«Ich selber bin ein vollkommen unpolitischer Mensch»

VR-Präsident Christoph Richterich zur Zukunft der Jean Frey AG

VR-Präsident Christoph Richterich zur Zukunft der Jean Frey AGChristoph Richterich verlangt Geduld: Erst im April will der frisch gebackene Verwaltungsratspräsident der Jean Frey AG eine Investorenliste veröffentlichen. Er setzt auf ein gutes Einvernehmen mit den anderen Schweizer Verlagshäusern und klärt bereits Möglichkeiten für Allianzen ab.Sofortige Transparenz bezüglich der Investoren wird von allen Seiten gefordert. Wann geben Sie die Investoren bekannt?
Christoph Richterich: Das werden wir im April tun, dann, wenn Filippo Leutenegger seine Funktion als CEO offiziell angetreten hat. Zu diesem Zeitpunkt werden wir über die Zusammensetzung des Verwaltungsrates informieren. Andererseits werden wir so weit wie möglich Transparenz in Bezug auf die Aktionärsstruktur und Investoren schaffen. Ich bin absolut sicher, dass all jene, die jetzt besorgt sind, sehen werden, dass wir einer der unabhängigsten Verlage sein werden.
Zuwarten mit den Informationen bis im April ist aber gefährlich. Denn die Ungewissheit rund um die Investoren kratzt täglich am Image der Jean Frey AG. Geht es nicht rascher?
Richterich: Diese Informationen können wir aus technischen Gründen nicht vorher bekannt geben. Denn es handelt sich ja um ein Private Equity, das in den kommenden Wochen erst noch platziert werden muss. In der Zwischenzeit bürge ich als VR-Präsident dafür, dass weder politische Interessen noch Ausländer hinter den Investoren stehen werden. Andererseits habe ich Verständnis für die Reaktionen im Markt. Alle reiben sich jetzt ein bisschen die Augen und fragen sich, was und wer da jetzt kommen mag. Man ist im Schweizer Verlagsgeschäft gewohnt, dass bekannte Verleger hinter einem Medienunternehmen stehen. Wir machen etwas Neuartiges. Und wir haben die Möglichkeit, auf einen wirklich unabhängigen Verlag hinzuarbeiten.
Man spricht jetzt aber von einer breiten Verbandelung mit SVP-Kreisen. Wenn schon politische Einfärbungen, müssten dann nicht auch Vertreter anderer Parteien eingebunden werden?
Richterich: Die Nähe zur SVP oder zukünftige Beteiligungen aus diesen Kreisen sind konstruiert. Für uns ist ganz klar, dass wir keine politisch motivierten Beteiligungen unter den Investoren haben werden. Ich selber bin ein vollkommen unpolitischer Mensch und gehöre keiner Partei an. Da kann mir auch niemand etwas anderes nachweisen. Die Unabhängigkeit und Selbstverantwortung der Chefredaktoren und der Redaktoren der Jean Frey AG sind für mich zentral.
Der Alleingang macht es der Jean Frey AG nicht einfacher. Im Gegenteil sagen viele Branchenkenner, die Jean-Frey-Titel wären bei einem Verkauf an Ringier besser aufgehoben gewesen. Weil sie dann auf eine bestehende nationale Infrastruktur und einen breiten Medienverbund hätten zurückgreifen können. Wie wollen Sie dies kompensieren?
Richterich: Das ist sicher ein zentraler Punkt. Zum einen werden wir auf dem Bestehenden aufbauen. Zum anderen klären wir aber bereits jetzt ab, wo es Möglichkeiten für Allianzen gibt. Es ist nicht unsere Meinung, wir müssten jetzt alles selber neu auf die Beine stellen. Wir werden mit anderen Verlagen zusammenarbeiten, sei es in der Distribution oder beim Druck. An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, dass es weder Feindschaften noch Berührungsängste gibt, weder mit Ringier noch mit Tamedia noch mit irgendeinem Schweizer Medienhaus.
Zu Diskussionen Anlass gibt auch die Branchenfremdheit der neuen Führungsspitze bei der Jean Frey AG. Sie selber haben noch nie einen Verlag geleitet. Weshalb gehen Sie davon aus, die richtige Person für das VR-Präsidium zu sein?
Richterich: Eine Losung von mir lautet: «Think the unthinkable.» Oftmals ist es sogar eine Gefahr, wenn man zu viel weiss, das kann lähmend sein. Da besteht durchaus das Risiko einer Branchenblindheit. Aus meiner langjährigen Tätigkeit in den Bereichen Marketing und Kommunikation kenne ich die Bedürfnisse des Marktes bestens. Verlagsspezifische Detailkenntnisse fehlen mir noch. Deshalb werden wir den Verwaltungsrat mit Leuten stärken, die sowohl publizistisches als auch breites verlegerisches Know-how einbringen können.
Ihre eigene Berufsbezeichnung lautet Jurist. Worin bestehen Ihre Affinitäten zur Kommunikationsbranche?
Richterich: Ich bin bereits seit 15 Jahren im Bereich der Medien tätig. Mein Schwerpunkt liegt in der strategischen Beratung. Ich bin von der Ausbildung her Jurist. Allerdings stieg ich damals gleich nach dem Studium
in die Kommunikationsbranche ein. Zunächst bei der GGK International, später bei Farner PR. Danach war ich Mitglied der Geschäftsleitung von McDonald’s Schweiz und im European Marketing Board von McDonald’s Europa. Vor fünf Jahren gründete ich die Firma Richterich & Partner AG, Management Consulting für Kommunikation und Marketing. Daneben vertrete ich die Schweiz als Delegierter des International Chamber of Commerce für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Werbung.
Ist denn der TV-Profi Filippo Leutenegger wirklich der richtige Mann als CEO in einem Printverlag?
Richterich: Filippo Leutenegger erfüllt das Profil, das wir gesucht haben. Ich bin überzeugt, er ist die beste Wahl. Auch weil er für seine Unabhängigkeit bekannt ist. Genau wie ich wird Leutenegger aber Unterstützung holen für Bereiche, die nicht in seiner Kernkompetenz liegen.
Als Chefredaktor würde die Popularität von Leutenegger aber viel mehr Wirkung in der Öffentlichkeit entfalten. In der Funktion des CEO wird er nun weitgehend hinter den Kulissen verborgen bleiben. Vergibt man sich da nicht eine Chance?
Richterich: Filippo Leutenegger ist verantwortlich für die Geschäftsleitung der Jean Frey AG. Er vertritt das Unternehmen nach innen und nach aussen. Wir haben ihn nicht wegen des Showeffekts gewählt; er war unser Wunschkandidat.
Eine Frage, die alle interessiert: Wann startet die Weltwoche mit dem neuen Konzept?
Richterich: So schnell wie möglich, das ist unser Ziel. Die Weltwoche steht auf der Agenda zuoberst. Wir werden noch in dieser oder in der nächsten Woche entscheiden. Falls noch ein Finetuning beim Konzept notwendig ist, wird dies sicher innert kurzer Zeit machbar sein.
Vor Ende April?
Richterich: Wie gesagt, so schnell wie möglich. Ich will mich aber noch nicht festlegen. Interview: Daniel Schifferle

Atupri ein neuer Name

Die Krankenkasse der SBB tritt mit eigenwilligem Namen und neuem Erscheinungsbild auf

Die Krankenkasse der SBB tritt mit eigenwilligem Namen und neuem Erscheinungsbild aufVon Anita Vaucher Die Krankenkasse SBB hat sich sukzessive vom Mutterhaus abgenabelt und ist zum eigenständigen Unternehmen geworden. Deshalb erhält sie jetzt einen neuen Namen und ein markantes Erscheinungsbild.
Atupri lautet der neue Name der ehemaligen Beriebskrankenkasse, die einst nur den Mitarbeitern der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) offen stand. Der Name überrascht und löst da und dort vielleicht auch Kopfschütteln aus. Jedenfalls liegt er ganz im Trend von Axpo, Novartis und anderen neuen Begriffsschöpfungen, hinter denen traditionsreiche Schweizer Unternehmen stehen, an deren ursprüngliche Namen man sich aber nicht mehr erinnert.
Die Namensschöpfung basiert auf dem Credo der Krankenkasse «Qualität à tout prix». Dabei versteht sich die Kasse keineswegs als Billigkasse, die mit extrem günstigen Prämien lockt. Das Branding sei heute in der Schweiz viel wichtiger geworden als noch vor fünf Jahren, meint dazu Lahor Jakrlin von der Agentur Fruitcake.
Mehr als nur gerade neue Visitenkarten drucken
Die Berner Agentur hat das Mandat vor anderthalb Jahren paradoxerweise gerade deshalb erhalten, weil sie dem Kunden, also der SBB-Krankenkasse, genau das offerierte, was dieser nicht wollte. Geraten wurde dem Unternehmen, zuerst die Corporate Identity zu definieren, bevor die Strategie erarbeitet und nach einem neuen Namen gesucht wird.
Es handelte sich dabei nicht bloss um das Auswechseln des Briefkopfs oder des Neudrucks von Visitenkarten. Mit der Namensänderung sollten eine neue Unternehmensidentität und -philosophie entwickelt und umgesetzt werden. Erschwerend kam hinzu, dass mit SBB einer der stärksten Markennamen der Schweiz ersetzt werden musste.
Eine spezielle Arbeitsgruppe, die Task Force Future, evaluierte die bestehenden und künftigen Grundwerte. Einbezogen wurden ebenfalls die Mitarbeiter, die in Workshops schrittweise auf das neue Erscheinungsbild vorbereitet wurden. Ziel des Unterfangens war die Neulancierung der Krankenkasse SBB mit neuer Marke und Erscheinungsbild – oder andersherum gesagt das Rebranding der Krankenkasse. Obwohl das neue Erscheinungsbild rund 150 Mitarbeitern bereits am 5. November letzten Jahres vorgestellt wurde, hielten diese dicht bis zur offiziellen Bekanntgabe vergangene Woche.
Um auch wirklich nichts anbrennen zu lassen, hat die Agentur Fruitcake im vergangenen Herbst ausserdem innerhalb von zwei Monaten von 17 möglichen Namen sechs Favoriten beim Amt für geistiges Eigentum deponiert. Gleichzeitig wurden drei Miniunternehmen gegründet und im Handelsregister eingetragen. Damit sollten böse Überraschungen unterbunden und die Bahn für die definitive Namensgebung freigemacht werden.
Gezielte Produkte- und Unternehmenskommunikation
Die im Jahr 1910 gegründete Betriebskrankenkasse der SBB wurde 1995 im Zuge der Revision des Krankenversicherungsgesetzes in eine Stiftung umgewandelt. Damit öffnete sich die Krankenkasse dem gesamten Schweizermarkt und wurde allen Versicherungsnehmern zugänglich. Anfang dieses Jahres zählte die Kasse über 110000 Versicherte und wies ein Prämienvolumen von 277 Millionen Franken aus. Von den Zeitschriften Beobachter und K-Tipp wurde sie zudem im letzten Jahr zur Krankenkasse des Jahres gewählt.
Inskünftig soll die Produkte- und Unternehmenskommunikation gezielt und differenziert auf die verschiedenen Märkte und Zielgruppen eingehen und den neuen Namen breitenwirksam kommunizieren. Anfang April wird eine entsprechende Imagekampagne lanciert.

DBCOM und Knobel werden Partner.

Die Lausanner PR-Agentur Delacrétaz & Bauer Communication DBCOM arbeitet künftig mit der Agentur Dr. Peter P. Knobel AG in Zug zusammen.

Die Lausanner PR-Agentur Delacrétaz & Bauer Communication DBCOM arbeitet künftig mit der Agentur Dr. Peter P. Knobel AG in Zug zusammen. Diese Partnerschaft öffnet der Lausanner Agentur den Zugang zum international tätigen und weltweit drittgrössten Agenturnetz von Hill & Knowlton. DBCOM beschäftigt 12 Mitarbeiter und hat 2001 ein Honorarvolumen von 2,4 Millionen Franken generiert. Die PR-Agentur Dr. Peter P. Knobel zählt 14 Mitarbeiter und weist für das vergangene Jahr 2,7 Millionen Franken Honorarvolumen aus.Lovely Ammann. Am letzten Sonntag haben nicht nur 1,3 Millionen Schweizer die Traumsprünge von Simon Amman gesehen, sondern im Werbeblock danach auch den Flug der Schweizer Milchkuh Lovely. Der Spot zeigte die neueste Superleistung der knochenstärksten Milchkuh der Schweiz. Nach Steptanzen und Fussballspielen zeigt Lovely aus Freude über die erste Schweizer Goldmedaille an den Olympic Games in Salt Lake City ihre Flugkünste auf der Sprungschanze. Gedreht wurde im Dezember in Engelberg im Auftrag von AY&R.
Destalk lanciert Mubaplus. Die traditionsreichste Schweizer Publikumsmesse, die Muba, wird am 22. Februar in Basel mit einem neuen Konzept und einem neuen Namen eröffnet. Unter dem Label Mubaplus werden neben der bekannten Muba auch die Wohnmesse Wohnsinn 2002, die Gesundheitsmesse Gsund 2002, die Sportdays 02 und die Basler Ferienmesse zusammengefasst. Das neue Werbekonzept der Mubaplus ist von der Basler Werbeagentur Destalk realisiert worden. Der neue Name wird auf Tragtaschen, mit einer Plakatkampagne sowie einem TV-Spot als Hauptmedium kommuniziert.
FCZ-Supermen. Wenn ab dem 24. Februar die acht besten Klubteams der Schweiz in der Finalrunde um den Schweizer Fussballmeister kämpfen, ist der FC Zürich mit dabei. Und weil man sich beim Stadtklub optimistisch auf diese Phase der Meisterschaft freut, macht der FCZ seine Anhänger schon vor der ersten Partie gegen Servette Genf mit einem ganz speziellen Plakat auf die Finalrunde aufmerksam. Den Glauben an die Superman-Qualitäten der Zürcher Kicker hatten bei Hesskiss Roland Hess (AD) und Tamàs Kiss (Text). Die Illustration besorgte der US-Illustrator Dick F. Dixon. Nicole Mayer sorgte für die Beratung. Setaprint sponserte den Druck und Clear Channel die Plakatstellen.
One good wave… and your happiness is saved. Dieser Surferspruch könnte auch Lead im aktuellen TV-Spot von Swisscom sein: Die La-Ola-Welle, bekannt seit der Fussball-WM 1986 in Mexiko, schwappt über verschiedene Kontinente, um im Stadion von Salt Lake City ihre Klimax zu erreichen. Die signifikante Armbewegung der Afrikaner, Asiaten, Russen und Appenzöller symbolisiert eine einfache und weltumspannende Kommunikation. Damit schickt das verantwortliche Kreativteam bei AY&R gleich zwei Benefits des Kunden im gleichen Boot Richtung Zielgruppe: Swisscom verbindet Menschen rund um den Globus und sponsert das Schweizer Olympia-Team. One Swisscom-wave, and Olympia is saved? CD: Martin Spillmann; AD: Mathias Babst; Text/Konzept: Jürg Brechbühl; Regie: Walter Kehr.
Safer an die EXPO mit dem Auberginen-Penis. Seit dem 11. Februar zieren Gemüse, Früchte und Muscheln in ungewohnter Ansicht die Plakatstellen der APG. Die von cR DDB, Basel, eindeutig zweideutig in Szene gesetzten Naturprodukte werben aber nicht für gesündere Ernährung oder eine Aktion der Migros. Vielmehr geht es um die aktuelle Stop-Aids-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Der neue Auftritt soll darauf hinweisen, dass das BAG und die Aids-Hilfe Schweiz das Expo.02-Arteplage-Projekt «Le premier regard» unterstützen. Wofür sie mit Eyecatchern wie etwa einem Auberginen-Penis, grünen Zitronen-Brüsten und schneeweissen Fenchel-Schenkeln aufwarten. Der Griff in den Früchtekorb soll auf schlichte, aber einprägsame Art und Weise zum Safer Sex mahnen, der Aids keine Chance gibt: Denn Blicke sind der Anfang einer jeden sexuellen Begegnung. CD: Thomas Schaub; AD: Michi Oswald; Foto: Harry Burst.
Nur noch ein Internetpanel 2003. In der Schweiz wird es aller Voraussicht nach im kommenden Jahr nur noch ein Internetpanel geben. Dies erklärte Urs Wolfensberger, Managing Director von MMXI Switzerland GmbH, der WerbeWoche. Wolfensberger rechnet damit, dass die Börsenaufsicht des New York Stock Exchange noch in diesem Jahr der Fusion zwischen Jupiter/MMXI International und Nielsen/Netrating zustimmen wird. Wolfensberger, der sich «in einer höchst entspannten Situation» sieht, geht davon aus, dass die Panelkosten beider Researcher mit 3 bis 4 Millionen Franken pro Jahr zu hoch seien für den Schweizer Markt.
Editorial

Komplex ist die Wirkungsforschung Umfragen bescheren den Medien selten schmeichelhafte Ergebnisse. Die Skepsis der Medienkonsumenten und -konsumentinnen ist beträchtlich. Eine von Demoscope im Jahre 2000 durchgeführte Untersuchung belegt dies: Danach sind 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung der Meinung, dass Medien zu viel Macht besässen. Aber bloss 54 Prozent vermuten zu viel Macht bei den Parteien und 51 Prozent beim Staat. Die viel beschworene vierte Gewalt – die Medienbranche – wird in der Wahrnehmung mächtiger als der Staat erlebt. Indiz dafür sind steigende Fallzahlen, mit denen sich der Presserat herumschlagen muss, aber auch die Tatsache, dass immer öfter ordentliche Gerichte über Presseklagen zu entscheiden haben. Dies dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Darunter leidet letztlich die Glaubwürdigkeit der Medien.
Der Vorurteile gegenüber der Medienbranche sind viele. Am häufigsten entzünden sich die Diskussionen an Gewaltdarstellungen in den Medien. Wurden früher die Medien oft mitschuldig erklärt für die zunehmende Gewalt in der Gesellschaft, so ist diese Haltung einer differenzierten Betrachtungsweise gewichen. Die Wissenschaft geht vom komplexeren Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus: Die Mediengewalt habe einen relativ kleinen, meist indirekten und vermittelten Einfluss, dies aber wegen ihrer Omnipräsenz bei besonders vielen Menschen. Ein bedeutender direkter Einfluss sei hingegen selten. Einer, der sich seit längerem mit der Wirkung von Medien befasst, ist Heinz Bonfadelli, Ordinarius für Publizistikwissenschaft und Medienforschung an der Universität Zürich. Lesen Sie dazu unser Interview auf Seite 25 und 26. Samuel Helbling, Chefredaktor

News: Qualiclick setzt auf Permission

Der Online-Vermarkter Qualiclick will Permission Marketing zum zweiten Standbein neben der klassischen Online-Werbung machen.

Der Online-Vermarkter Qualiclick will Permission Marketing zum zweiten Standbein neben der klassischen Online-Werbung machen.News Qualiclick setzt auf permission
Während die Aussichten bei der Bannerwerbung schlecht sind, wird der gezielten Kundenansprache durch angeforderte E-Mail-Botschaften grosses Potenzial zugesprochen. Permission Marketing soll künftig rund die Hälfte des Umsatzes von Qualiclick generieren. Dazu wird eine eigene Abteilung mit fünf Angestellten gegründet, die von Managing Director Christoph Morach direkt geleitet wird. Den Bereich Online-Advertising übernimmt Roger Baur, bisher Key Account Manager und neu Verantwortlicher fürs Marketing von Qualiclick und stellvertretender Managing Director.
Sima erhält Beratergremium Der Branchenverband Swiss Interactive Media Association (Sima) hat ein Advisory Board gegründet, das ihn in strategischen, inhaltlichen und politischen Fragen unterstützen soll. Das Beratergremium besteht aus Joachim Asbrede, Schweizer CEO Oracle; Christine Beerli, Ständerätin und Direktorin der Hochschule für Technik und Architektur Biel; Adrian Bult, CEO Swisscom Fixnet; Fulvio Caccia, Präsident der eidgenössischen Kommunikations-Kommission; Balz Hösly, Direktor des Vereins zur Exportförderung OSEC; Ueli Maurer, Professor am Institut für theoretische Informatik der ETH Zürich; und Barbara Rigassi, stellvertretende Direktorin des Staatssekretariates für Wirtschaft.

Bad News für Multis

Deutsche Werbefenster wollen den Overspill eliminieren

Deutsche Werbefenster wollen den Overspill eliminierenVon Markus Knöpfli Gute Nachrichten für Schweizer Mediaagenturen: IP Multimedia und RMB Switzerland wollen auf den deutschen Werbefenstern den Overspill verunmöglichen – zumindest in der Primetime. Das soll mehr Aufträge und Geld in die Schweiz bringen.
Das Problem ist bekannt: Während in Deutschland Unterbrecherwerbung am TV erlaubt ist, unterliegt sie in der Schweiz restriktiven Bestimmungen. Dies führt dazu, dass die ausländischen Werbefenster zwar zuhauf Unterbrecherwerbung senden, diese Werbeblöcke meist aber nicht mit Schweizer Spots belegt werden dürfen. Dafür erhalten Firmen, die Spots in den für Schweizer Werbung verbotenen Werbeblöcken buchen, die Leistung in der Schweiz als so genannten Overspill gratis zur Leistung in Deutschland hinzu. Das nützen insbesondere multinational tätige Firmen weidlich aus. Den Sendern, deren Vermarktern in der Schweiz und auch den Schweizer Mediaagenturen wird so aber Geld entzogen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ein Teil der erlaubten zwölf Minuten Werbezeit pro Stunde gar nicht mehr belegt werden kann.
Dem wollen nun die beiden Vermarktungsgesellschaften IP Multimedia (Schweiz) und RMB Switzerland abhelfen. Auf Initiative von IP Multimedia (Schweiz) suchen sie seit einiger Zeit nach einer technischen Lösung, um die aus Schweizer Sicht überzähligen Unterbrecher-Werbeblöcke auf RTL, RTL 2, Pro 7, Sat 1, Vox und Kabel 1 überblenden zu können – zumindest in der Primetime (19 bis 22.30 Uhr). Die Überblendung soll aber nicht etwa mit Schweizer Werbung geschehen, was ja verboten wäre, Ziel ist es vielmehr, das Programm weiterlaufen zu lassen und mit der so eingesparten Zeit die jeweiligen Scharnierwerbeblöcke zu verlängern.
Damit dies möglich wird, muss das Programm gespeichert werden, was insbesondere bei Liveübertragungen technisch aufwändig ist und auch zu unterschiedlichen Startzeiten führen kann. In Österreich wurde für dieses Problem bereits eine Lösung gefunden. Bei IP Multimedia und RMB Switzerland ist man denn auch zuversichtlich, dass das Projekt bis Mitte Jahr abgeschlossen werden kann. Derzeit laufen bereits einige Tests.
«Wir wollen so das Sat-1-Programm- und -Werbefenster stärker vom deutschen Programm abgrenzen», sagt Matthias Luchsinger, CEO von RMB Switzerland. «Zudem sollen damit in der Schweiz auch die Investitionen in die TV-Werbung erhöht werden.» Denn um die gleiche Leistung wie bisher zu erreichen, müssten multinationale Firmen künftig auch ein Budget für die Schweiz haben. «Dadurch wird Geld, das bisher dem Schweizer Markt wegen des Overspills vorenthalten blieb, hierzulande investiert.»
Michi Frank, CEO von IP Multimedia (Schweiz), pflichtet dem bei und ergänzt: «Auch unsere Kunden wollen, dass mehr Geld in die Schweiz kommt.» Was aber, wenn Werbeauftraggeber, die bisher vom Overspill profitierten, vergrault werden? Frank zuckt die Schultern: «Ich schaue nur für den Schweizer Markt», sagt er.

News: BM verlegt Kundendruck nach Reinach

Die Basler Mediengruppe (BM) verlegt ihren Kundendruck von Basel nach Reinach BL.

Die Basler Mediengruppe (BM) verlegt ihren Kundendruck von Basel nach Reinach BL.News BM verlegt Kundendruck nach Reinach
Lediglich der Rollenoffsetdruck verbleibt in Basel. Der Teilumzug per Juli soll dem Konzern Synergien bringen. Was dies für die betroffenen Angestellten (rund 140 in Basel und 250 in Reinach) bedeutet, ist noch offen. In Reinach gehört der BM die Birkhäuser + GBC. Im November hatte die Gruppe bereits die Formulardruckerei EGB Print aus Gelterkinden BL nach Reinach verlegt und zehn Stellen abgebaut.
SF DRS streicht 45 Stellen Das Schweizer Fernsehen DRS will im Budget 2003 rund 30 Millionen Franken einsparen. Damit sollen mangelnde Werbeeinnahmen kompensiert werden. Dem Rotstift zum Opfer fallen bei dieser Sparrunde das «Mittagsmagazin», der «Mittagstalk» und «Schweiz Südwest» (alle SF 1). Das Jugendmagazin «Oops» von SF 2 wird durch eine billigere Eigenproduktion ersetzt. Die Streichungen bedeuten einen Abbau von 45 Stellen (das entspricht rund 5 % des Gesamtpersonals).
Webland und Schlossgold für «Live ran» Die Fussballsendung «live ran» von Sat 1 Schweiz startet die Finalrunde mit zwei neuen Sponsoringpartnern. Der Münchensteiner Internetdienstleister Webland AG engagiert sich als Hauptsponsor. Die Rheinfelder Brauerei Feldschlösschen steigt mit der alkoholfreien Marke Schlossgold als Co-Sponsor ein. Die beiden Verträge wurden für die Dauer der Finalrunde vom 23. Fe-
bruar bis 4. Mai abgeschlossen.

Best of North-East (4. Quartal 2001)

Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «Alternativkultur»

Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «Alternativkultur»Best of Print Advertising Die Anzeigenhits 2001 aus dem Advertising-Index des Marktforschungsinstituts Demoscope
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der Resultate aus dem Advertising-Index (AX Print). Dieser Index (siehe Kasten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigensujets. In den oberen beiden Reihen befinden sich diejenigen Sujets, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe (siehe Windrose) die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die
bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, im 4. Quartal 2001 am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top Three» gezeigt.

News: Ft sieht Metropol vor dem Aus

Laut der Wirtschaftszeitung Financial Times (FT) zieht der Gratiszeitungsverleger Metro International in Betracht, seinen Zürcher Titel Metropol einzustellen.

Laut der Wirtschaftszeitung Financial Times (FT) zieht der Gratiszeitungsverleger Metro International in Betracht, seinen Zürcher Titel Metropol einzustellen.News Ft sieht Metropol vor dem Aus
Quellen dafür werden nicht angegeben. Die rasche weltweite Expansion habe schwere Folgen für Cashflow und Bilanz des Unternehmens, so dass sich Metro Sorgen um seine Finanzmittel machen müsse, heisst es in der FT. Metro-Geschäftsführer Pelle Törnberg im Gespräch mit der FT zur finanziellen Situation: «Wenn wir die Expansion stoppen und unsere Tätigkeit in zwei oder drei Städten einstellen, werden wir schon dieses Jahr einen Profit sehen.» Bei Metro Internationals PR-Agentur Shared Value in London hiess es, der Journalist der FT gebe wahrscheinlich die Meinung eines Analysten wieder. Da für den 19. Februar die Veröffentlichung des Jahresabschlusses anstehe, könnten zurzeit keine Angaben über die Situation einzelner Metro-Titel gemacht werden.
Metro verschiebt Start in Paris Die Pariser Ausgabe der Gratiszeitung Metro konnte nicht wie geplant am Montag lanciert werden. Nach Protesten von französischen Pressevertrieben und Gewerkschaften verschob die Herausgeberin Metro International den Start vorerst. Das Pendlerblatt solle aber «in einigen Tagen» auf den Markt kommen. Pressevertriebe und Gewerkschaften sehen dadurch die Pressefreiheit gefährdet und halten die Herausgabe kostenloser Tageszeitungen für wettbewerbswidrig. Metro Paris soll laut Financial Times in einer Auflage von 300000 Exemplaren starten. Das Blatt wird von Hand verteilt werden, da der Verlag keine Erlaubnis für das Aufstellen von Zeitungsboxen in Paris erhielt.

Aufgefallen: Cullen Bum-Bum ist Sisleys neuer Shooting-Star beziehungsweise sein dezent behaarter Body.

AufgefallenCullen Bum-Bum ist Sisleys neuer Shooting-Star beziehungsweise sein dezent behaarter Body. Dieser ist nämlich in allen Positionen im neuen Sommerkollektionskatalog zu sehen – wobei meist nur dezent bekleidet. Interessant an diesem Prä

Aufgefallen Cullen Bum-Bum ist Sisleys neuer Shooting-Star beziehungsweise sein dezent behaarter Body. Dieser ist nämlich in allen Positionen im neuen Sommerkollektionskatalog zu sehen – wobei meist nur dezent bekleidet. Interessant an diesem Präsentationskonzept ist die Tatsache, dass Sisley uns zeigt, wie die Kleiderkreationen in mehr oder weniger ausgezogenem Zustand wirken. Sie müssen nicht angezogen sitzen, sondern aufgeknüpft, über den Knackpo gestreift usw… Deutlich wird auch, dass Sisley-Träger entweder in der Unterwäsche umherlaufen oder dann eben in Kleidern ohne Unterwäsche. Beide Stoffe in Kombination scheint total out zu sein. Da dem so ist, bedarf es in der farbigen Broschüre mancher Sternchen, um gar stofflose Zonen zu überdecken, was hoffentlich nicht dazu führt, diese Kampagne mit der für ein Nachrichtenmagazin zu verwechseln. Provokativ am Ganzen ist nur die Spontaneität der einzelnen Aufnahmen, denn Sisley macht klar: Hose runter oder Beine auf und du bist unser Star – für eine Saison zumindest. Dann doch lieber mit Unterhose. Chandra Kurt
Kolumne

Drei Strategen
Von Dominik Imseng
Der Erste, den ich traf, hatte die Augen einer Schlange und das Gebaren eines Drei-Sterne-Generals, obwohl er früher Unterhosen verkauft und Tee importiert hatte. Mittlerweile aber sprach er von «Brand Equity», verlangte Kampagnen, die «aufs Markenkonto einzahlen», und trug bei Präsentationen Hosen mit nie weniger als zwölf Bundfalten.
Der Zweite, den ich kennen lernte, war ebenfalls kahl und bemühte sich in einem solchen Masse, interessant, ja wild, wenn nicht gar teuflisch zu wirken, dass ich ihn erst bemerkte, als er schon wieder gehen musste. Schreiben war auch seine Sache nicht – ich erinnere mich an einen Vorlauf, der im besten Fall als schlechtes Prosagedicht durchging.
Wie erwähnt, gibt dieser Stratege den Mephisto mittlerweile andernorts. Da er dort auch noch den grössten Raum durch seine blosse Anwesenheit füllen soll, muss es eine sehr kleine Agentur sein.
Der Dritte schliesslich, mit dem ich die Ehre hatte, war wie die beiden andern akademisch gebildet, doch sah er davon ab, seine Matthias-Horx-Zitate zu kennzeichnen. Im Übrigen schrieb er von Clausewitz’ Vornamen falsch, fragte mich statt nach meiner Meinung nach den neuesten Klubs und machte mir generell den Eindruck eines Menschen, der es statt zum Staatsanwalt nur zum Schadeninspektor bei einer mittelständischen Versicherung gebracht hatte.
Und nun noch dies: Die eindrücklichste Kreation, die ich von Jean Rémy von Matt sah, war sein strategischer Vorlauf zur gewonnenen Porsche-Präsentation. Und Reini Weber, überhaupt der Grösste, sagte einmal: «Heute faseln alle von Planning. Früher nannte man das einfach Nachdenken.»
In diesem Sinne: Strategiewechsel!
[email protected]
Dominik Imseng ist Texter bei Jung von Matt/Limmat.
Business Lunch

Die Langeweile und die lange Weile
Fassen wir es für einmal ganz kurz und stellen gleich zu Beginn fest: Der Besuch des Restaurants Orsini im Komplex des Hotels Savoy Baur en Ville, im Besitz der CS Group, war von gediegener Langeweile und von ausgewählter Bescheidenheit des Angebots. Dazu gab es nur einen Kontrast: den Preis. Er war fürs Gebotene zwar nicht unverschämt, aber jenseits eines respektablen Preis-Leistungs-Verhältnisses. So kann man sich täuschen vom schönen Schein: Anstatt dem virilen und Omnipräsenz markierenden Dirécteur Monsieur Manfred Hörger zunicken zu müssen, hätte ich mich schon sehr viel lieber auf das konzentriert, was Teller und Keller hergeben.
Beginnen wir beim Keller: Gerade mal zwei oder drei offene Rotweine aus Italien im Angebot zu führen, muss man heute für eine sträfliche Missachtung des önologischen Grundwissens des Durchschnittslunchers halten oder aber für eine Anpassung an die Gewohnheiten der dunkel gewandeten, mehrsprachig brillierenden Banker: Mineral Water, please! Das darf doch nicht die Decke des Kellergewölbes gewesen sein! Ist es aber. Natürlich, vertieft man sich ins Siebendeziflaschenangebot, sieht die Sache schon besser aus. Aber zu zweit, über Mittag, so kurz vor Eröffnung der New Yorker Börse?
Das Angebot auf dem Teller überzeugte nicht. Ein Chicorée-Salat mit Perlhuhnbrüstchen, tranchiert zum Glück, garniert mit rosa und weissen Grapefruitspalten war zum Gähnen, dem Perlhuhn fehlte jede Raffinesse in der Würze, die Sauce zum Salat war ein undefinierbares Etwas und schmeckte auch so: nach dem gähnenden Nichts. Der Hauptgang – Brasato al Barolo – eine mittlere Zumutung. Das Fleisch war zäh und von Fett und Knorpeln durchzogen, also durchaus nicht vom adäquaten Stück des Rinds (Schulter). Und den Rotwein zur Marinade hat das Fleisch auch nur von aussen gesehen, ihm fehlte dieses leicht Säuerliche, das den Brasato so schmackhaft macht – in Verbindung mit dem körperreichen Barolo. Gut, aber nicht ausreichend die Sauce dazu. Kartoffelstock gabs auch noch und ein bisschen Gemüse. Die Nachspeise versprach Birnen in Sirup: Wieder ein Gericht, bei dem man leicht die Vermutung äussern könnte, die Birnen hätten vorher in einer Konservendose geschlummert (was sie wohl nicht taten, aber die Konsistenz und den Geschmack zu dieser Vermutung aufwiesen). Das Mokkamousse als farblichen Kontrast dazu wertete den Teller nur unwesentlich auf.
Der Service von erlesener Höflichkeit, gewiss, aber es dauerte, bis der Businesslunch (59 Franken, drei Gänge) auf den Tisch kam. Das Lokal schliesslich: relativ klein, aber über Mittag jeweils proppenvoll, so dass Reservationen angebracht sind. Man sitzt etwas eng beieinander und bespricht lieber Unauffälliges. Handys klingeln lassen? Wäre eine Zumutung an die
Gäste, die aus den umliegenden Grossbanken ins «Orsini» strömen. Viele dunkle Anzüge ab Stange, einige wenige weibliche Gesichter im Chanel-Outfit. Parkplätze gäbe es auf dem Münsterplatz. Aber die Busse noch zum Lunch addieren? Lieber nicht. Carlo Bernasconi
Orsini am Münsterhof Waaggasse 3
8001 Zürich
Telefon 01 215 27 27

Kopf der Woche: «Die X’02 soll noch professioneller und besser werden»

Andreas Stalder ist seit November 2001 Projektleiter der Marketingmesse X’02

Andreas Stalder ist seit November 2001 Projektleiter der Marketingmesse X’02Kopf der Woche «Die X’02 soll noch professioneller und besser werden»
Wenn er sich nicht schon seit jeher für Design und schöne Möbel interessierte, hätte Andreas Stalder vielleicht Bubenträume verwirklicht und wäre Lastwagenchauffeur oder Feuerwehrmann geworden. So aber entschloss er sich nach der Schule zu einer Lehre als Dekorationsgestalter bei Globus. Nach abgeschlossener Ausbildung sammelte er als Dekorationsleiter, Einrichtungsberater und Mitarbeiter Ladenbau in verschiedenen Unternehmungen praktische Erfahrungen. 1989 brach er zu einer knapp halbjährigen Reise auf, während der Stalder die USA und Südamerika erkundete.
1990 kam er bei Schweiz Tourismus als Mitarbeiter im Messe- und Werbebereich zum ersten Mal mit Marketing in Berührung. 1996 übernahm er die Leitung für den Bereich Messen und Dekor, wo er unter anderem für das CI und CD sowie für verschiedene Messeprojekte verantwortlich war.
Stalder, der inzwischen eine Familie mit zwei Kindern hatte, wünschte sich einen Job, bei dem er nicht mehr so oft auf Reisen sein würde: «Als ich hörte, dass die Lancierung von Diax bevorstand und ein Messeleiter gesucht wurde, bewarb ich mich spontan», erinnert er sich. Als er die Stelle 1999 antrat, war er damit beschäftigt, die neue Marke auch im Messebereich bekannt zu machen.
Während seiner Tätigkeit baute sich Stalder langsam, aber sicher ein ständig wachsendes Netzwerk auf: «Das zog mich so an, dass ich mich mitunter darin etwas verflochten habe», sagt er lachend. Dies sei auch einer der Gründe gewesen, weshalb er sich im letzten Sommer, als Reed Messen ihm die Leitung der X’02 anbot, für den Ausstieg aus der Telekommunikation entschied.
Die Ziele, die Stalder zusammen mit seinem Team erreichen will, sind klar gesteckt: «Wir möchten die X’02 zu einer noch professionelleren und besseren Messe machen.» Längerfristig will er erreichen, dass sich die Messe zu einer Marke mit eigenständigem Charakter mausert. Das bestehende CI/CD wurde bereits überarbeitet, und die neue Broschüre fällt nicht nur wegen einer neu integrierten Bildwelt auf, sondern besticht auch durch eine klare und einfache Strukturierung in den einzelnen Bereichen.
Stalder gibt sich für den diesjährigen Event trotz Wirtschaftseinbruchs im letzten Herbst optimistisch: «Bis jetzt sind wir sehr zufrieden mit der Menge der bereits erhaltenen Teilnahmebestätigungen. Ausserdem haben sich sehr viele neue Kunden angemeldet, was uns natürlich ganz besonders freut.»
Die Familie ist dem 36-Jährigen heilig. Jede freie Minute, und manchmal auch noch «zusätzliche Auszeiten», sind deshalb für die beiden Töchter im Alter von acht und sechs Jahren sowie deren Mutter reserviert. Daniela Zivadinovic

Schulterschluss zwischen SRG- und Privat-TVs?

Die Publisuisse, Vermarkterin der SRG-TVs, hat den TV-Pools TeleNewsCombi (TNC) und Télépool Romand (TPR) drei brisante Angebote unterbreitet.

Die Publisuisse, Vermarkterin der SRG-TVs, hat den TV-Pools TeleNewsCombi (TNC) und Télépool Romand (TPR) drei brisante Angebote unterbreitet.Angebot eins: TNC und TPR werden je als Pool gratis in den Publiplan, das SRG-Onlinebuchungssystem, aufgenommen. Der Vorteil für TNC und TPR: Sie sind am gleichen Ort zu finden und zu buchen wie die SRG-Sender. «Wir sind wie eine Art Migros, die den Kleinen einen Platz im Gestell anbietet», sagt die Publisuisse-Direktorin Ingrid Deltenre dazu. Angebot zwei: Ein Kombi zwischen SF DRS und TNC – dort, wo dies Sinn macht, etwa im Umfeld der SF-1-Sendung «Schweiz aktuell». Dort könnten die Kunden zu einem Kombitarif auch das TNC hinzubuchen. «Für die Breite die SRG, für die Tiefe die Privaten», wirbt Deltenre. Analoge Ideen hat sie auch für die Romandie. Dieses Angebot macht jedoch nur Sinn, wenn die Pools je beim Mediaoptimizer aufgeschaltet sind. Beim TNC ist dies der Fall, beim TPR noch nicht. Angebot drei: Die Publisuisse will Publireportagen (wie AMAG-News auf SF 2) für die Privaten akquirieren. Der Grund: Publireportagen sind bei Kunden begehrt, die SRG-TVs haben dafür aber kaum Platz. Der Vorteil für die Privaten: «Sie kommen gratis zu attraktiven Programmen», sagt Deltenre.
Den Romands hat Deltenre diese Angebote am 1. Februar unterbreitet. Diese werden frühestens Ende Februar Stellung nehmen. Die TNC-Mitglieder hingegen kennen die ersten beiden Angebote bereits seit zwei Jahren. Sie traten jedoch nicht darauf ein, sondern wählten seinerzeit Tele 24 (selig) zum sprachregionalen Partner. An der letzten Screen-up erneuerte Deltenre deshalb das Angebot. Gestern Mittwoch wurde sie nun von TNC-Chef Christian Stärkle und Radiotele-Geschäftsführer Bruno Oetterli eingeladen und machte ihnen auch das dritte Angebot. Doch weshalb so viel Liebesmüh? Deltenre: «Wir wollen die TV-Werbung auf ein professionelleres Niveau heben.» Mit einem Schulterschluss zwischen SRG und Privaten gegen die ausländischen Werbefenster habe es hingegen nichts zu tun. (mk)

Streetcredibility dank Trendsensor

JvM/Limmat setzt das neue Planning-Tool Trendsensor als Inspirationsquelle ein

JvM/Limmat setzt das neue Planning-Tool Trendsensor als Inspirationsquelle einUm auf relevante Trends rechtzeitig reagieren und um strategische Empfehlungen geben zu können, bietet JvM/Limmat seit einigen Monaten den hauseigenen Trendsensor an. Hierbei handelt es sich um ein Planning-Tool, das als Frühindikator zum Einsatz kommt. «Es ist kein Tool, um Trends zu erkennen oder zu machen, sondern um Consumerinsights strategisch zu nutzen», erklärt Mitinitiant Carlos Friedrich, Planning Director und GL-Mitglied bei JvM/Limmat. Ein Ersatz der klassischen Marktforschung soll das Messinstrument nicht sein. Vielmehr geht es darum, herauszufinden, was bei Trendsettern gerade Kult ist. Unter dem Trendsensor ist eine qualitative Videobefragung von rund 100 Personen pro Ausgabe zu verstehen, die jedoch keinerlei Anspruch auf Repräsentativität hat.
Die befragten Jugendlichen werden in zwei Gruppen segmentiert: Trendsetter und Follower. Die Gruppenaufteilung erfolgt nach qualitativen Kriterien wie Antwortqualität, Selbstsicherheit oder Spontaneität. «In unserem Trendsensor werden nur die Trendsetter, also die Innovatoren und Early Adopters, aufgenommen», sagt Carlos Friedrich. Schliesslich seien sie diejenigen, die mit ihren Innovationen die nahe Zukunft beeinflussen und prägen werden. Sie springen von einem Trend ab, sobald er bei der Masse ankommt und erste Ansätze zum Main-stream absehbar sind.
Carlos Friedrich erklärt weiter: «Wir möchten eine der wichtigsten Quellen der zielgerichteten Kreativität offenbaren: das Gespräch mit Zeitgenossen als wahrscheinlich beste Möglichkeit, in das gesellschaftliche Rauschen hineinzuhorchen.»
Wo der Trend von morgen entsteht
Nicht repräsentative Ergebnisse, sondern das, «was man sich von einem interessanten Gespräch erhofft: Inspiration» sei das Ziel, sagt die Junior-Planerin Regula Fecker. Der quartalsmässig durchgeführte Trendsensor wird als Updater Agentur-intern wie den JvM-Kunden in der Schweiz, in Deutschland und Österreich zur Verfügung gestellt. Bisher wurden Befragungen auf den Strassen von Zürich, New York, London und Berlin gemacht.
Die jugendlichen und noch jungen Szeneleute stammen zum grossen Teil aus der Subkultur der Gestaltungsbranchen wie Mode, Design, Grafik, Fotografie und Gastronomie und geben zu den neuesten Erscheinungen in diesen Bereichen wie zu Konsum, Marken, Freizeit und Werbung Auskunft. JvM vertritt die These, dass die Trendsetter sich im globalen Dorf nicht besonders unterscheiden und dass diese untereinander international kommunizieren, weshalb für die Agentur Parallelen von den Trendmetropolen zu Schweizer Verhältnissen gezogen werden können, auch wenn nicht alle relevant sind.
Viel wichtiger ist es den Verantwortlichen, mit dem Tool den Agenturkunden einen Kontakt zur Strassen- und Jugendkultur zu ermöglichen. Den immer stärker thematisierten Markenüberdruss bei Jugendlichen spürte der Planning Director in den ersten vier Trendsensors nicht. Die Bewegung erklärt er sich eher in einer Pseudoeinstellung bei vielen Jugendlichen, die öffentlich nicht zu ihrer Markenaffinität stehen mögen, sich aber wegen des Cliquenverhaltens immer noch stark an Marken orientieren. Luca Aloisi
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