Autor: admin
Aufgefallen: Gleichberechtigung kann auf viele Arten manifestiert werden.
Gleichberechtigung kann auf viele Arten manifestiert werden. Die einen demonstrieren für mehr Lohn, die anderen kleiden sich wie Männer, und die Dritten halten sich männliche Sekretäre. Aller Gleichberechtigung zum Trotz verfolgt uns die Unterschiedl
Unsichtbarkeit
von Mike Müller
An meinem Kühlschrank steht: I haven’t had my coffee yet, don’t make me kill you. In den ersten Stunden des Tages möchte ich diesen Spruch als Schutzschild vor mich hertragen, wobei das auch schon wieder zu viel Kommunikation wäre. Non-Kommunikation sei auch Kommunikation, habe ich einmal gelernt. Blödsinn. Non-Kommunikation ist Nicht-auf-Sendung-Sein, und zwar so, dass es der andere nicht einmal merkt. Das kann man üben. Am besten und am erfolgreichsten war ich einmal im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich. Nur bemerkte das niemand, darin lag ja gerade der Erfolg. Ich musste für eine Vorstellung im schönen Biergarten – da hatten wir einen Tennisplatz hingebaut – als Vagabund gekleidet um das Haus herumschleichen und von der Strasse her durch die Büsche an den Landwehrkanal hinunterkraxeln. Dummerweise fand zur selben Zeit eine unbewilligte Demonstration statt, mehrere Busse mit Zürcher Polizisten hielten auf dem Parkplatz, den ich gerade überqueren wollte. Ich machte mich also unsichtbar, ich spielte mich selber weg, versank in einen unauffälligen Schritt, liess die Schultern leicht hängen und versuchte einen unheimlich unpolitischen Gesichtsausdruck. Es klappte.
Beim Kiosk vor meinem Haus habe ich diese ambitionslose Unsichtbarkeitsübung schon x-mal versucht. Erfolglos. Ungeduscht, unrasiert, ein Baseball-Cap auf dem Kopf, ohne Socken in den Schuhen versuche ich immer wieder, den so genannten stillschweigenden Barkauf zu tätigen (OR 184, Absatz 1). Die freundliche Kioskfrau hat jedesmal Mitleid mit mir. Gluckenhaft schaut sie mir in die Augen und versucht mir gut zuzureden, wünscht mir gar einen besonders schönen Tag. Morgen probiere ich eine neue Strategie aus: Rasiert und im Massanzug schreite ich zielbewusst zur Zeitungsauslage. Am Handy täusche ich ein Gespräch vor: Ich halte mei-
nem fiktiven Gesprächspartner einen Vortrag über Morgenmuffel.
[email protected]
Mike Müller ist Darsteller.
Sprachbeobachter
Du oder Sie (II):
Sie mich auch!
Mit dem Du und dem Sie bietet das Deutsche die Möglichkeit, dass zwei Menschen den Abstand gemeinsam festlegen können, der zwischen ihnen bestehen soll. Das Du ist die intime Anrede: Eltern und Kinder duzen sich, Verwandte, Freunde, Liebende. Daneben gibt es das Du der Geringschätzung: Der Chef duzte früher die Untergebenen, während diese Sie sagen mussten. Polizisten duzen Velofahrer, die im Fahrverbot nicht absteigen. Gefangene, Ausländer, Behinderte und Jugendliche werden in der Regel geduzt. Ausserdem gilt das Du in der SP, an der Theke sowie in Gruppen der Selbsterfahrung und des Pauschaltourismus. Ein temporäres Du gibt es in der Berghütte – am Seil sowieso.
Das Du kann Intimität, Herabsetzung, Solidarität, Hierarchie oder Jugendlichkeit bedeuten – mit allen Mischungen! Das Durcheinander ist perfekt. Der Wechsel zwischen Lockerheit und Förmlichkeit, zwischen privat-vertrautem und distanziert-hierarchischem Umgangston wird in kaum zwei (Firmen-)Kulturen gleich gehandhabt. Besonders bei Vertragsverhandlungen ist es wichtig, den richigen Ton zu treffen. Zu viel Förmlichkeit hat schon ebenso manches Geschäft vermasselt wie allzu plumpe Vertraulichkeit.
Gemäss einem Gerichtsentscheid von 1998 kann das Du von einer Firma als Umgangsform verlangt werden. Aber ist das sinnvoll? Sind bloss zwei Möglichkeiten der Anrede nicht schon armselig genug für die gesamte Palette von Gefühlen, mit denen sich die Menschen begegnen? Hass, Angst, Misstrauen, Distanz, Respekt, Offenheit, Bereitschaft, Vertrauen, Zuneigung, Liebe…
Eine fortschrittliche Corporate Language gewichtet Offenheit und Klarheit höher als verordnete Nähe, die an sich noch keinen Wert darstellt. Sie schätzt eine produktive Spannung als Antrieb und hütet sich, Unterschiede zu nivellieren. Eine konstruktive Auseinander-Setzung bedeutet erst einmal mehr Distanz, worauf die Beteiligten wieder aufeinander zugehen können – unter neuen Voraussetzungen.
Das Austragen von Meinungsverschiedenheiten hängt nicht allein von der Anrede ab, aber sie setzt doch Signale. Das verordnete Du kann als Einschränkung empfunden werden: Die Mitarbeitenden dürfen nicht mehr frei entscheiden, zu wem sie welche Distanz wollen. Alle sollen gleich sein, dabei weiss jeder: Ohne Hierarchie funktioniert der Laden nicht. Soll sie verschleiert werden? Wer wünscht sich eine solche Schattenhierarchie? Und wenn es mal hart auf hart geht: Was hat der Mitarbeiter dann davon, wenn der Chef Du Idiot! zu ihm sagt statt Sie Idiot!?
Wie bei der Political Correctness verbergen neue Bezeichnungen jene Tatsachen, die man lieber nicht aussprechen möchte. Doch die Tatsachen verschwinden deswegen nicht. Ein Idiot wird nicht intelligenter, wenn er als kognitiv herausgefordert bezeichnet wird – im Gegenteil: Idiot hat er wenigstens noch verstanden.
Beat Gloor, www.textcontrol.ch
Online-Marketing: Moneycab
Ziel: Die Bekanntheit der Plattform Moneycab soll massiv erhöht werden.
Auftraggeber: Moneycab, Zürich. Agentur: Bemberg Gedenk Media.
«Wir wollen trendiger werden»
Eveil-Culturel-Herausgeberin Nicole Steffen glaubt an eine erfolgreiche Melange von Musik und Lifestyle
Nicole Steffen: Ich werde streng darauf achten, weiterhin ein qualitativ hoch stehendes Produkt anzubieten. Unter Lifestyle verstehe ich nicht unbedingt Themen über Gastronomie, Weinkunde, Wellness und anderes mehr. Eveil Culturel soll aber auch nicht eine reine Musikfachzeitschrift für ein Fachpublikum sein. Ich möchte einfach ein paar Türen öffnen. Rund um die Musik geschieht ja so viel. Es ist mir ein Anliegen, den Leuten die Welt der Musik auf eine unkonventionelle Weise näher zu bringen.
Würden Sie ein Beispiel nennen?
Steffen: Um die junge Schweizer Sopranistin Rachel Harnisch zu porträtieren, haben wir sie nicht einfach in ihrer Loge am Berner Stadttheater besucht und ein Interview gemacht. Wir kleideten sie im Modehaus Ciolina mit Designerstücken ein. So entstand eine Serie von Bildern der Künstlerin, wie man diese von der Bühne her nicht kennt.
Fürchten Sie nicht, durch eine Themendurchmischung Stammleser zu verärgern oder gar zu verlieren?
Steffen: Die Themen zur klassischen Musik werden nach wie vor das Pièce de résistance bilden. Aber auch eine Zeitschrift wie Eveil Culturel muss sich weiter entwickeln. Deshalb werden wir vermehrt die Verbindung der klassischen Musik zu anderen Stilrichtungen behandeln. Damit hoffen wir natürlich, neue Leser zu gewinnen und die Stammleser für Neues zu interessieren.
Wurden Sie von Werbeauftraggebern zu dieser Öffnung aufgefordert?
Steffen: Wenn man Werbung für Luxusgüter betrachtet, stellt man leicht fest, dass sich diese stark gewandelt hat. Luxusgüterwerbung richtet sich an ein junges Publikum. Deshalb sind wir gezwungen, den redaktionellen Teil anzupassen, sprich zu verjüngen.
Wenn sich die Zeitschrift nun auch an ein junges Publikum richtet, wird man wohl nicht mehr ausschliesslich Werbung für Luxusprodukte sehen. Wie verträgt sich H&M-Werbung mit einer Anzeige von Hermès?
Steffen: Wir werden sehr wählerisch sein in Bezug auf Inserate für Konsumgüter, die nicht dem Bereich der Luxusgüter angehören.
Welches waren eigentlich die Gründe, weshalb Ihr Mann Ihnen die Leitung des Magazins übergeben hat?
Steffen: Da mein Mann kein Deutsch spricht, Eveil Culturel heute aber den Grossteil seiner Abonnenten und Leser in der Deutschschweiz hat, war die Übernahme des Projektes eine logische Entwicklung.
Dann sind Sie Chefredaktorin und Verlegerin in Personalunion?
Steffen: Ja, und ich freue mich, die vielen Ideen, die ich für das Magazin und seine Zukunft habe, umsetzen zu können.
Welche Prioritäten setzen Sie?
Steffen: Das Magazin soll trendiger werden. Mit der neuen Aufmachung und der Themenerweiterung wollen wir auch jüngere Leute ansprechen. Ein weiterer wichtiger Schritt: Ab dem kommenden Jahr werden sechs statt wie bisher vier Ausgaben erscheinen.
Das hatte Ihr Mann aber schon 1997 geplant.
Steffen: Damals war es offenbar noch zu früh. Mit der neuen Formel sollte die Erhöhung der Periodizität ab dem nächsten Jahr aber gelingen.
Welche Eigenschaft würden Sie als die wichtigste Stärke von Eveil Culturel bezeichnen?
Steffen: Zunächst die Themenvielfalt, dann die nationale Verbreitung und die Zweisprachigkeit. Letztere kommt in einer Kulturzeitschrift sehr gut an, wie eine Umfrage bei den Lesern gezeigt hat. Bezüglich Layout bleibt die Zweisprachigkeit aber nach wie vor eine grosse Herausforderung.
Der Relaunch wäre eine Gelegenheit gewesen, dem Magazin einen neuen Namen zu geben. Wirkt Eveil Culturel nicht etwas gar verstaubt?
Steffen: Der Name Eveil Culturel stammt noch aus der Gründerzeit, als das Magazin nur in der Westschweiz vertrieben wurde. Wir haben tatsächlich schon laut über einen neuen Namen nachgedacht. Nur ist dieser nicht so einfach zu finden, und zudem ist Eveil Culturel unterdessen auch in der deutschen Schweiz ein Begriff geworden. Interview: Anita Vaucher
L’eveil culturel
Mit einer Zufallserbschaft von 30000 Franken gründete Franck Steffen vor neun Jahren die Zeitschrift Eveil Culturel. Die Startauflage betrug damals bescheidene 6000 Exemplare. 1996 wagte das bisher nur für den Westschweizer Markt produzierte Kulturmagazin den Sprung über die Sprachgrenze. Heute hat das zweisprachig geschriebene Magazin (F/D) eine (nicht beglaubigte) Auflage von 28800 Exemplaren.
Ab in den Besenwagen
Nach gescheiterten Verkaufsversuchen wird das Bike-Magazin Move eingestellt
Special-Interest-Titel.
Als Fischer Media im April bekannt gab, sie wolle sich in Zukunft auf das Druckgeschäft konzentrieren und stosse deshalb sämtliche Verlagsprodukte ab, sah alles noch gut aus (WW 16/01). Für die Publikationen im Natur-, Freizeit- und Servicebereich seien Lösungen gefunden oder in Griffnähe, hiess es. Auch für das Bike-Magazin Move. Doch nur zwei Monate später wird Move eingestellt. Mit der Juni-Ausgabe hielten die Leser bereits die letzte Ausgabe in Händen.
«Wir hatten gehofft, dass jemand anders das Heft besser zum Funktionieren bringen kann. Am Schluss zogen sich aber alle Interessenten zurück», bilanziert Hans-Rudolf Wiederkehr, VR-Präsident der Fischer Media AG, die Bemühungen der vergangenen Wochen. Sein Fazit: «Der Schweizer Markt ist zu klein für ein eigenes Bike-Magazin.» Vor dem definitiven Entscheid für das Aus habe man alle denkbaren Varianten durchgespielt. Zuletzt hätte sich die Chefredaktion sogar mit dem Gedanken getragen, das Heft selber weiterzuführen. «Aber die Rechnung war einfach zu unsicher. Es reichte weder zum Leben noch zum Sterben», stellt Wiederkehr fest.
Trotz «Dopings» kamen kaum neue Leser und Anzeigen dazu
Vor acht Jahren hatte Move das Licht der Welt erblickt. Laut Wiederkehr hatten sich die Probleme besonders in den beiden letzten Jahren verschärft. Zwar sei Move nie eine Goldgrube gewesen, doch habe das Heft in seinen guten Jahren schwarze Zahlen geschrieben. In den beiden vergangenen Jahren sei aber die Nachfrage sowohl im Leser- als auch im Inserentenmarkt markant zurückgegangen.
Im vergangenen Jahr hatte man den Lenker herumzureissen versucht. Eine breitere Positionierung sollte dem Heft mehr Leser und Inserenten bescheren. Deshalb wurde das reine Bike-Heft kurzerhand in ein Outdoor-Magazin mit Schwerpunkt Biking umgewandelt. Auch dieser Schritt brachte keine Wende. Laut Wiederkehr liessen sich keine neue Publikumsschichten erschliessen. Zuletzt betrug die (nicht Wemf-geprüfte) Druckauflage des Heftes noch 25600 Exemplare.
Trotzdem betont Wiederkehr, nicht Move sei das grösste Sorgenkind der Fischer Media AG gewesen, sondern Astrea, das Heft des Apothekervereins. «Wäre Move unser einziges Verlagsobjekt gewesen, hätte man es redimensionieren können und wäre damit gerade so durchgekommen», ist Wiederkehr überzeugt. Der Beweis dafür muss jetzt nicht mehr erbracht werden.
Kettensäge in Hühnerfarm
Mit einer Parodie auf Infomercials wirbt eine US-Hühnerfleischmarke für ihre Produkte
Wer auch schon unter Schlafstörungen gelitten hat, weiss nur zu gut, was ein Infomercial ist. Vor allem in Amerika, wo diese nachts (und zu anderen billigen Sendezeiten) die Kanäle zahlreich besetzen. Ob sie Küchenapparate, Fitnessmaschinen oder Beautylinien anpreisen: Meist sind sie langatmig und fürchterlich billig gemacht. Teilweise sind sie so schlecht, dass sie schon fast wieder gut sind und eine hypnotische Qualität erlangen, die einen vom Aus- oder Umschalten abhält.
Stattdessen bewundert man die Geschmacklosigkeit der Sets, die als Hintergrund für die Vorführung dienen, oder man amüsiert sich über die beflissen lernwilligen Assistenten und wundert sich über das Publikum, das stets begeistert klatscht.
Der Chairman der Firma waltet im Spot als Kaufmotivator
Auf dieser Hassliebe beruht die neueste amerikanische Kampagne für die Hühnerfleischmarke Perdue Farms von Lowe Lintas & Partners, New York. In den drei Spots «Chicken Tank», «Nuggetizer» und «Chicken Chain Carver» werden Infomercials für ebenso frei erfundene wie absurde Maschinen zur Zubereitung von Hühnerfleisch inszeniert. In «Chicken Tank» wird eine Art Brutkasten vorgeführt, in dem der Demonstrator den Huhnteilen das Fett abschneidet. Selbst das bei Infomercials üblicherweise eingeblendete «Paid Advertisement» fehlt nicht. Das Publikum johlt und klatscht, bis Jim Perdue, Chairman der Firma, mitten im Publikum aufsteht und sagt: «But why not buy Perdue Chicken Breasts?». Während er erklärt, diese seien bereits von jeglichem Fett befreit worden, steuert das Sicherheitspersonal auf ihn zu und führt ihn hinaus.
Das Muster wiederholt sich in «Nuggetizer», in dem der Demonstrator eine Art Fleischwolf vorführt, mit dem man jedes Huhnteil – selbst Innereien und Skelett – in Nuggets verwandeln kann: «Kids won’t have a Clue, what they are eating» («Die Kinder werden keine Ahnung haben, was sie essen»), sagt er, während das Publikum begeistert «Nuggetize it!» schreit. Wieder macht Jim Perdue auf die Chicken Nuggets von Perdue aufmerksam, die nur weisses Hühnerfleisch enthalten.
In «Chicken Chain Carver» werden Hühner mit einer Kettensäge zerlegt. Der Säge fällt letztlich auch noch der Tisch, auf dem sie lagen, zum Opfer. Die Spots verzichten auf Taglines und blenden nur eine Telefonnummer und eine Website-Adresse ein. Die Perdue-Spots wurden von Simon Bowden und David Lowe gestaltet. Regie führte Joe Public.
Nahkampfshopping ist wieder in
Die jüngste W3B-Studie von Fittkau & Maass stellt eine sinkende Begeisterung für Onlineshopping fest
20 Prozent bereit, für Online-Inhalte zu bezahlen. Vor allem Printwerbung spielt für das Auffinden von Websites eine wichtige Rolle. Zu diesen Ergebnissen kommt die 12. WWW-Benutzer-Analyse W3B von Fittkau & Maass, Hamburg.
Seit dem Frühjahr 1996 ist bei deutschsprachigen Internetnutzern die Bereitschaft, online einzukaufen, erstmals rückläufig. Gemäss der Internetstudie W3B des Hamburger Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maass GmbH gaben im April und Mai 2001 nur noch 52,9 Prozent der Befragten an, im nächsten Halbjahr online einkaufen zu wollen. Im Herbst 2000 waren es noch 64,1 Prozent, im Frühjahr 2000 55,3 Prozent gewesen. Der Anteil der Personen, die nicht im Web einkaufen möchten, ist hingegen gestiegen.
Grösstes Hemmnis beim Internetkauf ist das mangelnde Vertrauen der Konsumenten. Vor allem für Internetneulinge spielt die Sicherheit bei der Übertragung der Daten und im Zahlungsverkehr eine grosse Rolle. Diese Bedenken nehmen bei erfahrenen Internetbenützern zwar ab, nicht aber die Bedenken, dass Shopbetreiber persönliche Daten an Dritte weiterleiten könnten.
E-Commerce-Betreiber stehen also vor der Herausforderung, das Vertrauen ihrer Kunden zu festigen, wobei es Anbieter, die man schon aus der Offlinewelt kennt, etwas einfacher haben.
Die W3B-Studie widmet sich auch der Bedeutung der Werbung fürs Internet. Diese ist für das Auffinden von Webites von grosser Bedeutung. Wichtiger sind lediglich Suchmaschinen und Webverzeichnisse sowie
die Mund-zu-Mund-Propaganda (siehe Grafik). Innerhalb der Werbung sind offensichtlich Printanzeigen die wichtigste Orientierungshilfe. Deutlich weniger Personen gaben an, dass Onlinewerbung sie zum Besuch einer Website motiviert hat.
Rund 20 Prozent würden für Content bezahlen
Interessant ist vor allem ein Vergleich der einzelnen Medien: Offensichtlich kommt der Werbung eine grössere Bedeutung für das Auffinden von Websites zu als den redaktionellen Beiträgen im gleichen Medium.
Diese Resultate täuschen allerdings nicht darüber hinweg, dass für viele Websitebetreiber die Finanzierung nur über Werbung schwieriger geworden ist. Vereinzelt wird deshalb bereits über die Einführung kostenpflichtiger Services und Inhalte diskutiert. Manche Beobachter zeigen sich skeptisch, ob sich den verwöhnten Internetnutzern überhaupt Inhalte in grösserem Mass verkaufen lassen. Die W3B-Studie gibt aber Anlass zur Hoffnung. Immerhin ein Drittel aller Befragten geben an, dass sie bereit wären, für bestimmte Onlineservices oder -inhalte zu bezahlen. 51 Prozent lehnen dies strikt ab.
Vorab Webpublisher dürften sich darüber freuen, dass 19 Prozent der Internetbenützer offensichtlich gewillt sind, für hochwertige, aktuelle Informationen, Daten oder Nachrichten zu bezahlen.
daten per onlineformular erhoben
Für die 12. WWW-Benutzer-Analyse W3B wurden im Frühjahr 87528 deutschsprachige Internetuser aus Deutschland (91,5 Prozent), Österreich
(4,7 Prozent), der Schweiz (1,4 Prozent) und anderen Ländern per Onlineformular befragt. Das Sampling erfolgte im Active-Sampling/Pop-Up-Verfahren (Zufallsziehung des x-ten Besuchers), unterstützt durch Hyperlinks und Bannerwerbung. An der Studie waren über 70 Unternehmen mit 220 Websites beteiligt.
WoZ will im Herbst auch in die Wirtschaft gehen /Die WochenZeitung (WoZ) plant einen viermal jährlich erscheinenden Wirtschaftsbund mit einer Redaktion aus WoZ-Leuten und Gewerkschaftsvertretern.
WoZ will im Herbst auch in die Wirtschaft gehenDie WochenZeitung (WoZ) plant einen viermal jährlich erscheinenden Wirtschaftsbund mit einer Redaktion aus WoZ-Leuten und Gewerkschaftsvertretern. Derzeit beraten Gewerkschaften über die Finanzierung
Ausserdem wird bei der Mach Consumer 2001 die WoZ erstmals miterhoben. «Bei den Werbeauftraggebern haben wir immer noch das WG-Wollsocken-und-nicht-konsumieren-wollen-Image; davon wollen wir weg», sagt Werbeleiterin Denise Nick. Sie will nun die WoZ direkt bei Werbeauftraggebern präsentieren. Dazu stockte sie die Akquistion von 110 auf 200 Stellenprozente auf und sucht zusätzlich einen externen Akquisiteur.
WoZ Luzern, der Innerschweizer Split, hat derzeit 1300 Abonnenten; mindestens 1600 wären jedoch nötig. Immerhin 80 Prozent der Ex-Luzern-heute-Abonnenten konnte die WoZ behalten. Beim Förderverein werden nun die Mitgliederbeiträge erhöht. (mk)
Online-Marketing: Aspectra
Ziel: Imagekampagne sowie Steigerung des Bekanntheitsgrades.
4. Juni bis 1. Juli.
Auftraggeber: Aspectra. Agentur: OMD, Zollikerberg.
24/7 macht sich aus dem Staub
In Ecublens werden zwölf Leute entlassen
Bis am 30. Juni soll eine Endabrechnung der laufenden Aktivitäten der Schweizer Niederlassung vorliegen, und bis am 15. Juli will 24/7 Media Switzerland alle offenen Aufträge abschliessen. Der Onlinevermarkter hatte erst im Juni 1999 durch die Übernahme von Kendro Communications eine Niederlassung in der Schweiz eröffnet mit dem erklärten Ziel, möglichst rasch die Marktführerschaft in der Schweiz zu übernehmen. Im September 2000 begann Luigi G. Baretella einen Ableger in Zürich aufzubauen, sprang jedoch bereits im März 2001 wieder ab. Mit der Schliessung von 24/7 Media Switzerland geht rund ein Dutzend Stellen verloren.
«Der Markt hat sich wesentlich langsamer entwickelt, als wir erwartet haben», kommentiert Stéphane Schoch, Managing Director von 24/7 Media Switzerland, die Lage. Entsprechend gering ist gemäss einer Umfrage der Netzwoche denn auch das Interesse der Deutschschweizer Onlinevermarkter, in die Westschweizer Lücke zu springen. Ausser Real Media und Publimedia Webadvertising bearbeiten sie die französische Schweiz grösstenteils weiterhin von Zürich aus. Bruno Amstutz
News: Kein Jugendradio für Extrabern
Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat das Konzessionsgesuch des Berner Privatradios Extrabern um eine UKW-Frequenz für einen geplanten Jugendsender abgelehnt.
Die Frequenzlage sei derart prekär, dass bereits die Versorgung der bestehenden Lokalradios noch mancherorts erhebliche Probleme stelle.
Femmes en Suisse wird L’EmilieDie Westschweizer Zeitschrift Femmes en Suisse nennt sich jetzt neu L’Emilie. Mit Gründungsjahr 1912 ist das Monatsheft die älteste feministische Zeitschrift in ganz Europa. Chefredaktorin Andrée-Marie Dussault will auch unter dem neuen Namen den bereits klassischen feministischen Kampfzonen treu bleiben, die da sind: Fristenlösung, Lohngleichheit, häusliche und eheliche Gewalt. Mit dem aktuellen Relaunch soll die Auflage des Magazins von bisher 2000 Exemplaren gesteigert werden.
Kopf der Woche: «Die politische Kommunikationdürfte humorvoller sein»
Jean-Blaise Defago ist seit dem 1. Juni Geschäftsleitungsmitglied bei Burson-Marsteller in Bern
Als Generalsekretär der SVP hatte Jean-Blaise Defago zunehmend Mühe mit der Politik dieser Partei. Und nach den jüngsten Diskussionen um die Inseratekampagne zur Abstimmung über die Militärgesetze ist er wohl auch froh, diesen Kommunikationsstil nicht mehr nach aussen vertreten zu müssen. Zudem verspürte er nach fünf Jahren politischer Tätigkeit Lust, etwas Neues anzupacken.
Das Angebot von Burson-Marsteller in Bern kam darum wie gerufen. Lic. phil. Jean-Blaise Defago faszinierte das Fach Medienwissenschaft, und so war es kein Wunder, dass er nach seinem Studium in Freiburg in den Informationsdienst der Bundeskanzlei trat. Nebenbei holte er sich am Sawi noch das Diplom zum eidg. dipl. PR-Berater.
Nun habe er endlich Gelegenheit, die theoretisch erworbenen PR-Kenntnisse praktisch anzuwenden, freut sich Defago. Das Agenturleben ist für ihn neu. Bei der Kommunikationsagentur Burson-Marsteller wird sich der 39-Jährige als Geschäftsleitungsmitglied vor allem um den Bereich Public Affairs/Corporate Communications für die Region Bern und Westschweiz kümmern. Gerade in der Region zwischen Biel und Neuenburg, aber auch im Kanton Waadt mit den zahlreich neu angesiedelten Unternehmen sieht er Handlungsbedarf.
Er wisse, dass er jetzt als Berater die Anliegen des Kunden in den Vordergrund zu stellen habe, meint er, angesprochen auf allfälliges Konfliktpotenzial im neuen Job. Leicht wird dies dem extravertierten und kommunikationsfreudigen Macher wahrscheinlich nicht immer fallen.
Als PR-Berater bei Burson-Marsteller kann sich Defago durchaus vorstellen, politische Mandate zu übernehmen. Diese würden in Zukunft sowieso an Bedeutung gewinnen, weiss Defago. Er glaubt auch, dass sich Werbung für politische Anliegen immer weniger von der kommerziellen Werbung unterscheide. Wer fundiert argumentieren wolle, erreiche das Publikum kaum noch.
SP und SVP waren in den letzten Jahren mit ihren Kampagnen wohl deshalb so erfolgreich, weil diese prägnant und plakativ daherkamen. Oberstes Credo für politisches Kommunizieren bleibt für Defago aber der Anspruch auf die Wahrheit und der Respekt vor dem Gegner. «Die politische Kommunikation dürfte aber etwas humorvoller sein», so Defago.
Seine eigene politische Karriere wird er für die nächsten Jahre zurückstellen und sich ganz seiner neuen Aufgabe widmen. Networking wird für ihn Priorität haben, und zwar nicht nur in Bern, sondern auch im Kanton Freiburg, wo er mit seiner Familie wohnt. Einen Faden zum Netzweben hat er bereits gesponnen:
Er wird Vorstandsmitglied des einflussreichen Eishockeyklubs Fribourg Gottéron. Anita Vaucher
