Modeblatt für Managerinnen

Bei Annabelle Business haben Männer zwar wenig zu suchen, üben aber trotzdem ihren Einfluss aus

Bei Annabelle Business haben Männer zwar wenig zu suchen, üben aber trotzdem ihren Einfluss ausVon Markus Knöpfli Mit Annabelle Business hat Tamedia trotz schlechter Konjunkturdaten ein Businessmagazin gewagt – und gewonnen: Unter den 216 Seiten finden sich rund 60 Inserateseiten sowie einige Beilagen.
Inhaltlich will das neue Heft «eine Plattform für Frauen sein, die ihren Weg machen», schreibt Chefredaktorin Christa Löpfe-Feldmann. Das ist denn auch zu finden: Porträts von Frauen, die in mehr oder weniger speziellen Betrieben die Karriereleiter erklommen oder auch selbstständig Erfolg hatten und jetzt etwas zu sagen haben. Carol Franklin, die ehemalige Geschäftsführerin des WWF Schweiz etwa, oder Polens Notenbankchefin Hanna Gronkiewicz-Waltz. Männer aber bleiben draussen. Einzig ein «Quotenmann», diesmal André Dosé, darf am Ende des Heftes auf einer Seite Fragen beantworten.
Die porträtierten Frauen dienen erklärtermassen als Vorbild, Mutmacherinnen, Ratgeberinnen. Doch damit gerät die Annabelle-Business-Redaktion samt den beschriebenen Frauen in eine klischeehafte Rolle, in der sie sich wohl kaum sehen wollten: die der (Ersatz-)Mutter. Im Inhalt wird dies gleich mehrfach zementiert: Die Frauen werden durchs Band wohlwollend porträtiert, es gibt kaum kritische Fragen, weder zur beruflichen Tätigkeit noch zum Lebenskonzept. Ein breiter Teil des Heftes drängt die Ratschläge beinahe auf: Annabelle Business «sagt, worauf Sie achten sollen», gibt Tipps, rät, zeigt, hilft, testet.
Aber wollen (angehende) Businessfrauen wirklich auf sieben Seiten erfahren, wie sich MTV-Chefin Catherine Mühlemann bei welcher Gelegenheit kleidet? Benötigen sie 10 Seiten Kauftipps – vom angenehmen Tanga bis zum praktischen Koffer? Brauchen sie tatsächlich 24 Seiten Businesslook? Immer hochpreisig natürlich, wie es sich für Managerinnen gehört. Oder ist dies alles bloss ein Dienst für die Inserenten?
Löpfe hat wohl Recht, wenn sie schreibt, Annabelle Business sei kein «Emanzenblatt». Es stimmt auch, dass «Männer in ihr nicht stattfinden». Trotzdem ist deren Einfluss unverkennbar. Schönheit, Eleganz und Erotik – jene Attribute also, auf die Männer auch Frauen in Chefetagen oft gerne reduzieren – dringen häufig durch. Und wo dies im redaktionellen Teil nicht der Fall ist, kommt die männliche Sichtweise im Inseratenteil zum Zug: Knapp 20 Kosmetik-, 10 Schmuck-, 10 Wellness- und Mode-Inserate stehen 8 Anzeigen im Bereich Banken/Versicherungen, 3 für Autos, je 2 für Spirituosen und Bildung, einem für Immobilien und keinem für Reisen gegenüber – kaum Zufall.
Haben die Werbeauftraggeber Annabelle Business mit der Annabelle verwechselt? Oder hat der Anzeigenleiter – notabene ein Mann! – bloss nach allzu männlicher Sichtweise Inseratekunden angebaggert? Karrierefrauen dürften sich – einmal mehr – nicht ernst genommen fühlen.

«Die Kommerziellen kommen wieder»

APG-Direktor Othmar Casutt und das BAK bitten Plakatgestalter zum Wettstreit

APG-Direktor Othmar Casutt und das BAK bitten Plakatgestalter zum WettstreitVon Luca Aloisi Nach zwei Jahren Pause soll das «Plakat des Jahres» wieder auferstehen. Mit einer Öffnung Richtung Ausland, der Einbindung der Branchenverbände und weiteren Neuerungen wollen das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) und die APG den Gestalterwettbewerb wachküssen. Projektleiter Othmar Casutt über die Gründe für die Wiederbelebung.
Sie posieren vor einem Aufschwung-Plakat, Herr Casutt, an dessen Entstehung die APG als Komiteemitglied wesentlich beteiligt ist. Jetzt will die APG als Sponsorin auch dem Wettbewerb «Plakat des Jahres» zu neuer Blüte verhelfen. Was wird vorher florieren: Ihr Wettbewerb oder die Wirtschaft?
Othmar Casutt: Ganz klar unser Wettbewerb.
Weshalb sind Sie so optimistisch?
Casutt: Weil die Voraussetzungen für den Wettbewerb momentan besser sind und wir diesen besser beeinflussen können. Die Wirtschaft hängt von verschiedenen externen Einflüssen ab.
Mussten Sie beim EDI und dem Bundesamt für Kultur (BAK) viel Überzeugungsarbeit leisten, um den Wettbewerb zu reanimieren?
Casutt: Nein, überhaupt nicht. Die Zusammenarbeit war hervorragend. Die Initiative, den Wettbewerb neu zu gestalten, ging viel mehr vom BAK selber aus.
Was versprechen Sie sich vom neuen Wettbewerb?
Casutt: Im Schweizer Werbemarkt hat das Plakat im Vergleich zu Europa noch eine wesentlich höhere Bedeutung (2001 laut Media Focus ein Marktanteil von 10,8% Anm. d. Red.). Zudem ist das Plakatschaffen in der Schweiz immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Als Marktleader haben wir auch die Aufgabe, etwas für das Medium Aussenwerbung zu tun.
Mit welchen Neuerungen wollen Sie mehr Teilnehmer anlocken?
Casutt: Der wichtigste Punkt betrifft die neue Gewichtung der kommerziellen Plakate. Schliesslich ist der bisherige Wettbewerb daran «gestorben», dass die Werber nicht mehr mitgemacht haben. Mit dem neuen Reglement erhalten die Werbeplakate nebst den Kategorien Kultur und Service public gleich zwei eigene Kategorien – Einzelsujets und Serien. Das macht die Teilnahme für die Werber viel attraktiver. Zum Zweiten stehen jetzt neu auch die massgebenden Verbände wie BSW, ASW und ADC hinter dem Wettbewerb. Drittens präsentiert sich die neue Zusammensetzung der Jury – mit Medienfachleuten, Textern, Fotografen und anderen – doch völlig anders.
Sie glauben, mit dem Einbezug zusätzlicher Branchenverbände und Juroren die Teilnehmerzahl wieder zu steigern. Ähnlich zweckoptimistische Aktionen wie die Aufschwung-Plakate zeigen doch deutlich, dass sich das Verhalten der Angesprochenen nicht so einfach erzwingen lässt.
Casutt: Ich bin überzeugt, dass die Neuausrichtung des Wettbewerbs überhaupt nicht dazu führen wird, dass man potenzielle Teilnehmer zum Mitmachen zwingen muss. Das belegen unsere Eingabezahlen und das positive Feedback. Einsendeschluss ist übrigens Ende November. Wenn sich die Neuerungen beim «Plakat des Jahres» besser in der Branche durchsetzen, dann bin ich sicher, dass wir eine gute Auswahl präsentieren können.
Neu kommt als Beurteilungskriterium, «eine Botschaft kommunikativ und nachhaltig zu vermitteln», hinzu. Wie wollen Sie das überprüfen?
Casutt: Im Unterschied zum alten Wettbewerb, bei dem es keine Rolle spielte, was das Plakat bewirkte, wollen wir jetzt auch Werbekampagnen besser berücksichtigen, die in der Öffentlichkeit Diskussionen auslösten. Das ist für die kommerzielle Kategorie eine sehr wichtige Änderung.
Kontroverse Diskussionen als Massstab für Nachhaltigkeit?
Casutt: Ich glaube, dass dies bei Plakaten, bei denen Resultate über die Effizienz vorliegen, machbar ist. In dieser frühen Phase stützen wir uns aber eher auf emotionale als auf rationale Ergebnisse, also auf Presse-Clippings…
…was Ihrer Angie-Becker-Kampagne bestimmt einen Preis eingebracht hätte. Was bezweckt die neue Kategorieneinteilung?
Casutt: Dass man nicht mehr Äpfel mit Birnen vergleichen muss. Bisher führten die Juryzusammensetzungen selbst zu Schwierigkeiten, genaue Kriterien für kommerzielle oder kulturelle Plakate zu definieren. Oft sind die Leitplanken für die Gestalter eines Kulturplakats viel breiter als für jene, die ein kommerzielles Plakat entwickeln. Das wird man jetzt viel besser unterscheiden. Deshalb wird es neu einen Sieger pro Kategorie geben. Aus diesen vier Kategoriensiegern wird das «Plakat des Jahres» gewählt.
Angesichts der Award-Flut und der herrschenden Wirtschaftsflaute haben die Agenturen doch völlig andere Probleme und Prioritäten, als an einem weiteren Wettbewerb teilzunehmen.
Casutt: Das sehe ich anders: Zum einen ist die Teilnahme für die Agentur kostenlos. Zum anderen ist es für eine Agentur nach wie vor eine schöne Anerkennung, eine Auszeichnung für das «Plakat des Jahres» zu erhalten. Weil jetzt die Agenturen, Kreativen und Grafiker mit dem neuen Jurierungsmodus und der professionelleren Preisverleihung viel stärker zum Zug kommen.
Der Preis erhält eine internationale Aura: Bei der Bezeichnung «Plakat des Jahres» entfällt künftig die Eigenschaft «Schweizer». Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass jetzt auch Plakate aus dem Ausland eingereicht werden?
Casutt: Nicht sehr gross.
Ein Marketingbluff also?
Casutt: Nein. Voraussetzung ist ja immer noch, dass das Plakat in der Schweiz im Aushang gewesen ist.
Bei der letzten Ausmarchung wurden nur noch knapp 700 Plakate eingereicht. Mit wie vielen rechnen Sie heuer?
Casutt: Im Anlaufjahr erwarten wir nicht viel mehr, aber eine andere Gewichtung. Wir erwarten, dass die Kommerziellen wiederkommen und sie mindestens die Hälfte aller Arbeiten ausmachen.
www.apgsga.ch/kultur

Blick plant Sportsendung auf Sat 1 Schweiz

Die Sportredaktion der Tageszeitung Blick arbeitet am Konzept eines Sport-Talks auf Sat 1 Schweiz.

Die Sportredaktion der Tageszeitung Blick arbeitet am Konzept eines Sport-Talks auf Sat 1 Schweiz.Die Wochensendung soll das Label «Blick» im Namen tragen. Vorgesehen sind Gesprächsrunden mit Sport-Persönlichkeiten, seien es Athleten, deren Manager, Techniker oder Trainer oder auch Journalisten. Das Projekt stehe aber «in einer sehr frühen Phase» und sei weder von Ringier noch vom Verwaltungsrat von Sat 1 Schweiz abgesegnet, war zu vernehmen. Marc Görtz, Ko-Geschäftsleiter von Sat 1 Schweiz und dem Vernehmen nach Projektleiter des Sport-Talks, gab auf Anfrage an, von solchen Plänen nichts zu wissen. Und bei der Blick-Sportredaktion war deren Leiter nicht erreichbar.
Doch die WerbeWoche weiss: Vor einer Woche wurde Roman Kilchsperger, Moderator bei Radio 24, unverbindlich als künftiger Moderator angefragt. Kilchsperger bestätigte dies auf Anfrage. «Die Sache ist mega lose», gab er aber der WerbeWoche zu Protokoll. Kilchsperger moderiert bereits die Sendung «Live ran», ebenfalls im Schweizer Sat-1-Programmfenster.
Der Entscheid, ob der Sport-Talk kommt, wird ungefähr Ende Oktober gefällt. Der Start dürfte im Januar oder Februar 2003 sein. Für die Produktion wäre Ringier-TV zuständig.
«Auf gutem Weg» ist dagegen gemäss Marc Görtz ein People-Magazin der Schweizer Illustrierten (SI), ebenfalls auf Sat 1 Schweiz. Der Start ist auf Februar kommenden Jahres geplant, mit einem Sendeplatz jeweils montags um 21 Uhr. Vor dem definitiven Go spätestens Ende Oktober muss aber noch die Finanzierung durch Sponsoren gesichert werden.
Sat1Schweiz prüft zudem gemäss Görtz den Einkauf des Formates «Sonic Sports», ein Extremsport- und Szene-Lifestyle-Magazin für 14- bis 24-Jährige. Produziert werden die jeweils zwei 30-Minuten-Beiträge von der Firma Eqal. «Sonic Sports» soll «Powderhouse» ersetzen, das im Mai abgesetzt werden musste. Das Okay für das Format wird in den nächsten zwei Wochen erwartet. Erfolgt es, kauft Sat 1 Schweiz vorerst 40 Folgen ein, von denen ab Ende Oktober je zwei pro Woche ausgestrahlt werden. Görtz bezeichnete die neue Sendung ausdrücklich als «Versuch». (mk)

Bald sind alle Kassen krank

Concordia wirbt unverdrossen um risikoarme Patienten für ihre Grundversicherung

Concordia wirbt unverdrossen um risikoarme Patienten für ihre GrundversicherungDie Krankenkassen ziehen sich wärmer an: Herbstzeit ist Kündigungszeit. Kundenbindung und -findung sind die essenziellen Ziele aller Werbeauftritte. Wer vom Kassensterben nicht weggerafft werden will, muss den Werbefranken vorsichtig einsetzen: Zu viel der Kommunikation weckt den Eindruck, die Kasse werfe fürs Marketing Geld aus dem Fenster. Aus lauter Angst vor Kritik der Prämienzahler trauen sich die Kassen nur noch an Einheitsbrei mit viel Familiengroove. Wie beispielsweise die Concordia-Kampagne von Ottiger & Partner. Damit ist aber das angepeilte junge Zielpublikum kaum zu ködern. Seite 10

Etat-News: TBWA gewinnt SBB-Jugendetat

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben TBWA Switzerland mit dem Marketingbudget für den Juniorensektor betraut.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben TBWA Switzerland mit dem Marketingbudget für den Juniorensektor betraut.Etat-News: TBWA gewinnt SBB-Jugendetat TBWA setzte sich in der Endrunde des mehrstufigen Pitchs gegen Wunderman durch. Für seine Agentur habe wohl die Erfahrung im Jugendmarketing (mit Kunden wie McDonald’s und Sony Playstation) gesprochen, meinte TBWA-CEO Markus Pekeler gegenüber der WerbeWoche. Anklang gefunden hätten offenbar auch «disruptive Lösungen», die TBWA vorgeschlagen habe: «Wir haben uns nicht in allen Punkten an das Briefing gehalten.» Das Budget, welches von den SBB zum ersten Mal in dieser Form vergeben wird, umfasst integrierte Kommunikation mit strategischen Konzepten, Offline- und Onlinemassnahmen, Datenbank- und Direktmarketing.
LGK kommt auf den Igeho-Geschmack Die Berner Agentur Lang Gysi Knoll (LGK) überzeugte die Verantwortlichen der MCH Messe Basel. In einem Pitch gewann LGK das Budget der Igeho, der Internationalen Fachmesse für Gemeinschaftsgastronomie, Hotellerie und Restauration. Die Igeho findet alle zwei Jahre in der Messe Basel statt – im Herbst 2003 bereits zum 20. Mal.
Bürgi & Partner betreut Audi Der Schweizer Importeur von Audi, die Amag Automobil- und Motoren-AG, hat das Werbebudget der deutschen Premium-Marke neu an Bürgi & Partner vergeben. Die Lenzburger Werbeagentur wird ab 2003 sämtliche klassischen Werbeaktivitäten von Audi in der Schweiz kreieren und koordinieren. Sie begleitet die mehrstufige Lancierung des neuen Audi A8 in der Schweiz, dessen Markteinführung im November stattfinden wird, und passt die vielfältigen Pre-Launch-Aktivitäten an den Schweizer Markt an.
gleicher kunde für KFS und Carré Die Eventagentur Carré Communication AG in Zürich und die PR-Agentur Karl F. Schneider AG in Schlieren arbeiten gemeinsam für die Fritz Gegauf AG (Bernina-Nähmaschinenfabrik). Der Kunde aus Steckborn TG verpflichtete die beiden Unternehmen für die Durchführung einer Medienkonferenz und verschiedener Events.
Meyer Schianchi gewinnt Astej Die Association Suisse du théâtre pour l’enfance et la jeunesse (Astej) hat die Zürcher Werbeagentur Meyer Schianchi mit ihrem Kommunikationsetat betraut. Astej vereinigt über 180 Theaterschaffende und Gruppen aus der ganzen Schweiz, die sich professionell dem Theater für junges Publikum widmen. Meyer Schianchi setzte sich in einem Pitch durch und wird für den Verband in einer ersten Phase ein neues Logo und Erscheinungsbild
entwickeln sowie Programmankündigungen und Hauszeitung neu konzipieren. Weitere Schritte zur Bekanntheitssteigerung auch ausserhalb der involvierten Kreise sind nächstes Jahr geplant.
Disney wirbt mit Armando Testa Der Medienkonzern Disney plant eine europäische Werbekampagne für seinen Trickfilm-Fernsehkanal Disney Channel. Den Etat von 13 Millionen Euro sicherte sich die Londoner Niederlassung der italienischen Agentur Armando Testa. Sie setzte sich in einem Pitch gegen Lowe Alice (Frankreich), Wieden & Kennedy (Grossbritannien), Romulo y Remo (Spanien) und TBWA Deutschland durch, wie Brand Republic berichtete. Die Kampagne soll mit TV-Spots, Plakaten und Anzeigen in den Heimatländern der eingeladenen Agenturen laufen.
Publicis trinkt gin, kahlua und Wodka Der Spirituosenhersteller Allied Domecq hat Publicis mit den weltweiten Werbebudgets für drei seiner Marken betraut. Unter der Führung des Londoner Offices ist Publicis künftig für den Likör Kahlua, Beefeater-Gin und Stolichnaya-Wodka zuständig. Laut Advertising Age wurden die Etats bisher auf über 100 Millionen Dollar geschätzt. Diese Zahl dürfte aber deutlich sinken, da Allied Domecq vermehrt auf nicht traditionelle Werbeformen setzen will. Aus diesem Grund trennte sich der Konzern vom bisherigen Etathalter BBDO Worldwide Chicago, der vor allem für kreative klassische Werbung bekannt ist.

Reifenwechsel fürs neue Fiat-Image

ZKG will die Nutzfahrzeuge des Turiner Autokonzerns beim Kunden auf die Überholspur bringen

ZKG will die Nutzfahrzeuge des Turiner Autokonzerns beim Kunden auf die Überholspur bringenVon Luca Aloisi Sinkende Umsätze, Sparkuren und anhaltende Querelen um die Führung von Fiat haben schwere Lackschäden am Image des Turiner Autokonzerns hinterlassen. Zogg Kettiger Gasser (ZKG), Fiats neue Schweizer Leadagentur, will mit einem Mix aus Hardselling- und Image-Botschaft den Turnaround bei der Markenwahrnehmung erreichen.
Die Marke Fiat steht zurzeit stark unter Druck. Spekulationen über einen möglichen Verkauf der Autosparte machten die Runde, als an der Generalversammlung Mitte Mai die verschärfte Ertragskrise in der Fahrzeugsparte aufs Tapet kam. Immerhin, nach dem Verkauf der Aluminium-Unit präsentiert sich die Lage weniger dramatisch. Für frischen Wind sorgt auch die Umstrukturierung des Konzerns, der seit einigen Monaten in Business Units mit vertikaler Struktur organisiert ist. Davon ist allerdings noch wenig zu den Endverbrauchern durchgedrungen.
Das Fiat-Image muss im Kopf neu entwickelt werden
Gemessen an den Marktzahlen, sind die Verkäufe der Turiner Personenwagen (PW) und Nutzfahrzeuge (NF) überdurchschnittlich stark gesunken. Anders als der relativ bescheidene Schweizer PW-Markt hat
der NF-Markt auf europäischer Ebene an Bedeutung gewonnen. So stellte die Vereinigung Schweizer Automobilimporteure in den letzten neun Jahren bei den leichten Nutzfahrzeugen (unter 3,5 Tonnen) eine Absatzverdoppelung fest. Ergänzten 1993 noch 12522 neue Einheiten die Kleinlasterflotte, so rollten im vergangenen Jahr über 25300 neue Laster aufs heimische Strassennetz.
Doch gerade dieser Fahrzeugtyp spürt derzeit die Rezession (–12%) am stärksten. Folglich litt auch Fiat, deren NF-Verkäufe in den ersten sieben Monaten um 23% fielen. Eine Folge des unglücklichen Corporate Reputation Managements?
«Autos mit dem Fiat-Logo sind heute genauso zuverlässig wie andere Marken, gehören in Sachen Ausstattung und Sicherheit zu den Leadern und bieten ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis», sagt Max Winiger, Fiat Account Supervisor und Mitinhaber der Zürcher Agentur ZKG. «Aber das Image einer Marke entwickelt sich im Kopf der Konsumenten. Und genau hier beginnt unser Job», beschreibt er den Challenge beim Turiner Kunden, für den ZKG das Mitsubishi-Budget abgegeben hat.
Freie Fahrt – der Traum aller Verkehrsteilnehmer
Mit dem Segen von Fiat in Turin, worauf Max Winiger auch ein bisschen stolz ist, hat nun ZKG eine neue NF-Kampagne entwickelt. D’Arcy, eine der weltweiten Fiat-Leadagenturen, nutze die Kreativität der einzelnen Länder und unterstütze gute Konzepte, erklärt Winiger, und: «Diese Freiräume motivieren.»
Dank des Ansporns ist kürzlich eine nationale Printkampagne gestartet, die vom Produkt eine Brücke zur Imagekomponente schlägt, zu den Strassenaufnahmen aus der Perspektive des Fahrers. Als emotionaler Ansatz sollen freie Strassen wirken. Die Hardselling-Botschaft befindet sich auf den Strassenschildern, auf denen an Stelle von Ortsnamen 0% Leasing steht. B12-Plakate sollen demnächst die Inseratekampagne ergänzen.
Bei Fiat Schweiz in Genf verspricht sich Franz Wermelinger, der die Kampagne in Auftrag gegeben hat, eine Steigerung der Abverkäufe: «Die Kampagne hat für uns auch einen starken
Imagecharakter und ist Teil eines Prozesses, der einen Image-Turnaround herbeiführen will», sagt er. Dass eine Kampagne allein nicht zum Ziel führen könne, weiss Wermelinger: «Seit kurzem haben wir eine neue Organisationsstruktur mit Profit-Center-artigen Business Units. Marketing und After Sales sind jetzt produktspezifisch ausgerichtet», was einen besseren Kundenfokus erlaube, ergänzt er.
Damit sollen Kundenbedürfnisse rascher erfasst und gezielter bearbeitet werden. Entsprechend investiere Fiat gegenwärtig auch in die Händlerschulung. Wermelinger, der zuvor bei Volvo Lastwagen arbeitete und für Ford den Osteuropamarkt mit aufgebaut hat, ist zuversichtlich. Er glaubt, bis zum Jahreswechsel die Vorjahreszahlen zu erreichen. Damit könnte Fiat als Nummer 4 auf dem Schweizer NF-Markt, entgegen dem rückläufigen Absatztrend, seine Position hinter Mercedes, VW und Renault bestätigen und Marktanteile hinzugewinnen.
Freilich, Fiat ist mit dem zugelegten Quäntchen Image noch weit entfernt von Scholz-&- Friends’ (S&F) Mercedes-Auftritten, die den Brand unverwechselbar positionieren. Stellte doch zur Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung für Nutzfahrzeuge in Hannover ein S&F-Inserat die Frage: «Was bringen uns eigentlich Nutzfahrzeuge?» Die Antwort gab eine 12-seitige Beilage des Stuttgarter Weltkonzerns in der Süddeutschen Zeitung: Nutzfahrzeuge bringen Liebe, Hoffnung, Freude, Hilfe und die Zeitung – zum Beispiel mit dem Love-Parade-Truck, mit dem Hilfskonvoi, dem Bus der Fussballnationalmannschaft, dem Löschfahrzeug oder ganz einfach mit dem Lieferwagen.

Kopf der Woche: «Le Temps wird ihren Aktionären nie Milliarden einbringen»

Jean-Jacques Roth ist seit dem 1. September neuer Chefredaktor der Westschweizer Tageszeitung Le Temps

Jean-Jacques Roth ist seit dem 1. September neuer Chefredaktor der Westschweizer Tageszeitung Le TempsKopf der Woche «Le Temps wird ihren Aktionären nie Milliarden einbringen» Seinen Bubentraum vom Chef d’orchestre hat er längst begraben, dafür ist er jetzt Chefredaktor. Dabei hatte er diesen Posten gar nie angestrebt. Jean-Jacques Roth arbeitete in der Vergangenheit bei diversen Westschweizer Medien als stellvertretender Chefredaktor. Zu keiner Zeit habe er aber diesen Status als Sprungbrett für den Chefredaktorensessel betrachtet, beeilt er sich zu sagen. Auch bei Le Temps gefiel ihm die Rolle des «rédacteur en chef adjoint» ganz gut. Zudem zweifelte er an seiner Kompetenz, und überdies schreibt er gerne.
In der aktuellen misslichen Lage von Le Temps und der ganzen Printmedienbranche wird ihm dafür wohl auch keine Zeit mehr bleiben. Trotzdem macht es ihm offenbar Spass, jenes Blatt aktiv mitzuprägen, von dem er behauptet, es entspreche genau seiner Vorstellung einer Zeitung, wie er sie sich seit Beginn seiner Journalistenkarriere erträumt habe.
Solch eine Laufbahn stand für Jean-Jacques Roth aber nicht im Vordergrund. Neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften besuchte er das Konservatorium in Genf und schloss es mit dem Lehrdiplom für Klavier ab. Unterrichtet hat er indes nie. Eine Karriere als Musiker verwehrte er sich frühzeitig mit der Maxime: «Entweder werde ich ein zweiter Maurizio Pollini, oder ich lasse es ganz bleiben», sagte er sich.
Roth war vor etwas mehr als vier Jahren zusammen mit Erich Hoesli, dem ehemaligen Chefredaktor und heutigen Direktor, der Mann der ersten Stunde von Le Temps. Doch bereits im vergangenen November hatte die Zeitung Personal entlassen müssen, um das oberste Ziel, möglichst rasch in die schwarzen Zahlen zu kommen, nicht zu sehr aus den Augen zu verlieren. Nun kämpft Roth um die redaktionelle Qualität der Westschweizer Zeitung mit nationaler Ausstrahlung.
Personell sei man an einer kritischen Grenze angelangt, gibt er zu. Die Qualität will sich Le Temps aber durch die Zusammenarbeit mit Le Monde und der belgischen Zeitung Le Soir sichern. Le Temps habe im Markt ihren Platz, ist Roth überzeugt. «Wir werden aber unseren Aktionären nie Milliarden einbringen», signalisiert er. Dass das Blatt in letzter Zeit schlanker geworden ist, bereitet dem neuen Chefredaktor hingegen kein Kopfzerbrechen. Mit dem ursprünglichen Umfang seien die Leser überfordert gewesen. Heute entspreche Le Temps eher den Lesegewohnheiten der Romands, weiss er.
Längerfristig müssten allgemein auch Überlegungen zum Finanzierungsmodus der Zeitungen angestellt werden, regt Roth an. Die Nachteile einer extremen Abhängigkeit von den Werbeauftraggebern erweise sich in konjunkturschwachen Zeiten als sehr problematisch.
Anita Vaucher

Gipfeli im Champagnerbad

Das St. Galler Tagblatt erneuert seinen Look und zieht mit Matter & Partner das Florett der feinen Ironie

Das St. Galler Tagblatt erneuert seinen Look und zieht mit Matter & Partner das Florett der feinen IronieVon Luca Aloisi Gleich mehrere Änderungen stehen beim St.Galler Tagblatt ins Haus: Ein neues Druckzentrum wird in Betrieb genommen, das Blatt selbst erhält ein neues Kleid, verstärkt die Lokalredaktionen und bekommt ein erweitertes Streugebiet im Kanton Thurgau. Neu ist auch die Kampagne dazu, aber nicht deren Urheberin: Matter & Partner.
Im angestammten Gebiet kämpft die St.Galler Tagblatt AG (SGT) mit ihrem Monopolistenimage. Komfortabler stellt sich die Situation im Nachbarkanton Thurgau dar. Trotz der Verschmelzung ihrer beiden Splits zur Tagblatt-Ausgabe mit dem Zusatz «Ausgabe für den Thurgau» und der Erschliessung des Bezirks Steckborn werden sich die Marktleader Thurgauer Zeitung und Bote vom Untersee kaum vor der Konkurrenz aus St.Gallen fürchten müssen. Sowieso werde man den Markt «nicht sehr aggressiv» bearbeiten, sagte Verlagsleiter Daniel Ehrat gegenüber der WerbeWoche (WW 29/02).
Trotzdem hofft er, mit der Erweiterung die Auflagenrückgänge im bisherigen Bodensee-Tagblatt-Gebiet mehr als auszugleichen. Hilfreicher als das vergrösserte Streugebiet werden ihm beim Relaunch die USPs, verstärkte Lokalredaktionen und drei Bünde Lokalteil, sein. Am Blatt selbst wird nebst dem grafischen Redesign auch eine neue Bundabfolge und ein neues Teaser-Prinzip auf den Frontseiten der Bünde die Leserführung erleichtern.
Begleitet werden diese Neuerungen von einer Relaunch- sowie einer Imagekampagne der Zürcher Agentur Matter & Partner, die den Ostschweizer Werbeetat in einem Pitch verteidigte. Der Auftritt vermittelt den treuen sowie den potenziellen Lesern die Mehrwerte der grössten regionalen Tageszeitung. «Mehr als eine Zeitung», so der Claim, will genauso für das Vergnügen und die emotionale Bindung des Lesers wie für die Qualität der Zeitung stehen. Für den Thurgau fokussiert die Kampagne natürlich auf den Mehrwert, besser über den eigenen Kanton Bescheid zu wissen. Mit unzähligen Apfelgehäusen visualisiert eine Anzeige die Lesedauer, die man künftig im Thurgau dem Tagblatt widmet.
Ähnlich bestechend einfach und witzig sind auch die anderen Umsetzungen, bei denen die Zeitung stets im Mittelpunkt des Geschehens steht. Ob das nun ein Automechaniker ist, der in den ausgelegten alten Zeitungen spannende Berichte entdeckt, oder die Zeitungshalter eines Restaurants, von denen nur jenes mit dem SGT angekettet ist.
Humorvoll karikiert ein weiteres Motiv die Relevanz des SGT in der Ostschweiz, auf dem eine Ausgabe lückenlos mit Leuchtstift markiert ist und von der Headline «Kein Wort zu viel» erklärt wird. Ebenso zeichnet sich das Sondersujet zum neuen Look (Zeitungsleser badet sein Frühstückshörnchen zur Feier in Champagner) durch die einfache Idee aus.

Muse & Musse: Nicole Brandes

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Muse & Musse Nicole Brandes
Nicole Brandes: Die Expo.02 – weil ich gespannt war, wie diese komplexen Anforderungen auf den verschiedensten Ebenen gelöst wurden.
Was lesen Sie gerade?
Brandes: «Die Wirtschaft des Unsichtbaren» von Norbert Bolz, weil ich fest davon überzeugt bin, dass Softfactors die entscheidenden Erfolgsfaktoren des 21. Jahrhunderts sind.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Brandes: Charlie Haden/ Kenny Baron: «Night in the City» – gut zum Arbeiten!
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Brandes: «Bandits» – perfektes Bauchmuskeltraining.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Brandes: Bei jeder – aber das liegt wohl eher an mir.
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Brandes: Keine – ich surfe mehr im Kopf als im Netz.
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Brandes: Auf vieles – wenn’s darauf ankommt, auf alles.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Brandes: Allerhand. Manchmal nichts.
Liebe ist…?
Brandes: …geben.

20 Minuten startet durch

Pendlerzeitung schliesst zum Tages-Anzeiger auf und überholt den ZürichExpress

Pendlerzeitung schliesst zum Tages-Anzeiger auf und überholt den ZürichExpressVon Daniel SchifferleJetzt startet 20 Minuten richtig durch: Mit einem Reichweitensprung um 212000 auf neu 526000 Lesende katapultiert sich die Pendlerzeitung in die oberste Liga. Der Abstand zum Tages-Anzeiger wird immer knapper.
Der Sprung um satte 67,5 Prozent oder 212000 Lesende ist der höchste Zuwachs, den 20 Minuten je erzielt hat. Aber nicht nur die Höhe des Gewinns überrascht, sondern dessen Wirkung. Denn mit neu 526000 Lesenden schafft 20 Minuten den Sprung in die vorderste Liga der Deutschschweizer Zeitungen. Heikel wird es vor allem für den Tages-Anzeiger, der mit 531000 Lesenden nur noch einen hauchdünnen Abstand zum Hauptkonkurrenten aufweist.
Doch 20 Minuten war nicht in erster Linie in Zürich im Vormarsch. Vor allem in Bern und Basel erreichten die Zuwachsraten Werte wie nie zuvor. Im WG 34 (Bern) hat die Pendlerzeitung ihr Publikum mit einem Schlag mehr als verdreifacht. Neu kommt die Gratiszeitung in der Mutzenstadt auf 89000 Lesende. Der andere gewaltige Vormarsch erfolgte im Einzugsgebiet Basel (WG 31). Die Steigerung ist hier mit zusätzlichen 59000 auf neu 97000 Lesende nur geringfügig moderater ausgefallen.
Dass der Spurt von 20 Minuten in Bern und Basel bei den jeweiligen regional verankerten Tageszeitungen seinen Tribut fordert – vergleichbar mit jenem, den der Tages-Anzeiger bereits zahlte und weiter zahlt – wäre eigentlich zu erwarten. Doch im Moment scheint nur die Berner Zeitung neu von der Pendlerzeitungsgrippe infiziert worden zu sein (siehe Seite 20). Weder die Basler Zeitung noch der Bund hat-ten Leserschaftsverluste zu verbuchen.
Obschon 20 Minuten im Grossraum Zürich vergleichsweise wenig Lesende hinzugewonnen hat, kommt der Entwicklung im WG 43 höchste symbolträchtige Bedeutung zu. Denn mit den zusätzlichen 28000 Lesenden braust die Pendlerzeitung erstmals am ZürichExpress (ZE) vorbei. Das neue Kräfteverhältnis fällt jetzt mit 225000 gegenüber 199000 Lesenden deutlich zu Gunsten von 20 Minuten aus.
ZE-Verlagsleiter Heinz Krebs nimmt das Überholmanöver im WG 43 aber demonstrativ gelassen. «Wir sind keine Pendler-, sondern eine Stadtzeitung – und auf Stadtgebiet sind wir weiterhin die Nummer eins», sagt er. Der ZE werde so bleiben, wie er ist. Weitere Kampfmassnahmen oder zusätzliche Investitionen in den Titel seien nicht geplant.
Das Fehlen jeglichen Kampfgeschreis erstaunt nicht wirklich. Denn die passive Haltung passt gut zur Strategie, die Tamedia bezüglich 20 Minuten verfolgt. Auch wenn derzeit noch diverse Hindernisse im Weg stehen, scheint der Weg zur Integration der Pendlerzeitung gesetzt. Vor diesem Hintergrund macht es natürlich keinen Sinn, wenn Tamedia weiter in den ZE investieren würde, um ihn noch stärker als Pendlerzeitung zu positionieren.
Das Vorpreschen von 20 Minuten hat nur zu einem kleinen Teil mit der Einstellung von Metropol zu tun. Denn dessen Aus am 13. Februar traf gerade anderthalb Monate vor Abschluss der Feldarbeit für die aktuelle Mach Basic ein. Das heisst aber auch, dass die dann erhobenen Leserzahlen nur zu rund einem Achtel in der Leserschaftsstudie gewichtet sind. Den grösseren Teil der Metropol-Erbschaft wird 20 Minuten also erst in der Mach Basic 2003 einfahren können.
Trotz Freude über das erzielte Topresultat und die zu erwartenden Gewinne bleibt aber auch bei 20 Minuten die Handbremse angezogen. «Wir könnten vor allem in Zürich mehr tun, denn hier sind zahlreiche Boxen oft viel zu früh leer», sagt Verlagsleiter Rolf Bollmann. Allerdings sei die Kapazität der für die Zürcher Ausgabe zuständigen Druckerei erschöpft. Damit werde man vorläufig leben, denn solange die Inserate trotz guter Leserzahlen nicht kämen, mache es keinen Sinn, zusätzliche Investitionen zu tätigen.

Wenn zwei streiten, gewinnen beide

Mediavision will bald in der Deutschschweiz als Kinovermarkter Fuss fassen

Mediavision will bald in der Deutschschweiz als Kinovermarkter Fuss fassenVon Markus Knöpfli Gemäss Mach Basic 2002 kann das Medium Kino mit einem Plus von 1,8% erneut wachsende Besucherzahlen ausweisen. Der Zuwachs beschränkt sich aber auf die Deutschschweiz und das Tessin. In der Romandie sind die Zahlen rückläufig. Umso härter ist dort der Konkurrenzkampf zwischen den Vermarktern Mediavision und RMB Switzerland – ein Kampf, der auch in der Deutschschweiz im Gange ist.
Zwischen April 2001 und April 2002 konnte das Medium Kino gemäss Mach Basic 2002 in der ganzen Schweiz durchschnittlich 457000 Wochenkontakte ausweisen, 8000 mehr als noch in der Vorjahresperiode. Der Zuwachs fand jedoch ausschliesslich in der Deutschschweiz (+12000, +4,1%) und im Tessin (+2000, +15,4%) statt, in der Romandie dagegen sanken die Kinokontakte um 7000 auf insgesamt 137000 Besuche (-4,2%).
Der Zuwachs in der Deutschschweiz und im Tessin ist primär zwei neuen Multiplexkinos zu verdanken, dem Kinepolis in Schaffhausen (in Betrieb seit Anfang 2001) und dem Cinestar in Lugano (seit Mitte 2001). Da der Vermarkter RMB Switzerland beide unter Pacht nehmen konnte, hält er in beiden Landesteilen weiterhin einen Marktanteil (MA) von 100%. Wegen der beiden Multiplexe hat RMB zudem zwei neue Grosscenter-Pools gegründet, was zu Kontaktzahlen-Verschiebungen und zu entsprechenden «Verlusten» bei den Regionen-Pools sowie entsprechenden «Gewinnen» bei den Grosscenter-Pools geführt hat. Die Pool-Zahlen bei RMB sind also nur bedingt mit jenen der Vorperiode vergleichbar.
Während RMB in der Deutschschweiz alle Kontaktgewinne verbuchen kann, gehen in der Romandie sämtliche Verluste auf ihr Konto. Zudem verlor RMB dort weitere 12,4% MA an Mediavision (MV), so dass RMB nun in der Westschweiz noch auf 54,7% MA kommt. In Genf konnte MV RMB erstmals überrunden und erreicht dort neu einen MA von 54,7% (+24,2%). Ähnlich im Wallis: Dort kommt MV gemäss einer Schätzung von RMB-CEO Matthias Luchsinger auf rund 60%.
Eine Region macht allerdings eine Ausnahme: In Lausanne konnte RMB seine Kontakte auf dem Niveau der Vorperiode halten – dank des neu eröffneten Multiplexkinos Cinétoile, das seit Spätherbst 2001 in RMB-Pacht ist. Da MV in der gleichen Region zudem 6000 Kontakte verlor, kommt RMB dort nun auf einen MA von 78,3% (+9,1%).
Gesamtschweizerisch gesehen hat MV nun seit ihrem Markteintritt Ende 1999 einen MA von 13,6% errungen – was Luchsinger offenbar locker wegsteckt. «Als wir 1992 – damals als Digital Cinefilm – in das Kinovermarktungsmonopol von Cefi eindrangen, kamen wir innert zweier Jahre in der ganzen Schweiz auf einen MA von 33 Prozent», kommentiert er.
Für Olivier Bloch, Geschäftsleiter von MV Suisse, werfen die neuen Mach-Basic-Zahlen jedoch drei Fragen auf: Weshalb verlor der RMB-Pool Jura-Wallis nur gerade 8000 Kontakte, obwohl der neue Walliser-Pool von MV auf einen Schlag auf 14000 Kontakte kommt? Weshalb verliert MV in Fribourg-Neuchâtel 4000 Kontakte, obwohl die Zahl der Kinosäle gleich blieb und pro Woche sogar 500 Eintritte mehr verzeichnet werden konnten? Und wie konnte MV in Lausanne 6000 Kontakte verlieren, obwohl es dort vier neue Kinos dazugewonnen hat und der Billettverkauf pro Woche ebenfalls massiv angestiegen ist.
Neue Multiplexkinos bauen die Reichweite der Vermarkter aus
Für Harald Amschler, Forschungsleiter bei der Wemf, hatte MV im Wallis schon bisher ein paar wenige Kinos, die aber unter dem Center-Pool Fribourg/Neuchâtel verbucht waren. Im neu-
en Walliser-Pool wurden diese Kinos nun mit den neu gewonnenen Walliser Kinos vereint, weshalb MV also nicht 14000 neue Walliserkontakte gewonnen habe, sondern vielleicht deren 8000. Das Umtopfen erkläre zudem den Verlust beim Center-Pool Fribourg-Neuchâtel. Für den starken MV-Verlust in Lausanne hat Amschler indes abgesehen vom Multiplex keine Erklärung: Er habe die Zahlen noch einmal geprüft und festgestellt, dass sie stimmen.
Das Kräftemessen der beiden Vermarkter ist aber nicht nur in der Romandie spannend. Auch in der Deutschschweiz ist es – wenn auch noch hinter den Kulissen – in vollem Gang. «Die aktuelle Pachtsituation in der Schweiz wird in den nächsten zwei bis drei Jahren so bleiben, MV wird per 2003 keine neuen Verträge gewinnen», sagt Luchsinger bestimmt. «In der Deutschschweiz ist einiges in Bewegung, in einem Monat kann ich mehr sagen», sagt dagegen Olivier Bloch geheimnisvoll.
Fest steht: Jeder auslaufende Deutschschweizer Pachtvertrag ist für RMB eine potenzielle Achillesferse. Aber auch jedes neue Multiplex: In den nächsten sechs Monaten werden in Wil SG und Baden zwei weitere eröffnet, und in Zürich wird das Cinemax um zwei Säle erweitert. Hat RMB diese Säle schon unter Vertrag? Luchsingers Antwort ist diplomatisch: «Sie gehören Kinobesitzern, die bestehende Verträge mit RMB haben.» Mit andern Worten: Hier wird noch heftig offeriert und geworben.

Haariges Zeitdokument. Aufwändig gestaltet ist es, das Magazin, mit dem der Fashion-, Hair- & Music-Store Olmo in Bern auf 25 Jahre Wirken und Werken zurückblickt.

Immerhin, ein nicht gerade alltäglicher Erfolg in der immer schnelllebigeren Trendbranche. Das spannende Zeitdokument illustriert mit Fotos, Plakaten, Logos, Schaufensterbildern, Abbildungen von Frisuren, Zeitungsausschnitten und anderen Sammelsurie

Immerhin, ein nicht gerade alltäglicher Erfolg in der immer schnelllebigeren Trendbranche. Das spannende Zeitdokument illustriert mit Fotos, Plakaten, Logos, Schaufensterbildern, Abbildungen von Frisuren, Zeitungsausschnitten und anderen Sammelsurien, wie sich die Zeit in der Olmo-Phase von 1977 bis 2002 gewandelt hat. Das Magazin wurde von Form.01 Thom Pfister, Graphic, Design, Illustration, Art Direction in Zürich gestaltet.
Faces hat mehrere Gesichter. Das People- und Lifestylemagazin Faces erscheint ab November 2002 mit einer eigenen Ausgabe auch in Bern und Basel. Bisher hat sich das Heft mit den vielen Party-Gesichtern in Zürich und St.Gallen eine treue Leserschaft erobert. Mit der Expansion in den Norden und Westen sei die Ausweitung des Konzepts auf die gesamte Deutschschweiz jetzt abgeschlossen, teilt die Fairlane Consulting GmbH aus St.Gallen mit, die das Magazin publiziert. Der Schritt vom regionalen zum nationalen People-Magazin mit 55000 Exemplaren hat sich «auf Grund des Erfolges vorzeitig aufgedrängt». Ursprünglich war die Expansion erst für das kommende Jahr geplant. In der aktuellen Ausgabe mit dem Thema «Klischee» schreiben Pioniere der deutschen Pop-Literatur wie Helge Timmerberg (Wiener), Uwe Kopf (Tempo) oder Alexander von Schönburg (FAZ) sowie der aktuelle Ingeborg-Bachmann-Preisträger Peter Glaser. Daneben gehört es zum Konzept, dass auch junge Schweizer Autoren Faces ein Gesicht geben können. Das Magazin erscheint quartalsweise und soll die 20- bis 45-Jährigen ansprechen.
Aus Zurich Network wird Greater Zurich Area. Die Stiftung für Standortmarketing The Zurich Network tauft sich in Greater Zurich Area AG um. Sie benutzt diese Bezeichnung schon seit längerem für die von ihr vermarktete Region. Diese umfasst das Gebiet, das «vom Flughafen Zürich-Kloten in 60 bis 80 Minuten erreicht werden kann». Zum neuen Namen tritt eine neue Website und Webadresse hinzu. Die finanziellen Mittel für die Greater Zurich Area AG werden von der öffentlichen Hand und von der Privatwirtschaft zur Verfügung gestellt.
Thurgau startet eine neue Imagekampagne.
Der Kanton Thurgau lanciert im Rahmen des Standortmarketings eine neue, vierjährige Werbekampagne. Sie soll die Marke «Thurgau Switzerland» besser verankern. Den Auftakt machen im September und Dezember Plakate und Inserate in lokalen Zeitungen. Unter dem Motto «Ich lebe im Thurgau» bekennen sich Thurgauerinnen und Thurgauer zu ihrem Kanton als Wirtschafts-, Wohn- und Arbeitsraum. Für die Kampagne stehen insgesamt 2,5 Millionen Franken zur Verfügung. Die zuständige Werbeagentur ist Zahner & Partner in St.Gallen.
Schweizer gehen mehr fremd. Mit einer leicht verfremdeten deutschen Flagge will die Ruedi Wyler Werbung illustrieren, dass «Geo, Brigitte und Schöner Wohnen jetzt noch ein wenig schweizerischer geworden» sind. Die drei Magazine von Gruner + Jahr wollen mit dieser Anzeige die Werbetreibenden darauf aufmerksam machen, dass die Anzeigenvolumen in den Schweizer Splits ihrer Hefte überdurchschnittlich und für
Carole Pochon von der Anzeigenleitung in der Schweiz natürlich «höchst erfreulich» zugenommen haben.
Plakat-Biennale in Warschau zeichnet Schweizer aus. An der 18. Internationalen Plakat-Biennale in Warschau wurden zwei Schweizer Arbeiten ausgezeichnet. Karl Dominic Geissbühler erhielt Bronze in der Kategorie Kultur und Kunst. Das prämierte Plakat warb für die Oper «Lulu» von Alban Berg in der Aufführung im Zürcher Opernhaus. Einen Ehrenpreis in der Sonderkategorie «Debüt» erhielten Régis Golay und Igor Kunetka mit einem Plakat für die Winterhilfe. Insgesamt wurden 14 Preise verliehen.
Aus WBO OgilvyOne wird OgilvyOne. Die Zürcher Dialogmarketingagentur WBO OgilvyOne firmiert neu nur noch als OgilvyOne AG. Den bisherigen Namen führte die Agentur seit Juni 2000, als WBO Dialog die Direktmarketingunit OgilvyOne von Grendene Ogilvy & Mather übernahm. Die Umfirmierung hat keinen Einfluss auf die Beteiligungsverhältnisse: Die Mehrheit liegt weiterhin bei den Gründern und Agenturleitern Guido Wietlisbach und Daniel Brüngger, während das Werbenetzwerk Ogilvy & Mather eine Minderheit hält.
Cannes wird eine Woche vorverschoben. Das 50. Internationale Werbefestival von Cannes findet eine Woche früher statt als angekündigt. Der neue Termin lautet 15. bis 21. Juni 2003.
Au Backe. Reizwäsche kann – woher der Name wohl auch kommt – auch dort noch reizen, wo ansonsten bereits alles ausgereizt ist. Das macht sich zum x-ten Mal auch die Kommunikationsagentur BH von Marc Bohnenblust und Joseph Haas zu Nutze. Die Zürcher Kreativbude entwickelt «zum Beispiel Drucksachen, die an besonders vitalen Stellen wirken», will BH mit ihrem septemberlichen Fallobst-Flyer kommunizieren.
EditorialAuflagenblitzlichter am Medienhimmel
Der massive Werbeeinbruch hat die Medienbranche in die grösste Krise seit Jahren gestürzt. «Schwindel erregend abwärts» titelte der Spiegel, und die NZZ bezeichnete die Inserateflaute gar als «grössten Einbruch seit der Erdölkrise». Vor dem Hintergrund dieser apokalyptischen Stimmung mögen die neusten Zahlen der AG für Werbemedienforschung für die Verlage wie Balsam wirken: Denn über alles betrachtet sind die erhobenen Reichweiten bei den Zeitungen und Zeitschriften stabil geblieben (mehr dazu auf den Seiten 18 bis 34).
Und: Die Reichweite aller Zeitungen, die an der Mach Basic 2002 teilgenommen haben, liegt – wie bereits im Vorjahr – bei 96 Prozent. Der Gesamtwert der Titelgruppe aller Mach-Zeitschriften liegt ebenfalls auf Vorjahresniveau (93%). Die Leser scheinen den Printmedien die Treue zu halten, zum grossen Teil zumindest. Wohin die Reise aber geht, ist dennoch ungewisser denn je.
Die Unternehmensberatungsfirma Mercer Management Consulting hat kürzlich den Schweizer Markt analysiert und eine Prognose gewagt. Bis 2006 wachse die tägliche Mediennutzung in der Schweiz um lediglich ein Prozent pro Jahr, während die Zunahme bei den monatlichen Ausgaben pro Haushalt für Medienprodukte 3,1 Prozent pro Jahr betrage. Ferner geht die Studie davon aus, dass die tägliche Mediennutzungsdauer von 316 Minuten im Jahr 2000 auf 341 Minuten pro Kopf zunehmen werde. Dies zu Gunsten von Fernsehen und Internet – während Zeitungen gerade noch 17 Minuten Aufmerksamkeit geschenkt wird (1996 waren es 20 Minuten). Laut Mercer wächst also eine neue Konsumentengeneration heran, die weniger Zeitung liest. Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass gerade Kurzfuttertitel wie 20 Minuten und Le Matin ihre Leserschaft signifikant steigern konnten.
Bei allen Unwägbarkeiten, eines bleibt gewiss: Auf Massenmedien können wir je länger je weniger verzichten, denn sie bilden einen stabilen und sicheren Bezugspunkt in der allgemeinen Verunsicherung. Als moderne Mythenmaschinen vermitteln sie uns ein Bild der bösen Mächte und weben gleichzeitig ein Sicherheitsnetz aus Geschichten. Die Ereignisse mögen wechseln, der Senderahmen bleibt konstant. Es gibt kein Jenseits der Medien, denn die Einschaltquote beziehungsweise die Auflage ist der verborgene «Gott» dieses Zeichenkosmos. Dessen eigentliche Funktion besteht in der Aufmerksamkeitsgenerierung und in der umfassenden Mediatisierung der Gesellschaft. Siehe dazu auch das Interview mit Medienökonomin Gabriele Siegert auf den Seiten 53 und 54. Samuel Helbling, Chefredaktor
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