NRJ kauft sich zur Hälfte bei Hitradio Z ein

Das Rätselraten um die künftigen Besitzer des zum Verkauf stehenden Hitradio Z ist vorbei.

Das Rätselraten um die künftigen Besitzer des zum Verkauf stehenden Hitradio Z ist vorbei.Weder das Management, noch Roger Schawinski, noch sonst jemand aus dem näheren Umfeld kommt zum Handkuss. Nein. Die Radiobesitzerin Goldbach Media richtet mit ganz grosser Kelle an: Kein Geringerer als der französische Radioriese NRJ kauft sich mit einem 50-Prozent-Anteil bei Hitradio Z ein. Über den Kaufpreis der Beteiligung sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Goldbach-CEO Klaus Kappeler gegenüber der WerbeWoche. Mit NRJ habe man den Wunschpartner gefunden, ergänzte er. Vom Joint-Venture verspricht sich Hitradio Z starke Synergien. Mit NRJ habe sich Goldbach Media auch einen starken grossen Bruder angesichts des forschen Vormarsches von Tamedia im Radiomarkt geholt, so Kappeler.Personelle Veränderungen bei Hitradio Z seien vorerst lediglich im VR geplant, wo NRJ zwei von vier Sitzen einnehmen werde. Am Namen und an der Positionierung von Hitradio Z werde sich grundsätzlich nichts ändern.
Ein wichtiges Argument, das Kappeler vor Monatsfrist als Grund für den Verkauf von Hitradio Z angeführt hatte – man könne als schweizweiter Radiovermarkter nicht auch Besitzer einer Station sein – ist mit dem nur hälftigen Verkauf allerdings nicht eingelöst. «Das ist richtig», sagt Kappeler, «doch der Gewinn an Know-how überwiegt diesen Nachteil.»
NRJ ist mit 300 Radiostationen in neun Ländern der grösste Player in Europa. In der Schweiz ist NRJ mit 24 Prozent an Radio Edelweiss beteiligt und strahlt mit den Sendern NRJ und Nostalgie in die Romandie ein. Dort betreibt sie auch die Vermarktungsfirma Regie Networks Léman.
Die Beteiligung von NRJ bedarf noch der Zustimmung des Bakom und der Wettbewerbskommission. (dse)

Ringiers Luzerner Radio-Joker

Der Medienkonzern hält eisern an seiner Minderheitsbeteiligung an Radio Pilatus fest

Der Medienkonzern hält eisern an seiner Minderheitsbeteiligung an Radio Pilatus festVon Markus Knöpfli Derzeit wechseln Radios ihre Besitzer bekanntlich in Windeseile. Da macht es stutzig, dass ausgerechnet der international tätige Medienkonzern Ringier eisern an einem kleinen Anteil bei Radio Pilatus festhält. Und dies, obwohl er keine Regionalstrategie mehr fährt.
Dass Ringier in der Schweiz nur noch national oder zumindest sprachregional agieren will, leuchtete im Juni als Erklärung für den Ausstieg bei der Neuen Luzerner Zeitung (NLZ) sofort ein. Der Verkauf an die NZZ, die dadurch mit 33 Prozent bei der LZ Medien Holding einsteigen konnte, war nur konsequent. Auch aus der zur LZ Medien gehörenden Vertriebsorganisation ist Ringier ausgestiegen.
Nicht so beim lokalen Privatradiosender Pilatus. Dort hält der grösste Schweizer Medienkonzern weiterhin einen Anteil
von 18,2 Prozent und ist zudem über Bruno Blaser, Verlagsleiter Blick/SonntagsBlick, im Verwaltungsrat (VR) vertreten. Blasers VR-Kollegen stammen von den Einzelhandelsriesen Coop und Migros sowie von der Luzerner Kantonalbank (je 10 Prozent). Die LZ Medien als grösster Aktionär mit 36,4 Prozent stellt mit Erwin Bachmann den VR-Vizepräsidenten, als VR-Präsident amtet Leo Fischer (Ex-Cablecom), der 15,4 Prozent hält.
Im Medienpoker verspielt man einen Joker nicht ohne Not
Fragt man bei Ringier nach, erhält man keine erhellende Begründung für das Festhalten an Pilatus. «Der Sender ist hoch profitabel und die Beteiligung tut uns nicht weh, deshalb bleiben wir bis auf weiteres dabei», sagt COO Martin Werfeli. Was die Frage nicht ganz beantwortet, denn auch die Beteiligung an der NLZ war profitabel.
Verschlossen gibt sich auch Bruno Blaser. Er weist nur darauf hin, dass es bei Pilatus «sehr kompliziert» sei, Anteile zu verkaufen, weil alle andern Aktionäre ein Vorkaufsrecht hätten. Gleichwohl weist Blasers Aussage auf eine Spur, denn ein Vorkaufsrecht stellt für einen Verkäufer nur dann ein Problem dar, wenn er den Vorkaufsberechtigten keine höheren Anteile zuschanzen will – oder wenn er einen Aussenstehenden begünstigen möchte.
Als Interessentin kommt vor allem Tamedia in Frage, umso mehr als Radio Pilatus zusammen mit den drei Tamedia-Radiosendern 24, Basilisk und ExtraBern zum City-Pool gehört. Weshalb aber sollte Ringier der Konkurrentin Tamedia diesen Gefallen tun? Kommt dazu, dass Tamedia kürzlich ihre kleine und auch nur indirekte Beteiligung an Radio Pilatus abgestossen hat: Einen Anteil von 3,3 Prozent an den LZ Medien verkaufte sie still und heimlich – an die NZZ.
Aus Insiderkreisen ist von einem Gegengeschäft zu hören, was offiziell überall dementiert wird. Handelte sich Tamedia damit freie Hand für die Neulancierung des Express ein? Oder für die City-Pool-Strategien?
Indes, auch die NZZ könnte am Ringier-Anteil interessiert sein – um beim Sender direkt mitzureden. Beat Lauber, bei der NZZ zuständig für Regionalmedien, winkt ab. In der NZZ-Strategie werde jede Region als eigener Markt betrachtet, weshalb Beteiligungen an einer regionalen Medienholding Sinn machten, nicht aber an dazu gehörenden Einzelmedien.
Der Einzige, der sein Interesse an einem Pilatus-Anteil offen deklariert, ist Markus Ruoss, Chef von Radio Sunshine, die Nummer zwei der Innerschweiz. Der Grund: Die LZ Medien halten an Ruoss’ Radio einen Anteil von 16 Prozent, den dieser gerne zurückkaufen möchte, aber nicht kann. Der Ringier-Anteil käme ihm als Druckmittel da sehr entgegen. Doch selbst wenn Ringier dafür Hand böte, die andern Pilatus-Aktionäre, die übrigens alle ihren Anteil behalten wollen, täten es kaum.
Ringier scheint also mit dem Verkauf zuzuwarten und einen geeigneten Deal abzupassen, bei dem er den Pilatus-Trumpf aus dem Ärmel ziehen kann
Radio Pilatus wird aufgefrischt

Radio Pilatus startete am 1. Dezember in sein 20. Betriebsjahr. Aus diesem Anlass wird der Claim «der beste Mix der 80er und 90er und die Super-Hits von heute» auf Anfang 2003 durch «Wir spielen die Hits» ersetzt. Für das neu produzierte Layout-Paket arbeitet Radio Pilatus mit der österreichischen Produktionsfirma Foster Kent zusammen, die das akustische Design für Ö3 und Antenne Bayern entwickelt hat. Im Musikprofil setzt Pilatus weiterhin auf aktuelle und eingängige Hits. Pilatus-Geschäftsführer Joachim Freiberg bezeichnet die Änderungen nicht als Relaunch, sondern als «Refreshing». Dennoch sollen sie mit einer aus vier Sujets bestehenden Kampagne der Luzerner Werbeagentur Künzle breit kommuniziert werden. (mk)

Voll jazzig!

Von Beat Fritsch

Von Beat FritschWie immer Ende November, seit der Wiederbelebung der Idée-Jazzbar vor vier Jahren, hiess es am letzten Donnerstag «Let’s jazz!» mit der Idée-VfW. Der Anlass hat mittlerweile wieder einen fixen Platz in der Veranstaltungsagenda der Zürcher Werberszene erobert und zieht Jahr für Jahr mehr Publikum an.Heuer, so waren sich Besucher und Organisatoren vom Verein für Werbekommunikation einig, sei es die beste Jazzbar seit langem gewesen. Der Erfolg dürfte nicht zuletzt mit dem Wechsel des Austragungsorts zusammenhängen. Zum ersten Mal fand nämlich der Event im Bar-&-Lounge-Club «Herb» im Zürcher Seefeld statt. Eine ideale Wahl, wie sich herausstellte. Bis anhin fand das Jazzkonzert im «El Lokal» an der Gessnerallee statt – dieses Jahr waren die Werber dort allerdings nicht mehr willkommen, denn man passe nicht mehr ins Konzept, wurde die Ausladung lapidar begründet.
Mit dem «Herb» habe man jetzt aber sowieso ein besseres Lokal gefunden, meinte Natalie Schneider, seitens von Idée Projektverantwortliche für den Jazz-Event. Die Zusammenarbeit mit «El Lokal» sei nämlich sehr kompliziert und meist auch chaotisch gewesen. Im «Herb» hingegen ist man mit den beiden Geschäftsführerinnen Louise und Katharina Ilone bei zwei Gastroprofis gelandet, die sich um einiges kooperativer zeigten als der frühere Gastgeber.
Der Umzug zog auch Neuerungen beim Essen nach sich. Zum ersten Mal arbeitete man fürs Catering mit der bekannten Event-Frau Judith Morf zusammen; und auch hier herrschte allseits Zufriedenheit mit dem Gebotenen.
Natürlich ist für einen solchen Anlass die Mithilfe von Sponsoren unerlässlich, wie Natalie Schneider in ihrer Begrüssungsrede zum Ausdruck brachte. Tarkan Özküp, Marketing- und Verkaufsleiter bei TeleZüri, und Yvonne Müller, Verlagsleiterin bei der KI Media mit dem Radio-Magazin, sorgten mit grosszügigen Beiträgen dafür, dass wiederum drei junge Bands von der Musikhochschule Winterthur Zürich engagiert werden konnten. Die Partnerschaft mit Hanspeter Künzle von der Abteilung Jazzschule Zürich bewährte sich seit dem Revival der Jazzbar vor vier Jahren bestens. Einmal mehr witterten die musikalischen Nachwuchstalente ihre Chance und legten sich voll ins Zeug… könnte ja sein, dass der eine oder andere Gast nächstes Jahr selbst ein Bandengagement für einen Event zu vergeben hat. Von den einzelnen Musikern wird man früher oder später sowieso noch hören, denn die drei Jazz-Combos bewegten sich auf höchstem Niveau.
Einen weiteren Spezialapplaus gabs neben den Musiksponsoren auch für Renato Schena und Beppo Genovese von Star Plakat, die grosszügig die Getränke für den Welcome-Apéro offerierten. Und auch Publimedia, verantwortlich waren hier Markus Ehrle und Daniel Strobel, erhielt fürs Sponsoring des Essens eine «Big Hand». Nicht zu vergessen sind weitere spendable Geldgeber wie Clear Channel Plakanda, Condor Communications, Time-System, das NJP-Tonstudio oder der Drucklade, ohne die eine Durchführung der Jazzbar sicher nicht möglich gewesen wäre. Gerade in der heutigen Zeit, die sich eher durch Sparhysterie denn Grosszügigkeit auszeichnet, verdienen derartige Sponsoring-Einsätze ein besonderes Lob.
Im Publikum, das sich bis spät abends prächtig amüsierte, sah man neben vielen anderen auch ZKB-Werbeleiterin Bernadette Grossenbacher, Marlise Schneider von Union-3-Communications mit Ehemann Urs Schneider, Inhaber der Agentur Mediaschneider, Koni Künzli von Outdoor Media, Roger Baur von AdLink, Carlo Steiner von Publisuisse oder Irene Ackermann mit ihrem Boss Andreas Meili, Chef elektronische Medien bei Tamedia.
Auch an der ASW-Gala vom letzten Freitag gabs ein grosses Stelldichein der Werbebranche. Über 120 Personen aus ASW-Agenturen sowie geladene Honorablen, zum Beispiel Monika Luck und Piero Schäfer von der SW, SWA-Geschäftsführer Jürg Siegrist oder der ehemalige ASW-Geschäftsführer Erik Sörensen mit Ehefrau Rose Sörensen von Sörensen Management Services, fanden sich im «Triibhuus» in Zürich-Altstetten ein. Die Anlässe im «Triibhuus», eine Mischung aus Gärtnerei, Tropenhalle und Eventbeiz, stehen unter der Regie von «Turm»-Wirt Toni Navarro. Er liefert gleich auch die edlen Rebensäfte und -brände, die dort durch die Kehlen fliessen. Alles sehr spanisch, weshalb für einmal nicht Grappa oder Cognac, sondern diverse Brandys zum Kaffee gereicht wurden.
Der offizielle Teil der Veranstaltung wurde bewusst zügig vorangetrieben, schliesslich bevorzugt auch ASW-Präsident Diego Bally lockere Tischgespräche mehr als langatmige Reden. Wodurch dem offiziell Gesagten wiederum höhere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, was vor allem André Heinzelmann gefreut haben dürfte. Sein Atelier Heinzelmann wurde nämlich dieses Jahr neu in die ASW aufgenommen. Die Mitgliederurkunde bekam er aus den Händen von Vorstandsmitglied Markus Diener vor respektvoll still sitzendem Publikum überreicht – bekanntlich bei Werbern eher eine Ausnahmeerscheinung.
Und auch die Ankündigung der nächstjährigen ASW-Generalversammlung ob dem Vierwaldstättersee – eine Jubiläumsveranstaltung notabene, denn die Allianz wird 40-jährig – dürfte jedermanns Ohr erreicht haben.
Beat Fritsch

war letzte Woche «in the mood» für Jazz und gleich noch im Altstetter Dschungel. Anlässe, die Jahr für Jahr von zwei der wichtigsten Schweizer Kommunikationsverbänden veranstaltet werden: Die traditionelle Idée-Jazzbar des Vereins für Werbekommunikation ging erstmals im «Herb» über die Bühne – und auch über das «Triibhuus», das sich die Allianz Schweizer Werbeagenturen ASW für ihre Gala als Location aussuchte, wird zum ersten Mal berichtet. Beide Events wurden von Veranstaltern und Gästen als voller Erfolg gewertet.
Wer sich in der Kommunikationsszene an Partys und Apéros trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Branche. Haben Sie jetzt schon etwas Spannendes zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tastatur (info@werbewo che.ch). Für Veranstaltungstipps und gelegentlich auch weitere Shortlist-Bilder: www .werbewoche.ch

Diese Type törnt noch keine an

Ringier setzt Romandie beim Männermagazin Type auf Schweizer Inhalte und riskiert damit Langeweile

Ringier setzt Romandie beim Männermagazin Type auf Schweizer Inhalte und riskiert damit LangeweileVon Sabine Lüthi Mit Type stösst Ringier Romandie in die Welt der Männermagazine vor. Das Heft bietet viel Kalkül, noch mehr Klischees und dennoch 30 Anzeigenseiten. Das Glück des Tüchtigen oder des Anfängers? Die Antwort darauf wird im März die inländische Konkurrenz geben.
Drei Mal blättern, vier Seiten Tyler Brûlé. Ein Mal leer schlucken. Wenn das Interview mit dem Trendguru als Auftakt der ersten Nummer des Westschweizer Männermagazins Type selbst auf Frauen nicht als Kaufanreiz wirkt, wie siehts dann erst beim vermeintlich starken Geschlecht aus? Ist der Kampf um die männliche Aufmerksamkeit am Kiosk etwa noch nicht hart genug? Dann doch lieber gleich ein 50-Seiten-Special über James Bond: Das US-Magazin GQ machts vor.
Für Type hingegen muss bei jeder Geschichte, jedem Bild ein Schweizer Aspekt sichtbar sein. Das schränkt die Themenwahl drastisch ein und macht das Hochglanzprodukt (Startauflage beträgt 80000 Exemplare) nicht gerade spannend, geschweige denn überraschend. Gleichviel: Die Abonnenten der Ringier-Zeitschriften Edelweiss und L’Hebdo erhalten das Heft ja kostenlos.
Dennoch verdient Ringier Anerkennung dafür, dass der Medienkonzern trotz schlechter Konjunkturdaten ein Männermagazin lanciert. Als kleiner Bruder des Frauenmagazins Edelweiss verbindet ihn mit seiner älteren Schwester nebst der Herkunft die edle Erscheinung.
Das Cover mit Ken und Barbie im Sessellift erinnert etwas an PR-lastige Inflight-Titel oder den neusten PKZ-Modekatalog, Abteilung Pelzwaren. Mit seinen knapp 100 Seiten ist Type (auch inhaltlich) zu dünn, um als substanzielles Magazin zu gelten, und zu transparent, um geheimnisvoll zu wirken.
Ein vom Lifestyle eingerichteter Gemischtwarenladen ohne USP
Wollen emanzipierte Schweizer Männer heute wirklich noch lesen, dass sie zu 80 Prozent nicht wissen, was eine Klitoris ist (ein Gespräch unter drei Frauen über das erste Mal mit jedem neuen Mann)? Oder müssen sie sich vom Modejournalisten Brûlé tatsächlich sagen lassen, dass sie sich «assez choquante» kleiden?
Aber eigentlich hat sich Type ja den schönen, traditionellen und kapitalintensiven Seiten des Männerdaseins verschrieben. Die da wären: flotte Autos, teure Uhren, High-Snobiety in den Schweizer Bergen und sieben Wellness-Orte in der Romandie – alles dargereicht im schicken, schnörkellosen Häppchen-Stil. Artikel, die diesen Namen verdienen würden, gönnt man sich und dem Leser hingegen kaum.
Ungeachtet dieser Schmalkost weckt Chefredaktorin Renata Libal im Editorial allerlei Erwartungen. Type sei ein Begleiter, ein Freund und ein Vertrauter, dank dem das Leben amüsanter, interessanter und einfach schöner werde. Von all dem ist zumindest im ersten Heft nichts in den sechs Franken inbegriffen, die am Kiosk dafür liegen bleiben. Vielmehr verdichtet sich bei genauerem Hinsehen der Verdacht, dass nicht nur Libal, die zudem der Edelweiss-Redaktion vorsitzt, sondern auch die übrigen Mitwirkenden Type erst dann produzieren, wenn sie ihre Hausaufgaben erledigt haben. Dafür spricht nicht nur der lieblose Stil, sondern auch die Tatsache, dass sich die Redaktion aus Journalisten verschiedener Ringier-Titel «mit Freude am Swiss-Lifestyle» (Medienmitteilung) zusammensetzt.
Auch eine eigene Bildphilosophie ist so recht nicht erkennbar. Kein Wunder, ordnen sich die viel zu kleinen Fotos doch ganz klar der Werbung unter. Und die Models schauen in die Kamera, als ob sie seit zehn Minuten auf das erlösende Klicken des Auslösers warteten. Selbst die Howell-Schuhe sind so abgelichtet, dass man ihren Stil bloss erahnen kann, und das «Dossier» über das neue Après-Ski-Vergnügen langweilt über fünf Seiten mit unterkühlten Zeichnungen, anstatt mit stimmungsvollen Schnappschüssen zu unterhalten.
Die Konkurrenz scharrt bereits mit den Füssen
Sollte dem Ringier-Nachwuchs ungeachtet dieser augenfälligen Kinderkrankheiten dennoch Erfolg beschert sein, dürfte der grösste Schweizer Verlag versucht sein, Type auch diesseits der Sprachgrenze vier Mal pro Jahr unter die Leser zu bringen. Zunächst jedoch sind für 2003 zwei weitere französischsprachige Ausgaben geplant.
Die Konkurrenz hat indessen nicht geschlafen: Am 7. März 2003 erscheint erstmals «Bo – Bolero for men». Und Eric Valette, Chef von Audace Publishing (unter anderem Profil Femme), arbeitet bereits an einem Nachfolger von Untell, dem im Februar eingestellten Männermagazin. Das verspricht noch mehr und hoffentlich tiefere Einblicke in die Männerwelt und Antworten auf die schwierige Frage: Wollen Männer wirklich so unterhalten werden oder vielleicht doch ganz anders?

Etat-News: Angelink gewinnt Helsana-Mandat

Nach einer Agenturevaluation hat Helsana die Zürcher Crossover-Agentur Angelink mit einem Projektetat betraut.

Nach einer Agenturevaluation hat Helsana die Zürcher Crossover-Agentur Angelink mit einem Projektetat betraut.Etat-News Angelink gewinnt Helsana-Mandat Sie bewirbt für die Krankenkasse eine neue webbasierte Dienstleistung für Firmenkunden, die im Frühjahr 2003 lanciert werden soll. Für Angelink habe das Know-how in der Orchestrierung von On- und Offline-Massnahmen gesprochen, heisst es in einer Mitteilung.
Solvias engagiert Lucky Lack Das Basler Hightech-Unternehmen Solvias hat sich für Lucky Lack als Werbeagentur entschieden. Solvias ist 1999 als Spin-off aus dem Pharmakonzern Novartis entstanden. Es bietet eine breite Palette chemischer, physikalischer und biologischer Dienstleistungen für Kunden aus der Pharma-, Agro-, Chemie- und Ernährungsindustrie sowie für Behörden und Institutionen an. Erste Umsetzungen sollen noch dieses Jahr zu sehen sein.
Trimarca hat ein Olympiastadion in Peking Die Churer Agentur Trimarca Kommunikation hat einen Auftrag des Architekturbüros
Burckhardt+Partner, Zürich, erhalten. Das Büro wurde vom Organisationskomitee für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking nach einem internationalen Wettbewerb mit dem Bau eines Stadions beauftragt. Trimarca erstellt für das geplante «Wukesong Cultural and Sports Center Beijing» Präsentations-Charts und Projektbroschüren.

Ganz normale Kundschaft

Versus positioniert die Rollstuhlmarke Küschall mit einer weltweiten Inseratekampagne

Versus positioniert die Rollstuhlmarke Küschall mit einer weltweiten Inseratekampagnevon Simone Keller Werbung für oder mit Behinderten ist oft mit Vorurteilen belastet, und viele Umsetzungen sind nicht selten umstritten. Versus fährt für den Rollstuhl-Brand Küschall über die klassischen Rollenmuster hinaus und zeigt Behinderte in ihrem normalen Alltag.
Spätestens seit Dezember 2000 sieht sich die Schweizer Bevölkerung mit einem neuen Bild von Behinderten konfrontiert: Die Organisation Pro Infirmis zeigte in ihrer Imagekampagne selbstbewusste Menschen, die sich «nicht behindern lassen». Gemäss Gesundheitsbefragung von 1997 des Bundesamtes für Statistik leben in der Schweiz 790000 Menschen mit einer Behinderung. Während in früheren Fundraising-Kampagnen für Behindertenorganisationen Menschen mit Handicap oft als bemitleidenswert dargestellt wurden, setzten Pro Infirmis und die damalige Agentur Metzger Lehner Briccola neue Zeichen in diesem Markt – Zeichen, die nachhaltige Wirkung zeigten.
Beispielsweise bei der Basler Fullservice-Agentur Versus. Sie wurde von Invacare AG nach einem Pitch mit der Neupositionierung des Rollstuhl-Brands Küschall beauftragt. Die von Rainer Küschall gegründete Marke steht für Design-Rollstühle, die sich durch Leichtigkeit und Funktionalität auszeichnen. Der Stuhl «Competition» brachte dem Tetraplegiker in New York sogar den Design-Preis des Museum of Modern Art ein.
Versus verlässt für Küschall das gängige Klischee
«Wer sich für einen Küschall entscheidet, kauft meist einen Zweitrollstuhl», erklärt Versus-CD und -Geschäftsleitungsmitglied Filippo Muscara. Eine durch Invacare in Auftrag gegebene Studie belege, dass der Küschall-Kunde sich einen Rollstuhl kaufe, der seiner aktuellen Lebenssituation und seinen speziellen Bedürfnissen angepasst sei. Gehbehinderte, die gerade mit ihrem Schicksal konfrontiert worden seien, liessen sich bei der Wahl des Rollstuhls von Ärzten und Therapeuten beeinflussen. Auch die Höhe der Versicherungsbeiträge, die von Land zu Land variieren, spielten eine zentrale Rolle beim Rollstuhlkauf.
Die im Oktober angelaufene Kampagne umfasst neben der CI und dem Logo auch Broschüren und Anzeigen und richtet sich erstmals direkt an den Konsumenten. Damit soll auf internationaler Ebene die Bekanntheit von Küschall erhöht und die damit verbundenen Kundenbenefits kommuniziert werden.
Die Visualisierung dieser Botschaften sei eine Gratwanderung gewesen, gesteht der CD. Denn das Zielpublikum sollte als ganz normale Kundschaft eines Gebrauchsartikels angesprochen werden. Gemäss Muscara setzen die meisten Rollstuhl-Hersteller in der Kommunikation auf die Abbildung des Gerätes oder auf das klassische Rollenmuster «Ich bin behindert, du nicht».
Klare und einfache Ansprache, nur für Behinderte
In der Umsetzung will das Versus-Kreativteam bewusst auf eine Ausgrenzung verzichten und zeigt Menschen «in einer Alltagssituation, für die das entsprechende Rollstuhlmodell speziell geeignet ist». Die schwarzweissen, gestellt wirkenden Fotos von Heino Heimann mögen dem nicht behinderten Betrachter steril erscheinen. Muscara: «Wir haben Situationen dargestellt, die zwar jeder kennt, jeder aber ganz individuell erlebt. Durch die abstrakten Fotos wird dem Erleben und den damit verbundenen persönlichen Vorstellungen Platz gelassen.» Zudem richte sich die Kampagne ganz klar an Handicapierte. Diese hätten auch an der Fachmesse Rehacare, an der der neue Auftritt präsentiert wurde, sehr positive Reaktionen für den Auftritt gezeigt, freut sich Muscara.
Doch selbst der funktionellste Rollstuhl taugt nichts, wenn viele Restaurants und Läden oder Verkehrsmittel nicht zugänglich sind. Ein im Auftrag von Pro Infirmis durch das Bundesamt für Statistik verfasster Bericht liefert dazu teils geschätzte Zahlen: Demnach sind 87 von 19000 Restaurants rollstuhlgängig, und nur die Hälfte der 3600 SBB-Waggons verfügen über ein Rollstuhlabteil. Eine Beseitigung dieser Missstände streben die Initianten der 1999 eingereichten Volksinitiative zur Gleichstellung Behinderter an. Die Vorlage wurde in der Wintersession mit der Begründung abgelehnt, sie habe finanziell unabsehbare Folgen. Über das Volksbegehren wird der Souverän voraussichtlich just im kommenden ‹Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung› zu befinden haben.
Die Kampagne wird über einen geplanten Zeitraum von zwei Jahren in folgenden Ländern eingesetzt: Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Holland, Belgien, England, Finnland, Spanien, Portugal, Israel, Griechenland, Naher Osten, Ägypten, Südafrika, USA, Argentinien, Japan und Osteuropa. (sk)

News: Jahrbuch Marketing Kommunikation

News Jahrbuch Marketing Kommunikation Bereits in der 13. Ausgabe erscheint das Jahrbuch Marketing Kommunikation 2002. «Nirgends sonst erschienene Topstorys und Leitartikel zu neuen Formen in der

News Jahrbuch Marketing Kommunikation Bereits in der 13. Ausgabe erscheint das Jahrbuch Marketing Kommunikation 2002. «Nirgends sonst erschienene Topstorys und Leitartikel zu neuen Formen in der Marketing-Kommunikation machen den Klassiker auch dieses Jahr zum Standardwerk für jeden Marketing- und Kommunikationsprofi», schreibt Jahrbuch-Chefredaktor Urs Seiler. Das 280 Seiten starke Werk ist im Verlag Künzler-Bachmann Medien in St.Gallen erschienen (www.kbme dien.ch) und kostet 59 Franken. Das Buch präsentiert international prämierte Werbekampagnen, Fallstudien, Trends sowie Tipps aus der Praxis vom «Call-Center als Krisen-Hotline» über Aussenwerbung bis Multi-Channel-Marketing.
Schweizer DM-Preis 2003 ausgeschrieben Zum fünften Mal schreibt der Schweizer Direktmarketing-Verband seinen Wettbewerb für die beste Direktwerbung aus. Für den Dialogmarketing-Preis (DM-Preis) können kreative Arbeiten eingereicht werden, deren primäres Kommunikationsziel das Auslösen einer messbaren Reaktion bei der Zielgruppe ist. Sie müssen eine klar artikulierte und überzeugende Aufforderung zur Handlung aufweisen. Einsendeschluss ist am 31. Januar 2003, die Preisverleihung findet am 11. April statt. Weitere Informationen bei Christa Niklaus von Fisch Meier Direkt unter Tel. 01 711 72 27, E-Mail: cniklaus@fischmei er.ch oder auf der Website www.dm-preis.ch.
Clio Awards 2003: Anmeldefrist läuft Ab sofort können Arbeiten für den internationalen Kreativwettbewerb Clio Awards eingereicht werden. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2003. Die Auszeichnungen werden am 19. und 20. Mai überreicht. Die Teilnahmedokumentation ist beim Branchenverband Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen erhältlich (Eva Dinner, Tel. 01 361 37 60, E-Mail: eva.din [email protected]) oder über die Homepage des Veranstalters, www.clioawards.com.

Zürcher Vampir-Volk

Publicis fährt für das Nachtnetz des ZVV in die Wälder Transsylvaniens

Publicis fährt für das Nachtnetz des ZVV in die Wälder TranssylvaniensVon Luca Aloisi Just am Tag des internationalen Fahrplanwechsels nimmt der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) den Nachtbetrieb auf. Ab dem 15. Dezember soll das Partyvolk am Wochenende im Zweistundentakt von Location zu Location bummeln können. Die Inspirationsquelle für den Launch liegt fernab von Zürich in der düstersten Ecke Transsylvaniens.
Wer Downtown Switzerland kennt, weiss, dass Zürichs Wochenendnächte so untot sind wie Abraham Stokers Romanfigur Graf Dracula. Und das nicht erst seit der Street Parade, der «Langen Nacht der kurzen Geschichten» oder der «Nacht der Museen».
Wirklich glücklich wurden bisher aber nur jene Nachtbummler, die mit dem privaten Fahrzeug in und durch die Partystadt gondeln konnten. Denn längst bestimmt nicht mehr die Polizeistunde, wann der Zauber vorbei und die Rückreise anzutreten ist, sondern der Fahrplan der Nachtbusse. Mit dieser Einschränkung ist aber ab Mitte Dezember Schluss.
Mit der «nachtaktiven» Aufwertung des ZVV rückt ab Mitte dieses Monats das Millionen-Zürich auch zwischen Abenddämmerung und Morgenrot näher zusammen. Um die wichtigsten Ausgehzentren im Kanton Zürich zu erschliessen, sollen jedes Wochenende vier
S-Bahn- und 32 Bus-Linien mit 850 Haltestellen rund um die Uhr bedient werden. Ein Pauschalzuschlag von fünf Franken soll die Kosten für den in dieser Form einzigartigen Service decken.
Publicis positioniert das ZVV-Angebot in bester MTV-Manier
ZVV-Projekt- und Kommunikationsleiter Hans Wälty berechnete allein für den Kanton eine potenzielle Zielgruppe von rund 200000 Personen – vor allem Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren sowie Junggebliebene. Um dieses Publikum, das erfahrungsgemäss dem öffentlichen Verkehr gegenüber eher skeptisch eingestellt ist, für das neue Angebot zu gewinnen, liessen Marketingleiter Caspar Sträuli und Hans Wälty einen Prospekt in einer Auflage von einer halben Million Exemplaren drucken und einen «wilden Werbespot» drehen.
Dieser startet aber erst Mitte Januar, einen Monat nach der Angebotserweiterung. «Damit weichen wir dem Weihnachtsrummel aus und erhoffen uns danach eine bessere Beachtung», erklärt Wälty die Einsatzstrategie von Kinospots und Inseraten.
Für die Werbeidee der Kampagne liess sich das Kreativteam um Chief Creative Officer Jean Etienne Aebi weniger von harten Fakten als viel mehr vom wild romantischen Image des berühmtesten nachtaktiven Geschöpfs leiten. Unter dem Motto «Leben wie die Fledermaus – erst rumflattern, dann abhängen» entwickelte Publicis eine so verblüffend logische wie augenfällige Kernidee, die beim anvisierten Publikum Kultpotenzial haben könnte.
Im Zentrum der Kampagne stehen, beziehungsweise hängen die Heimreisenden in den S-Bahn-Waggons. Stokers Legende zufolge – nach der sich Vampire in Fledermäuse verwandeln können – nehmen die Fahrgäste beim Betreten der Nachtbahnen das spukhafte Verhalten dieser Kreaturen an und schwingen sich mit einer gekonnten Rolle an die Decke der Waggons, wo sie mit den Füssen haften bleiben.
Eindrücklich umgesetzt wurde das Drehbuch von Regisseur Marc Schölermann und Kameramann Ekkehart Pollack. Mit ihrer dynamischen Filmsprache, den rasanten Schnittfolgen und der gruftigen Szenografie ist es ihnen auch ohne transsylvanische Berglandschaften gelungen, die hypnotische Wirkung des notorisch lichtscheuen Grafen der Finsternis aufs Zürcher Bus- und Schienennetz zu übertragen.

In Olten droht der Overkill

Espace Media Groupe spannt Gratisblätter gegen die Mittelland Zeitung ein

Espace Media Groupe spannt Gratisblätter gegen die Mittelland Zeitung einVon Markus Knöpfli Im Mittelland tobt die Schlacht um Leser und Anzeigenkunden heftiger als je zuvor: Die Espace Media Groupe hat eine neue Front eröffnet und will nun nach den Tageszeitungen mit Gratisanzeigern den Markt in Solothurn und neu auch in Olten und Zofingen aufmischen.
Mit der Gratisverteilung des Solothurner Tagblattes (ST), mit übertriebenen Rabatten sowie Köderangeboten fahre die Espace Media Groupe (EM) seit gut einem Jahr im Raum Solothurn eine wettbewerbsverzerrende Verdrängungsstrategie. Diese Vorwürfe stammen von der alteingesessenen Solothurner Zeitung (SZ). Sie waren Grundlage einer Klage gegen die EM bei der Wettbewerbskommission (Weko). Vergangene Woche stellte nun aber die Weko ihre Vorabklärungen gegen die EM ein. Sie sah im Marktauftritt der Berner Zeitung und ihres Solothurner Splits keinen Anhaltspunkt für kartellrechtlich unzulässige Verhaltensweisen.
Doch die EM mochte den Weko-Entscheid gar nicht erst abwarten. Sie war sich ihrer Sache so sicher, dass sie schon vor zwei Wochen zum nächsten Schlag gegen die SZ und deren Partner im Verbund Mittelland-Zeitung (MLZ) ausholte, diesmal aber auf der Ebene Gratisanzeiger.
Schon seit einigen Jahren besitzt die EM die Solothurner Woche (SoWo, Auflage: 74467 Exemplare). Das Streugebiet ist deckungsgleich mit demjenigen von zwei amtlichen Anzeigern der SZ-Herausgeberin Vogt-Schild/Habegger (VS/H). Vor einem Jahr verkuppelte sich die SoWo mit dem Anzeiger für Gäu und Thal (AGT, 20848 Exemplare) zum Jurasüdfuss-Kombi (JSFK).
Wird der Zeitungskrieg an
Oltens Aareufer entschieden?
Doch das Kombi hat den Nachteil, dass es nur gerade vor die Tore Oltens gelangt, die Stadt selbst aber nicht abdeckt. Deshalb beschloss man im JSFK, dass der selbstständige AGT sein Streugebiet per
1. Januar 2003 nach Olten ausdehnt. Zudem wurde der Allgemeine Anzeiger für den Bezirk Zofingen («Arbiger» genannt) als Kombi-Plus-Variante angeworben. Neu wird das JSFK somit 108000 Haushalte erreichen. In der Plus-Variante kommt es gar auf 130000 Exemplare. Mit dieser geografischen Ausdehnung deckt das JSFK-Plus nun aber mit einem Millimeterpreis von 1.80 Franken ein Gebiet von Grenchen bis Zofingen ab, was zu einem Grossteil dem Streugebiet von SZ und deren MLZ-Partner Oltner und Zofinger Tagblatt entspricht.
In der Region wertet man das JSFK deshalb als weitere Kampfansage gegen die MLZ. «Das ist es überhaupt nicht», wehrt sich dagegen SoWo-Geschäftsleiter Paul Galli. Das Kombi habe sich durch die Autobahnverbindung zwischen Solothurn und Biel quasi aufgedrängt und sei auf Wunsch nationaler Kunden im Gäu-Park realisiert worden. «Mit der EM hat dies nichts zu tun», sagt Galli, der dort allerdings mit in der Unternehmensleitung sitzt.
Der AGT-Vorstoss nach Olten hat auch in der Aarestadt viel Staub aufgewirbelt. Dort machen sich bereits vier Blätter das Leben schwer. Da ist zum einen die Tageszeitung Oltner Tagblatt (Dietschi AG), die zusammen mit dem Gratis-Wochenblatt Stadtanzeiger Olten (100 Prozent Publicitas) amtliches Publikationsorgan ist. Weiter wird die Stadt durch den Niederämter Anzeiger aus Schönenwerd und seit fünf Jahren durch die Neue Oltner Zeitung vom Verlagshaus Zehnder in Wil (SG) abgedeckt. Hannes Röthlisberger, Mitinhaber des Inseratevermittlers Regio Annoncen in Langenthal, schüttelt den Kopf: «Ich weiss nicht, was der AGT sich überlegt hat, in Olten hat es keinen Platz für vier Anzeiger», sagt er. Dennoch räumt er dem JSFK Chancen ein: «Das ist kein schlechtes Kombi, die SoWo ist verwurzelt und beliebt.»

Vogt-Schild/Habegger will «im Bedarfsfall» rasch reagieren
Im Zuge des AGT-Vorstosses nach Olten werden die Anzeiger-Karten in dieser Region auch anderweitig neu verteilt. Das bisherige Kombi Trio 32 und der Oltner Ring werden aufgelöst, sie machen keinen Sinn mehr. Das Quinto 32 wird ohne AGT neu zum Quattro 32. Und der Süd-West-Ring (AGT und Arbiger) nennt sich neu Oltner Kombi. Letzte Woche erhielt der AGT zudem seine erste Retourkutsche: Der Stadtanzeiger Olten gab bekannt, per 1. Januar sein Verteilgebiet in das AGT-Stammland nach Oensingen auszudehnen.
Wie aber reagiert VS/H, die sich direkt angegriffen fühlt? «Wir arbeiten an einer Antwort», sagt deren Direktor Rudolf Rentsch und verweist auf seine guten Kontakte zu diversen, nun vom AGT vergraulten Anzeigern – insbesondere zum Stadtanzeiger Olten. Gelassener gibt sich Urs Lüthi, bei der VS/H für die Anzeiger zuständig. Schon das bisherige JSFK habe keine Auswirkungen gehabt, deshalb befürchte er für die SZ oder MLZ auch keine Konsequenzen durch die Plus-Variante. «Aber wir werden es beobachten. Und wir haben etwas in der Schublade, das im Bedarfsfall schnell realisiert sein wird», sagt er.

Kein Bund fürs Leben

Potenzielle Partner des Berner Traditionsblatts winken ab

Potenzielle Partner des Berner Traditionsblatts winken abSpätestens in drei Monaten möchte (oder eher: muss) Beat Lauber seinem Verwaltungsrat ein entscheidungsreifes Sanierungskonzept für den Bund vorlegen. Mehr als diesen Zeithorizont wollte der Regionalzeitungsboss der NZZ-Gruppe, die 80 Prozent an der maroden Hauptstadtzeitung hält, auf Anfrage der WerbeWoche jedoch nicht preisgeben. Kein Wunder, zeigen ihm doch alle Kandidaten für eine Partnerschaft bislang die kalte Schulter. Eine Kooperation wird aber auf Grund stetig steigender Verluste offenbar dringend gesucht. Für Georges von Csernatony, Chefstratege der heute bereits mit 20 Prozent beteiligten Publicitas, kommt eine Aufstockung ebenso wenig in Frage wie eine etwaige Verlegertätigkeit. Die «P» habe bei ihrem ältesten Pachttitel zwar immer gerne ausgeholfen. «Jedes weitere Engagement müsste jedoch auf soliden finanziellen Argumenten fussen, und die existieren meines Wissens nicht.»
Ins gleiche Horn stösst der CEO der Basler Mediengruppe, die kürzlich von Cash als potenzielle NZZ-Lokalpartnerin ins Gespräch gebracht wurde. Auch wenn man stets die Augen offen halte für Investitionsmöglichkeiten des Jean-Frey-Erlöses: «Wir haben unsere Lehren aus dem Zürich-Abenteuer gezogen; eine Neuauflage in Bern steht derzeit nicht zur Diskussion», stellt Beat Meyer klar. Und Peter Wanner, Verleger der Mittelland Zeitung, fühlt sich von den NZZ-Nöten gar so wenig betroffen, dass er eine Stellungnahme von vorne herein als überflüssig erachtet.
Zürcher Schulterschluss in Bern als Alternative?
Vielleicht ist die Partnersuche aber bloss eine raffinierte Finte, die von näher liegenderen und zugleich weit reichenderen Allianz-plänen ablenken soll. Wäre es für die unter Sparzwang stehende NZZ beispielsweise nicht plausibel, den Bund bei der zu 49 Prozent von Tamedia kontrollierten Berner Zeitung einzubringen, um so längerfristig wenigstens einen Fuss im Berner Markt zu behalten? Beat Lauber meint jedenfalls nicht zufällig, dass derzeit «fast alles denkbar» sei.
Oliver Classen

Wider den tierischen Ernst, Herr Stierli

Publicis fährt für den Sportfachhändler Wider erneut ausserhalb der markierten Werbepisten

Publicis fährt für den Sportfachhändler Wider erneut ausserhalb der markierten WerbepistenMit weichen Bandagen holt man sich im hart umkämpften Sportfachhandel nur blaue Flecken – und verdient sich schon gar keine goldene Nase. Diese Erkenntnis prägt seit acht Jahren das Werbeverhalten von Peter Wider, Inhaber von Sportplausch Wider in Wallisellen. Denn die Margen können nur mit einer ausgeklügelten Kommunikationspolitik verteidigt werden. Deshalb setzt Wider seine Zeit und sein Geld für den Aufbau und die Pflege des Ladens als Marke ein – derweil die meisten Sportgeschäfte sich nach wie vor auf die Produktpromotion konzentrieren.Mit einer Mischung aus klassischer und auf Event ausgerichteter Werbung sowie Promotionen haben Wider und die Agentur Publicis Image und Bekanntheit des Ladens aufgebaut. Die Strategie setzt alles auf eine Karte und findet damit bei der anvisierten Kundschaft Anklang: Hauptsache Plausch.
Je schräger der Auftritt und markanter die Botschaft, desto stärker differenziert sich der Laden. Den bisweilen infantilen Schwachsinn, den sich die CDs Markus Gut und Markus Ruf bisher ausdachten, überschritt gelegentlich gewollt Tabugrenzen. Ihre Werbung rebellierte damit zielgruppenkonform gegen alles Erwachsene und fungierte selbst in todernsten Zeiten als Witzableiter.
Verhohnepipelung des familiären Sponsorings
Auch für die Wintersportsaison «bewerben wir das Ski- und Snowboard-Angebot auf aussergewöhnliche und sehr verspielte Art», sagt Markus Gut. Zum einen gehen die bereits preisgekrönten «Stierli-Sport»-Radiospots mit fünf neuen Folgen in die dritte Staffel. Diese würden die Möglichkeiten des Mediums noch besser ausreizen, zeigt sich Gut überzeugt. So liest in einem Spot Antiheld Heinz Stierli seinen Leserbrief vor, der vom Walliseller Boten nicht abgedruckt wurde. Darin schüttet er so viel Schimpf und Schande über seinen Konkurrenten Wider aus, dass der Radiospot wegen persönlichkeitsverletzenden Inhalts mit Piepslauten übertönt wurde.
Ganz im Zeichen des ins Lächerliche gezogenen Sponsorings steht der Inserate- und Plakatauftritt. So werden alle ermuntert, ihren persönlichen Sponsor für die Sportausrüstung zu suchen.
Das können sein: Mutter, Vater, Opa, Oma oder Pate. Konsequent wurde die Idee durchgezogen, bis hin zu den Giveaways: Sponsoren-Stoff-Kleber, die man auf die neu erworbene Ski- oder Snowboard-Jacke kleben kann.
Mit einem weiteren Beispiel «guten Geschmacks» bedankt sich Sportplausch Wider bei Kunden und Teilnehmern seines Skitages und denkt an die «sportliche» Zeit nach dem Skifahren: «Damit Sie auch beim Après-Ski schön gleiten», steht auf den Sachets «Flutschi» – die Original-Gleitcrème aus dem Orion-Versand.
Dass die Art Buyerin seit
diesem Gag mit Werbemails für Dildo-Aktionen und dergleichen zugedeckt wird, nennt man heute wohl Berufsrisiko.
Luca Aloisi

Furcht vor Schweizer Bildungsinsel

Das Sawi präsentierte ein Round-Table-Gespräch zur Frage «Bildung ohne Grenzen?»

Das Sawi präsentierte ein Round-Table-Gespräch zur Frage «Bildung ohne Grenzen?»Von Andreas Panzeri Künftige Fachleute in der Kommunikationsbranche werden modulartige Ausbildungswege beschreiten. Diese Erkenntnis dominierte ein Round-Table-Gespräch des Sawi. Bildungsexperten sind sich über zwei Konsequenzen einig: Der Weg der Schweiz liegt zwischen der Bologna-Erklärung und der Pisa-Studie, und eine «Bildungsinsel Schweiz» darf nicht entstehen.
Der klassische Werdegang mit Lehre, Studium und Anstellung ist im heutigen Berufsmarkt passé. Stattdessen ist neu lebenslanges Lernen angesagt. Wie aber soll dieses Lernen in einem Europa ohne Grenzen künftig organisiert werden?
«Wir müssen uns in Sachen Bildung an Europa orientieren – ob wir wollen oder nicht», meinte Jürg Engi, Vorsitzender der Geschäftsleitung Sawi, zum Gesprächsthema «Bildungsreform». Gleich mehrere solche Programme befänden sich hierzulande und in unserer europäischen Umgebung zurzeit in der Umsetzungsphase. Allein auf Bundesebene arbeiten in der Schweiz zwanzig Kommissionen an Reformen im Bildungswesen.
«Transparenz schaffen» war deshalb ein Ziel von Gesprächsleiter Alfred Zwygart, Berater für Innovation in Bildung und Kultur. Als weitere Experten sassen ihm zur Seite Christian Aeberli von Avenir Suisse, Rivardo Ischi, Generalsekretär der Schweizerischen Universitätskonferenz, Rolf Peter vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, Iwan Rickenbacher als Mitglied der Fachhochschule des Kantons Aargau sowie Fredy Sidler, Generalsekretär der Konferenz der Fachhochschulen Schweiz.
«Der neue Hochschulartikel in der Bundesverfassung soll die ganzheitliche Steuerung der Hochschulpolitik gewährleisten und damit den Herausforderungen der internationalen Konkurrenz und der Wissensökonomie wirksam begegnen», stand in einem Papier zu diesem Standortgespräch. Die Bologna-Deklaration als gemeinsame Erklärung der europäischen Bildungsminister ist das Pendant dazu im europäischen Hochschulraum. Sie will vor allem die Mobilität in den Griff kriegen. Diese Erklärung formuliert Massnahmen zur Verwirklichung einer grösseren Kompatibilität und Vergleichbarkeit der Hochschulsysteme in EU-Ländern.
Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, sollen im europäischen Hochschulsystem vergleichbare Abschlüsse eingeführt werden mit den Stufen Bachelor, Master, Doktorat. Dazu werden ein Leistungspunktesystem eingeführt und die Mobilität unter anderem durch Anrechnung und Anerkennung von Auslandaufenthalten nicht nur gewährleistet, sondern bewusst gefördert. Ein mögliches Punktesystem ist das European Credit Transfer System zur Anrechnung von Studiendienstleistungen. Mit diesem als Erasmus-Programm bekannt gewordenen System soll die Anerkennung von Studienleistungen an anderen Hochschulen gewährleistet werden. Bei diesen Entwicklungen kann die Schweiz nicht abseits stehen. «Wir dürfen keine Bildungsinsel schaffen», forderte Engi energisch.
Pisa-Studie erhöht den Druck auf die Bildungsreformer
Das sieht man ebenfalls so bei der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, die bereits den Entwurf zu einer entsprechenden Richtlinie erstellt. Die Schweiz ist aber seit der Überführung des ehemaligen Erasmus-Programms in ein neueres Sokrates-Programm nur noch als «stiller Partner» beteiligt, da sie als Nicht-EU- oder EWR-Land auch keinen bilateralen Vertrag im Bildungsbereich mit der EU abschliessen konnte. Bei der Umsetzung der Bologna-Deklaration sind deshalb Lösungen verlangt, die später eine möglichst nahtlose Integration dieser Reformen in die Hochschullandschaft Schweiz erleichtern sollen.
Europäisch gesehen haben durch diese Mobilitätsprogramme seit 1985 über eine Million Studierende ein oder mehrere Semester an einer Hochschule ausserhalb ihres Heimatlandes absolviert. In der Schweiz sind es seit 1992 nur 10000 Studierende, die mit öffentlicher Hilfe zumindest semesterweise im Ausland studiert haben.
Diese Zahlen wirken bescheiden angesichts der Tatsache, dass auch die Schweizer Wirtschaft im internationalen Wettbewerb immer stärkerem Druck ausgesetzt ist. Kein Hehl könne auch daraus gemacht werden, dass die Schweiz heute nur noch Rang
17 in der Pisa-Studie einnimmt. «Das macht Druck. Aber ohne Druck verändert sich nichts. Wir haben einen Reformstau», erklärte Iwan Rickenbacher zu dieser Situation.
Reformstau erkannt, doch die Gelder fliessen (noch) nicht
In der Schweiz gehen nur 18 Prozent der Jugendlichen an eine Uni, und 25 Prozent besuchen eine Fachhochschule. Im Ausland entscheiden sich viel mehr junge Leute für eine höhere Ausbildung. «Hier gibt es eine verhängnisvolle Schere», waren sich die Teilnehmer einig. Hinzu komme, dass die finanziellen Zuschüsse an unsere höheren Schulen in den letzten Jahren im Vergleich zur gesamten Budgetentwicklung um 30 Prozent zurückgegangen sind. Heute fällt auf 100 Studierende nur noch ein Professor.
«Es läuft zwar viel in Sachen Reformen, aber wir haben hier ein Finanzierungsproblem», meinte Ischi dazu. «Unser Ziel muss nach wie vor sein, die Besten auszubilden», forderte Christian Aeberli von Avenir Suisse.
«Wir stellen uns der Situation und wissen, dass es nicht so weitergehen kann wie in den letzten 32 Jahren», erklärte auch Engi in Bezug auf die Situation beim Sawi. «Unsere Schule braucht eine neue Positionierung.» Zwischen Reformdruck und Reformhektik müsse er aber feststellen, dass beim Sawi in den letzten zehn Jahren das Budget um zwölf Millionen Franken gesteigert werden konnte. «Wir sind marktorientiert und fahren damit das volle Risiko», meinte Engi. «In der Selbsthilfeorganisation Sawi entsteht sehr viel Gutes – und zwar ohne Gesetze. Das ist der Reichtum des Föderalismus, das fruchtbare Chaos», bemerkte dazu Rickenbacher.
Kaum junge Auszubildende am Round-Table-Gespräch
In der Schweiz werden pro Jahr sechs Milliarden Franken für Berufsausbildung ausgegeben. Davon übernimmt die öffentliche Hand zwei Milliarden. Die restlichen vier Milliarden stammen aus der Wirtschaft. Auf einer anderen Ebene fordert der Bund 17 Milliarden für die Forschung. Die Kantone hingegen wollen lieber mehr Geld für die Grundausbildung ausgeben. Wohin soll der Reformweg also führen? Mit Blick in die Zukunft begrüsste die Runde die Reformen von Bologna. «Aber auch Schweizer Studenten sollen das international nutzen können», verlangten die Fachleute. Eine weitere Forderung geht an die Fachhochschulen, die den international anerkannten Titel des Master einführen müssen.
Ein zweites Schlagwort, von dem man sich für die Zukunft viel verspricht, ist die Modularisierung in der Berufsbildung. Das Modul als Grundelement eines Baukastensystems ist eine geschlossene Lerneinheit, die autonom für sich steht und mit einem Kompetenznachweis abgeschlossen wird. Dieses Modul kann zu verschiedenen Diplomen führen, wenn mehrere Module als Teilqualifikationen zusammengefügt werden. Grundsätzlich wird dieses flexible System für Abschlüsse der höheren Berufsbildung vorgesehen.
Rund 60 Interessierte haben den Round Table des Sawi besucht. Die meisten davon waren eher der Kategorie Ausbildungsvermittler zuzurechnen. Junge Leute hat man beim Gespräch über die Zukunft unserer Ausbildung kaum gesehen.
Praktikumsplätze gesucht

Die wirtschaftliche Situation zeigt ihre Auswirkungen auf den verschiedensten Ebenen. Auch dem Sawi fehlen für die 31 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagesschule Planer/in Marketingkommunikation immer noch 12 Praktikumsstellen. «In den vergangenen Jahren war die Nachfrage immer wesentlich grösser, als die Zahl der zur Verfügung stehenden Praktikanten», meint Jürg Engi vom Sawi. Auf Grund der wirtschaftlichen Situation seien die Werbeagenturen «sehr zurückhaltend» mit ihren Angeboten.
Die Kursabsolventen sind theoretisch hervorragend ausgebildet und fachlich fundiert. «Nach sechs Wochen in einer Agentur sind diese Leute vollwertig einsetzbar als zusätzliche Assistenten», meint Manfred Kranich, Mitglied der Geschäftsleitung beim Sawi. Die Lohnkosten für Praktikanten betragen rund 3000 Franken. Arbeitsbeginn ist am 1. April. Anmeldungen werden laufend entgegengenommen. Kontaktperson beim Sawi ist Miriam Koubâa. Sie kann unter m.koubaa @sawi.com erreicht werden. (ww)

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