Die Ratlosen aus dem Medienland
Statt Orientierungshilfe gabs am Dreikönigstreffen diesmal nur Ohnmachtserklärungen
Statt Orientierungshilfe gabs am Dreikönigstreffen diesmal nur OhnmachtserklärungenVon Oliver Classen Zu Jahresbeginn weithin sichtbare Pflöcke einschlagen: Halten konnte dieses Versprechen an der 5. Dreikönigstagung des Medieninstituts vom Verband Schweizer Presse einzig der Vorarlberger Verleger Eugen Russ. Und dies auch nur dank der Kritiklosigkeit seiner Schweizer Kollegen. Deren Diplomatie verhinderte einmal mehr jede ernsthafte Auseinandersetzung.
Was Sokrates in sechs Worten sagte, nimmt in der redseligen Verlagsbranche heute acht Referate, ein Podiumsgespräch und somit einen lieben langen Arbeitstag in Anspruch. Die offizielle Tagungslosung lautete zwar «Auf die unsichtbaren Werte kommt es an».
Prägend und in den prognostischen Vorträgen förmlich mit Händen zu greifen war im Zürcher World Trade Center (WTC) jedoch das ins Kollektive erweiterte Bekenntnis «Ich weiss, dass ich nichts weiss». Wobei einzelne Branchenexponenten durchbli-cken liessen, dass sie im vergangenen Krisenjahr durchaus Einsichten gewonnen hätten, diese der Konkurrenz jedoch nicht «einfach so» unter die Nase reiben wollten.
Statistereien und ein politisch überkorrektes «No comment»
Zum Beispiel Publicitas-Chef Hans-Peter Rohner. Der Hauptsponsor des Networking-Anlasses kaschierte seine Konzeptlosigkeit mit einer zahlenüberfrachteten Powerpoint-Präsentation. Ausser nicht ganz uneigennützigen Allgemeinplätzen – wie «die zunehmende Fragmentierung der TV-Nutzung verbessert die Print-Perspektiven» oder «der herrschende Branchenkonsens in Sachen Preisstruktur sichert unser aller Zukunft» – und Exotisch-Unverbindlichem (dass etwa China bis 2008 zur zweitgrössten Werbenation avancieren wird) bot Rohners «Trendanalyse» wenig Aufschlussreiches. Heikel wurde der Auftritt des mächtigsten Schweizer Medienmanagers, als er die Frage des stets brillant moderierenden Karl Lüönd nach der Glaubwürdigkeit der Break-even-Meldungen von 20 Minuten mit einem «No comment» quittierte – und damit jede Diskussion im Keim erstickte.
Ähnlich erkenntnisarm waren auch die Werbemarkt-Vorhersagen von Bruno Widmer, derzeit VR-Präsident des Schweizer Ablegers von Advico Young & Rubicam. Dass Direkt- und Internetmarketer zunehmend am Kuchen der klassischen Werbung knabbern, ist ebenso sattsam bekannt wie die allmähliche Verschiebung globaler Werbebudgets von Nordamerika und Europa in den Rest der Welt. Solche Binsenweisheiten wirken auch nicht erhellender, wenn sie von Widmers Oberboss, WPP-CEO Martin Sorel kolportiert werden. Durch Sorells Anrufung und die diskrete Aussparung des hiesigen Markts wurde die Verlegenheit um zukunftstaugliche Indizien und Argumente, die der wohl weltgewandteste Schweizer Werber mit seinen Kollegen heuer teilte, erst so richtig offenbar.
«Die Zeitung als Wertstoff» und andere Erfolgsrezepte
Vor diesem Hintergrund hatte der einzige ausländische Referent leichtes Spiel. Nicht, dass der 30-minütige Werbespot, den Eugen Russ vor der rund 300-köpfigen Managergemeinde für sein Vorarlberger Medienhaus schaltete, uninteressant gewesen wäre. Im Gegenteil: Die Energie und Konsequenz, mit der er seinen Provinzverlag zur crossmedialen Dienstleistungsplattform aufgerüstet hat, könnte für einige Anwesende durchaus Vorbildcharakter haben. Das gilt auch für die hauseigene Rezyklierung gelesener Zeitungen, die für Russ «auch physisch ein Wertstoff» sind, mit dem man sorgsam umgehen sollte.
Umso erstaunlicher, ja erschreckender, dass keiner der potenziellen Nachahmer die bei so rosaroten Aussichten besonders nahe liegende Finanzierungsfrage stellte. Dafür aber reichte der Mut offenbar nicht. Oder das Interesse. Beides wären indes keine ermutigenden Zeichen fürs im WTC eingeläutete dritte Krisenjahr der Branche. Man darf gespannt sein, ob der sich 2003 weiter verschärfende Konkurrenz- und Margendruck beim nächsten Dreikönigstreffen statt der üblichen Glacéhandschuhe zur Abwechslung mal Boxhandschuhe zum Einsatz kommen lässt.
Was Sokrates in sechs Worten sagte, nimmt in der redseligen Verlagsbranche heute acht Referate, ein Podiumsgespräch und somit einen lieben langen Arbeitstag in Anspruch. Die offizielle Tagungslosung lautete zwar «Auf die unsichtbaren Werte kommt es an».
Prägend und in den prognostischen Vorträgen förmlich mit Händen zu greifen war im Zürcher World Trade Center (WTC) jedoch das ins Kollektive erweiterte Bekenntnis «Ich weiss, dass ich nichts weiss». Wobei einzelne Branchenexponenten durchbli-cken liessen, dass sie im vergangenen Krisenjahr durchaus Einsichten gewonnen hätten, diese der Konkurrenz jedoch nicht «einfach so» unter die Nase reiben wollten.
Statistereien und ein politisch überkorrektes «No comment»
Zum Beispiel Publicitas-Chef Hans-Peter Rohner. Der Hauptsponsor des Networking-Anlasses kaschierte seine Konzeptlosigkeit mit einer zahlenüberfrachteten Powerpoint-Präsentation. Ausser nicht ganz uneigennützigen Allgemeinplätzen – wie «die zunehmende Fragmentierung der TV-Nutzung verbessert die Print-Perspektiven» oder «der herrschende Branchenkonsens in Sachen Preisstruktur sichert unser aller Zukunft» – und Exotisch-Unverbindlichem (dass etwa China bis 2008 zur zweitgrössten Werbenation avancieren wird) bot Rohners «Trendanalyse» wenig Aufschlussreiches. Heikel wurde der Auftritt des mächtigsten Schweizer Medienmanagers, als er die Frage des stets brillant moderierenden Karl Lüönd nach der Glaubwürdigkeit der Break-even-Meldungen von 20 Minuten mit einem «No comment» quittierte – und damit jede Diskussion im Keim erstickte.
Ähnlich erkenntnisarm waren auch die Werbemarkt-Vorhersagen von Bruno Widmer, derzeit VR-Präsident des Schweizer Ablegers von Advico Young & Rubicam. Dass Direkt- und Internetmarketer zunehmend am Kuchen der klassischen Werbung knabbern, ist ebenso sattsam bekannt wie die allmähliche Verschiebung globaler Werbebudgets von Nordamerika und Europa in den Rest der Welt. Solche Binsenweisheiten wirken auch nicht erhellender, wenn sie von Widmers Oberboss, WPP-CEO Martin Sorel kolportiert werden. Durch Sorells Anrufung und die diskrete Aussparung des hiesigen Markts wurde die Verlegenheit um zukunftstaugliche Indizien und Argumente, die der wohl weltgewandteste Schweizer Werber mit seinen Kollegen heuer teilte, erst so richtig offenbar.
«Die Zeitung als Wertstoff» und andere Erfolgsrezepte
Vor diesem Hintergrund hatte der einzige ausländische Referent leichtes Spiel. Nicht, dass der 30-minütige Werbespot, den Eugen Russ vor der rund 300-köpfigen Managergemeinde für sein Vorarlberger Medienhaus schaltete, uninteressant gewesen wäre. Im Gegenteil: Die Energie und Konsequenz, mit der er seinen Provinzverlag zur crossmedialen Dienstleistungsplattform aufgerüstet hat, könnte für einige Anwesende durchaus Vorbildcharakter haben. Das gilt auch für die hauseigene Rezyklierung gelesener Zeitungen, die für Russ «auch physisch ein Wertstoff» sind, mit dem man sorgsam umgehen sollte.
Umso erstaunlicher, ja erschreckender, dass keiner der potenziellen Nachahmer die bei so rosaroten Aussichten besonders nahe liegende Finanzierungsfrage stellte. Dafür aber reichte der Mut offenbar nicht. Oder das Interesse. Beides wären indes keine ermutigenden Zeichen fürs im WTC eingeläutete dritte Krisenjahr der Branche. Man darf gespannt sein, ob der sich 2003 weiter verschärfende Konkurrenz- und Margendruck beim nächsten Dreikönigstreffen statt der üblichen Glacéhandschuhe zur Abwechslung mal Boxhandschuhe zum Einsatz kommen lässt.
