Die MA Leader 2001 zeigt Print-Reichweiten und diverse Mediennutzungen der LeaderVon Markus KnöpfliWie schon die Mach Basic 2000 ist auch die MA Leader 2001 wegen der Erhebungsmethode nach Lesern pro Ausgabe (LpA) nicht mehr mit ihrer Vorgängerstudie vergleichbar. Trends sind deshalb keine abzuleiten. Dennoch ist die Studie aufschlussreich, etwa im Blick auf den Sonntagszeitungsmarkt.
Zum ersten Mal kommt auch bei der MA Leader 2001 die härtere, nach dem Europastandard ermittelte Reichweite LpA zum Einsatz. Für die MA Leader liess die AG für Werbemedienforschung (Wemf) zwischen dem 7. September und dem 13. Dezember 2000 insgesamt 2992 Interviews durchführen.
Der Titel, der mit Abstand am meisten gelesen wird, ist die Sonntagszeitung (SoZ) aus dem Hause Tamedia mit 77000 Lesern unter den Leadern und 43000 Lesern unter den Top-Leadern. Auch bei den Tageszeitungen steht mit dem Tages-Anzeiger ein Produkt aus dem gleichen Medienkonzern bezüglich Leader an der Spitze (55000), dicht gefolgt von der NZZ, die 54000 Leader anspricht. Bei den Top-Leadern steht hingegen die NZZ mit 36000 Lesern an der Spitze, der Tagi erreicht bei dieser Zielgruppe noch 30000 Leser.
In Bern sind Bund und Berner Zeitung (BZ) sehr nahe beieinander, doch hat die BZ bei den Leadern die Nase vorn: Sie kommt auf 21000 Leader, der Bund auf 18000, beide erreichen hingegen 10000 Top-Leader. Auf den ersten Blick ist dies für den Bund – die «Berner NZZ» – ein schwaches Ergebnis. Bedenkt man aber, dass er dieses Resultat mit einer um mehr als 50 Prozent kleineren Auflage erreicht, so steht der Bund nicht schlecht da.
Bei den Wochenzeitungen wird das aus dem Ringierkonzern verlegte Cash am meisten von Führungskräften gelesen (59000 Leader), gefolgt von der Weltwoche (43000), der HandelsZeitung (41000) und Finanz und Wirtschaft (30000). Bei den Top-Leadern muss die Weltwoche ihren Platz mit der HandelsZeitung tauschen.
Ein Vergleich mit den Zeitschriften zeigt: Cash steht besser da als Facts und kommt nahe an die NZZ heran, während Facts die gleichen Zahlen erreicht wie der Tages-Anzeiger.
Das Magazin bleibt trotz
Auflagenhöhe weit zurück
Weil künftig der Sonntagsmarkt stärker umkämpft sein könnte, lohnt sich ein Vergleich von SonntagsBlick (SoBli), SoZ und Weltwoche: Die SoZ ist mit einem Vorsprung von 44000 Leadern auf die Weltwoche unangefochten, diese und der SoBli liegen jedoch bloss um 1000 Leader auseinander. Bei den Top-Leadern kann sich die Weltwoche dann allerdings um 5000 Leser vom SoBli distanzieren. In diesem Zusammenhang gibt auch Das Magazin zu denken: Auch wenn es die Leader mit der gleichen Auflage wie der Tagi erreicht, stösst es bei diesen doch auf ein vermindertes Interesse.
In der Westschweiz fällt die Spitzenposition von Le Matin (dimanche) auf – 29000 Leader. Mit der Leader-Reichweite von 58 Prozent erreicht er zudem einen Wert, den in der Deutschschweiz kein Titel auch nur annähernd erreicht.
Werbung in Zeitungen halten Leader für sehr glaubwürdig
Neben Reichweiten und Kontaktqualitäten gibt die MA Leader auch Auskunft über die Nutzung des Internets und anderer Medien durch die erhobene Zielgruppe. So nutzen 89 Prozent der Leader das Internet für E-Mails,
79 Prozent benützen Suchmaschinen. 74 Prozent konsultieren Fahrpläne, 65 Prozent rufen tagesaktuelle News ab, und immerhin 57 Prozent surfen zur Unterhaltung.
Leader informieren sich zu 53 Prozent zuerst aus Zeitungen, aber nur 19 Prozent via Fernsehen und 12 Prozent via Internet oder WAP. Werbung finden sie am glaubwürdigsten in Zeitungen (35 Prozent) und am ansprechendsten im TV (39 Prozent). Werbung am TV wird gleichzeitig am störendsten empfunden (64 Prozent).
per definitionem: Leader und Top-Leader
Um von der Wemf berücksichtigt zu werden, müssen Leader mindestens 20 Jahre alt, in der Deutsch- oder der Westschweiz wohnhaft und mindestens zu 50 Prozent erwerbstätig sein. Sie führen als Selbstständige einen Betrieb mit vier oder mehr Angestellten, als Freiberufliche haben sie eine höhere Ausbildung und als Angestellte eine leitende Funktion mit Entscheidungskompetenzen. Das persönliche Jahreseinkommen eines Leaders beträgt 90000 Franken oder mehr. Die Leader-Grundgesamtheit umfasst 215000 Führungspersönlichkeiten, 165000 in der Deutschschweiz, 50000 in der Romandie.
Top-Leader sind darüber hinaus als Freiberufliche auch
Arbeitgeber von mindestens einem Mitarbeiter, als Angestellte stehen sie mindestens einem Mitarbeiter vor. Ihr Jahreseinkommen beträgt 120000 Franken plus. Zu den Top-Leadern werden 106000 Personen gezählt, 84000 in der Deutschschweiz und 22000 in der Westschweiz.
Interessant ist auch, wer nicht dabei ist
Nicht von der MA Leader erheben liessen sich Brückenbauer und CoopZeitung, die beiden grössten Schweizer Titel. Was hier noch nachvollziehbar ist, erstaunt bei der grössten Tageszeitung, dem Blick, schon eher. Schliesslich sind Leader oft auch (Cervelat-)Promis und kommen im Blick häufig vor.
Ebenfalls nicht auf der Liste zu finden sind die Aargauer Zeitung und die Neue Mittelland Zeitung, die derzeit gar nicht müde werden zu betonen, wie wirtschaftlich relevant ihre Region sei.
Vergeblich sucht man auch die Pendlerzeitungen 20 Minuten und Metropol. Was jedoch weit mehr erstaunt: Sämtliche Frauenmagazine glänzen durch Abwesenheit, auch jene, die angeblich aufstrebende, gut gebildete und gut verdienende Frauen ansprechen. Eine Chance verpasst haben auch Programmzeitschriften, suchen doch gemäss MA Leader 38 Prozent der Leader Entspannung zuerst beim Fernsehen. Schliesslich glänzen das TCS-Blatt Touring sowie sämtliche Autotitel mit Abwesenheit. Als ob Leader ausschliesslich zu Fuss gingen.
Im Gegensatz zur letzten MA Leader machen aber Westschweizer Zeitungen und Zeitschriften wieder mit. Ihr damaliger Entscheid, fernzubleiben, war offenbar nicht allzu bekömmlich gewesen.
Leader – Top-Leader
Die Reicheweite der Printmedien
Leader Top-Leader
LpA Projektion LpA %1 LpA Projektion LpA %2
Deutschsprachige Zeitungen
Basler Zeitung 16 000 9,7 8 000 9,9
Berner Zeitung GES 21 000 12,7 10 000 11,8
Bund 18 000 11,0 10 000 11,7
Cash 59 000 35,8 32 000 38,3
Die Südostschweiz GES 14 000 8,5 7 000 7,7
Finanz und Wirtschaft 30 000 18,2 19 000 22,8
HandelsZeitung 41 000 24,8 26 000 31,0
Neue Luzerner Zeitung GES 18 000 10,7 8 000 9,6
Neue Zürcher Zeitung 54 000 32,6 36 000 42,3
SonntagsBlick 42 000 25,6 19 000 23,1
SonntagsZeitung 77 000 46,4 43 000 50,6
St.Galler Tagblatt GES 14 000 8,5 6 000 7,5
Tages-Anzeiger 55 000 33,2 30 000 36,0
Die Weltwoche 43 000 26,0 24 000 28,1
Deutschsprachige Zeitschriften
Bilanz 69 000 41,8 42 000 50,0
Facts 56 000 33,8 30 000 35,0
Das Magazin 44 000 26,9 25 000 29,7
NZZ-Folio 74 000 44,6 44 000 52,5
Der Spiegel 24 000 14,4 12 000 14,2
Vinum 20 000 12,1 11 000 12,7
LpA Projektion LpA %3 LpA Projektion LpA %4
Westschweizer Zeitungen
24 Heures 14 000 28,9 7 000 30,2
Agefi 6 000 11,7 4 000 19,6
dimanche.ch 13 000 25,7 6 000 27,1
Le Temps 17 000 34,5 10 000 44,7
Le Matin (dimanche) 29 000 58,0 12 000 56,9
Le Matin (lu-sa) 16 000 32,2 7 000 30,6
Tribune de Genève 11 000 21,6 6 000 26,5
Westschweizer Zeitschriften
Bilan 23 000 46,7 12 000 53,8
L’Hebdo 22 000 43,7 10 000 46,4
1 = bezogen auf 165000 Leader Deutschschweiz 3 = bezogen auf 50000 Leader Westschweiz2 = bezogen auf 84000 Top-Leader Deutschschweiz 4 = bezogen auf 22000 Top-Leader Westschweiz