Auf zum langen Marsch nach Bern

Das geplante Werbefenster des französischen Privatsenders M6 stiftet nicht nur in der Westschweiz Verwirrung

Das geplante Werbefenster des französischen Privatsenders M6 stiftet nicht nur in der Westschweiz Verwirrungvon Anita Vaucher Der Starttermin des M6-Werbefensters bleibt ungewiss. Das Bundesamt für Kommunikation wartet auf die Bewilligungskopie aus Frankreich, die Kabelnetzbetreiber verhandeln seit Wochen mit M6. TSR-Generaldirektor Gilles Marchand ruft bei Kaffee und Gipfeli zum Marsch nach Bern auf.
Für Gilles Marchand, Direktor der Télévision Suisse Romande (TSR), ist das geplante Werbefenster des französischen Senders M6 ein rotes Tuch. Er schätzt den Verlust der Werbeeinnahmen für TSR auf 10 bis 12 Millionen Franken (WW 39/01). Indes, das Schreckgespenst wurde auch am 1. November, dem jetzt zweiten angekündigten Starttermin, nicht gesichtet. Und gemäss Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ist auch noch kein definitives Datum fixiert, an dem das Werbefenster aufgeschaltet werden soll. Das Bakom wartet laut dessen Mitarbeiter Bernhard Bürki immer noch auf das Papier, das die französische Aufsichtsbehörde CSA dem Sender M6 ausgestellt hat und diesem das Betreiben des Schweizer Werbefensters erlaubt.
Die Verwirrung beim Bakom ist gross, denn laut Bürki hat auch mehrmaliges Nachfragen beim CSA nach dem Verbleib der Bewilligungskopie bis jetzt keine Früchte getragen. Vielleicht deutet man aber an der Bieler Zukunftsstrasse insgeheim die Verzögerung als ein Zeichen dafür, dass das CSA es sich doch noch anders überlegt haben könnte und dadurch neuer Verhandlungsspielraum geschaffen wird.
Es sei alles eine Frage der Auslegung, meint Bürki gegenüber der WerbeWoche. Zur Diskussion stehe die europäische Konvention über grenzüberschreitende Fernsehausstrahlungen.
Unterdessen hält sich das Gerücht, dass zumindest ein Teil der Kabelnetzbetreiber das Werbefenster eventuell gar nicht aufschalten wird – aus Solidarität oder Gehorsam gegenüber den mit TSR verbandelten privaten TV-Stationen. Bestätigt wird dieses Gerücht zwar nirgends, doch lässt zumindest aufhorchen, dass M6 nach wie vor mit den Kabelnetzbetreibern verhandelt.
Technische Probleme stellen sich aber sicher nicht, verfügt doch M6 bereits heute über eine technische Reichweite von 91 Prozent in der Westschweiz. Die Verhandlungen dürften eher darauf hinweisen, dass M6 bei den Netzbetreibern unerwartet auf Granit gebissen hat. Noch im September hatte es ja den Start per
1. Oktober angekündigt.
Worüber verhandelt wird, ist unklar. Selbst Kabelnetzbetreiber wie TéléGenève wollen sich noch nicht festlegen, ob sie das M6-Fenster aufschalten werden. Beim Kabelnetz von Nyon gibt man gar vor, vom M6-Werbefenster noch nie gehört zu haben. Fest steht jedenfalls, dass ein Werbefenster ohne Reichweite in Westschweizer Städten kein Interesse der Werbewirtschaft findet.
TSR-Direktor Gilles Marchand lud zu Kaffee und Gipfeli
Bei der Vermarktungsfirma IP Multimedia ist man deshalb ratlos. Pressesprecherin Bettina Singeisen hofft bloss, dass das M6-Werbefenster «noch dieses Jahr» starten könne.
Unterdessen lud TSR-Generaldirektor Gilles Marchand zusammen mit dem Büro der Publisuisse für die Westschweiz zu Kaffee und Gipfeli. Vertreter der Westschweizer Werbe- und Mediaagenturen wurden beim Frühstück im TSR-Hochhaus regelrecht bearbeitet und aufgefordert, in Bern gegen das M6-Werbefenster zu lobbyieren und der TSR Treue zu schwören. Das dürfte nicht leicht sein, beklagten sich die Westschweizer Werber und Mediaplaner doch in jüngster Vergangenheit öffentlich über mangelnde Alternativen zur TSR.
Laut Charly Schwarz, Direktor von Initiative Media Schweiz, dürfe das M6-Fenster nicht überbewertet werden. In Le Temps schätzt er den Verlust für TSR auf höchstens 6 Millionen Franken. Er glaubt, dass Kinowerbung und die jugendspezifischen Medien stärker zu leiden hätten, weil M6 eher ein junges Zielpublikum anvisiere.

Good News für Verleger

PrintOnline senkt Tarife – auch, um einem Alternativprojekt zuvorzukommen

PrintOnline senkt Tarife – auch, um einem Alternativprojekt zuvorzukommenVon Markus Knöpfli PrintOnline (PO) senkt die Preise für die digitale Anzeigen-übermittlung per 2002 um über
15 Prozent – begründet wird dieser Nachlass mit dem gewachsenen Volumen. Eine gewisse Rolle dürften aber auch die Gratiszeitungsverleger gespielt haben, die eine günstigere PO-Alternative projektierten.
Endlich einmal eine gute Nachricht für die von sinkenden Werbeeinnahmen gebeutelten Zeitungsverleger: Vom Erlös aller Inserate, die sie digital über PrintOnline (PO) zugesandt erhalten, bleibt ihnen im kommenden Jahr mehr Geld in der eigenen Kasse zurück. Der Grund für diese frohe Botschaft: PO, der «digitale Velokurier», senkt auf nächstes Jahr seine Preise.
Konkret bedeutet das für die grösseren Verlage, die PO jährlich eine Anschlussgebühr von 15000 Franken entrichten, dass sich der Preis pro Übermittlungsauftrag von 13 auf 11 Franken reduziert. Das entspricht einer Kostenverringerung von 15,4 Prozent. Für die kleineren und mittleren Verlage ohne Anschlussgebühr sinkt der Preis von derzeit 50 auf 36 Franken (minus 28 Prozent) pro Auftrag.
In beiden Fällen bleibt aber der Preis pro Megabyte Datenmenge bei 2 Franken. PO senkt die Tarife nicht zum ersten Mal: Schon per Anfang dieses Jahres wurde der Preis pro Auftrag um 17 Prozent reduziert.
PO-Geschäftsführer Kurt Obrist begründet die tieferen Tarife mit dem gestiegenen Volumen: Hatte PO im Jahr 2000 noch 58971 Einzelinserate über Standleitungen weitergeleitet, so werden es dieses Jahr bereits um die 80000 sein (plus 35,7 Prozent). «PO will eine Branchenlösung anbieten und ist nicht gewinnorientiert. Wir haben von Anfang an gesagt, dass der Preis für den einzelnen Verleger mit steigendem Volumen günstiger wird», sagt Obrist.
Gratiszeitungen drohten mit Klage bei der Weko
Dennoch sind an der Selbstlosigkeit von PO, an dem zu je einem Viertel Ringier, NZZ, Tamedia und Publicitas beteiligt sind, Zweifel angebracht. Mit dem massiven Tarifabschlag wollte PO wohl primär einer angekündigten Konkurrenz kleiner Verlage den Wind aus den Segeln nehmen. Der Verband Schweizerischer Gratiszeitungen (VSGZ) wollte ein Alternativprojekt auf die Beine stellen, das Inserate für 25 bis 30 Franken übermittelt hätte. Die PO-Kosten seien zu hoch, insbesondere bei kleineren Inseraten bleibe den Verlegern nach Abzug der Berater- und VSW-Kommissionen sowie des PO-Entgelts «praktisch nichts mehr übrig», kritisierte VSGZ-Präsident Willy Grüninger.
Das VSGZ-Projekt gedieh relativ weit, als es aber darum ging, die technischen Standards mit PO abzugleichen, um möglichst keine neuen Hürden für Werbeauftraggeber zu errichten, blockten PO und Publicitas ab. Als dann der VSGZ Ende Oktober PO mit einer Klage bei der Wettbewerbskommission drohte, kam postwendend die erwähnte Preissenkung. «Diese substanzielle Tarifsenkung wird die Diskussion um unseren Preis beruhigen», ist Publicitas-Generaldirektor und Mitglied des PO-Verwaltungsrates, Ernst Grab, überzeugt.
Er geht zudem davon aus, dass mit weiter wachsendem Volumen der Preis nochmals purzelt. «Angesichts der derzeitigen Marktsituation allerdings nicht mehr im bisherigen Tempo», fügt er an. Man müsse sich aber doch fragen, «ob sich die Investition des VSGZ noch lohnt». Hat also die angekündigte Tarifsenkung zumindest in ihrem Ausmass primär taktische Gründe? Grab weicht aus: «Wir wollen auch die Anliegen der kleineren Partner ernst nehmen», sagt er.
Gratiszeitungen beerdigen nun ihr eigenes Projekt
Wie dem auch sei: Auch Willy Grüninger sieht das Ende des VSGZ-Projektes kommen. «Für unser Projekt wird es sehr eng», sagt er. Traurig ist er deswegen aber nicht. «Unser Ziel war ein vernünftiger Preis – und dem sind wir näher gekommen», sagt er. Zudem habe PO auch beim Problem der kleinen Inserate Entgegenkommen signalisiert, sagt Grüninger.
Das wird von Obrist bestätigt. «Wir machen uns Gedanken über andere Preismodelle», sagt er. Zudem wolle man die Inserate «so kanalisieren», dass nur solche über PO verschickt werden, «die sowohl dem Auftraggeber als auch dem Verlag etwas nützen.»

Muse & Muse: Jürg Moosmann

Muse & Musse Jürg Moosmann Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Jürg Moosmann: Die Basler Herbschtmäss, in Basel ein Muss!Was lesen Sie gerade?Moosmann: Nick Hor

Muse & Musse Jürg Moosmann Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Jürg Moosmann: Die Basler Herbschtmäss, in Basel ein Muss!
Was lesen Sie gerade?
Moosmann: Nick Hornby «Ballfieber». In diesem Buch wird wunderbar aufgezeigt, was echte Fanliebe zu einem Fussballklub bedeutet. Für Nichtfans und geplagte Freundinnen und Ehefrauen von Fussballliebhabern sehr zu empfehlen!
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Moosmann: Diana Krall «The look of love». Eine der begnadetsten aktuellen Jazzinterpretinnen.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Moosmann: «Billy Elliot». Ein Film als überzeugende Milieustudie, mit hervorragenden Tanzszenen und einer im positiven anrührenden Story.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Moosmann: Ich schlafe nie vor dem Fernseher.
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Moosmann: www.balfolio.com
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Moosmann: Auf meine Familie.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Moosmann: Mit meinem Sohn etwas unternehmen, Sport treiben, Musik hören, Lesen und dem FCB die Daumen drücken.
Liebe ist…?
Moosmann:…ein persönliches Traumkochrezept mit individuellen Zutaten, je nach Gusto!

«Wir wollen den Zustand helvetischen Glückbefindens jetzt festhalten»

Konservator Christian Voyame zur Ausstellung «Happy, das Versprechen der Werbung»

Konservator Christian Voyame zur Ausstellung «Happy, das Versprechen der Werbung»Die Ausstellung «Happy» im Berner Museum für Kommunikation hat in den Medien zumeist negative Reaktionen ausgelöst. Das Ausstellungskonzept verwirre eher, anstatt neugierig zu machen. Ein Vorwurf, den Konservator Christian Voyame nicht gelten lassen will.Was ist das Ziel der Ausstellung und an wen richtet sie sich?
Christian Voyame: Sie soll eine Standortbestimmung sein und sich mit der Frage beschäftigen: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Sender und dem Empfänger einer Werbebotschaft? Die Ausstellung richtet sich an ein Laienpublikum, das ja gleichzeitig auch Konsument ist.
Wie entstand die Idee zu dieser Ausstellung?
Voyame: Das Museum für Kommunikation wollte dem Thema Werbung eine Ausstellung widmen, weil Werbung ein Kommunikationsinstrument ist. Als Werbemittel haben wir uns für das Plakat entschieden.
Wie viele Besucher haben Sie bis jetzt gezählt?
Voyame: Seit der Eröffnung Anfang September waren es etwa 9000 Besucher.
Wurden für die Erarbeitung des Ausstellungskonzeptes Werbefachleute beigezogen?
Voyame: Die Person, die das Ausstellungskonzept erarbeitet hat, ist ein ehemaliger Werber. An den Vorbereitungen zur Ausstellung beteiligten sich zudem verschiedene Fachleute aus der Werbebranche.
In den Medien hat die Ausstellung bis jetzt sehr viel Kritik geerntet. Wie gehen Sie damit um?
Voyame: «Sehr viel» ist übertrieben. Sagen wir es mal so: Die Ausstellung hat viele Reaktionen ausgelöst, sowohl positive als auch negative. Dabei möchte ich ein wichtiges Element hervorheben: Das Plakat zur Ausstellung lässt vermuten, dass diese eine kritische Haltung gegenüber der Werbung einnimmt. Die Erwartungen des Publikums mögen deshalb in dem einen oder andern Fall enttäuscht werden. Weitere Reaktionen gab es zum Konzept, das eine erste Annäherung ohne jede Hilfe vorgesehen hat, sieht man einmal vom Flyer beim Eingang ab. Hier haben wir die einseitige Ansprache der Ausstellung korrigiert, indem wir einen Infostand mit einer umfassenden Dokumentation einrichteten. Zudem bieten wir auch kommentierte Führungen an. Und am Sonntag gibt es sogar einen so genannten «Happy»-Guide als Animator, der durch die Ausstellung führt.
Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den Kritiken?
Voyame: Wenn eine Ausstellung einer externen Fachperson anvertraut wird, darf es nicht überraschen, wenn sich der Ausstellungsstil ändert. Der Kurator und Verantwortliche für die Ausstellung, Christoph Doswald, ist auf Kunstausstellungen spezialisiert. Bei dieser Art Ausstellung steht eine autodidaktische Annäherung an das Thema ohne grosse Erklärungen im Vordergrund. Für die Ausstellung «Happy» steht aber die Information zur Verfügung. Es braucht einfach eine gewisse Anstrengung des Besuchers, diese zu finden.
Es wird ja vor allem das Ausstellungskonzept bemängelt. Werden Sie etwas ändern?
Voyame: Nein, abgesehen von den erwähnten Änderungen.
Die Ausstellung ist relativ klein und dauert trotzdem fast ein Jahr bis zum 28. Juli 2002. Wäre das nicht eine Gelegenheit, das Konzept zu überarbeiten?
Voyame: Die komplette Neuorganisation des Museums während der nächsten drei Jahre (von 2003 bis 2006) erlaubt uns im Moment nicht, zwei grosse Temporärausstellungen innerhalb eines Jahres zu realisieren. Deshalb auch die lange Dauer der jetzigen Ausstellung. Zudem ermöglichen es uns die finanziellen Mittel nicht, eine Readaptation vorzunehmen.
Wieso erscheint der Katalog zur Ausstellung erst im Januar?
Voyame: Die Suche nach Sponsoren hat länger gedauert, als wir dachten.
Was bringt das Buch dem Besucher an zusätzlicher Information?
Voyame: Es wird eine wissenschaftliche Studie des Meinungsforschungsinstituts LINK enthalten, die im Zusammenhang mit der Ausstellung entsteht. Darin soll der Jetztzustand des helvetischen Glücksbefindens in Form einer Bestandesaufnahme festgehalten werden.
Welche Beziehung haben Sie persönlich zur Werbung?
Voyame: Als Konservator einer Grafiksammlung von 15000 Gravuren und 5000 Plakaten interessiert mich vor allem die visuelle Kommunikation.
Was bedeutet für Sie Glück?
Voyame: Ich schätze interessante Begegnungen.
Hat das Museum für Kommunikation bereits ein Projekt für die nächste Ausstellung zum Thema Kommunikation?
Voyame: Im Moment nicht. Interview: Anita Vaucher

Getränke sind die grössten Weltmarken.

43 Konsumgütermarken haben eine globale Präsenz und erreichen jährliche Verkäufe von je über 1 Milliarde Dollar.

43 Konsumgütermarken haben eine globale Präsenz und erreichen jährliche Verkäufe von je über 1 Milliarde Dollar. Dies ist das Ergebnis einer Brandstudie des Marktforschers ACNielsen. Über 200 Marken waren in die Untersuchung aufgenommen worden. Die Kategorie mit den meisten Vertretern (13) sind die Getränke, die mit Coca-Cola und Pepsi Cola die Plätze 1 und 3 belegen. Den zweiten Rang erreichte Marlboro als eine von vier weltweiten Tabakmarken. Die 43 Brands stammen von 23 Herstellern. Der Schweizer Konzern Nestlé ist mit Nescafé und Friskies (Tierfutter) vertreten. Die Studie steht auf www.acnielsen.com zum Download bereitWürdige Form. Am 9. November werden in Bern in Anwesenheit von Bundesrätin Ruth Dreifuss die Balzan-Preise 2001 verliehen. Vier Gelehrte erhalten je eine Million Franken für ihre wissenschaftlichen Arbeiten. Damit hat der Preis aus dem Nachlass von Eugenio Balzan, der als Journalist und Miteigentümer beim Corriere della Sera wirkte und später in der Schweiz lebte, eine ähnliche Dimension wie der Nobelpreis angenommen. Dieser Würde soll nun erstmals mit einer passenden Skulptur Ausdruck verliehen werden. Geschaffen wurde das Werk vom englischen Künstler Anthony Cragg, der seit 1977 in Wuppertal lebt und an der Düsseldorfer Akademie als Lehrer tätig ist.
WHO gegen Selbstregulierung der Tabakwerbung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert eine neue Initiative der Tabakkonzerne für eine Selbsteinschränkung bei der Werbung. Die Pläne seien unwirksam und unterliefen die Bestrebungen für eine Antitabakkonvention. Laut WHO-Angaben wollen British American Tobacco, Philip Morris und Japan Tobacco freiwillig Massnahmen ergreifen, damit die Tabakwerbung künftig nicht mehr Nichtraucher erreicht. Insbesondere Jugendliche sollen von Zigarettenreklame verschont bleiben.
Shopping ankurbeln. Mit der eher peinlichen Initiative «I love shopping – I hate terrorism» will McCann-Erickson den privaten Konsum wieder ankurbeln. Aufgrund des regelmässig durchgeführten weltweiten Konsumenten-Panels «Pulse» werden die Konsumenten auch in der Schweiz in Zukunft nach dem 11. September für dauerhafte Gebrauchsgüter weniger Geld ausgeben. 50 Prozent geben an, keine Investitionen für Autos, PCs oder Wohnungseinrichtungen zu planen, im Gegensatz zu nur 19 Prozent Sparsamen im Jahr 2000.
Liebhaber des feinen Leders. Das Schuhcafé ist in Zürich so etwas wie eine kulturelle Institution. Am Münsterhof und an der Badenerstrasse geniesst der Laden mit dem integriertem Café den Ruf eines absoluten Insidertipps. Um die Philosophie rund um den Treff für die Liebhaber des speziellen Schuhs nun auch einem breiteren Publikum bekannt zu machen, wurde Lowe Lintas GGK damit beauftragt, ein möglichst einfaches und kostengünstiges Kommunikationskonzept zu erarbeiten. Entstanden ist ein Key Visual, das den Namen Schuhcafé ideal transportiert. Das Sujet wird vorerst als Dia in Kinos mit anspruchsvoller Kundschaft eingesetzt. CD Mark Stahel, Pete Watman, Text/Konzept Marc Koller, AD Flo Bachofen haben es gestaltet.
Drei Schweizer Gewinner bei «Anzeige» und «Plakat» Beim Kreativwettbewerb «Die Anzeige» des Kommunikationsverbands Bayern wurden zwei Schweizer Arbeiten ausgezeichnet. Einen silbernen Anzeiger erhielt der «Finger», mit dem Advico Young & Rubicam für Hakle Deluxe wirbt. Bronze gewann
McCann-Erickson, Genf, für «Agility 2001» (Microsoft). Ein goldener Anzeiger wurde nicht verliehen, Silber gabs insgesamt neunmal und Bronze elfmal. Am meisten Auszeichnungen (acht) heimste Springer&Jacoby ein, gefolgt von Jung von Matt (drei). Beim gleichzeitig ausgeschriebenen Wettbewerb «Plakat» wurde Jung von Matt/Limmat als einzige Schweizer Agentur mit einer Litfasssäule in Bronze geehrt. Hier gabs zweimal Gold für Springer & Jacoby und Scholz & Friends.
Comeback der Schlagzeilen. Ein Brand ohne Inhalt hats schwer. Eine Zeitung ohne Inhalt noch schwerer. Und weil der Tages-Anzeiger wohl nicht zu dieser Gattung gerechnet werden darf, hat sich nun auch die Werbung für das Branding des Tagi wieder an die alte Headline-Kampagne erinnert. Die wortlosen und deshalb für viele auch nichts sagenden Köpfe aus der Serie mit den schwarzen Fingern sind jetzt wieder mit Lesestoff angereichert worden. Die Headlines heissen etwa «Wenigstens bei den Krankenkassenprämien geht es in unserem Land aufwärts. Ich bleibe dran.» oder «Bleibt die neue Airline jetzt im Basler Daig statt im Zürcher Filz stecken?» – «Man gibt eben eine bestens funktionierende Idee nicht gerne auf», meint Reinhold Weber von WHS zum vielversprechenden Comeback dieser alten Tagi-Werbung.
Editorial

Glück ist auch ein gutes Geschäft Es braucht nicht viel Menschenkenntnis, um zu verstehen, dass die Werturteile der Menschen von ihren Glücksgefühlen geleitet werden, also ein Versuch sind, ihre Illusionen mit Argumenten zu stützen. So erstaunt es auch nicht, dass uns Soziologen heute glaubhaft darstellen können, dass das Streben nach «Glück» das Erkenne-dich-Selbst als Leitstern eines sinnreichen und erfüllten Lebens abgelöst hat. Glück gilt heute als höchster Zielwert. «Happy – das Versprechen der Werbung» heisst eine Ausstellung im Berner Museum für Kommunikation (siehe Interview Seite 5). Ausgangspunkt ist die Frage, wie sehr heutige Wertvorstellungen von Bildern aus der Werbung geprägt sind. Mit ihrem Bilderbogen glücklicher Menschen aus der Werbung haben die Ausstellungsmacher sich die Sache etwas gar einfach gemacht und das Thema letztlich verschenkt. So trivial ist die Sache nun doch nicht.
Die Macht der Werbung liegt wahrscheinlich gerade darin, dass sie existenzielle Dinge ernst nimmt, die die Menschen immer wieder von neuem bewegen: Freundschaft, Liebe, Zusammengehörigkeitsgefühl, Identität, Träume. Was die Menschen wirklich begehren, können sie zwar nicht kaufen, doch man kann ihrem Begehren mit einem Produkt zumindest Anerkennung verschaffen. Wir glauben zwar nicht mehr an die Auferstehung, aber an Produkte, mit denen es uns besser geht, wenn wir sie haben. In unserer aufgeklärten und säkularisierten Welt lassen wir uns gerne wieder verzaubern, auch wenn wir wissen, dass es Glück nur im Märchen gibt. Das moderne Marketing lebt davon, dass es trotzdem immer wieder beschworen werden kann. Wer wunschlos glücklich ist, dem kann man nichts mehr verkaufen. Samuel Helbling

Überflieger Google noch werbefrei

Nach neun Monaten Internetmessung von MMXI Switzerland sind erste Gewinner und Verlierer auszumachen

Nach neun Monaten Internetmessung von MMXI Switzerland sind erste Gewinner und Verlierer auszumachenVon Clemens Hörler Ein Dreivierteljahr ist es her, seit MMXI Switzerland zum erstenmal Zahlen zur Websitenutzung der Heimsurfer veröffentlicht hat. Zeit für einen Rückblick.
Studiert man die monatlichen Top-20-Domains des Schweizer MMXI-Homepanels und vergleicht sie mit jenen des Vormonats, hält sich das Aha-Erlebnis meist in Grenzen. Grosse Verschiebungen sind selten. Viel interessanter ist hingegen ein Rückblick auf die vergangenen neun Monate. Nur so lassen sich auch längerfristige Trends feststellen.
Bei der Nutzung der einzelnen Websitekategorien sind mittelfristig anhaltende Trends auszumachen, aber auch punktuelle Bewegungen zu notieren. Diese lassen sich oft durch konkrete internationale und nationale Ereignisse erklären und sind nicht einfach nur ein Kind des Zufalls.
Newssites litten zuweilen unter grossen Schwankungen
Der 11. September ist dafür nur ein Beispiel. Im neunten Monat stieg die Anzahl der Besucher von Online-Nachrichtenangeboten laut MMXI Switzerland von 727000 auf 833000 Nutzer an. Hätte man auch in der Schweiz schon einen Work Panel zur Verfügung, wären die Auswirkungen der Terroranschläge wohl noch deutlicher sichtbar geworden. Vor allem in den Büros ohne TV-Apparat oder Radio wurde das Internet am 11. September zum Infomedium Nummer eins.
Nicht nur im September, auch im März hatten die Newssites einen beachtlichen Zustrom an Besuchern zu verzeichnen. Die Zugriffe auf die Kategorie News/ Information nahmen damals um 20 Prozent zu. MMXI erklärt diesen Anstieg unter anderem mit der damals aktuellen Diskussion um BSE und die Maul- und Klauenseuche. Auch der anhaltende Einbruch der Aktienmärkte im Frühjahr 2001 hat Spuren im Web hinterlassen. Die Website-Kategorie Business/Finance verlor deutlich an Reichweite unter den Heimnutzern. Ihr Marktanteil sank von 31,5 Prozent im Januar auf 27,1 Prozent im April.
Die Websites der Kategorien Business/Finance haben von Januar bis September zwar beide
1,4 Prozent mehr Unique Visitors dazu gewonnen. Damit lagen sie aber unter dem Wachstum des Gesamtmarktes, der durchschnittlich 2,5 Prozent zulegte. Dasselbe gilt auch für die Newssites. Von 27 Kategorien entwickelten sich nur sieben rascher als der Gesamtmarkt. Am stärksten legten die Sites rund um die Themen Hobbys/Lifestyle und Networks zu.
Vier Kategorien verzeichneten laut MMXI Switzerland im September gegenüber dem Januar reale Verluste, wurden also von weniger Heimnutzern besucht als zu Jahresbeginn. Den grössten Besucherschwund mussten die Bereiche Technology, Real Estate und Careers hinnehmen. An der Rangliste der Topkategorien änderte sich damit kaum etwas. Diese wird nach wie vor von ISP, Portalen und Services angeführt.
Urs Wolfensberger, Chef von MMXI Switzerland, zu den Verschiebungen bei den Nutzerpräferenzen: «Das Verhalten der Leute im Internet entspricht immer mehr dem üblichen respektive traditionellen Mediennutzungsverhalten und wird, wenn Sie so wollen, .» Andererseits, so Wolfensberger habe es etwa im Technologiesektor, der am meisten Verluste hinnehmen musste, nicht gerade viele spektakuläre Neuigkeiten gegeben.
Unter den Suchmaschinen gewinnt Google rasch Terrain
Dass die Internetnutzung immer «normaler» wird, hat nicht zuletzt mit der demografischen Zusammensetzung der Netzgemeinde zu tun. Waren ganz am Anfang vor allem junge, gut gebildete männliche Techies im Internet, gewinnen nun andere demografische Gruppen ständig Anteile hinzu. So wuchs beispielsweise die Zahl der männlichen Heimnutzer von Januar bis September um 16,1 Prozent, während die Frauen und auch die Kinder über 28 Prozent zulegten.
Neben diesen allgemeinen Betrachtungen lässt sich auch die Entwicklung einzelner Websites beobachten. Bei den führenden Domains und Porperties hat sich in den vergangenen neun Monaten vor allem der Suchmaschinenmarkt stark verändert: Der grosse Gewinner heisst hier Google.
Die verschiedenen Ländersites von Google steigerten ihre Reichweite bei den Heimnutzern von 13,1 Prozent im Februar auf 19,6 Prozent im Juni. Die Reichweite des Hauptkonkurrenten Altavista sank im selben Zeitraum von 16,1 auf 11,6 Prozent.
Im September waren die Google-Sites mit einer Reichweite von 25,1 Prozent unter den aktiven Heimnutzern die fünftstärkste Global Domain. Google, das seit einigen Monaten auch eine Schweizer Site betreibt, hat damit Search.ch (20,7 Prozent) als beliebtesten Suchdienst überholt.
Die Attraktivität von Google für die Internetnutzer zu Hause spiegelt sich allerdings nicht in der Attraktivität der Website für die Schweizer Werbenden. Während Search.ch nach wie vor zu den Topsites für Onlinewerbung gehört, ist auf der bannerfreien Site Google.ch nur wenig Werbung zu finden, und die stammt meistens von Firmen aus dem Ausland.

Online-Marketing: www.peikert.ch

Ziel: Übersicht aller Dienstleistungen der Peikert Contract AG.

Ziel: Übersicht aller Dienstleistungen der Peikert Contract AG.www.peikert.ch Werbemittel: Internetsite. Einsatz: Seit Oktober bis auf weiteres.
Auftraggeber: Peikert Contract AG, Zug; Verantwortung: Elisabeth Arm, Bereichsleiterin Marketing; Nicole Klar-Rimmel, Assistentin Marketing. Werbeagentur: Weber Harbeke Alborghetti, Zürich; CD: Thomas Harbeke, Max Weber; Design: Thomas Schicker, Christina De la Rosa; Text: Christian Sidow; Beratung: Reto Alborghetti, Judith Gallus. Internetagentur: Carat Interactive AG, Dietikon; Leitung Umsetzung: Michael Hüppi; Umsetzung: Dominique Adler, Christian Jäckli, Renato Soldenhoff; Beratung: Pascal Urscheler.

Online-ABC: Datenkompression

Verfahren, um digitale Daten zu reduzieren, damit sie weniger Speicher benötigen und schneller transportiert werden.

Verfahren, um digitale Daten zu reduzieren, damit sie weniger Speicher benötigen und schneller transportiert werden.Online-ABC Datenkompression
Datenschutz Um den Missbrauch personenbezogener Daten zu unterbinden, wurde 1977 das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) verabschiedet, das 1990 grundlegend überarbeitet wurde.
DHTML Dynamic HTML. Ein freies Objekt bewegt sich über die Webseite, am Rand des Contents oder über ihn hinweg. Für den User zeichnet sich Dynamic HTML durch grössere Interaktivität und kürzere Downloadzeiten aus.
Dial-Up Im Gegensatz zur Standleitung wird eine Verbindung zum Internet über eine Telefonleitung durch Anwählen hergestellt.
Digitale Signatur Elektronische Unterschrift. Sie macht übers Internet versandte Dokumente fälschungssicher. Wird bei einem Trust Center beantragt und kann dort nachgeprüft werden.
DNS Domain Name System: hierarchisch aufgebautes System, das einem Internethost einen eigenen Namen zuordnet.

Wirz bringt das Buch ins Gespräch

Vom Namen Wirzandfriends sollte man sich nicht auf eine falsche Fährte locken lassen: Claudius Wirz betreibt nämlich keine Werbeagentur, sondern eine Agentur für Buch, Medien und Kultur.

Vom Namen Wirzandfriends sollte man sich nicht auf eine falsche Fährte locken lassen: Claudius Wirz betreibt nämlich keine Werbeagentur, sondern eine Agentur für Buch, Medien und Kultur.Im Zentrum seiner Geschäftsaktivitäten steht das Buch, seine Inszenierung – und seine Vermarktung. Wirz betreibt seit dem Februar 2001 eine Schnittstelle zwischen Sponsoren und Autoren, Verlagen, Presse und Buchhandlungen. Wirz arbeitet mit einer Mitarbeiterin zusammen, die Friends bilden ein weit verzweigtes Netzwerk von persönlichen Kontakten, die er flexibel für Projekte beiziehen kann und
die bis an die Elbe reichen.
Das Know-how holte sich der gelernte Buchhändler bei diversen Verlagen und Buchhandlungen in der Schweiz und bei einer Vermarktungsagentur in Hamburg. Unter anderem war er auch als Verantwortlicher Kommunikation bei Orell Füssli Buchhandels AG tätig.
Die Agentur Wirzandfriends will hauptsächlich Bücher in den Mittelpunkt von Veranstaltungen und Events rücken. Das Spektrum reicht von Lesungen über Pressekonferenzen für Verlage bis zum grossen Projekt des kommenden Jahres, dem ersten Zürcher Literaturfestival. Dieses soll vom 1. bis 3. März 2002 stattfinden und sich über drei Tage und vier Nächte hinziehen. Nationale und internationale Autoren geben sich ein Stelldichein am Hauptveranstaltungssort, am Unterwek Selnau, und in anderen Locations wie einem Gerichtssaal oder der Probebühne des Schauspielhauses.
Sowohl beim Literaturfestival als auch bei anderen Anlässen legt Wirz Wert darauf, literarische Anlässe von ihrem verstaubten Image zu befreien. «Das Festival wird beispielsweise zu 80 Prozent aus Literatur und zu 20 Prozent aus Musik bestehen», verrät Wirz. Das ergibt interessante Kombinationsmöglichkeiten wie lesen und rappen oder Krimis und Jazz.
«Das Buch ist wieder im Kommen», stellt der Agenturgründer fest. Der Lesekonsum in Deutschland etwa steige seit langem wieder, und auch trendige junge Leute liessen sich durchaus als Publikum für literarische Anlässe rekrutieren. Ausserdem spürt Wirz ein wachsendes Interesse auch von grossen Unternehmen wie Versicherungen oder Telekommunikationsfirmen, sich im Buchbereich zu engagieren.
Allzu eng will er die Grenzen des Buches nicht ziehen. So wird die Agentur in den kommenden Wochen im Auftrag von Go-Between Communications auch Promotion für den am 19. Dezember startenden Film «The Lord Of The Rings» betreiben – allerdings in Buchhandlungen. (ba)

News: Nestlé verteilt Budgets neu

Der Schweizer Nestlé-Konzern ordnet seine Agenturbeziehungen neu. Er gliedert seine Marken in fünf Kategorien, für die jeweils eine von Nestlés Stammagenturen weltweit zuständig wird.

Der Schweizer Nestlé-Konzern ordnet seine Agenturbeziehungen neu. Er gliedert seine Marken in fünf Kategorien, für die jeweils eine von Nestlés Stammagenturen weltweit zuständig wird.News Nestlé verteilt Budgets neu
McCann-Erickson erhält die Kaffeemarken, Publicis die kulinarischen Produkte. Ogilvy & Mather wird für Milchprodukte zuständig. Lowe Lintas bewirbt die Süssigkeiten – ohne die Schokolade, die zu J. Walter Thompson wandert. Die neuen Leadagenturen sollen vor allem Strategien entwickeln, aber nicht unbedingt an deren Umsetzung beteiligt sein.
Zenith Optimedia gewinnt Infineon Die Zusammenlegung von Zenith Media und Optimedia in einer gemeinsamen Holding trägt erste Früchte. Zenith und die deutsche Optimedia-Tochter More Media setzten sich im Pitch um das weltweite Budget des Halbleiterkonzerns Infineon durch. Die Zenith Optimedia Group wurde im Juli gegründet und gehört zu 75 Prozent dem französischen Werbekonzern Publicis, zu 25 Prozent der britischen Cordiant Communications.
Springer streicht jede zehnte Stelle Der deutsche Axel Springer Verlag will bis Ende 2003 rund 1400 Stellen streichen. Der Personalbestand solle um 10 Prozent verringert werden, teilte das Medienhaus mit. Springer setze damit sein konsequentes Sparprogramm fort. Betroffen seien alle Bereiche des Unternehmens.
Premiere verkauft keine Decoder mehr Der Digital-TV-Anbieter Premiere World steigt aus der Entwicklung und dem Verkauf von Decodern aus. Die stark defizitäre Kirch-Tochter erhofft sich von der Kehrtwende langfristig Einsparungen von einer halben Milliarde Mark jährlich. Premiere World verabschiedet sich damit von der früheren Strategie, mit dem proprietären D-Box-Standard Kunden an das eigene Angebot zu binden. Stattdessen sollen interaktive Dienste wie Spiele, E-Mail und Teleshopping Nutzer anziehen und Umsätze generieren.

Aufgefallen: Seit dem 11. September geniessen sie Präsenz auf allen Kanälen: die Talibans.

AufgefallenSeit dem 11. September geniessen sie Präsenz auf allen Kanälen: die Talibans. Dass die Wirtschaft ebenfalls von deren Bekanntheit profitieren will, erstaunt weiter nicht. Das Modelabel Filippa K macht vor, wie ein gewaschener und adre

Aufgefallen Seit dem 11. September geniessen sie Präsenz auf allen Kanälen: die Talibans. Dass die Wirtschaft ebenfalls von deren Bekanntheit profitieren will, erstaunt weiter nicht. Das Modelabel Filippa K macht vor, wie ein gewaschener und adrett gekleideter Taliban-Typ aussehen könnte, kleidete er sich nach westlicher Manier. Versteht sich von selbst, dass bei diesem Look nur männliche Vorbilder kopiert werden, zumal in Afghanistan keine Frauen existieren. Sichtbare jedenfalls nicht. Ihr Job ist es, viele kleine Talibans zu produzieren und vermummt im Hintergrund zu bleiben. Obwohl Trendguru Matthias Horx davon überzeugt ist, dass in Zukunft die Familie wieder in sein wird, werden Frauen wohl kaum bereit sein, ihr Gesicht mit Stoff zu verhüllen – auch nicht, wenn er von Armani geschneidert wird. Chandra Kurt
Kolumne

Der letzte Speisewagen
Von Mike Müller
Es gibt noch verlässliche Transportunternehmen im Land. Die SBB zum Beispiel. Die Gültigkeit von Bahnbilletts ist klar definiert, es gibt keine Sunday-Rule, aber Raucherabteile, und im Speisewagen sind die Tische viel grösser als in der Luft. Sowieso mahnen mich die Airline-uniformen immer ein bisschen an James-Bond-Filme, da sind mir die Splatter-Movies lieber, die sich die Jugendlichen im Zweitklass-Raucher spät am Abend erzählen. Mein Herzstück ist aber der Speisewagen, vor allem der letzte. Da findet sich ein spannendes Sammelsurium übermüdeter Ferien-heimkehrer (die überdrehte Stimmung, die sie im Sechs-Uhr-Frühzug bei der Hinfahrt noch hatten, ist dann endlich verflogen), Theater- und Konzertgänger, gestresste Überstündler und ein paar Journalisten, die die morgigen Tageszeitungen vergleichen und sich herzhaft freuen oder fürchterlich aufregen.
Die riesige Bedeutung einer nationalen Transportunternehmung ist mir, was den letzten Speisewagen angeht, völlig klar. Nirgendwo sonst sind erste und zweite Klasse mehr vermischt, der Alkohol fliesst in vertretbaren Mengen, einheimischer Salsiz beruhigt die Mägen von Abendessenvergessern, und
es wird politisiert, als käme man gerade von einer hitzigen Gemeindeversammlung. Auch volkswirtschaftlich ist der Mikrokosmos richtungsweisend: Der Wagen wird von einer staatlichen Lok gezogen, die Getränke werden privatwirtschaftlich serviert. Kondukteur und Kellner grüssen sich mit einem jovialen «Sali», Ersterer kriegt auch schon mal einen Gratiskaffee – die Basis machts vor. Und internationale Erfahrung haben auch beide, wie es die Wirtschaftsspitzenverbände ja schon immer gefordert haben, Badischer Bahnhof der eine, Belgrader Würstlstand der andere. Da kommt ein Heimatgefühl auf, wie ich es noch in keiner Airportlounge mit einem warmen Feldschlösschen runtergespült habe.
[email protected]
Mike Müller ist Darsteller.
Sprachbeobachter

8ung Blindtext Selbstverständlich ist das noch nicht der richtige Text dieser Anzeige. Der definitive Text wird das Konzept unserer integrierten Marketingmassnahmen noch viel deutlicher sichtbar machen – bis zur Greifbarkeit. Mit Klarheit, Witz und Überzeugungskraft. Denn wir wissen, was eine Copy leisten muss: die Lesenden durch zwei, drei kurze, klare, sympathische Gedanken führen – und sie dabei unterhalten.
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Beat Gloor, www.textcontrol.ch

TV 4 hat im Lesermarkt Chancen

In Deutschland sind mehrwöchige Billig-TV-Programme im Trend

In Deutschland sind mehrwöchige Billig-TV-Programme im TrendVon Markus Knöpfli Acht Monate ist Rüdiger Hahn nun mit seinem vierwöchigen Programmheft TV 4 auf dem Markt – und spricht bereits von Erfolg. Davon glauben Tele, TR 7 und TV täglich hingegen (noch) nichts zu spüren. Allerdings: In Deutschland geht der Trend bei den Programmzeitschriften deutlich in Richtung mehrwöchige Billigprodukte.
Seit März gibt der Vierwaldstätter Verlag in Horw LU alle vier Wochen sein TV 4 in einer Auflage von 300000 Exemplaren heraus, 240000 Stück verteilt er jeweils gratis per Promopost. Gut eine Million Franken hat Alleininhaber Rüdiger Hahn nach eigenen Angaben bereits dafür aufgewendet – allein für Druck und Versand. Doch bald zieht Hahn die Spendierhosen aus: Ab der Ausgabe 1/2002 beträgt die TV-4-Auflage «nur» noch 80000 Exemplare. Davon werden dann 35000 Hefte an die Kioske geliefert, 20000 gezielt gratis gestreut und noch einmal 20000 bis 25000 an Abonnenten verschickt.
Derzeit kommt TV 4 zwar erst auf 14000 Abos, pro Ausgabe werden aber gemäss Hahn 19000 Exemplare am Kiosk verkauft. Deshalb ist er überzeugt, dass TV 4 bis Ende Februar «locker» noch 6000 Abonnenten dazu gewinnen wird. Bis zum Ende seines dritten Geschäftsjahres (Februar 2004) erwartet er sogar mindestens 40000 Abos. Doch bereits vorher, Ende nächsten Jahres, glaubt Hahn Break-even zu sein.
Das Vierwochenkonzept hat aber auch seine Grenzen: Wegen der vielen Programmänderungen muss Hahn seinen Lesern seit kurzem per Teletext Aktualität nachliefern. Auch andernorts wurden Hahn Grenzen gesetzt: TV täglich, das Gratisheft von Ringier und Tamedia, konnte er als Beilage von je sechs Zeitungen und Zeitschriften nicht ausstechen. Bei einigen mit TVtäglich liierten Titeln wurde ein Wechsel zu einer Art abgespecktem TV4 zwar diskutiert. Doch Hahns Offerte blitzte ab. Sie sei preislich nicht attraktiv gewesen, sagt TV-täglich-Verlagsleiter Roland Wahrenberger. Die Titel seien vertraglich zu lange an TV täglich gebunden, widerspricht ihm Hahn.
Dennoch bilanziert Hahn seine ersten acht Monate als «Erfolg». Dies zu glauben, fällt allerdings schwer. Denn wie will er seine Ausgaben wieder wettmachen, wenn er drei ganzseitige Inserate pro künftiges Heft als «völlig ausreichend» bezeichnet? Wegen der verringerten Auflage ab 1/2002 senkt er zudem die Tarife um rund die Hälfte.
Offen lässt Hahn im Übrigen auch, woher er das Geld für die millionenschweren Investitionen hatte. Aus seiner erst im September gegründeten Firma mit einem Aktienkapital von 40000 Franken kann es jedenfalls nicht kommen. Und die Vermutung, der Vierwaldstätter Verlag sei eine Tochterfirma seines Bruders in Deutschland, der mit gleichem Konzept das Heft Nur TV herausgibt, weist Hahn von sich.
Sowohl Wahrenberger als auch seine Kollegen bei Tele und TR 7 beteuern, TV 4 habe ihren Heften bisher nichts anhaben können, weder im Anzeigenmarkt noch beim Einzelverkauf noch im Abobereich. Zwar gehe der Einzelverkauf zurück, aber dies sei generell der Fall und nicht erst, seit TV 4 auf dem Markt sei, sagt TR-7-Verlagsleiter Sandro Rüegger. Und Duke Seidmann, Leiter Zeitschriftenwerbemarkt bei Ringier, fügt hinzu, Tele spüre am Kiosk eher Konkurrenten wie die deutschen Hefte TV Spielfilm oder TV today.
Damit ist angesprochen, was den Schweizer Titeln auf jeden Fall zu schaffen macht: die rund ein Dutzend deutschen Programmzeitschriften, die auf den Schweizer Markt drängen. Während die Wochentitel insgesamt bloss etwa 10000 Exemplare absetzen dürften, schätzt die WerbeWoche die verkaufte Auflage der vierzehntäglich erscheinenden Titel auf immerhin 60000 Exemplare.
Gemäss Mach Basic 01 haben die drei etablierten Schweizer Titel denn auch Leser verloren. Der Verlust blieb zwar bei TR 7 und Tele im Vertrauensbereich, doch zur Zeit des K1-Wertes hatten die beiden Titel noch zugelegt. Und wie sehr deutsche Titel den Schweizer Zeitschriften gefährlich werden könnten, zeigt das Beispiel TV Spielfilm, das erstmals in der Mach Basic 01 ausgewiesen ist: Es ist so stark wie die reinen Abozeitschriften Radiomagazin und Teleclub zusammen und kommt dem Wert von TR 7 bereits sehr nahe.
Programmblätter in Deutschland verloren Leser
Doch bei TR 7 macht sich Sandro Rüegger ganz andere Sorgen.
Er vermutet, dass ein Trend, der im deutschen Programmzeitschriftenmarkt zu beobachten ist, auch in der Schweiz Fuss fassen könnte: Wochentitel verlieren dort massiv an Auflage, mehrwöchige Billigprodukte hingegen legen seit ihrem Auftauchen 1997 teils kräftig zu. Konkret: Von zehn Programmzeitschiften, die Anfang 1998 noch über eine Million (teils bis 2,7 Millionen) Exemplare verkauften, haben alle mindestens 300000 Exemplare verloren. Besonders hohe Verluste verzeichneten TV klar, TV neu, TV Spielfilm und TV Movie. Demgegenüber legte TV 14 allein seit Mitte 1999 um 1,2 Millionen auf 2,01 Millionen Exemplare zu (plus 67,5 Prozent). Rüeggers Sorge wird von André Kolb bestätigt.
Er ist beim Nürnberger Gong Verlag für vier Programmzeitschriften zuständig, sowohl für hochpreisige Wochentitel wie (Bild+Funk, Gong) als auch für günstigere Produkte (TV direkt, Die Zwei). Den Trend im deutschen Markt sieht Kolb auch im eigenen Verlag bestätigt. Nicht nur das: «In den deutschsprachigen Auslandgebieten ist der Trend ähnlich», weiss Kolb, der mit den Gong-Produkten auch in der Schweiz präsent ist.
Könnte also Rüdiger Hahns Rechnung doch irgendwie aufgehen? Gut möglich, vielleicht sogar in doppelter Hinsicht: Zum einen wird sein TV 4 wohl zunächst den deutschen Pendants das Leben in der Schweiz erschweren. Denn im Gegensatz zu diesen führt Rüdiger Hahns Heft alle sprachregionalen Deutschschweizer TV-Programme. Ob es dann in einer zweiten Phase auch Tele und TR 7 an die Wäsche gehen wird, bleibt abzuwarten. «Wir beobachten TV 4 genau», sagt jedenfalls Duke Seidmann.
Relaunch bei TV täglich und TR 7

Seit knapp einem Monat kommt TV täglich aufgefrischt daher (WW 35/01). Der Relaunch habe nichts mit TV 4 zu tun, er sei schon seit längerem vorgesehen gewesen, versichert Verlagsleiter Wahrenberger. Den Relaunch noch vor sich hat hingegen TR 7. Das Heft soll ab Frühjahr 2002 «moderner» werden, dies stelle aber ebenfalls keine Reaktion auf TV 4 dar, sagt Verlagsleiter Rüegger.
Ein gutes Dutzend Programmzeitschriften an Schweizer Kiosken

Zeitschriften Verlag Intervall Preis Verkaufte Leser
Einzel- Auflage CH
verkauf CH
Bild + Funk Gong Verlag, Nürnberg  7 Tage Fr. 2.60 1100*
Die Zwei Gong Verlag, Nürnberg  7 Tage Fr. 1.80 11 000*
Gong Gong Verlag, Nürnberg  7 Tage Fr. 2.60 1000*
Hören u. Sehen Bauer-Gruppe, Hamburg  7 Tage Fr. 2.80 k. A.
Hör zu Axel Springer Verlag, Hamburg  7 Tage Fr. 2.70 k. A.
Tele Ringier, Zürich  7 Tage Fr. 3.60 227 539 712 000
TR 7 Basler Mediengruppe  7 Tage Fr. 3.–– 173 038 407 000
TV täglich Tamedia/Ringier  7 Tage Gratisbeilage 1 360 000* 939 000
TV 14 Bauer-Gruppe, Hamburg 14 Tage Fr. 2.–– k. A.
TV direkt Gong Verlag, Nürnberg 14 Tage Fr. 1.80 4000*
TV Movie Bauer-Gruppe, Hamburg 14 Tage Fr. 3.–– k. A.
TV Spielfilm TV Spielfilm Verlag, Hamburg 14 Tage Fr. 3.–– 28 863* 326 000
TV today Verlagsgruppe Fleet, Hamburg 14 Tage Fr. 2.60 k. A.
TVpur Bauer-Gruppe, Hamburg  4 Wochen Fr. 2.40 k. A.
TV 4 Vierwaldstätter Verlag, Horw  4 Wochen Fr. 4.–– bisher
300 000*
ab 1/2002
ca. 80 000*
Radiomagazin AG für Radiopublikationen wöchentlich nur Abos 31 272 109 000Teleclub Teleclub AG monatlich reine Klub- 89 770 226 000
Zeitschrift
grösstenteils gratis verteilt
* Verlagsangabe, nicht beglaubigt
k. A. keine Angaben Umfrage WerbeWoche

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