Les jeux ne sont pas encore faits

Das Schweigen von Hersant lässt in der Westschweiz die Gerüchteküche weiter brodeln

Das Schweigen von Hersant lässt in der Westschweiz die Gerüchteküche weiter brodelnVon Anita Vaucher Die Akquisition der beiden Regionalzeitungen L’Express und L’Impartial durch den französischen Verlag Hersant ist ein Schuss vor den Bug für die Westschweizer Verleger- und Medienbranche. Unklar ist noch immer die Strategie des neuen Players.
Fabien Wolfrath, der ehemalige Besitzer der Regionalzeitungen L’Express und L’Impartial, und Philippe Hersant, der neue Besitzer der beiden Blätter, haben eine Gemeinsamkeit: Sie scheuen Journalisten wie der Teufel das Weihwasser. Für Unternehmer, die ihr tägliches Brot mit Printmedien verdienen, eine fragwürdige Haltung.
Im Zuge des Verkaufs der beiden Regionalzeitungen L’Impartial und L’Express (WW11/02) hat Fabien Wolfrath verlauten lassen, dass Journalistenfragen – wenn überhaupt – nur schriftlich beantwortet würden. Der Vater von Philippe Hersant, so wird kolportiert, riet dem Sohn Philippe auf dem Sterbebett, sich niemals einem Journalisten anzuvertrauen. Darum hat Hersant junior auch noch nie ein Interview gewährt.
Entsprechend schiessen die Gerüchte rund um die Verlegergruppe des Familienunternehmens Hersant ins Kraut. Und bisher hat auch noch niemand so richtig verstehen können, weshalb das französische Unternehmen derart grosses Interesse am Westschweizer Medienmarkt bekundet. Die alles andere als transparente Kommunikationspolitik von Hersant lässt Finanzanalysten vermuten, dass mit der Akquisitionspolitik, wie sie Hersant seit vergangenem Sommer in der Westschweiz praktiziert, Kapital ins Ausland verlagert werden soll. Dem wäre entgegenzuhalten, dass Hersant nicht irgendein Investor ist, sondern ein Branchenspezialist mit dem entsprechendem Know-how.
Der französische Medienexperte und Bankier Jean-Clément Téxier glaubt indessen, dass der Westschweizer Printmarkt mit seiner Zeitungsvielfalt und einem interessanten Inserentenmarkt für ein französisches Unternehmen wie Hersant durchaus begehrenswert sein könne. Die finanziellen Ergebnisse der Printerzeugnisse in der Romandie fielen überdies oft besser aus als jene der französischen Produkte, weiss Téxier. Zudem müsse, wer global mitspielen wolle, über die Grenzen hinausgehen. Das gelte auch für französische Unternehmen, die längerfristig nur dann Erfolg hätten, wenn sie grenzüberschreitend und überregional agierten.
Schweizer Printmarkt mit verlockenden Gewinnmargen
Jean-Paul Corbaz, Verleger und Herausgeber von La Presse (Riviera-Chablais und Nord vaudois), ist erstaunt, dass Hersant sich für kleine lokale Zeitungen interessiert und fragt sich, ob sich das französische Unternehmen der kantonalen und regionalen Besonderheiten der Schweizer Presse bewusst sei. Persönlich hegt Corbaz derzeit noch keine Verkaufsgelüste – weder an Edipresse noch an Hersant. Mit Philippe Hersant hatte er aber vor drei Jahren schon einmal verhandelt, als das Projekt Delta in der Pipeline war. Delta sollte die Maquetten der Zeitungen aus den Regionen Montreux, Yverdon und Nyon vereinheitlichen und den Druck an einen Standort binden. Inzwischen ist das Delta-Projekt Geschichte und die Zeitung La Côte in den Händen von Hersant.
Dass Philippe Hersant aber an Druckereien ausserhalb Frankreichs interessiert ist, zeigt das Vergrösserungsprojekt der Dru-ckerei in Neuenburg, für deren Umbau bereits eine Baubewilligung vorliegt. Hier will Hersant seine französischen Titel drucken lassen.
Schon als vor drei Jahren sein Druckzentrum im Thonon ausfiel, erkundigte er sich bei Jean-Paul Corbaz nach Alternativen in der Schweiz. Nicht zuletzt um gegen Streiks, die in Frankreich alle paar Monate auf der Tagesordnung stehen, besser gewappnet zu sein.
Verwirrt über den neuesten Coup von Hersant scheint auch Roger de Diessbach, Chefredaktor der in Freiburg erscheinenden La Liberté, zu sein. Sah er letzten Sommer den französischen Verleger noch als Retter der kleinen Zeitungen, warnt er nun nach dem Coup in Neuenburg lautstark vor Verlegern wie Edipresse und Hersant.
Diese würden, so de Diessbach, schliesslich den Markt unter sich aufteilen, wenn die kleinen Zeitungen ihre Zusammenarbeit nicht verstärkten. Die Angst des Chefredaktors ist nicht von der Hand zu weisen, wenn als nächstes Objekt der Begierde von Hersant Le Quotidien Jurassien zur Diskussion stünde. La Liberté ist daran mit 50 Prozent beteiligt

Bücher-Service: Marketingwälzer

Ohne dieses Buch gibt es keinen profunden Einblick in die Kunst des Marketings: Die neunte Auflage des Klassikers von Heribert Meffert liegt in einer neu konzipierten, ergänzten und überarbeiteten Fassung vor.

Ohne dieses Buch gibt es keinen profunden Einblick in die Kunst des Marketings: Die neunte Auflage des Klassikers von Heribert Meffert liegt in einer neu konzipierten, ergänzten und überarbeiteten Fassung vor.Bücher-Service Marketingwälzer
Neben der Aktualisierung aller Kapitel sowie der Praxisbeispiele wird auch auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der neuen Medien und in der Markenpolitik eingegangen. Das Werk liefert einen Überblick über marketingrelevante Themen und Instrumente.
Heribert Meffert: «Marketing – Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung», 9., überarbeitete und erweiterte Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden, ISBN 3-409-69017-4, 72.50 Franken.
Grundlagen des MarketingsFür Studenten und Praktiker gleichermassen bietet Professor Manfred Bruhn, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Basel, eine systematische Einführung in die Prinzipien, Instrumente und Verfahren des Marketings. Die fünfte Auflage wurde in allen Kapiteln überarbeitet und auf den neusten Stand der Forschung gebracht.
Manfred Bruhn: «Marketing – Grundlagen für Studium und Praxis», 5. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden, ISBN 3-409-53646-9, 44.50 Franken.
Integrierte KommunikationIst das Stichwort von der integrierten Kommunikation eine überholte Marketingfloskel oder ein effizientes Instrument zur Bewältigung der Marketingaufgaben in den kommenden Jahren? Zahlreiche Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft gehen dem aktuellen Stellenwert der integrierten Kommunikation auf den Grund. Inbesondere beleuchten sie dieses Marketinginstrument aus soziologischer, betriebswirtschaftlicher und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Angereichert wird das Werk durch zahlreiche Beispiele aus der wirtschaftlichen Praxis.
Manfred Bruhn, Siegfried J. Schmidt und Jörg Tropp (Herausgeber): «Integrierte Kommunikation in Theorie und Praxis», Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden, ISBN 3-409-11641-9,
89 Franken.

News: RMB vermarktet 23 Open-Air-Kinos

Der Medienvermarkter RMB Switzerland vermartket diesen Sommer neben 92 Prozent aller Schweizer Kinosäle auch 23 Outdoor-Leinwände in der ganzen Schweiz.

Der Medienvermarkter RMB Switzerland vermartket diesen Sommer neben 92 Prozent aller Schweizer Kinosäle auch 23 Outdoor-Leinwände in der ganzen Schweiz.News RMB vermarktet 23 Open-Air-Kinos
«Je höher im Frühling die Temperaturen klettern, desto stärker rückt bei Mediaplanern die bevorstehende Open-Air-Kinosaison ins Bewusstsein», wirbt RMB für sein neues Angebot. Die 23 Leinwände verteilen sich auf 16 Ortschaften.
TSR will Sport und news fusionieren Die Télévision Suisse romande (TSR) denkt laut über die Zusammenlegung der Spät-Tagesschau von 23.15 Uhr im ersten Programm und der Sportsendung von 22.30 Uhr im zweiten Programm nach. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben. Der Zeitpunkt der letzten Tagesschau-Ausstrahlung wird bei der TSR als zu spät erachtet. Zudem möchte man das zweite Programm stärken, indem man vermehrt regelmässige Programme senden will. Deshalb soll das zweite Programm auch neu strukturiert werden. Die neue Informationssendung, die aus Spät-Tagesschau und Sportsendung gebildet würde, sollte neu auf TSR 2 ausgestrahlt werden.
Eclat bei tv-sender Léman bleu Der Chefredaktor des privaten Lokalfernsehens Léman bleu, Michel Chevrolet, hat die Kündigung eingereicht. Er bemängelt die fehlende Unabhängigkeit des Senders gegenüber Sponsoren und spricht von zunehmenden Publi-Reportagen statt glaubwürdigem Journalismus. Die verbleibenden Mitarbeiter haben sich nach dem Abgang ihres Chefs zum Streik entschlossen. Während eines ganzen Tages fielen sämtliche Sendungen aus. Ohnehin arbeiten bei Léman bleu nur noch drei Praktikanten und ein Programmverantwortlicher, nachdem im vergangenen Jahr sieben Angestellte, welche sich nicht korrekt behandelt fühlten, den Sender verlassen haben.

News: Jupiter vor dem aus

Der Internetforschungsfirma Jupiter Media Metrix geht das Geld aus. Laut Geschäftsbericht 2001 betragen die Cashreserven des Unternehmens noch 7,5 Millionen Dollar.

Der Internetforschungsfirma Jupiter Media Metrix geht das Geld aus. Laut Geschäftsbericht 2001 betragen die Cashreserven des Unternehmens noch 7,5 Millionen Dollar.News Jupiter vor dem aus
Im Bericht zuhanden der Börsenbehörde Securities and Exchange Commission warnt Jupiter, wenn es nicht gelinge, gewisse Geschäftsbereiche zu verkaufen und Verluste zu reduzieren, sei zweifelhaft, ob die Geschäftstätigkeit fortgeführt werden könne. Die Aktie, die Anfang 2000 zu einem Mindestpreis von 28 Dollar gehandelt wurde, ist zurzeit nur noch 14 Cents wert und dürfte Mitte Jahr abgesetzt werden. In der Schweiz ist Jupiter mit MMXI Switzerland vertreten, einem Joint Venture mit dem Forschungsinstitut IHA-GfK.
Weltwoche.ch erweitert PDA
Mobile Zeitgenossen können ab sofort die gesamte Weltwoche auf ihrem Taschencomputer (PDA) lesen. Für registrierte Weltwoche-User stellt www .weltwoche.ch neu statt einer Auswahl von Artikeln den kompletten Inhalt der Wochenzeitung in elektronischem Format bereit. Nichtabonnenten müssen sich weiterhin mit einem Ausschnitt begnügen. Voraussetzung für die Nutzung ist das Betriebssystem PalmOS. Werbetreibende können in dem elektronischen Format PDA-Banner schalten.

Ausserdem: Seit Anfang April ist Hansruedi Häusermann wieder Geschäftsleiter der Wigra Media AG.

Ausserdem Seit Anfang April ist Hansruedi Häusermann wieder Geschäftsleiter der Wigra Media AG. Er betreute zuletzt bei der Affichage Holding diverse Projekte, zuvor war er bereits 18 Jahre bei Wigra Media tätig, davon bis 1998 acht Jahre als Ges

Ausserdem Seit Anfang April ist Hansruedi Häusermann wieder Geschäftsleiter der Wigra Media AG. Er betreute zuletzt bei der Affichage Holding diverse Projekte, zuvor war er bereits 18 Jahre bei Wigra Media tätig, davon bis 1998 acht Jahre als Geschäftsführer.
Die Verlag Meyer AG nimmt zwei neue Gebietsverkaufsleiter an Bord. Cumi Karagülle, bisher Leiter Sales Support beim Onlinevermarkter Adlink, betreut neu die Region Zürich-Ostschweiz und Werbeagenturen. Joël Grandjean ist für die Romandie zuständig. Er war zuvor im Anzeigenverkauf des Wirtschaftsmagazins Bilanz tätig.
Seit Anfang April verstärkt Ursina Merkt die Beratung der Zürcher Werbeagentur Sulzer Sutter.
Der Verlag Engeli & Partner in Horn hat seine Führungs- und Verkaufsequipe verstärkt. Für die drei Titel Nebelspalter, Magazin KMU und MedizinZeitung wirken neu Konrad Künzler (ehemals bei Publicitas, St.Gallen) als Verlagsleiter, Walter C. Roth (früher bei Ringier) als Verkaufsleiter und Antonia Roth im Anzeigenmarketing KMU.
Anfang August wird Daniel Strobel neuer CEO der Pressevermarkterin Publimedia AG. Er tritt die Nachfolge von Otto Meier an, der Anfang Oktober das Amt des Generaldirektors PubliPresse übernimmt. Aus diesem Anlass strafft Publimedia ihre Führungsstruktur. Account Director Moreno Cavaliere zeichnet neu für den gesamten Beratungsbereich der Publimedia AG in der Deutschschweiz verantwortlich. Markus Ehrle, bisher Account Director, wird neu Marketing Director der Publimedia.
Patrik Chabbey ist ab sofort stellvertretender Direktor von Ringier Romandie. In dieser Funktion übernimmt er die Leitung der Abteilung Dienstleistungen und unterstützt Geschäftsführer Gérard Geiger. Ebenfalls ab sofort leiten in der Abteilung Dienst-leistungen Thomas Baumann die Informatikdienste, Philippe Faehndrich die Internetplattform Webdo und Pascal Goetz die Produktion.
Der CEO der Jean Frey AG, Filippo Leutenegger, hat per1. Mai Balz Hosang zum neuen Chefredaktor des Beobachters bestellt.
Anfang Mai wird Caroline Moser neue Beraterin bei John Schmid Werbeagentur in Arlesheim. Sie ersetzt Tom Glanzmann, der eine eigene Agentur gründete (siehe Artikel links).
Seit dem 1. April verstärkt Magali Carrecabe das Team der Publimedia Webadvertising AG. Als Account Managerin mit Standort Genf betreut sie die Kunden in der Westschweiz.
Seit dem 1. März verstärkt Bea Gisler als Marketing-/Kommunikationsberaterin die Ristretto Kommunikation in Stans. Die Betriebsökonomin HWV war zuvor Marketingleiterin bei der Obwaldner Kantonalbank.

Andere darben, Ringier gehts gut

Der grösste Schweizer Medienkonzern brachte 2001 seinen Umsatz auf neue Rekordhöhen

Der grösste Schweizer Medienkonzern brachte 2001 seinen Umsatz auf neue RekordhöhenDer grösste Schweizer Medienkonzern brachte 2001 seinen Umsatz auf neue Rekordhöhen Von Markus Knöpfli
Das Familienunternehmen Ringier hat im Geschäftsjahr 2001 seinen Umsatz um 4,3 Prozent auf 1,062 Milliarden Franken gesteigert. Der daraus erwirtschaftete Gewinn belief sich auf 34,8 Millionen Franken (Vorjahr 50,4 Millionen). Verleger Michael Ringier zeigte sich über das Resultat «im Grossen und Ganzen zufrieden».
«In guten Zeiten geht es Ringier nicht so gut wie den einheimischen Konkurrenten – in schlechten Zeiten geht es uns dafür weniger schlecht.» Mit diesen Worten kommentierte Verleger Michael Ringier den um 4,3 Prozent gestiegenen Umsatz seines Konzerns, den deutlichen Gewinn sowie die neue Rekordmarke von 121,1 Millionen Franken beim Cashflow (Vorjahr 119,3). Dass Ringier derzeit nicht darben muss, erklärte der Verleger so: «Wir leben mehr als jeder andere Verlag in diesem Land von den Lesern und weniger von den Anzeigen.» 53 Prozent der Zeitungen- und Zeitschriftenerlöse stammen bei Ringier aus dem Vertrieb und nur 47 Prozent von den Anzeigen. «Der Leser ist treuer und stabiler als der Anzeigenkunde.»
Ringiers Umsatzzuwachs von rund 44,1 Millionen Franken ist zum grössten Teil auf die Übernahme der Druckerei Winterthur und der ColorServ zurückzuführen: Der Kundendruck Schweiz stieg um 35 Millionen Franken. Wegen rückläufiger Werbeausgaben erlitten dagegen die Verlagsbereiche in der Schweiz Umsatzeinbussen. Einzig Betty Bossi konnte um 8,3 Prozent oder 5,2 Millionen Franken zulegen. Einen kräftigen Dämpfer erlitt der Bereich Wirtschaftsmedien (Cash), wo der Umsatz um 17,9 Prozent oder 7,4 Millionen Franken einbrach. Ringier gab sich ob der Auflagenzahlen, besonders bei Blick und SonntagsBlick (siehe Seite 16), zufrieden.
Während im Verlag Europa (plus 3,8%) das Osteuropa-geschäft blüht, beendete Ringier im letzten Jahr seine Aktivitäten in Deutschland. Osteuropa trägt 12,9 Prozent zum Gesamtumsatz von Ringier bei. Demgegenüber erreicht Ringier Asien mit 39,2 Millionen erst einen Anteil von 3,7 Prozent.
Die Investitionen im Jahr 2001 lagen mit 102,2 Millionen Franken massiv unter dem Vorjahreswert von 157 Millionen Franken. Die wichtigsten Akquisitionen waren der Kauf der Druckerei Winterthur von der Basler Mediengruppe (BM), die Übernahme von 49 Prozent an der ungarischen Tageszeitung Nepszabadsag (bei der Ringer bereits Aussichten auf eine Mehrheit hat), von 49 Prozent an der slowakischen Tageszeitung Novy Cas sowie der Kauf der tschechischen Sporttageszeitung Ceskoslovensky Sport und der Zeitungsdruckerei Ceska Prag.
Im Zusammenhang mit der gescheiterten Jean-Frey-Übernahme warf Ringier der BM erneut Vertragsbruch vor. Es möge zwar stimmen, dass Ringiers erstes Angebot zu tief gewesen sei, doch habe die BMG noch vor einer abschliessenden Preisverhandlung an Swissfirst verkauft. Auch dort sei Ringier dann trotz eines um 25 bis 33 Prozent höheren Angebots abgeblitzt, sagte er.
Weiter bestätigte der Konzernchef, dass Ringier derzeit an einer Wochenzeitung à la Weltwoche (WW 13/02) sowie an einem Konsumentenmagazin arbeite. Man werde aber frühestens im Herbst über die Projekte befinden.
Sanfte Kritik am SonntagsBlick, aber…Michael Ringier äusserte sich auch zum «Fall Borer». Er habe gewusst, dass eine Geschichte über Botschafter Thomas Borer im Tun sei, er habe sich aber nicht eingemischt. Doch «wenn ich an jenem Tag hätte entscheiden müssen, hätte ich die Geschichte wohl eher nicht gebracht. Mir fehlten ein paar relevante Ansätze. Im Nachhinein allerdings war es richtig, dass Herr Nolte (SoBli-Chefredaktor) sie gebracht hat. Was da alles hochgekommen ist, rechtfertigt die Geschichte vollumfänglich. Ich verteidige die Veröffentlichung aus Überzeugung.» Da Thomas Borer sich immer öffentlich mache, behandle man ihn bei Ringier auch so, fügte er hinzu.

Tom Seinige

Jurypräsident Aussenwerbung

Jurypräsident AussenwerbungWie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie?: Generell hoch. Allerdings wird hie und da noch immer mehr Energie in ein pompöses Auftreten gesteckt anstatt in eine gute Idee.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Seinige: Es wurde sehr streng juriert. Wer Bronze gewinnt, hat schon allen Grund zum Feiern.
Ihr Fazit nach 26 Jahren ADC: Hat sich das Niveau der eingesandten Arbeiten gesteigert, ist es gleich geblieben, oder hat es sich verschlechtert?
Seinige: Massiv gesteigert. Das zeigt schon ein Quervergleich der Jahrbücher. Allerdings darf man den Zeitaspekt nicht ausser Acht lassen. Kampagnen funktionieren in einem bestimmten Kontext einfach besser.
Welchen Arbeiten geben Sie fürs Werbefestival in Cannes Chancen?
Seinige: Dem Hahn-Spot und der Snowboard-Anzeige.
Was fiel Ihnen beim Bewerten der Arbeiten auf?
Seinige: Zu viel alte Ideen und zu viel schwache Ideen.
Werden Sie auf Grund der Werbung nun eines der preisgekrönten beworbenen Produkte kaufen?
Seinige: Selbstverständlich. Ich habe schon fünfzehn Güggel zu Hause. Und ein Schiff vom ZVV kaufe ich nächste Woche.
Ist eine Arbeit dabei gewesen, die für Sie als Art Director Kunststatus erreicht hat?
Seinige: Werbung ist Werbung. Punkt. Diese Kunstdiskussion langweilt mich langsam.

«Für schlechte Werbung braucht es mehr Mut als für gute»

ADC-Vorstandsvorsitzender Andreas Prokesch über den Werbejahrgang 2001

ADC-Vorstandsvorsitzender Andreas Prokesch über den Werbejahrgang 2001Ein «Abschied», so eloquent und frisch, wie nur er ihn hinlegen kann: Zum letzten Mal führte der ADC-Vorstandsvorsitzende Andreas Prokesch als inoffizieller Jury-Chairman die ADC-Goldjurierung. Prokesch über die 26. Würfel-Auszeichnung, die Kunst der Versöhnung und seine Gedanken zu kreativer Werbung.Was ist an den diesjährigen Gold-Kampagnen so wegweisend?
Andreas Prokesch: Gold wert war für den ADC auch dieses Jahr die Arbeit unserer Geschäftsführerin Helen Müller mitsamt dem ganzen Team hinter den Kulissen. Danke!
Konnten Sie bei den eingereichten Arbeiten neue Trends feststellen?
Prokesch: Der Trend hält unvermindert an: Alles wird gut – mit einem guten Auftraggeber, einem guten Briefing, einer guten Strategie, einer guten Idee, einer guten Streitkultur und einer guten Umsetzung.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Prokesch: Wir werden die ausgezeichneten Arbeiten zum ADC- Jahrbuch vergären und 10 Jahre lang im Gestell ruhen lassen und spätestens dann an diesem Jahrgang unsere helle Freude haben.
Ihr Fazit nach 26 Jahren ADC: Hat sich das Niveau der eingesandten Arbeiten gesteigert, ist es gleich geblieben, oder hat es sich verschlechtert?
Prokesch: Einiges von dem, was heute unter den Tisch fliegt, wäre vor 26 Jahren vergoldet worden. Womit wieder einmal gesagt ist, dass nicht alles glänzt.
Sind Newcomer auszumachen?
Prokesch: Ja! Die drei Youngsters von Publicis, die fürs Weihnachtsmailing der Agentur illustratorisch verantwortlich zeichnen: Nadine Geissbühler, Flo Wacker und Markus Wyss. Sie haben mit ihrem Memory-Spiel Gold gewonnen und auch verdient. Oder zum Beispiel Nicht-ADC-Mitglied Lars Müller, dessen «Freitag»-Buch vergoldet wurde. Oder die Jungagenturen Guye Benker, Hesskiss, Korolnik und RufLanz. Oder die Altagentur Wirz.
Guye Benker, Hesskiss oder RufLanz gehören eher zu den üblichen Verdächtigen als zu den Neuentdeckungen. Werden die Würfel also doch vorwiegend unter den bestehenden Clubmitgliedern verteilt?
Prokesch: Benker, Hess, Lanz und Ruf arbeiten unter neuen Vorzeichen – als Agentur statt als Einzelmaske. Da spielt die Musik anders. Lars Müller ist Nicht-ADC-Mitglied und hat Gold gewonnen. Lang Gysi Knoll hat kein ADC-Mitglied und erhielt Silber in der Kategorie Film. DDB Zürich, Netvertising und New Identity haben ebenfalls keine Mitglieder und je Silber. Ausserdem Rainer Kuhn. Und wenn ich Ihnen jetzt noch alle Bronze-Gewinner/ Nicht-ADC-Mitglieder aufzähle, müssen Sie eine halbe Seite in dieser Ausgabe mit den Namen füllen statt mit einer Anzeige.
Welche Bedeutung messen Sie dem Lobbying bei solchen Wettbewerben bei?
Prokesch: Der ADC versteht sich als Lobby für gute Werbung – und weniger für die Werber, die sie machen.
Welchen Arbeiten geben Sie für das diesjährige Werbefestival in Cannes Chancen?
Prokesch: Alle vergoldeten und einige versilberte haben gute Chancen – und vielleicht sogar welche, die Bronze erhalten haben oder unter den Tisch gefallen sind. Denn jede Jury beurteilt die gleiche Arbeit ein bisschen anders.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Prokesch: Darauf, dass die geschriebenen Gesetze des ADC, wie zum Beispiel «Du sollst ohne Aufforderung in den Ausstand treten», und die ungeschriebenen Gesetze des ADC, etwa «Du sollst selber gute Werbung machen, bevor du andere schlecht machst», eingehalten werden.
Ist die Werbung dank des ADC mutiger geworden?
Prokesch: Für schlechte Werbung braucht es mehr Mut als für gute. Erstaunlicherweise gibt es dennoch nicht mehr gute Werbung. Das hat zwar schon ADC-Ehrenpräsident Jean Etienne Aebi immer wieder gesagt. Aber man muss es immer noch immer wieder sagen.
Wurde es im vergangenen Jahr leichter oder schwieriger, Auftraggeber für eine mutige, ADC-würdige Idee zu gewinnen?
Prokesch: Tendenziell gibt es immer mehr Agenturen und Agentürchen, aber immer weniger Auftraggeber oder zumindest immer weniger Budgets. Entsprechend grösser ist der Verteilkampf. Und der führt zu einem manchmal schon fast abstrusen Umgang mancher Kunden mit ihren Agenturen. Ein Beispiel: ein Briefing von Swisscom. Darin stand nicht nur die Aufgabe, sondern die gesamte Lösung – inklusive Bildvorstellung und einer Unsumme von Wörtern, die man in einer «glatten» Headline hätte verpacken sollen. Ich konnte danach wirklich nur noch sagen: «Tiefer, als man denkt.»
Werden Sie auf Grund der Werbung nun eines der preisgekrönten beworbenen Produkte kaufen?
Prokesch: Hakle feucht benutzte ich schon bisher bei jedem Stuhlgang, werde dieses restlose Gefühl jetzt aber selbst meinem besten Freund weiterempfehlen. In die Ferien fliege ich ohne Reiseveranstalter. Trotzdem habe ich danach immer alles vergessen.
Hat dieser Wettbewerb bei Ihnen den Berufsstolz als Werber in ein neues Hoch steigen lassen?
Prokesch: Wir haben den schönsten Beruf, und der ADC verteilt die begehrtesten Auszeichnungen. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die mindestens so aufregend und wichtig sind wie eine 2-für-1-Aktion oder die Line Extension eines Deodorants. Mir kommt beispielsweise Claude Martin in den Sinn, der unvergessliche Kampagnen gemacht hat und jetzt im Lighthouse hofft, dass man ihn nicht ganz vergisst.
Ist eine Arbeit dabei gewesen, die für Sie als Art Director Kunststatus erreicht hat?
Prokesch: Eine Kunst ist es, dass sich die ADC-Mitglieder Jahr für Jahr dermassen streiten können und nach Beendigung der Goldjurierung doch wieder «fascht e Familie» sind.
Weshalb lagen sich die ADC-Familienmitglieder denn heuer in den Haaren?
Prokesch: Wir streiten uns stets um dasselbe: Was ist wirklich gute – sehr, sehr gute Werbung? Jeder und jede hat davon zum Glück eine etwas andere Vorstellung.
Welche Ratschläge geben Sie Ihrem Jury-Chairman-Nachfolger Daniel Matter mit auf den Weg?
Prokesch: Dani braucht von mir keine Ratschläge, um seine Sache gut zu machen. Interview: Luca Aloisi

ECON Awards 2001.

Rund 250 Agenturen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol haben mit rund 1000 Kampagnen am Wettbewerb um die Econ Awards 2001 teilgenommen.

Rund 250 Agenturen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol haben mit rund 1000 Kampagnen am Wettbewerb um die Econ Awards 2001 teilgenommen. Dieser Wettbewerb wird vom Jahrbuch der Werbung ausgeschrieben, das seit 39 Jahren im Econ Verlag erscheint. Die Jury kürte für 37 Branchen die jeweils beste Kampagne. Vier Preise gehen auch in die Schweiz, drei davon an die Berner Agentur Freiburghaus und Banderini. In der Kategorie «Kleidung» wurde deren Botty-Kampagne geehrt. Die Arbeit für Schweizer Rindfleisch wurde sowohl im Bereich «Gesellschaft/Social Marketing» als auch bei «Verbands- und Gemeinschaftswerbung» ausgezeichnet. Die vierte CH-Auszeichnung geht an die Zürcher Agentur Transformer für ihre SBB-Werbung in der Kategorie «Tourismus/Verkehr».Jazz and more. Vom 20. Februar bis 24. März werden in einer Ausstellung im Design Center Stuttgart weit über hundert Plakate von Niklaus Troxler gezeigt. Der Titel «Jazz and more» bezieht sich auf Troxlers Plakate für das Jazzfestival Willisau. Präsentiert werden aber auch Plakate fürs Theater, Imagekampagnen sowie Arbeiten für einzelne Firmen. Troxler, der auch an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart lehrt, wird am 15. März im Design Center zusätzlich an einer Soirée im Rahmen der internationalen Grafik-Design-Konferenz zu Ehren kommen.
Scharf beobachtet. Martin Suter, einst Werber und heute erfolgreicher Schriftsteller, schrieb noch einmal für die Werbezunft. In einer Anzeige des NZZ Folio in der ADC-Festzeitung Der Beachter lässt er seine Kultfigur Geri Weibel am ADC-Fest auftauchen. Mit Sätzen wie «Geri Weibel fühlt sich am wohlsten, wenn er angezogen ist wie die andern» oder «Die Werbebranche verfügt bestimmt über ähnliche Fachzeitschriften wie die Coiffeurbranche» (was wir bei der WerbeWoche nicht persönlich nehmen) nimmt Suter die Werbewelt mit feiner Ironie auf die Schippe. Das Insiderwissen erstaunt nicht: Er war bis 1993 ADC-Präsident. Die Idee zur Anzeige stammt von der NZZ-Folio-Werbeagentur RufLanz.
Wirz schliesst Neuausrichtung des PR-Bereichs ab. Die in der Wirz Corporate Communications zusammengefassten PR-Firmen Wirz Public Relations, Wirz Investor Relations, Frontpage, Wirz Interactive und Zahner & Partner haben 2001 einen Honorarertrag von 11,3 Millionen Franken (minus 3 Prozent) erzielt. Der Umsatzrückgang ist auf die bereits Anfang 2001 erfolgte Auslagerung der Swissair-Mandate auf die Target Publishing AG zurückzuführen. Im Jahr 2001 wurde die Neuausrichtung von Wirz Corporate Communications mit der Fokussierung der Kerngeschäfte Finanzkommunikation, Krisenkommunikation sowie Public Relations und Corporate Publishing in den drei Töchtern Wirz Public Relations, Wirz Investor Relations und Frontpage abgeschlossen. Nach dem Zusammenschluss von Wirz Interactive mit Endeed zur Assai Interactive AG Anfang 2002 bildet E-Communications ab sofort einen eigenständigen Bereich in der Wirz-Gruppe.
ProSieben sponsert Verkehrshaus. ProSieben unterstützt als neuer Sponsor das IMAX-Filmtheater des Luzerner Verkehrshauses. Mit dem Engagement kommuniziere ProSieben seine erfolgreichen Programmumfelder der Wissenschaftsmagazine und bekräftige seine Strategie, im TV-Markt Schweiz nicht nur als Anbieter von Fernsehwerbung, sondern auch als Partner für Veranstalter und kulturelle Einrichtungen aufzutreten, heisst es in einer Mitteilung des ProSieben-Vermarkters SevenOne Media.
Ohne Worte. Die Kommunikation mit Bildern erlangt grosse Bedeutung, wenn etwa viele Menschen zusammenkommen, sich schnell und sicher auf engem Raum bewegen und unbekannte Ziele erreichen müssen in Bahnhöfen, Flughäfen oder Spitälern. Piktogramme sind dabei das effizienteste Kommunikationsmittel. Entworfen werden solche seit Jahren von der Agentur Designalltag Zürich. Zum kreativen Kern um Ruedi Rüegg und Bruno Margreth gehören vier Gestalter und Gestalterinnen, bei Bedarf werden freie Texter, Fotografen und Illustratoren beigezogen. Im Bereich Internet und Videoproduktionen besteht eine Arbeitsgemeinschaft mit Future Connection AG. Designalltag ist an vielen Schnittstellen des Alltags in der Schweiz nicht zu übersehen. Mit einer grafisch entsprechend ansprechenden Publikation möchten die Piktografen nun ihren Auftraggebern einmal danken sowie natürlich für neue Kunden werben.
Remy Fabrikant in der Cannes-Jury. Am Internationalen Werbefestival in Cannes werden die Schweizer Kreativen durch Remy Fabrikant vertreten. Der CD der Zürcher Werbeagentur JWT + Hostettler + Fabrikant nimmt Einsitz in die «Press & Poster»-Jury. Fabrikants Vorgänger als Schweizer Jury-Vertreter waren Frank Bodin (2000) und Martin Spillmann (2001). Das Werbefestival findet vom 16. bis 22. Juni statt.
Superbowl: Bud schlägt Britney. Beim Superbowl 2002 lagen die TV-Spots von Budweiser wieder ganz vorne in der Gunst der Zuschauer. In einer Umfrage von USA Today belegte die Biermarke gleich die ersten drei Plätze. Wenig Erfolg hatte Pepsi, das trotz Britney Spears im Mittelfeld stecken blieb. Budweisers Dominanz erklärt sich auch daraus, dass der Konzern mit zehn Spots rund ein Fünftel des Inventars gebucht hatte. Der Superbowl ist das grösste TV-Ereignis der USA und das teuerste Werbeumfeld der Welt. In diesem Jahr war der Durchschnittspreis für 30 Sekunden allerdings von 2,3 Millionen auf 1,9 Millionen Dollar gesunken.
Exklusives Direct Marketing. Eine wertvolle «Denzyklopädie» soll die Leistungen der Berner Denz Lith-Art AG einem ausgewählten Fachpublikum bekannt machen. Das auf edlem Karton mit viel aufwändiger Grafik gestaltete Werk ist in einer Auflage von nur 50 Exemplaren gedruckt worden. In der «Denzyklopädie» findet man alles nötige Fachlatein von einer Übersicht der Begriffe, Erzeugnisse und Resultate im Litho- und Druckbereich über Farbskalen bis Verpackungsideen. Das werbende Werk stammt von Burson-Marsteller, Bern, CD René Walker, Text: Olaf Pilleri, Art Buying: Claudia Jordi.
Editorial

Vergoldete Effizienz«Die Krise ist da. Endlich ist alles in Wirtschaft und Werbung in Frage gestellt.» Mit diesen markigen Worten leitete der Art Directors Club Deutschland sein Manifest für Kreativität Anfang Januar im Nachrichtenmagazin Der Spiegel ein. Die Unternehmer sollten sich fragen, ob ihre Kampagne noch zeitgemäss sei und ihre Botschaft noch stimme. Jetzt sei ein guter Zeitpunkt für ehrliche Antworten. Zweckoptimistisch rät der ADC den Marketingleuten: «Wenn alle an den Werbeausgaben sparen, dann war es noch nie so einfach, Aufmerksamkeit zu bekommen.» Und weiter: «(…) wenn die Verbraucher irritiert sind, ist jetzt der beste Augenblick, ihnen neue Orientierung zu geben.» Denn Vorsprung werde in der Krise gemacht und sei keine Frage des Geldes. Die erfolgreichen Kampagnen seien nicht die teuersten, sondern die kreativen und mutigen: Sie leben von Einfällen, die begeistern und bewegen.
Auch der ADC Schweiz hat gesprochen und seine Würfel verteilt: 9 wegweisende Arbeiten hat er am vergangenen Sonntag mit Gold ausgezeichnet. Die jährliche ADC-Jurierung ist die einzige Veranstaltung, an der praktisch alle Schweizer Anzeigen und Kampagnen gegeneinander antreten. Zur Schweizer Meisterschaft der Werbung sind heuer über 1100 Arbeiten angetreten. Sämtliche Goldarbeiten haben wir Ihnen in der einen oder anderen Form bereits in der WW vorgestellt, die meisten davon als Kampagne der Woche. Mehr dazu auf den Seiten 5 und 12 bis 16.
Dass ADC-prämierte Arbeiten nicht nur der Werbezunft gefallen, sondern auch im Markt erfolgreicher sind, beweisen die Effizienzauszeichnungen, die diese Würfelkampagnen regelmässig einheimsen: 12 von 14 Kampagnen, die kürzlich mit einem Effie ausgezeichnet wurden, waren zuvor schon vom ADC mit Gold prämiert worden. Wenn das kein Ansporn ist. Samuel Helbling, Chefredaktor

Hektik bei RMB

News Ringier macht vorwärts mit JF-Deal Die Vorarbeiten für die Integration der Jean Frey AG laufen bei Ringier auf Hochtouren, auch wenn das auf Mitte Februar erwartete Resultat der Due Dilligence noch aussteht. Bereits sind eine Projektgrup

Schweizer RMB gerät in den Sog der Turbulenzen in BelgienVon Markus Knöpfli Dass die Verschuldung von RMB International Folgen für die Schweizer Tochter RMB Switzerland hat, ist ausser Zweifel. Ein Verkauf steht an. Gerüchteweise ist von einem Management Buyout die Rede, aber es sollen auch bereits Konkurrenten lauern.
Obwohl belgische Zeitungen bereits am 28. Januar ausführlich über die Veränderungen an der Spitze von RMB International (RMBI) berichtet hatten (siehe Seite 1), reichte RMB Switzerland erst am Abend des 1. Februar ein dünnes Communiqué nach. Dort war jedoch weder etwas über die Hintergründe von RMBI-CEO Pierre-Paul Vander Sandes Abgang die Rede noch von den hohen Schulden der belgischen Mutter, geschweige denn davon, dass das europäische RMBI-Netz in Auflösung begriffen ist.
Vielmehr wurden die Auswirkungen von Vander Sandes Abgang auf die Schweizer RMBI-Tochter «relativiert». Die RMBI-Area Central Europe, zu der bis vor kurzem neben RMB Switzerland und RMB Austria auch RMB Germany gehörte, würden dank einer eigenen Shareholder-Struktur und einer direkten Führung durch das lokale Management «selbstständig und unabhängig vom Netzwerk» funktionieren, schrieb Matthias Luchsinger, CEO von RMB Switzerland und gleichzeitig Manager Area Central Europe. Für das Tagesgeschäft erwartet er deshalb keine Veränderung. «Unsere Anpassungen in den Bereichen Organisation und Medienportfolio haben wir bereits im vergangenen Herbst vorgenommen», schrieb er.
RMB Switzerland ist mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent Marktleaderin im Schweizer Kinomarkt und vermarktet das Werbe- und Programmfenster von Sat 1 (Schweiz), den Musiksender MTV, das Schweizer Kinomagazin Close-up sowie das Luzerner Erlebniskino IMAX.
Luchsinger bestätigte erst auf Anfrage die belgischen Medienberichte. Den Eindruck, dass RMBI in Konkurs sei, korrigiert er aber. «RMBI ist nicht illiquid, der Gruppe geht es so weit gut. Das gilt auch für die Area Central Europe, deren Finanzierung immer gruppenunabhängig vorgenommen wurde», sagt er. Aber es treffe zu, dass die bisherigen Aktionäre RTBF (33 Prozent) und UGC (67 Prozent) das ganze RMBI-Netz oder auch nur Teile davon verkaufen wollen. Derzeit würden entsprechende Gespräche geführt.
Was RMB Area Central Europe betrifft, so könnten RMB Switzerland und RMB Austria möglicherweise «speziell behandelt werden», derzeit seien dazu Verhandlungen im Gang. Die Anteile an RMB Germany seien hingegen bereits per Ende 2001 verkauft worden.
Potenzielle Käufer winken erst mal ab
Nun ist gerüchteweise zu hören, dass sich Luchsinger selbst um den Rest der Area Central Europe bemüht und ein Management Buyout plant. Was ist da dran? «Für die Zweige in der Schweiz und in Österreich gibt es verschiedene Pläne und Möglichkeiten», sagt er nur, fügt dann aber noch hinzu: «Als Area-Manager bin ich auf Seite RMBI an vorderster Front in die Verhandlungen involviert und stelle mich sehr engagiert zur Verfügung, um die Weiterentwicklung von RMB Switzerland und Austria mitprägen zu können.» Weitere Informationen seien im Frühjahr zu erwarten.
Egal, ob Luchsinger Kaufabsichten hegt, an Interessenten scheint es nicht zu fehlen. Davon zeugt einerseits der bereits getätigte Verkauf der Anteile bei RMB Germany an die beiden anderen bisherigen Teilhaber Apax und Pricoa. Dass diese Investoren auch bei RMB Switzerland einsteigen, ist zwar nicht anzunehmen. Hingegen ist gerüchteweise zu hören, dass auch Goldbach Media oder SevenOneMedia am Portfolio von RMB Switzerland interessiert sind – falls nicht am ganzen Paket, so könnten sie zumindest die Vermarktung von Sat 1 (Schweiz) herauslösen wollen.
An beiden Orten winkt man ab: Es bestünden weder Kontakte nach Belgien, noch gedenke man, Verhandlungen aufzunehmen, sagen sowohl Christian Gartmann, Managing Director von SevenOneMedia (Schweiz) als auch Goldbach-Sprecher Paul Riesen.
Nebenbei: Gemäss RMB Germany hat RMBI bei der Handänderung in Deutschland mit Apax und Pricoa eine strategische Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Diese beinhaltet unter anderem, dass RMB Germany nicht nur den Namen behalten kann, sondern auch Teil des RMB-Netzes bleibt. Zudem erhielt RMBI eine Rückkaufsoption…falls wieder bessere Zeiten eintreten.
Dies wirft auch Fragen bezüglich Luchsingers Communiqué auf: Wie «selbstständig und unabhängig vom Netzwerk» funktionieren die Firmen der Area Central Europe denn nun tatsächlich? Ist es gerechtfertigt, nach den Turbulenzen in Belgien in der Schweiz von einem Courant normal auszugehen? Sucht RMBI für RMB Switzerland und Austria eine ähnliche Lösung wie bei RMB Germany: Die Anteile werden verkauft, der Name und damit auch das internationale Netz bleiben, ebenso eine Rückkaufsoption? Fest steht: Luchsinger spricht als Manager Area Central Europe nicht gern über die Handänderung in Deutschland. Und weder er noch RMBI haben bisher etwas dazu publiziert.

Die Centralfusion

Radio Central geht mit dem neu erworbenen Eviva auf Poolsuche

Radio Central geht mit dem neu erworbenen Eviva auf PoolsucheVon Markus Knöpfli Goldbach Media steigt beim Kabelradio Eviva aus, Radio Central wird neuer Hauptaktionär. Gemeinsam kommen das UKW-Radio und der Kabelsender auf 207000 Hörer.
Goldbach Media begründet den Ausstieg bei Radio Eviva damit, dass der Volksmusiksender von den Affinitäten her nicht mehr zum Crossmedia-Angebot der Gruppe passe. Goldbach-Sprecher Paul Riesen verhehlt aber nicht, dass die Vermarktung des Senders «schwierig» sei, weil junge Hörer fehlen: Rund die Hälfte der 95000 Hörer gehört zur Zielgruppe 60plus. «Radio Eviva schreibt zwar keinen Verlust, aber es hat sich auch kaum entwickelt.» Genauere Zahlen nennt der neue Eigner, der Central-Geschäftsleiter Alfons Spirig: Eviva machte letztes Jahr einen Umsatz von rund einer Million Franken und «ist sozusagen selbsttragend». Zu wenig für Goldbach Media, um weiterzumachen.
Da Radio Central vor kurzem eine Konzession für ein zweites Kabelprogramm mit volkstümlicher Musik erhalten hat, kam man miteinander ins Gespräch. Falls nun noch der Bundesrat zustimmt, verkauft Goldbach Media ihren Mehrheitsanteil von 60 Prozent an Radio Central. Dieses verzichtet auf den eigenen Sender Central 2 und kann stattdessen mit Eviva ein seit zehn Jahren eingeführtes Programm samt gesamtschweizerischer Verbreitung über Kabel und Satellit übernehmen. Laut Spirig soll Eviva denn auch eigenständig bleiben und nicht zum Zweitprogramm von Central werden. Hingegen sieht er ein grosses Synergiepotenzial. Und mit dem Verweis auf das Eviva-ähnliche SRG-Kabelradio Musig-Wälle 531, das 409000 Hörer erreicht, bezeichnet Spirig seine neueste Errungenschaft als durchaus ausbaubar.
Vorderhand aber will er die beiden Radios nicht mehr nur einzeln, sondern auch in zwei Paketen anbieten: zum einen Eviva/Central Deutschschweiz mit 207000 Hörern (was Rang 3 unter den Privatradios entspricht), zum andern Eviva/Central, bezogen auf das Sendegebiet von Central: Dort rechnet Spirig mit rund 30000 zusätzlichen Eviva-Hörern. Vor allem aber will er nun mit neuem Selbstvertrauen bei den angelaufenen Pool-Diskussionen mitmischeln. «Unser Hauptziel ist es, Pool-Partner zu finden», sagt er. Central ist «nur» im zielgruppenspezifischen Tourismuspool – doch erst seit Januar.

Das RMBI-Netz reisst

Das europäische Netz des Kino- und TV-Vermarkters Régie Média Belge International (RMBI) mit insgesamt 17 nationalen Regieunternehmen ist in Auflösung.

Das europäische Netz des Kino- und TV-Vermarkters Régie Média Belge International (RMBI) mit insgesamt 17 nationalen Regieunternehmen ist in Auflösung.RMB Germany wurde bereits per Ende 2001 verkauft, bei RMB Switzerland und RMB Austria könnte es auch bald so weit sein. Der Grund: RMBI stand schon Mitte 2001 mit über drei Milliarden belgischen Franc oder 74,3 Millionen Euro in der Kreide. Letzte Woche hat nun auch Pierre-Paul Vander Sande, CEO und Gründer des europäischen RMB-Netzwerkes, den Hut genommen. Offenbar nicht ganz freiwillig. Vander Sande habe eine zu forsche Expansionsstrategie betrieben, will die Zeitung La Libre Belgique aus dem Umfeld der staatlichen TV-Gesellschaft RTBF erfahren haben. RTBF ist mit 33 Prozent an RMBI beteiligt, Hauptaktionärin mit 67 Prozent ist die französische Kinobesitzerin UGC. Mehr über RMB Switzerland auf Seite 21
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