Zukunft der Werbung Teil I Was ist der Unterschied zwischen oberflächlicher Originalität und einer bewegenden Idee? Welche Einfälle sind von gestern, welche haben Zukunft? Darüber hat Jean Etienne Aebi ein Buch geschrieben. Der auch in der letzten ADC-Runde (mit 3 Gold- und 7 Silberwürfeln) höchstdekorierte CD der Schweiz offeriert keine Werberanekdoten, dafür eine Menge Argumentationshilfe für alle, die ihre Zeit oder ihr Geld in Werbung stecken. Die Werbewoche druckt in zwei Folgen Ausschnitte aus dem Kapitel zur Zukunft der Werbung, in denen Aebi zwölf Tendenzen beschreibt.Vorbei sind die so angenehm eindeutigen Zeichen. Heutzutage gilt der Eklektizismus, das Neben- und Miteinander aller Stile.Dass im einen Jahr dutzende von Werbefilmen mit Tieren auftauchen und im anderen solche mit Puppen, ist irrelevant. Dass der eine Jahrgang mehr Nervenkitzel und der andere mehr Herzflattern produziert, ist keine Leitschnur für die Zukunft. Dass einmal in der Werbung auffallend oft gekichert wird und ein anderes Mal gefurzt, ist allerhöchstens eine ironische Randnotiz wert.
Ob mehr im Trash- und Grunge-Stil oder mehr cinematografisch hochstilisiert inszeniert wird – diese Diskussion kann man ruhig den Spezialisten überlassen. Saisonale Bestandsaufnahmen ohne Relevanz für Zukunftsprognosen. Dasselbe gilt für technische Tendenzen – Special Effects, Computergrafik, Handycam oder 35 Millimeter – genauso wie für das Branchenthema, ob die Japaner am Kommen sind oder die Skandinavier wieder mehr oder es halt doch die Brasilianer bleiben. Morgen wird es wieder anders sein. Und kann Ihnen egal bleiben.
Wer nach wesentlicheren Indizien für die Zukunft des Werbeschaffens sucht, also solchen, die über den Tag hinausgehen, der sollte sich etwas grundsätzlichere Entwicklungen anschauen.
Dazu gehören die Veränderungen der Werbung über mehrere Jahre. Sie zeigen sich nur in einer intensiven Auseinandersetzung damit. Gibt es Trends, die sich verstärken und den Eindruck machen, für eine Entwicklung auf längere Zeit zu stehen? Was sich zeigt, ist, dass gewisse fest- oder in Aussicht gestellte Paradigmenwechsel sehr wohl die Werbung bestimmen. Und dass diese auch Erkenntnisse aus der aktuellen Kommunikationsforschung in geeigneter Form umsetzt.
Aus all dem ergibt sich eine Liste einigermassen gesicherter Indizien. Sie stimmt mit Antworten einiger Branchengrössen auf die Trendfragen zum einen Teil überein, zum anderen keineswegs.
Was also werden wir in Zukunft mehr sehen? Es sind zwölf Tendenzen. Die hier jedes Mal – in Ermangelung eines Besseren respektive von noch nicht existierenden Beispielen aus der Zukunft – mit den einen und anderen aus der jüngsten Zeit illustriert werden, die künftige Konzeptionen vorausnehmen oder wenigstens andeuten.
Die neue ErnsthaftigkeitUnterhaltung bis zum Geht-nicht-mehr einerseits, Sinnkrise vom Topmanager bis zum Arbeitslosen andererseits: Die Pleiten-Pech-und-Pannen-Gesellschaft sucht nach neuer Orientierung, nach Inhalten, nach Werten. Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit sind gefragt. Das
alte Motto «Mehr Sein statt Schein» bekommt neue Bedeutung. Sinnvolles ist angesagt.
Der Leser und Zuschauer honoriert etwas Ruhe. Ist bereit zu etwas Reflexion. Geht dem mit etwas Gehalt nicht mehr aus dem Wege. Das ist auch eine Chance für Werbung, die im Kontrast zu den allseitigen schnellen Oberflächenreizen steht.
Vorbildhaft vorweg nimmt das der englische Werbefilm für die Zeitung The Independent, der den das Leben einschränkenden Katechismus der political and social correctness mit all seinen «Don’ts» aufs Korn nimmt.
Zu Don’t think die Aufnahme eines Soldaten, Don’t cry: ein Baby, Don’t be different: zwei Schwule, Don’t walk: eine Verkehrsampel, Don’t be fat: ein Hamburger, Don’t masturbate: eine WC-Türe – und so fort. Insgesamt 43 solcher Verbote in diesem eindrücklichen Schwarzweissfilm. Endend auf einem Stoss Zeitungen (Don’t buy) und schliesslich darauf, dass einer The Independent liest und dazu: Don’t read.
Die Beispiele, die der Fast-Food- respektive Fast-Fun- und eben Fast-Com-Werbung etwas Gedankenvolleres oder auch etwas an neuer Langsamkeit gegenüberstellen, mehren sich. So der Werbefilm für New York City Tourism, in dem Einwohner am Times Square auf die Frage, was zu tun wäre, um die Touristen wieder nach New York zu bringen, damit antworten, dass sie lieber keine solchen hätten. Was aber offensichtlich nicht die optimale Lösung wäre.
Oder der nachdenklich stimmende Spot für den Fotoentwickler Fotoprix: Das Hüftbild einer Schönen entpuppt sich als Fotografie, die eine Magersüchtige vor ihren Körper hält, ebenso die Hand, die einer alten Frau auf der Schulter liegt, oder das Bild eines gesunden Regenwaldes, das in Wahrheit nur zwischen Kamera und abgestorbenen Wald gehalten wurde. Perfect pictures for an imperfect world – so der ehrlich profilierende Slogan.
Die neue EmotionalitätSlice-of-lives, die einzig der Vorstellung des Marketingdirektors entsprechen, wie es im Le-ben seiner Zielgruppe zugehen sollte, aber nichts mit dem wahren Leben zu tun haben, sind endgültig wirkungslos. Künstliches Reklamegeschnatter von Models ist einem unselig lästig geworden, lebensechter Dialog echter Menschen in echten Situationen interessiert.
Real people, real life zeigen auch in der Werbung mehr Wirkung. Weshalb die Strategen nach Consumer Insights suchen, wie einer der neuen Branchentermini heisst, und die Kreativen nach Authentizität in der Umsetzung. Wie findet man das, was Menschen wirklich bewegt, und wie spricht man es an?
Die neuen Formen sind vielfältig, zum Teil voll auf Basic Instincts. Lebensechte Leidenschaft, Erotik, Traurigkeit, Wut. Daneben spektakulär Unspektakuläres. Vom leisen inneren Dialog bis zu Werbung, die nicht als solche daherkommt.
Immer Heart-to-Heart-, nicht nur Head-to-Head-Communication.
Packend authentisch zum Beispiel die im Moment des Orgasmus gezeigten Gesichter für Coco de Mer Erotic Shops in England. Treffend lebensnah, wie ein Vater in unserem Spot für Swisscom Mobile sein kleines Mädchen ins Bett begleitet, obschon er weit weg von zu Hause ist: Go far, come close. Bestechend schlicht die Anzeigen der HypoVereinsbank in Deutschland.
Gerade weil deren Fotografie Menschen nicht abbildet, sondern in ihrer natürlichen Umgebung raffiniert andeutet, berührt sie einen umso mehr. Dazu persönliche Statements wie: Ich habe ein kleines Unternehmen. Wenn meine Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlen, kann ich nicht schlafen. Wenn ich nicht schlafe, kann ich nicht von der Zukunft meiner Firma träumen. Kann mir jemand helfen, besser zu schlafen? – Schön für eine Bank, die dazu schreibt: Leben Sie. Wir kümmern uns um die Details.
Die neue NäheSo wenig Ahnung ein Werbeberater von der Nur-Hausfrau im Waschkeller haben mag, so wenig hat der Direktionsvorsitzende eine vom Homeboy auf seinem Skateboard. Die Beispiele falscher Anbiederung, falscher Sprachwahl, falscher Bilder sind Legion. Die Zeiten dafür sind endgültig vorbei.
Das neue Bemühen um zielgruppengerechtere Kommunikation hält sich nicht dabei
auf, die Werbewelt ganz allgemein in bessere Übereinstimmung mit der wirklichen Welt zu bringen. Die Segmentierungskriterien ändern sich. Demografische Strukturen helfen kaum weiter. Der heutige Mensch verhält sich hier als Big Spender und dort als Pfennigfuchser, die Gesellschaft ist multikulturell, Randgruppen geraten ins Zentrum.
Das One-to-one-Individual-Cluster-Database-Marketing versucht es rein technisch und wartet auf den hybriden, gläsernen Konsumenten. Doch die massenmediale Werbung ist es, die ethnische und Interessengruppen sowohl zum spezifischen Publikum als auch zum alle stimulierenden Thema macht.
Anzeigen in Türkisch in Deutschland. Street- und Love-Parade-Plakate. Fetischistenmotive. Ein Schwulenpaar wirbt für Maggi. Ein nackter Mann für Lenor: Selbst wäscht der Mann. Grossmütter als Protagonistinnen für den Internetprovider Bluewin. Das neue Alter, die neue Jugend. Für Kids, die mehrheitlich ihre Schulaufgaben machen und gleichzeitig fernsehen, werden auf MTV – einem Medium, das Werbung einzig mit Werbung unterbricht, nämlich der per Videoclips für Musikgrup-
pen – eigene Kampagnen geschaltet. Wasaslimlineknäckebrotclips zum Beispiel.
Zielgerichtet provokativ auch, wie für Camel ein unvermindert riesiger Markt angesprochen wird: die auf ihre Ghettoisierung zunehmend agressiv reagierenden Raucher. Die es noch so gerne sehen, wenn ihre Bevormundung in den Kakao gezogen wird. Mit einem Warnfeld weit grösser als der obligate Gesundheitsamtsstreifen: This ad contains satisfied smoking, farm violence, animal nudity. So zum Beispiel über einem wilden Bild, auf dem ein Farmer den Lover seiner Frau verjagt, die auf dem Bett liegt und raucht, während draussen ein Huhn seinen Hintern zeigt.
Andere – nicht nur Muslime – stossen mit Mecca-Cola gegen US-Hegemonialpolitik und auf ein unabhängiges Palästina an. Ne buvez plus idiot, buvez engagé! – so der Slogan.
Die neue SehnsuchtOb es wirtschaftlich oder persönlich auf oder ab geht: Beides löst Träume aus. Es sind gestern wie morgen dieselben – in einer hochkomplexen, problematisierten Welt dürften heute solche nach einfachen, tiefen Erlebnissen überwiegen. Eine neue schlichte Romantik. Wahre Liebe ohne HIV und Beziehungsknatsch. Freundschaft ohne Kalkül und Auffangnetz. Ganz für sich allein sein und entscheiden können. Von allem wegfliegen dürfen. Spiritualität und Frieden. Eine andere Welt. In England gibt es eine Partei für die Abschaffung des Todes.
Die nivellierte Werbung versucht diese Gemütslage für sich zu nutzen, indem sie massenweise Bilder vom ungetrübten einfachen Glück produziert, die sich gegenseitig kannibalisieren und zum Nullsummenspiel ohne Profilierung führen. Die geschickteren Konzepte machen die Wünsche der Menschen zum Schönsten. So zum Beispiel ein Werbefilm für Stratos Candy Bar, in dem ein kleiner Junge, der sich ein Brüderchen oder Schwesterchen wünscht, den Tisch fürs Abendessen fürstlich deckt, was seine Eltern freudig überrascht und in die Stimmung bringt, die einem Fortpflanzungsspielchen förderlich ist.
Andere Konzepte heben ab, indem sie zum Beispiel den Traum nach Überwindung der eigenen Grenzen grossartig in 30 Sekunden verdichten. Der Levi’s-Spot mit der jungen Frau und dem jungen Mann, die durch alle Wände hindurch zu rennen vermögen und die völlige Befreiung von allen Fesseln der Erdgebundenheit erleben, machts vor.
Die neue IntelligenzDer Medienkonsument von heute hat alles schon gesehen und alles längst begriffen. Morgen wird das höchstens noch mehr der Fall sein. Gute Werbung richtet sich an Herz und Bauch und nicht ans Gehirn, ist auch deshalb nur die halbe Wahrheit. Es muss nicht sein, aber wenn schon, denn schon wird der Mensch ganz gerne wieder ein bisschen gefordert. Sofern das vergnüglich passiert. Etwas mehr Esprit, etwas mehr Raffinesse und auch etwas feinere Töne stehen der Werbung gut an. Es wird ohnehin immer genügend dümmliche und grob holzhammerige geben.
Eine völlig schwarze Doppelseite für ein Schuppenshampoo: Der Test, über den ganz Deutschland den Kopf schüttelte. Diese Anzeige hat das Publikum 1992 genauso wenig überfordert, wie es heute jene für Harley-Davidson nicht tut: Zum Easy-Rider-Traumbild eines Motorradfahrers auf einer US-Landstrasse der Gedanke: Somewhere on an airplane a man is trying to rip open a small bag of peanuts. Da schalten die grauen Leserzellen genauso wie sie zu ticken beginnen, wenn ihnen auf einer Anzeige die sechs Kühlerem-bleme von BMW, Rolls-Royce, Lexus, Jaguar, Mercedes und Bentley präsentiert werden, dazu die Frage: This is an advertisement for the finest luxury sedan in America. So which logo belongs in the bottom right-hand corner? Gemäss Wahl der Autotester ist es, wie man da im Kleintext erfährt, das von Lexus.
Auch das genial die Innovation einer neuen Mini-Wagenklasse positionierende Claim «Reduce to the max» für den Smart wurde von allen richtig interpretiert. «Bin doch nicht blöd», kann man da nur mit dem Slogan von Media Markt bestätigen.
Ob Denken plötzlich zum Volkssport wird, bleibe dahingestellt. Ein Plädoyer für intellektuelle Werbung ist nicht gefragt, eines für intelligente schon. Intelligent in dem Sinne, dass sie den Empfänger ruhig einen Teil der Ausgestaltung selbst machen lässt. Ihn zumindest eine gedankliche Lücke selbst schliessen lässt.
Eine kleine Warnung sei aber diesbezüglich erlaubt. In den letzten 20 Jahren ist die Auflösung der Story in Werbefilmen immer mehr verkürzt worden. Der Gag, die Pointe, das Heureka, um welches Produkt und seinen Nutzen es geht, kommt meist erst ganz am Schluss und das kurz. Je jünger der clipsensibilisierte Zuschauer ist, desto unproblematischer ist das. Für andere wurde die Grenze der Perzeptionsfähigkeit schon öfters überschritten. Auch höchst reizvolle Ideen hinterlassen so Ratlosigkeit, statt lustvolle Quittierung auszulösen.
Hart an dieser Grenze, die Risiken spüren lassend, aber gerade noch gut meisternd und deshalb wirkungsvoll ist eine Kampagne für Interflora. Nirgendwo wird da auch nur ein Blumenstrauss gezeigt oder zum Kauf eines solchen direkt aufgefordert. Stattdessen Szenen von ganz minimal verändertem menschlichem Verhalten. So zum Beispiel ein junger Chauvinist, also ein normaler Mann, der vor der Glotze, also Fussball, auf dem Sofa liegt. Er schlürft sein Bierglas aus, wissend, dass er
nun halt wohl den Hintern heben und in die Küche müsste. Ein kurzer Moment des Erstaunens nur, dass seine Freundin oder Frau bereits mit einem neuen, gefüllten Glas dasteht und es ihm kommentarlos in die Hand drückt. Slogan: The Power of Flower.
Die neue WitzigkeitNach Lektüre der Washington Post oder der Frankfurter Rundschau und vor dem Start der Jay-Leno- oder der Harald-Schmidt-Show ist unser Zeitgenosse nicht nur zu einer kleinen, angeregten Denkleistung in der Lage. Er ist auch ironie- und satirefähig.
Was gestern noch lustig war, ist es nicht unbedingt morgen noch. Der grosse Brüller in Ehren, er wird immer wieder Urständ feiern. Aber der Trend geht mehr in Richtung des cleveren Witzes, auf Kosten des derben Slapsticks.
Weshalb Werbeideen heute punkten, die gestern vielleicht noch zu hintergründig gewesen wären.
Der so sportlich und schnell aussehende, am Strassenrand geparkte Toyota Celica, in den der Nachbarhund voll reinrennt (wohl glaubend, er müsste ihm nachrennen). Looks fast, das Claim. Oder der Typ mit dem halb roten Kopf im vollen Bus, der die Ohrfeige abkriegt, obschon er es gar nicht war, der der jungen Frau an den attraktiven Po gegriffen hat. Beware of the Sun: Werbung für Banana Boat Sunblock.
Schön für die Werbung und ihr Publikum, dass noch viele solche verblüffende Konzepte zu erwarten sind. Wie auch die Serie für den kleinen VW Lupo eines ist. Einer parkt ihn viel zu weit vom Bordstein und übervorsichtig trotz riesiger Parklücke ein. Ein anderer macht vor der weitaus genügend breiten Brücke Halt, bevor er zögerlich darüber fährt. Und so weiter. (Offensichtlich fühlen sich Lupo-Fahrer wie in einem weit geräumigeren Auto.) Titel: It feels bigger than it is. VW-
Label und: The Lupo.
Letztlich will Werbung etwas verkaufen oder zumindest sympathisch machen. Das kann sie natürlich auch, indem sie nichts, wie üblich, fantasievoll schönredet, stattdessen mit ungewohnter Wahrheit verblüfft. Eine andere und entwaffnende Art von cleverem Humor ist die neue Ehrlichkeit.
Eigentlich erstaunlich, dass sie erst in jüngster Zeit entdeckt wurde. Was früher voreilig als Negative Approach tabuisiert wurde, wird in Zukunft ein amüsantes, profilierendes Spielfeld sein. Je eindeutiger, desto besser. So wie für das Hans Brinker Budget Hotel in Amsterdam gezeigt wird, wie beim Check-in propere Jugendliche beim Check-out nach einer Nacht in dieser komfortlosen Billigabsteige extrem mitgenommen aussehen. Genauso wie Schokolade halt dick macht, was in der Anzeige von Godiva gleich in schönster Übertreibung demonstriert wird: «Before» ein ganz hübscher Po, «After» ein grässlich dicker. Eine Zigarettenmarke wirbt mit Lungenkrebs-Röntgenbildern und heisst gleich so: Death.
Eine wieder witzigere Form von Ehrlichkeit dann, wenn drei heavy Hip-Hop-Guys im alten Cabrio halt nicht zugeben, dass sie gerne Jazz hören. Weshalb sie im Radio sofort auf Rap umschalten, sobald ein Fussgänger am Strassenrand steht – und erst danach wieder auf Keith Jarrett. Titel: It’s that time of the year. Absender: San Francisco Jazz Festival.
Die neue ErnsthaftigkeitDie Wirklichkeit hat keinen Platz in Correctness-Schubladen – darüber mokiert sich die englische Tageszeitung The Independent in ihrem Spot («Don’t read»).
Die neue EmotionalitätEin Beispiel gelungener Heart-to-Heart-Communication sind Anzeigen der HypoVereinsbank
Die neue NäheDie drohende Ghettoisierung der Raucher nimmt Camel mit Warnung ganz anderer Art aufs Korn.
Die neue SehnsuchtDie Überwindung von Grenzen (mit Levi’s Jeans) gelingt dem US-Bekleidungslabel in einem 30-Sekunden-Spot: Klug geweckte Sehnsüchte, geschickt gefilmt.
Die neue IntelligenzSag es mit Blumen, ohne sie zu zeigen – der Interflora-Spot ist eine beherzte Aufforderung an die Fantasie des Betrachters, von sich aus den Link zum Produkt zu finden.
Die neue WitzigkeitEhrliche Werbung kann auch humorvoll sein – wie die eines Amsterdamer Billighotels,
das seine Kunden beim Check-in und -out zeigt:
Was dazwischen passiert
ist, darf sich jeder Betrachter
selbst ausmalen.
Gewusst wie und warumDieser Text stammt aus dem 436-seitigen Buch «Einfall oder Abfall – Was Werbung warum erfolgreicher macht», das Anfang Oktober im Verlag Hermann Schmidt Mainz, ISB-Nummer 3-87439-638-X, Fr. 79.80, erscheinen wird. Die Schweizer Präsentation des Buches findet am
1. Oktober ab 18.00 Uhr im neuen Vortragssaal Kunsthaus Zürich statt. (ww)
Jean Etienne Aebi