Aufgefallen Zugegeben, ich habe noch keine Folge von «Sex and the City» gesehen, zumal ich nach intensiver «X-Files»-Konsumation eine Serienpause eingelegt habe. Doch beim Betrachten der aufschlussreichen Anzeige für die US-Erfolgsserie wird schnell klar, dass diese Storys eigentlich ein Must wären, weil sie über die aktuellen Umgangsformen zwischen Mann und Frau aufklären. Und ein Crashkurs zwecks besseren Verständnisses kann ja nicht schaden. Wahrscheinlich wäre es dann auch einfacher, die Aussage der Wannabe-Anzeige zu verstehen. Wenn eine Frau sich für einen Mann mit Geld und Auto entblättert, tut sie das sicher auch für einen Megaföhn – ist doch logisch. Doch wozu sie den braucht, das erschliesst sich leider nicht.
Chandra Kurt
[email protected]Kolumne
Die neue Agendavon Mike Müller
Vor zwei Jahren fixte mich ein Bekannter mit seiner elektronischen Agenda an. Als aufgeklärte User gestanden wir uns ein, dass der Kauf eines Handheld zu 80 Prozent bubenhaft motiviert sei – aber in einem rechten Mann stecke nun mal ein rechter Bub. Ich liess meine geschlechtlichen Triebe von der Aussicht auf eine elektronische Agenda gerne sublimieren und kaufte mir den neuesten Visor. Der war nicht sehr lange neu, weil schon bald der neueste Compaq mit viel besserem Bildschirm auf den Markt kam. Ich musste meine Bubenhaftigkeit herunterfahren und argumentierte sehr erwachsen, man könne sich nicht alle sechs Monate ein neues Produkt kaufen. Das war sehr vernünftig, aber zutiefst unbefriedigend. Das Verhältnis von Bubenhaftigkeit und Vernunft wurde beim Visor immer einseitiger. Ich hatte mich zwar an das Gerät gewöhnt, aber Gewohnheit ist in der Elektronik ein unsäglicher Zwischenstatus. Entweder man geht wirklich mit der Zeit, oder man bleibt gleich beim Atari. Jener Bekannte, der mich damals angefixt hatte, berichtete mir nun neulich, ihm seien Handheld und Computer gleichzeitig abgestürzt. Er habe eine halbe Woche damit zugebracht, seine Termine auf höchst analoge Weise wieder zu rekonstruieren. Auf Grund dieses Beinahe-Amnesie-Erlebnisses verwende er wieder eine Agenda aus Papier. Beim Zuhören kriegte ich Schweissperlen in Anbetracht meiner lausigen Back-up-Gewohnheiten und stürzte mich in einen neuerlichen systemtheoretischen Diskurs. Papier oder Elektronik? Oder ein Gedächtnistraining und alle Termine auswendig lernen? Oder gar keine Termine mehr abmachen: Sozial fatal, beruflich desaströs, persönlich solitär?
Vielleicht kaufe ich heimlich den neuesten Palm und benutze an Sitzungen die gute alte Papieragenda. Den Palm schaue ich mir unter der Bettdecke an, sein Bildschirm ist dermassen brillant, dass man nicht mal eine Taschenlampe braucht.
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Mike Müller ist Darsteller.
Business Lunch
Mein Kotelett, dich lieb ich heiss in Butter gewendet nurDas Restaurante Costa Brava liegt zweifellos in einem Stadtteil, der kaum geeignet ist, spanische Assoziationen zu wecken, ausser – logischerweise – man betritt das hübsche kleine Lokal an der Limmatstrasse, um nur gerade diesen einen Heisshunger nach einem Kotelett vom Kalb oder einem Filet vom Rind zu stillen.
Karnivoren können ein Lied davon singen: Wenn sie diese Lust überfällt, ist guter Rat oft teuer, und wenns teuer wird, ists kein guter Rat mehr, ausser – logischerweise – man schiebt die Rechnung lächelnd einem Controller zu. Ist doch bald Weihnachten, komm schon, drück mal ein Auge zu. Hat er nicht, der Kerl. Darum ziehen wir diesem imaginären Oberbuchhalter mal tüchtig den Speck durchs Maul. Selber schuld! Also, es begann nach guter mediterraner Sitte mit einer Fischsuppe, in der allerlei Muschel- und anderes Fischgetier schwamm, teils schon in erheblicher Auflösung begriffen. Macht aber gar nichts: Gekochter Fisch muss die Eingeweide nicht unglücklich machen. Hats in diesem einen Fall auch nicht.
In der Location hantiert man gerne mit Peperoncini. Das gehört sich für ein spanisches Lokal alleweil – allerdings hat der gute Koch ein wenig zu viel davon erwischt, als er die Fischsuppe würzte. Klar, diese roten Schoten gehören sicher in die Suppe, aber wohl dosiert, Señor! Und mit dem Salz hats nicht so gut geklappt, da war auch ein wenig reichlich davon vorhanden. Kann passieren, spricht man gut gelaunt zu sich selbst, schliesslich folgt auf diese Suppe – das Gegenüber delektierte sich an einem Ackersalat – ein Monster von einem Kalbskotelett: Don Amador Villanueva lässt es sich vom Fleischer schön gross herrichten. Am Ende, wenn das Stück langsam in der ausgebutterten Pfanne geschmort hat, bringt es das stattliche Gewicht von 400 Gramm auf die Waage.
Widerstand zwecklos, denn das Fleisch ist zart und von vielen frischen Kräutern bedeckt. Natürlich hats nach diesem Fleischberg keinen Platz mehr für den Nachtisch – mag er noch so locken. Wohin auch damit? Gesättigt ist man schon, aber (noch) nicht so sehr vom Wein. Der schnurgelt jetzt so wohlig die Kehle runter, dass man sich entspannt zurücklehnen möchte, sich aber trotzdem mahnen muss: Aufbruch! Die Bedienung ist gut, das stimmt. Nur: Die Weinkarte dürfte bei den Offenweinen ruhig üppiger ausfallen. Der Preis für die Schlemmerei: 187 Franken. Viel? Wenig? Darauf weiss nur noch der Controller die Antwort…
Carlo Bernasconi
[email protected]
Costa Brava Limmatstrasse 267
8005 Zürich
Tel. 01 272 27 71
Parkplätze hats (fast) immer.
Bewertung
Essen …………………..4
Getränke ………………3
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……..3
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop