Poster Publicity eröffnet Zürcher Filiale

Die internationale Out-of-Home-Mediaagentur Poster Publicity eröffnet eine Filiale an der Zürcher Dufourstrasse.

Die internationale Out-of-Home-Mediaagentur Poster Publicity eröffnet eine Filiale an der Zürcher Dufourstrasse.Die unabhängige Agentur mit Hauptsitz in London und Anschluss an Netzwerke in Amerika, Fernost, Ost- und Westeuropa realisierte hierzulande bereits Kampagnen mit einem Volumen von über einer Million Franken. Im Jahr 2000 setzte Poster Publicity in mehr als 60 Ländern weltweit Out-of-Home-Kampagnen um – die Gruppenbillings beliefen sich auf über 200 Millionen US-Dollar. Auf Grund einer stärkeren Nachfrage von Kunden habe sich – so die Geschäftsleiter der Zürcher Filiale Winfried Karst und Michael Braun – auch in der Schweiz die Notwendigkeit einer lokalen Dependance ergeben. Obwohl der Markt verhältnismässig klein sei, verfüge
er über einen beachtlichen Out-of-Home-Anteil von immerhin 12 Prozent.
Die Gründung der Poster-Publicity-Niederlassung in Zürich solle nun zur Erleichterung der zielgruppenaffinen und kreativen Planung sowie der Analysen beitragen. Braun und Karst sind als Managing Directors auch
in Deutschland und Österreich tätig. Hierzulande wird Manuela Krähenbühl als Country Manager die Agenturleitung übernehmen. In ihrer neuen Position will sich die 29-Jährige im Out-of-Home-Bereich «mit zielgerichterer Planung sowie neuen Tools positionieren». (ko)

Branchenhits

(4. Quartal 2000)(Werte = Index «Supporters» der Anzeige gegenüber dem Durchschnitt aller Anzeigen der Branche; 1,00 = Durchschnitt = 100%)

(4. Quartal 2000)(Werte = Index «Supporters» der Anzeige gegenüber dem Durchschnitt aller Anzeigen der Branche; 1,00 = Durchschnitt = 100%)Best of Print AdvertisingDie Anzeigenhits 2000 aus dem Advertising-Index des Marktforschungsinstituts Demoscope
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der
Resultate aus dem Advertising-Index (AX Print). Dieser Index (siehe Kasten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigensujets. In den oberen beiden Reihen befinden sich jene Sujets, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe (siehe Windrose) die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die
bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, im 4. Quartal 2000 am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top three» gezeigt.
(4. Quartal 2000)

(Werte = Index «Supporters» der Anzeige gegenüber dem Durchschnitt aller Anzeigen der Branche; 1,00 = Durchschnitt = 100%)
Informatik Bluewin Zug (Wirz) 1,1Banken/Kreditkarten/Post Die Post Postfinance (Publicis) 2,2
Tourismus Air Mauritius Beruf verheiratet (PRW) 1,2
Telekommunikation Orange Mehr sprechen (Euro RSCG) 1,2
Haushalt Miele Cat & Dog 1,6
Advertising-IndexFür die Anzeigentests des Advertising-Index wird in acht Befragungswellen ein repräsentatives Sample von zirka 800 Personen befragt. Die befragte Person absolviert zuerst einen psychologischen Test (50-Item-Test) und blättert anschliessend ein Zeigeheft mit 45 Anzeigen durch. Wie beim Lesen einer Zeitschrift steht es ihr auch im Test frei, bei jeder Anzeige so lange zu verweilen, wie sie will. Vor dem Weiterblättern bewertet sie die Anzeige anhand einer Notenskala von 5 («spricht mich sehr an») bis 1 («spricht mich überhaupt nicht an»). Als «Supporter» werden Personen bezeichnet, die durch eine Anzeige «sehr» oder «ziemlich» angesprochen werden. Die auf diese Weise ermittelte Akzeptanz der Werbung korreliert stark mit andern Funktionen der Werbewirkung und eignet sich deshalb fürs Benchmarking.
Für die Segmentierung des Samples nach Zielgruppen benutzt der Market Radar einen psychografischen Test, den so genannten 50-Item-Test. Mit Hilfe dieses Tests werden die Wertvorstellungen der befragten Person ermittelt und einem der Psychogrammfelder zugeordnet (siehe Windrose). Die Wertorientierungen reichen von Süd (konservativ) nach Nord (progressiv) und von West (aussengerichtet, materialistisch) nach Ost (innengerichtet, idealistisch).
Weitere Informationen zum Advertising-Index und zum Market Radar sind bei Demoscope erhältlich. Planungsunterstützung mit dem Advertising-Index, dem Radar und neu
mit dem Print-Advertising-Monitor (PAM) vermittelt die Publimedia.

Gebremste Anzeigenerosion bei Zeitschriften

Der Februar machte dem Inseratemarkt insgesamt keine Freude

Der Februar machte dem Inseratemarkt insgesamt keine FreudeSowohl der kommerzielle als auch der Stelleninseratemarkt haben einen unrühmlichen Februar hinter sich. Einzig die Wochenzeitungen präsentierten nach wie vor eine gute Performance.Die Entwicklung der kommerziellen Inserate hat im Februar alles andere als zu Freude Anlass gegeben. Allerdings hatte dieser Monat im laufenden Jahr einen Werktag und damit eine Ausgabe weniger, was das unbefriedigende Resultat ein wenig relativiert. Laut Flächenstatistik der Schweizer Presse/VSW waren die kommerziellen Anzeigen bei den Zeitungen in allen drei Landesteilen rückläufig. In der deutschen Schweiz betrug das Minus 5,7 Prozent, in der Romandie
6,6 Prozent – lediglich das Tessin kam bei einem Verlust von «nur» 0,7 Prozent mit einem blauen Auge davon.
Dank des Stelleninseratevolumens, das zwar ebenfalls deutlich langsamer wuchs als in den Vormonaten, wurden diese unschönen Werte bei den kommerziellen Anzeigen immerhin etwas nach oben korrigiert. In der Deutschschweiz reichte es sogar noch zu einem leichten Zuwachs von
1,2 Prozent. Das Gesamtresultat in der Romandie wurde immerhin auf minus 2,4 Prozent hochgezogen. Im Tessin waren hingegen auch die Stelleninserate rückläufig (minus 13,3 Prozent), womit der Gesamtverlust im Südkanton mit minus 2,1 Prozent ebenfalls deutlich ausfiel.
Grosse Zeitungen sackten ab – Lokomotive Wochenzeitungen
Am meisten erwischt hat es im kommerziellen Anzeigenmarkt die grossen Zeitungen (Auflagen über 50000 Exemplare), die in der Deutschschweiz 11,4 Prozent und in der Westschweiz sogar 18,1 Prozent einbüssten. Noch schwieriger war der Stand der kleinsten Zeitungen (Auflagen unter 10000 Exemplare); sie lagen in der deutschen Schweiz gar um 28,3 Prozent und im Tessin um 9,1 Prozent im Rückstand.
Einziger Lichtblick unter den Zeitungen waren im Februar die Wochenzeitungen, die bereits
seit Monaten Topresultate in Serie erzielen. Mit einem Plus von 6,6 Prozent bei den kommerziellen Anzeigen schlossen sie erneut deutlich überdurchschnittlich ab. Nimmt man noch den Zuwachs bei den Stellen um 56 Prozent hinzu, kommen die Wochentitel auf ein Plus von 8,8 Prozent. In der Westschweiz ging die Post bei den Wochenzeitungen mit einem Zuwachs von 20,4 Prozent auch ohne Nachhilfe aus dem Stellenmarkt ganz schön ab.
Wenig zu lachen hatten aber sowohl die Anzeiger, die 4,6 Prozent Inseratevolumen verloren, als auch die Landwirtschaftspresse, die mit 5,3 Prozent ihren Krebsgang fortsetzte.
Für die Zeitschriften war die Erosion im Februar immerhin nicht mehr ganz so stark wie im Januar. Gesamtschweizerisch haben sie aber doch 1,1 Prozent Anzeigen verloren, und dies trotz zusätzlicher Ausgaben. Besonders gross ist das Loch mit minus 34 Prozent im Tessin, während den Deutschschweizer Zeitschriften ebenfalls 3,7 Prozent Inserate fehlten. Nur gerade im Westschweizer Zeitschriftenmarkt ging es mit einem Gewinn von 11,6 Prozent erfreulich vorwärts.
Der Publicitas-Index der Werbeausgaben in der Tagespresse, der die Umsätze in Franken misst und in dem ebenfalls die Stellenanzeigen integriert sind, zeichnet die aktuelle Entwicklung etwas freundlicher. Der Index stieg um 0,4 Punkte, was allerdings beinahe einer Halbierung des noch im Januar realisierten Wachstums entspricht.
Daniel Schifferle

Muse & Musse: Sandra Haldi

Muse & MusseSandra HaldiWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Sandra Haldi: Das Ronny-Jordan-Konzert – wegen «So what!» Was sonst?Was lesen Sie gerade?Haldi: «Die Terroristen» von Sjöwall/Wahlöö (schwedisches K

Muse & MusseSandra Haldi
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Sandra Haldi: Das Ronny-Jordan-Konzert – wegen «So what!» Was sonst?
Was lesen Sie gerade?
Haldi: «Die Terroristen» von Sjöwall/Wahlöö (schwedisches Krimiautorenduo) mit Suchtpotenzial.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Haldi: «Fresh Mood»/Swerve.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Haldi: «A bout de souffle» von Jean-Luc Goddard, schon nur wegen des jungen Jean-Paul.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Haldi: «Colombo».
Welche ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Haldi: www.TheSpark.com (wegen des IQ-Tests).
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Haldi: Kaffee am Morgen.
Liebe ist…?
Haldi:…zum Glück unberechenbar.

Best of North-West

(4. Quartal 2000)Affinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland»

(4. Quartal 2000)Affinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland»Best of Print AdvertisingDie Anzeigenhits 2000 aus dem Advertising-Index des Marktforschungsinstituts Demoscope
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der
Resultate aus dem Advertising-Index (AX Print). Dieser Index (siehe Kasten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigensujets. In den oberen beiden Reihen befinden sich jene Sujets, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe (siehe Windrose) die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die
bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, im 4. Quartal 2000 am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top three» gezeigt.

Gebühren subventionieren Spots

Eine SW-Podiumsdiskussion in Lugano zeigt die Fallstricke des neuen Radio- und Fernsehgesetzes auf

Eine SW-Podiumsdiskussion in Lugano zeigt die Fallstricke des neuen Radio- und Fernsehgesetzes aufVon Piero Schäfer*32 Parlamentarier sowie 35 Vertreter der Medien- und Kommunikationsbranche haben in Lugano an einer vom Verband Schweizer Werbung (SW) veranstalteten Podiumsdiskussion über das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) teilgenommen. Fazit: Das Gesetz bleibt umstritten.
Nach dem letzten SW-Parlamentarier-Talk in Bern hatte der Tessiner Ständerat Filippo Lombardi angeregt, die Gesprächsreihe an der Session in Lugano fortzusetzen. Das RTVG vermochte eine bemerkenswerte Zahl von Interessenten zu mobilisieren: Über 60 Gäste kamen ins Hotel de la Paix.
Nachdem Marc Furrer, Direktor des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), das Konzept des neuen Gesetzes skizziert hatte, lobte SRG-Generaldirektor Armin Walpen die Basis für den Gesetzestext. Sie sei vortrefflich, weil sie die Realitäten der Schweiz exakt widerspiegle. Auch wenn er sich den Leistungsauftrag an die SRG ein bisschen weniger anspruchsvoll gewünscht hätte, begrüsste Walpen auch den klaren Auftrag zum Service Pu- blic. Ebenfalls positiv beurteilt der SRG-Generaldirektor die Absicht des Gesetzgebers, wonach die SRG im Bereich Fernsehen weiterhin sowohl mit Konzessionsgeldern als auch über Werbung finanziert werden soll. Probleme sieht Walpen vor allem in den Normen für die Umsetzung. Gegenüber der heutigen Situation seien mehrere Einschränkungen und Kontrollen vorgesehen. Er fragt sich insbesondere, ob der Staat sich nicht Verantwortlichkeiten aufbürde, die ihn letztlich überforderten.
Tamedia will zwölf Minuten Werbezeit pro Stunde
Christian Staerkle, Präsident des Verbandes Privatradio Suisse (VPS), begrüsste die Idee des Dualismus bei den Radios (Gebühren für SRG, Werbung für Private). Er stellte allerdings die Frage, ob die vorgeschlagene begrenzte Ausschüttung von Konzessionsgeldern an die Radios in Bergregionen das Richtige sei. Werbeverbote (beispielsweise für alkoholische Getränke) für Schweizer Radios hält Staerkle für absurd, solange ausländische Stationen grenzüberschreitend für Produkte werben könnten, für die hierzulande ein Verbot gelte.
Grundsätzlich beurteilt Staerkle den RTVG-Entwurf als praktikabel. Mehr Vorbehalte bringt er beim Fernsehen an. Hier sei Dualismus leider nicht vorgesehen. Das führe zu einer Marktverzerrung: Da die SRG nicht allein über Werbung, sondern auch über Gebühren finanziert werde, könne sie die Spotpreise am Markt diktieren. Das heisse, die Gebühren subventionierten gewissermassen die Spotpreise.
Die Vernehmlassung zum RTVG läuft bis Ende April. Gegenwärtig veröffentlichen immer mehr Verbände und Interessengruppen ihre Stellungnahmen dazu. Die Tamedia hatte einen Tag vor der SW-Veranstaltung ihr Papier versandt. Darin fordert die Betreiberin von TV 3 eine Umverteilung der Werbezeit (asymmetrisches Modell): Die SRG solle sechs Minuten pro Stunde werben dürfen, die Privaten aber zwölf Minuten.
Gemäss Armin Walpen würde die SRG bei dieser Asymmetrie rund 150 Millionen Franken an Werbeeinnahmen verlieren, was in etwa den Aufwendungen für das Tessiner Programm entspreche. Überdies gehe aus dem Papier nicht hervor, ob die Halbierung nur für DRS-Sender oder auch für TV-Stationen der Romandie und des Tessins gelten solle. Der SRG-Chef zweifelt daran, ob diese 150 Millionen Franken denn auch tatsächlich in der Kasse der Schweizer Privaten landeten. «Die Werbung hat die dumme Angewohnheit, nicht dorthin zu gehen, wo sie darf, sondern dorthin, wo sie glaubt, ihr Zielpublikum zu finden», stellte er fest.
Auch Bakom-Direktor Marc Furrer ist sich sicher, dass beim Vorschlag der Tamedia die Werbung viel mehr den grossen ausländischen Sendern zufliessen würde. «So altruistisch sind wir nicht, dass wir ein Gesetz machen, das im Prinzip die deutschen und französischen Privatsender begünstigt», meinte er.
Ende letzten Jahres hatte Ständerat und SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter eine Initiative eingereicht, die eine Liberalisierung bei der Unterbrecherwerbung und bei Werbung für leichte Alkoholika für Private vorsieht. Auf diesen Vorstoss angesprochen, gab sich Walpen grosszügig. Man sei bei der SRG bereit, zugunsten «der Freunde der kommerziellen Konkurrenz» auf diese Möglichkeit zu verzichten. Auch Walpen sieht in der Tatsache, dass ausländische Sender in der Schweiz für alkoholische Produkte werben dürfen, etwas Stossendes. Insofern unterstützt der SRG-Generaldirektor den Vorschlag des SW-Präsidenten.
*Piero Schäfer ist
SW-Kommuunikationsleiter
Erst wenig Reaktionen

Rund 170 Verbände und Organisationen sind zur Vernehmlassung des neuen RTVG gebeten worden. Bisher haben sich vorab Verbände geäussert, die vom Gesetz wenig betroffen sind. Die Reaktionen sind laut Furrer durchaus kritisch. Kein Wunder: Das Gesetz provoziert. Bundesrat Moritz Leuenberger hat stets gesagt, dass er nicht bereits im Vorfeld mit Verbänden diskutieren wolle. Er werde später seine Schlussfolgerungen ziehen. Immerhin, dem Grundmodell des dualen Systems, starke SRG und liberalere Ordnung für die Privaten, wird gemäss Bakom-Chef Marc Furrer weitgehend zugestimmt.

Advantage Graf

Bertelsmann startet Marketingoffensive

Bertelsmann startet MarketingoffensiveDie DirectGroup Bertelsmann lanciert ihr Buchklubgeschäft in Deutschland neu, führt Spezialklubs ein und hat in den USA den E-Mail-Marketinganbieter zooba.com mit 2,3 Millionen Abonnenten übernommen. Ausserdem soll Tennisstar Stefanie Graf als Mediapartnerin der deutschen Klubs die Marketingoffensive der Buchklubs stützen. Graf, die in Sachen Medien als «Heavy User» bezeichnet wird, soll für Bertelsmann im Bereich Fitness/Wellness ein Buch, eine CD-Rom sowie ein audiovisuelles Projekt realisieren. Graf bekannte auf der Leipziger Buchmesse, ihre Lieblingsbücher seien Autobiografien. DirectGroup-Vorstandsvorsitzender Klaus Eierhoff setzt bei seiner Marketingoffensive weltweit auf den Ausbau von Spezialklubs, die derzeit nach eigenen Angaben in den USA monatlich rund 200000 neue Mitglieder über das Internet gewännen. Die online weltweit generierten Umsätze der Buchklubs liegen laut Bertelsmann heute schon bei rund 150 Millionen Mark.
Die Übernahme von zooba
.com reiht sich ein in eine neue Multichannelstrategie von DirectGroup. Zooba.com wird Bertelsmann als Contentchannel nutzen, mit dem individualisierte
E-Mails zur Neukundengewinnung als Sales-Tool verschickt werden können. Für Eierhoff geht es darum, dem multioptionalen Kunden auf allen seinen Kaufwegen zu begegnen. Damit verknüpft Bertelsmann New mit Old Economy. Denn «reine Onlineanbieter werden Schwierigkeiten bekommen, wenn sie nicht zusätzliche Vertriebswege bedienen», meinte Eierhoff. Bertelsmann, in beiden «Economys» zuhause, hat in den USA rasch festgestellt, dass der Anteil der Multichannelkunden steigt. Carlo Bernasconi

Vorerst nur werktags

Tobias Trevisan relativiert das NZZ-Interesse an der Weltwoche

Tobias Trevisan relativiert das NZZ-Interesse an der WeltwocheVon Markus KnöpfliIn der Branche wurde erwartet, dass der Verwaltungsrat (VR) der Neuen Zürcher Zeitung AG (NZZ) am 17. März über die Lancierung einer Sonntagszeitung – mit oder ohne Weltwoche – entscheiden würde. Doch dem war nicht so, und das wird gemäss Tobias Trevisan, NZZ-Verlagsleiter Zeitungen, auch in nächster Zeit nicht der Fall sein.
«Am 17. März wird der Verwaltungsrat der NZZ über die Lancierung der Sonntagszeitung entscheiden», schrieb Facts am 8. Februar 2001 und spekulierte, dass die NZZ die Weltwoche kaufen und daraus eine Sonntagszeitung machen würde.
  Doch Tobias Trevisan, Verlagsleiter Zeitungen bei der NZZ, am 19. März von der WerbeWoche zum Ausgang der VR-Sitzung befragt, bezeichnete den Facts-Bericht als Ente. Es sei weder über ein Projekt Sonntagszeitung befunden worden noch habe der NZZ-VR getagt, sagte er. Es stimme zwar, dass derzeit eine Arbeitsgruppe, der auch er angehöre, prüfe, ob die NZZ einen Sonntagstitel machen könne und wolle. «Die Arbeit dieser Gruppe ist aber noch nicht abgeschlossen, es liegen weder Berechnungen noch Szenarien vor, weshalb ein Projekt Sonntagszeitung auch an den nächsten VR-Sitzungen kein Thema sein wird», sagt Trevisan.
Nun hatte aber der stellvertretende NZZ-Chefredaktor Kenneth Angst im November dem Tages-Anzeiger signalisiert, dass für eine NZZ-Sonntagszeitung eine «Kooperation» mit der Weltwoche möglich wäre. Bald hiess es in der Branche, die NZZ erwäge einen Kauf des Titels. Dazu hält Trevisan fest, dass Angst seine Aussage auf Grund einer «Grobstudie» gemacht habe, die untersucht hatte, wo die NZZ publizistisch aktiv werden könnte. Konkrete Vorschläge habe sie nicht enthalten, höchstens Aussagen darüber, welche bestehenden Titel von einer bestimmten Aktivität tangiert werden könnten. So sei beim Sonntagsmarkt eben auch die Weltwoche erwähnt gewesen. Aber erst auf Grund dieser Grobstudie habe die NZZ entschieden, den Sonntagsmarkt zu untersuchen, umschreibt Trevisan die Bedeutung der Studie. Und fügt hinzu: «Weil noch keine Vorschläge vorliegen, wissen wir auch nicht, ob wir ein Interesse an der Weltwoche haben. Deshalb haben wir mit der Basler Mediengruppe bisher weder über einen Verkauf noch über den Preis der Weltwoche geredet.»
Nun haben auch Tamedia und Ringier, beide Besitzer eines Sonntagsblattes, Interesse an der Weltwoche angemeldet – möglicherweise bloss, um den Preis in die Höhe zu treiben und Konkurrent NZZ vom Eintritt in den Sonntagsmarkt abzuhalten. Versucht Trevisan nun im Gegenzug, mit seinen Aussagen das tatsächliche NZZ-Interesse an der Weltwoche herunterzuspielen? Dazu Trevisan: «Die Interessen der anderen Verlage kenne ich nicht. Doch die Unruhe um die Weltwoche ist von uns nicht gewollt. Unsererseits hat dies aber zu einer offeneren Information über unser Sonntagsprojekt geführt.»

Der Kult ums Fähnlein

Grosser Bahnhof letzte Woche im Cinemaxkomplex im Zürcher Steinfelsareal. Premiere für den neuesten Schweizer Film «Das Fähnlein der sieben Aufrechten».

Grosser Bahnhof letzte Woche im Cinemaxkomplex im Zürcher Steinfelsareal. Premiere für den neuesten Schweizer Film «Das Fähnlein der sieben Aufrechten».Von Beat Fritsch Die Besetzungsliste lockt auch mit unorthodoxen Namen wie Popsternchen Kisha und Chef-Snöber Fabien Rohrer, der sich als überraschende Entdeckung erwies. Produziert wurde die Keller-Novelle unter anderem von den Werbefilmern Hans G. Syz und Reiner Roduner, und für Syz wars auch gleich der Aufbruch in eine neue Zukunft. Er will künftig nur noch Spielfilme machen und übergab das Spotgeschäft an Roduner (siehe WW 10/01).
Leicht nervös sah man die Produzenten vor Filmbeginn am Empfangsdesk stehen. Anscheinend hatte man sich etwas verkalkuliert, es kamen mehr Gäste, als Sitze vorhanden waren. Roduners Organisationstalent sei Dank fand aber letztlich jede Besucherin und jeder Besucher in einem der Säle ein Plätzchen. Eine
leicht divenhafte Nervosität war auch bei Futurecom-CD Christian Erni zu spüren. Sein jüngerer Bruder Lukas Erni hat das «Fähnlein»-Projekt mit Syz angerissen und mit produziert. Und eine misslungene Premiere hätte den grossen Bruder ebenso geschmerzt. Gut stiessen Brigitte und Bruno Widmer noch zur Gruppe. So konnte sich Erni mit einer beruflichen Diskussion ablenken, derweil uns Brigitte Widmer bereits jetzt den 2000er-Brancaia vom hauseigenen Weingut als einen Spitzenjahrgang ankündigte. Erni konnte übrigens beruhigt sein. Wie viele andere kommentierte auch René Hürlimann von Euro RSCG, in Begleitung von Ursula Schaffner, den Film wohlwollend: «Neunzig Minuten Superunterhaltung ohne Unterbrecherwerbung.»
PR-Schwergewicht Klaus J. Stöhlker und Ehefrau Paula sah man in Begleitung von Christa Zeller und Orange-VR-Mitglied Hans-Jürg Schürmann. Endlich konnten wir dem PR-Doyen eine Frage stellen, die schon lange auf der Zunge brannte. Stöhlkers Söhne sind auf die Namen Fidel und Raoul getauft, wie Kubas
Maximo Lider und dessen Bruder. «PR-Gag oder echte Kubaverehrung, Herr Stöhlker?» Er liebe Kuba und sei schon fasziniert von Castro, wie er den Amerikanern – deren Massenkultur auch ihm zuwider sei – gelegentlich auf der Nase herumtanze, diktierte Stöhlker dem Shortlistautor in seiner jovial-patriarchalen Art ins Notizbuch. Und die Namensgebung hinge tatsächlich mit seiner Bewunderung für den bärtigen Kubaner zusammen – das mit dem Bruder wäre dann aber ein Zufall gewesen, dem er erst später auf die Spur gekommen sei.
Auch Filmprominenz war vor Ort. Beim Apéro im benachbarten Back & Brau trafen wir auf Simone Krebs sowie Christine und Martin Fueter. Christine Fueter wird möglicherweise ins Komödienfach wechseln. Jedenfalls ist sie nach einem Autorenseminar von Charles Lewinsky auf Grund ihres eingesandten Skripts in die nähere Auswahl möglicher Autoren für SF DRS aufgenommen worden. Weiterführende Gespräche hätten ebenfalls schon stattgefunden.
Ein Grossteil des Werbernachwuchses zog es vor, statt der Filmpremiere die am selben Abend stattfindende Party des Szenemagazins Kult zu besuchen. Sie ging im legendären Roxy über die Tanzfläche, welches dank Rainer Kuhn nun wenigstens wieder einmal im Monat an die guten alten Zeiten anknüpfen kann. An Kuhns Kultpartys sieht man mittlerweile auch Wiederholungstäter, die in den Achtzigern selbst als junges Gemüse den Club frequentierten. Flavia Schlittler kam mit Headhunterin Hélène Müller, und auch Christophe Guye sah man seit langem wieder einmal am Tresen des ehemaligen In-Schuppens. Er diskutierte mit Yves Spink – das Roxy war früher übrigens sein Wohnzimmer –, und man fragte sich natürlich, ob der Christophe dem Frank Bodin wohl seinen FE-Producer abspenstig machen will.
Beat Fritsch

auf Film- und Partytour: Endlich stand mal wieder die Premiere eines Schweizer Films auf dem Programm, der schon mit seinen Hauptdarstellern poppig daherkommt. Und dann gabs auch noch eine der Kultpartys, die ab sofort jeden Monat steigen werden.
Wer sonst in der Kommunikationsbranche an Premieren und Partys anzutreffen ist, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Grosses Plakat, kleine Wirkung

Keine Plakatstelle ist gleich, und alle Passanten lassen ihre Blicke woanders hin schweifen.

Keine Plakatstelle ist gleich, und alle Passanten lassen ihre Blicke woanders hin schweifen.Deshalb sind korrekte Messungen über die Wahrnehmung von Plakaten schwierig. Die Wirkungsforschung spricht darum von einem Massenmedium ohne definiertes Zielpublikum. Trotzdem geniesst das Plakat viel Vertrauen. Auf welche Messmethode mehr oder weniger Verlass ist, sagt Wolfgang Koschnick im abschliessenden Teil seiner Serie über Plakatforschung. Seite 16

Guter Rat muss nicht teuer sein

Fachleute bieten auf Expertenportalen ihr Wissen an – für Risiken und Nebenwirkungen wird nicht gehaftet

Fachleute bieten auf Expertenportalen ihr Wissen an – für Risiken und Nebenwirkungen wird nicht gehaftetVon Christian WeishauptExpertenportale sind derzeit im Web stark im Kommen. Sie sollen Internetnutzern bei der Informationsbeschaffung helfen. Die Kontrolle der Onlineexperten indes ist schwierig und bleibt zum grossen Teil den Benützern der Plattformen überlassen.
Der Tausch von Informationen zwischen einzelnen Personen über das Internet ist ein alter Hut. Schon lange erfüllen E-Mail und Newsgroups diese Funktion. Seit etwa eineinhalb Jahren gibt es aber auch im Internet Dienste für den Wissenstausch, die User in einem Mass verbinden, wie es mit Newsgroups nie möglich gewesen wäre. Auf so genannten Expertenportalen beantworten Leute, die sich in einem Gebiet besonders gut auskennen, die Fragen anderer Benützer des Portals – gratis oder gegen eine Entschädigung.
Auch Schweizer mischen
international mit
Ein Schweizer Expertenportal mit Expansionsdrang ist Wetellyou. com. Im September gegründet, bietet es seine Dienste inzwischen auf allen Kontinenten an. Wie andere Frage-&-Antwort-Dienstanbieter will auch Wetellyou den bisher kleinen Nutzerkreis durch Kooperationen mit Portalen vergrössern. In der Schweiz wurden unter anderem Verträge mit Sunrise.ch, Surfeu.ch oder MSN.ch geschlossen. In Kürze sollen auch T-Online, und Swissonline zu den Kunden zählen, die Wetellyou für ihr eigenes Angebot lizenzieren.
Auf Wetellyou kann sich der Ratsuchende direkt an einen Experten seiner Wahl wenden und ihm seine Frage unterbreiten. Der Experte meldet sich dann per Telefon oder E-Mail. Onlinefachmann in einem bestimmten Gebiet kann jeder werden. Wetellyou überprüft nicht die Qualifikation der Experten und übernimmt auch keine Verantwortung für die erteilten Ratschläge.
Gefragt ist der gesunde Menschenverstand der Nutzer, die in den allgemeinen Geschäftsbedingungen darauf hingewiesen werden, dass der Dienst kein Ersatz für professionelle Beratung ist. Hilfe bei der Einschätzung der Experten bietet wenigstens das Mitgliederbewertungsprogramm, bei dem die Experten nach ihren bisher erteilten Ratschlägen benotet werden. Ein grosser Teil der Experten ist allerdings bisher arbeitslos und ohne Benotung geblieben. Offensichtlich trauen noch nicht allzu viele Schweizer den Onlineratgebern.
Dies, obwohl Wetellyou für Ratsuchende bisher kostenlos ist. Experten geben ihren Rat derzeit vor allem, um sich für den angekündigten Release des Portals einen guten Namen zu schaffen. Dann, so CEO Stephan Widmer, werden die Experten die Möglichkeit haben, für ihre Dienste einen Preis zu verlangen. 30 Prozent des Expertentarifes wird Wetellyou kassieren.
Der B2B-Bereich verspricht
höhere Umsätze
Offenbar sind viele User bereit, für Experten zu bezahlen. Beim amerikanischen Expertenportal Inforocket.com können die Infosuchenden den Wert der Antwort auf einer Skala von 10 bis 75 Dollar bestimmen. Ein Augenschein zeigt, dass nicht wenige gleich 75 Dollar oder mehr anbieten. Inforocket.com behält davon 20 Prozent für sich und erzielt hohe werbeunabhängige Einkünfte.
Bei der Suche nach Einnahmen bieten Expertenportale ihre Software auch Firmen zur Einbindung in deren Intranet an. Laut Widmer sind auch bei We tellyou.com Vorbereitungen für ein Pilotprojekt im B2B-Bereich im Gange. Das Knowledge Management Tool für Firmenintranet soll aus drei Hauptmodulen bestehen: einem Expertenmodul, ähnlich dem Fragen-&-Antwort-Portal im Internet, einem Document Manager zum Teilen von Inhalten und einem Projektmodul zur Bildung virtueller Teams.
Immer noch auf Consumer ausgerichtet ist Hurra.de (http:// hurra.de). Die Plattform funktioniert ähnlich wie Wetellyou.com, allerdings sind die Auskünfte teils kostenpflichtig. Dabei gibt nicht der Experte an, was eine Auskunft kostet, sondern der Ratsuchende, was sie ihm wert ist. Hurra.de schlägt einzelne Experten vor, die die Information zum vorgeschlagenen Preis oder gratis liefern wollen. Der vom Experten ausgewählte Experte bekommt dann die ganze Prämie.
Die Einnahmen durch Bannerwerbung ergänzt Hurra.de also nicht mit Provisionen auf erteilten Ratschlägen, sondern mit Eintragungen diverser Anbieter in die Spezialsuchmaschine der Plattform. Diese bietet den Nutzern neben der Expertenplattform und einer Auswahl von zwei Dutzend bekannter Suchmaschinen einen dritten Weg zur Infobeschaffung in bisher neun spezifischen Themengebieten.
Die Suchmaschine funktioniert nach dem Pay-per-Click-System: Anbieter können angeben, wie viel sie für einen Besucher bezahlen möchten, der über den Suchdienst von Hurra.de auf ihre Seite geleitet wird. Wer mehr zu zahlen bereit ist, rangiert im angezeigten Suchergebnis weiter oben. Mindestangebot für einen Eintrag in den vorderen Plätzen ist 0,1 Euro pro Klick. Der Nachteil dieses Systems: Die ersten Suchresultate müssen nicht unbedingt die besten oder die relevantesten sein.
Laut René Schweier, Kommunikationsverantwortlicher bei Hurra.de, machen die Einnahmen aus dem Pay-per-Click-System derzeit 30 Prozent aus. Schweier über die Zukunft von Expertenportalen: «Derzeit sind sie sicher ein Modethema wie vor etwa zwei Jahren Onlineauktionen. Ich denke, dass sie wohl die beste Möglichkeit bieten, gezielt Informationen zu bekommen.»
Amerikanische Expertenportale

Askme.com ist für Konsumenten gratis und konzentriert sich vermehrt auf den Businessbereich. Kooperation mit Goto Networks.
Inforocket.com beschränkt sich auf den Consumerbereich. Ratsuchende geben an, wie viel sie für eine Information zu zahlen bereit sind, Gratisanfragen sind nicht möglich. Kooperation mit Looksmart.
Exp.com besitzt das strengste Expertenkontrollsystem und will sich damit von der Konkurrenz absetzen. Ko-Branding-Partnerschaft mit Ask Jeeves.
Keen.com legt den Schwerpunkt auf die Telefonberatung. Arbeitet mit Ebay zusammen.

«Die gewählte Kooperation stärkt die Position jedes Mitgliedes»

Für Publicitas-Chef Ernst Grab generiert die Mittelland Zeitung attraktive Volumina

Für Publicitas-Chef Ernst Grab generiert die Mittelland Zeitung attraktive VoluminaAb Januar 2002 spannt die Aargauer Zeitung mit Solothurner Zeitung, Oltner Tagblatt und Zofinger Tagblatt zur drittgrössten Zeitung der Schweiz zusammen. Dadurch werden wirtschaftlich verknüpfte Gebiete unter einem Zeitungsdach vereint. Für die Publicitas und die AZ Media erwächst daraus auch eine neue Form der Zusammenarbeit.Was ist eigentlich der grosse Vorteil der Kooperation, wie sie jetzt zwischen Aargauer Zeitung und Neuer Mittelland Zeitung zu Stande gekommen ist? Oder anders gefragt: Weshalb macht sie mehr Sinn als eine Partnerschaft mit der Berner Zeitung (BZ) oder dem Bund respektive der NZZ, die ebenfalls mitverhandelten?
Ernst Grab: Ein ganz wichtiger Punkt: Mit dieser Kooperation wird der Wirtschaftsraum Mittelland zwischen den beiden mächtigen Polen Bern und Zürich gestärkt. Als gemeinsamer Block haben die vier beteiligten Titel mittel- und langfristig sehr gute Überlebenschancen. Entscheidend ist zudem, dass das Gebiet zwischen Baden und Solothurn unter ein einziges Zeitungsdach kommt, denn dieser Raum macht als gemeinsamer, homogener und starker Werbemarkt Sinn.
Wenn nun aber doch Bern oder Zürich zum Zuge gekommen wären, welches wären dann die Nachteile gewesen?
Grab: Sowohl in die eine oder andere Richtung wäre dies auf eine Trennung der drei Partner der Neuen Mittelland Zeitung hinausgelaufen. Aber sich auseinanderreissen zu lassen, hat keiner dieser drei langjährigen Partner gewollt. Und was man auch nicht vergessen darf: Der Raum Aarau–Olten–Zofingen ist in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zu einem Wirtschaftsraum zusammengewachsen. Die Mittelland Zeitung führt jetzt auch diese Region wieder zusammen.
Und das ganze Szenario mit der Berner Zeitung – weshalb wäre dies die schlechtere Lösung gewesen?
Grab: Der Kanton Solothurn wäre dabei wohl entzweigerissen worden – der eine Teil in Richtung Bern und der andere in Richtung Aargau. Das wäre aber nicht glücklich gewesen. Zwar sind die Wirtschaftsräume kantonsübergreifend, doch innerhalb solcher wirtschaftlich zusammengehörender Gebiete spielen die Kantone nach wie vor eine gewichtige Rolle. Durch eine Anbindung an die Region Bern wäre aber nicht nur ein Kanton, sondern sogar der gesamte Wirtschaftsraum Mittelland entzweigeteilt worden. Und das mit negativen Folgen sowohl für den Marktraum als auch für die beteiligten Zeitungstitel. In einer Kooperation mit der Berner Zeitung hätten Letztere zudem mehr Autonomie abgeben müssen, als das jetzt mit der Mittelland Zeitung der Fall ist. Denn wie das Beispiel im Berner Oberland zeigt, tendieren die Berner mit ihren Partnern zu deutlich stärker integrierten Zusammenarbeitsmodellen.
Wie funktioniert denn nun das Modell Mittelland Zeitung?
Ernst Grab: Für das Inserategeschäft spielt die Aargauer Zeitung in dieser Kooperation die Rolle der Lokomotive. Denn sie hat aus dem nationalen Werbemarkt mehr Seiten als die heutige Neue Mittelland Zeitung. Durch die Zusammenarbeit werden diese zusätzlichen Volumina auch in das Gesamtangebot eingebracht. Zu einem grösseren Teil zumindest wird das sicher gelingen. Als Folge werden daher die drei Titel Solothurner Zeitung, Oltner Tagblatt und Zofinger Tagblatt, die heute weniger nationale Werbung haben, grössere Volumina aus dem nationalen Markt erhalten.
Hat man berechnet, wie hoch die Zunahme sein wird?
Grab: Natürlich haben wir Berechnungen angestellt, aber dabei handelt es sich um komplexe Kalkulationen, die auch mit Unsicherheiten behaftet sind. Deshalb möchte ich im Moment nur so viel sagen: Es wird ein attraktives zusätzliches Volumen sein.
Die Publicitas wird für die Vermarktung der Mittelland Zeitung mit der AZ Media, der Verkaufsorganisation der Aargauer Zeitung, eng zusammenarbeiten. Lehnt sich dieses Modell an diejenigen Modelle an, die zum Beispiel die Neue Luzerner Zeitung oder die Südostschweiz bereits anwenden?
Grab: Nein, was wir bei der Mittelland Zeitung machen, ist anders gelagert. Wir haben heute mit den Verlegern der Neuen Mittelland Zeitung (Solothurner Zeitung, Oltner Tagblatt, Zofinger Tagblatt) einen Regievertrag und eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Aargauer Zeitung. In Zukunft ist die Grundlage der Zusammenarbeit ein Vertrag zwischen den Verlegern der Mittelland Zeitung und Publicitas über die Promotion, den Verkauf und die Abwicklung der Anzeigen. In diesem Vertrag wird die ausschliessliche Bewirtschaftung des Anzeigenmarktes Publicitas übertragen, mit der Einschränkung, dass die Verkaufsorganisation der AZ Media als zweiter Verkaufskanal ebenfalls die Mittelland Zeitung vermarktet. Die Mittelland Zeitung wird also über zwei Verkaufskanäle verfügen.
Das tönt aber nach einer konfliktträchtigen Konstruktion. Wie wird die Koordination der beiden gehandhabt?
Grab: So wie wir das geplant haben, ist diese Organisation nicht konfliktanfällig. Ein Leitungsausschuss, in dem die Verlagsleiter der beteiligten Zeitungen und Publicitas vertreten sind, wird die Marktbearbeitungsstrategie festlegen und den Verkauf und die Abwicklung koordinieren.
Die Partner der Mittelland Zeitung haben nicht aufgehört zu betonen, die nun gewählte Kooperation sei überhaupt nicht zwingend nötig gewesen. Das ist doch aber nur die halbe Wahrheit?
Grab: Es ist weise, etwas zu tun, solange man nicht mit dem Rücken zur Wand steht. Im Moment boomt der Werbemarkt. Wir sind heute in der glücklichen Situation, in der es allen Regionalzeitungen gut geht. Aber man muss auch längerfristig planen: Wenn der Stellenmarkt und die Werbeausgaben wieder zurückgehen, könnte es für einzelne Regionalzeitungen schwierig werden. Die gewählte Kooperation stärkt die Position jedes einzelnen Mitgliedes. Sie führt zu Mehrerträgen, und das hilft wiederum, Reserven zu bilden für die härteren Zeiten. Das gilt ebenso für andere Zeitungssysteme, die sich frühzeitig neu strukturiert haben und die aus einer starken Position heraus eventuell in eine allfällige Krise hineingeraten könnten. Sollte sich je wieder eine ähnlich dramatische Situation einstellen wie Anfang der Neunzigerjahre, werden solche Zeitungssysteme überleben können, davon bin ich überzeugt.
Interview: Daniel Schifferle
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