Edipresse in Form

Der Westschweizer Verlag setzt weiterhin auf gedruckte Medien

Der Westschweizer Verlag setzt weiterhin auf gedruckte MedienVon Anita VaucherDas Westschweizer Verlagshaus Edipresse kann auch dieses Jahr ein erfreuliches Geschäftsergebnis präsentieren. Übermütig wird man aber in diesem Familienunternehmen trotzdem nicht. Den Herausforderungen der Zukunft will man mit Flexibilität und neuen Konzepten begegnen.
In einem von Wirtschaftswachstum geprägten konjunkturellen Klima konnte die Westschweizer Mediengruppe im Geschäftsjahr 2000 erneut eine Ergebnisverbesserung verzeichnen. Der Umsatz stieg von 678 Millionen auf 730 Millionen Franken (plus 7,7 Prozent). Zu diesem guten Ergebnis hat insbesondere das Anzeigengeschäft beigetragen. Das Werbevolumen dehnte sich um 12,3 Prozent aus und stieg damit von
308 Millionen (1999) auf 346 Millionen Franken (2000).
Le Matin Dimanche – mit der grössten Auflage der Edipresse-Titel – hat bezüglich Anzeigenvolumen die neue Konkurrenz von dimanche.ch nicht zu spüren bekommen. Der Reingewinn beträgt 40,2 Millionen Franken,
was eine Zunahme von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Der Cashflow belief sich 2000 auf 83 Millionen Franken gegenüber 76 Millionen im Jahr 1999.
Die Gruppe investierte im vergangenen Jahr insgesamt 22,4 Millionen Franken in neue Projekte (gegenüber 9 Millionen Franken im Vorjahr).
Edipresse verzichtet weiterhin
auf TV-Projekte
Für das Westschweizer Verlagshaus wird das gedruckte Medium auch weiterhin Vorrang haben. Die elektronischen Medien würden immer nur den verlängerten Arm bilden, verkündete le grand Patron Pierre Lamunière anlässlich der Medienkonferenz. Der Verlag hätte auch keine Absicht, sich an TV-Projekten zu beteiligen, doppelte er nach.
Obwohl 52,2 Prozent des Verlagsumsatzes für das Jahr 2000 im Ausland realisiert wurden, hat nach den Worten von Lamunière der Schweizer Markt immer noch erste Priorität bei den strategischen Überlegungen. Schliesslich machten die hohe Qualität und die Verlagskultur in diesem Markt den Erfolg im Ausland aus, meinte er weiter.
Interessiert ist Edipresse nach wie vor an aufstrebenden Märkten, vor allem in den Oststaaten, weil hier keine kostspieligen Investitionen getätigt werden müssen und ein grosses Marktpotenzial vorhanden ist. Seit März dieses Jahres ist Edipresse mit dem Magazin Viva neu auch auf dem russischen Markt präsent. Ausserdem könnte der Verlag dereinst auch mit Südamerika und Asien liebäugeln, erklärt Lamunière.
Stolz vergleicht Lamunière im Zusammenhang mit der Wachstumsstrategie Edipresse und die anderen Verlagshäusern: Von zehn neu lancierten Produkten würden normalerweise im Zeitraum von drei Jahren ein bis zwei Produkte erfolgreich sein. Sechs bis zehn seien es bei Edipresse.
Neue Konzepte und Flexibilität für erfolgreiches Überleben
Als grosse Herausforderungen für die Verlagsbranche in der nächsten Zukunft sieht Lamunière die Internationalisierung grosser Verlagsgruppen und die damit verbundene Sättigung der Märkte, aber auch die Entwicklung der Gratiszeitungen und der voraussehbare konjunkturelle Einbruch für die zweite Hälfte 2001. Für das langfristige Überleben eines Verlags erachtet er es als unabdingbar, neue Konzepte zu entwickeln, da der Lebenszyklus eines Produktes immer kürzer werde. Zudem seien bei der Investition in Produkte während einer konjunkturellen Flaute die stärksten Titel zu berücksichtigen – und last but not least gelte es, eine rigorose Kostenkontrolle zu handhaben.
Edipresse-gruppe in Zahlen (Geldwerte in Tausend Franken) 2000 1999 %

Umsatz 729 710 677 716 + 7,7
Betriebsergebnis vor
Abschreibungen 98 111 93 403 + 5,0
Cashflow 83 211 76 288 + 9,1
Reingewinn 40 161 36 842 + 9,0
Investitionen 63 558 55 248 + 15,0

Muse & Musse: Oli Kreienbühl

Muse & MusseOli KreienbühlWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Oli Kreienbühl: Sigmar Polke im Kunsthaus Zürich. Alles mit Raster find ich sowieso gut.Was lesen Sie gerade?Kreienbühl: Die «Schachnovelle» von S

Muse & MusseOli Kreienbühl
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Oli Kreienbühl: Sigmar Polke im Kunsthaus Zürich. Alles mit Raster find ich sowieso gut.
Was lesen Sie gerade?
Kreienbühl: Die «Schachnovelle» von Stefan Zweig. Spannend wegen der Entwicklung von Leidenschaft zu Obsession.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Kreienbühl: Hösli & Riccardo, «Blau».
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Kreienbühl: «Vertigo». Wegen des faszinierend langsamen Filmtempos, der Detailgenauigkeit und der Komplexität.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Kreienbühl: «TV Total» wirkt auf Dauer ermüdend.
Welche ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Kreienbühl: www.kak.ru
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Kreienbühl: Auf Kommunikation.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Kreienbühl: Gibt es überhaupt freie Minuten ohne Werbung?
Liebe ist…?
Kreienbühl: …rot.

Laika will mit Service wachsen

Jürg Neuenschwander ist Gründer und Inhaber der im Zürcher Seefeld ansässigen Agentur Laika.

Jürg Neuenschwander ist Gründer und Inhaber der im Zürcher Seefeld ansässigen Agentur Laika.Das aus drei Mitarbeitern bestehende Unternehmen bietet Services im Bereich Grafik und Projektmanagement an. Sacha Singh zeichnet als Grafiker für die Gestaltung, Umsetzung und Adaption von Werbe- und Promotionsmitteln verantwortlich. Jürg Neuenschwander betreut zusammen mit Philipp Fürst das Projekt-, Produktions- und Eventmanagement. Bevor der Agenturleiter sich selbstständig machte, war er in verschiedenen Zürcher Werbeagenturen als Produktionsleiter tätig. Nun leitet er die Grafic Media Factory and Broking AG, kurz Laika, seit Anfang Jahr. Die Agentur betreut Direktkunden wie Calida, Bank Sal. Oppenheim, die Ingenieurfirma TBF+Partner und die im Treuhand- und Beratungsbereich tätige BDO Visura. Im Kundenportfolio finden sich aber auch Werbeagenturen wie Matter & Partner und Hesskiss. Gemäss Neuenschwander soll die Agentur bis Ende Jahr auf fünf Mitarbeiter wachsen. (dz)

Aufgefallen: Aber näi au, wiä gseesch dänn duu us? Zum Glück gits Persil…» pflegte die propere Hausfrau in der Waschmittelwerbung ihrem naturverbundenen Sohnemann zu sagen.

AufgefallenAber näi au, wiä gseesch dänn duu us? Zum Glück gits Persil…» pflegte die propere Hausfrau in der Waschmittelwerbung ihrem naturverbundenen Sohnemann zu sagen. Der Sohnemann ist inzwischen älter geworden, und seine Freude am Naturwüch

Aufgefallen Aber näi au, wiä gseesch dänn duu us? Zum Glück gits Persil…» pflegte die propere Hausfrau in der Waschmittelwerbung ihrem naturverbundenen Sohnemann zu sagen. Der Sohnemann ist inzwischen älter geworden, und seine Freude am Naturwüchsigen hat nicht nachgelassen, schliesslich werden die heutigen Waschmittel mit jedem Schmutz fertig. Und im Zeitalter der Gleichberechtigung wühlt die Tochter auch lieber im Dreck als im Haushalt. Schliesslich ist clean out, zumindest für die Modehäuser Dior und Sisley. In den aktuellen Freiluftsujets müssen sich die weiblichen und männlichen Models erst einmal gehörig im Dreck wälzen, bis ihr Look anzeigenwürdig ist. Während Dior auf schmierig-ölige Mechanikerschwärze setzt, schickt Sisley seine Kleiderträger ins feuchte Unterholz. Fazit: Zum Glück gibts Kleider, Pariser, Persil, Duschdas und keine «Expedition Robinson» mehr. Chandra Kurt
Kolumne

Ungerechte Welt
Von Peter Lesch
Vom Kolumnenschreiben kann man heute in der Schweiz nicht mehr leben. Darum sind die meisten Kolumnisten tot oder üben einen normalen bürgerlichen Beruf aus. Einzig Walter Bosch kann sich als Kolumnist eine Beteiligung an Star-TV leisten, als Unternehmer im Silicon Valley tätig sein und noch Werbeflächen auf Heckfenstern von Autos verkaufen.
Während der Wirtschaftsjournalist von der Autoindustrie immer die neuesten Luxuskarossen zur Verfügung gestellt bekommt, ist der Kolumnist noch daran, die letzten 19 Raten seines Occasions-Skodas abzustottern. Wundern müsste er sich auch über seinen Kollegen aus dem Ressort Fremde Länder – Fremde Sitten, der, wenn er fliegt, das nur erste Klasse und auf Einladung des lokalen Tourismusoffice tut, während sich der Kolumnist auf eigenes Risiko 14 Stunden in einen Sitz der Touristenklasse zwängt.
Zu denken geben sollte ihm auch der Kollege Kulturredaktor, der – unterstützt vom Lektor des Verlags, für den er soeben die Neuerscheinung im Blatt rezensiert hat – einen Cheval Blanc 82 in sich hinein giesst, während sich der Kolumnist in der Kantine für ein laues Zweierli Worrenberger brav in die Schlange stellt. Ganz zu schweigen vom Kollegen für kulinarische Berichte. Ihn bekommt der Kolumnist nur zu sehen, wenn er zwischen zwei Golfweekends auf der Redaktion aufkreuzt, um die Einladung an das von Pommery gesponserte Elefantenpoloturnier in Kuala Lumpur abzuschicken.
Diese Beispiele sind dem Kolumnisten ein Fingerzeig, sich Gedanken über seine Altersvorsorge zu machen. Denn wer nicht das Ziel von Bestechung ist, stellt in der Presselandschaft keinerlei Wert dar. Was sich gravierend aufs Honorar auswirkt. Daher sind in Zukunft auch die Zeilen in dieser mies bezahlten Kolumne für sämtliche Wirtschaftskreise käuflich. Angebote sind zu richten an: Peter. [email protected].
Peter Lesch ist Inhaber von Lesch+Frei, ZürichSprachbeobachterSpralchemie II – Wie lange sind wir noch flüssig?
Besitz bindet. Ein Haus lässt sich nicht transportieren und heisst deshalb Immobilie. Früher verharrte auch das Geld noch am Ort, weil es an seine physische Form gebunden war: Münzen, Goldbarren, Edelsteine. Vor tausend Jahren war Geld noch eine Immobilie. Wenn ein reicher Mann seine Schätze transportierte, kam er so schwer voran, dass ihn die Räuber bloss vom Pferd zu stossen brauchten, und schon kullerten ihm die Reichtümer aus den Taschen.
Im Mittelalter war das Geld fest und schwer. Erst mit der Industrialisierung und dem Kapitalismus gewann es seine bisweilen schwer erträgliche Leichtigkeit. Karl Marx schrieb im «Kapital» sinngemäss: Das Geld hat eigene Gesetze. Auch wenn wir glauben, es zu beherrschen, beherrscht es doch uns, denn seine Gesetze sind unumstösslich. Wie ein Bach, der den Weg ins Tal findet, geht auch das Geld den Weg des geringsten Widerstands; es folgt der Schwerkraft. Geld ist intelligent, seine Bestandteile wissen voneinander. Sie bewegen sich aufeinander zu, so kommt das Geld zum Geld und landet dort, wo die Rendite am höchsten ist – und die Besteuerung am niedrigsten.
Bedient sich das Geld des menschlichen Charakters oder handelt es sich um ein physikalisches Gesetz? Begriffe wie der Geldkreislauf oder die Frage, ob man flüssig sei, zeigen den Aggregatszustand des Geldes. Es ist flüssig – und rinnt uns oft durch die Finger.
Doch etwas verändert sich: Auf einmal kommt das Geld aus der Wand, es ist auf einer Karte und ist doch nicht dort, es reist mit Lichtgeschwindigkeit durch Glasfaserkabel, es fliesst nicht mehr, es fliegt, es wird ätherisch, es wird virtuell, es geht in den gasförmigen Zustand über, es verdunstet.
Zum Beispiel MP3: Der Nachteil des Handels im Internet besteht darin, dass die bestellte Ware meist nicht übers Netz geliefert werden kann. Beim Gemüse wird noch eine Weile dauern, was bei der Musik bereits Alltag ist: die Übermittlung ohne Datenträger. Womit die so genannte Musikbranche Probleme hat, ist die Tatsache, dass Musik nicht mehr an einen physischen Träger gebunden ist, dass sie wieder geworden ist, was sie immer schon war: immateriell. Die Musikbosse haben nicht mit der Musik gerechnet.
Aber soll das Immaterielle, wenn es schon gratis ist, mit materiellen Werten wie Geld bezahlt werden? Offenbar schon. Denn mit der Erfindung der Kreditkarte ist auch das Geld immateriell geworden, und Digitales wird in Zukunft schon aus Bequemlichkeit vorwiegend gegen Digitales getauscht werden.
Vom festen über den flüssigen zum gasförmigen Zustand: Wenn im Labor die Temperatur steigt, beginnen sich die Atome rascher zu bewegen, und ein Stoff erwärmt sich. Dadurch kann sich der Aggregatszustand ändern: Wasser wird bei 0 °C flüssig und bei 100 °C gasförmig. Aluminium schmilzt bei 660 °C und verdampft bei 2470 °C.
Verhält sich Geld wie ein chemisches Element? Beginnt es sich durch die wachsende Zahl von Marktteilnehmern schneller zu bewegen, so dass sich seine Betriebstemperatur erhöht? Heisst es statt Bist du flüssig? schon bald: Windets? Regiert Geld die Welt? Misst man ihm zu viel Bedeutung bei, wenn man sagt, die Erhitzung des Finanzkreislaufs bewirkt, dass sich die Welt immer schneller dreht?
Beat Gloor, www.textcontrol.ch

Ein kleines Stelldichein am Nierentisch

Das Museum für Kommunikation in Berlin zeigt eine Ausstellung über WunderbareWerbeWelten

Das Museum für Kommunikation in Berlin zeigt eine Ausstellung über WunderbareWerbeWeltenMacher, Marken und Mechanismen» heisst es im Untertitel zur Ausstellung «WunderbareWerbeWelten». Die Show im Berliner Museum für Kommunikation ist noch bis zum 26. August geöffnet.Werbung als Kommerz, Kunst oder ideologisches Instrument: Weniger historisch als im Musée de la publicité in Paris (WW 15/01), sondern mehr gesellschaftlich analytisch wird die Geschichte der Werbung in Berlin dokumentiert. Das Museum an der Leipziger Strasse 16 zeigt nach einem Konzept von Helmut M. Bien und Angelika Kroll-Marth eine vielschichtig und damit auch didaktisch zusammengestellte Ausstellung.
«Die Gegenüberstellung von Warenwelt und wahrer Welt
hat ihre Brisanz verloren» sowie «Die mobilen Möglichkeiten unseres Lebens und der globale Horizont haben nicht nur der Werbung immer mehr Spielmaterial zugeführt, sondern auch ihren Adressaten und Adressatinnen neue Optionen eröffnet», fasst Joachim Kallinich, der Direktor des Museums für Kommunikation in Berlin, die wichtigsten Stimmungen seiner Ausstellung zusammen.
Zur Ausstellung gibts auch
einen gut gemachten Katalog
Neben der Geschichte des ADC Deutschland, Werbung in der Nachkriegszeit oder – erstmals aufgearbeitet – Werbung in der DDR werden auch die Themen Marketing, Werbewirkung, Werbemedien, Werbewelten oder Werbekult zur Schau gestellt.
Die These: «Die Werbung hat heute die Funktion übernommen, die früher die Kunst hatte: die Vermittlung ästhetischer Inhalte ins alltägliche Leben», wird da zum Beispiel zur Diskussion gestellt. Weitere Themen kreisen um die Bereiche Event, Lizenzen, Sponsoring, Marketing oder «Werbeerfolg dank Abweichen von der Norm.»
Zur Sprache gebracht werden alle diese in der Ausstellung mit vielen Objekten und Filmclips visualisierten Ideen gleichzeitig in einem Buch. Der Katalog zur Ausstellung ist auf 200 Seiten nicht nur mit vielen wichtigen und raren Dokumenten illustriert.
Unter den Texten finden sich auch prominente Stimmen von Fachleuten mit höchst aktuellen Gedanken, zum Beispiel über den Agenturalltag bei Scholz & Friends, die RTL-Story oder Analysen zum «Medium als Marke» bis zum Text «Schumi auf Tempo» oder sonstwie «Prominente in der Werbung».
Der Katalog «WunderbareWerbeWelten» ist unter der ISBN 3-926318-93-7 erhältlich. Weitere Informationen dazu können über www.museumsstiftung.de abgerufen werden. Andreas Panzeri

«Die Sehgewohnheiten sind starr, wir haben das unterschätzt»

Marc Görtz, Geschäftsführer Sat 1 Schweiz, will die Latte für TV-Formate höher setzen

Marc Görtz, Geschäftsführer Sat 1 Schweiz, will die Latte für TV-Formate höher setzenDas Aus von «täglich ran» auf dem Programmfenster von Sat 1 hat einmal mehr gezeigt, wie schwierig es ist, mit Schweizer Formaten Publikum zu holen. Marc Görtz, Geschäftsführer, will deshalb künftig viel strengere Anforderungen an neue Eigenproduktionen stellen (siehe auch Seite 21).Marc Görtz, welches sind die Gründe für das Scheitern von «täglich ran»?
Marc Görtz: Die Sendung hatte zu wenig Zuschauer. An unserer Ungeduld hat es nicht gelegen: Seit dem Start der Sendung vor 14 Monaten wurde «täglich ran» immer wieder optimiert. Wir haben qualitative Verbesserungen gemacht, wir haben den Zeitpunkt verschoben, wir haben die Sendung verlängert. Doch die Zuschauerzahlen haben sich viel zu langsam entwickelt. Irgendwann mussten wir einfach sagen: Die Zuschauer wollen auf Sat 1 keine Schweizer Sportnewssendung sehen.
Wie haben sich die Marktanteile seit dem Start der Sendung Anfang März 2000 entwickelt?
Görtz: Wir hatten am Schluss einen Marktanteil von 2,4 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, kaum mehr als beim Start der Sendung vor 14 Monaten. Im vergangenen Dezember hatten wir aber das Ziel festgelegt, bis Juni mindestens einen Marktanteil von 5 Prozent in der Zielgruppe zu erreichen.
Klingt aber dramatisch, wenn es keine Spur vorwärts gegangen ist.
Görtz: Einen leichten Aufwärtstrend gab es schon, das belegen die absoluten Zuschauerzahlen: Von März bis Juli 2000 hatten wir in der Zielgruppe 3+ 22000 Zuschauer, von August bis Dezember rund 30000, und von Januar bis April 2001 gings nochmals leicht rauf auf 32000. Das sind zwar Steigerungen, aber natürlich auf einem viel zu tiefen Niveau. Innerhalb eines Jahres hätten mindestens 80000 Zuschauer erreicht werden müssen.
Welche Lehren ziehen Sie aus diesem jüngsten Flop der Schweizer Privat-TV-Geschichte?
Görtz: Die Absetzung als Flop des Privat-TV zu bezeichnen ist falsch. Es ist bei jedem Sender, ob privat oder öffentlich-rechtlich, normal, wenn Sendungen, die ihre Ziele nicht erreichen, abgesetzt werden. Das Beispiel «täglich ran» zeigt einfach, wie enorm schwierig es ist, mit Schweizer Sendungen Publikum von SF DRS wegzuholen. Diese Schwierigkeit hat nichts mit Qualität zu tun. «täglich ran» war diesbezüglich eine Topsendung, besser kann man Sportnews nicht machen. Aber die Sehgewohnheiten sind enorm starr. Das haben wir unterschätzt. Diese bittere Erfahrung haben auch alle anderen privaten TV-Anbieter in der Schweiz machen müssen.
Wie sehen die Zahlen der anderen Schweizer Sat-1-Formate aus?
Görtz: Da sind durchaus Lichtblicke. Von den drei anderen Sendungen sind zwei erfolgreich: «1x tägl.» macht uns viel Freude und entwickelt sich prächtig. Der Marktanteil liegt bereits bei 7 Prozent – angefangen hatten wir damals mit 2 Prozent. «1x tägl.» wird bald regelmässig 100000 Zuschauer erreichen. Allerdings braucht auch das noch etwas Zeit. Aber weil bei dieser Sendung ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen ist, erhält sie diese Zeit auch zugestanden. Sehr zufrieden sind wir mit «live ran» am Sonntag. Wir können dort super Zahlen verzeichnen und wachsen stetig, von Spiel zu Spiel. Es zeigt sich: Schweizer Live-Sport funktioniert sogar dann, wenn man ihn auf einem ausländischen Kanal bringt.
Einmal funktionieren Sportsendungen, ein andermal nicht. Können Sie das erklären?
Görtz: Die Sportnews haben
im Unterschied zum Live-Sport einen wahnsinnig schweren Stand. Eine schmerzhafte Erfahrung, die notabene nicht nur wir, sondern auch unsere deutschen Partner machen mussten. Sat1 Deutschland hat jahrelang an ihrem «täglich ran» herumexperimentiert und alles Mögliche ausprobiert. Man hat den Sendeplatz hin- und hergeschoben, die Sendung mal länger, mal kürzer gemacht und schliesslich in die News integriert. Heute ist «täglich ran» keine eigenständige Sendung mehr, sondern sozusagen der sportliche Wurmfortsatz der Nachrichtensendung um 18.30 Uhr. Offensichtlich will das Publikum keine Sportnewssendungen. Das müssen wir akzeptieren.
Aber auch «Sport aktuell» auf SF DRS bringt Sportnews und holt damit trotzdem viel mehr Zuschauer als das abgesetzte «täglich ran».
Görtz: Berauschend sind deren Zahlen auch nicht gerade. «Sport aktuell» profitiert allerdings vom Vorteil, dass die Sendung erst um 22.20 Uhr ausgestrahlt wird und diverse Live-Events mitnehmen kann, die am gleichen Abend stattgefunden haben. Das bringt ihr Publikum.
Die Schliessung des Schweizer Programmfensters zwischen 19.55 und 20.15 Uhr signalisiert auch Resignation. Ziehen Sie sich von diesem Sendeplatz nun definitiv zurück?
Görtz: Für den Moment sicher. Aber noch offen ist, ob wir damit auch gleich auf weitere Sportsendungen verzichten werden. Wir hatten «täglich ran» in erster Linie gemacht, um «live ran» am Sonntag zu stützen. An dieser Strategie hat sich nichts geändert. Sollten wir uns dafür entscheiden, würde das aber sicher keine tägliche, sondern vielleicht eine
wöchentliche Sendung geben.
Aber das Experimentieren hat mit dem Aus für «täglich ran» wohl doch einen Dämpfer erhalten. Darf man trotzdem auch künftig noch neue Eigenproduktionen von Sat1 Schweiz erwarten?
Görtz: Selbstverständlich. Wir haben von vier Sendungen eine eingestellt. Damit ist die Optimierung nicht abgeschlossen. Klar ist aber, dass neue Sendungen nur ins Programm kommen, wenn sie in kurzer Frist refinanzierbar sind.
Wie viel Defizit hat «täglich ran» bisher verursacht?
Görtz: Dazu möchte ich nichts sagen.
Aber die Sendung ist wohl im tiefroten Bereich stecken geblieben.
Görtz: Ja, das ist so. Denn eine solche Sendung zu produzieren ist wahnsinnig teuer. Wir beschäftigten allein für die Redaktion elf Leute. Entsprechend hatten wir massive Verluste zu beklagen, die uns jetzt zum Handeln gezwungen haben.
«Die Quiz Show», eins zu eins von Sat1 übernommen, soll es nun richten. Welche Verbesserungen der Zuschauerzahlen erwarten Sie?
Görtz: «Die Quiz Show» läuft in Deutschland extrem gut. Sie kommt auf einen Marktanteil von rund 18 Prozent. So viel werden wir in der Schweiz sicher nicht holen, aber mit zwischen 4 und
5 Prozent Marktanteil rechne ich auch bei uns. Interview: Daniel Schifferle

Da warens nur noch drei

Schweizer Programmfenster von Sat 1 zieht sich vom Sendeplatz 20 Uhr zurück

Schweizer Programmfenster von Sat 1 zieht sich vom Sendeplatz 20 Uhr zurückVon Daniel Schifferle14 Monate strampelte «täglich ran» vergeblich nach Zuschauern. Jetzt ersetzt ein weiteres Gewinnspiel nach dem Strickmuster von «Wer wird Millionär?» den erfolglosen Schweizer Fussballmix. Die Eigenproduktionen von Sat 1 Schweiz schrumpfen damit auf drei; zwei davon sind im Aufwärtsstrend.
Schweizer Sportfans hat das tägliche Menu auf Sat 1 nicht geschmeckt: Am 18. April hatte «täglich ran» seinen letzten Anpfiff. An seiner Stelle wird seit 19. April wieder das normale Programm von Sat 1 gezeigt. Statt eines sportlichen Themenmix aus der Schweiz gibt es jetzt das Gewinnspiel «Die Quiz Show», die ähnlich funktioniert wie «Wer wird Millionär?» und in Deutschland bereits ein Publikumserfolg ist.
Leichten Herzens hat man «täglich ran» aber nicht aus den Händen gegeben. Erst Ende August 2000 hatte Sat 1 Schweiz die Sendung weiterentwickelt und ausgebaut. Deren Dauer wurde beinahe verdoppelt und der Sendeplatz um fünf Minuten auf 19.55 Uhr vorverschoben, mit dem Ziel, die Zapper nach der SF-DRS-«Tagesschau» abzuholen. Gleichzeitig ging man mit Blick ein Sponsoring ein und hatte in der Folge tägliche Blattpräsenz. Doch diese Anstrengungen haben wenig gebracht. Am Schluss hatte «täglich ran» einen Marktanteil von 2,4 Prozent, kaum mehr als beim Start der Sendung vor 14 Monaten (siehe auch Interview mit Marc Görtz, Geschäftsführer Sat 1 Schweiz, auf Seite 5).
«live ran» und «1x tägl.»
sind im Aufwärtstrend
Keine vergleichbaren Sorgen plagen «live ran», das sonntägliche Schweizer Fussballfenster auf Sat 1. Im Unterschied zu «täglich ran» sind die Zuschauerzahlen bei den dort gezeigten Live-Spielen in einem stetigen Aufwärtstrend (siehe Grafik). Und auch mit «1x tägl.», das vor dem Ausbau Ende August des vergangenen Jahres ebenfalls noch ein Sorgenkind war, geht es vorwärts. Ab Ende August 2000 war
die vorherige monothematische Kurzsendung zur 25-minütigen Arzt-Praxis-Doku-Soap ausgebaut und auf 18.30 Uhr vorverschoben worden.
Beim Publikum sind die Änderungen gut angekommen, wie die laufend aufwärts zeigenden Zuschauerzahlen belegen: Lag der Marktanteil im ersten Halbjahr nach dem Start von «1x tägl.» noch bei schwachen 1,4 Prozent, ging es zwischen August und Dezember 2000 rauf auf durchschnittlich 4 Prozent und in den ersten vier Monaten 2001 sogar auf 6,5 Prozent.
Weiterhin in der Experimentierphase steckt hingegen der Kinoguide «The Movie Club». Ende August hatte man die Flucht nach vorn angetreten. Doch auch das neue Konzept mit Verdoppelung der Sendezeit auf zehn Minuten und Ausbau auf fünf Ausstrahlungen pro Woche wurde jetzt mangels Publikums erneut über den Haufen geworfen.
Seit vergangener Woche ist die Ausstrahlung der Sendung wieder auf dreimal wöchentlich reduziert worden und wird neu von Midi Gottet vom Zürcher «Trio Eden» moderiert. Die Sendung wurde jetzt in Richtung Comedy gerückt. Und anstatt eines Massenpublikums werden junge Zuschauer anvisiert, die auf Schräges stehen. Ob das neue Konzept besser funktionieren wird, steht in den Sternen, denn beim Publikumsaufbau von «The Movie Club» steht man jetzt wieder ganz am Anfang.

Gesamtheitliche Kommunikationsausbildung

Was die Westschweizer schon lange lernen, dürfen jetzt auch Deutschschweizer

Was die Westschweizer schon lange lernen, dürfen jetzt auch DeutschschweizerPolycom heisst das neueste Ausbildungszentrum in Biel für die erste gesamtheitliche Kommunikationsausbildung in der Schweiz. Der Lehrgang ist in enger Zusammenarbeit mit dem Sawi und dem Spri sowie verschiedener Firmen entstanden und führt nach drei Jahren praxisorientierter Ausbildung zum Abschluss «Junior Berater/in Kommunikation». Die Ausbildung richtet sich an junge Leute, die im komplexen und globalen Netz der Kommunikation den Überblick behalten wollen. Sie ist in mehrere Module mit integrierten praktischen Arbeiten gegliedert und beinhaltet Fächer wie Marketing, Persönlichkeitsförderung, Allgemeinbildung, Betriebswirtschaftslehre, klassische und neue Kommunikationsbereiche sowie Praktika ausserhalb der Schule. Der erste Lehrgang startet in Biel am 29. Oktober dieses Jahres. Aufgenommen werden Kandidaten im Alter zwischen 19 und 25 Jahren, die einen Maturitätsausweis oder eine gleichwertige Schulbildung vorweisen können.
Polycom ist nicht neu in der Schweiz; in Lausanne wird der Lehrgang bereits seit fünf Jahren angeboten. Polycom Lausanne war auch Ausgangspunkt für die jetzt neu in deutscher Sprache lancierten Lehrgänge. Das Polycom in Biel wird von Philipp R. Gatschet geführt, der seit 20 Jahren eine eigene Agentur leitet und beim Sawi während vieler Jahre als Dozent und Kursleiter tätig war. «Uns geht es darum, junge Nachwuchskräfte so auszubilden, dass sie die Instrumentarien der Kommunikation gesamtheitlich richtig zu nutzen und korrekt damit umzugehen verstehen», sagt Gatschet. (dz)

Ausserdem: Nachdem Alfredo Briccola die Werbeagentur Metzger Lehner Briccola (MLB) per Ende März verlassen hat, ist deren Führungscrew am 1. April durch Ercole Troisi als Creative Director verstärkt worden.

AusserdemNachdem Alfredo Briccola die Werbeagentur Metzger Lehner Briccola (MLB) per Ende März verlassen hat, ist deren Führungscrew am 1. April durch Ercole Troisi als Creative Director verstärkt worden. Troisi war zuletzt als CD für Lowe Lintas

AusserdemNachdem Alfredo Briccola die Werbeagentur Metzger Lehner Briccola (MLB) per Ende März verlassen hat, ist deren Führungscrew am 1. April durch Ercole Troisi als Creative Director verstärkt worden. Troisi war zuletzt als CD für Lowe Lintas GGK tätig. Als Leiter der Kundenberatung und stellvertretender Geschäftsführer wurde Andreas Meier angeworben. Er soll Ted Metzger entlasten. Meier kommt von Wirz Werbeberatung, wo er Mitglied der Geschäftsleitung war, zu MLB.
Per 1. April ist Christoph Marty, bisher Marketingleiter, zum neuen Verlagsleiter des Tamedia-Wochenmagazins Facts ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von René Gehrig an. Gehrig will sich künftig ganz auf die Tätigkeit als Mitglied der Geschäftsleitung im Bereich Verlagsmarketing konzentrieren.
Per 1. Mai verstärkt Jeannine Dietrich das Anzeigenteam von annabelle und annabelle création. Zuvor war sie Kundenberaterin beim Archithema Verlag.
Der Verwaltungsrat der Paron AG in Basel hat Renato Schena per 1. Mai die Geschäftsführung des Unternehmens übertragen. Er ersetzt Thomas Woldert, der in gegenseitigem Einvernehmen aus dem Unternehmen austritt. Schena wird seine bisherige Tätigkeit als Geschäftsführer der Star Plakat in Zürich beibehalten.
Seit Mitte April verfügt die Agentur zahnzimmermannfankhauser mit Ueli Haller über einen neuen Texter und Konzepter. Haller war zuvor Texter für Lowe Lintas GGK in Zürich.
Seit Anfang April ist Pete Watman neuer Creative Director bei Lintas Lowe GGK. Zuvor arbeitete der Australier als Texter bei Euro RSCG, Zürich, wo er unter anderem die Orangekampagne mitprägte.

Internet Standard schärft seine Positionierung

Am 13. April wurde die europäische Splitausgabe des amerikanischen Industry Standard mangels Perspektiven im Inserentenmarkt eingestellt.

Am 13. April wurde die europäische Splitausgabe des amerikanischen Industry Standard mangels Perspektiven im Inserentenmarkt eingestellt.Doch der Industry Standard, der mehrheitlich der IDG gehört, war auch Vorbild und Mutterblatt für den hiesigen Internet Standard, der eine 100-Prozent-Tochter von IDG mit Sitz in Boston ist. Wird mit diesem Rückzug vom alten Kontinent auch das Aus für die Schweizer New-Economy-Zeitung eingeläutet?Gebhard Osterwalder, Gesamtleiter IDG Schweiz/Österreich, dementiert und weist darauf hin, IDG wolle in Europa die bestehenden Ausgaben in der Schweiz, in Schweden, Polen und Norwegen weiter fördern. Das Konzept einer europaweiten Splitausgabe des Industry Standard sei im Ansatz falsch gewesen.
Derzeit ist er für die Zukunft des Internet Standard optimistisch. Im Anzeigenmarkt stellt Osterwalder eine Trendwende fest. Nach einem schwachen März hätten sich die Aufträge für Mai und Juni erfreulich entwickelt.
Allerdings hat sich der Internet Standard nach einer Abonnentenbefragung eine Schärfung der Positionierung in Richtung Leader und Entscheider in den Unternehmen verordnet. Die präzisierte Richtung ist redaktionell bereits umgesetzt. (dse)

Branchenhits (2000)

(Werte = Index «Supporters» der Anzeige gegenüber dem Durchschnitt aller Anzeigen der Branche; 1,00 = Durchschnitt = 100%)

(Werte = Index «Supporters» der Anzeige gegenüber dem Durchschnitt aller Anzeigen der Branche; 1,00 = Durchschnitt = 100%)Best of Print AdvertisingDie Anzeigenhits 2000 aus dem Advertising-Index des Marktforschungsinstituts Demoscope
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der
Resultate aus dem Advertising-Index (AX Print). Dieser Index (siehe Kasten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigensujets. In den oberen beiden Reihen befinden sich jene Sujets, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe (siehe Windrose) die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die
bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen, im vergangenen Jahr am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top three» gezeigt.
Uhren Longines Dolce Vita (Capt Communication) 1,4

Auto Mercedes S-Klasse (Studer & Wohlgemuth) 1,6
Getränke Schweizer Milch- Bremer Stadtmusikanten 1,9
produzenten SMP (Advico Young & Rubicam)
Zigaretten Marlboro Lights (Leo Burnett) 2,0
Körperpflege Guerlin Mahara (-) 1,6
Advertising-Index

Für die Anzeigentests des Advertising-Index wird in acht Befragungswellen ein repräsentatives Sample von zirka 800 Personen befragt. Die befragte Person absolviert zuerst einen psychologischen Test (50-Item-Test) und blättert anschliessend ein Zeigeheft mit 45 Anzeigen durch. Wie beim Lesen einer Zeitschrift steht es ihr auch im Test frei, bei jeder Anzeige so lange zu verweilen, wie sie will. Vor dem Weiterblättern bewertet sie die Anzeige anhand einer Notenskala von 5 («spricht mich sehr an») bis 1 («spricht mich überhaupt nicht an»). Als «Supporter» werden Personen bezeichnet, die durch eine Anzeige «sehr» oder «ziemlich» angesprochen werden. Die auf diese Weise ermittelte Akzeptanz der Werbung korreliert stark mit andern Funktionen der Werbewirkung und eignet sich deshalb fürs Benchmarking.
Für die Segmentierung des Samples nach Zielgruppen benutzt der Market Radar einen psychografischen Test, den so genannten 50-Item-Test. Mit Hilfe dieses Tests werden die Wertvorstellungen der befragten Person ermittelt und einem der Psychogrammfelder zugeordnet (siehe Windrose). Die Wertorientierungen reichen von Süd (konservativ) nach Nord (progressiv) und von West (aussengerichtet, materialistisch) nach Ost (innengerichtet, idealistisch).
Weitere Informationen zum Advertising-Index und zum Market Radar sind bei Demoscope erhältlich. Planungsunterstützung mit dem Advertising-Index, dem Radar und neu
mit dem Print-Advertising-Monitor (PAM) vermittelt die Publimedia.

News: Fischer Media AG stösst Magazine ab

Das Verlagshaus Fischer Media AG konzentriert sich in Zukunft auf den Druckbereich.

Das Verlagshaus Fischer Media AG konzentriert sich in Zukunft auf den Druckbereich.NewsFischer Media AG stösst Magazine ab
Die meisten Verlagsprodukte werden abgestossen. Fischer Media produziert verschiedenste Publikationen im Natur-, Freizeit- und Servicebereich. «Wir sind zu klein, um all diese Projekte zu finanzieren», erklärte Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Wiederkehr. Für alle Produkte sei eine Lösung gefunden worden oder zumindest in Griffnähe. Das SBB-Magazin Via wird künftig von Vogt-Schild herausgegeben. Für die Velozeitschrift Move und für den Buchverlag seien Interessenten vorhanden. Die Zeitschrift Astrea, bisher von Fischer Media und vom Schweizerischen Apothekerverein gemeinsam im Joint Venture Pharmedia herausgegeben, wird künftig vom Apothekerverein allein übernommen. Die Publikation Schweizer Garten geht zur Fischer AG für Data und Print. Die Zukunft des Personals ist noch unklar. Laut Wiederkehr haben einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt, andere wechseln zu den neuen Herausgebern. Elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pharmedia haben eine Kündigung erhalten. Offen ist, ob sie vom Apothekerverein übernommen werden. Die Fischer Media AG gehört der Fischer Management AG mit Sitz in Münsingen. Die Fischer AG für Data und Print ist eine 100-prozentige Tochter der Fischer Management AG.
Edipresse wagt sich an Audio/VideoEdipresse will in den Audio-Video-Bereich vordringen. In einem ersten Schritt sollen Filme und Töne in die Internetplattform Edicom integriert werden. Später könnte die Entwicklung von TV-Programmen folgen. Der Lausanner Verlag steige nicht gross ins Fernsehgeschäft ein, sagte Tibère Adler, Direktor von Edipresse On Line, gegenüber der SDA. «Aber wir glauben, dass dies eine notwendige Entwicklung ist, um unsere Produkte zu ergänzen», bestätigte er Medienberichte. Die ersten Beiträge könnten Anfang 2002 ausgestrahlt werden. «Das werden nur einfache Produktionen sein, die wir über den Kanal von Edicom ausstrahlen», erklärte Adler. In einem zweiten Schritt erwägt Edipresse auch die Vermarktung von spezialisierten TV-Programmen. «Wir könnten zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der von uns herausgegebenen Zeitschrift Optima über ein Lokalfernsehen wöchentlich eine 15-minütige Sendung zum Thema Gesundheit ausstrahlen», sagte Adler. Im Februar war der Versuch, über eine Partnerschaft mit Star TV ins Fernsehgeschäft einzusteigen, gescheitert.
TV-programme nach Protesten wieder im Balcab-NetzNach massiven Protesten werden auf dem Basler Kabelnetz fünf Fernsehprogramme wieder aufgeschaltet. Die Netzbetreiberin Balcab hatte die Sender N3, M6, ERT, RTS und CNBC im Februar vom Netz genommen, um Platz für das digitale Senderpaket SwissFun zu schaffen. Die Abschaltung der Sender habe zu Reklamationen geführt, räumte die Balcab ein. Durch «kurzfristig vorgenommene technische Massnahmen» habe man jetzt die Wiederaufschaltung per 23. April ermöglicht. Nun könne SwissFun ausgebaut werden, ohne dass andere Programme weichen müssen. Die Aufschaltung des digitalen Programms sei bei den Konsumenten auf Zustimmung gestossen.
Zeitungstitel schrumpften um fast einen ViertelDie Zahl der Zeitungstitel in der Schweiz ist in den letzten 20 Jahren um fast einen Viertel zurückgegangen. Immer mehr Blätter teilen zudem ihre redaktionellen Seiten, worunter die Pressevielfalt leidet. Dies geht aus einer Studie des Bundesamts für Statistik (BfS) hervor. Das BfS hat erstmals untersucht, wie sich der Wandel der Zeitungslandschaft zwischen 1980 und 1999 auf die Pressevielfalt ausgewirkt hat. Seit dem konjunkturellen Einbruch der Neunzigerjahre prägten laut BfS Fusionen, Einstellungen und Konzentrationen das Bild. Allein von 1990 bis 1999 ging die Zahl der mindestens einmal wöchentlich erscheinenden Titel um 22 Prozent und jene der publizistischen Einheiten um 29 Prozent zurück. In den letzten 20 Jahren nahm die Zahl der Zeitungstitel von 266 auf 201 ab. Allein zwischen 1995 und 1998 führte der Verdrängungswettbewerb zu einem Titelverlust von 18 Prozent. Seit 1998 scheine sich die Lage wieder zu stabilisieren, heisst es in der Studie des BfS. Eine Zusammenfassung als PDF-Datei ist erhältlich auf www.statistik.admin.ch
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