Gefunden: Texter.
Auf unkonventionelle Weise hat im Juni die Werbeagentur Matter & Partner (M&P) neue Texter gesucht – und gefunden, mit einer simplen Überrumpelungstaktik.
Drei Sonntagstitel auf einen Streich. Voraussichtlich ab Februar überträgt Ringier der
Tamedia die Frühzustellung des SonntagsBlick. Diese wird das Blatt über die Vertriebsorganisation Zuvo und deren Partnerorganisationen in der ganzen Deutschschweiz verteilen. Ringier-Konzernsprecher Fridolin Luchsinger bestätigte dies auf Anfrage. Tamedia organisiert bereits die Frühzustellung für die eigene SonntagsZeitung und wurde auch von der NZZ mit der Frühzustellorganisation ab März für deren neues Sonntagsblatt beauftragt. Luchsinger zeigte sich erfreut über die Öffnung bei Tamedia und Zuvo. «Die Diskussionen um einen gemeinsamen Vertrieb sind alt, bisher sperrte sich die Tamedia aber dagegen», sagt er.
Stillos guter Geschmack. Seit 1986 wirbt McCann-Erickson, Genf, für den Schaumwein Martini Brut. Gut in Erinnerung geblieben sind die Kreationen aus Korkzapfen und Draht, die, subtil fotografiert, Jahr für Jahr überraschten. Schliesslich wurden die drahtigen Flatterohren von Prinz Charles durch ein blaues Auge von Ex-Miss Schweiz Melanie Winiger abgelöst. Das Bild wurde allerdings nicht überall geschätzt, weil es an eine Gewaltszene erinnerte. Beide Kampagnen mochten den Bekanntheitsgrad der Schaumweinmarke nicht zu steigern. Deshalb lanciert die Genfer Agentur zum Jahresende ein neues Werbekonzept mit zwei Plakatsujets, die mit Aufnahmen von Stillosigkeiten auf den guten Geschmack des Getränks hinweisen sollen. Na dann, salute!
Logisch: Biokäse aus Gras. Der Konsument soll sich beim Kauf von Bio-Produkten darauf verlassen können, dass er auch wirklich gesunde und biologisch angebaute Produkte erhält. Um diese Garantie zu dokumentieren, ist die Knospe als ein unabhängiges Bio-
Gütesiegel eingeführt worden. Wie der Konsument dieses Gütesiegel interpretieren soll, will nun Bio Suisse, Basel, der Bevölkerung wieder einmal ins Bewusstsein rufen. Der Kommunikationsauftrag wurde von Lowe Lintas GGK visuell mit einem Käse umgesetzt, der aus 100 Prozent biologisch reinem Gras besteht. Oder im Modell von Philippe Chrétin zumindest auf dem B12-Plakat so wirkt. CD Mark Stahel, AD Philipp Sträuli, Grafik Sebastian Hugelshofer, Text Alain Picard, Beratung Nicolas Edelmann, Kerstin Schnyder, Biologik Cordelia Galli.
Risiko bei der Nationalbank. Seit dem Jahr 2000 bietet die Schweizerische Nationalbank der Plakatsammlung des Museums für Gestaltung Gastrecht am Zürcher Stadthausquai. Dreimal jährlich wechseln seither die Ausstellungen in den Schaufenstern der Bank. Seit dem 15. November sind wertvolle Plakate zum Thema «Sicherheit» zu entdecken. Das Konzept zur Ausstellung stammt von Kurt Thaler.
Neuer City Guide in Zürich. Bisher haben in Zürich verschiedene Guides und Heftli um die Gunst der Gäste gebuhlt. Jetzt hat Zürich Tourismus entschieden, dass nur noch ein Produkt unterstützt werden soll: der City Guide Zürich vom Verlag Tourismus in Zürich (WW 25/01). Das «Schlüsselbüchlein» ist in den Zürcher Hotels bisher unter dem Namen Infoguide aufgelegen. Jetzt bekommt die Broschüre neben dem neuen Namen auch ein neues Layout. Verantwortlich für die neue visuelle Visitenkarte von Downtown Switzerland ist der Designer Kurt Schwerzmann (Facts, WoZ, Work). Der neue Guide erscheint viermal pro Jahr in einer Auflage von jeweils 200000 Exemplaren. Der neue offizielle Guide darf auch als Einziger die Marke «Zürich Downtown Switzerland» benützen. Der Mann hinter dem Verlag heisst Ursin Mirer, bekannt auch als Inhaber des Trendlokals Giesserei in Oerlikon. Pressechef beim Verlag Tourismus ist kein Geringerer als Bruno Bötschi, der Ex-gute-Geist von Salz & Pfeffer und Cigar.
Editorial
Die Markenmacht der Konsumenten Konsum ist zum universalen Kommunikationsmittel und zur erfolgreichsten Missionierungsbewegung des Planeten geworden; Marken und Logos sind Bestandteil internationaler Ereignisse. Vergessen geht bei dieser Markenseligkeit, dass der Kern einer Marke aus einer gemeinsamen Werthaltung besteht, die man nicht ohne Not und ungestraft verletzt. Konsumenten, die sich einer Marke verbunden fühlen, wollen ihre Werte in ihr gespiegelt sehen. Eine langfristig erfolgreiche Marke muss sich ethisch verhalten und somit ihr Versprechen einlösen. Thomas Otte bezeichnet dies als kategorischen Imperativ der Markenführung. Lesen Sie sein Interview auf Seite 37.
«No Logo», die Kampfschrift der Kanadierin Naomi Klein, entwickelte sich rasch zur Bibel der Globalisierungsgegner. Darin kritisiert sie den Widerspruch zwischen unmenschlichen Produktionsmethoden und dem Versprechen globaler Brands. Von Seattle bis Genua ziehen ihre Anhänger gegen die Markentyrannei der Konzerne zu Felde.
Der Brandingexzess grosser Marken fällt inzwischen auf diese zurück. Wenn emotionale Markenversprechen enttäuscht, wenn fragwürdige Produktionsmethoden bekannt werden – wie etwa Kinderarbeit oder Umweltzerstörung –, wird die Enttäuschung zum Bumerang für die Konzerne. Bei einer Demonstration vor der Nike-Zentrale in New York sagte ein Junge aus der Bronx in die Newskameras: «Nike, wir haben dich gemacht. Und wir können dich auch vernichten.»
Eines scheinen die machtbewussten Konsumenten begriffen zu haben: Wenn alles Konsum geworden ist, lässt sich die Welt nur noch mit Konsum und dessen Gegenteil, dem Boykott, verändern – Alternativen dazu gibt es in unserer Überflussgesellschaft mehr als genug. Samuel Helbling, Chefredaktor
