Sektorielle Wahrnehmungen
Schweizer Time-Budget-Studien gibts nur für Print und TV, aber nicht für alle Medien
Bei den elektronischen Medien wurde zusätzlich die Aufmerksamkeit erhoben, bei den Printmedien die Aktualität der genutzten Ausgabe, die Anzahl der Kontakte mit der genutzten Ausgabe und die Lesemenge. In der Analyse waren Titel und Sender nur als aggregierte Gruppenwerte zählbar. Die Must-Studie unternahm den Versuch, im Intermediavergleich einen neuen Weg zu gehen, indem sie das relevante Umfeld der Werbung vergleichbar machte. Sie sollte:
• die Stärken der klassischen Massenmedien differenziert darstellen,
• alle einbezogenen Medien auf fairer Basis vergleichen,
• Mediaplanern strategisch verwertbare Informationen liefern,
• keine fragwürdigen Rechenkunststücke ermöglichen und
• Nützlichkeit und Anwendungsmöglichkeiten im Markt und in der täglichen Planungspraxis mit echten Daten überprüfen.
Die Studie wollte Nutzern die Möglichkeit bieten, mit Daten und Fakten abzuschätzen, ob ihre Zielgruppe eher auf Print- oder auf elektronische Medien anspricht. Und sie sollte es ermöglichen, die Kommunikationsleistung von Print und elektronischen Medien vergleichbar darzustellen. Als Vergleichsgrösse diente dabei nicht die Reichweite, sondern das «medienspezifische, werberelevante Umfeld», ein Ratingwert, der über alle Medien hinweg den tatsächlich genutzten Anteil des Stoffangebots misst. Kombiniert mit dem Tagesablauf könne festgestellt werden, auf welche Sendegefässe und welche Printgruppen die angepeilten Zielpersonen besonders gut ansprechen.
Die Befragten schilderten die vergangenen 24 Stunden und wählten dafür aus einer Liste von 60 Tätigkeiten. Dabei wurden auch mehrere gleichzeitig ausgeübte Tätigkeiten, etwa Kochen und Radiohören, festgehalten.
Must erfasste sehr viele Medien, von der Presse bis zum Kino, von der Aussenwerbung bis zum Videotext, aber auch neue Medien wie Audiotex oder Computer-Online-Services. Ihr Hauptnutzen bestand darin, dass sie nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität der Mediennutzung misst. Must untersuchte jedoch nicht, wie stark ein einzelner Titel genutzt wird, sondern welche Mediengattung an einem Tag von welchen Personen genutzt wurde.
Mit der Studie wollten Wemf und Publicitas der SRG-Intermedia-Studie etwas entgegenhalten, weil diese die Printmedien vernachlässigt. Nach ursprünglichen Plänen sollte die Pilotstudie um das Jahr 1999 in ein regelmässig publiziertes Planungsinstrument umgewandelt und danach alle drei bis fünf Jahre wiederholt werden. Diese Pläne zerschlugen sich.
Während die SRG-Studie auf einem fixen Zeitraster in Viertelstunden-Schritten basiert, konnten die Befragten der Must-Studie Anfang und Ende der von ihnen genannten Aktivitäten auf die Minute genau festlegen. Dies kann laut Must vor allem bei kurzen Aktivitäten wie etwa beim Zeitungslesen bedeutsam sein. Auf eine Zusammenlegung ihrer beiden Studien konnten sich SRG idée suisse und Wemf/Publicitas nie einigen. Wolfgang Koschnick
