Aufgefallen

Kolumne

KolumneWie war das mit Adam, Eva und der Schlange? Er konnte widerstehen, und sie liess sich von dieser phallisch aussehenden Gotteskreatur komplett verführen – mit dem Resultat, dass beide aus dem Paradies verbannt wurden und Eva sich künftig mit Adams «Reptil» begnügen musste. Wie es aussieht, erleben Schlangen dieser Tage ein Comeback – werbemässig zumindest. Denn Roberto Cavallis Duftlinie und Tiffany London setzten voll auf die Reize der mysteriösen Paradiesbewohnerin. Es scheint sogar, dass sie der Verkaufskraft eines weiblichen Körpers vorgezogen wird, zumal Tiffany voll und ganz aufs Abbilden einer zeitgenössischen Eva verzichtet. Chandra Kurt [email protected] Planet der Werber
Von Anna Esposito
Eine junge Familie mit Kleinkind adoptiert ein Affenbaby, um der Wissenschaft ein lebensechtes Szenario zu bieten für die Frage: Wie gross ist denn das Affenpotenzial, um sich Richtung Mensch weiter zu entwickeln? Dieses evolutionäre Experiment wird aber stante pede abgebrochen, als alle sehen, dass der Sohnemann sich immer äffischer gebärdet und ihm erst noch sauwohl dabei ist. Ergo: Der Mensch wird es sich mit dem aufrechten Gang in Zukunft wieder zurücküberlegen. Denn die Zeiten sind schlecht, und wie das Leben beweist, ist es bisweilen viel mühsamer, sich nach Höherem zu recken, als sich nach dem Primitiven zu strecken.
Dieser Trend zeigt sich auch unverkennbar in unserem Berufszweig. Wer strebt schon nach der Baumkrone, wenn es sich mit der Banane in der Hand auch gut leben lässt? Kreativität lässt sich nachäffen, dafür kann ja die Rechnung Schwindel erregend hohe Standards setzen. Aber ständig mit der eigenen Affenschande konfrontiert zu werden – in Zeitungen, an Plakatwänden und in den Gesichtern deprimierter Kunden –, nagt am Primatenselbstbewusstsein. Und diejenigen leiden ganz besonders, die mit der Déformation professionelle geschlagen sind, die sich nicht durch die Einnahme von Würfeli lindern lässt: die Einsicht nämlich, dass trotz lausiger Zeiten die Leistungen nicht ebensolche sein müssen. Es ist wohl wieder mal Zeit, um der gegenseitigen Affenliebe abzuschwören und um das Rückgrat zu stählen für dieses neue Jahr der grossen Herausforderungen. Ein gelungener Start, wenn der Rudelführer, der im vorletzten Jahr die Bananenkisten gepackt und ins Ungewisse ausgezogen ist, um den aufrechten Gang nicht zu verlernen, auch verdientermassen zum Tarzan des Jahres gewählt wird. Sonst, so mutmasse ich, sind wahrscheinlich die Affen schon an der Macht.
[email protected]
Anna Esposito ist Texterin und Mitinhaberin von Brot und Spiele, Zürich.
Ein bisschen heller dürften die Glocken schon bimmelnJahreswechsel habens in sich. Die einen beginnen danach den privaten Ramadan, die andern tun so, als wäre nichts gewesen. Ernährungspsychologisch richtig ist Variante zwei. Essen muss der Mensch, trinken auch. Tun wirs. Diesmal in der «Glogge-Stube» des Hotels Glockenhof in bester Zürcher City-Lage. Mit Verlaub: Das ist ein Geheimtipp für einen Business Lunch. Denn erstens ist die Servicebrigade überaus freundlich, zweitens versprüht die Stube jenen schon exotischen Charme, der sich nur noch in Friedrich Glausers Wachtmeister-Studer-Krimis finden lässt, und drittens ist da viel Platz zwischen den Tischen. Alles retro, cool retro.
Wenn nur das Essen noch ein wenig sorgfältiger zubereitet wäre, nur ein Quäntchen mehr! Der Salatteller mit paniertem Camembert als Vorspeise (inklusive Preiselbeerschaum) präsentierte sich prächtig. Knackig die Salate, im Biss exzellent der gebratene Käse (ich weiss: eigentlich ein Unsinn, aber man darf das ja mal gut finden, nicht wahr?). Das Schweinsfiletmedaillon in der Roquefortsauce wurde von verschiedenen perfekt gegarten Gemüsen begleitet – aber der Blick auf den Teller war trügerisch: Da hatte sich doch tatsächlich ein leichter Film über der Sauce gebildet, ergo lag der Teller ein wenig zu lang unter dem Salamander. Schämts euch was, ihr Glockenhöfler. Denn in der geräumigen Stube mit den hellen Täferwänden und der dezent zurückhaltenden Tischwäsche waren nur gerade drei Tische besetzt. Wenig, was? Stimmt, aber da ist wirklich jeder selber schuld, der sich diese Oase auch im Winter entgehen lässt – im Sommer, ja im Sommer ists dann wieder anders, wenn der schöne Garten im Hof lockt. Aber davon sind wir noch Dutzende von Hochdruckzentren entfernt, die es derzeit nur gerade bis zur ligurischen Riviera schaffen.
Ein Wort zum Wein. Die Siebendezikarte ist ganz passabel und hält für jeden Gast was Ordentliches und nicht zu teuer bereit. Bei den Offenweinen darf nachgebessert werden. Dann wärs fast perfekt.
Carlo Bernasconi
[email protected]
Glogge-StubeHotel Glockenhof
Sihlstrasse 31
8001 Zürich
Tel. 01 225 91 91
Fax 01 225 92 92
Keine Parkplätze weit und breit
BewertungEssen …………………..3
Getränke ………………3
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……….4
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop

Wer sucht, findet jetzt fast alles

Mediasearch.ch will Mediaplanern das Leben leichter machen

Mediasearch.ch will Mediaplanern das Leben leichter machenVon Markus Knöpfli Das neue Portal Mediasearch.ch spart Mediaplanern Zeit und verhilft zu mehr freiem Speicherplatz auf dem eigenen PC. Denn Mediasearch.ch ist eine branchenspezifische Linksammlung, die sich jeder Mediaplaner schon in Ansätzen angelegt hat. Mediasearch.ch ist jedoch umfassender, übersichtlicher und zielgenau.
Wer die Tarife eines bestimmten Radiopools einsehen, die VSW-Statistik konsultieren, die aktuelle Zahl der Schweizer Haushalte erfahren oder Anzeigen gleich online buchen will – über die auf Mediasearch.ch angegebenen Links stösst der Mediaplaner soweit möglich direkt zum Gesuchten vor. Umwege über Einstiegssites von Firmen und Anbietern fallen weg.
Falls ein Passwort verlangt wird oder eine Information kostenpflichtig ist, wird man zur Log-in-Site geführt. Ein Suchbaumkatalog, eine Volltextsuche und eine Suche gemäss Schlagwortliste vereinfachen den Zugang zu den gewünschten Informationen. «Umfassend, unabhängig», wie es auf den Medienunterlagen heisst.
Tatsächlich bietet schon die Portaleinstiegsseite eine in drei Hauptgebiete klar strukturierte Rubrikenübersicht: Werbeträger aller Medienkategorien, dann Marktdaten und Studien, schliesslich Recht, Ausbildung und Verbände. Kurz: Mediasearch.ch macht die eigene branchenspezifische Linksammlung überflüssig. Jedenfalls kann man sie getrost ausmisten, weil nun alle Branchenlinks kostenlos, aktuell und übersichtlich aus einer Hand angeboten werden. Alles aus einer Hand? Noch nicht ganz. Media search.ch wird erst am
31. März definitiv lanciert und danach stetig betreut, seit dem
7. Januar ist jedoch bereits eine – noch unvollständige – Demoversion abrufbar.
Französisch und Italienisch kommen später hinzu
Die Initiative für Mediasearch.ch stammt vom Verband Schweizer Presse. Bezüglich «Unabhängigkeit» macht dies ein wenig hellhörig. Doch der Verband will mit Mediasearch.ch erklärtermassen kein Print-Marketingtool, sondern eine medienneutrale Branchenlösung schaffen.
Drei Massnahmen sollen dies garantieren: Zum einen wurden Partner gesucht, deren Vielfalt für sich spricht: von der APG über Cinecom und Radiotele bis Ringier. Sie verpflichteten sich für drei Jahre zur Mitarbeit im «Partnerrat» und bezahlen zwischen 6500 und 9500 Franken pro Jahr. Andere boten sich als Gönner an, so Media Focus und Publicom. Sie bezahlen 2000 Franken pro Jahr.
Die zweite vertrauensbildende Massnahme sieht vor, dass alle redaktionellen Inhalte auf Media search.ch durch die Redaktion der Fachzeitschrift Media Trend Journal betreut werden (diese wird wie die WerbeWoche im Verlag Media-Daten AG publiziert). Dazu gehören die Auswahl der Links, deren Beschreibung und regelmässige Überprüfung, deren Platzierung sowie der Entscheid, welche Site genau durch einen Link angepeilt werden soll.
Letzteres wird allerdings zusammen mit den jeweiligen Site-Anbietern in aufwändigen Gesprächen festgelegt, wie Toni Vetterli, Leiter Marketing beim Verband Schweizer Presse, auf Anfrage erklärt. Kein Wunder: Bei der genauen Adressierung kann es zu Interessenkonflikten zwischen den Anbietern und Mediasearch.ch kommen. Während Mediasearch.ch seine Benutzer so zielgenau wie möglich weiterleiten will, wollen die Anbieter je nach Absicht möglichst viele Kontakte auf den eigenen Sites generieren.
Schliesslich wird von Zeit zu Zeit ein Ad-hoc-Nutzerrat aus Werbe- und Mediaagenturen, Anbietern und Vermittlern einberufen, der Verbesserungsideen aus Sicht der Nutzer einbringen kann.
Werbemöglichkeiten für
die Site werden noch geprüft
Mediasearch.ch will ein Hilfsmittel vorab für Mediaplaner, Werbetreibende und Medienanbieter sein. Das Portal ist aber auch unentbehrlich für Medienjournalisten. Und schliesslich will es auch Interessierten aus dem Ausland den Zugang zum Schweizer Medien- und Werbemarkt erleichtern. Vorläufig gibt es Mediasearch.ch allerdings
nur auf Deutsch. «Spätestens in zwölf Monaten sollen noch andere Sprachen hinzukommen», sagt Vetterli. Auch ein Angebot für Werbemöglichkeiten wird zurzeit ausgearbeitet. In Zukunft sollte Mediasearch.ch selbsttragend werden.

Take-Off für Swiss-Werbung. Über die Festtage ist «Destination Excellence», die neue Werbekampagne von Swiss International Air Lines, angelaufen.

Take-Off für Swiss Werbung. Über die Festtage ist «Destination Excellence», die neue Werbekampagne von Swiss International Air Lines, angelaufen. Die Kick-off-Kampagne will mit vier verschiedenen Bildsujets sowie zusätzlichen Textsujets den Slogan na

Take-Off für Swiss Werbung. Über die Festtage ist «Destination Excellence», die neue Werbekampagne von Swiss International Air Lines, angelaufen. Die Kick-off-Kampagne will mit vier verschiedenen Bildsujets sowie zusätzlichen Textsujets den Slogan national und international bekannt machen. Die erste Phase der Kampagne mit Anzeigen in rund zehn Ländern dauert bis Mitte Februar. Anschliessend wird eine breit gefächerte Produktekampagne folgen. Für die erste Markenkampagne hat die Agentur Jung von Matt/Limmat den Slogan «Destination Excellence» als Versprechen der Swiss-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter umgesetzt, wonach die neue Airline täglich alles fürs Wohl ihrer Passagiere unternehmen will. Geworben wird zum Beispiel mit der «excellenten» Kochkunst, welche die Schweizer mit den Bergrestaurants auf 3000 Meter gebracht haben und die Swiss «jetzt noch höher». Ein anderes Sujet zeigt, durch das Fenster aufgenommen, einen sehr «excellent» relaxten Passagier im fliegenden Bett der First Class. «Eine Swiss-Maschine erkennt man auch ohne einen Blick auf die Heckflosse», heisst hierzu die Erklärung. Etwas verwirrlich ist hingegen das Sujet mit den zwei «follow me»- beziehungsweise drei «no follow me»-Cars, die alle ein ankommendes Flugzeug in fünf verschiedene Richtungen lotsen wollen. Soll hier vielleicht eine gewisse Orientierungslosigkeit der Swiss-Crew als Argument für die Werbung zurechtgebogen werden? Kein Alkohol am Steuer. Nicht nur während der Festtage macht die Unfallstatistik deutlich, dass Alkohol am Steuer leider nach wie vor ein Thema ist. Die Kreativen von Publicis haben deshalb für ihren Kunden APG eine Plakatkampagne entwickelt, welche die Öffentlichkeit für diese Problematik sensibilisieren soll. Die APG will damit einen Beitrag zur Verminderung der Anzahl alkoholbedingter Verkehrsunfälle leisten. Dabei soll weniger der Mahnfinger als viel mehr das Medium selbst die Folgen von Alkohol am Steuer demonstrieren, wie Markus Gut von Publicis meint. Die fünf Sujets der Kampagne sind ab Ende Dezember 2002 bis Anfang Februar 2003 landesweit auf Grossformat, B12, B200 sowie B4 zu sehen. An ausgewählten Stellen ist das Plakat auch als dreidimensionale Installation zu entdecken. Dass für die verschwommene Bildgestaltung dieser Plakate ein gewisser Remo Süsstrunk verantwortlich ist, soll hier keinesfalls als Pointe missbraucht werden.
Werbung für Könige. Am vergangenen Dreikönigstag feierte Sunrise/ TDC Switzerland ihr 5-Jahr-Jubiläum. Das wollte natürlich königlich gefeiert sein. Aus diesem Grund durften alle 800000 Festnetzkunden von Sunrise die ganze Dreikönigswoche lang zum halben Preis auf dem Sunrise-Festnetz telefonieren. Bekannt gemacht wurde die Aktion stilgerecht mit der typischen Krone vom Dreikönigskuchen. Diese war nicht nur als Beilage in der Sonntagspresse vom 5. Januar zu finden, sondern am 6. Januar auch als Key Visual in Inseraten. Ein paar Exemplare des SonntagsBlicks wurden sogar mit einer technisch aufwändigen Banderole in Form einer Königskrone geschmückt. Und an den Bahnhöfen bekamen die Reisenden am Dreikönigstag neben der Krone gleich noch ein feines Stück Dreikönigskuchen offeriert, denn «bei Sunrise ist jeder Kunde König», wie CD Thomas Kurzmeyer von der verantwortlichen Werbeagentur Wirz meint.
Denkanstösse zum Jahreswechsel. Ein schöner Neujahrsbrauch hat sich in Luzern etabliert. Bereits zum fünften Mal hat die APG in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Luzern, spezielle Plakate zum Jahreswechsel aufgehängt. Die zehn ausgewählten Arbeiten der Fachklasse Grafik im 2. Studienjahr weisen auf Alltägliches hin, sie «animieren mit zweideutigem Augenzwinkern zu einem Lächeln und regen hoffentlich zum Denken an», wie Bruno Niederberger, Direktor der APG Luzern meint. Dieses Unternehmen sponsert jeweils die Aushangstellen für die Plakate. Siebdruck Bösch ermöglicht den Druck. Für die Studierenden wie für die Lehrer sei diese Aktion eine enorme Chance, sich mit dem Medium Plakat auseinander zu setzen, meint Paul Brühwiler, Lehrer in der Abteilung Grafik der Luzerner Kunsthochschule. Die Plakate sind bis zum 24. Januar im Innenhof der Rössligasse 12 ausgestellt sowie an verschiedenen Plätzen in Luzern. Zudem können die Arbeiten auch als virtuelle Plakatausstellung auf www.3dcity.info bewundert werden.
EU-Kommission erwägt Aufhebung der TV-Werbebeschränkung. Die Beschränkung der Werbezeiten im europäischen Fernsehen könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Die Regeln in der EU-TV-Richtlinie müssten auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden, hat die EU-Kommission entschieden. Die Richtlinie «Fernsehen ohne Grenzen» regelt zurzeit unter anderem die erlaubte Dauer von TV-Werbung. «Die Kommission hat vor allem von Konsumentenorganisationen mehrere Klagen bezüglich der Einhaltung dieser Mengenbegrenzung erhalten», stellte die Brüsseler Behörde bei der Verabschiedung eines Arbeitsplans zur Neufassung der Richtlinie fest. Diesen Klagen werde nachgegangen. Zugleich stellte die Kommission aber die Regelung als solche in Frage: Der Sinn einer mengenmässigen Begrenzung für Werbung mit der heute gültigen Genauigkeit solle überprüft werden. Präzisere Vorgaben soll die geplante Neufassung der Richtlinie hingegen zur Förderung europäischer Werke im Fernsehen machen.
Selbstbespiegelung. Mit einer schlichten, aber eindrücklich wirkenden «NR.1» machte der Spiegel in seinen härtesten Konkurrenzblättern darauf aufmerksam, dass das Nachrichten-Magazin in Deutschland Geburtstag hat. Vor 56 Jahren, am 4. Januar 1947, erschien die legendäre Nummer 1. «Weitere 2915 Ausgaben folgten», ist im Kleingedruckten des Inserats zu lesen sowie die Feststellung: «Geblieben ist die Nummer 1: die Position als das deutsche Nachrichten-Magazin.» Um diese Poleposition halten zu können, arbeiten heute beim Spiegel 70 Dokumentationsspezialisten für 270 Spiegel-Redaktoren, die in Hamburg sowie in 10 inländischen und 23 ausländischen Korrespondentenbüros recherchieren, schreiben und die Konkurrenz weiterhin mit der Nummer 2 auf dem Rücken sehen wollen.
Kommunikationsbudget: Verhaltener Optimismus bei Grossfirmen. 71 Prozent der Unternehmen werden im Jahr 2003 ihr Kommunikationsbudget gegenüber dem Vorjahr erhöhen oder unverändert lassen (im Vorjahr waren es 66 Prozent). Das ergab die vom Meinungsforschungsinstitut Isopublic im Auftrag der Farner PR & Consulting AG durchgeführte repräsentative Umfrage bei den 500 grössten Schweizer Unternehmen. Exportorientierte Unternehmen erhöhen ihre Budgets überdurchschnittlich, während Firmen mit Fokussierung auf das Inland vermehrt zu Reduktionen neigen.
12 Prozent (Vorjahr 22 Prozent) der Unternehmen erwarten im Lauf des Jahres eine Budgeterhöhung, während
80 Prozent (Vorjahr 64 Prozent) vom Status quo ausgehen.
Knitterfest. Seit kurzem geht im Einzugsgebiet Adliswil ein Unhold um, der seinen Papierabfall in fremden Briefkästen deponiert – so könnte man auf den ersten Blick vermuten. Doch wer das zerknüllte Papier genau liest, wird nicht schlecht staunen: Das rosarote Papier stammt nicht etwa von einer fettigen Wurst, sondern direkt aus dem sauberen Kosmetikstudio Monika Jungen/Beauty-Center Barbara Maag
in Adliswil. Mit der un-
gewöhnlichen Mailing-Aktion wollen die beiden Frauen auf ihre Gesichtsbehandlungen gegen Falten aufmerksam machen. Nach Matter & Partners Orangen gegen Cellulitis und Stahlnägeln für starke Männer-Fingernägel soll nun das Knitterpapier von Wirz neue Kundschaft für das Studio gewinnen. CD: Hanspeter Schweizer; AD: Rolf Kälin; Text: John Leuppi.

«Landschaft Schweiz zeigt Biss»

Regional-TV-Chefs begrüssen bundesrätliche Botschaft zum RTVG mit Vorbehalten

Regional-TV-Chefs begrüssen bundesrätliche Botschaft zum RTVG mit VorbehaltenVon Daniel Schifferle Noch vor Weihnachten hat der Bundesrat seine Botschaft zur Gesamtrevision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) zuhanden der eidgenössischen Räte verabschiedet. Erwartungsgemäss fielen die Pläne für das TV-Gebührensplitting aus. Doch reichen die in Aussicht gestellten zwei bis drei Millionen Franken pro Sender? Und ist es akzeptabel, wenn nur zehn bis maximal zwölf Stationen davon profitieren sollen?
«In unserer zweisprachigen Region übernehmen wir mit einem zweisprachigen Programm eine echte Brückenfunktion. Wir garantieren täglich für beide Sprachen dasselbe Programm. Die Zweisprachigkeit macht die Sache nicht billiger, deshalb ist jeder Franken für unseren Sender willkommen. Durch die Limitierung auf zehn bis zwölf Stationen werden die Senderegionen grösser. Und damit wird es fraglich, ob die Sender den Service public überhaupt noch in dem vom Bundesrat gewünschten Masse gewährleisten können.»
«Die diskutierten zwei bis drei Millionen Franken pro Sender stellen das absolute Minimum dar, wenn ich das mit den mehr als eine Milliarde Franken Gebühren der SRG vergleiche. Den Leistungsauftrag, den der Bundesrat in seinem Gesetzentwurf von den Privatfernsehveranstaltern als Gegenleistung für diesen bescheidenen Zustupf fordert, werden nur ganz wenige erbringen können, zwei bis drei Millionen Franken hin oder her. Es dürfte deshalb richtig sein, die Zahl der Gebührenempfänger zu beschränken. Wichtig ist, denjenigen Veranstaltern eine Konzession zu erteilen, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie diesen Leistungsauftrag auch wirklich erfüllen können und wollen, denn nur sie sind Garanten für einen echten, langfristigen Service public aus den einzelnen Regionen.»
«Das RTVG ist aus ökonomischer wie aus medienpolitischer Sicht ein guter Wurf. Durchgehalten haben nicht wie angenommen die grossen sprachnationalen Sender Tele 24, TV 3 und Sat 1/ ProSieben, hinter denen Konzerne und Grossbanken standen. Durchgehalten haben die kleineren lokalen und privaten. Die Landschaft Schweiz hat einmal mehr Biss gezeigt.
Die zur Verteilung gelangenden Empfangsgebühren scheinen ausreichend für den Zweck zu sein, für den sie gedacht sind: nämlich mitzuhelfen, ein Regionalprogramm zu machen. Auch die Zahl von zehn bis zwölf gebührenberechtigten Fernsehsendern ist gut. Um Fernsehen zu machen, braucht die Region eine gewisse Grösse. Eine Aufteilung der Schweiz in zehn bis zwölf Fernsehregionen macht Sinn.»
«Meine Haltung ist seit Jahren unverändert: Ich bin für ein duales System, das heisst den Privaten die Werbung und der SRG die Gebühren. Mir ist aber klar, dass der Druck der grossen Verlagshäuser mit einer stillen Referendumsdrohung dazu führen wird, dass es ein Gebührensplitting auch für Regionalfernsehsender geben wird.
Der Vorschlag des Bundesrats ist wegen der eingebauten «Sicherungen gegen ein Überborden» vernünftig. Dass zehn bis zwölf Gebiete ausgeschrieben werden, verhindert die Gebührenverteilung mit der Giesskanne. Mehr gebührenfinanzierte Regionalfernsehsender würden zu einem Gebührenanteil von gegen 100 Millionen Franken führen, was umgehend mit der Einführung der Radiowerbung durch die SRG beantwortet würde. Dann hätten die gleichen Verlagshäuser vielleicht zwei Millionen Franken für das Regionalfernsehen auf der einen Seite eingenommen, die dann gleich wieder auf der anderen Seite den Privatradios bei der nationalen Werbung fehlten.
Die Privatradios in der Deutschschweiz haben noch ein anderes Problem mit dem Gebührensplitting fürs Regionalfernsehen. Letztere sind immer mit Privatradios und mit einer Ausnahme überall mit Regionalzeitungen verbunden. Durch das Gebührensplitting fände auch eine indirekte Marktverzerrung zu Gunsten dieser Privatradios statt, die beispielsweise Crossmediaprodukte anbieten könnten. Benachteiligt wären unter anderem Privatradios wie Radio 32, Zürisee, Central, Pilatus, Sunshine, BEO, BE 1 und Edelweiss. Das Gebührensplitting für die Regionalfernsehsender darf deshalb nicht mittelfristig zu einem Kahlschlag bei den Privatradios führen.»
«Wir sind mit diesem Gesetzesentwurf grundsätzlich zufrieden. Der Entwurf zeigt, dass eine vernünftige regionale TV-Landschaft in der Schweiz erwünscht ist. Die zu erwartenden zwei bis drei Millionen Franken pro Jahr und Station lassen zwar keine grossen Sprünge zu, werden aber eine massvolle Entfaltung ermöglichen. Weniger wäre definitiv nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Professionell gemachtes Fernsehen kann in der Schweiz weder auf nationaler, sprachregionaler noch regionaler Ebene allein aus dem Markt finanziert werden. Die Produktionskosten sind hoch, die Märkte klein – so gesehen ist meines Erachtens auch die Reduktion auf zehn bis zwölf regionale Konzessionen sinnvoll. Unverständlich ist für mich, dass das Werbeverbot für SRG-Radios nicht im Gesetzentwurf enthalten ist. Eigentlich ist es unbestritten – aber man lässt im Gesetzentwurf eine gefährliche Hintertür offen. Hier hoffe ich in der Detailberatung auf eine Korrektur durch die eidgenössischen Räte.»
«Ob zwei bis drei Millionen Franken pro Station ausreichen werden, hängt davon ab, welchen Leistungsauftrag im Sinne des Service public die Sender erfüllen müssen, um in den Genuss des Gebührensplittings zu kommen. Für Stationen, die in einem homogenen Raum senden und ihre Kosten im Griff haben, könnte es reichen.
Andererseits ist die Beschränkung auf zehn bis zwölf Stationen natürlich ein unsinniges Konzept, das die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der Schweiz ausser Acht lässt: Das Land ist föderalistisch, und die Medienlandschaft ist es auch. Es müssen ein paar Konzessionsgebiete mehr sein. Und es werden schliesslich – nach der Parlamentsdebatte – auch ein paar mehr sein. Wichtiger aber noch ist die Auswahl der Gebiete: Wo bis anhin eigenständige Medien überlebten, sollte weiterhin ein Sender existieren, geschlossene Räume müssen Vorrang haben.»

Kopf der Woche: Jean-Orphée Reuter ist seit Jahresbeginn neuer Verlagsleiter der Glückspost

«Ich verstehe mich als Handwerker im Dienst der Leser»

«Ich verstehe mich als Handwerker im Dienst der Leser»Kopf der Woche: Jean-Orphée Reuter ist seit Jahresbeginn neuer Verlagsleiter der Glückspost
Jean-Orphée Reuter bezeichnet sich als Glückskind der Glückspost. Nie habe er zu träumen gewagt, dereinst den Verlagsleiterposten des Blatts zu besetzen. Umso grösser ist seine Freude über den «Wink des Schicksals», der ihm den Karrieresprung zum Jahreswechsel beschert haben soll. Nun will er die Herausforderung «mit ganzem Herzen und frischem Elan» anpacken. Konkret heisst das: den eingeschlagenen Weg einer sanften Imagekorrektur weiterverfolgen, neue thematische Schwerpunkte setzen und im Werbemarkt den Ruf der altbackenen Glückspost abstreifen.
Eine Strategie, die die Leserschaft bis anhin honoriert hat: «2002 konnten wir 22 000 neue Leser und Leserinnen generieren», erklärt Reuter stolz. Diesen «Applaus» des Publikums verbindet der 39-Jährige jedoch nicht nur mit erfolgreichem Marketing, sondern auch mit enger Zusammenarbeit zwischen Chefredaktion und Verlagsleitung: «Unser ganzes Team arbeitet mit Herzblut und hält zusammen wie Pech und Schwefel – das widerspiegelt sich im Heft.» Der «Mann mit dem Kleeblatt» – wie sich Reuter in der Branche vorstellt – versteht sich darin als kreativer Verkäufer, als Handwerker im Dienst der Leser.
Das Metier hat er von der Pike auf erlernt: Nach der Lehre jobbte Reuter tagsüber in einer Werbeagentur, abends war er als Telefonverkäufer für die Luzerner Neuesten Nachrichten (LNN) tätig. «Vor allem der Umgang mit Menschen und die kreativen Facetten des Verkaufsberufs bereiteten mir von Anfang an viel Freude», erzählt Reuter. Lange habe er also nicht überlegen müssen, als ihm sein «Mentor», LNN-Anzeigenleiter Kari Angst, eine Stelle als Berater anbot. Zwei Jahre später holte ihn derselbe als Gebietsverkaufsleiter Zeitschriften zu Ringier nach Zürich, wo der Luzerner zuletzt zum Brand Manager der Glückspost ernannt wurde.
«Ich hatte immer eine grandige Zeit», kommentiert Reuter seinen Werdegang. Karriere und Titelreiterei seien dabei nie im Vordergrund gestanden. Den Erfolg führt Reuter auf sein herzliches, humorvolles und optimistisches Naturell zurück. «Zudem bringe ich als Sohn einer Primaballerina und eines Malers die nötige Kreativität mit», lacht Reuter.
Offensichtlich auch den exotischen Vornamen Jean-Orphée, den er zu Ehren von Jean Cocteaus Film «Orphée» erhalten hat. Unkonventionell gestaltet er letztlich auch sein eigenes Leben: So hat er eine Passion für Engel, füllt mit himmlischen Wesen die Wohnung und hat seine beiden Söhne gar Noah-Raphael und Elijah-Seraphim getauft. Dank einer «bezaubernden» Familie und eines «spannenden» Jobs fehle ihm nichts zu seinem Glück: «Ich bin mit meinem Leben rundum zufrieden und hoffe, dass alles so bleibt, wie es ist.»
Carole Koch

«Es war so schön mit dir»

Ab Februar wird in Migros-Klubschulen wieder die Bank gedrückt

Ab Februar wird in Migros-Klubschulen wieder die Bank gedrücktPünktlich mit dem Frost taucht auch der Semesterstart der Migros-Klubschulen im Kalender auf. Obwohl das Kursprogramm jeweils im August erneuert wird, ist laut Rolf Fuchs, Leiter Kommunikation, der Februar-Start für die Profilierung wichtig – nicht nur der guten Vorsätze wegen, die jeweils zum Jahreswechsel gefasst werden. Mit über vier Prozent Umsatzwachstum, so die erste Schätzung von Fuchs, konnten sich die fünf regionalen Migros-Klubschulen behaupten. Allein in der Region Zürich, Rapperswil und Glarus, für deren Werbeauftritt die Zürcher Agentur Weber Harbeke verantwortlich zeichnet, legen in der ersten Februarwoche 2000 neue Klassen mit rund 400 Kursthemen los.
Nicht das umfassende Kursangebot, sondern der 3. Februar, Datum des Kursbeginns, steht im Mittelpunkt der regionalen Kampagne, an der sich erstmals auch die Innerschweizer Klubschulen beteiligen.
Nach dem leicht gesunkenen Rücklauf aus Zeitungsbeilagen habe man nach einem neuen Weg gesucht, um die junge, urbane und freizeitorientierte Klientel zu erreichen, sagt Fuchs. Deshalb versucht es der Auftraggeber nun mit einem ironischen Mahnfinger. In TV-Spots, Inseraten in der Rubrik Ausgehtipps, auf Tram-Plakaten, Cards for free () und mit einer Give-away-Aktion wird die Zielgruppe aufgefordert, die Freizeit im Januar noch so richtig zu geniessen. Denn: Ab Februar brauche man diese zum Lernen.
Nahtlos fügt sich das Konzept in die ebenfalls von der Agentur entwickelte «Mehr Erfolg»-Dachkampagne ein. «Sicher mit ein Grund, warum die Umsetzung auch von der Klubschule Innerschweiz adaptiert wurde», freut sich CD Thomas Harbeke. Luca Aloisi

Kaderlass bei JvM

Das neue Jahr muss Jung von Matt/Limmat mit geschrumpfter Geschäftsleitung in Angriff nehmen.

Das neue Jahr muss Jung von Matt/Limmat mit geschrumpfter Geschäftsleitung in Angriff nehmen.Neben Client Service Director Ralph Hermann haben auch CD Daniel Meier und Strategic Planner Carlos Friedrich die Zürcher Werbeagentur verlassen. Meier startet mit Jan Maurer (ex By Heart) eine eigene Agentur namens Unikat, Friedrich ist neuer Partner bei Glamour Engineering. Hermanns Wechsel zu Heads Corporate Communication wurde schon kurz vor Weihnachten bekannt. Der gleichzeitige Austritt sei Zufall, versichern die drei ebenso wie Agenturchef Dominique von Matt. Hermann hat laut von Matt bereits im April gekündigt, blieb aber wegen des Swiss-Etatgewinns noch einige Monate. Meier erklärte, er habe den Schritt in die Selbstständigkeit seit längerem erwogen und ab dem Sommer mit von Matt erörtert. Friedrich begründete den Wechsel mit einem unwiderstehlichen Angebot.
Für Hermann wurde mit Christoph Bürge von Exxtra bereits Ersatz gefunden. Meier sieht die Kreation bei Urs Schrepfer, Alexander Jaggy und Michael Rottmann in guten Händen. Eine Stelle für strategische Planung wird es laut von Matt hingegen vorläufig nicht mehr geben. (sm)

Der Bankenbär geht in Rente

Jung von Matt/Limmat verschreibt der Bank Julius Bär Authentizität

Jung von Matt/Limmat verschreibt der Bank Julius Bär AuthentizitätSo viel Selbstkritik lässt aufhorchen. Die Zürcher Bank Julius Bär schreibt in einer nüchternen Anzeige: «2002 war ein schwieriges Jahr. 1998 auch. 1987 auch. 1973 auch. Und 1929 ebenfalls. Julius Bär, ehrlich seit 1890.» Nicht ihre Sparpolitik führte die Privatbank zur neuen Imagekampagne, sondern der aus dem Zeitgeist geratene Werbebär. Der schlichte Auftritt hat nichts mit dem Budget zu tun, wohl aber mit der Tatsache, dass die Menge der Feind des Exklusiven ist. «Offen, engagiert und augenzwinkernd», so CD Urs Schrepfer von JvM/ Limmat, umgeht die Kampagne alle Branchenstereotypien. Seite 5

Kurzes Gastspiel in der Werbeszene

Michael Anderegg über seine Erfahrungen mit und nach dem BSW-Talentworkshop für Quereinsteiger

Michael Anderegg über seine Erfahrungen mit und nach dem BSW-Talentworkshop für QuereinsteigerVon Annelies Friedli Als Einziger der 23 Teilnehmer des ersten BSW-Talentworkshops bekam er die Chance, in einer renommierten Werbeagentur Fuss zu fassen: Sein Ziel, Texter zu werden, erreichte Quereinsteiger Michael Anderegg trotzdem nicht. Ende Dezember hat er bei Euro RSCG sein Praktikum beendet.
«Es ist kein Zufall, dass ich heute zum Interviewtermin Schwarz trage», erklärt Anderegg mit einem spitzbübischen Lächeln. In Sachen Kleidung zumindest hat er die Codes der Werbebranche schon verinnerlicht. Auch was den Rest anbelangt, habe er schnell kapiert, «wie der Hase läuft». «Um in der Werbung erfolgreich zu sein, braucht es viel Knochenarbeit», sagt er.
23 Tage hat Anderegg, diplomierter Biologe ETH und Absolvent des ersten Talentworkshops des BSW, im Dezember bei Euro RSCG gearbeitet. Als Praktikant, Quereinsteiger und Texter. Und sich damit einen Traum erfüllt: «Ich wollte seit längerem in der Werbung arbeiten.»
Mit der Weltwoche-Anzeige kam die Chance
Entwickelt hat sich dieser Wunsch vor drei, vier Jahren – weil er die Werber in den Magazinen so cool fand, der Beruf spannend klang und Frank Bodin im Magazin Kult so interessant über Werbung schrieb. «Das Bild, das Bodin
in seinen Texten von der Wer-
beszene zeichnete, faszinierte mich», bekennt der 27-Jährige.
Viel mehr wusste er aber nicht über die Branche. «Ich hatte keine Ahnung, dass Texter und Berater nicht das Gleiche sind», gesteht er. Einige oberflächliche Vorstellungen habe er gehabt und den Glauben, «Werber würden immer Partys feiern und alle Werber seien so kreativ».
Andereggs grösstes Manko aber war: «Ich wusste nicht, wie ich es anstellen sollte, als Biologe in der Werbeszene Fuss zu fassen. Sollte ich etwa den Telefonhörer in die Hand nehmen und irgendeine Werbeagentur anrufen und sagen: Hallo, ich bins, Michael Anderegg, Biologe, und derzeit stellvertretender Biologielehrer?»
Im Frühjahr 2002 bot sich die passende Lösung an: In der Weltwoche las er über den BSW-Talentworkshop für Quereinsteiger. «Ich wusste sofort, dieser Kurs ist wie geschaffen für mich», erinnert er sich. Weil sein Job als stellvertretender Lehrer sowieso befristet war und er sich mit dem Lehrerberuf nicht richtig anfreunden konnte, nahm er die Herausforderung an. «Ich freute mich extrem auf den Kurs», sagt er.
600 Franken und 7 Tage hat ihn der Kurs gekostet, über den die WerbeWoche ausführlich in der Ausgabe 26/02 berichtete. Gebracht hat er ihm einiges, aber «nicht so viel, wie ich erwartet habe. Um ehrlich zu sein, habe ich mir vom Kurs mehr erhofft», sagt Anderegg rückblickend. Er bemängelt den Zeitpunkt des Kurses. «In solch wirtschaftlich schlechten Zeiten hat doch keine Agentur Interesse an Quereinsteigern», kritisiert er. Er findet, dass «der Kurs zwar einen Einblick in die Werbeszene vermittelt hat, mit einer Anlehre aber absolut nicht vergleichbar ist». Und er ärgert sich, dass ausser ihm keiner der 23 Kursabsolventen eine faire Chance bekommen habe, in einer der 12 beteiligten BSW-Agenturen Fuss zu fassen: «Ich kann nicht verstehen, dass selbst die Agenturen, die sich für den Kurs eingesetzt und den Kursteilnehmern erklärt haben, sie seien ständig auf der Suche nach Quereinsteigern, uns keine Chance gegeben haben.» Stellen, weiss er, hätte es gegeben. «Doch die wurden mit Profis besetzt.» Nur einer der Kursabgänger, so berichtet er, fand bei einer kleineren Agentur in der Ostschweiz einen Job.
Bei Euro RSCG wäre Anderegg gerne länger geblieben
12 Bewerbungen hat Anderegg an die am Kurs beteiligten BSW-Agenturen geschrieben. Doch nur Euro RSCG zeigte Interesse. «Für diese Chance, die mir Euro RSCG bot, bin ich sehr dankbar», sagt er, «umso mehr, als der Kurs ohne dieses Praktikum ziemlich wertlos gewesen wäre.»
Bei Euro RSCG konnte er texten, Headlines entwickeln und sogar eine eigene Werbeidee präsentieren. «Ich habe bei Projekten von zehn Kunden mitgearbeitet», sagt Anderegg. Dass sich dabei selbst Frank Bodin um ihn gekümmert habe, findet er absolut «cool». «Er hatte für mich Zeit, half mir und gab mir Aufgaben.» Auch der Rest des Teams hat ihn gut aufgenommen: «Ich wurde als Teammitglied ernst genommen», betont Anderegg.
Trotzdem: In der Werbeindustrie Fuss zu fassen, das ist ihm nicht gelungen. «Der Praktikumsjob bei Euro RSCG wäre für mich eine gute Option gewesen. Ich wäre gern länger geblieben.» Verabredet waren ein bis drei Monate. Doch eine Jobofferte vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) durchkreuzte seine Pläne: «Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen.»
Seit Anfang Januar arbeitet er jetzt auf Kundenseite – als wissenschaftlicher Mitarbeiter des nationalen Programms für Tabakprävention des BAG. «Hier kann ich als gelernter Biologe mein Wissen umsetzen und das, was ich bei der Agentur gelernt habe, anwenden», schmunzelt er.
Das Thema Werbung ist für Anderegg aber noch nicht abgeschlossen. «Wer weiss, vielleicht versuche ich den Sprung in die Werbung nochmals.» Dann will er auch Fragen klären, auf die er bei Euro RSCG noch keine Antwort gefunden hat. Gibt es auch eine einfache Anleitung, wie man ein guter Texter wird? Und: Wo finden die wilden Partys statt?
ausser spesen nichts gewesen?Die Idee des Branchenverbands Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen (BSW), einen Talentworkshop für Quereinsteiger durchzuführen, war bestechend: Zur Sicherung des kreativen Nachwuchses sollte der Workshop verborgene Talente aufspüren und diese fürs Geschäft mit der Werbung gewinnen. Top Shots wie René R. Hürlimann, Jean Etienne Aebi und Frank Bodin versuchten munter parlierend rund 70 Neugierige an einem Infotag davon zu überzeugen, dass auch Quereinsteiger eine Chance haben. Alles für die Katze? Nur ein Absolvent des nicht ganz billigen Kurses fand eine Stelle – 22 andere hatten sich wie Michael Anderegg redlich Mühe gegeben, einen Fuss in die Branche zu setzen, vergebens. Das Ergebnis dieses Marsches durch die Institution Werbeagentur war indes absehbar gewesen: Bedarf an zusätzlichem Personal hatten die wenigsten BSW-Agenturen angemeldet. (af)

Hybride für Brandpower

Rotor startet für Coop Naturaplan eine Impact-starke Erlebnispromotion

Rotor startet für Coop Naturaplan eine Impact-starke ErlebnispromotionVon Luca Aloisi Als First Mover unter den Grossverteilern hat es Coop geschafft, Naturaplan als Marke für natürlichen Genuss zu positionieren. Die Zürcher Agentur Rotor entwickelte zum 10-Jahr-Jubiläum dieser Produktelinie eine saisongerechte Imagekampagne.
Mit der Kreation des neuen Coop-Logos vor drei Jahren «rutschte» Rotor in den Agenturpool des Basler Detaillisten, wie CD Alexander Gessert erklärt. Auf die Corporate-Design-Manuals, die im Auftrag von Külling & Partner hergestellt wurden, folgten Aufträge für Coops Aktionswerbung, um die sich damals keine Agentur riss. «Mittlerweile hat sich sogar WHS von Denner für einen ähnlichen Auftrag einspannen lassen», beschreibt Gessert den radikalen Wandel in der eitlen Branche.
Der Kunde am Rheinknie, der im Schnitt jeden Tag rund eine halbe Million Franken in die Werbung investiert, ist inzwischen zum grössten Auftraggeber der Kleinagentur avanciert. Zu den von Rotor betreuten Bereichen Restaurant, Non-Food-Promotionen und Fotoservice kommt auch die Supervisionsfunktion.
Da es für die Strategen der Zürcher Agentur auf der Hand lag, dass Coops Kompetenzmarke Naturaplan sich im Jubiläumsjahr 2003 noch stärker profilieren sollte, wurden sie pro-aktiv.
Wie aus einem Rotkohl ein hübsches Schweinchen wird
Unter den klar definierten Auftrittsgefässen des Grossverteilers boten sich die so genannten «Erlebnispromotionen» an. Bis zu vier dieser knapp einen Monat dauernden Aktionen sollen heuer als Plattform für Naturaplan dienen. Alle Promotionen werden dazu mit einem Erlebnisthema verknüpft.
Die Herausforderung war gross, denn die Palettenvielfalt – über 1500 Produkte sind im Sortiment – sollte mit einer emotionalen, schnellen und überraschenden Botschaft vermittelt werden. Dass der Auftraggeber hierfür eine Kampagne mit einer grinsenden Ziege als Benchmark festgesetzt hat, dürfte die Kreativgilde erstaunen. Muss sie aber nicht, denn die Ziege hat vor wenigen Jahren Coops Frischeerlebnis plakativ vorgeführt und «ein enormes Echo» erzielt, erinnert sich Gessert.
Der Grossverteiler hinge-
gen, der seine Image-fördernden Auftritte praktisch auf TV-Spots beschränkt, hat für Image-
elemente im Print- und Posterbereich ein eher konventionelles Verständnis. So bevorzugt er
vor allem traditionelle Motive (Alpaufzug, glückliche Konsumenten) und arbeitet eher selten mit überraschenden Bildassoziationen (Stockente), um seine Werte zu vermitteln.
Umso mehr beeindruckt nun das Key Visual des Jubiläumsauftritts. Weil es plakativ ist, eine höhere Relevanz zum Thema aufweist und sich einfach weiterführen lässt. So subsummiert die «Birnen-Kuh» auf witzige Art
die Naturaplan-Bereiche Früchte, Milchprodukte und Fleisch.
«Dank der Reduktion aufs Wesentliche und dem grosszügigen Layout fallen die Werbemittel auf und bringen den Auftritt optimal zur Geltung», ist sich Gessert sicher. Über das Jubiläumsjahr verteilt werden weitere Produktbereiche im gleichen Kommunikationsstil beworben: So wird etwa für die Erlebniswoche «artgerechter Genuss» ein Rotkohl dergestalt geschnitzt, dass ein Schwein darin zu erkennen ist.
Naturaplan 1993 gab ein Nature-Jogurt den Startschuss für Naturaplan, mit dem Coop das wachsende Bedürfnis nach Bioprodukten befriedigen wollte. Im gleichen Jahr kamen 13 weitere Produkte hinzu. Entsprechend dem Umsatz des Naturaplan-Sortiments, das jährlich Wachstumsraten von 30 bis 70 Prozent vorlegte, ist das Angebot ausgebaut worden. Heute zählt die Linie mit dem Gütezeichen rund 1500 Produkte. Obwohl sie erst einen Bruchteil des gesamten Coop-Sortiments ausmachen, vermittelt ihr Benefit, Marketingtechnisch gesprochen, eines der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale von Coop. (la)

Anatomie der Wahrheit

Privatbank Bär setzt auf Glaubwürdigkeit und entlässt den Werbebären

Privatbank Bär setzt auf Glaubwürdigkeit und entlässt den WerbebärenVon Luca AloisiNach 15 Jahren hat sich die Privatbank Julius Bär von ihrer emotionalen Bärenkampagne getrennt. Eine formal schlichte Copy-Kampagne von JvM/Limmat tritt die Nachfolge an, soll Vertrauen in das Institut wecken und die Bank näher am Zeitgeist positionieren.
Eine Werbeära geht zu Ende. Und zwar just in diesem garstigen Klima, in dem die «Bären» weitere 150 Stellen streichen müssen. Mike Williams’ Cartoon-Bär, der die Markenwerte der Zürcher Privatbank seit 1987 humorvoll verkörperte, fiel aber nicht dem Rotstift zum Opfer, er wurde aus «Altersgründen» in Rente geschickt.
Nachdem die Marketingverantwortlichen im Zug eines Rebranding alle Kommunikationsinstrumente überprüft hatten, kamen sie nämlich zum Schluss, dass das emotionale Element den Zeitgeist und die Kernbotschaften nicht mehr genau zu treffen vermochte. Ausserdem werden Bären immer häufiger für Konsumgüter – unter anderem für WC-Papier – eingesetzt. «Die Zeit war reif für einen neuen Impuls. Die neue, schlichte Kampagne erlaubt es, mit kurzen Texten auf Aktuelles Bezug zu nehmen», sagt Markus Halper, Head Communications.
Tiefere Kosten für eine höhere Schaltfrequenz?
Der Überraschungseffekt blieb nicht aus, als zu Jahresbeginn auf lachsfarbenen Panoramainseraten die schön eingemitteten Zeilen zu lesen waren: «Wir wollen Ihnen keine lachenden Menschen in unserer Werbung zeigen. Wir wollen, dass Sie selber lachen.»
Nur: Wer die Kampagnen der Finanzinstitute in letzter Zeit betrachtet hat – Bordier & Cie. wirbt beispielsweise mit Gesichtern von griesgrämig dreinblickenden Bankkunden –, kann diesem Credo nicht viel abgewinnen; derzeit versucht kein Institut mehr, Vertrauen mit wohl klingenden Versprechungen aufzubauen.
Ist es dem nüchternen Auftritt der Bank Julius Bär bisher also nicht gänzlich gelungen, mit grundlegend neuen Inhalten aufzufallen, hebt er sich zumindest formal vom Konkurrenzumfeld ab. Beim Claim «True to you» allerdings, mit dem das Team um CD Urs Schrepfer auf die Glaubwürdigkeit des 1890 gegründeten Unternehmens fokussieren will, ist man geneigt zurückzufragen: «Does this story ring true to you?» Ehrlichkeit und Prägnanz liest sich am ehesten im Copy-Motiv über die «schwierigen Jahre», das sich an den Wochenbericht von Peter Horlacher, Communications Private Banking bei Julius Bär, anlehnt: «Die Anatomie einer Kursblase».
Dass die Julius Bär Holding, deren Reingewinn 2001 um 41 Prozent schrumpfte, jetzt auch ihr Werbebudget durch tiefe Produktionskosten der neuen Kampagne fit trimmt, will Halper nicht kommentieren. Gemäss Media Focus gehörte Julius Bär 2002 zu den Big Spenders unter den Privatbanken.

Tête à tête à la vaudoise

Simko baut für die Vaudoise-Versicherungen eine menschliche Imagewelt auf

Simko baut für die Vaudoise-Versicherungen eine menschliche Imagewelt aufDer Einbruch der Finanzmärkte und das tiefe Zinsniveau haben in der Bilanz der Vaudoise-Versicherungen Spuren hinterlassen. Das konsolidierte Ergebnis 2001 zeigte einen Einbruch um 19,2 Prozent auf 20,4 Millionen Franken. Das hatte auch Folgen für die Werbung: Zum Jahresauftakt zeigt sich der Allbranchenversicherer weniger finanzorientiert, dafür besinnlich. Nach den Negativmeldungen aus der Wirtschaftswelt wird in der kommerziellen Kommunikation für Finanzdienstleister wieder vermehrt auf emotionale Werte gesetzt – so auch bei der Waadtländer Versicherung. Noch im Februar des vergangenen Jahres liess das Unternehmen seine Lebensversicherungen von Hermès Communications als «Geldanlage mit Garantie» bewerben. Mit einer von der Agentur Simko konzipierten Imagekampagne will die Versicherung ihre Kundenorientiertheit nun mit dem Markenkernwert Nähe betonen.
Menschliche Werte sollen die Vaudoise neu profilieren
Im Juli überzeugte die Genfer Agentur von Pedro Simko mit dem Konzept einer Vaudoise-Welt und holte damit den Lausanner Versicherungsetat in die Calvin-Stadt. Der neue Auftritt soll die Vaudoise über menschliche Werte profilieren und sie so im gesättigten Marktumfeld von der Konkurrenz abheben. Das Kreativteam um CD Olivier Girard hat dem Unternehmen eine eigene, visuelle Welt gebaut: In zwei Spots und auf Plakaten unterhalten sich Menschen in einer vaudoise-grün gefärbten Umgebung. Auch die Tonspur bewegt sich in surrealen Gefilden, so erinnert das «Gespräch» zwischen Mann und Frau im Spot «Manoir» eher an die Begegnung zweier Hunde als an Kommunikation zwischen erwachsenen Menschen. «Es ist irrelevant, den Inhalt zu verstehen», meint Beraterin Carine Haist und präzisiert: «Wichtig ist uns einzig, dass die Leute kommunizieren und sich verstehen.»
Unterstützt wird die Imagekampagne ab Februar mit Angebotsinseraten, welche die Anmutung der grünen Vaudoise-Welt fortführen. Simone Keller
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