Aus der Berner Tagblatt Medien AG wird die Espace Media Groupe, und die BZ lanciert ein neues KopfblattVon Markus KnöpfliDie Berner Tagblatt Medien AG, die letztes Jahr ein Spitzenresultat vorlegte, benennt sich in Espace Media Groupe um, lanciert per 2002 eine Solothurner Splitausgabe und bietet sich in Biel und Freiburg als Partnerin für alle Fälle an.
Die Berner Tagblatt Medien AG (BTM) wird sich an ihrer Generalversammlung (GV) von Ende Juni in Espace Media Groupe (EMG) umbennen. Die Wahl eines französischen Namens unterstreicht wohl bewusst eine Strategieausweitung, welche die BTM an der GV via Statutenänderung vornehmen will. Der EMG-Zweckartikel soll zum Ausdruck bringen, dass das Unternehmen künftig auch «publizistisch und wirtschaftlich zum Brückenschlag zwischen der deutsch- und französischsprachigen Schweiz» beitragen will.
Dies sei, so erklärte BTM-VR-Präsident Charles von Graffenried auf Anfrage, «ein Vorsignal» an das Bieler Tagblatt (BT), die Freiburger Nachrichten (FN) und an La Liberté, «dass man von uns Unterstützung haben könnte, falls nötig». Im Auge hat von Graffenried primär Edipresse, die ebenfalls nach den fraglichen Verlagen schielt. Dem BT, das schon heute mit der Berner Zeitung redaktionell und in einem Werbekombi verbunden ist, ist die BTM laut von Graffenried «bereit zu helfen». Gegenüber der FN bekundete er seine «Sympathie, ohne aber etwas forcieren zu wollen», ergänzte aber, eine Lösung wie im Berner Oberland sei bei der FN «nicht nötig» (siehe Kasten). Und der Paulus-Druckerei, die La Liberté herausgibt und als Minderheitsaktionärin an der FN beteiligt ist, will von Graffenried explizit «im Kampf gegen Edipresse» zur Seite stehen. Hier seien «alle Kombinationen möglich», sagte er.
Langfristige Planspiele in der Berner Zentrale
Weniger hilfsbereit geht die BTM im Raum Solothurn vor, wo die BZ derzeit rund 1100, die Solothurner Zeitung (SZ) hingegen 30000 Abonnenten hat. Die BZ lanciert ab Januar 2002 unter dem Titel Solothurner Tagblatt (ST) ein weiteres Kopfblatt mit einer eigenen neunköpfigen Lokalredaktion und mit Frühzustellung.
Ziel sei es, vor allem nach Bern orientierte Pendler anzusprechen. Das ST wird mit einer Startauflage von 12000 Exemplaren der kleinste von insgesamt sieben eigenständigen BZ-Splits sein.
Von Graffenried will das Projekt primär als «strategischen Schritt» verstanden haben. Gewinnerwartungen stünden nicht im Vordergrund. Der Ausbau sei für die BZ überlebensnotwendig, nachdem die Vogt/Schild-Habegger AG als Herausgeberin der Solothurner Zeitung eine Kooperation mit der BTM abgelehnt habe. Die BZ müsse weiterhin wachsen, um sich langfristig
im Werbemarkt behaupten zu können.
Als Kampfansage gegen die SZ sei dies jedoch nicht zu werten, hingegen hoffe er, dass die Verlage in Solothurn, Olten und Zofingen dereinst nach fünf Jahren Verbund Mittelland Zeitung (MZ) mit der Aargauer Zeitung die Situation noch einmal überdenken würden. Von Graffenried sagte weiter, die PubliGroupe, die zu 35 Prozent an der SZ beteiligt ist, erwarte für den MZ-Verbund rund 1000 Inserateseiten mehr pro Jahr. Zum Vergleich: Für ihre angestrebte Kooperation mit der SZ hat die BZ 1200 zusätzliche Anzeigenseiten erwartet. Übrigens: Der BZ-Ausbau in Solothurn ändert nichts bei der BTM-Gratiszeitung Solothurner Woche, die BTM-Konzernchef Albert P. Stäheli als «Perle» bezeichnete.
Die BTM hat im letzten Jahr ein weiteres Spitzenergebnis erzielt. Sie erwirtschaftete bei einem konsolidierten Gruppenumsatz von 208,3 Millionen Franken (Vorjahr 194,0) ein Unternehmensergebnis nach Steuern von 36,3 Millionen (32,8 Millionen) Franken, was einer Gewinnsteigerung von rund 11 Prozent entspricht. Der Unternehmens-Cashflow erhöhte sich auf 42,6 Millionen (40,3 Millionen) Franken. Der Tamedia, die zu 49 Prozent an der BTM-Tochter BZ beteiligt ist, wurden gut 10 Millionen Franken abgeliefert; die BZ erhielt gleichzeitig aus ihrer 15-Prozent-Beteiligung an der SonntagsZeitung gegen 4 Millionen Franken von der Tamedia. Diese Zahlen wurden auf Anfrage als ungefähre Grössenordnungen bestätigt.
BTM in zahlen(Geldwerte in 1000 Franken)
2000 1999 %
Umsatz 208 269 194 034 7,3
Unternehmensergebnis (nach Steuern) 36 310 32 781 10.7
Konzerngewinn 24 146 23 366 2,9
Unternehmens-Cashflow 42,6 40,3 5,7
Quelle: BTM
Gegenmassnahmen in der Schublade
«Für uns ist der BZ-Split ein frontaler Angriff auf unsere Zeitung und unser Unternehmen, auch wenn dies seitens der BTM noch so verwedelt wird», sagte Rudolf Rentsch, Direktor von Vogt/Schild-Habegger, auf Anfrage. «Aber wir sitzen nicht
wie ein Kaninchen vor der Schlange.» Selbstverständlich habe er ein «Paket mit Gegenmassnahmen» in der Schublade. Zudem weiss er: Gemäss den BTM-Businessplänen für das ST, die ihm von der BTM vorgelegt wurden, wird der ST-Verlust im ersten Jahr weit über 5 Millionen Franken und nach fünf Jahren kumuliert gut 25 Millionen Franken betragen. «Deshalb hat die BTM weder ein publizistisches noch wirtschaftliches Motiv für die ST-Lancierung», sagt Rentsch. Der Weg nach Solothurn werde für die BTM «steinig» sein, sagte auch AZ-Verlagsleiter Ueli Eckstein, der zudem in Aussicht stellte, dass von Seiten des MZ-Verbundes «mehr kommen könnte, als bisher angekündigt». Ob die PubliGroupe der MZ tatsächlich 1000 Inserateseiten mehr pro Jahr in Aussicht gestellt hatte, wollte er hingegen nicht bestätigen. Fest stehe aber, dass die vier beteiligten Verlage und die PubliGroupe in separaten Berechnungen auf praktisch identische Resultate gekommen seien.
Auch der Bund schielt nach Westen
Derzeit suchen die Freiburger Nachrichten (FN) einen neuen Partner, der ihr vier überregionale Seiten (Ausland, Inland, Sport und Mix) fast fixfertig liefert. Bisher erhielt die FN diesen Service von der Solothurner Zeitung (SZ) geboten, doch wegen des neuen Verbunds Mittelland Zeitung hat die SZ den Vertrag mit der FN per Ende Jahr gekündigt. Gemäss FN-Chefredaktor Marcel Waeber liegt bereits eine Zusicherung seitens der Schaffhauser Nachrichten vor. Mit dieser und weiteren möglichen Partnern werde man demnächst verhandeln, nicht jedoch mit BZ und Bund, da deren überregionale Seiten thematisch zu umfassend seien. Bezüglich weiter gehender Kooperationen hielt Waeber aber fest: «Jeder redet mit jedem. Auch der Bund interessiert sich für uns.»