Aufgefallen: Männer haben Sorgen: Entweder sind sie zu dick oder sie haben Erektionsprobleme. Und in beiden Fällen ist des Mannes bestes Stück betroffen.

AufgefallenMänner haben Sorgen: Entweder sind sie zu dick oder sie haben Erektionsprobleme. Und in beiden Fällen ist des Mannes bestes Stück betroffen. Damit ist jetzt Schluss. Auf der Site www.wir-hel fen-koennen.ch wird im Kapitel «Neue Th

Aufgefallen Männer haben Sorgen: Entweder sind sie zu dick oder sie haben Erektionsprobleme. Und in beiden Fällen ist des Mannes bestes Stück betroffen. Damit ist jetzt Schluss. Auf der Site www.wir-hel fen-koennen.ch wird im Kapitel «Neue Therapie» vorgemacht, wie der Vogel in 20 Minuten in Fahrt kommt. Dass das Vergnügen allerdings von kurzer Dauer ist, weiss jeder Kuckucksuhrbesitzer. Oder haben Sie schon einmal einen Kuckucksuhrkuckuck davon fliegen sehen? Nichts von der wundersamen Wirkung hat auch unser Vollfettmodell aus den USA mitbekommen. Obschon sein Gewichtsverlust dank Triphetamine garantiert schnell gehen wird, dürfte es doch etwas länger dauern als 20 Minuten. Chandra Kurt [email protected]
Kolumne

Terre des hommes Martin Lanz
Nehmen wir an, Reini Weber macht eine grosse Mittelmasswerbung für die SonntagsZeitung, aber der Verträger ist weniger als Mittelmass und bringt die Zeitung erst morgens um zehn.
Nehmen wir an, Matthias Freuler macht eine gewagte Kampagne fürs Brockenhaus, und ich werde von einer verstaubten Bedienung verärgert.
Nehmen wir an, RufLanz macht eine spritzige VBZ-Werbung, aber die Trams sind so gruusig verdreckt, dass ich lieber zu Fuss gehe.
Nehmen wir an, Ivan Scotti versichert uns, dass die «Winterthur» die Beste sei, und kaum hab ich mit ihr zu tun, stellt sie sich knauserig.
Nehmen wir an, das Drei-seenland putzt sich für die Expo.02 heraus, aber der Concierge im Hotel Touring in Neuenburg kennt nicht mal die Öffnungszeiten.
Nehmen wir an, die Schweiz wirbt für die Schweiz, aber die Schweizer bleiben Schweizer und also am liebsten unter sich.
Nehmen wir an, du steigst in ein Flugzeug, weil die Werbung sagt, es sei eine sichere Gesellschaft mit bequemen Maschinen und freundlichem Service und pünktlichen Landungen, und dann macht ein Lotse zur Unzeit eine Zigarettenpause.
Terre des hommes. Nehmen wir an, eines Tages gäbe es keine unzuverlässigen, keine unhöflichen, keine dummen, keine arroganten, keine blöden Menschen mehr. Es gäbe also nur noch Werber! Niemand würde ihnen versauen, was sie sich so reibungslos ausdenken. Und so würden sie unentwegt werben. Und niemand kaufte, was sie anböten. Weil jene, die auf Werbung hereinfallen, ja nicht mehr da wären. Dann gäbs die Werber ziemlich rasch auch nicht mehr. Menschenleer la terre. Und kurz vor dem Vertrocknen würde der allerletzte Werber noch rasch einen klaren Gedanken fassen: «Warum habe ich mich nicht früher um den Etat einer Sargfabrik beworben? Dann würde ich jetzt noch reicher sterben.» [email protected] Martin Lanz ist freier Texter und Leiter der KRAZ in Zürich.
Business Lunch

Ein «Essen, das nicht stört», schmeckt auch nicht Was als Erstes auffällt, wenn man im frisch renovierten Restaurant Kunsthaus wieder zu Tisch sitzt, ist ein kleiner Folder, der die Jahrgänge unterschiedlichster Weine bewertet. Das fängt im Bordelais an und endet in Südafrika. Hübsche Idee, schliesslich lagern 550 Crûs im Keller. Die gläserne Front verspricht ein Stück Urbanität im mehrheitlich biederen Gastrozürich. Aber: Ein Besuch lohnt sich nicht, sorry.
Seit Agnes Amberg am Pfauen ihr Restaurant dichtgemacht hat, ist der Platz gastronomisch verwaist. Es muss ja wirklich nicht immer Mövenpick sein. Aber das Kunsthaus, das eigentlich in die Hände von Topkoch Peter Brunner hätte fallen sollen, ist «Mövenpick minus», wie mein Gegenüber nach einem Blick auf den Teller die Leistung aus der Küche kommentierte. Nur in einem muss Widerspruch angemeldet werden. Wenn er sagte, es sei «Essen, das nicht stört», trifft das nicht zu. Es stört.
Begonnen wurde das Mahl mit einer Anitpasti-Auswahl. Ein Teil des Angebots kam aus Büchsen und anderen Blechschatullen und Plastikbehältern. Zum Menü – acht Hauptgänge stehen zur Auswahl und werden je mit Salat und Suppe serviert – gehören diese Antipasti allerdings nicht. Wird gerne extra bezahlt.
Man blecht so zwischen 19.50 und 33 Franken pro Hauptgang. Auf die Suppe wurde der Temperaturen wegen verzichtet, und beim Salat hat der Koch aufs Öl verzichtet. Der Hauptgang: Maispoulardenbrust mit Trockenreis. Ohne Sauce. Dafür lag die Brust auf warmen Pelati-Tomaten. Das Gegenüber nahm Eisbergsalat mit Kaninchenrückenfilet zu sich. «Essen, das nicht stört.»
Gut, die 550 Weinpositionen, mit genial günstigem Mitnahmepreis, das ist schon ein USP, den man sich gefallen lässt. Aber wenn das Essen mit dem Angebot des Kellers nie und nimmer mithält, wirds schwierig. Kommt hinzu, dass die Servicecrew hoffnungslos überlastet war. Noch während des vom Parlieren unterbrochenen Verzehrs der Antipasti wollte sie schon den Hauptgang bringen. Okay, kann vorkommen, ist kein Drama. Dafür war der Hauptgang lauwarm – na, denn: Ich entschuldige mich hier darum in aller Form bei der Firma Remimag Gastronomie, Betreiberin des Kunsthaus-Restaurants plus diverser Pizzerien in Luzern und Umgebung, dass ich nicht schnell genug vorwärts gemacht habe mit Essen. Und ich versichere ferner, dass ich mich nicht um die im Internet ausgeschriebene freie Stelle eines Chef de Service bewerben werde – 25 Jahre jung bin ich nicht mehr. Dafür um eine Erfahrung reicher. Carlo Bernasconi [email protected]
Restaurant Kunsthaus Heimplatz 1
8001 Zürich
Tel. 01 251 53 53
Fax 01 251 67 67
Keine Parkplätze
Bewertung Essen …………………..2
Getränke ………………4
Bedienung …………….1
Businessfaktor ……..1
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop

Die Furchen im Markengesicht

Praktisches Lehrbuch von Rayan Abdullah und Roger Hübner über Corporate Design

Praktisches Lehrbuch von Rayan Abdullah und Roger Hübner über Corporate DesignDurchdacht, praxisbezogen, mit vielen Tipps für den Alltag und mit einem hilfreichen Stichwortverzeichnis an den Seitenrändern des Buches präsentiert sich der neue Leitfaden «Corporate Design» von Rayan Abdullah und Roger Hübner. Corporate Design (CD) transportiert die Identität eines Unternehmens durch ein strategisch definiertes Erscheinungsbild und ist damit Teil der Corporate Identity (CI). Das neue Handbuch geht auf Fragen von der Sensibilisierung für Nutzen und Bestandteile des CD über die vertragliche Regelung der Zusammenarbeit bis hin zu urheberrechtlichen Aspekten ein. Vervollständigt wird die CD-Bibel mit Checklisten und Preisangaben als Hilfe bei der Zusammenstellung von Budgets. Besprochen wird das Erstellen eines CD-Manuals mit Gestaltungsrichtlinien. Die Problematik dabei sehen die Autoren in einer späteren flexiblen Anwendung, ohne zuvor alle Gegebenheiten kennen zu können. Für künftige Anpassungen sei es zum Beispiel sinnvoll, im Manual festzuhalten, weshalb welche Entscheidungen getroffen worden sind.
Mehr als die Hälfte des Buches besetzt die Analyse konkreter Beispiele aus der Praxis. Darin wird der theoretische Kontext anschaulich erlebbar und gleichzeitig der Beweis für die Power guten Corporate Designs angetreten. Hier finden sich Hintergründe zum Budget ebenso wie gestalterische Überlegungen sowie Hinweise zur Fehlervermeidung. Abgerundet wird der Leitfaden von einem Verzeichnis der wichtigsten Branchenadressen sowie einem Glossar von «ADC» über «Primärfarbe» bis «visuelle Klammer». Eine solche wird im Buch zum Beispiel definiert als eine «gestalterische, wiederkehrende Eigenart, entwickelt aus dem bewussten Einsatz der Basiselemente, die sich als Konzept durch alle Anwendungen beziehungsweise Erzeugnisse zieht».
Abdullah studierte visuelle Kommunikation in Berlin. Er entwickelte Designprojekte, darunter den neuen Bundesadler. Seit 1993 unterrichtet er Typografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Roger Hübner betreute als selbstständiger Grafikdesigner und Art Director in Berlin und Frankfurt diverse Etats. Er hat sich auf Webdesign spezialisiert und ist seit 1998 an der Mediadesign Akademie Berlin als Fachbereichsleiter tätig. Andreas Panzeri
Rayan Abdullah, Roger Hübner: «Corporate Design». 160 Seiten. Verlag Hermann Schmidt, Mainz. ISBN 3-87439-597-9

Glass wird very British

Marcello Schnyder rekrutiert für seine Filmproduktionsfirma Glass neue Talente in London

Marcello Schnyder rekrutiert für seine Filmproduktionsfirma Glass neue Talente in LondonVon Andreas Panzeri Die Zürcher Werbefilmproduktion Glass hat sich neue Strukturen verpasst: Marcello Schnyder will in Zukunft mit einem fixen Stamm von jungen Talenten aus London arbeiten. Exklusive Verträge für die Schweiz hat Glass auch mit den international
gefragten Kameraleuten Steve Downer und Daniel Pearl abgeschlossen.
Seit über zehn Jahren weilt Marcello Schnyder für die Postproduction seiner Werbefilme mindestens drei Monate pro Jahr in London. In dieser Zeit haben sich viele Kontakte zu neuen und jungen Spezialisten aus der Filmbranche ergeben, die Schnyder nun für eine personelle Neuorientierung seiner Zürcher Glass Film nutzen will.
«Bis jetzt haben wir vor allem mit eigenen Leuten gearbeitet. Neu will ich in Zukunft mit ein paar jungen Talenten aus London einen Stamm von freien Regisseuren aufbauen, die wir in der Schweiz vertreten können», erklärt Schnyder.
Erste konkrete Formen angenommen hat die Zürich-London-Connection mit Filmerin Emma und ihrem Team. Emma, als Kind Schweizer Eltern in London geboren, suchte den Kontakt mit Glass für eine Tätigkeit in der Schweiz. Mit ihrer schnellen Filmsprache und eigenwilligen Geschichten, die oft losgelöst von einem realistischen Hintergrund spielen, hat die junge Regisseurin mit ihrer Showreel die Zürcher Produktionsfirma sofort überzeugt. Mit einem Budget von nur 25000 Franken hat Emma in der Folge einen ersten Spot für Adelboden realisiert. Die Story macht mit Unterwasseraufnahmen eines verspielten Paars neugierig. Innerhalb von 15 Sekunden folgt die Auflösung, dass sich dieses Paar in einer Badewannentränke für Kühe tummelt. Im Hintergrund lockt der Ferienort Adelboden mit seiner Alpenwellness.
Die weiteren neuen Leute bei Glass sind Spezialisten, die bis jetzt vorwiegend im Bereich Postproduction in der britischen Metropole gearbeitet haben und nun ihr fundiertes technisches Wissen auch als Regisseure einbringen wollen. «Solche Leute sind für die heutigen Spotproduktionen viel besser geeignet als Filmer, die mehr vom erzählerischen Film herkommen», ist Schnyder überzeugt. Oft würden solche verkappten oder auch erfolgreichen Spielfilmregisseure viel zu viele und falsche Einstellungen drehen, die man in der immer trickreicher werdenden elektronischen Postproduction entweder gar nicht brauchen oder nur mit Mühe verarbeiten könne.
Schnyder bindet Top-Kameraleute an Glass
Als Vertreter einer neuen Regiegeneration im Spotbereich will Glass etwa mit Stephen Hiam arbeiten. «Die langjährige Tätigkeit als Compositor bei Red Post erlaubt Hiam heute, bei seinen Regiearbeiten gezielt für die Postproduction zu drehen», meint Schnyder. Trotzem liege ihm daran, so viel wie möglich in der Kamera zu realisieren, um ein harmonisches Bild zu erlangen, «obwohl heute digital praktisch alles machbar ist».
Ein Mann der Kamera ist Steve Downer. In seiner Mikrowelt sind die meisten seiner Akteure nur wenige Millimeter gross. «Mit speziellen Objektiven setzt er vom Wassertropfen bis zum Insekt alles perfekt in Szene», sagt Schnyder, der sich mit seinen Coop-Spots in einer ähnlichen Mikrowelt bewegt. Downer wird künftig in der Schweiz exklusiv für Glass arbeiten, ebenso Daniel Pearl. Der Starkameramann aus Los Angeles hat 1984 den ersten MTV Cinematography Award mit The Police’s «Every Breath You Take» gewonnen. Seither hat er über 900 Musikvideos und Werbespots gedreht.
Als weitere freie Mitarbeiter neben dem Schweizer Luzius Sprüngli werden an der Badenerstrasse 109 in Zürich Simon Cracknell sowie das Duo Trifecta für frischen Wind im Business sorgen. Hinter Trifecta stecken die Graphic Designer Dan Williams und Glyn Tebbutt, die in London schon verschiedene animierte Musikvideos und TV-Trailers realisiert haben.
Der harte Kern von Glass wird heute nur noch von Cello Schnyder als Regisseur sowie Gabi Benz als Producer gebildet.
Manifesto kommt nach Zürich

Verschiedene Ziele bedingen auch verschiedene Firmen. Bereits per Ende letzten Jahres ist Gründungsmitglied Reto Salimbeni aus der Glass Film ausgetreten. Zusammen mit dem ehemaligen Propaganda- und Tsunami-Produzenten Mark Andrews hat er im April in London die Werbefilmproduktionsfirma Manifesto Films gegründet.
Erste Arbeit war ein Spot mit dem japanischen Starfussballer Nakata für die WM in Japan und Korea. Reto Salimbeni, dessen zweiter Spielfilm «Was ist bloss mit meinen Männern los?» im Mai mit hervorragender Quote auf Pro7 lief, arbeitet zurzeit für den deutschen Produzenten Bernd Eichinger (Constantin) an einem weiteren Spielfilmprojekt. Für den Werbefilmbereich will Salimbeni im Herbst neben seinen Büros in Los Angeles und Vancouver ebenfalls in Zürich eine Niederlassung von Manifesto eröffnen. (pan)

Wo auch der Zürcher Schneemann essen geht

Wirz bittet für das vegetarische Restaurant Hiltl Karnivoren zu Tisch

Wirz bittet für das vegetarische Restaurant Hiltl Karnivoren zu TischWenn Zürichs erste Adresse für vegetarische Kost, das Restaurant Hiltl, bei Wirz Werbung in Zürich eine neue Kampagne bestellt, entsteht daraus meist ungewöhnliche Werbung. Diesmal hat sich die Crew um CD Matthias Freuler einen Kinospot und Plakate einfallen lassen. Die Kampagne umwirbt Konsumenten, die nur gelegentlich die Vorzüge fleischloser Küche geniessen.Das Hiltl, ein Einzelbetrieb mit gleichsam natürlich gewachsenen Umsatzgrenzen, gart seine Werbung in aller Regel auf kleiner Budgetflamme. Wirz kompensiert diesen Nachteil durch das Auftischen werblicher Leckerbissen, an denen sich auch die Jurys des ADC immer wieder ergötzen.
2001 etwa zeichnete er das Motiv einer Fleisch fressenden Pflanze, die eine Karotte verspeist, mit Silber aus. Einen Silberwürfel erhielt 2002 auch ein mit «Saver Food» betiteltes Sujet, das einen Cervelat mit übergestülptem Kondom zeigt.
Das diesjährige Werbemenü des Vegetarierlokals besteht aus je einem Plakat für die Sommer- und die Wintersaison sowie aus einem Spot, der im Openair-Kino am Zürichsee gezeigt wird, wo das Restaurant für das Catering verantwortlich ist. Die Plakatvisuals werden auf weitere Werbemittel wie etwa auf Postkarten adaptiert.
Männer haben meist noch mehr Vorurteile als Frauen
Der aktuelle Auftritt setzt die bisherige Positionierung fort, wonach vegetarische Kost im Hiltl so gut schmeckt, dass sich auch viele Nichtvegetarier gelegentlich ins Lokal verirren. Die Kampagne entwirft keine Wunschvorstellung, sondern nimmt auf
die reale Zusammensetzung der Gäste Bezug. Die wenigsten Gäste, die bei Rolf Hiltl tafeln, sind nämlich eingefleischte Vegetarier. Laut Matthias Freuler liegt der Anteil der «Teilzeitvegetarier» bei 90 Prozent.
Bei den Printmotiven wurde die begonnene Positionierung durch das Motiv einer Stechmücke weitergeführt, die sich vom Saft einer Tomate ernährt, sowie durch das Sujet eines Schneemannes veranschaulicht, der seine eigene (Rüben-)Nase verspeist.
Im Spot unterläuft einem Vegetarieranfänger, der mit seiner Liebsten in einem Vegi-Lokal isst, ein Lapsus. Die Rose, die er von einem Blumenverkäufer erhält, verzehrt er im Glauben, sie sei ein vom Haus offeriertes Amuse bouche.
«Der Film wird vermutlich ein Heuler. Zeigt er doch ein Restaurant Hiltl, das über sich selbst, über Vegetarier und über die Widerstände schmunzeln kann, die Männer vegetarischem Essen immer noch eher entgegenbringen als Frauen», sagt Freuler. Ernst Weber

«Mundpropaganda ist die schönste Art von Werbung»

BOL.de-Geschäftsführer Arndt Roller über die Zukunft des Internet-Buchhandels

BOL.de-Geschäftsführer Arndt Roller über die Zukunft des Internet-BuchhandelsVon Carlo Bernasconi Der 33-jährige Diplomkaufmann Arndt Roller hat den Markenaufbau und die Umstrukturierungen des Buch- und Musikhändlers BOL von Anfang begleitet. Seit dem 1. Januar 2002 ist er in München alleine zuständig für die Geschäfte der deutschen und schweizerischen Site von BOL, einem E-Commerce-Untenehmen der Bertelsmann-Gruppe.
Was für eine Situation haben Sie am ersten Tag des neuen Jahres bei BOL vorgefunden?
Arndt Roller: Ich habe ein Geschäft vorgefunden, das sich in einer steilen Wachstumsphase befand und sich noch immer befindet. Aber ein Wachstumsgeschäft mit gleichzeitig einem klaren Kostenproblem. Mein Anspruch ist es, das Wachstum weiter zu fördern und die betriebswirtschaftliche Seite vermehrt in den Vordergrund zu stellen, ohne dass der Kunde dies merkt.
Wo sind Ihnen die Kosten davongelaufen?
Roller: Die Kosten sind uns nicht davongelaufen. Bei uns waren und sind es die Aufwendungen für Backend und Struktur, die normal hohe Kosten verursacht haben. Wenn sie wachsen, bezahlen Sie eine Vorleistung, um in Zukunft davon leben zu können. Jetzt geht es darum herauszufinden, wo wir unsere Margen und unsere Deckungsbeiträge verbessern können, und wie wir unsere Overheadkosten in den Griff bekommen. Dann haben wir ein profitables Geschäft. Das ist der Anspruch an mich.
BOL hat in der Schweiz sehr viel Geld in die Marketingkommunikation gesteckt und diese nun runtergefahren. Hat man den gewünschten Traffic schon erreicht?
Roller: BOL war keine Marke, als wir angefangen haben. Und der Anspruch war, innerhalb kürzester Zeit in einem schnell wachsenden Markt Bekanntheit zu schaffen. Daher die ganz klaren Schlussfolgerungen: Wir werben offline, in TV-Werbung und Radiospots. Das kann man nicht über Jahre in der gleichen Intensität machen, sondern es gibt einen klaren Zeitrahmen, nach dem man sich zurücknimmt. Das tun wir jetzt.
Wie stärken Sie die Marke weiter?
Roller: Wir haben innert kürzester Zeit einen grossen Kundenstamm in der Schweiz und eine gute Markenbekanntheit aufgebaut. Das Ziel für uns heisst jetzt, Neukunden zu gewinnen und die Marketinginvestitionen, weniger sichtbar, auf unsere bestehenden Kunden zu fokussieren, und das bedeutet für uns eine stärkere Onlinepräsenz. Sie sehen uns auf Blue win.ch, auf Blick.ch. Wir sehen uns nicht mehr im Fernsehen, aber ab und zu im Printbereich. Es ist nicht so, dass wir komplett darauf verzichten. Was wir nicht mehr machen werden, ist eine dauerhafte TV-Präsenz, weil wir uns die nicht mehr leisten können und wollen.
Wie viel kostet Sie ein Neukunde?
Roller: Diese Informationen machen wir nicht öffentlich. Wir sind der Meinung, dass wir sehr effizient sind im Neukundengeschäft.
Wie erreichen Sie Neukunden?
Roller: Sehr stark über Onlinewerbung. Im Onlinemarketingmix haben wir die ganze Bandbreite. Wir arbeiten sehr stark mit dem Affiliate-Programm. Was wir nicht unterschätzen dürfen, und das ist mir sehr wichtig, ist Mitgliederwerbung durch Mitglieder. Wir haben eine Menge Mundpropaganda, und das ist die schönste Art von Werbung, weil Sie dafür kein Geld in die Hand nehmen müssen. Wenn Sie ein gutes Produkt haben, werden die zufriedenen Kunden darüber reden.
Woran erkennen Sie, ob Ihr Produkt gut ist?
Roller: Es gibt viele Instrumente, mit denen Sie die Qualität
ihres Produktes messen können. Für mich das überzeugendste ist die Wiederholungsrate. Wie oft kommt einer, der bei Ihnen bestellt hat, wieder zurück? Damit bin ich zufrieden. Aber es könnte noch besser sein. Also: kostengünstig Neukunden gewinnen und dann regelmässig dafür sorgen, ohne viel Geld auszugeben, dass die Kunden wiederkommen und zufrieden sind.
BOL wird in den Schweizer Internetpanels immer an dritter, vierter Stelle aufgeführt. Sind Sie mit dieser Situation zufrieden?
Roller: Wir wollen unsere Kunden so zufrieden wie möglich machen, um daraus betriebswirtschaftlichen Erfolg abzuleiten. Das Ziel ist also nicht, unbedingt die Nummer eins im Schweizer E-Commerce zu werden. Ich kann natürlich auch die Marktführerschaft anstreben, nur glaube ich, dass dies betriebswirtschaftlich nicht rentabel wäre. Wir würden sehr viel Geld ins Marketing stecken, das sich dann nicht rentiert.
Wie hoch ist der Anteil des Buchumsatzes am Gesamtumsatz?
Roller: Der liegt bei einem Wert von zwischen 66 und 75 Prozent.
Wie wichtig ist der länderspezifische Content für den Umsatz?
Roller: Wir machen circa zehn Prozent unseres Umsatzes in der Schweiz mit reinen Schweizer Titeln. Daraus kann man nicht schliessen, dass die Bedeutung sich auf ein Zehntel reduziert. Unsere Schweizer Kunden legen Wert darauf, Schweizer Produkte auf der Homepage zu haben. Dass wir die Betreuung der Schweizer Homepage nach München verlegt haben, hat mit betriebswirtschaftlichen Gründen zu tun, die den Schweizer Kunden nicht interessieren. Hier geht es um die Verwaltung von Datenbanken und Fragen von logistischer Software. Da müssen wir das Rad nicht zweimal erfinden.
Zurück zur Frage nach den BOL-Kunden aus der Schweiz. Gibt es ein Stadt-Land-Gefälle?
Roller: Das sind Informationen, die kann ich Ihnen nicht geben. Denn ich möchte nicht reden über die Zusammensetzung unserer Kundenstruktur – aus offensichtlichen Wettbewerbsgründen.
Welche Wachstumsraten sind nach dem Zusammenbruch des Internethypes im E-Commerce noch erreichbar?
Roller: Da kann ich eindeutig sagen, dass BOL noch nie Nullwachstum erlebt hat. Wir sind letztes Jahr in der Schweiz deutlich zweistellig gewachsen. Der Schweizer Buchhandel genauso wie der deutsche stagniert derzeit. Aber davon ist der E-Commerce-Bereich ausgenommen. Unsere Zielvorstellung für die Schweiz ist dieses Jahr ein zweistelliges Wachstum.
BOL bleibt weiterhin ein reines Onlinebusiness und wird nie in eine Click-&-Mortar-Unternehmung umgewandelt? Sie könnten sich ja beispielsweise bei Coop einmieten…
Roller: (lacht) Ich halte es mit James Bond und sage niemals nie. Aber: Wir werden uns auf absehbare Zeit auf das konzentrieren, was wir am besten können: Onlineversandhandel. Wir werden nicht unsere Ressourcen in ein Geschäft bringen, von dem wir noch wenig verstehen.

Viva-Swizz erhöht die Lautstärke

Die neue Geschäftsleiterin Asta Baumöller soll den Musiksender aufrüsten

Die neue Geschäftsleiterin Asta Baumöller soll den Musiksender aufrüstenVon Daniel Schifferle Mit dem geplanten Kauf der Aktienmehrheit von Viva-Swizz soll der Musiksender mehr Tempo und einen homogeneren Look erhalten. Zu diesem Zweck hat die Design-Spezialistin Asta Baumöller das Ruder beim Schweizer Sender übernommen.
Erst Ende Juni hatte Viva die Übernahme der Aktienmehrheit von Viva-Swizz kommuniziert – mit dem Vorbehalt, dass auch die Konzessionierungsbehörde dem Deal zustimmt. Bereits am 1. Juli hat Asta Baumöller als neue starke Frau bei Viva-Swizz das Ruder übernommen. Die Pläne der 35-jährigen TV-Allrounderin sind ehrgeizig: «Wir werden jetzt nochmals richtig Gas geben. Denn es geht nun darum, aus einem guten Sender einen noch etwas besseren, professionelleren Sender zu machen.» Viva-Swizz habe sich zwar gut etabliert. Man sei jetzt aber an einem Punkt angekommen, an dem «ein nächster Level» erklommen werden müsse. «Wir wollen noch mehr Kreativität in den Laden bringen und eine genauere Positionierung der Marke erreichen», präzisiert Baumöller.
In den vergangenen sieben Jahren hat die diplomierte Design-Spezialistin bei Viva im In- und Ausland praktisch alle Tätigkeiten ausgeübt, die es bei einem Musiksender zu besetzen gibt. Sie verfügt über Erfahrungen in kaufmännischen und künstlerischen Bereichen der Programmentwicklung, in der Popmusik und in der Markenführung. Von 1996 bis 2000 leitete sie als Creative Director das optische Erscheinungsbild der Viva-Sender in Europa und gewann damit viele internationale Design-Preise.
«Beim Design werden wir einen homogeneren Auftritt realisieren, und wir werden mehr Tempo in die ganze Geschichte hineinbringen», sagt Baumöller. Stärken will sie aber vor allem auch das bisherige Erfolgsrezept von Viva-Swizz – ein möglichst hoher Anteil schweizerischer Interpreten. Ausbaumöglichkeiten sieht sie vor allem im Bereich Hip Hop. «Um den Anteil nationaler Clips zu erhöhen, werden wir intensiv mit der Schweizer Musikindustrie zusammenarbeiten», kündigt sie an.
Ist die neue Viva-Swizz-Chefin auch mit Blick auf das geplante Programmfenster von MTV (WW 26/02) in die Schweiz gekommen? Baumöller sieht dem gelassen entgegen. «Wir halten von Programmfenstern ohne lokale Anwesenheit nicht viel. Ohne Präsenz im Sendegebiet bekommt man die relevanten Strömungen nicht richtig mit.» Zudem verweist sie auf die abgeschlagene Position von MTV, das nur rund die Hälfte des Marktanteils von Viva-Swizz erreicht.
Trotz dieser Situation ist sie aber im Moment froh, dass Su-zanne Speich, Mitgründerin von Viva-Swizz, noch für ein Jahr lang als Delegierte des VR zugesagt hat. «Frau Speich verfügt über viele wertvolle Kontakte, auf die wir noch nicht verzichten möchten.»

Ausserdem: Anfang Juli hat Christian Sager die Nachfolge von Manuel Schaub bei der Mediabox Print GmbH übernommen. Sager war zuvor Medialeiter bei Universal McCann.

Ausserdem Anfang Juli hat Christian Sager die Nachfolge von Manuel Schaub bei der Mediabox Print GmbH übernommen. Sager war zuvor Medialeiter bei Universal McCann. Anfang August übernimmt André Michel von Hans Fischer die Geschäftslei

Ausserdem Anfang Juli hat Christian Sager die Nachfolge von Manuel Schaub bei der Mediabox Print GmbH übernommen. Sager war zuvor Medialeiter bei Universal McCann.
Anfang August übernimmt André Michel von Hans Fischer die Geschäftsleitung der Ringier-Finanzplattform Borsalino.ch.

Seit Anfang Juli ist Dave Jäger Werbeleiter der Europay (Switzerland) SA. Er ist für die Kommunikation der Brands MasterCard/Eurocard, EC/Maestro und Cash verantwortlich.
Der Zürcher Werbeclub hat an seiner Generalversammlung (GV) nach dem Rücktritt von Iris Hildebrand seinen Vorstand vervollständigt. Neu nimmt Michel Bronner, Inhaber der MB Veranstaltungsagentur, als Kassier und Verantwortlicher für die Geschäftsstelle Einsitz. Alle übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Die Geschäftsstelle wird neu von Valentina Kastrati betreut. Sie übernimmt die Funktion von Christiane Caviezel, welche auf die GV hin ebenfalls demissioniert hat.
Die Stellvertretung von Filippo Leutenegger als CEO der Jean Frey AG übernimmt Beobachter-Verlagsleiter Peter Kümmerli.
Die PR-Agentur Stöhlker hat einen neuen Mitinhaber: Senior Consultant Stephan Oehen erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an der Klaus J. Stöhlker AG. Er wird zum Partner ernannt und übernimmt die Funktionen eines COO und Vizedirektors.
Bei der Bieler Werbeagentur Leuenberger ist ab Juli Marketingplanerin Manuela Schwab als Sales Manager für die Akquisition von Neukunden tätig.
Als Managing Director übernimmt Karin Müller die interne Geschäftsführung der Zürcher Szenemarketingagentur Mosaik Marketing + People AG. Inhaber Marc Schürmann bleibt CEO und vertritt die Agentur nach aussen.
AD Pascal C. Baumann wechselt nach zwei Jahren bei Think Software per 2. August zu AY&R. Lukas Zihlmann ist neuer Geschäftsleiter der Werbeaufwandforschungsfirma Media Focus. Er hat das Amt, das seit dem Abgang von Hans-Jürg Gränicher Ende April verwaist war, Anfang Juli übernommen.
Das Crossmedia-Unternehmen Goldbach Media erhält einen neuen Verwaltungsratspräsidenten. Rosmarie Michel übergibt das Amt an Peter A. C. Blum, bleibt aber VR-Mitglied. Neu im VR sitzt zudem Joachim Schoss, CEO der Beisheim Holding Schweiz AG.

Etat-News: DDB Zürich gewinnt Canon

Der Technologiekonzern Canon (Schweiz) betraut DDB Zürich mit der kommunikativen Betreuung seines Bürogerätebereichs.

Der Technologiekonzern Canon (Schweiz) betraut DDB Zürich mit der kommunikativen Betreuung seines Bürogerätebereichs.Etat-News DDB Zürich gewinnt Canon DDB setzte sich in einer Konkurrenzpräsentation durch. Neben einer Markenkampagne, die eine Neupositionierung des gesamten Businessbereichs zum Ziel hat, sind auch flankierende Massnahmen und Aktivitäten Below-the-line geplant.
FKP betreut Ferrum Rupperswil Die auf Corporate Communication fokussierte Agentur FKP Identity hat das Werbebudget der Ferrum AG Rupperswil AG gewonnen. Der Industriebetrieb ist in der Giesserei-, Konserven-, Wasch- und Zentrifugentechnik tätig. FKP Identity überarbeitet das Corporate Design von Ferrum und stellt die Gesamtkommunikation auf eine neue Basis. Die Agentur aus Dietikon setzte sich in einem Pitch gegen Dachcom durch.
Swiss lässt vier Agenturen Pitchen Die Fluglinie Swiss Air Lines hat die zweite Phase ihrer Agenturevaluation für den Bereich Marketingkommunikation eingeläutet. Vier Agenturen sollen nun eine langfristig gültige Kreativstrategie für die Swiss-Werbung präsentieren. In der zweiten Runde dabei sind Euro RSCG, Jung von Matt/Limmat, Weber Hodel Schmid und Wirz Werbung. Ausgeschieden sind Lowe, Publicis, Lesch+Frei und die frühere Swissair-Agentur Advico Young & Rubicam.

Edi ebnet Wege zum Ruhm

Call for Entries für den Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis

Call for Entries für den Schweizer Auftrags- und WerbefilmpreisDas Rennen ist wieder offen: Bis zum 28. August können Werbeagenturen und Schweizer Filmproduktionen ihre Auftragsfilme, TV-Spots oder Multimediaproduktionen für den Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis Edi einreichen.Ehre, wem Ehre gebührt. Was sich im Markt durchsetzt, soll auch im Rampenlicht der öffentlichen Anerkennung stehen – meint der Verband Swiss Film and Video Producers zum Motto von Edi. Der Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis wird einmal pro Jahr vom Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) als Anerkennung für die hohe filmische Qualität der vorgelegten Arbeiten vergeben. Zugelassen sind Auftragsproduktionen und -präsentationen, bei denen die audiovisuelle Gestaltung einen wesentlichen Bestandteil bildet und die im Sinne der Verordnung zum Bundesgesetz über das Filmwesen als Schweizer Produktion gelten.
Zugelassen sind Produktionen aus den letzten zwölf Monaten. Die Jury ist bestimmt, muss aber vom EDI noch bestätigt werden und wird erst nach der Sommerpause namentlich bekannt gegeben. Andreas Panzeri
Einsendeschluss für den Wettbewerb ist der 28. August 2002. Die Produktionen sind versehen mit dem vollständig ausgefüllten Anmeldeformular (www .edinet.ch) zu senden an: SFVP Swiss Film and Video Producers, Theaterstrasse 4, 8008 Zürich. Mehr Infos zu Edi, dem Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis, sind ab 12. Juli auch unter www.edinet.ch oder www.filmproducers .ch zu finden.

Surft nicht in der Antarktis rum

TSR unterrichtet die Lehrer über die Kompetenzen des privaten Lehrmittelverlags Klett und Balmer

TSR unterrichtet die Lehrer über die Kompetenzen des privaten Lehrmittelverlags Klett und BalmerVon Ernst WeberDer Lehrmittelmarkt für die Unterstufen gerät in Bewegung. Private Anbieter versuchen, staatlichen Verlagen das Heft aus der Hand zu nehmen. Der Zuger Verlag Klett und Balmer sucht mit einem vom TSR-Kampagnenbüro, Zürich, konzipierten Auftritt Verbündete unter Lehrern.
Nach einer Einschätzung des Direktors des Lehrmittelverlages des Kantons Zürich, Peter Feller, weist der Schweizer Lehrmittelmarkt in der Unterstufe des Volksschulbereichs ein Volumen von gut 100 Millionen Franken auf. Es ist allerdings ein von staatlichen Lehrmittelverlagen dominierter Markt. Die zu interkantonalen Interessengemeinschaften, wie etwa der Interkantonalen Lehrmittelzentrale (ILZ), zusammengeschlossenen Staatsverlage erschweren privaten Anbietern das Geschäft. Nur wenige nichtstaatliche Verlage erreichen deshalb einen nennenswerten Marktanteil. So der 1967 vom Stuttgarter Verleger Ernst Klett und vom Zuger Buchhändler Rudolf Balmer gegründete Lehrmittelverlag Klett und Balmer (KB), der mit selbst entwickelten Volksschulwerken nach eigenen Angaben einen Umsatz von 11 Millionen Franken erzielt.
Kurt Scheuermeier, Marketingleiter bei KB, gibt der gegenwärtigen Marktkonstellation miserable Noten. Wenn er von Planwirtschaft spricht, lässt er allerdings die historisch bedingten Verflechtungen unerwähnt: 1891 gab der damalige Erziehungsdirektor des Kantons Zürich, Alfred Escher, dem Druck der Lehrerschaft nach, die kantonal festgelegte Lehrmittel forderte. Ihre Hauptargumente waren die Chancengleichheit der Schüler bei Übertritten und Wohnortswechseln, die Mitsprache bei der Entwicklung und Evaluation der Lehrmittel sowie die höhere Wirtschaftlichkeit einer kantonalen Auflage.
Mit einer Schulbuchkampagne gute Zensuren sammeln
«Jeder Kanton ist souverän zu sagen, ob er ein Lehrmittel zulassen respektive für obligatorisch erklären will. Mag ein Antrag von privater oder staatlicher Seite gestellt werden, die Entscheidung, ihm stattzugeben, liegt immer bei der Lehrmittelkommission», wehrt sich Peter Feller gegen die Vorwürfe aus dem Lager der Privatverlage. Staatliche Verlage böten auch private Lehrmittel an. Der LVZ etwa beziehe jährlich für rund eine Viertelmillion Franken Lehrmittel von KB, so Feller.
Martin Stauffer von der schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) stellt in einzelnen Kantonen gar eine Tendenz zur Privatisierung oder Teilprivatisierung der Lehrmittelverlage fest. Im Sinne der Methodenfreiheit würden ausserdem immer weniger Lehrmittel für obligatorisch erklärt.
Diese Marktphase nutzt KB, um mit einer Kampagne gute Zensuren für die eigenen Bücher zu sammeln. Der im Schulbuchstil illustrierte Auftritt weist auf Fächer hin, in denen der Privatverlag seine Stärken ausspielt. Aufgelöst werden die Inseratmotive durch eine entsprechende Kampagnenheadline. Beim Geografiesujet etwa, das einen Surfer in der Antarktis zeigt, heisst der Titel: «Eines Tages werden Ihre Schüler froh sein, mit Klett Geografie gelernt zu haben.»
«Die Kampagne soll aufzeigen, was wäre, wenn KB nicht im Volksschulmarkt vertreten wäre», erklärt TSR-Berater Wolfgang Bollak die Umsetzung.
AD–Rating

Klett-und-Balmer-Kampagne
Die Ad-Raters haben sich wegen Postfinance die Finger blau geklickt. Au Backe! Jetzt mal was ganz anderes: Werbung für Schulbücher. Logo, kann man auch bewerten, auf www. werbewoche.ch/adrating
Postfinance-Kampagne
Top: 28,98%
Flop: 71,02%
Lob und Tadel der Ad-Raters zusammengefasst auf www.werbewoche .ch/adrating/comments

Elektrisierende Momente

LGK lädt das Image der Marke 1to1 energy weiter mit Emotionen auf

LGK lädt das Image der Marke 1to1 energy weiter mit Emotionen aufVon Simone Keller Vor einem Jahr machte Lang Gysi Knoll (LGK) mit einer «Dialog»-Kampagne die Konsumenten des Mittellandes mit der Strommarke 1to1 energy bekannt. Im Vorfeld der Abstimmung über eine Liberalisierung des Strommarktes soll der aktuelle Auftritt – ebenfalls von LGK – Awareness und Akzeptanz der Marke weiter steigern.
Wenn das Schweizer Stimmvolk am 22. September Ja zum Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) sagt, steht der Liberalisierung des Strommarktes nichts mehr im Wege. Ein positiver Entscheid ermöglicht den Konsumenten die Wahlfreiheit bezüglich Produktionsart und Herkunft des Stroms.
Im Hinblick auf einen freien Wettbewerb im Strommarkt haben die Bernischen Kraftwerke AG (BKW) gemeinsam mit 40 Elektrizitätswerken im Mittelland vor einem Jahr die Angebotsmarke 1to1 energy ins Leben gerufen. Ziel der Vertriebskooperation ist die gemeinsame Entwicklung neuer Stromprodukte sowie die Optimierung der Service- und Angebotsqualität. Um die Markenwerte – Kundennähe, Offenheit, Dialogorientiertheit und Emotionalität – bereits vor der Öffnung des Strommarktes zu kommunizieren und das Label weiter zu verankern, setzen die Verantwortlichen erneut auf einen Werbeauftritt der Berner Agentur LGK.
Deren Einführungskampagne erreichte gemäss CD Simone Quast nach acht Monaten rund 50 Prozent der Bekanntheit – nicht zuletzt weil Aussprache und Schreibweise zu Diskussionen und Unklarheiten geführt hätten. Die aktuelle Kampagne erinnert in der Emotionalität der Visuals zwar an ihre Vorgängerin, verfolgt aber eine andere Strategie: «Wir sind von der reinen Fragestellung einen Schritt weitergegangen, zu einer sehr simplen Klammer», kommentiert die CD den neuen Duktus.
Diese Klammer besteht aus dem ebenso simplen wie pointierten Claim: «Strom ist. 1to1 energy.» Auf dieser Basis wurden neben diversen Printsujets drei TV- und Kinospots entwickelt, die Alltagssituationen dramatisieren, in denen Strom fliesst: Ein kleiner Agassi schlägt sich wacker im Match gegen die Ballmaschine, der Getränkeautomat im Büro spuckt nichts aus, weil er nicht am Stromkreis angeschlossen ist, und ein altes Ehepaar amüsiert sich des Nachts in einem Vergnügungspark. «Wir wollen die Marke dahingehend positionieren, dass sie zuerst einmal über ein Lächeln hereinkommt», verrät Quast und fügt hinzu: «Es war wichtig, die gleiche Augenhöhe beizubehalten, denn 1to1 energy kommuniziert von Mensch zu Mensch.» Zudem habe sich abgezeichnet, dass die Konsumenten jetzt eine Art Erklärung haben wollten, was diese Marke eigentlich sei.

«Fantastische Möglichkeiten»

Nach 80 Tagen im Amt präsentiert der neue Tamedia-CEO Martin Kall seine Unternehmensstrategie

Nach 80 Tagen im Amt präsentiert der neue Tamedia-CEO Martin Kall seine UnternehmensstrategieVon Daniel Schifferle Mit der Bekanntgabe der neuen Unternehmensstruktur zeichnet Martin Kall das Szenario einer offensiven Tamedia. Eine langatmige Akquisitions- und Kooperationspolitik im Print- und Radiobereich ist angesagt. Beim Kader gibt es Gewinner und Verlierer.
Martin Kall, bereits seit 80 Tagen als CEO bei Tamedia, hat seine eigene Vision bekannt gegeben. Die neue Strategie zieht einen Schlussstrich unter eine schwierige Zeit. Nach dem Debakel mit TV 3 und Winner ist allerdings bereits ein nächster Galopp angesagt. Dieses Mal mit Print und Radio. Kall kündigt eine langatmige Einkaufs- und Koopera-tionspolitik an – als Grundrezept in einem dicht besetzten Medienmarkt. «Wir müssen unternehmerischer und mittelständischer werden», beschreibt Kall seine neue Vorwärtsstrategie.
Schlagkräftiger und übersichtlicher will er Tamedia organisieren. Vollzogen wird dies mit der Fokussierung auf die drei Bereiche Zeitungen, Zeitschriften und elektronische Medien. Auf den Führungsposten nehmen alteingesessene Tamedia-Kaderleute Platz. Ein Zeichen dafür, dass die Zeit für Experimente vorderhand vorbei sein dürfte.
Jürg Brauchli, stellvertretender Vorsitzender der Unternehmensleitung, führt den Bereich Zeitungen. Alexander Theobald steht dem Bereich Zeitschriften vor. Seine Aufgabe werde es sein, die Stellung von Tamedia als bisherige Nummer zwei im Schweizer Zeitschriftenmarkt auszubauen. Eine unerwartete Lösung ergibt sich im Bereich elektronische Medien. Dieser wird von Andreas Meili, dem bisherigen Chef des Rechtsdienstes, geleitet. Meili war in den vergangenen Monaten für die erfolgreiche Akquisition von Radio Basilisk verantwortlich.
Die Wahl einer Person, die bisher weder einen Verlag noch eine Redaktion geleitet hat, ist auch Ausdruck dafür, wohin es im Bereich elektronische Medien gehen wird. Beim Radio sind weitere Kooperationen und Akquisitionen angesagt, und dafür ist ein Jurist die richtige Person. «Unser Ziel ist, mit Radio in der Deutschschweiz eine Senderfamilie aufzubauen», sagt Kall.
Nicht auf den Chefposten elektronische Medien geschafft hat es Belcom-Chef Christian Stärkle. Von Rücktrittsgerüchten in diesem Zusammenhang nimmt Stärkle aber klar Abstand. «Natürlich macht man sich bei jedem Strukturwechsel auch Gedanken, aber ich habe mich nicht wirklich mit Rücktrittsideen beschäftigt», sagt Stärkle gegenüber der WerbeWoche. Und er ergänzt: «Bezüglich meiner Aufgaben ändert sich nichts.»
Eine Offensive ist auch bei Printmedien angesagt
Kall kündigt eine klar auf Print fokussierte Strategie an, wobei er die Sorge angesichts der aktuellen Position nicht verschweigt. «Der Abstand der anderen Regionalzeitungen zum Tages-Anzeiger hat sich in den vergangenen Jahren verkleinert», sagt Kall. Für seinen offensiven Kurs – insbesondere auch gegenüber 20 Minuten – werde er sich alle Optionen offen halten. Sowohl Akquisitionen als auch Kooperationen sind denkbar. «Es geht um intelligente Konzepte und um intelligente Kooperationen», sagt Kall und nennt als gutes Beispiel das Modell der Mittelland Zeitung.
Den Fokus setzt er mittelfristig in der Schweiz. «In den nächsten fünf Jahren gibt es im Schweizer Medienmarkt fantastische Möglichkeiten und einmalige Chancen», sagt er. Dem Ausland werde man sich eventuell später zuwenden. Für seine selbstbewusste Expansionsstrategie gibt sich Kall einen Horizont von fünf bis zehn Jahren. «Wir müssen uns mit Geduld heranarbeiten, das braucht sehr viel Zeit.»
Die neue Struktur fordert auch ihre Opfer. Neben dem ausscheidenden René Gehrig, bisher Leiter Verlagsmarketing, müssen sich auch zahlreiche weitere Mitarbeitende mit Änderungen ihrer Positionen und Aufgaben abfinden. Hans Jürg Klöti, seit sechs Jahren verantwortlich für den Anzeigenbereich der ganzen Gruppe, verliert seine bisherige Aufgabe. Neu ist er nur noch Leiter des Anzeigenmarkts Zeitungen sowie für Key-Account-Funktionen zuständig. Als Zurückstufung habe er den Wechsel nicht empfunden, sagt er. Klöti: «Meine bisherige Funktion braucht es nicht mehr. Damit kann ich gut leben.»
Laut Peter Hartmeier seien alle von Abstufungen und Versetzungen betroffenen Personen informiert worden. Auch sei ihnen einige Tage Bedenkfrist eingeräumt worden. «Es gab keine Probleme, alle haben ihre neue Situation akzeptiert», sagt der
Tamedia-Sprecher. Das Resultat habe ihn in dieser Eindeutigkeit selber überrascht.
Zu den Verlierern gehört auch Philipp Löpfe, Chefredaktor des Tages-Anzeigers, der nicht mehr in der Unternehmensleitung einsitzt. In der neuen Struktur könnten sich Chefredaktoren und Programmleiter voll auf ihre journalistischen Aufgaben konzentrieren, lautet die Begründung.
Als neues Organ wird im August die so genannte Publizistische Konferenz (PK) konstituiert. Den Vorsitz hat Hans Heinrich Coninx inne, Stellvertreter ist Martin Kall. Mitglieder werden alle Chefredaktoren, Programmleiter, der Online-Leiter und der Leiter Unternehmenskommunikation sein. Die PK diskutiert die publizistische Ausrichtung der Titel, reflektiert Inhalte und berät die publizistische Führung in journalistischen Fragen. «Wir werden aber keinen Chefpublizisten unter Leitung des Verlegers installieren, interne publizistische Pluralität ist weiterhin unser Ziel», präzisiert Kall.
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