Ringier kauft Ad Pepper Schweiz

Der Internet-Werbevermarkter Ad Pepper International zieht sich auch aus der Schweiz zurück

Der Internet-Werbevermarkter Ad Pepper International zieht sich auch aus der Schweiz zurückVon Clemens HörlerDie Ringier AG übernimmt per 1. Juni 2001 zu 100 Prozent das Aktienkapital des Online-Werbevermarkters Ad Pepper Media Switzerland AG. Bisher hielt das Medienhaus 49 Prozent am 1999 gegründeten Schweizer Unternehmen.
«Wir hatten gehofft, dass wir stärker von der paneuropäischen Netzwerkstruktur von Ad Pepper International profitieren würden», resümiert Edwin Dünki, Leiter E-Business bei Ringier. «Die Geldströme, die innerhalb des Netzwerks aus und in die Schweiz flossen, waren doch eher bescheiden.»
Ringier möchte nach der vollständigen Übernahme von Ad Pepper das Unternehmen umbenennen und neu positionieren. Das Unternehmen, das derzeit in der Schweiz auch Ringier-fremde Sites im Portfolio führt, soll sich auf neue Onlinewerbeformen wie Sponsoring, Response-Elemente, Revenue-Sharing-Modelle, Co-Branding-Aktionen, Publireportagen und Crossmarketing für Ringier konzentrieren.
Konzentration auf wenige Websites
Wie Dünki gegenüber der WerbeWoche betonte, sollen aber auch in Zukunft neben den Ringier-Plattformen weitere Websites vermarktet werden. «Es werden aber nur wenige Sites sein, die dafür umso intensiver betreut werden», erklärt Dünki. Welche Plattformen das genau sind, ist noch nicht bekannt, genauso wenig wie der künftige Name des neuen Unternehmens. Ad Pepper Switzerland vermarktet derzeit neben den Ringier-Sites unter anderem MSN, Sites der Basler Mediengruppe und die Winner-Plattformen.
Ein Grossteil der Mitarbeiter von Ad Pepper Schweiz wird nach den Worten Dünkis weiterarbeiten können. Einige Kündigungen seien aber bereits ausgesprochen worden. Wer das Nachfolgeunternehmen in Zukunft leiten wird, werde in zwei bis drei Wochen entschieden.
Dass sich Ad Pepper aus dem Schweizer Markt zurückzieht, kommt in der Situation, in der sich die Onlinewerbebranche derzeit befindet, nicht ganz überraschend. Wie Philip Ellison, Medienverantwortlicher von Ad Pepper Media International, mitteilte, habe Ad Pepper die Schweiz zwar als wichtigen Markt angesehen, die kurzfristigen Aussichten auf profitable Geschäfte seien aber nicht gut gewesen. Angesichts der internationalen Ausrichtung sei darum der Rückzug aus der Schweiz und aus Österreich beschlossen worden.
Auch aus den USA wird sich Ad Pepper demnächst verabschieden. Die Strategie ist klar: Konzentration auf die europäischen Schlüsselmärkte, in denen Ad Pepper grössere Marktanteile erobern konnte, und Konsolidierung der dortigen Geschäfte.
CEO Ulrich Schmidt zeigte sich an der Generalversammlung vom 9. Mai in Amsterdam zuversichtlich für die Zukunft: Ad Pepper sei im Vergleich zu anderen europäischen Mitbewerbern überproportional gewachsen. Das Unternehmen mache weiterhin Fortschritte auf dem Weg zur Profitabilität und erwarte, im Jahr 2001 die Kosten signifikant zu senken. Die Verluste seien nicht zu vermeiden gewesen, da man im Jahr 2000 in sechs weitere Länder expandiert habe und (mit Vorsicht) in neue Produkte sowie Verkaufs- und Servicestrukturen investiert habe.
Die am Neuen Markt in Frankfurt kotierte Ad Pepper Media International N. V. hatte im Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von 15,3 Millionen Euro erwirtschaftet, aber einen Verlust von 9,6 Millionen Euro eingefahren. Schmerzhaft auch für Anleger: Der Aktienkurs, der kurz nach dem Börsengang im Oktober 2000 bei 18.10 Euro notierte, hat sich inzwischen auf Werte zwischen 2 und 4 Euro eingependelt.

News: 20 Minuten Köln erscheint legal

Das Oberlandesgericht Köln hat, gemäss W&V, entschieden, dass die Gratiszeitung 20 Minuten Köln nicht gegen das Wettbewerbsrecht verstösst.

Das Oberlandesgericht Köln hat, gemäss W&V, entschieden, dass die Gratiszeitung 20 Minuten Köln nicht gegen das Wettbewerbsrecht verstösst.News 20 Minuten Köln erscheint legal
Der Entscheid ist auf Grund einer Klage des Kölner Verlags DuMont Schauberg gefallen, der im kostenlosen Betriebsmodell eine Schädigung seines Geschäfts sieht. DuMont Schauberg will die Klage nun an den Bundesgerichtshof weiterziehen.
Melle Pufe WHS für Green CardDie Berliner Werbeagentur Melle Pufe WHS bewirbt neu das Green-Card-Programm der USA in Deutschland. Sie sicherte sich den Etat in Millionenhöhe in einem Evaluationsverfahren. Das Programm für die Vergabe von Arbeitsbewilligungen in den USA wird von The American Dream Services GmbH abgewickelt.
EU zielt wieder auf TabakwerbungDavid Byrne, EU-Verbraucherkommissar, will einen neuen Anlauf nehmen, um Tabakwerbung in der EU zu verbieten. Noch Ende Mai will er den Entwurf einer neuen Richtlinie der Europäischen Kommission vorlegen. Der Entwurf soll die Einwände berücksichtigen, die der Europäische Gerichtshof gegen die alte Tabakwerberichtlinie vorgebracht hatte. Die deutsche Regierung hatte die Richtlinie mit einer Klage zu Fall gebracht.
FCB SF verliert Microsoft-Etat Die Niederlassung von FCB in San Francisco leidet unter einer Pechsträhne. Der letzte Misserfolg ist der Verlust des Ultimate-TV-Etats von Microsoft. Der Computerkonzern verschob das Budget (50 Millionen Dollar) ohne Pitch zu einer Agentur, die eben erst durch ehemalige Mitarbeiter von Goodby Silverstein & Partners gegründet wurde. Eine Woche zuvor musste FCB 30 Mitarbeiter entlassen, nachdem AT&T Wireless ihren Etat neu ausgeschrieben hatte. Zu guter Letzt brach auch noch Feuer in den Agenturräumen aus. Die Polizei vermutet Brandstiftung – möglicherweise von einem entlassenen Mitarbeiter.

«Wir wollen abklären, wie weit Werbebeschränkungen Sinn machen»

Medienrechtler Denis Barrelet fokussiert an einer Tagung die Fallstricke in der Werbung

Medienrechtler Denis Barrelet fokussiert an einer Tagung die Fallstricke in der WerbungAm 7. Juni veranstaltet die Universität Neuenburg erstmals eine Tagung zum Thema «Werbung und Recht» (siehe auch Seite 35). Denis Barrelet, Professor für Kommunikationsrecht an den Universitäten Fribourg und Neuchâtel, möchte den Werbeschaffenden die für den Berufsalltag relevanten rechtlichen Grundlagen praxisbezogen näher bringen.Was sind die wichtigsten rechtlichen Probleme, welche die Kommunikationsbranche derzeit beschäftigen?
Denis Barrelet: Wir sprechen an unserer Tagung vier wichtige Themen an. Bezüglich der vergleichenden Werbung gibt es als Beispiel den momentan sehr harten Kampf in der Telefonbranche. Da muss man sich die Frage stellen, was gestattet ist und was nicht. Aber auch das Urheberrecht im Internet ist hochaktuell. Ferner der Datenschutz. Die Werber wollen Streuverluste möglichst vermeiden. Sie kommen relativ leicht zu Adressen. Dabei stellt sich aber die Frage, was in diesem Zusammenhang vom Datenschutzgesetz aus erlaubt ist. Topaktuell ist auch die Werberegelung in der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes.
In der Schweiz wird relativ wenig vergleichende Werbung gemacht. Ist mangelnde Kenntnis der Gesetzgebung ein Grund dafür?
Barrelet: Sicher. Der zweite Grund ist, dass der Schweizer immer auf der Seite dessen ist, der angegriffen wird. Also hat man in der Werbebranche entsprechend Hemmung, vergleichende Werbung zu betreiben. Es ist eigentlich erstaunlich, wenn man weiss, dass die Schweiz mit ihrer Gesetzgebung bezüglich der vergleichenden Werbung sehr lange führend war. In den umliegenden europäischen Ländern war vergleichende Werbung nämlich lange verboten.
Zur Tagung: Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?
Barrelet: Ich schätze, dass wir so gegen hundert Zuhörer haben werden. Wir hoffen natürlich auf viele Teilnehmer aus der Deutschschweiz, auch wenn die Veranstaltung in Neuenburg stattfinden wird. Wir sind der Ansicht, dass eine solche Veranstaltung auf nationaler Ebene durchgezogen werden muss. Mit dem neu gegründeten Institut für Journalismus und Kommunikation der Universität Neuenburg wollen wir die Kommunikation ganzheitlich angehen, und demzufolge muss Werbung mit einbezogen werden. Wir glauben, dass Werbung ein vollberechtigter Teil der Kommunikation ist. Bislang wurde Werbung aber eher als Anhängsel betrachtet.
Wer sollte diese Veranstaltung besuchen und warum?
Barrelet: Wir erwarten natürlich Werbepraktiker, die in ihrem Alltag mit juristischen Fragen konfrontiert sind, aber auch Medienjournalisten. Wir sind uns natürlich sehr wohl bewusst, dass das Recht vielfach als etwas Unangenehmes empfunden wird. Auch Journalisten befassen sich nicht gerne damit. Wenn man aber das Recht permanent zur Seite schiebt, schwächt ein System seine Stellung, also in diesem Fall die Stellung des Werbers oder des Journalisten.
Und die Reaktionen daraus?
Barrelet: Entweder man geht aus Unwissenheit zu weit, was unter Umständen teuer wird. Oder aber es wird eine rigorose Selbstzensur ausgeübt, und der Spielraum wird nicht ausgeschöpft. Für den Werber, der in seiner Arbeit kreativ sein sollte, ist es darum schade, wenn er sein Potenzial nicht ausschöpfen kann. Ich würde sogar sagen, es ist ein eigentlicher Verlust.
Wie praxisnah kann Ihre Veranstaltung sein?
Barrelet: Hat ein Referent nur 25 Minuten zur Verfügung, um ein Thema anzugehen, muss er sofort zum Wesentlichen kommen. Der zweite Teil der Veranstaltung ist der Beantwortung von Publikumsfragen gewidmet. Während zweier Stunden wird auf Strafrecht, Wettbewerbsrecht, Radio- und Fernsehrecht und Datenschutzgesetz eingegangen. Hier werden konkrete Gerichtsentscheide diskutiert.
Welches ist der Nutzen für die Werber, die sich im Alltag mit Inserategestaltung und TV-Spots herumschlagen müssen?
Barrelet: Bei der Spotherstellung können sich urheberrechtliche Fragen aufdrängen. Es werden nicht alle Tagungsthemen alle Teilnehmer gleich ansprechen. Ein Teil der Veranstaltung ist auch als Weiterbildung zu betrachten.
Welches ist derzeit die grösste Herausforderung für Werber?
Barrelet: Sie sollten ihre Grenzen kennen, auch die ethischen. Das ist aber ein Dauerthema. Was ich hingegen in der Werbebranche als sehr positiv gewichte, ist die Stärkung der Lauterkeitskommission, die sehr dynamisch geworden ist.
Das Gesetz hinkt oft hinter der Realität her. Wo liegt Ihrer Meinung nach zurzeit der grösste Handlungsbedarf?
Barrelet: Ich glaube nicht, dass es viele neue Gesetze und neue Einschränkungen braucht. Ich glaube eher an gewisse Liberalisierungen, insbesondere im Radio- und Fernsehbereich. Man sollte hingegen vermehrt schauen und näher abklären, wie weit Werbebeschränkungen noch Sinn machen.
Sie sind ja auch Präsident der Aufsichtsbehörde, die Klagen bezüglich Radio- und Fernsehen prüft. Welches sind die häufigsten?
Barrelet: Die häufigsten Beschwerden betreffen die sachliche Richtigkeit der Information. Immer häufiger haben wir uns auch über Darstellung von Gewalt und Sex in Unterhaltungssendungen zu befassen. Und ab und zu beschäftigt uns auch die so genannte Schleichwerbung.
Privat-TVs wollen die Revision des Radio und Fernsehgesetzes vorziehen, da ihnen das Wasser am Hals steht. Wie stehen Sie dazu?
Barrelet: Es ist eher eine politische Frage, ob man etwa den Artikel über Unterbrecherwerbung in einer ersten Phase lockern könnte. Wichtig scheint mir, dass existierendes Gesetz angewendet wird. Und jemand, der öffentlich erklärt, dass er dieses Gesetz nicht anwenden wird, diskreditiert sich selber.
Was fasziniert Sie persönlich an der Kommunikation?
Barrelet: Ich habe 1972 meine Karriere mit der Dissertation zum Thema «La liberté d’information» begonnen, und seither interessieren mich Fragen in diesem Zusammenhang. Mit der Information steht für unsere Gesellschaft viel auf dem Spiel. Bei uns wird man bestimmter Aussagen wegen nicht ins Gefängnis geworfen, die Bestrafung ist subtiler. Es gibt aber auch bei uns private und öffentliche Ächtung. Interview: Anita Vaucher

Der Wiener setzt eine rosa Brille auf

Österreichs Hauptstadt entdeckt die spendierfreudigen homosexuellen Touristen

Österreichs Hauptstadt entdeckt die spendierfreudigen homosexuellen TouristenDer Wiener Tourismusverband hat vor kurzem zwei Kataloge publiziert, die für einmal nicht zu Familienweekends, Mozartfestivals oder Schubertiaden einladen. Angesprochen sind vielmehr – man lese und staune – homosexuelle Touristen.«Vienna Gay Guide» und «G-Vienna Guide» heissen die beiden Publikationen, die Wien als gayfreundliche Reisedestination propagieren. Wie der Wiener Tourismusverband erklärt, ergaben diverse Umfragen, dass homosexuelle Konsumenten besonders reisefreudig, kulturinteressiert und auch besonders kaufkräftig sind.
Die vom Verband in Auftrag gegebene Studie führte beispielsweise zum Ergebnis, dass 29 Prozent aller Heterosexuellen und 43 Prozent der Homosexuellen einen grossen Teil ihres Geldes ausschliesslich für ihren Urlaub ausgeben.
Ein weiterer Motivationsgrund für diese spezielle Aktion ist die diesjährige Europride, die zum ersten Mal in Wien über die Bühne geht. Der kulturlastige Event, der sich über den ganzen Monat Juli erstrecken wird, ist Anziehungspunkt für Tausende gay-freundlicher Besucher und Besucherinnen.
Doch damit ist noch lange nicht genug. Zumal nicht nur im Land selber, sondern auch im Ausland für Wiens Randgruppenfreundlichkeit geworben wird. Über das ganze Jahr verstreut, sollen Inserate- und Plakatkampagnen in den Zielmärkten England, Deutschland, Schweden und den Niederlanden platziert werden. Hut ab. Was Österreichs Hauptstadt, trotz der rechtskonservativen Landesregierung, mit diesen Aktionen leistet, ist zweierlei: Geld ist ein willkommener Gast, und es lohnt sich manchmal eben doch, über den Zaun antiquierter Vorurteile zu springen, damit man auch in den Genuss des gesunden Grases auf unberührter Wiese gelangt.
Die Wiener Gay-Kataloge können bestellt werden bei: Österreich Werbung, Zurlindenstrasse 60, 8036 Zürich, Tel. 01 451 15 51, Fax 01 451 11 80. Chandra Kurt

Aus ein bisschen Freizeit wird Beruf und Infobox

Peter Böckle und Marc Wissmann haben sich mit der Infobox GmbH, einem Atelier für Kommunikation im Internet, einen alten Traum erfüllt.

Peter Böckle und Marc Wissmann haben sich mit der Infobox GmbH, einem Atelier für Kommunikation im Internet, einen alten Traum erfüllt.Die Kernkompetenzen des Unternehmens liegen im Screen- und Webdesign, Contentmanagement, Contentproduktion und Datenbankapplikationen. «Die Firma existiert als ‹Freizeit-Firma› bereits seit fünf Jahren, doch der Kundenstamm ist mittlerweile so gross geworden, dass wir beschlossen, das Atelier ab sofort professionell zu betreiben», sagt Böckle, der vorher als Regisseur und Webmaster bei SF DRS tätig war. Zusammen mit Wissmann, ehemals TV-Journalist und Gründer einer Video- und Internetwerkstatt, wirkt das Webatelier im Zürcher Kreis 5. Das Team besteht neben den beiden Inhabern aus einer selbstständigen Webdesignerin sowie zwei Programmierern. «Bei uns steht der Kundenservice an erster Stelle. Deshalb wünschen wir uns ein kontrolliertes Wachstum», so Böckle. Zum Portfolio gehören unter anderem die TV Productioncenter AG sowie das Migros Kulturprozent. (dz)

Levin wird Media Man of the Year

Am diesjährigen Internationalen Werbe-Festival in Cannes wird Gerald Levin, CEO von AOL Time Warner, die Auszeichnung Medien-mann des Jahres verliehen.

Am diesjährigen Internationalen Werbe-Festival in Cannes wird Gerald Levin, CEO von AOL Time Warner, die Auszeichnung Medien-mann des Jahres verliehen.Der Award honoriert Führungspersönlichkeiten aus der weltweiten Mediaindustrie und wird Levin am 20. Juni überreicht.

Kopf der Woche: «Wir haben Ambitionen, unser Modell auch ins Ausland zu exportieren»

Hans Ueli Keller ist VR-Delegierter von Goldbach Media für integrierte Crossmediastrategien

Hans Ueli Keller ist VR-Delegierter von Goldbach Media für integrierte Crossmediastrategien / Nach mehr als zwanzig Jahren musste etwas geschehen: «Seit meinem Einstieg 1978 als Teilzeitpraktikant bei der damaligen SKA habe ich einen Kurzbart gepflegt. Jetzt ist er weg», streicht sich Hans Ueli Keller über das frisch rasierte Kinn. Frisch ist auch sein Job. Hans Ueli Keller wirkt seit dem 10. Mai als Verwaltungsratsdelegierter von Goldbach Media, dem neu gegründeten Dienstleistungscenter für elektronische Medien im zürcherischen Küsnacht.
Nach Abschluss seiner Ausbildung an der Uni St. Gallen und zweijähriger Research-Tätigkeit am Universitäts-eigenen Institute for Banking wechselte Keller 1981 vollzeitlich zur SKA, wo
er im Marketing und im Projektmanagement wirkte. Als Leiter Marketing, Werbung und Sponsoring entwickelte er die Tour de Suisse zu einem Schulbeispiel für Sportsponsoring, bis das Image der Tour nicht mehr zur neu formierten Credit Suisse passen sollte. Neu eingeführt bei der Bank hat der klassische Flügelhornist und Jazztrompeter Keller später neben dem Golfsponsoring auch die Förderung der Kultur.
1993 wechselte er innerhalb der CS ins Departement Retailbanking. Dort hat er die Telefonbank CS Firstphone aufgebaut, später die erste Internetplattform der Bank eingeführt.
Als Mitglied der Geschäftsleitung 1997–2000 und inzwischen Kommunikationschef hat Keller wesentlich den frischen Auftritt der Credit Suisse und das Rebranding der CS Group mitgeprägt.
Auf der Bank hätte der Bartträger also noch ein Leben lang sitzen bleiben können. «Ich wollte aber in meinem Berufsleben nicht nur einen einzigen Arbeitgeber», freut sich der Umsteiger nun über die neuen Aussichten – nicht nur auf den Zürichsee, der in Goldbach direkt vor seinem Büro glitzert. «Wir haben alle Chancen, nicht nur in der Schweiz eine gute Position weiterentwickeln zu können.» Der Delegierte des VR des 220 Kopf starken Medienunternehmens hat Ambitionen, die Goldbach Media «auch europäisch wachsen zu lassen».
Erfahrungen im Ausland hat Keller durch seine Arbeit auch als Teilzeitdozent an der International Banking School in New York gesammelt. Letzten Herbst besuchte er selber zwei Monate lang einen Kurs an der Harvard Business School in Boston. «Nach wie vor eng verbunden» fühlt er sich der Uni St.Gallen. Dort war Keller Lehrbeauftragter für Business Administration.
Wichtig ist ihm das Engagement als Finanzvorstand der Blindenschule Sonnenberg in Baar. Diesen Job hat Keller von seinem Vater übernommen. Seine eigene Rolle als Vater von zwei «Buben» im Alter von 16 und 19 geniesst er unter anderem, wenn er seine Söhne zu einem gemeinsamen Konzert des Funktrompeters Maceo Parker mitnehmen kann. Andreas Panzeri

Am Ende ist alles nur noch Cash

Cash will multimedial immer für die Leser da sein

Cash will multimedial immer für die Leser da seinCash ist seit kurzem nicht nur eine Dachmarke: Mit der neu strukturierten Cash-Gruppe verfolgt Ringier ein multimediales Konzept, das konsequenter ausgerichtet und permanent zur Verfügung stehen soll. Die Strategie steht noch am Anfang. Den Auftakt bildete die Umbildung der Geschäftsleitung der Cash-Gruppe, in der neu auch Cash-TV vertreten ist. Die GL setzt sich nun aus Thomas Trüb, Leiter Konzernbereich Wirtschaftsmedien, Cash-Verlagsleiter Thomas Passen, Chefredaktor Fred David, dessen Stellvertreter André Michel und Hans Schneeberger, Dani Terzoni (Controlling) sowie Fritz Spring, Chefredaktor Cash-TV, zusammen.
Zur Multimediastrategie gehört ein neuer Webauftritt, der sich ab Herbst von der derzeitigen Artikelsammlung in Online-Cash völlig unterscheiden soll. Vorgesehen sind eine eigene Redaktion sowie ein täglicher Service. Ebenfalls auf Herbst ist die Lancierung eines wöchentlichen Supplements geplant. Es soll gemäss Passen den Cash-Lesern «zusätzliche Dienstleistungen» bringen. Bereits steckt zudem ein zweites, monatliches Supplement im Ringier-Köcher. Inhaltlich will Passen noch nichts verraten, denn beide Projekte müssen noch vom publizistischen Ausschuss genehmigt werden. Ringier-intern spricht man aber von einem Anlage- und einem Lifestyle-Magazin.
All diese Aktivitäten fasst Passen mit den Worten «Cash around the clock» zusammen: Cash-Partner Borsalino liefert quasi im Minutentakt ständig aktualisierte Börsendaten, die neue Cash-Homepage wird ein tägliches Update erfahren, Cash, die Zeitung, erscheint wöchentlich, sonntags wird Cash-TV ausgestrahlt. Und schliesslich erhalten Leser ebenfalls wöchentlich oder allenfalls monatlich Zusatzinfos mit den neuen Supplements.
Während in der Cash-Gruppe redaktionelle Synergien genutzt werden sollen, bleibt der Werbeverkauf für die einzelnen Gefässe weitgehend dezentral. Ob das auf die Dauer Sinn macht, ist fraglich.
Vorerst aber ist das alles noch weit weg. Derzeit ist man bei Cash noch mit kleineren Dingen beschäftigt: Nächste Woche erscheint Casual, der dritte Cash-Bund, mit einer leicht veränderten Struktur. Ziel ist es, den Bund noch stärker auf das bereits erreichte jüngere Publikum und die Frauen auszurichten. Markus Knöpfli

Aufgefallen: Die Modebranche entdeckt in regelmässigem Abstand die lesbische Anziehungskraft und widmet ihr ganze Anzeigenstaffeln.

Die Modebranche entdeckt in regelmässigem Abstand die lesbische Anziehungskraft und widmet ihr ganze Anzeigenstaffeln. Zurzeit ist es wieder so weit: Evas Töchter gehen sich an die Wäsche oder fassen sich an den Busen. Erfreulicherweise wirken die ak

Die Modebranche entdeckt in regelmässigem Abstand die lesbische Anziehungskraft und widmet ihr ganze Anzeigenstaffeln. Zurzeit ist es wieder so weit: Evas Töchter gehen sich an die Wäsche oder fassen sich an den Busen. Erfreulicherweise wirken die aktuellen Anzeigen nicht billig oder voyeuristisch. Gleich, ob sie aus der Kreativküche von Gucci, Jil Sander oder Costume National stammen. Obschon die Sujets gestellt sind, strahlen sie eine gelungene Mischung von unschuldiger Klarheit und avantgardistischer Anziehungskraft aus.Auch die amerikanische Wodkamarke Skyy Vodka vergibt neuerdings eine ihrer Werbeflächen der Darstellung weiblichen Brunstgehabes. Verständlich, gehört das Label doch zu den bekanntesten Inserenten der Gaypresse. Chandra Kurt
Kolumne

Pünktchen, Pünktchen …
von Liz Sutter
«The old castle with its cellars…», schrieb ich in einem Artikel über das Faszinosum Harry Potter, besser gesagt, versuchte ich zu schreiben. Denn so oft ich auch «its» tippte – stets machte der Computer «ist» daraus. Bis mich ein lieber Mensch in die Geheimnisse der Autokorrektur und ihrer Rückgängigmachung einweihte. Schön, dass meine Manuskripte heute nicht mehr so viele nihcts und mnas aufweisen. Tröstlich aber auch, dass kein Korrekturprogramm mich vor meinem peinlichsten Tippfehler hätte bewahren können. In einem Rezept für die sommerliche Picknickküche schrieb ich einmal: «Den Kartoffelsalat in ein gut verschliessbares Gesäss füllen.»
Verschreiber verbreiten bisweilen Heiterkeit. Digitale Übergriffe lassen mitunter aber auch neue Werke entstehen. Ein unbewusstes Abschweifen mit dem kleinen Digitus der rechten Hand – und aus einem engstirnigen «bü» wird ein höhenluftiges «b¨». So hat jemandes Unterbewusstsein das neue Logo fürs Bündnerland erschaffen. Und was machen die so beglückten Bündner? Anstatt dieses Wunder aus den Schlingen und Schleifen eines menschlichen Gehirns demütig anzunehmen und vor lauter Staunen
ü-Pünktchen-runde Äuglein zu bekommen, übergiessen sie es mit Spott und Hohn und bezeichnen es als «jämmerlich, trostlos und banal». Und das ausgerechnet in der gleichen Woche, in der das gebrannte Kind Interbrand Zintzmeyer & Lux mit ansehen und -hören muss, wie ihr Dessert-Coupe SAirGroup dahinschmilzt wie einst Ikarus’ Wachsflügel an der Sonne und nun wieder wie bisher Swissair heisst.
Kunden sind Banausen und im tiefsten Innern undankbar. Wissen Sie, was das Hand- und Fussvolk von Tamedia geunkt haben soll, als man ihm zwei rote, nicht ganz runde Pünktchen als neues Logo servierte: Hatte da jemand Nasenbluten oder was?
[email protected]
Liz Sutter ist Journalistin.
Sprachbeobachter

Schimpfend durch die Jahrhunderte
Schopenhauer sprach manchmal auch Klartext: «Erznarr, Afterphilosoph, Tollhäusler, Bierwirtphysiognomie, Unsinnschmierer, Hanswurst, Papier-, Zeit- und Kopfverderber, Absurditätenlehrer von höchst verderblichem, recht eigentlich verdummendem, man könnte sagen pestilenzialischem Einfluss», schrieb er über den Kollegen Hegel.
Aber auch unser Jahrhundert hat ausgeteilt. Zum Beispiel Karl Kraus: Ästhet, Barrikadenmausi, Blutspekulant, Durch-und-Durchhalter, elektrisch beleuchteter Barbar, Generaille, Gewohnheitsverbrecher der Weltgeschichte, Koofmich, Lebenslaufbursche, Luxuspöbel, Portefeuilletonist, Psychoanale, Schlachtbankier, Prominenter, Spiessbürgermeister, Zwischenhändler des Geistes.
Oder H. C. Artmann: «Reinseidener Pfingstpimpf, rinnäugiger Pissoirwurm, geifernder Astlochpimperer, Salontiroler, Rossapfelschnüffler, pensionierter Orang-Utan, halbseidener Sporttrottel, Rauschkind von Viertelcaballero, geschniegelte Rouletteratte, patentierter Cheese-Lächler, lamentabler Dussel, vervögelte Geilquappe, Neandertaler par excellence, damischer Dösbartel, Jammerpaket von Latrinenbeau, Oberdämlack mit angematschtem Sirmelhirn, Blödist von Kusshändchenschmeisser, fusskranke Lagunenleiche.»
Heute suchen wir eher «nach Möglichkeiten, um unserer Betroffenheit in geeigneter Weise Ausdruck zu verleihen». Ist meine Wahrnehmung getrübt oder sind tatsächlich alle so nett? Wer kennt neue Schimpfwörter von heute? Dino? Ätzi? Breitgrins? Mein Kleiner nennt mich Blödschnabel oder Dummflöte, aber das ist alles noch sehr im Versuchsstadium. Oder dann die Normalbeschimpfungen à la Warmduscher, Gelbbremser oder Komplettsystemkäufer. (Ein «Best of Warmdushing» folgt nächste Woche.)
Doch auch nach Artmann hat das deutsche Schimpfwörterschaffen zu tollen Sumpfblüten geführt, wie ein Streifzug durch die letzten Jahrzehnte zeigt: Batterietrottel, Eckenbrunzer, Euer Merkwürden, Furchenkacker, Hühnerficker, Jazzbubi, Sesselfurzer, Kriegsgewinnler, Rampensau, Salonmarxist, Feierabendrevoluzzer, Schmalspurtarzan, Parteifuzzi, Webstübler, Arschbackentoni, Feuermeldervisage, Grasaff, Pumpi, Quadrathornochs, achtmotorige Steppenwildsau, Schafskopf, Gwagglichopf, Hosenscheisser, Drecksack, Lappi, Löli, blöde Siech, Laggel, Schlabi, Hirnibicker, Hilfseumel, Ostfriese, Kreditjunkie, Optimistfink, Mantafahrer, Talkmaster, Friedensrichter, Giftmüllschieber, sexueller Belästiger, Liechtensteiner, Brüsselschwein, Korporal, Österreicher, Flexibelchen, Nullchecker, Konzi, Proll, Schneckenschiss, Karriero, Artikelschreiber, Verwaltungsrat…
Beat Gloor, www.textcontrol.ch
PS: Lustigerweise sagen Schimpfwörter vor allem über die Personen etwas aus, die sie verwenden: «Pack!» schimpfte der Adel, «Prolet, Versager!» das Bürgertum, während die Hippies «Ausbeuter, Blutsauger, Kapitalist!» verwendeten. «Christ» war im alten Rom ein Schimpfwort. Die auf Sauberkeit bedachten Schweizer teilen «Drecksau, Arschloch, Scheisser, Mistkerl!» aus. Und wer ausser den prüden Amerikanern hätte sich so aufs Bumsen spezialisieren können? «Motherfucker! Cocksucker! What the fuck are those goddamn fuckin’ fuckheads fuckin’ on over there!?»

News: «NZZ Format» startet auf Berliner TV

Die Fernsehsendung «NZZ Format» erhält ab Juni einen Sendeplatz auf dem neuen Sender XXP in Berlin. XXP wird seit dem 7. Mai im Berliner Kabelnetz ausgestrahlt.

Die Fernsehsendung «NZZ Format» erhält ab Juni einen Sendeplatz auf dem neuen Sender XXP in Berlin. XXP wird seit dem 7. Mai im Berliner Kabelnetz ausgestrahlt.News «NZZ Format» startet auf Berliner TV
Veranstalter sind Spiegel TV und die Produktionsfirma DCTP. Als «Metropolensender» richtet sich XXP mit Information und Spielfilmen an ein gebildetes und einkommensstarkes Publikum. Die Sendungen aus dem Haus Neue Zürcher Zeitung (NZZ) werden am Samstag um 22 Uhr im Rahmen von Themenabenden mit dem Titel «Gesellschaft» zu sehen sein. Nach Berlin soll XXP schon bald für andere Städte produziert werden.
Radio Edelweiss schreibt GewinnDas Baselbieter Lokalradio Edelweiss schreibt erstmals schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Edelweiss bei einem Umsatz von 1,9 Millionen Franken noch einen Verlust von 120000 Franken. Für 2001 sind ein Umsatz von 2,35 Millionen und ein Gewinn von 26000 Franken budgetiert. Das erste Quartal 2001 sieht nun aber noch besser aus. Der Betriebsertrag stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 85 Prozent auf 941470 Franken; so resultiert ein positives Quartalsergebnis von 14580 Franken. Somit erwartet Edelweiss neu einen Jahresgewinn von 80000 bis 100000 Franken.
Radio 105 bei Swizz-Fans beliebt Der Jugend-Kabelsender Radio 105 führt die Beliebtheitsskala der Swizz-Jugendbarometerstudie mit grossem Vorsprung an. 29 Prozent der Befragten gaben 105 als ihren bevorzugten Sender an. Das zweitplatzierte DRS 3 bringt es dagegen nur auf 17 Prozent. Platz 3 belegt Radio Pilatus mit 6,9 Prozent. Die Studie ist mit Vorsicht zu geniessen. Zwar stammt sie von der IHA-GfM. Befragt wurden aber nur Mitglieder des Swizz-Clubs. Von den 1000 Jugendlichen, denen eine Aufforderung zur Teilnahme geschickt wurde, füllten 259 den Web-Fragebogen aus. Damit ist das Jugendbarometer nicht repräsentativ. Beispielsweise wurde die regionale Verteilung nicht berücksichtigt, sodass die Zahlen für Lokalsender wenig aussagekräftig sind. Auch bleibt die Frage nach der Motivation jener, die sich beteiligt haben, unbeantwortet.
Neue Aktivitäten bei RingierBeim Verlagshaus Ringier stehen einige neue Projekte an. So plant man etwa Kochsendungen aus dem Hause Betty Bossi. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, im Herbst sind bereits vier Pilotsendungen geplant.
InfoWeek mit neuem Format und neuen PreisenInfoWeek, das Schweizer Wochenmagazin für Computing, Internet und E-Business, erscheint neu im Tabloidformat 235 x 325 mm. Gemäss einer Pressemitteilung der Compress Information Group reagiert der Verlag damit auf den Wunsch der Leser nach einem handlicheren Blatt. Die Formatänderung zieht auch eine
Anpassung der Inseratepreise nach sich.
Neuer Auftritt für siAb Juni präsentiert sich die Schweizer Illustrierte (SI) in einem überarbeiteten Layout. Die SI wird gemäss Chefredaktor Marc Walder im Auftritt moderner und kräftiger. Die wichtigsten Änderungen umfassen eine neue Grundschrift und
den vermehrten Gebrauch der Farbe Rot. Inhaltlich kommen neue Gefässe beim Hefteinstieg sowie eine ausgebaute Partyberichterstattung dazu. Gestaltet wurde das neue Layout vom Hamburger Zeitschriftendesigner Wolf Dammann.
Sunrise und Basler Mediengruppe kooperierenDie Basler Mediengruppe und der Telecomanbieter Sunrise wollen ihre Kernkompetenzen im Bereich Neue Medien gegenseitig ausbauen. Die Kooperation soll eine strategische Verstärkung beider Unternehmen im Bereich Content- und Mediamanagement bringen. Sunrise forciert den Ausbau seiner Dienstleistungen, insbesondere von kundenfreundlichen Portalapplikationen. Die Basler Mediengruppe erweitert durch die Kooperation das Spektrum ihrer Onlinedienste und ergänzt ihr Contentangebot mit Zusatzleistungen wie E-Mail und Chatforen. Neben der Nutzung der bereits bestehenden Synergien wollen Sunrise und die Basler Mediengruppe auch die gemeinsame Realisierung neuer Angebote wie UMTS, Breitband oder Unified Messaging prüfen.

Frequenzstörung ohne Ende

Mit Christian Stärkles Wechsel zur Belcom AG rückt der Einheitsverband in die Ferne

Mit Christian Stärkles Wechsel zur Belcom AG rückt der Einheitsverband in die FerneVon Markus knöpfliDass Christian Stärkle von seinen Plänen als selbstständiger Medienconsulter abgekehrt ist und nun Leiter der Belcom AG wird, gibt in der Branche zu reden. Vor allem aber fällt sein Pool-2000-Mandat dahin. Und ein geeinter Radioverband dürfte in entfernte Zukunft gerückt sein.
Spätestens am 1. Juli wird der 46-jährige Christian Stärkle, der bisher bei der AZ Medien AG für Radio Argovia und Tele M1 verantwortlich war, seine neue Stelle bei Roger Schawinskis Belcom-Gruppe antreten. Dort wird er Leiter der Belcom AG, der Marketing- und Verkaufsorganisation von Radio 24, Tele 24, Tele Züri und Radio 24plus. Der gelernte Jurist wird gleichzeitig Mitglied der Geschäftsleitung der Belcom-Gruppe und hofft, parallel wichtige Funktionen in mehreren Branchenverbänden ausüben zu können. So wurde bereits eine Absichtserklärung unterschrieben, die ihm quasi die Geschäftsführung des Radiowerbepools 2000 sichert. Auch mit einem Mandat des TeleNewsCombis rechnet Stärkle. Und anders als noch vor wenigen Monaten angekündigt, bleibt er nun Präsident des Radioverbandes Privatradio Suisse (PRS) (WW 15/01).
Doch auch Stärkle weiss, dass sein überraschender Wechsel zur Belcom in der Branche einigen Aufruhr ausgelöst hat. Zumindest erstaunt sind einige von Stärkles bisherigen Partnern im Pool 2000, wo Radio-24-Konkurrent Z, BE 1 (bisher Förderband), Argovia, Regenbogen, Sunshine, BeO, Edelweiss und Canal 3 zusammengeschlossen sind. «Mein Wechsel wird dort noch zu einem Hickhack führen», sagt Stärkle, der aber dennoch mit einer Zustimmung rechnet.
Stärkle träumt von einem Dachverband
Die meisten Poolmitglieder äussern sich dazu aber nur hinter vorgehaltener Hand (inklusive Radio Z) und verweisen darauf, dass die neue Situation noch nicht habe besprochen werden können. Klartext redet einzig BeO-Programmleiter Martin Muerner: Die Absichtserklärung mit Stärkle enthalte eine Konkurrenzausschlussklausel, darum sei die Belcom-Leitung mit der Pool-Geschäftsleitung nicht kompatibel. «Deshalb wird Christian Stärkle ganz sicher nicht GL des Pools 2000 bleiben», sagt Muerner.
Über die Frage, ob Stärkles Belcom-Job nun die Gespräche um einen geeinten Deutschschweizer Radioverband behindere, gehen die Meinungen auseinander. Günter Heuberger, Präsident des Konkurrenz-Verbandes Schweizer Privatradios (VSP), sowie VSP-Mitglied Muerner vertreten die Meinung, das Belcom-Engagement Stärkles ändere nichts am Status quo. Beide gehen nach wie vor davon aus, dass bis Ende Jahr eine wie auch immer geartete Einigung möglich sei. Ähnlich sieht es Hansruedi Koelliker vom Radiovermarkter Spot Promotion (siehe «Aufsteller» auf dieser Seite).
Keine Einschätzung der neuen Lage mag PRS-Mitglied Roger Schawinski abgeben. Demgegenüber malt Felix Kilchsperger, Radioverantwortlicher beim PRS-Mitglied Radiotele, die Verbandszukunft in eher düsteren Farben: «Stärkles Selbstständigkeit hätte eine gewisse Chance eröffnet. Nun wird er aber bei der Belcom noch näher bei Radio Top agieren, weshalb sich die Situation verschärfen dürfte», sagt er. Die Chance auf einen geeinten Verband per Ende Jahr ist für Kilchsperger deshalb vorbei.
Und was meint Stärkle selbst? Er präsentiert einen neuen Vorschlag: Statt einer Art Fusion von PRS und VSP schlägt er einen Dachverband der elektronischen Medien vor, bei dem VSP, PRS, der welsche RRR sowie der Privat-TV-Verband Telesuisse Mitglied werden können. Die Absicht dabei ist klar: Alle könnten so das Gesicht wahren.
Doch Heuberger zuckt darob nur die Schultern. Und auch Kilchsperger schüttelt den Kopf: «Das wäre ja fast identisch mit der Interessengemeinschaft elektronischer Medien (IGEM). Ich kann den Sinn einer zweiten derart ähnlichen Organisation nicht einsehen.»
Die neue GL der Belcom-Gruppe

Die Geschäftsleitung der Belcom-Gruppe besteht neu aus Roger Schawinski (CEO), Martin Spieler (COO), Markus Gilli (Programmleiter Tele 24/ Tele Züri), Brigitte Aeschlimann (CFO), Peter Canale (Technischer Direktor), Richi Gasser (Werbeleiter), Peter Brun (Programmleiter Radio 24) und Christian Stärkle (Leiter Belcom).

Aufsteller: «Ein Typ mit klarer Linie»

Christian Stärkle wechselt von Radio Argovia und Tele M1 zur Belcom AG.

Christian Stärkle wechselt von Radio Argovia und Tele M1 zur Belcom AG.Aufsteller «Ein Typ mit klarer Linie»
Ein Auf- oder Absteller?
Hansruedi Koelliker: Eher ein Aufsteller. Aber alles hängt davon ab, welche Freiheiten und Kompetenzen Stärkle erhält. Er kann sein Potenzial nur voll entfalten, wenn er seine Philosophie für die Radio- und TV-Welt verwirklichen kann. Falls er alle Freiheiten erhält, ist er der richtige Mann. Ich fürchte aber, dass Schawinskis Philosophie nicht unbedingt mit jener Stärkles identisch ist.
Seit Michael Frank die Belcom AG verliess, ist sie geschwächt. Wird sie mit Stärkle wieder stärker?
Koelliker: Mit Franks Abgang wurde die Belcom eher gestärkt. Frank hatte viele Bonusstufen eingeführt, die Unruhe brachten. Bei ihm ging es zu wie auf einem türkischen Basar. Früher hatte die Belcom eine klare Linie, die von Frank verwässert wurde.
Kann Stärkle da etwas ausrichten?
Koelliker: Auch nicht sofort. Aber Stärkle ist ein Typ mit einer klaren Linie. Er kalkuliert die Preise klar und verkauft sie auch so.
Stärkle wird voraussichtlich PRS-Präsident bleiben. Muss der Einheitsverband beerdigt werden?
Koelliker: Nein. Die Situation hat sich nicht verändert. Auch ich würde einen einzigen Verband sehr begrüssen. Ob er bis Ende Jahr möglich wird, steht in den Sternen.
Stärkle war als Geschäftsführer des Pools 2000 vorgesehen. Wird er nun dieses Konkurrenzmandat behalten können?
Koelliker: (lacht) Bestimmt. Ich bin aber sicher, dass es bald heisst: Radio Z fällt raus, und Radio 24 kommt in den Pool rein. Das ist eine Frage von wenigen Wochen. Interview: Markus Knöpfli
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