA liegt. Auch die Tessiner Privatradios mussten einen Punkt abgeben. Sie haben aktuell noch einen mickrigen MA von acht Prozent.
Mit den Resultaten für das Jahr 2000 nimmt die Radioforschung Abschied von der seit 1975 üblichen Methode, bei der Hörerforschungsdaten mittels repräsentativer Interviews erhoben wurden. Neu wird die Radionutzung mit der «radiohörenden» Uhr erhoben, die seit dem 1. Oktober valide Daten liefert. Was die Verlässlichkeit des neuen Systems anbetrifft, hat der Leiter des SRG-Forschungsdienstes, Matthias Steinmann, gleich alle Zweifel ausgeräumt. Man habe den Test gemacht, indem man die Radiouhr für die Messung der TV-Nutzung einsetzte. Die Resultate von Radiocontrol und Telecontrol hätten dabei zu über 99 Prozent übereingestimmt. Kontrollerherz, was willst du mehr!
Daniel Schifferle

Der Luchsinger-Elefant

Eines muss man Matthias Luchsinger und seiner Crew einfach lassen. Wenn die ein Fest veranstalten, ist massivste Sause angesagt – und die Gäste pflegen jeweils in Scharen hinzupilgern.

Eines muss man Matthias Luchsinger und seiner Crew einfach lassen. Wenn die ein Fest veranstalten, ist massivste Sause angesagt – und die Gäste pflegen jeweils in Scharen hinzupilgern.Von Beat Fritsch So auch vergangene Woche, am letzten überhaupt stattfindenden Cinecom-Event. Tja, diese Zeiten sind jetzt leider passé! In Zukunft wird es keine Cinecom-Partys mehr geben! Aus, gestorben, fertig!
Und genau deshalb sind sie nochmals alle gekommen! Um die letzte offizielle Festrede von Matthias Luchsinger als Cinecom-Chef zu hören, um sich von der wie gewohnt heissen Performance mitreissen zu lassen – dieses Mal waren es als Mönche verkleidete und sich alsbald entblätternde Tänzerinnen und Tänzer – und um sich auf Kosten der Cinecom nochmals einen richtig ausufernden Abend zu gönnen.
Aber keine Bange, noch gibt es genügend andere Werberpartys. Auch Cinecom wird natürlich nicht aufgelöst und abgeschafft, sondern bloss umgetauft. Alle künftigen Feste des Kinovermarkters von der Zürcher Neugasse – und das werden hoffentlich noch viele sein – werden unter dem Logo RMB Switzerland stattfinden. Mit dieser Änderung vollzieht man nämlich in der Namensgebung, was schon Tatsache ist. Die Cinecom gehört seit einiger Zeit dem europaweit tätigen Vermarkter Régie Média Belge (RMB). Und Luchsinger ist mittlerweile nicht nur Chef der Schweizer Niederlassung, sondern leitet auch die Unit Zentraleuropa.
Deshalb nahm das Cinecom-Team unter der Ägide von Jean-Claude Bruhin die Gelegenheit wahr, dem Chef eine besondere Überraschung zu bereiten. Luchsinger staunte jedenfalls nicht schlecht, als sein Stellvertreter das Wort ergriff und Nicole Steinegger mit einem herzigen, jungen Elefäntli die Bühne betrat. Die Crew schenkte ihrem Chef eine Elefantenpatenschaft, was viel sinnvoller sei als Jelmoli-Gutscheine oder eine Flasche Wein, wie Bruhin meinte. Gerade mit Letzterem könne man sich beim Weinspezialisten Luchsinger nämlich mit einer falschen Auswahl gewaltig in den Traubenmost setzen. Die Idee kam an! Eine gelungene Überraschung, freute sich Luchsinger, zumal dieses Göttikind wenigstens nicht jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten mit Geschenken zu überhäufen sei. Tierschützer, seid beruhigt. Der Jungelefant auf der Bühne war lediglich ein Pappkamerad, das echte Pendant lebt glücklich im Amboseli-Nationalpark im sonnigen Kenya.
Stattgefunden hat die doppelte Taufe im äussersten Zürcher Westend, genauer gesagt im neuen «Labyrinth». Eine Tatsache, die den einen oder anderen Besucher zu einem Augenschein verleitete, zumal das «Laby» sonst nicht zu den üblicherweise frequentierten Plätzen der Werberszene zählt. Oder nur eines Teils davon – für Nicht-Insider seis erklärt: Im «Labyrinth» trifft man normalerweise auf Männer, die Männer lieben, und das auch platonisch. Am aktuellen Anlass war das Geschlechterverhältnis jedenfalls ausgeglichen, Werberinnen und Werber kamen in gleicher Zahl. Unter den Gästen sahen wir etwa Flavia Schlittler, ehemalige Shortlist-Kolumnistin, Lokal-TV-Kochtante und Spozz-Moderatorin. Von ihr wird gemunkelt, dass sie demnächst wieder fulltime in der Kommunikationsbranche tätig werden soll. Manuel Nappo hingegen hat an ebendiesem Tag bei Rialto Film seinen Abschied gegeben. Und sich selbst als Abschiedsgeschenk, oder vielleicht auch weil das Leben ohne Arbeit ja so langweilig ist, einen Porsche (Occasion) gekauft.
Beat Fritsch

war letzte Woche an eine Elefantentaufe der besonderen Art geladen. Einerseits erhielt der Werbezeitvermarktungs-Elefant Cinecom einen neuen Namen, zum Zweiten durfte Cinecom-Chef Matthias Luchsinger eine echte Elefantenpatenschaft übernehmen.
Wer sich sonst in der Kommunikationsbranche trifft, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info@ werbewoche.ch). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Nebenwirkungen inbegriffen

Der US-Werbemarkt für Medikamente boomt, doch die Kampagnen sind uniform und provozieren Parodien

Der US-Werbemarkt für Medikamente boomt, doch die Kampagnen sind uniform und provozieren ParodienVon Thérèse BalduzziVor über drei Jahren wurde in Amerika die Werbung für rezeptpflichtige Medikamente liberalisiert. Umstritten ist nach wie vor der Einfluss der obligatorischen Auflistung der Nebenwirkungen auf die Werbewirksamkeit. Klar ist nur, dass Medikamentenwerbung zu einem bekannten Genre geworden ist, das schon gerne parodiert wird.
Ein TV-Spot für das Allergiemedikament Allegra beginnt mit einer dreiköpfigen Familie, die ins Grüne fährt. Vater und Sohn steigen aus dem Auto und freuen sich aufs Wandern. Nur die Frau bleibt im Auto sitzen und niest, weil sie unter Allergien leidet. Etwas später geniesst sie jedoch dank des rezeptpflichtigen Allegra die frische Naturluft ebenso, atmet sie tief ein. Die Off-Stimme verkündet, dass Allegra (Wirkstoff Fexofenadine) als Nebenwirkungen Kopfschmerzen, Infektionen der oberen Luftwege und Rückenschmerzen hervorrufen kann.
In einem Spot für den Appetitzügler Meridia verkünden verschiedene Frauen, sie hätten ihre Essgewohnheiten unter Kontrolle. «Cheesecake doesn’t turn me on» (Cheesecake macht mich nicht an), deklariert die eine, «I don’t confuse Love and Lasagne» (ich verwechsle Liebe nicht mit Lasagne), die andere. Danach warnt eine Stimme aus dem Off, Meridia sei nicht für Menschen mit hohem Blutdruck, Depressionen, Magersucht, Parkinson, Glaukoma oder für Herzkranke, Schwangere und Stillende geeignet. Nebenwirkungen könnten Kopfschmerzen, Verstopfungen, Schlaflosigkeit und einen trockenen Mund einschliessen. Zudem bestehe die Gefahr, süchtig zu werden.
Liberalisierung löste Anzeigen- und Spot-Boom aus
Als die Food and Drug Administration (FDA) 1997 die Bestimmungen für die Werbung rezeptpflichtiger Medikamente liberalisierte, bahnte sie damit den Weg für eine unglaubliche Inflation von Spots und Anzeigen. Täglich flimmern Dutzende von Medikamentenspots gegen alle möglichen Leiden über den Bildschirm: Depressionen, Allergien, Herpes, Übergewicht, Asthma, Grippe, Erkältungen, Impotenz, Reizblase, multiple Sklerose, Alzheimer, Herzkrankheiten, Osteoporose, Arthritis, Migräne. Und in den Zeitschriften wimmelt es von entsprechenden Anzeigen.
Milliarden fliessen in das Direct to Consumer Advertising (DTC), wie die Medikamentenwerbung genannt wird. Im letzten Jahr stellte DTC die sechstgrösste Werbekategorie dar. Die Ausgaben haben sich im Jahr 1999 (1,8 Mrd. Dollar) gegenüber 1997 (1 Mrd. Dollar) fast verdoppelt. Die Ausgaben für TV-Spots allein haben sich zwischen 1997 (309,6 Mio. Dollar) und 1999 (1,1 Mrd. Dollar) mehr als verdreifacht.
Die «Fair Balance Guidelines» der DTC-Richtlinien bestimmen, dass die Nebenwirkungen aufgezählt werden müssen. Trotzdem bemängeln Kritiker, die Patienten würden nur bruchstückhaft informiert, was oft falsche Erwartungen wecke. Da Patienten heutzutage ohnehin mit einer Ladung ausgedruckter Information aus dem Internet den Arzt aufsuchten, stifte die Medikamentenwerbung nur zusätzliche Verwirrung. Ärzte würden von den mit Werbung vollgepumpten Patienten unter Druck gesetzt, ihnen bestimmte Medikamente zu verschreiben, selbst wenn sie andere für sinnvoller oder eine Medikation für unnötig hielten.
Selbst die FDA ist gespalten. Einerseits lässt sie das Argument der Befürworter gelten, dass die Medikamenteninformation die Patienten emanzipiere und die Diskussion zwischen Ärzten und Patienten fördere. Letztes Jahr sah sich die FDA allerdings zu einem «Public Health Advisory» gezwungen. Dieses warnte die Konsumenten davor, dass Ärzte sich zu sehr auf die Wirkung des neuen antiviralen Grippemedikaments Relenza verliessen, was vielleicht sogar den Tod gewisser Patienten verursacht haben könnte, die möglicherweise eine stärkere Behandlung benötigt hätten.
Veränderungen in der
Arzt-Patient-Beziehung
Ausserdem macht das beschleunigte Tempo der FDA Sorgen, mit dem neu zugelassene Medikamente über Nacht zum Kassenschlager werden können. Unter der alten Regulierung erfuhren neue Medikamente eine langsamere Verbreitung, was der Amtsstelle Zeit gab, allfällige Nebenwirkungen zu beobachten, die erst bei breiterer Anwendung auftreten können.
Verschiedene Studien zur Wirkung der neuen Kampagnen zeigen auf, wie diese die Beziehung zwischen Arzt und Patient verändert haben. Eine Studie der FDA ergab, dass von 960 Patienten, die in den vorhergehenden drei Monaten einen Arzt besucht hatten, 27 Prozent durch Commercials dazu gebracht worden waren, mit dem Arzt ein gesundheitliches Problem zu besprechen, das sie zuvor nie erwähnt hatten. Sieben Prozent haben ein Rezept für ein bestimmtes, aus der Werbung bekanntes Medikament gefordert. Der Hälfte davon wurde dieser Wunsch genehmigt.
In einer weiteren Studie wurden 329 zufällig ausgesuchte Bewohner Kaliforniens gefragt, wie sie reagieren würden, wenn ihr Arzt ihren Wunsch nicht erfüllen würde. Ein Viertel sagte, sie würden sich das Rezept in diesem Fall woanders besorgen. 15 Prozent würden deswegen in Betracht ziehen, den Arzt für immer zu wechseln.
Wie sehr Ärzte dem Druck der Patienten nachgeben, hängt allerdings von der Spezialisierung der Ärzte und der Ernsthaftigkeit der Krankheit ab, wie eine Untersuchung der Firma Scott-Levin in Pennsylvania ergab, die die Werbewirksamkeit der DTC-Werbung misst. So sind beispielsweise Spezialisten für Infektionskrankheiten, die Aidspatienten behandeln, weniger geneigt, sich bei ihren Entscheidungen dreinreden zu lassen. Fussspezialisten hingegen würden sich eher zu einem Rezept für das Nagelpilzmedikament Laprisil bewegen lassen. Frauen, die ein Rezept für die Antibabypille Ortho-Tri-Cyclen wünschen, die auch gegen Akne wirkt, erhalten dieses fast immer.
Laue Werbewirksamkeit durch Nennung der Nebenwirkungen
Die Werbewirksamkeit von Medikamentenanzeigen und -spots ist wie in vielen anderen Kategorien umstritten. Verschiedene Zahlen werden dabei publiziert und herumgereicht. So ergab eine Umfrage des Television Bureau of Advertising (TVB), das die Lokalfernsehstationen in 210 US-
Märkten vertritt und von der Medikamentenwerbung profitiert, dass 32,4 Prozent der Befragten auf Grund von DTC-Werbungen den Arzt aufsuchten. Ein Drittel davon erhielt ein Medikament verschrieben.
Eine Umfrage der Beratungsfirma Morpace Pharmaceutical Group ergab dagegen, dass nur gerade vier Prozent auf Grund einer aktuellen Kampagne um ein bestimmtes Medikament baten. Wobei auch nur vier Prozent der Gesamtbevölkerung, die ein bestimmtes Medikament erbitten, für einen Pillendreher einen ansehnlichen Markt darstellen können.
Manchmal bewirken die Kampagnen aber auch das Gegenteil: Die durch die «Fair Balance Guidelines» verlangte Auflistung der Nebenwirkungen kann negative Reaktionen hervorrufen und Patienten davon abhalten, ein Medikament einzunehmen, selbst wenn sie es dringend nötig hätten. Es wird vermutet, dass der Absatz des Hoffroche-Produkts Xenical unter den in den Anzeigen und Spots genannten möglichen Nebenwirkungen wie «Blähungen», «vermehrter Stuhlgang» und «ölige Ausscheidungen» ziemlich gelitten hat.
In solchen Fällen ist die Lösung in den so genannten Generic Ads zu finden: Sie machen auf ein bestimmtes gesundheitliches Problem aufmerksam und muntern die Konsumenten dazu auf, mit ihrem Arzt darüber zu sprechen, ohne ein bestimmtes Medikament zu nennen. Damit sind sie auch nicht verpflichtet, Nebenwirkungen zu erwähnen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Namen eines Medikaments zu erwähnen, aber nicht das gesundheitliche Problem, zu dessen Linderung oder Heilung es bestimmt ist. Auch in diesem Fall müssen die Nebenwirkungen nicht aufgelistet werden. Die neue Kampagne für Xenical verfolgt genau diese beiden Strategien.
Diese Art von Werbung verlässt sich auf ihre indirekte Wirkung. Darauf nämlich, dass ein gewisser Prozentsatz der Zuschauer den Arzt aufsuchen und wiederum ein Teil der Ärzte das bestimmte Medikament verschreiben wird.
Guidelines machen die
Kampagnen glaubwürdiger
Obwohl die «Fair Balance Guidelines» den Pharmafirmen unangenehm sind, legt eine weitere Umfrage des TVB nahe, dass die Auflistung der Nebenwirkungen der Glaubwürdigkeit zuträglich ist. So antworteten in einer Untersuchung 62 Prozent von 2000 Befragten, dass sie Medikamentenwerbung für glaubhafter halten als die Werbung aller anderen Kategorien. 61,3 Prozent schenkten der Werbung für nicht rezeptpflichtige Medikamente Vertrauen und 56,4 Prozent der Werbung für die Gesundheitsproduktepalette.
Damit übersteigt die Glaubwürdigkeit der Medikamentenwerbung jene für andere Produkte bei weitem. Dafür wird die Auflistung der Nebenwirkungen in den Kampagnen verantwortlich gemacht. Im Vergleich dazu erzielten etwa Kampagnen für Kleinlaster mit 50,6 Prozent eine geringere Glaubwürdigkeit. An die Aussagen in Anzeigen und Spots für Versicherungen glaubten noch 41,8 Prozent der Befragten. Allerdings sagt der Grad an Vertrauen in die Medikamentenwirkung nichts darüber aus, wie sehr die Befragten bereit sind, die möglichen Nebenwirkungen auf sich zu nehmen.
Bereits gibts Spotparodien auf Medikamentenkampagnen
Viele Kampagnen für Medikamente sind nach Schema X konzipiert: Sie beginnen mit einer mehr oder weniger gelungenen visuellen Darstellung des gesundheitlichen Problems, stellen das Medikament und seine Wirkungsweise vor und zeigen danach glückliche, geheilte Menschen. Zum Schluss kommt die obligatorische Litanei der möglichen Nebenwirkungen, die meistens von einer sanften Stimme mit unglaublicher Geschwindigkeit aufgesagt wird. Wegen ihrer Häufigkeit sind sie zu einem Klischee geworden, über das sich bereits zahlreiche Spots für andere Produkte lustig machen.
Eine Werbung für Energizer-Batterien von TBWA/Chiat/Day beginnt wie ein Spot für ein Mittel gegen Haarausfall: Ein junger Mann in einem Swimmingpool erklärt, wie erfolgreich das Medikament war, dreht sich danach um, wobei sein unansehnlich stark behaarter Rücken zu sehen ist. Und just in diesem Moment marschiert das Energizer-Bunny ins Bild. Zwei Spots von DeVito Verdi für TheStreet.com, eine Onlinewirtschaftszeitung, bedienen sich der Strickmuster für Alzheimer- und Impotenzmedikamente und parodieren sie, indem sie die Zuschauer auf die Möglichkeit aufmerksam machen, dass man beim Aktienkauf desorientiert sein könnte.
Auch Goodby, Silverstein & Partner bedient sich gerne unfreiwilligen Lacher und benutzt DTC-Parodien für zwei verschiedene Kampagnen, für E-Trade und TiVo. Ein Spot für E-Trade, eine Adresse für Onlineinvestoren, veräppelt die häufigen Spots für Allergiemedikamente. Ein Investor sieht einen Spot für das fiktive Allergiemittel Nozulla. Darin tanzt eine Frau dank des Medikaments glücklich auf einer blühenden Wiese herum. Als die Stimme aus dem Off jedoch die Nebenwirkungen aufzählt, darunter Haarausfall am ganzen Körper und Babys, die mit Hundeköpfen geboren werden, verkauft der junge Mann sofort seine Nozulla-Aktien.
Am meisten Sinn mit dem Unsinn macht ein Spot der gleichen Agentur für TiVo, den digitalen Recorder, mit dem Werbung beim Fernsehen ausgeschaltet werden kann. Sie beginnt mit einem unappetitlichen Spot, in dem zwei ältere Männer über «masculine itching» sprechen, eine Anspielung auf Spots für «feminine itching» (Scheidenentzündung). Doch bevor der eine dazu ansetzt, dem anderen mit einer Hand voll unansehnlicher weisser Paste in die Hose zu greifen, unterbricht eine Stimme aus dem Off: «Get TiVo. Skip the stuff you don’t want to see. TiVo, TV your way.»

Kopf der Woche: «Eine Marke ganzheitlich führen zu können, hat mich überzeugt»

ELKE ZAPPE leitet als ehemalige Werberin seit dem 1. Januar 2001 die WM Wirtschaftsmedien AG

ELKE ZAPPE leitet als ehemalige Werberin seit dem 1. Januar 2001 die WM Wirtschaftsmedien AGKopf der Woche«Eine Marke ganzheitlich führen zu können, hat mich überzeugt»
Elke Zappe steht seit Anfang Januar an der Spitze der WM Wirtschaftsmedien AG, Herausgeberin des Wirtschaftsmagazins Bilanz. Trotz dieser Position versteht sich die ehemalige Werberin nicht als Karrierefrau: «Egoistische Zielorientierung hat meine Laufbahn nie beeinflusst», sagt sie. Das Geheimnis ihres Erfolges begründet die 43-Jährige mit der Faszination sowie der Begeisterung für ihre Arbeit. So sieht sie ihren Wechsel auf Verlagsseite eher als logische Weiterentwicklung ihres beruflichen Entwicklungsprozesses denn als Karrieresprung.
Trotzdem: Elke Zappes Curriculum gleicht einer Bilderbuchlaufbahn: Nach Abschluss eines Ökonomiestudiums in Duisburg unternahm sie als Kundenberaterin die ersten praktischen Gehversuche bei der Düsseldorfer Werbeagentur Ernst & Partner. «Der Schritt in die Werbung bot mir die Chance, mit unterschiedlichen Kunden, Produkten und Märkten in Berührung zu treten», sagt Zappe.
Nach mehrjähriger Tätigkeit in deutschen Agenturen zog es sie aus privaten Gründen in die Schweiz. Bei Aebi, Suter, Gisler, Studer/BBDO setzte die Düsseldorferin den eingeschlagenen Weg als Account Director fort. Rund zehn Jahre lang war sie in Schweizer Agenturen tätig, zuletzt als Mitinhaberin der Agentur Studer & Zappe in Zürich.
Drei Jahre währte die Zusammenarbeit. In Elke Zappe wuchs der Wunsch, auch in den Bereichen Marketing und Unternehmensberatung eigenverantwortlich tätig zu werden. Ein Trip rund um den Globus sollte vorerst den nötigen geistigen Raum für die Neuorientierung schaffen.
Zurück in der Schweiz, betreute sie als selbstständige Marketing- und Kommunikationsberaterin Projekte im In- und Ausland. Das Angebot, die WM Wirtschaftsmedien AG zu leiten und neue Multimediaprodukte zu entwickeln, kam für Elke Zappe «aus heiterem Himmel». Doch die Möglichkeit, eine umfassende Verantwortlichkeit auszuüben und somit eine Marke ganzheitlich führen zu können, habe sie schliesslich überzeugt.
Nun will Zappe «neuen Sauerstoff in die Marke Bilanz bringen». Der Weg führt über die Erweiterung der Bilanz-Multimediaplattform mit neuen Produktideen. In den ersten beiden Monaten fokussierte sie sich auf bilanz.ch. «Mit Content Syndication versuchen wir unsere Onlinestrategie bezahlbar zu machen», führt sie aus.
In einem nächsten Schritt sollen Fernsehen und Radio angepeilt werden: «Diese Medien sind prädestiniert für wirtschaftliche Themen», ist die Geschäftsleiterin überzeugt und betont, «dass Partnerschaften in diesem Rahmen gute Voraussetzungen schaffen, qualitativ hochstehende Sendungen auf die Beine zu stellen».
Carole Koch

Aus für RØSA Berlin.

Die Schweizer Multimediaagentur RØSA muss ihre Pforten in Berlin schliessen, nachdem die Firma My Media GmbH Insolvenz beantragt hat und die ausstehenden Rechnungen für das Multi-Millionen-Projekt www.myweb.de

Die Schweizer Multimediaagentur RØSA muss ihre Pforten in Berlin schliessen, nachdem die Firma My Media GmbH Insolvenz beantragt hat und die ausstehenden Rechnungen für das Multi-Millionen-Projekt www.myweb.denicht mehr bezahlen konnte. Laut Marky Goldstein, Schweizer Geschäftsführer, sollen verbleibende deutsche Kunden in Zukunft direkt von Zürich aus betreut werden.
Martin Spillmann vertritt Schweiz in Cannes.
Martin Spillmann, CD bei Advico Young & Rubicam, nimmt Einsitz in der Filmjury am internationalen Werbefestival in Cannes (18. – 23. Juni). Die Schweizer Einreichungen stellen sich schon jetzt dem kritischen Auge des Publikums: Beim «Swiss Entry Award» können die Besucher der Schweizer Cannes-Website ihre Stimme abgeben und Tickets für das Festival gewinnen.
Wahlwerbung in Vaduz.
Mit einer humorigen Plakatkampagne hat das Druckzentrum Lampert in Vaduz den politischen Wahlkampf belebt. Unter dem Slogan «Treffen Sie die richtige Wahl» liess Lampert auf einem nicht ganz ernst gemeinten Plakat die Namen Walch, Walser und Wolf abdrucken. Die Auflösung folgte im zweiten Aushang: Die besagten «Kandidaten» sind allesamt Mitglieder der Geschäftsleitung der Druckerei Lampert, die seltsamerweise alle einen entsprechenden Namensvetter in den verschiedensten Parteien haben. Die Kampagne mit der «Sprengliste» wurde von Rainer Gassner bei der Komix AG für Marketing, Public Relations und Werbung in Schaan realisiert.
Verstärkte Warnungen auf Zigarettenpackungen.
Der Ministerrat der EU und das Europäische Parlament haben beschlossen, dass Warnhinweise auf Zigarettenpackungen in Zukunft grösser sein müssen. Geplant ist eine Abdeckung von 30 Prozent auf der Vorder- und 40 Prozent auf der Rückseite. Im Oktober 2002 soll in Europa in Kraft treten, was in Kanada bereits ab Juni gelten wird (siehe dazu WW 6/01).
Schnappschüsse einer Verhaltensforschung.
Der Tages-Anzeiger revanchiert sich bei seinen Abonnenten mit vergünstigten Carte-Blanche-Angeboten dafür, dass sie die Zeitung abonnieren. Im Jahr 2000 machten 200000 Abonnenten Gebrauch von 257 verschiedensten Angeboten. Darauf hat WHS, Zürich, in einer Feldstudie untersucht, wie sich Leser verhalten, die auch davon profitieren wollen, ohne ein Abo zu lösen. Ausnahmslos alle Beobachteten erschlichen sich Vergünstigungen, indem sie eine zweite, unter dem Mantel versteckte Person unbemerkt an einer Billettkontrolle vorbeischmuggelten. Das Ergebnis wird nun in einer aus drei Sujets bestehenden Kampagne publiziert.
Kunst am Amschlag.
650 Plakate sind im neuen Auktions-Katalog 1/01 aus dem Bestand von Guido Tön gelistet. Bestellt werden kann der Bildband für 40 Franken unter Fax 01 482 79 33. Für die Auktion am Samstag, 17. März, ab 12 Uhr im Zürcher Swissôtel International sind mehr als 250 Reiseplakate aus der Zeit von 1898 bis 1985 gemeldet. 60 kulturelle Plakate «vom Feinsten» sowie weitere 300 Objekte warten auf ihr Gebot.
Affichage wächst zweistellig.
Die Affichage Holding hat im vergangenen Geschäftsjahr kräftig zugelegt. Der Umsatz der APG-Mutterfirma stieg um 14,5 Prozent auf 307,6 Millionen Franken. Das Konzernergebnis erreichte 28,4 Millionen Franken (plus 18,4 Prozent). Zurückzuführen sei das Ergebnis unter anderem auf die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz, teilte Affichage mit. In der Schweiz steigerte die Gruppe den Umsatz um 14,8 Prozent auf 279,8 Millionen Franken. Der Auslandumsatz wuchs um 11,1 Prozent auf 27,8 Millionen Franken.
Kein Amtsschimmel an Zürcher Amtshäusern.
Mit einer originellen Idee vermarktet die Stadt Zürich zur Zeit eine attraktive Werbefläche. Während der Renovation der Amtshäuser III und IV werden die Gerüstflächen durch jeweils 300 bis 420 Quadratmeter grosse Poster verkleidet. Für die Realisation ist die Zürcher BlowUP Media zuständig. Seit dem 5. März hängt an der Lindenhofstrasse ein neues Sujet, das von Eva Pauli gestaltet worden ist. Die Idee ist das Siegerplakat aus einem Designwettbewerb zum Thema «Zürich bewegt sich». Unter www.stadt-zuerich.ch können sämtliche Arbeiten der 19 Kreativen eingesehen werden, die sich an diesem Wettbewerb beteiligt haben.
Horx macht Trends in Hergiswil.
Das Zukunftsinstitut des deutschen Trendforschers Matthias Horx erhält eine Schweizer Niederlassung. In Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut IHA GfM wird die Zweigstelle im März in Hergiswil eröffnet. «Wir möchten im Laufe des Jahres 2001 einen kleinen Kreis Schweizer Trend- und Zukunftsforscher um uns versammeln, die mit dem Zukunftsinstitut Deutschland/Österreich kooperieren wollen», erklärte Horx gegenüber der WerbeWoche.
Hauptbahnhof für Sauber.
Eine gelungene Werbeidee präsentierte die CS zum Saisonstart der Formel 1: 600 Rennfans haben in der Nacht zum Sonntag ab 02.30 Uhr im Zürcher Hauptbahnhof die Live-Übertragung des ersten Rennens auf Grossleinwand verfolgt. In Melbourne haben die Autos mit dem CS-Logo bekanntlich die sensationellen Plätze 4 und 6 belegt. Darum herrschte auch nach dem Rennen Grossandrang bei der Sauber-Box, wo Passanten einen Reifenwechsel an einem echten Sauber-Boliden verfolgen konnten.
BUNDESRAT HAT LIEBER WEIN ALS FRAUEN. Bei seinem offiziellen Besuch am Autosalon in Genf hat Bundespräsident Moritz Leuenberger wenig Stil, dafür politische Konsequenz gezeigt. Er wollte der traditionsgemäss dort anwesenden Miss Schweiz die Hand nicht reichen, weil er sich nicht für Autowerbung missbrauchen lasse. Weniger Berührungsängste mit der Cervelatsprominenz zeigte der Mercedesfahrer am folgenden Sonntag. In «Lüthi & Blanc» überraschte der Magistrat mit einem Gastauftritt im Tessiner TV-Grotto, wo der Rote sich einen Merlot bestellte. Was der konsequente Gegner von Autowerbung vielleicht nicht wusste: Einer der Hauptsponsoren von «Lüthi & Blanc» ist die Automarke Rover. Aber vielleicht hat sich Leuenberger in diesem Fall weniger abweisend als bei Miss Mahara gezeigt, weil die Chefautorin von «Lüthi & Blanc», Katja Früh, die Frau von Bundeshauskorrespondent Hans Bärenbold ist. Und dieses Paar leistet sich zufällig ein Haus, das von Leuenbergers Lebensgefährtin, der Architektin Gret Loewensberg, gebaut worden ist. So verschlichen kann manchmal Werbung sein.
Editorial

Alles eine Frage der Mündigkeit
Die Potenzpille Viagra, die Fett-weg-Kapsel Xenical, das Raucher-Stopp-Mittel Cyban – alles rezeptpflichtige Arzneien, die in den letzten Jahren für Schlagzeilen sorgten, ohne im Inserateteil der Medien aufzutauchen. In ganz Europa, Schweiz inklusive, gilt nach wie vor ein Werbeverbot für rezeptpflichtige Medikamente. Rund drei Milliarden geben die Schweizer über die Krankenkasse für Medikamente aus, weitere 1,5 Milliarden direkt. Tendenz steigend. Seit Anfang 1996 dürfen in der Schweiz nicht rezeptpflichtige Arzneien auch am TV beworben werden. Noch einen Schritt weiter gingen die Amerikaner: Vor drei Jahren liberalisierten sie die Werbung für rezeptpflichtige Medikamente. Laut einer Untersuchung der Food and Drug Administration (FDA) hat dies die Arzt-Patient-Beziehung nachhaltig verändert. Wie genau, beschreibt unser Beitrag auf Seite 14. Interessanterweise gilt gerade die Medikamentenwerbung wegen der zwingenden Aufzählung der Nebenwirkungen bei den Amerikanern als glaubwürdiger als alle andere Werbung.
Auch wenn in Bern die Liberalisierung des Heilmittelgesetzes abgeschmettert wurde, bleiben die Rahmenbedingungen für Heilmittelwerbung in Bewegung. Druck entsteht dabei vor allem von den Medien. Lifestylepräparate mit Sexappeal wie Viagra oder die Happy-Pille Prozac sind in aller Leute Mund. Die umfassende Information über Gesundheitsthemen nimmt in den Medien laufend zu: Das Stichwort dazu heisst Wellness. Auch wenn Redaktionen es wohl kaum als ihre Aufgabe ansehen, Werbung zu treiben, werden Medikamente häufig in ihren Beiträgen beim Namen genannt und verglichen. Das zweite grosse Thema ist das Internet. Die Informationsverbreitung über das Internet – gar nicht zu reden vom noch grösseren Problem des Vertriebs – kann von keiner nationalen Behörde kontrolliert werden. Heute gibt es bereits Tausende von Websites, die Gesundheitsinformationen – darunter auch Angaben über Medikamente – vermitteln. Das Internet unterläuft die staatliche Regulierung zum Zwecke des Konsumentenschutzes und tut eines: Es lässt die Frage nach der Mündigkeit des Heilmittelkonsumenten weiterhin unbeantwortet.
Samuel Helbling

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