«Schlacht gewonnen»

Für 20-Minuten-VR Sacha Wigdorovits ists zu früh zum Jubeln

Für 20-Minuten-VR Sacha Wigdorovits ists zu früh zum JubelnWeil viele Gratisleser Doppelleser waren und sowohl Metropol als auch 20 Minuten konsumierten, wird sich das Leserschaftserbe für 20 Minuten in Grenzen halten. Lediglich im Rubrikenmarkt erwartet Sacha Wigdorovits, Verwaltungsrat von 20 Minuten Schweiz, kurzfristig Mehrerträge.Die grünen Metropol-Kästen sind leer, 20 Minuten ist seinen wichtigsten Konkurrenten los. Sind Sie zufrieden?
Sacha Wigdorovits: Ich bin teilweise zufrieden. Der Markt hat entschieden, welche Zeitung die bessere ist. Aber damit haben wir nur eine Schlacht gewonnen, noch nicht den Krieg. Wir wissen, dass wir intensiv weiterarbeiten müssen.
Welche Erbschaft erwarten Sie für 20 Minuten im Lesermarkt?
Wigdorovits: Laut den letzten Leserschaftszahlen der Wemf hatte Metropol 50000 Lesende, die nicht Doppelleser waren. Wir rechnen damit, dass mindestens ein Teil davon künftig 20 Minuten lesen wird. Kurzfristig werden wir wahrscheinlich zwischen 20000 und 30000 Lesenden hinzugewinnen. Wenn man mit unseren Zahlen vom letzten Jahr vergleicht – laut Spezialauswertung der Mach Basic für das erste Halbjahr 2001 kommt 20 Minuten auf 502000 Leser –, dann hält sich der Zuwachs doch in engen Grenzen.
Um wie viele Exemplare haben Sie die Auflage von 20 Minuten erhöht?
Wigdorovits: Nach dem Aus von Metropol haben wir unsere Auflage um 30000 bis 40000 Exemplare erhöht. Normalerweise fahren wir unsere Auflage in der Ferienzeit herunter. Wir werden jetzt analysieren, ob die Auflagenerhöhung auch reicht, wenn die Ferien vorbei sind. Sicher werden wir keinesfalls so viele zusätzliche Exemplare drucken, wie Metropol am Schluss noch hatte, nämlich rund 120000.
Sind die Perspektiven im Anzeigenmarkt ergiebiger?
Wigdorovits: Im Rubrikenmarkt erwarten wir eine Verbesserung der Situation. Metropol hatte diesen Markt mit seinen Dumpingangeboten kaputtgemacht. Das fällt jetzt weg. Bei den kommerziellen Anzeigen hingegen war Metropol ja gar nicht mehr präsent. Deshalb wird es für uns da auch nichts zu erben geben. Zumindest kurzfristig nicht.
Und langfristig?
Wigdorovits: Langfristig rechne ich auch bei den kommerziellen Anzeigen mit Aufwind. Wenn die Leserzahlen steigen, dann hat das auch positive Wirkungen auf die Anzeigenseite. Weil man zum Beispiel die Anzeigenpreise erhöhen kann, ohne dass sich deshalb der Tausendleserpreis negativ verändert. Aber eine Ausweitung der Leserschaft wird erst mit grosser Verzögerung in der Leserschaftsforschung sichtbar. So werden sich die im kommenden September veröffentlichten Mach-Zahlen auf einen Zeitraum abstützen, der bereits im März abgeschlossen ist. Der Effekt der Metropol-Einstellung wird demnach erst in der Mach Basic 2003 sichtbar sein. Deshalb sind wir zurückhaltend mit Prognosen, was uns die Metropol-Einstellung im Bereich der kommerziellen Anzeigen bringt. Da machen wir uns keine Illusionen.
Auch 20 Minuten schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen.
Wigdorovits: Sähe das erste Halbjahr 2002 nicht so katastrophal aus, hätten wir die Chance gehabt, dieses Jahr mit schwarzen Zahlen abzuschliessen. An eine Erholung glaube ich erst in der zweiten Jahreshälfte. Deshalb werden wir den Break-even dieses Jahr noch verpassen. Der Blick brauchte fast zehn Jahre, die SonntagsZeitung acht Jahre, bis sie schwarze Zahlen schrieben.
Wie sicher ist der Break-even im Jahr 2003?
Wigdorovits: Wenn bei der Konjunktur im zweiten Halbjahr oder 2003 nicht noch etwas Dramatisches passiert, dann sollten wir im 2003 schwarze Zahlen schreiben.
Laut Mediaplaner Wolfgang Mecklenburg wird es nicht mehr dazu kommen. Er prophezeite in der NZZ, dass auch 20 Minuten bald eingestellt wird.
Wigdorovits: Wer ist schon Wolfgang Mecklenburg? Interview: Daniel Schifferle

Muse & Musse: Nicole Schranz

Muse & Musse Nicole SchranzWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Nicole Schranz: Theatersport nach Keith Johnstone. Improvi-sationstheater, da ist die Überraschung perfekt!Was lesen Sie gerade?Schranz: «Der Mei

Muse & Musse Nicole Schranz
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Nicole Schranz: Theatersport nach Keith Johnstone. Improvi-sationstheater, da ist die Überraschung perfekt!
Was lesen Sie gerade?
Schranz: «Der Meister und Margarita» von Michail Bulgakow, da ich bereits das Stück mit Begeisterung am Theater Spektakel gesehen habe.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Schranz: Alicia Keys, «Songs in A minor».
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Schranz: «Todo sobre mi madre» von Pedro Almodóvar, grossartige Schauspielerinnen, ein Vulkan an Farben und Emotionen.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Schranz: Weiss nicht, habs verschlafen.
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Schranz: www.komik-ensemble .ch
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Schranz: Auf Wasser: vom Valser-Wasser bis zum Ozean.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Schranz: Tanzen (Jazz Funk).
Liebe ist…?
Schranz: …Atome, die sich immer schneller drehen.

Schneeclick in Qualilaax

Ab in die Berge mit den Jungs von Qualiclick: Managing Director Christoph Morach und Marketing Manager Roger Baur luden vergangenes Wochenende zum Plausch in die Weisse Arena um Laax.

Ab in die Berge mit den Jungs von Qualiclick: Managing Director Christoph Morach und Marketing Manager Roger Baur luden vergangenes Wochenende zum Plausch in die Weisse Arena um Laax.Von Beat Frtisch Baur, der solche Weekends für Kunden bereits während seiner Zeit beim Sport veranstaltete, führte diese schöne Wintertradition auch bei Qualiclick ein.
Am Freitag konnten sich die angereisten Gäste ein erstes Bild der Alpenstadt machen, als man nach dem Check-in aufs Wellnessangebot im Hotel zurückgreifen konnte. Abends war dann Selberkochen angesagt: Charbonade und «heisser Stein» in der Laaxer «Posta veglia».
Samstagmorgen in der Früh reisten die restlichen Gäste an, um sich sofort mit Snowboard oder Skis bewaffnet auf den Berg zu stürzen. Leider dezimierte die aktuelle Grippewelle das Teilnehmerfeld ein wenig, dafür passte das Wetterglück. Im Lauf des Morgens begann sich die Sonne zu zeigen, und ab Mittag gabs keine Ausreden mehr, in der Berghütte dem Schümli-Pflümli zu frönen.
Von der sportlichen Seite zeigten sich Jennifer Best von OMD Zürich-City, die sich als Snowboardtalent entpuppte, und Katja Maurizio, die zwar das Board nach fünf Minuten wieder in die Ecke stellte, aber dann den ganzen Nachmittag mit dem Ski-Coach unterwegs war. Andi Hess von Forecast sah man kurz an der Schneebar. Er verzog sich bald für eine Ruhepause ins Hotel, denn er kam mehr oder minder direkt vom eigenen Polterabend angereist. Gerüchte besagen, dass er seit jener Nacht seltsame Aversionen gegen Schlagrahm, Stretchlimousinen und halbnackte Frauen entwickelt habe.
Abends zeigten sich alle von der sportlichen Seite, nachdem entweder die Badeanlage mit Riesenwhirlpool oder ein Nickerchen für neue Kräfte gesorgt hatten. Fondueplausch war angesagt, allerdings erst nach einem viertelstündigen Fussmarsch steil bergwärts zur «Tegia Larnags». Die Mutigeren waren mit Plastikbobs bepackt, da zum Dessert ein Schlittelrennen talwärts ausgemacht war. Regeln – keine! Erlaubt war alles, vom Frühstart bis zum gnadenlosen Abdrängen von der Piste. Letzteres besorgten die Fahrer aber sowieso selbst, denn der Zielhang in Laax ist ebenso mörderisch wie derjenige am Lauberhorn. Als Erster war Andi Hess samt Mitfahrerin Katja Maurizio unten, obwohl beide im Zielhang beinahe aus dem Schlitten geschleudert wurden. Der Pechvogelpreis ging an Dave Jäger, der mit Kopilotin Judith Brändle im Auslauf mitten in einer Wasserpfütze landete.
Weiter gings ins «Rider’s Palace», wo in Laax die heissesten Partys stattfinden. Von der VIP-Bar aus hatte man den besten Überblick über die DJs vom Londoner Kultlabel Ministry of Sound, welche diesen Winter in der Weissen Arena zu Gast sind. Die exzellenten Beziehungen von Andi Hess öffneten den Nachtschwärmern dann auch noch die Türen zur echten VIP-Party in den Suiten im oberen Stock des «Rider’s». Dort traf man unter anderem auf die Leute der Promo-Agentur Mosaik, auf Daryl H. von Däniken von Mariamedia, Joko Vogel von Vogel Szene-Marketing oder Matthias Lietha und Lobi Phala von Blushin Pink. Die Hardcore-Fraktion unter den Qualiclick-Gästen (alle Namen der Redaktion bekannt!) hats dann gerade noch vor der Morgendämmerung ins Hotel zurückgeschafft.
Beat Frtisch

mit Schlitten und Nasenhelm, die allerdings am Qualiclick-Schlitten-Downhill in Laax nur eine Platzierung im Mittelfeld brachten. Weils keine offizielle Rangliste gab, war für einmal das Dabeisein wichtiger. Es hätten sowieso alle eine Auszeichnung verdient, die sich auf den Dingern mutig (oder bar jeder Vernunft) zu Tale stürzten.
Wer im Schnee oder auf dem Partyparkett herumschlittelt und dabei auch mal ins Schleudern gerät, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01
296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

News: Ringier provoziert mit eigener Wochenzeitung

Der Ringier Verlag will nach dem geplatzten Deal mit der Jean Frey AG eine Wochenzeitung lancieren.

Der Ringier Verlag will nach dem geplatzten Deal mit der Jean Frey AG eine Wochenzeitung lancieren.News Ringier provoziert mit eigener Wochenzeitung
Das Projekt beruhe auf den Überlegungen, die man für die Weltwoche angestellt habe, wird Konzernsprecher Fridolin Luchsinger im Blick vom Mittwoch vergangener Woche zitiert. Geplant sei ein Magazin im Überformat, erklärte Luchsinger gegenüber der SDA. Denkbar sei statt Hochglanz ein festes, spezielles Zeitungspapier. Zielpublikum seien «Leute, die gern viel lesen», womit man am Markt von Facts, SonntagsZeitung und NZZ am Sonntag interessiert sei. Die Leitung des Projekts übernimmt Rudolf Bächtold, der bei Ringier zuvor als Weltwoche-Geschäftsführer vorgesehen war. Über die Lancierung des Projekts soll in drei Monaten entschieden werden. Wie ernst Ringier es mit der eigenen Wochenzeitung meint, bleibt vorläufig offen. Gewöhnlich hält man bei Ringier Projekte lieber unter dem Deckel.
Inseratemarkt schrumpft weiter Das Inseratevolumen in den Schweizer Zeitungen hat im Januar erneut abgenommen. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt 15,9 Prozent. Die Stelleninserate verzeichneten mit 45,1 Prozent den bisher stärksten Verlust. Besonders stark betroffen waren die Wochenzeitungen, bei denen die Stelleninserate um 63,0 Prozent abnahmen, wie aus der Inseratestatistik der Wemf hervorgeht.
Agefi beteiligt sich an Success & Career Der Wirtschaftsmedienkonzern Agefi Groupe hat 47 Prozent des Kapitals an Success & Career übernommen. Der Kleinverlag gibt den zweisprachigen Karriereführer «Objectif Emploi heraus», der jährlich in einer Auflage von 22000 Exemplaren erscheint. Zudem betreibt er eine Karriereplattform im Internet. Mit dem Einstieg bei Success & Career will Agefi vermehrt die jungen Kader und Studenten erreichen. Zum selben Zweck sei für April die Lancierung einer neuen Website mit neuen Services und starkem Mehrwert geplant, teilte das Unternehmen mit.

Aufgefallen: Liebe Mobiliar, weil ich eure Werbekampagne instinktiv so gut gefunden habe, habe ich sie gleich auch auf die neue Mini-Cooper-Kampagne aufgepappt…».

AufgefallenLiebe Mobiliar, weil ich eure Werbekampagne instinktiv so gut gefunden habe, habe ich sie gleich auch auf die neue Mini-Cooper-Kampagne aufgepappt…». Das kommt mir beim Betrachten dieser Mini-Anzeige aus dem renommierten Hamburger Wer

Aufgefallen Liebe Mobiliar, weil ich eure Werbekampagne instinktiv so gut gefunden habe, habe ich sie gleich auch auf die neue Mini-Cooper-Kampagne aufgepappt…». Das kommt mir beim Betrachten dieser Mini-Anzeige aus dem renommierten Hamburger Werbehaus Jung von Matt in den Sinn. Denn wie zurzeit für den betäubenden Einfluss des Minis geworben wird, weiss die Mobiliar schon lange, zumal die Zürcher Publicis seit über vier Jahren schon mit Schadenprotokollen für die Versicherung wirbt. Das Konzept ist einfach und beliebt: In Spots, Plakaten und Inseraten werden Skizzen und Unfallbeschreibungen von Versicherten abgebildet. Schilderungen, die nicht nur die Versicherungsangestellten amüsieren, sondern auch unser Bedürfnis nach Schadenfreude befriedigen. Im Unterschied zur Mobiliar-Werbung dominiert beim Mini Cooper ein Abbild des Autos die Anzeigenfläche sowie die Headline: «Is it love?». Is it love? Vielleicht, vor allem dann, wenn man daran glaubt, dass Liebe blind macht, kommt man zum Schluss, dass es auch Kupfer sein muss. Chandra Kurt [email protected]
Kolumne

Einfach verkehrt
Von Anna Esposito
Sind die Zeiten schlecht, füllen sich Kirchen, und Budgets schwinden. Das Lamento in der Werbebranche ist crescendo. Fehlender Glaube an langfristige Markenpflege und wirres Suchen nach kreativen Ideen, die sich sofort in mehr Umsatz und steigende Besucherzahlen ummünzen lassen, prägen den Alltag. Mindestens genauso faszinierend ist die Aufgabe, hehre Imageziele mit Schweinebauch-Aktionen in einem Kleininserat kombinieren zu wollen. Sind die Zeiten hart, fantasiert man gern über eine berufliche Veränderung. Werber werden dann klassischerweise Geschäftsführer von Weingütern, liebäugeln mit dem Kauf eines guten Restaurants und wollten schon immer einen Bestseller oder ein Drehbuch oder beides in einem schreiben. So befinde ich mich bei solchen Diskussionen, die Zukunft eines frustrierten Kommunikatiönlers betreffend, virtuell an der Tramhaltestelle Bellevue: Quer-, Um-, Auf-, Ab- und Neueinsteiger allüberall. Auch ich bin nicht gefeit vor solchen Überlegungen, frage mich ab und an, was wäre, wenn es Werbung nicht mehr gäbe. Einfach wegrationalisiert von einer Planwirtschaft, die den Reizen der Kommunikation endgültig abgeschworen hat. Mein Unbewusstes lieferte mir dazu einen netten Traum. Ich befand mich in einer Umschulung zur Berufsberaterin. Der ganze Fächer von Psychologie über Coaching zu Positive Thinking wurde mir eingebläut. Nach bestandener Prüfung hat man mich in einem dieser schicken DDR-Büros der Verwaltung postiert, um meines Amtes zu walten. Reihenweise standen Orientierungslose vor meiner Tür: Swissair-Piloten, Börsenanalytiker, Weltwoche-Redaktoren, Ringier-Consultants, TV-3-Moderatorinnen, ABB-Buchhalter, E-Commerce-Pioniere, Expo.02-Architekten. Und für alle hatte ich die richtige Empfehlung parat: Werdet Werber, liebe Leute, werdet Werber.
[email protected]
Anna Esposito ist Texterin und Mitinhaberin von Brot und Spiele, Zürich.
Business Lunch

Ein sanftes Klimpern und Klirren in Clubatmosphäre
Die einen schwören aufs Hotel Baur au Lac, die anderen tafeln lieber im Dolder Grand Hotel – die beiden Fünfsternehäuser am See und am Berg haben beide ihre Liebhaberinnen und Liebhaber. Ich bevorzuge auch der Lage wegen das Haus am See, weil man hier im Sommer in einem der schönsten Gartenlokale der Stadt ruhig über gewichtigen Geschäftspapieren brüten darf, ohne gleich vor ein Gedeck mit vier Gabeln und Messern gesetzt zu werden. Im Sommer – der nicht mehr weit zu sein scheint – ein Spot der Sonderklasse.
Im Winter, na gut, da müssen die Jungs und Mädels von Küchenchef Maurice Marro in Küche und Keller halt die fehlende Pleinairgastronomie egalisieren. Der Business Lunch im Rive Gauche macht Spass und Sinn. Erstens sind die Tische hier schön weit auseinander, und wenn man nicht auf den Bambusstühlen Platz nehmen will, tuts eine bequeme Sitzbank entlang den Wänden. Das dunkle Täfer vermittelt einen Touch englischen Clubstils, auch den sucht man sonst noch vergebens in der Stadt. Die Servicecrew, von Arlene Mülli geschickt disponiert, ist tadellos gekleidet, hat mehrsprachige Manieren und – ist flink.
«Gibt nüsch zu meckern.» Das, lernte mal der polyglott einkehrende Gast, sei das höchste Kompliment, das ein Berliner in Richtung Küche und Keller zu vergeben habe. Trifft aufs Rive Gauche zu. Gut, die einen mögen mosern, ein richtiger Business Lunch zu drei Gängen im Fünfzigfrankenbereich fehle. Soll er halt ins Restaurant Français gehen und dort 69 Franken für ein «Déjeuner» ab voiture bezahlen. Aber dort stopft man sich einen Besenstiel in den Anzug, bevor man sich zu Tisch begibt. Und führt sich dann auch so auf. Muss man im Rive Gauche nicht.
Die Küche wechselt das Angebot, passt sich der Saison an und hält «Klassiker aus aller Welt» parat. Das wären beispielsweise eine Piccata Milanese zu 39 Franken, die sich zum Renner des Hauses entwickelt hat. Was auch dazugehört: Rindsvoressen mit Kartoffelstock – doch auch exotischere Gerichte, etwa ein Couscous mit Meeresfrüchten (für meinen Geschmack mit zu viel Sud serviert) oder ein Octopuscarpaccio (mit diesmal etwas zu sparsam aufgetragenem Olio d’Oliva Extra Vergine), finden sich in der Karte. Wenige Süssspeisen ergänzen das gastronomische Angebot, etwa eine Zitronentorte (12 Franken).
Freilich, das war nicht immer so gewesen. Früher versuchte sich das F&B-Management an Fusionküche nach dem Motto, bei uns kann auch ein Chinese Rösti braten, wenn er nur noch einige Sojasprösslinge druntermischen darf. Diese Kuckuckseier sind glücklicherweise wieder abgetischt worden.
Klar, dass der überaus gepflegte Weinkeller aus der hauseigenen Kellerei die Bestände im Rive Gauche auffüllt. Derzeit sind 14 offene Weine im Angebot, allesamt aus Siebendeziflaschen ausgeschenkt. Angenehm, kleine Schlussbemerkung, ist auch die Aufforderung des Hauses, die Mobiltelefone auszuschalten. Keine aufgeregte Kakophonie der Piepstöne ist zu hören, sondern gediegenes Gemurmel und das Klimpern des Bestecks und das sanfte Klirren der Gläser. Carlo Bernasconi [email protected]
Rive GaucheTal-/Börsenstrasse
8001 Zürich
Tel. 01 220 50 60
Parkplätze: Glückssache über Mittag und abends

Facing am Brandinghimmel

Ursprünglich sollten die Berater Lucius Leonhardt und der Desginer Raphael Baumann teilhabende Partner bei der Zürcher CD/CI-Agentur Külling Partner Identity werden.

Ursprünglich sollten die Berater Lucius Leonhardt und der Desginer Raphael Baumann teilhabende Partner bei der Zürcher CD/CI-Agentur Külling Partner Identity werden.Doch mit den bestehenden Partnern liess sich keine befriedigende Lösung finden. Das bewog die beiden Geschäftsleitungsmitglieder, die Agentur zu verlassen. «Wir hatten schon vorher mit dem Gedanken gespielt, uns selbstständig zu machen und unsere eigene Vision einer Agentur umzusetzen», sagt Leonhardt. Gleich nach ihrem Weggang gründeten sie in Zürich die Agentur für die Entwicklung und die visuelle Umsetzung von Brand-Awareness-Konzepten, Facing Ltd. Als ersten Kunden konnten sie dabei kein minderes Projekt als das Coop Corporate Branding mitnehmen, das sie bei Külling Partner Identity von Anfang an als Hauptverantwortliche betreut hatten. Neben dem Basler Detailhandelsriesen gehören unter anderem auch die NZZ, KPMG Fides Management und das Zürcher Opernhaus zum Portfolio der dreiköpfigen Agentur. (dz)

Kommunikation aus Grosszügigkeit

Bei Immagina entsteht Werbung mitten in einem Weinberg im Mendrisiotto

Bei Immagina entsteht Werbung mitten in einem Weinberg im MendrisiottoVon Luca Aloisi Der ehemalige Fotoreporter Adriano Heitmann gründete vor drei Jahren im Tessiner Ort Stabio die kleine Agentur Immagina. Dank des grossen Netzwerks und der hohen Bildkompetenz sind dem kleinen Büro schon Achtungserfolge gelungen.
Wohl keine Kleinagentur würde sich mit dem oft pejorativ belasteten Etikett Wald-und-Wiesen-Agentur bezeichnen lassen. Adriano Heitmann, Gründer der dreiköpfigen Immagina, hat keine Probleme mit der Lage seiner Agentur und präzisiert höchstens die Umschreibung. Schliesslich steht sein Büro eigentlich in einem Tessiner Weinberg: «Wir arbeiten in einem umgebauten Weinbauernhaus oberhalb von Stabio», sagt er und öffnet gleich eine Klammer: «Dort befinden sich nicht nur unser grosses Fotostudio und das Atelier, der Dachstock ist auch Austragungsort kultureller Aktivitäten wie Konzerte, Degustationen, Meetings, Ausstellungen und Workshops.»
Vom Fotoreporter zum sesshaften Werbekonzepter
So unkonventionell dieses Tessiner Networking-Konzept aus Zürcher Sicht erscheinen mag, so erklärt es doch Heitmanns generöse Auffassung von Kommunikation am treffendsten. Für ihn muss Kommunikation eine Haltung der Grosszügigkeit einnehmen. Diese soll für den Auftraggeber nach innen und aussen vermittelt werden. Wer zu stark auf den Return on Invest schiele, werde kaum neue Kunden erschliessen, geschweige denn auf neue Inspirationsquellen stossen. Erst recht nicht hier, im abgelegenen Stabio. Obwohl man von hier aus dank der nahen Flughäfen Agno und Mailand innert Kürze auf der Alpennordseite oder sonstwo auf der Welt sei, versucht er nicht, die Distanzen kleinzureden, sondern aus der Not eine Tugend zu machen.
Zum ehemals selbstständigen, um den Globus rasenden Fotoreporter, der als Quereinsteiger zur Werbung fand, kommen denn auch nur Auftraggeber und Grossagenturen, die von Heitmanns Arbeit überzeugt sind. Davon gibt es nicht wenige und, worauf der Tessiner besonders stolz ist, kaum zwei aus der gleichen Branche. Adriano Heitmann, der bis in die Neunzigerjahre für Magazine und Zeitungen wie Geo, Merian, Stern, Schweizer Illustrierte, NZZ, Die Zeit oder das italienische Airone Fotoreportagen und Porträts machte, betreut heute eine völlig andere Klientel: vom edlen Chianti-Weingut Castello di Ama oder dem internationalen Pferderennen St. Moritz White Turf im Jahr 2000 über die Tessiner Modehauskette Monn bis hin zum weltweit führenden Präzisionspinzetten-Hersteller Rubis.
Gerade Rubis macht sich im Portfolio gut, wird die Firma doch von CEO Fides Baldesberger geführt. Sie wurde von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young 2001 zum ersten weiblichen «Entrepreneur of the Year» erkoren.
Seinen Leistungsauftrag legt der 51-jährige Heitmann weit aus. Vieles, was über seine Kernkompetenz – die visuelle Konzeptions- und Umsetzungsstufe – geht, übergibt er Freelancern, die er meist in seinem riesigen, internationalen Beziehungsnetz findet, das er noch als viel reisender Journalist geknüpft hatte.
Künstlerader prägt Kommunikationsform
Nicht selten gelingt es ihm, mit der Ideenmelange, die aus verschiedenen unabhängigen Bereichen stammt, seine Visionen in eine verblüffende und kohärente Form zu bringen. So beispielsweise für Rubis: Für seine Produktverpackung – ein durchsichtiges, aufgeschlitztes Stück Kunststoff-rohr, in dem die innovative Alu-Pinzette sauber versorgt und trotzdem sichtbar ist – wurde er in Frankfurt mit dem deutschen Design-Preis 2001 ausgezeichnet.
Ebenso erfolgreich war seine harmonische Verknüpfung von Mode und Kunst: In der anspruchsvollen Katalogtrilogie, die über die Kantonsgrenzen Wellen schlug, wob er einmal Tessiner Architektur, dann die Expressionistin Marianne Werefkin und schliesslich Rolf Gérard, Kostümschneider und Bühnenbildner der Metropolitan Opera New York, mit den Kleidern des Modegeschäfts Monn zusammen. Dass er die Absichten der Auftraggeber mustergültig bis zur Sichtbarmachung führt, beweist auch die 1999 von GGK, Zürich, konzipierte Broschüre für Ticino Turismo, in der Heitmanns Fotos zu einer Riesenauflage kamen.
Nicht nur die Ehe mit der berühmten mexikanischen Kunstfotografin Flor Garduño («Zeugen der Zeit») oder die Zusammenarbeit mit Stararchitekt Mario Botta, für den er eine Ausstellung im Museum of Modern Art in New York produziert hatte, prägten Heitmanns vielseitige Art, sich Aufträgen zu nähern. Auch das Familienleben mit zwei Kindern, das ihn vom faszinierenden Beruf des Fotoreporters wegbrachte und stärker an seine Tessiner Wurzeln band, hat sein Schaffen beeinflusst.

Haifische wirken beruhigend

Felber Kristofori & Pinzon entdeckt für Siemens die ultimative Sicherheit

Felber Kristofori & Pinzon entdeckt für Siemens die ultimative SicherheitFünf Bodyguards bewachen da Vincis «Mona Lisa», ein ganzer Schwarm Haifische tummelt sich im «Burggraben» rund um einen Wolkenkratzer: Mit auffälligen Alternativen zu alltäglichen Sicherheitslösungen hat die junge Zürcher Agentur Felber Kristofori & Pinzon (FK&P) eine verblüffende Kampagne für Security Systems von Siemens Building Technologies gestaltet. Sie ist eine von sechs Siemens-Divisionen. Das Unternehmen hat sich vor gut einem Jahr nach Kernkompetenzen organisiert. FK&P wurde zur Konkurrenzpräsentation eingeladen und durfte neben einem neuen Erscheinungsbild (Group Style) jetzt auch die internationale Kampagne realisieren. Seite 10

Waadtländer Ärzte mit Werbeverbot.

Im Kanton Waadt dürfen Ärzte, Hebammen und Physiotherapeutinnen auch in Zukunft nicht für ihre Dienste werben.

Im Kanton Waadt dürfen Ärzte, Hebammen und Physiotherapeutinnen auch in Zukunft nicht für ihre Dienste werben. Der Waadtländer Grosse Rat hat entsprechende Gesetzesänderungen auch in zweiter Lesung abgelehnt. Bereits in der ersten Lesung im Januar war der Vorschlag des Regierungsrates verworfen worden. Euro RSCG Genf startet InternetUnit. Die Genfer Werbeagentur Euro RSCG Balladur & Giger hat eine eigene Internetabteilung lanciert. Unter dem Namen Euro RSCG Interactive soll sie Fullservice für interaktive Medien bieten. Sie arbeitet zusammen mit Euro RSCG Interactive Lyon (Frankreich), die bereits seit sechs Jahren im Internetmarkt tätig ist.
Wunschlos. Mit ein bisschen Extra-Cash erfüllt man sich Wünsche, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Bei einer Gewinnrange zwischen 5 und 50000 Franken liegt mit einem Roulette Express Rubbellos vieles drin. Beispielsweise der Wunsch, die Welt rosarot zu erfahren. Diese Kampagne ist jetzt auf B12- und POS-Plakaten zu sehen. Auftraggeber: Seva Lotteriegenossenschaft Bern, Andreas Guggisberg, Marketingdirektor, Sabine Dombrowski, Produktewerbung. Agentur: Freiburghaus und Partner BSW, Barbara Bürgy, Sue Buri (Beratung), Sabine Zaugg (Text), Fabian Wicki (AD/ Grafik), Simon Freiburghaus (CD). Foto: Stock.
Swiss Traveler gibts bei Swiss. Die Fluggäste der neuen Schweizer Fluglinie Swiss Air Lines können sich ab April auf Linienflügen mit einem neuen Bordmagazin unterhalten. Es erscheint unter dem Titel Swiss Traveler zehnmal jährlich unter der Leitung von Regina Maréchal-Wipf, die bereits seit sieben Jahren für die Bordmagazine der Crossair verantwortlich ist. Das Design von Swiss Traveler wird zurzeit entwickelt – aber nicht von Tyler Brûlé, der in Interviews Interesse daran bekundet hatte, sondern von «talentierten Schweizer Grafikern», wie Regina Maréchal gegenüber der WerbeWoche erklärte. Im Mai folgt ein weiteres Inflightmagazin für die Passagiere von Charterflügen. Für die Vermarktung der Bordpublikationen von Swiss ist künftig exklusiv die neu gegründete Inhouse-Agentur Swiss Inflight Media AG zuständig. Geschäftsleiter der neuen Akquisitionsfirma ist Roger D. Müller, bisher Anzeigenleiter der Crossair-Bordmagazine.
Rosen ohne Dornen. Auch eine Wurst kann richtig fotografiert als Zeugnis liebestoller Empfindungen hinhalten. Was, wenn einen am Valentinstag niemand zum Dessert oder sogar nicht einmal zum Essen einlädt? Der «Vordere Sternen» am Zürcher Bellevue verspricht Ersatzbefriedigung. DDB Zürich hat zum Tag der Liebsten ein eindeutig zweideutiges POS-Plakat kreiert. Das Unikat soll am 14. Februar über dem Durchschnitt liegende lange Warteschlangen vor dem Grillstand evoziert haben, was natürlich einiges, aber nicht alles über die hohe Singledichte in der Werberstadt Zürich verrät.
Molly wirbt fürs Tivoli. Ist das Sauglattismus oder eine an Schafshaaren herbeigezogene Idee? Tatsächlich, Miss Molly ist zum Coiffeur gegangen, nur weil es im Shoppi&Tivoli jetzt einen Streichelzoo gibt! Ziegen, Schafe und Hasen haben sich für das Publikum extra herausgeputzt, wie die Wyler Werbung in witzigen Anzeigen und Indoorplakaten – wahr wie im Märchen – den Kindern verspricht. Dass diese ihre Mütter zum Shoppen nun nach Spreitenbach statt Richtung Osten begleiten dürfen, finden alle glatt. CD Ruedi Wyler, der bis anhin exklusiv für das andere grosse Einkaufszentrum warb, wurde vom Shoppi&Tivoli bereits zum zweiten Mal angefragt, eine Kampagne für sie zu gestalten. «Beim ersten Mal hatte ich abgelehnt, doch weil das Glatt seine Werbeaktivitäten herunterschraubte, stimmte ich zu.»
Imagewerbung statt Kampfanzug. Ökologie, Terrorismus, Aids, Hunger oder Naturkatastrophen sind Themen, die nicht nur Regionen, sondern uns alle betreffen. Vor diesem Hintergrund ist die Uno ein Forum, in dem alle Länder gemeinsam Probleme ausdiskutieren und angehen können. In diesem «Weltparlament» keine Stimme haben zu wollen, ist so, wie wenn Schaffhausen nicht im Ständerat vertreten sein wollte. Wer nicht mitreden will, kann auch nichts bewegen und schon gar nichts verhindern. Basierend auf diesen Überlegungen, gewann Publicis das Initiativkomitee für den Uno-Beitritt (www.uno.ch) für die Idee eines separaten, grossformatigen Auftritts. Publicis wirbt für die Uno ohne die übliche Ja- oder Nein-Parole. Selbstredend ist ein Bild. Das Dessin eines Kampf- respektive Tarnanzuges ergibt in der Nahaufnahme eine Weltkarte. Dem setzt der Text nicht mehr und nicht weniger gegenüber als die Aufforderung: «Lieber miteinander reden. Uno.» Der Auftritt ausserhalb des Grabenkampfniveaus der Abstimmungskampagnen ist in Zeitungen und Zeitschriften sowie auf Plakatwänden zu sehen. Art: Ralf Kostgeld, Text: Jean Etienne Aebi, Grafik: Simon Kassewalder.
PiAr schliesst Westallianz. Die Zürcher Kommunikationsgruppe PiAr und die Westschweizer PR-Agentur Pielken & Partners in Gland VD sind eine strategische Allianz eingegangen. Sie bieten künftig ihre Dienstleistungen in beiden Sprachregionen an. Über den neuen Stützpunkt in Gland wird die zur PiAr-Gruppe gehörende Investor-Relations-Agentur Eurocom künftig ihre Dienstleistungen auch in der Romandie anbieten. Pielken & Partners übernimmt gleichzeitig die Vertretung der Genfer PR-Agenturmarke CBR (einer PiAr-Tochter) in der Westschweiz. PiAr gehört zum Netzwerk von Euro RSCG.
Wieder Lust auf Konsum. Die Schweizerinnen und Schweizer wollen in diesem Jahr trotz der Ereignisse vom 11. September wieder vermehrt Geld ausgeben. Das ergab das Konsumentenpanel «Pulse», das die Werbeagentur McCann-Erickson regelmässig durchführt. Nach einer Denkpause in den Monaten nach dem Terrorangriff zeigen die Januar-Werte eine Rückkehr zu jenen, die vor dem 11. September erhoben worden sind.
Editorial

Die Erbschaft fällt wohl dürftig aus
Leere TV-Kanäle, verwaiste Zeitungsboxen – lässt man das letzte halbe Jahr mit seinen gestrandeten Medien-Start-ups Revue passieren, könnte man leicht in eine mittelschwere Depression verfallen. In der Krise wird gestrichen, was nicht überlebensfähig ist. Das ist eine Binsenweisheit, die jetzt auch für Metropol zum Aus geführt hat. Der aktivere und innovativere Titel hat das Rennen gemacht.
Wer im dicht besetzten Medienmarkt für Printprodukte ein genügend grosses Publikum erreichen will, muss alle Register ziehen. Diesbezüglich hatte das Multimediaprojekt 20 Minuten von Anfang an die besseren Spielkarten in der Hand.
Allerdings gibts auch für 20 Minuten kaum Anlass zum Jubeln. Zwar ist die Schlacht gegen den Erzrivalen gewonnen, doch die Erbschaft ist dünn und der Krieg noch lange nicht vorüber: Nur gerade mit maximal 30000 zusätzlichen Lesern rechnet 20 Minuten. Noch weniger
spürbar werden die Auswirkungen im Anzeigenmarkt sein, und wenn überhaupt, dann erst mit grosser zeitlicher Verzögerung.
Es war ein Lotteriespiel. Das haben die Pendlerzeitungen von Anfang an gewusst. Irgendwelche Rezepte, die irgendwo erfolgreich sind, müssen noch lange nicht die Bedürfnisse und Eigenheiten der hiesigen Publikumsmärkte treffen. Bei den Printmedien gilt noch stärker als anderswo: All business is local. Dies hat das Metropol-Desaster mit aller Deutlichkeit bestätigt.
Metro International rennt vom Schweizer Debakel bereits in die nächste ungemütliche Situation. Die Auslieferung der am vergangenen Montag in Paris und Marseille lancierten Ausgaben wurde massiv behindert. Gewerkschaften in unheiliger Allianz mit der linksliberalen Presse bewirkten, dass die Zeitungen kaum ihren Weg zum Publikum fanden. Womöglich hat Metro die lokalen Voraussetzungen auch hier zu blauäugig eingeschätzt. Daniel Schifferle

Metropol auf Börsenaltar geopfert

Ein Nachruf auf das verlegerische New-Economy-Phänomen Metropol

Ein Nachruf auf das verlegerische New-Economy-Phänomen MetropolVon Oliver Classen Der Profitabilität der eigenen Gruppe will sich Metro International wieder vermehrt verpflichten. Die Shareholder wirds freuen, denn das Zürcher Experiment mit der Pendlerzeitung in der grünen Metallkiste hat zweistellige Millionensummen im Zürcher Seebecken versenkt.
«Die Schweizer Wirtschaft wieder im Aufwind» lautet die letzte Schlagzeile auf den seit vergangenem Donnerstag verwaisten grünen Metallboxen von Metropol. Was angesichts der Notlage des anzeigenfinanzierten Blattes vor Wochenfrist noch wie eine bis zur Belanglosigkeit wiederholte Selbstbeschwörungsformel tönte, wirkt nun wie eine zynische Grabinschrift auf grünem Grund. Und die dazugehörigen Verteilkästen wie Mahnmale eines verlegerischen New-Economy-Phänomens, das Zürich neben Tonnen von Altpapier immerhin auch 55 Arbeitsplätze bescherte. Doch diese sind im Gegensatz zum Inventar leider nicht transportabel. Computer und Büromöbel sollen nämlich bereits unterwegs sein zur dieser Tage eröffneten Pariser Filiale.
In Sachen Mobilität und Flexibilität schaffen es die smarten Skandinavier also zusehends, das Ikea- und H&M-Modell in die Zeitungswelt zu übersetzen. Nur mit der Rentabilität, da haperts nach wie vor, hat Metro International 2001 doch einen vorsteuerlichen Verlust von 84,1 Mio. Dollar eingefahren. Das ist nochmals deutlich mehr als das Minus vom Vorjahr (68,5 Mio. Dollar). Zu viel jedenfalls für die Medienunternehmen gegenüber skeptisch gestimmten Anleger. Von den derzeit 20 publizierten Metropol-Ausgaben schreiben gerade mal vier schwarze Zahlen (Stockholm, Göteborg, Prag, Budapest). Das ist ein Anfang, mehr aber auch nicht.
Der Gruppe ist ein nachhaltiger Imageschaden erwachsen
Doch Grün ist ja bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Genau die haben die Manager des börsenkotierten Mutterverlags Metro International jedoch verloren, zumindest für ihren besonders kostenintensiven Schweizer Ableger. Gut zwei Jahre hat VR-Präsident und CEO Pelle Törnberg von seinem Firmenjet aus (mit dem er täglich zwischen den unterdessen 14 Metro-Ländern hin und her pendelt) zugesehen, wie erst Urs Zeier, dann Lawrence Kenny und zuletzt Robert Gustavsson zweistellige Millionenbeträge im Zürcher Seebecken versenkten.
Nun hat Törnberg seinen hiesigen Statthaltern auf Geheiss einiger unruhig werdender Grossinvestoren den Geldhahn abgestellt – vermutlich kurz bevor diese ihrerseits die Dollarpipeline zugedreht hätten. Anders ist das selbst für Metro-Verhältnisse abrupte, vor allem aber tüchtig imageschädigende Ende des Prestigekampfs mit dem Erzkonkurrenten 20 Minuten (gelbe Metallboxen) nicht zu erklären. Wo immer die beiden Rivalen künftig aufeinander treffen (zunächst in Paris, bald aber vielleicht schon in Deutschland), wird die Schibsted-Tochter 20 Minuten den Zürich-Trumpf aus dem Ärmel ziehen. Und so bei lokalen Behörden und potenziellen Partnern einen Vertrauensvorsprung herausschinden, der erfolgsentscheidend sein kann.
Wichtiger als etwaige Wettbewerbsnachteile ist Törnberg aber offenkundig sein klares Signal an die Shareholder, dass Metro International seiner «Verpflichtung gegenüber dem Schlüsselfaktor Profitabilität» konsequenter als bisher nachzukommen gedenkt. Denn um nichts anderes als um eine Beruhigungspille für Investoren handelt es sich bei dieser ersten Betriebsschliessung seit dem Debakel im englischen Newcastle anno 2000.
Der verlegerische Zauberlehrling verspricht also seiner ideellen und finanziellen Mentorin, der Börse, ihren Vorga-ben und Erwartungen fortan mehr Respekt zu zollen. Und beschliesst damit offiziell die jugendliche Sturm-und-Drang-Periode eines New-Economy-Unternehmens, das man sich als erwachsenen, auf Sicherheit bedachten Branchenplayer gar nicht so recht vorstellen kann und will.

Tiefe Blicke ins kreative Denken

Das Buch «Kribbeln im Kopf» bietet ein neues Braintool für Werber und Auftraggeber

Das Buch «Kribbeln im Kopf» bietet ein neues Braintool für Werber und AuftraggeberVon Andreas Panzeri Als Ideen-Coach lässt sich das neue Buch «Kribbeln im Kopf» von Mario Pricken vorstellen. Sein Kreativ-Kochbuch für die Praxis richtet sich an Teams in Werbeagenturen und an Kommunikationsprofis. Im Mittelpunkt stehen Methoden zur Entwicklung von Leit- und Kampagnenideen.
In der fast 300 Seiten starken Kreativbibel finden sich keine Ratschläge für die Gestaltung kreativer Layouts oder Texte. Dafür spannt das für Kommunikationsprofis verfasste Lehrbuch einen nutzvollen und sinnreichen Bogen vom Briefing bis zur Ideenbewertung. Beim «Kribbeln im Kopf» wird die Ideenfindung durch einen Clicking-Fragenkatalog mit 200 Fragen strukturiert, die «spannende Impulse in jedes Meeting bringen können».
Diese Fragen hat der Autor aus 10000 preisgekrönten Kampagnen herausgearbeitet und formalisiert. Gefragt wird da zum Beispiel: Wie lässt sich der Produktvorteil ohne Worte darstellen? Was würde sich über das Produkt keiner zu sagen trauen? Welche Bilder entstehen, wenn man die Beschreibung der Produktvorteile wörtlich nimmt?
Als Antworten zu den 200 Fragen finden sich jeweils die Lösungen in Form bekannter Inserate, Plakate und Werbespots visualisiert. Zum Beispiel Hunde, die in einem Inserat wie Katzen auf einem Baum sitzen und mit dieser Werbung für Whiskas Antwort geben auf die Frage: Wie lässt sich ein Produktnutzen darstellen, indem man etwas Gewohntes ins Gegenteil verkehrt?
Die Headline: «Ärgern Sie die Nachbarn, stellen Sie’s leiser» wirbt auf dem Plakat für einen Radiosender. Diese Idee entstand nach der Frage: Wie lässt sich durch eine widersprüchliche Aussage der Nutzen eines Produkts oder einer Dienstleistung betonen?
Ideen finden heisst nicht sie zugleich auch bewerten
Das «Handbuch für geniale Ideen» gibt somit einen «Einblick in die Alchemie kreativen Denkens». Das Buch macht die Denkstrategien Top-Kreativer transparent, indem es inhaltlich auf unzähligen Gesprächen mit Kreativen beruht. «Zwar tun wir das, was wir am besten tun, meistens unbewusst, und Kreativität ist in vielerlei Hinsicht unfassbar», meinen diese Interviewten wie Stefan Sagmeister, Johan Kramer oder PJ Pereira.
Trotzdem gelingt es den Autoren des Buches «Kribbeln im Kopf», einige handfeste Tipps zu formulieren. So soll zum Beispiel ein Briefing als Liebeserklärung an ein Produkt geschrieben werden. Ziele soll man als Fragen formulieren: Wie kann man ein Direct Mail so gestalten, dass es die Botschaft in Form eines Spiels vermittelt? Richtig ist sicher auch die Regel: Ideenfindung ist konsequent von der Ideenbewertung zu trennen. Oder wie hätten Sie Ihre Ideen im nächsten Kreativmeeting denn gerne? Sabotiert, belächelt oder schlicht ignoriert?
Hier rät das auch inhaltlich aufreizend gestaltete Buch zum «Chancendenken als gedanklichem Switch»: Was würde meine Tante oder zum Beispiel Mick Jagger zur vorgeschlagenen Werbeidee sagen?
Lieber eine Pause einlegen, wenn das Meeting stockt
Altbekannte und darum abgedroschene Phrasen wie «Die Idee würde der Kunde nie akzeptieren» gehören in vielen Teams leider immer noch zur Meetingkultur, meint dazu der Autor Mario Pricken. Der in Wien lebende Pricken hat seine Erfahrungen jahrelang in den verschiedensten Agenturen gesammelt und führt seit vier Jahren erfolgreich Kreativitätstrainings für Werber, Designer und Kunden durch. Und was er der Leserin und dem Leser übrigens auch noch sagen wollte: Bleiben Sie dran, denn viele wirklich neue Ideen kommen erst 90 Minuten nach dem Ende des Kreativmeetings. Deshalb Pause einschalten, wenn das Meeting stockt.
«Top-Ideen brauchen Zeit. Je mehr Sie sich mit dem Produkt auseinander setzen, es analysieren, es aus allen Perspektiven betrachten und damit spielen, desto müheloser fliessen hochwertige Ideen», bilanziert Pricken. Wer sich intensiv mit dem Produkt beschäftigt und mit einer klaren Zielformulierung ein Kreativmeeting startet, hat bereits den Grossteil des Weges zur Lösung hinter sich. Gezeigt wird das im Buch mit der systematischen Analyse von mehr als 270 preisgekrönten Kampagnen aus der ganzen Welt, bei denen die Denkstrategien von Werbern leicht nachvollziehbar dargestellt werden. Das Buch mit der ISBN 3-87439-582-0 ist im Verlag Hermann Schmidt, Mainz, erschienen.

Schwarzes Jahr 2001

Ernst Grab tritt ab, Otto Meier steigt auf

Ernst Grab tritt ab, Otto Meier steigt aufVon Markus Knöpfli 2001 geht als schlechtes Jahr in die Geschichte der PubliGroupe ein. Einzig der Bereich PubliDirect konnte zulegen. Für 2002 werden zwar in einigen Bereichen weiterhin rückläufige Umsätze, aber insgesamt wieder schwarze Zahlen erwartet.
Im Jahr 2001 bildete sich der Konzernumsatz der PubliGroupe verglichen mit dem Vorjahr um 4 Prozent auf 2,614 Milliarden Franken zurück. Unter Ausklammerung der getätigten Akquisitionen hätte er sogar um 9 Prozent abgenommen. Mit Ausnahme der Division PubliDirect (Werbung in Telefonbüchern), die 16 Prozent zulegen konnte, wiesen alle Konzernbereiche rückläufige Verkäufe auf.
Die Division PubliPresse, die rund 70 Prozent des Konzernumsatzes erzielt und das Inserategeschäft in der Schweiz umfasst, litt unter dem Einbruch der Stelleninserate und machte 4 Prozent weniger Umsatz. Gleich 20 Prozent verlor Publicitas Promotion Network (PPN), das Anzeigengeschäft im Ausland, unter anderem weil nach dem 11. September ganze Kampagnen gestrichen wurden. 39 Prozent büssten die Onlineaktivitäten ein.
Die aussergewöhnlichen Kosten, die zum markanten Konzernverlust von 185 Millionen Franken führten (siehe S. 1), werden sich 2002 nicht wiederholen, verspricht die PubliGroupe. Das laufende Jahr sollte wieder mit Gewinn abschliessen. Ein neues Wachstum wird aber frühestens Ende 2002 erwartet. Für PubliPress rechnet man gar mit einem weiteren Umsatzrückgang um 2 Prozent, für PPN indes mit einer Stabilisierung auf Vorjahreshöhe.
Neben dem bereits angekündigten Rücktritt von PubliGroupe-Chef Jean-Jacques Zaugg (Nachfolger wird Hans-Peter Rohner) kommt es zu einem weiteren prominenten Abgang an der Konzernspitze: Der 57-jährige Ernst Grab tritt als Leiter der Gruppendivision PubliPresse zurück und will ausserhalb der PubliGroupe VR-Mandate annehmen. Einige hat er schon: So ist er seit 1. Januar 2002 VR-Vizepräsident bei der Hess Holding, zu der unter anderem die Valser Mineralquellen gehören. Grabs Nachfolger wird der bisherige Publimedia-Direktor Otto Meier (50).
Grab war 12 Jahre lang bei der PubliGroupe tätig, zuerst als Assa-Generaldirektor. Im letzten Jahr hat er das Schweizer Geschäft des Onlinevermarkters Real Media herausgelöst und bei PubliPresse integriert. Die PubliGroupe hatte Real Media letztes Jahr im Zusammenhang mit dem Einbruch beim Onlinegeschäft an die Konkurrentin 24/7 Media verkauft.
Derzeit sitzt Grab im Rahmen der PubliGroupe in rund zwei Dutzend Verwaltungsräten, so unter anderem bei Vogt-Schild, Akeret AG, Wemf, Swissclick, Rudolf Tschudi Holding. Diese Mandate gibt Grab ab, mehrheitlich werden sie dann von Meier übernommen.
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