Aufgefallen
Kolumne
KolumneWie war das mit Adam, Eva und der Schlange? Er konnte widerstehen, und sie liess sich von dieser phallisch aussehenden Gotteskreatur komplett verführen – mit dem Resultat, dass beide aus dem Paradies verbannt wurden und Eva sich künftig mit Adams «Reptil» begnügen musste. Wie es aussieht, erleben Schlangen dieser Tage ein Comeback – werbemässig zumindest. Denn Roberto Cavallis Duftlinie und Tiffany London setzten voll auf die Reize der mysteriösen Paradiesbewohnerin. Es scheint sogar, dass sie der Verkaufskraft eines weiblichen Körpers vorgezogen wird, zumal Tiffany voll und ganz aufs Abbilden einer zeitgenössischen Eva verzichtet. Chandra Kurt [email protected] Planet der Werber
Von Anna Esposito
Eine junge Familie mit Kleinkind adoptiert ein Affenbaby, um der Wissenschaft ein lebensechtes Szenario zu bieten für die Frage: Wie gross ist denn das Affenpotenzial, um sich Richtung Mensch weiter zu entwickeln? Dieses evolutionäre Experiment wird aber stante pede abgebrochen, als alle sehen, dass der Sohnemann sich immer äffischer gebärdet und ihm erst noch sauwohl dabei ist. Ergo: Der Mensch wird es sich mit dem aufrechten Gang in Zukunft wieder zurücküberlegen. Denn die Zeiten sind schlecht, und wie das Leben beweist, ist es bisweilen viel mühsamer, sich nach Höherem zu recken, als sich nach dem Primitiven zu strecken.
Dieser Trend zeigt sich auch unverkennbar in unserem Berufszweig. Wer strebt schon nach der Baumkrone, wenn es sich mit der Banane in der Hand auch gut leben lässt? Kreativität lässt sich nachäffen, dafür kann ja die Rechnung Schwindel erregend hohe Standards setzen. Aber ständig mit der eigenen Affenschande konfrontiert zu werden – in Zeitungen, an Plakatwänden und in den Gesichtern deprimierter Kunden –, nagt am Primatenselbstbewusstsein. Und diejenigen leiden ganz besonders, die mit der Déformation professionelle geschlagen sind, die sich nicht durch die Einnahme von Würfeli lindern lässt: die Einsicht nämlich, dass trotz lausiger Zeiten die Leistungen nicht ebensolche sein müssen. Es ist wohl wieder mal Zeit, um der gegenseitigen Affenliebe abzuschwören und um das Rückgrat zu stählen für dieses neue Jahr der grossen Herausforderungen. Ein gelungener Start, wenn der Rudelführer, der im vorletzten Jahr die Bananenkisten gepackt und ins Ungewisse ausgezogen ist, um den aufrechten Gang nicht zu verlernen, auch verdientermassen zum Tarzan des Jahres gewählt wird. Sonst, so mutmasse ich, sind wahrscheinlich die Affen schon an der Macht.
[email protected]
Anna Esposito ist Texterin und Mitinhaberin von Brot und Spiele, Zürich.
Ein bisschen heller dürften die Glocken schon bimmelnJahreswechsel habens in sich. Die einen beginnen danach den privaten Ramadan, die andern tun so, als wäre nichts gewesen. Ernährungspsychologisch richtig ist Variante zwei. Essen muss der Mensch, trinken auch. Tun wirs. Diesmal in der «Glogge-Stube» des Hotels Glockenhof in bester Zürcher City-Lage. Mit Verlaub: Das ist ein Geheimtipp für einen Business Lunch. Denn erstens ist die Servicebrigade überaus freundlich, zweitens versprüht die Stube jenen schon exotischen Charme, der sich nur noch in Friedrich Glausers Wachtmeister-Studer-Krimis finden lässt, und drittens ist da viel Platz zwischen den Tischen. Alles retro, cool retro.
Wenn nur das Essen noch ein wenig sorgfältiger zubereitet wäre, nur ein Quäntchen mehr! Der Salatteller mit paniertem Camembert als Vorspeise (inklusive Preiselbeerschaum) präsentierte sich prächtig. Knackig die Salate, im Biss exzellent der gebratene Käse (ich weiss: eigentlich ein Unsinn, aber man darf das ja mal gut finden, nicht wahr?). Das Schweinsfiletmedaillon in der Roquefortsauce wurde von verschiedenen perfekt gegarten Gemüsen begleitet – aber der Blick auf den Teller war trügerisch: Da hatte sich doch tatsächlich ein leichter Film über der Sauce gebildet, ergo lag der Teller ein wenig zu lang unter dem Salamander. Schämts euch was, ihr Glockenhöfler. Denn in der geräumigen Stube mit den hellen Täferwänden und der dezent zurückhaltenden Tischwäsche waren nur gerade drei Tische besetzt. Wenig, was? Stimmt, aber da ist wirklich jeder selber schuld, der sich diese Oase auch im Winter entgehen lässt – im Sommer, ja im Sommer ists dann wieder anders, wenn der schöne Garten im Hof lockt. Aber davon sind wir noch Dutzende von Hochdruckzentren entfernt, die es derzeit nur gerade bis zur ligurischen Riviera schaffen.
Ein Wort zum Wein. Die Siebendezikarte ist ganz passabel und hält für jeden Gast was Ordentliches und nicht zu teuer bereit. Bei den Offenweinen darf nachgebessert werden. Dann wärs fast perfekt.
Carlo Bernasconi
[email protected]
Glogge-StubeHotel Glockenhof
Sihlstrasse 31
8001 Zürich
Tel. 01 225 91 91
Fax 01 225 92 92
Keine Parkplätze weit und breit
BewertungEssen …………………..3
Getränke ………………3
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……….4
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop
Von Anna Esposito
Eine junge Familie mit Kleinkind adoptiert ein Affenbaby, um der Wissenschaft ein lebensechtes Szenario zu bieten für die Frage: Wie gross ist denn das Affenpotenzial, um sich Richtung Mensch weiter zu entwickeln? Dieses evolutionäre Experiment wird aber stante pede abgebrochen, als alle sehen, dass der Sohnemann sich immer äffischer gebärdet und ihm erst noch sauwohl dabei ist. Ergo: Der Mensch wird es sich mit dem aufrechten Gang in Zukunft wieder zurücküberlegen. Denn die Zeiten sind schlecht, und wie das Leben beweist, ist es bisweilen viel mühsamer, sich nach Höherem zu recken, als sich nach dem Primitiven zu strecken.
Dieser Trend zeigt sich auch unverkennbar in unserem Berufszweig. Wer strebt schon nach der Baumkrone, wenn es sich mit der Banane in der Hand auch gut leben lässt? Kreativität lässt sich nachäffen, dafür kann ja die Rechnung Schwindel erregend hohe Standards setzen. Aber ständig mit der eigenen Affenschande konfrontiert zu werden – in Zeitungen, an Plakatwänden und in den Gesichtern deprimierter Kunden –, nagt am Primatenselbstbewusstsein. Und diejenigen leiden ganz besonders, die mit der Déformation professionelle geschlagen sind, die sich nicht durch die Einnahme von Würfeli lindern lässt: die Einsicht nämlich, dass trotz lausiger Zeiten die Leistungen nicht ebensolche sein müssen. Es ist wohl wieder mal Zeit, um der gegenseitigen Affenliebe abzuschwören und um das Rückgrat zu stählen für dieses neue Jahr der grossen Herausforderungen. Ein gelungener Start, wenn der Rudelführer, der im vorletzten Jahr die Bananenkisten gepackt und ins Ungewisse ausgezogen ist, um den aufrechten Gang nicht zu verlernen, auch verdientermassen zum Tarzan des Jahres gewählt wird. Sonst, so mutmasse ich, sind wahrscheinlich die Affen schon an der Macht.
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Anna Esposito ist Texterin und Mitinhaberin von Brot und Spiele, Zürich.
Ein bisschen heller dürften die Glocken schon bimmelnJahreswechsel habens in sich. Die einen beginnen danach den privaten Ramadan, die andern tun so, als wäre nichts gewesen. Ernährungspsychologisch richtig ist Variante zwei. Essen muss der Mensch, trinken auch. Tun wirs. Diesmal in der «Glogge-Stube» des Hotels Glockenhof in bester Zürcher City-Lage. Mit Verlaub: Das ist ein Geheimtipp für einen Business Lunch. Denn erstens ist die Servicebrigade überaus freundlich, zweitens versprüht die Stube jenen schon exotischen Charme, der sich nur noch in Friedrich Glausers Wachtmeister-Studer-Krimis finden lässt, und drittens ist da viel Platz zwischen den Tischen. Alles retro, cool retro.
Wenn nur das Essen noch ein wenig sorgfältiger zubereitet wäre, nur ein Quäntchen mehr! Der Salatteller mit paniertem Camembert als Vorspeise (inklusive Preiselbeerschaum) präsentierte sich prächtig. Knackig die Salate, im Biss exzellent der gebratene Käse (ich weiss: eigentlich ein Unsinn, aber man darf das ja mal gut finden, nicht wahr?). Das Schweinsfiletmedaillon in der Roquefortsauce wurde von verschiedenen perfekt gegarten Gemüsen begleitet – aber der Blick auf den Teller war trügerisch: Da hatte sich doch tatsächlich ein leichter Film über der Sauce gebildet, ergo lag der Teller ein wenig zu lang unter dem Salamander. Schämts euch was, ihr Glockenhöfler. Denn in der geräumigen Stube mit den hellen Täferwänden und der dezent zurückhaltenden Tischwäsche waren nur gerade drei Tische besetzt. Wenig, was? Stimmt, aber da ist wirklich jeder selber schuld, der sich diese Oase auch im Winter entgehen lässt – im Sommer, ja im Sommer ists dann wieder anders, wenn der schöne Garten im Hof lockt. Aber davon sind wir noch Dutzende von Hochdruckzentren entfernt, die es derzeit nur gerade bis zur ligurischen Riviera schaffen.
Ein Wort zum Wein. Die Siebendezikarte ist ganz passabel und hält für jeden Gast was Ordentliches und nicht zu teuer bereit. Bei den Offenweinen darf nachgebessert werden. Dann wärs fast perfekt.
Carlo Bernasconi
[email protected]
Glogge-StubeHotel Glockenhof
Sihlstrasse 31
8001 Zürich
Tel. 01 225 91 91
Fax 01 225 92 92
Keine Parkplätze weit und breit
BewertungEssen …………………..3
Getränke ………………3
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……….4
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop
