Zusammenhänge zwischen Reichweite und Auflage lassen sich am ehesten bei gleichartigen Printtiteln ermittelnVon Wolfgang Koschnick Kaum hatte die Werbewirtschaft mit einer funktionierenden Auflagebeglaubigung verlässliche Daten über die verkauften Auflagen von Printmedien bekommen, tauchten auch schon erste Zweifel auf: Was nützen eigentlich Auflagenzahlen? Worauf es ankommt, sind die Reichweiten. Aber die entwickeln sich je nach Printtitel ganz unterschiedlich. Auch mathematische Modelle taugen wenig, wenn klare Zusammenhänge zwischen den beiden Werten ermittelt werden sollen.
Auflagezahlen waren bis in die Fünfzigerjahre die einzigen Daten, die über gedruckte Medien verfügbar waren. Sie liefern jedoch bestenfalls indirekte Informationen über das Nutzungsverhalten, die Medienkontakte und die Merkmale der Leser. Spätestens ab Mitte der Sechzigerjahre verloren die Auflagenzahlen in der Schweiz ihr Gewicht für die Mediaplanung, nachdem die Wemf AG für Werbemedienforschung die ersten auf Stichprobenerhebungen basierenden Leserzahlen (Mach Basic) zur Verfügung gestellt hatte.
Und jetzt geht wie jedes Jahr ein Geraune durch die Medienlandschaft – immer wieder passiert dasselbe: Da hat eine Zeitschrift ihre verkaufte Auflage kräftig in die Höhe getrieben, das Anzeigengeschäft entwickelt sich prächtig, und dann bescheinigt die Mach Basic: Die Reichweite geht zurück oder dümpelt vor sich hin. Das kann und mag kein Verlagsmensch glauben. Die Zahlen seien faul, die Wemf manipuliere, wird moniert. Doch in Wahrheit gibt es ganz vernünftige Erklärungen für dieses Phänomen.
Die starken Unterschiede zwischen Auflagenzahlen und Reichweitenwerten stachen erstmals britischen Mediaforschern in die Augen. Das Muster ist häufig ähnlich: Erst steigen beide Werte stark an. Dann stagnieren die Reichweiten oder sinken sogar, während die Auflagen weiter steigen. Um das zu klären, führten die beiden Forscher T. Corlett und D. W. Osborn im Auftrag des britischen Institute of Practitioners in Advertising (IPA) 1966 die weltweit erste Untersuchung über die starken Unterschiede der Leser-pro-Exemplar-Werte (LpE) für vergleichbare Publikationen durch.
Sie entwickelten die Hypothese, dass die Unterschiede zwischen den Titeln auf der unterschiedlichen Zusammensetzung der redaktionellen Inhalte und auf dem Vierfarb-Teil einer Sonntagszeitung, des Sunday Telegraph, beruhten. Der Vierfarbdruck zog zwar mehr Leser pro Exemplar, aber nicht mehr Käufer an – eine Feststellung, die das generelle Phänomen allerdings überhaupt nicht erklärt.
In einer weiteren Studie konnten John Bermingham, R. Gage und P. Mills 1970 nachweisen, dass bei sinkender Auflage von Zeitungen nur ein relativ geringfügiger Rückgang der LpE-Werte stattfindet, während bei einer deutlichen Zunahme der Auflage eine erhebliche Senkung der LpE-Werte zu erwarten ist.
In einem Beitrag mit dem Titel «Magazine Readers per Copy» unterstrich Timothy Joyce dann 1974, dass der LpE nur ein Durchschnittswert sei. Es sei möglich, dass beispielsweise 20 Prozent der Exemplare 50 Prozent der Leser vereinigen. Vor allem zwei Faktoren beeinflussen nach Joyce den LpE-Wert: Der Lesebedarf und das Angebot von Exemplaren. Verfügbarkeit in öffentlicher Auslage erhöht den Wert, Promotionsaktivitäten zur Gewinnung von Abonnenten dagegen vermindern ihn. Der LpE werde folglich nie eine stabile Zahl sein.
Beim Coiffeur schnellt die Zahl der Leser nach oben
Dass die Beziehung zwischen Auflage und Reichweite von verschiedenen Faktoren abhängt, zeigen weitere Untersuchungen: Ein «Bericht über den Zusammenhang zwischen Auflage und LpA-Werten» konstatierte: «Und es ist als sicher anzunehmen, dass unsere bisherige Vorstellung über den Zusammenhang zwischen Reichweite und Auflage zu korrigieren sein wird; einen einheitlichen Zusammenhang gibt es sicher nicht, die Relation erscheint ‹titelbezogen› anhand der Struktur der Leserschaft.»
Verfasst hat die Studie Erich Ockelmann für die Technische Kommission der deutschen Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA) im Jahre 1979. Ockelmann gelangte dabei zum Schluss, dass die Unterschätzung der Auflage dann eintritt, wenn die Leserschaft aus Älteren, Frauen und Personen mit unterdurchschnittlichen Zeitschriftenkontakten besteht.
1985 entwickelte Michael Brown ein mathematisches Modell, das die Beziehungen zwischen Auflage und Reichweite für unterschiedliche Länder, Messmethoden, Publikationen und Zeitpunkte wiedergibt. Aus seiner Analyse ging hervor, dass diese Beziehungen nicht linear sind. Dies erklärte er so:
• Wenn die Auflage erhöht wird, steigt die Zahl der Gelegenheiten für Zweitleserschaften, und zwar proportional.
• Aber der Anteil dieser
neuen Gelegenheiten, die tatsächlich zu einer Mitleserschaft führen, wird kleiner, und zwar aus zwei Gründen:
Erstens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Personen, die zufällig auf ein Exemplar stossen, schon Leser sind. Das heisst, die Zahl derer, die das Heft noch nicht gelesen haben, sinkt.
Zweitens: Eine zunehmende Auflage könnte bedeuten, dass die verbleibenden Nicht-Leser ein immer geringeres Interesse an dieser Publikation mitbringen.
Folglich ist es unvermeidlich, so Brown, dass jedes hinzugefügte Exemplar weniger Leser anzieht als das vorangehende.
Schliesslich zeigten zwei 1987 durchgeführte Studien des britischen Joint Industry Committee for National Readership Surveys, dass sogar sehr hohe Mitleser-Zahlen stimmen können.
Die erste dieser beiden Studien entsprang den Merkmalen von drei Frauenzeitschriften für Haarmode, deren Leser pro Exemplar von 2,5 (bei einem neuen Titel) bis zu 13 variierten. Diese Studie untersuchte auf kleinerer Basis die Zahl der Zeitschriften, die in Coiffeursalons aufliegen, und in welchem Ausmass diese gelesen wurden. Es zeigte sich, dass der LpE-Wert für den neuen Titel zu klein war, während die anderen Mitleser-Ziffern ziemlich genau stimmten.
Man kam zu Schätzungen, dass ein Heft an einem solchen Ort im Verlauf seiner «Lebensdauer» leicht 200 bis 300 Leser anziehen könne. In der Folge treibt diese hohe Mitleser-Zahl einiger Exemplare die gesamte LpE-Zahl auf ein sehr hohes Niveau. Aus der Studie ging aber auch hervor, dass über die Hälfte aller Lesevorgänge dieser Zeitschriften beim Coiffeur stattfanden.
Eine daran wiederum anschliessende Studie über das gesamte Leseverhalten ausser Haus konstruierte, dass die
erwachsenen Engländer den Coiffeursalons insgesamt rund eine Million Besuche abstatten und dass diese Branche 500 Millionen Lesekontakte mit Zeitschriften generiert, die dort aufliegen.
Programmzeitschriften und Sonntagsbeilagen werden gemäss dieser Studie hingegen kaum auswärts gelesen. Aber bei Monatstiteln macht das Ausser-Haus-Lesen immerhin einen Sechstel der gesamten Leserzahl des National Readership Survey (NRS) aus. Eine noch grössere Bedeutung hat die Lektüre ausserhalb der eigenen vier Wände für Zweimonatstitel und Vierteljahreszeitschriften; der Auswärtsanteil beträgt hier nicht weniger als 62 Prozent.
Diese Analysen deuten auf den Zusammenhang zwischen Auflagenhöhe und Erscheinungsintervall einerseits und den Stellenwert des Auswärtslesens andererseits: Ein Zweimonats- oder Vierteljahrestitel kann über einen sehr langen Zeitraum hinweg Leser sammeln. Viele dieser Titel sind physisch robust, haben also eine lange Lebensdauer in öffentlichen Plätzen. Der redaktionelle Inhalt dieser Zeitschriften ist sehr geeignet zum Lesen an solchen Orten.
Zusammengefasst: Das primäre Lesen, also das Lesen durch den Käufer und seine unmittelbaren Angehörigen ist eine Funktion der Auflage und dürfte weit gehend der Auflagenentwicklung folgen. Das gilt jedoch nicht fürs Sekundärlesen und schon gar nicht für das Sekundärlesen von auswärts aufliegenden Zeitschriften.
Preis, Vertrieb und Auflage
beeinflussen den LpE-Wert
Die Kritik am LpE-Wert richtet sich vorwiegend gegen die
Erhebungsmethode in Nutzer-strukturanalysen. Diese beruht auf einer Auskunft «nach dem Hörensagen»: Der befragte Leser wird um Auskunft gebeten, wie viele Personen insgesamt das von ihm genutzte Exemplar der Zeitschrift oder Zeitung lesen. Dieser Wert wird dann für die Hochrechnung auf Reichweiten (Leser pro Ausgabe) verwendet.
Ein hinlänglich exakter Reichweitenwert kann jedoch nur berechnet werden, wenn es gelingt, alle potenziellen Leser einer Zeitung oder Zeitschrift
in die Stichprobe einzubeziehen und nach ihrer Nutzung der vorgegebenen Ausgabe zu befragen.
Dazu schrieb die deutsche Leserschaftsforscherin Eva-Maria Hess: «Die Glaubwürdigkeit von Reichweitenanalysen wird häufig an Leser-pro-Exemplar-Werten gemessen, weil diese Zahlen die Brücke zu den objektiv feststellbaren Auflageziffern darstellen. Ein übermässig hoher oder niedriger Wert für den ‹Leser pro Exemplar› löst stets Überlegungen aus, inwieweit bei dem betreffenden Titel Fehler systematischer Art aufgetreten sein könnten. Dabei gibt es gattungsbezo-
gene Besonderheiten, die die LpE-Werte beeinflussen und die
man bei Plausibilitätsüberlegungen berücksichtigen sollte. Derartige Merkmale sind zum Beispiel unter anderem die Distributionsformen, der Copy-Preis und die absolute Höhe der Auflage.»
Für den Rückgang vieler LpE-Werte lassen sich mehrere Erklärungen anführen:
• Die Lesezirkel haben stark an Bedeutung verloren, dadurch ist die wiederholte Ausleihe
von Zeitschriften gegen Entgelt zurückgegangen.
• Die durchschnittliche Haushaltsgrösse hat sich verringert.
• Der Zeitschriftenmarkt hat sich stark vergrössert, insbesondere ist eine wachsende Zahl von Special-Interest-Titeln hinzugekommen.
Mit anderen Worten: Die Zahl der Mitleser im Haushalt geht zurück und daher sinkt die Reichweite einer durchschnittlichen Ausgabe, also die Zahl der Leser pro Ausgabe (LpA), auch bei steigender oder konstanter Auflage.
In einem Zehn-Jahres-Vergleich von 1979 bis 1989 von sechs überregionalen Tageszeitungen und 25 Zeitschriften in der Deutschschweiz sowie 14 Tageszeitungen, zwei Wochenzeitungen und zehn Zeitschriften in der Romandie zeigte sich bei den Zeitschriften eine starke Abnahme der LpE-Werte von 2,49 (1979) auf 1,79 (1989). Die Abnahme betrug pro Jahr 0,07 LpE-Einheiten.
Demgegenüber zeigte sich bei den überregionalen Tageszeitungen ein uneinheitliches Bild: Während die Leserzahlen sich im Schnitt halten konnten, hatten die Auflagen steigende Tendenz. Daraus resultierte ebenfalls eine Abnahme der LpE-Werte um durchschnittlich 0,03 Einheiten pro Jahr.
Eine Sonderstellung nahmen die Gratistitel ein. Fanden diese 1979 noch 1,2 Leser pro Exemplar, so blieben zehn Jahre später nur noch 1,07 LpE. Sowohl in der Deutschschweiz als auch im Welschland traten die gleichen Verhältnisse ein – allerdings mit Ausnahme der Tageszeitungen in der Westschweiz, die sogar Leser gewinnen konnten.
Hans-Erdmann Scheler fasste 1996 die bisherigen Untersuchungen und ihre Erkenntnisse so zusammen: «Wenn ein Titel neu auf den Markt kommt und wirklich attraktiv für eine Zielgruppe ist, sammelt er erst Leser, das heisst ein Exemplar hat viele Mitleser. Bleibt der Titel attraktiv, rekrutieren sich aus den Mitlesern Erwerber (Käufer und seltener Abonnenten) mit dem Ergebnis: Auflage steigt. Verliert ein Titel an Attraktivität, wenden sich zuerst die Mitleser von ihm ab – mit dem Ergebnis: Die Reichweite geht zurück. Erst wenn der Titel auch für die Erwerber so an Attraktivität verliert, dass auch diese die Zeitschrift nicht mehr lesen wollen, geht auch die Auflage zurück.»
Mit einer Blackbox müssen auch Mediaforscher leben
Der Wiener Mediaforscher Karl Steurer schliesslich entwickelte aus früheren Untersuchungen und neueren österreichischen Daten 1999 die Hypothese, wonach nur für Titel mit identischer Erscheinungsweise, identischer Auflagenstruktur, identischem Zeitschriftentyp erwartet werden könne – nicht jedoch müsse –, dass die Grösse der Leserschaft ähnlich gross sei. Steurer bot dafür gleich mehrere Erklärungen:
• Je grösser der Erscheinungszeitraum, desto grösser ist die Chance, potenzielle Leser zu sammeln – weitester Leserkreis (WLK) – und umso grösser ist die Chance, daraus Leser zu generieren (LpA). Wenn zwei Zeitschriften dieselbe verbreitete Auflage bescheinigt bekommen und eine davon ein Wochenmagazin ist, die andere aber ein Monatsmagazin, wird die Leserschaft (WLK und LpA) in den wenigsten Fällen gleich sein.
• Die Auflagenstruktur hat einen Einfluss auf die erreichbare Leserschaft. Blätter mit gleicher Auflage, aber mit unterschiedlicher Auflagenstruktur, produzieren folglich un-
terschiedliche Leserzahlen. Die Leserschaft einer Zeitung, die fast ausschliesslich aus Abonnenten besteht, wird wieder zu anderen Zahlen gelangen als die einer Zeitung, die vorwiegend im Einzelverkauf oder gratis abgesetzt wird.
• Auch die Marketing-Zielgruppe darf nicht unberücksichtigt bleiben. Jeder Verlag wird in der Regel mehr oder minder durch Marktstudien abgesicherte Vorstellungen davon haben, wer seine Käufer (Leser) sein sollen. Wenn die Marketing-Zielgruppen zweier Objekte nicht dieselben sind, kann auch nicht erwartet werden, dass die Leserschaften, unter gleichen Umständen gleich hoch ausfallen.
Auf Grund dieser Daten kam Steurer zu folgenden Schlüssen:
• Nur wenn die Einflussfaktoren für zwei Objekte weit gehend identisch sind, kann überhaupt erwartet werden, dass gleiche Auflagen ähnlich viele Leser generieren. Doch genügen auch diese Einflussvariablen nicht, um Leserschaftszahlen aus gegebener Auflage befriedigend zu erklären.
• Die verbreitete Auflage allein erklärt «nur» 76 Prozent der Varianz – Abweichung vom Mittelwert – der LpA-Zahl. Das ist zwar an sich schon ein ziemlich guter Wert, aber er ist noch nicht gut genug. Immerhin aber ist
die Auflage die Haupt-Einflussvariable.
• Wird neben der Auflage noch die Auflagenstruktur als erklärender Einflussfaktor hinzugefügt, steigt die erklärte Varianz auf 82 Prozent. Dennoch verbleiben auch dann noch 18 Prozent nicht erklärte Varianz. Das bedeutet: Weder die verbreitete Auflage noch deren Struktur genügen, um Leserschaftszahlen zu erklären oder gar zu prognostizieren.
Es gibt immer mehr übereifrige Studien und immer grössere Ratlosigkeit in der Kommunikationsbranche, aber trotzdem wird man irgendwie das Gefühl nicht los, dass der Zusammenhang zwischen Auflage und Reichweite noch nicht richtig entdeckt ist. Man kann es drehen und wenden, wie man will, einen direkten Zusammenhang zwischen der Höhe der Reichweite, die ein Titel erzielt, und der Höhe seiner verkauften Auflage gibt es nicht. Gleichzeitig scheint auf der Hand zu liegen, dass die beiden Elemente zusammenhängen.
Kleinere Haushalte drücken den LpE-Wert nach unten
Sicher ist, dass die mathematisch-statistischen Ansätze keine Lösung darstellen: Selbst wenn man den Logarithmus von Michael Brown ernst nimmt, besagt er ja doch nichts über den Inhalt der Beziehung zwischen Auflage und Reichweite. Er steckt lediglich die Grenzen ab, innerhalb derer sich die Beziehung abspielt.
Einen vernünftigen Sinn macht die Untersuchung der Beziehung ohnehin nur bei gleichartigen Zeitschriften. Es gibt nun einmal Zeitschriften, die sehr viele Leser pro Exemplar haben, und solche, die sehr wenige haben. Das hängt in der Regel zusammen mit dem redaktionellen Inhalt und der Lebensdauer auf der einen und den allgemeinen Lebensverhältnissen der Rezipienten auf der andern Seite.
Zeitschriften, deren redaktioneller Inhalt über Monate hinweg gelesen wird und von der ganzen Machart her auch über solch lange Zeiträume gelesen werden können, haben natürlich mehr Leser pro Exemplar als solche, deren Inhalt nach ein paar Tagen überholt ist. Und wenn die Familien immer kleiner werden und immer mehr Leute als Singles leben, sinkt natürlich auch die LpE-Zahl. Diese Zusammenhänge über Gebühr zu mathematisieren, ist unergiebig, weil die Zahlen weniger Aussagekraft besitzen als die verbale Erläuterung der Zusammenhänge.
Bei gleichartigen Publikationen, also beispielsweise verschiedenen Automobilzeitschriften oder Magazinen für Haus und Garten, zeigt sich mit ei-
nigen Einschränkungen in höheren LpE-Werten die unterschiedliche Attraktivität der verschiedenen Titel als Ausdruck unterschiedlicher redaktioneller Konzepte. Insofern können höhere Reichweiten bei gleichen Auflagen im Titelvergleich – mit erheblichen Vorbehalten – als Indikator höherer redaktioneller Qualität angesehen werden.
Grundrechenarten für LeserforscherWährend die Reichweite (LpA – Leser pro Ausgabe) ausdrückt, wie viele Personen eine durchschnittliche Ausgabe eines Titels nutzen, gibt der LpE-Wert an, von wie vielen Personen im Durchschnitt ein Exemplar der Ausgaben eines Titels genutzt wird. Diese Zahl wird nicht erhoben, sondern ist das Ergebnis einer Rechenoperation.
Die Glaubwürdigkeit von repräsentativ erhobenen Reichweiten wird häufig an LpE-Werten gemessen, weil diese Zahlen die Brücke zu den sekundärstatistisch ermittelten Auflagenziffern darstellen. Dabei gibt es gattungsbezogene Besonderheiten, die die LpE-Werte beeinflussen und bei Plausibilitätsüberlegungen berücksichtigt werden sollten. Hierzu gehören die Vertriebsarten, der Heftpreis und die absolute Höhe der Auflage.
Die Zahl der Leser pro Exemplar einer Zeitung oder Zeitschrift schwankt je nach Zeitschriften- beziehungsweise Zeitungstyp zwischen 1 und 7 Lesern, bei nur wenigen Titeln erreicht sie einen höheren Wert. Der LpE-Wert ergibt sich mithin als die Summe der Erst- und der Folgeleser beziehungsweise der Primär- und der Sekundärleser. Eine Zeit lang galt die aus der verbreiteten oder verkauften Auflage und der Gesamtzahl der Leser ermittelte Zahl der Leser pro Exemplar als brauchbares Mass für die Reichweite eines Werbeträgers. (wjk)