Karten für coole Kids

Werbeträger Auch bei Jugendlichen sind die Insignien der Erfolgsgesellschaft tägliche Begleiter.

Werbeträger Auch bei Jugendlichen sind die Insignien der Erfolgsgesellschaft tägliche Begleiter.Man trägt Klamotten mit Label, hat Handy, Homepage – und natürlich Visitenkarte. Wer ganz cool ist, hat diese allerdings nicht für zehn Franken in einem Bahnhofautomaten drucken lassen. Mega im Kommen sind die Karten, die sich die Youngsters seit Neuestem gratis von werbetreibenden Unternehmen sponsoren lassen. Die exklusive Vermarktung des neuen «Werbefenster» für Jugendliche liegt bei Mediabox. Und der Testlauf habe eingeschlagen «wie eine Bombe», weiss Florian Biafori. Bei der Gratis-Visitenkarte für Kids können werbetreibende Unternehmen auf der Rückseite der Karte ein beliebiges Sujet drucken lassen. Am besten eignen sich natürlich flotte Sprüche oder zielgruppengerechte Visuals.

Bald schweizweites Tabakverbot?

Werbeverbote Die Schaffhauser Reigerung macht sich für ein eidgenössisches Werbeverbot für Zigaretten stark.

Werbeverbote Die Schaffhauser Reigerung macht sich für ein eidgenössisches Werbeverbot für Zigaretten stark.Die vom Bund vorgeschlagene Revision der Tabakverordnung mit Verpackungsvorschriften und Warnhinweisen sei unzureichend, schreibt der Regierungsrat in einer Stellungnahme an das Bundesamt für Gesundheit.

Neue Kino-Währung

Mach Basic Die in dieser Ausgabe präsentierten Kino-Reichweiten sind die letzten dieser Art.

Mach Basic Die in dieser Ausgabe präsentierten Kino-Reichweiten sind die letzten dieser Art.In aller Stille haben sich die Kinovermarkterin Cinecom und die Wemf darauf geeinigt, die bisherige Reichweitenerhebung fürs Medium Kino zu beenden. Seit Abschluss der Arbeiten für die Mach Basic 2003 im April dieses Jahres führt die Wemf deshalb keine Befragungen mehr durch. Die auf Seite 34 ausgewiesenen Kinoreichweiten sind die letzten ihrer Art. Dies bestätigen Wemf-Forschungsleiter Harald Amschler und Cinecom-Marketingleiter Jean-Claude Bruhin.«Die Cinecom wollte Monatsdaten, um die saisonalen Schwankungen besser aufzuzeigen. Dafür ist aber die Stichprobe der Mach Basic nicht angelegt und zu klein. Eine massive Aufstockung war mit dem vorhandenen Budget nicht möglich», sagt Amschler. Jetzt werde es erst mal eine Datenpause geben. «Wir werden spätestens ab dem 1. Januar 2005 neue Reichweitenzahlen präsentieren», ergänzt Bruhin; er lässt allerdings noch offen, wie die neue Währung aussehen wird. Man evaluiere zurzeit mit der Wemf neue Forschungsmodelle – auch das neue Mediacontrol der Telecontrol-Gruppe (siehe WW 31/03) sei nicht ausgeschlossen.
Alles deutet darauf hin, dass man auf die Kinoeintritte, die ProCinema, der Verband für Kino und Filmverleih, erhebt, zurückgreifen wird. Diese haben aber zwei Nachteile: Sie basieren auf den Deklarationen der Kinobetreiber und enthalten etwa keine Gratiseintritte. Zwischen dem Verband, der Cinecom und der Wemf laufen deshalb Gespräche über Änderungen, wie ProCinema-Geschäftsleiter René Gerber bestätigt. Auch Amschler spricht von «einer externen Eintrittsstatistik», die allenfalls mit der Wemf-Forschung verbunden werden könnte. Das heisst wohl, dass die Selbstdeklaration bleibt, dass aber die Wemf beauftragt werden könnte, diese wie bei den Printauflagen vor Ort zu kontrollieren. Was aber ist mit Cinecom-Konkurrentin Mediavision? Cinecom evaluiert allein, Mediavision wird aber orientiert. «Eine Branchenlösung macht durchaus Sinn», sagt Bruhin dazu.
Harald Amschler
(mk)

Marengo vor dem Aus

PR Anfang August hat der Konkursrichter des Bezirksgerichts Zürich laut Handelsregister über die Zürcher PR-Agentur Marengo den Konkurs eröffnet.

PR Anfang August hat der Konkursrichter des Bezirksgerichts Zürich laut Handelsregister über die Zürcher PR-Agentur Marengo den Konkurs eröffnet.Marengo hat bereits im Juni um Nachlassstundung ersucht. Als wohl letzte Tätigkeit organisierte die Agentur das Albis-Bergrennen für historische Rennfahrzeuge am 19. und 20. Juli. Über die Hintergründe des Konkurses ist nichts bekannt. Agenturchef Alex Beeler war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Marengo eine Tochter der Werbeagentur Bonaparte, wurde aber Ende 2000 von Geschäftsführer Beeler übernommen. Fürs Jahr 2002 meldete die Agentur ein Wachstum des Honorarertrags um 40 Prozent auf 1,45 Millionen Franken bei zwölf Angestellten. Auch fürs laufende Jahr wurde ein Wachstum erwartet.

Rolf Bollmann will eine Million Leser

Gratiszeitungen Längst hat die Gratiszeitung 20 Minuten mehr Leser als der Tages-Anzeiger. Nun rückt sie dem Blick zu Leibe – oder hat ihn schon überflügelt.

Gratiszeitungen Längst hat die Gratiszeitung 20 Minuten mehr Leser als der Tages-Anzeiger. Nun rückt sie dem Blick zu Leibe – oder hat ihn schon überflügelt.Diese Rechnung hätte sich keiner zu machen getraut: Die Pendlerzeitung 20 Minuten legt nach den jüngsten Leserschaftszahlen der Wemf fast noch einmal so viele Leser zu wie schon im Rekordjahr 2002. Mit insgesamt 720000 Lesenden – ein Zuwachs um 194000 (+37 %) – besetzt die Pendlerzeitung neu Rang zwei der grössten Deutschschweizer Tageszeitungen. Gleich hinter dem Blick. Der Abstand auf die Boulevardzeitung beträgt nur noch hauchdünne 26000 Lesende.Dass 20 Minuten nächstes Jahr das Boulevardblatt überholen wird, ist so gut wie sicher. Wahrscheinlich ist das Überholmanöver bereits erfolgt. Denn ein wichtiger Schritt in Zürich, der einen weiteren Schub an neuen Lesern gebracht haben dürfte, wurde von der aktuellen Mach Basic noch gar nicht erfasst. Nach der Einstellung des Zürich-Express im April und dem Verschwinden von dessen Verteilkästen aus Stadt und Agglomeration dürften sich zahlreiche zusätzliche Pendler bei 20 Minuten bedient haben. Allerdings endet der Befragungszeitraum der Leserschaftsstudie am 30.März, weshalb die Leser-Erbschaft noch nicht ausgewiesen ist.
Neue Wachstumsimpulse
Rolf Bollmann, CEO von 20 Minuten, sieht nicht zuletzt auf Grund seiner Monopolstellung die Potenziale längst nicht ausgeschöpft. Seine Angriffslust ist ungebrochen: «Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum ist mein Ziel.» Einem weiteren Schritt in diese Richtung stehen aber nicht etwa noch anzusprechende Lesersegmente im Wege, sondern schlichte Kapazitätsengpässe. «Wir haben in Zürich jeden Tag mindestens 20000 Exemplare zu wenig – weil wir mit der Druckerei in Vorarlberg, welche die Zürcher Ausgabe druckt, ganz einfach nicht mehr Exemplare in der notwendigen Zeit liefern können», so Bollmann.
Noch bis März 2005 laufe der Vertrag mit der Druckerei, danach werde man wohl auf eine neue ausweichen müssen. Für die nächsten Expansionsschritte sind die Ampeln noch nicht auf Grün gestellt. Alles, was Bollmann derzeit umsetzungsbereit in die Pipeline steckt, hängt vom Entscheid der Wettbewerbskommission (Weko) ab. Bewilligt sie die Übernahme von 20 Minuten durch Tamedia und Espace Media Groupe, stehen die Türen laut Bollmann offen.
Sobald das Machtwort der Weko zu Gunsten des Deals vorliegt, dürfte die Expansion weiter an Tempo zulegen. «In diesem Fall bekommt 20 Minuten einen neuen Verwaltungsrat, dem ich meine Anträge vorlegen werde», so Bollmann. Dann werde er auch mögliche Expansionsgebiete wieder auf den Tisch bringen. Im Vordergrund stehen die seit Jahren schon diskutierten Regionen Luzern und St.Gallen.
«Das alles ist aber mit Investitionen verbunden», erklärt Bollmann. Und es braucht dazu die Unterstützung der neuen Besitzer. Diese erhalten bei einer Zusage der Weko die Hauptrolle in einem historischen Akt: Tamedia und Espace Media Groupe verdrängen Blick-Herausgeber Ringier von der Spitze im einträglichen Deutschschweizer Newsgeschäft. Und dies wohl mit nicht zu knappem Vorsprung auf den Blick. Bollmann denkt bereits weiter: «Mein Ziel sind eine Million tägliche Leser und ein Cashflow, der die Investoren zufrieden stellt.» In welchem Zeitraum er diese Schallgrenze überschreiten will, lässt er hingegen noch offen.
Einmaliges ErfolgsrezeptDer Ausbau der Leserschaft kommt vor allem in den und um die Kernregionen von 20 Minuten weiter rasch voran. Zürich war dabei im vergangenen Jahr erneut der Überflieger. Die Pendlerzeitung gewann im WG 43 rund 35 Prozent neue Leser hinzu und bedient nun deren 303000 mit Gratisnews. Auch in den beiden Märkten mit eigenen Ausgaben geht es aufwärts. Sowohl im Raum Basel (WG 31) als auch im Raum Bern (WG 34) stieg die Zahl der Gratisleser um aufgerundet je 33 Prozent auf 129000 beziehungsweise 118000 Leser. Potenziale sind noch in Luzern und St.Gallen vorhanden. Hier liegen die Leserzahlen erst im einstelligen Tausenderbereich.
Das Erfolgsrezept von 20 Minuten scheint einmalig zu sein. Auch der Basler Stab konnte den raschen Vormarsch in seinem Einzugsgebiet nicht aufhalten. Trotzdem steht das Blatt der Basler Mediengruppe – mit leichtem Aufwind (plus 8 %) und 188000 Lesern immer noch um fast 60000 vor seinem stärksten Konkurrenten in Führung.
Unter den anderen Gratistiteln verbuchte nur noch ein Einziger aus einer anderen Kategorie einen wirklichen Erfolg: Die Aargauer Woche der AZ Medien legte signifikant um 32000 Leser zu. (dse)
Daniel Schifferle

AZ reorganisiert sich

Zeitungen Um der Abwanderung der Rubrikeninserate aus der Zeitung ins Internet zu begegnen,

Zeitungen Um der Abwanderung der Rubrikeninserate aus der Zeitung ins Internet zu begegnen,reorganisiert die AZ Medien Gruppe ihr Rubrikengeschäft und nutzt verstärkt Synergien zwischen ihren diversen Medien (Print, Online, Radio und TV). Das Projekt wird von Roland Oetterli, bisher Verlagsleiter der Aargauer Zeitung, geleitet. Für den Verlag der Aargauer Zeitung zeichnet ab 1. Oktober neu Ueli Eckstein, Leiter Printmedien, verantwortlich.

Aus City Pool wird Swiss Radio Pool

Ab 2004 erhalten Werbetreibende die Möglichkeit, mit dem Swiss Radio Pool Radiospots beidseits der Sprachgrenze zu schalten.

Ab 2004 erhalten Werbetreibende die Möglichkeit, mit dem Swiss Radio Pool Radiospots beidseits der Sprachgrenze zu schalten.Das neue Werbekombi besteht aus den bisherigen City-Pool-Mitgliedern Radio 24, Basilisk, Extra Bern, Pilatus und Zürisee sowie Radio Aktuell, Toxic.fm, Lausanne FM und One FM. Damit ist der Swiss Radio Pool in Zürich, Bern, Basel, Luzern, St.Gallen, Lausanne und Genf vertreten und erreicht nach eigenen Angaben nahezu eine Million Hörer. Das bisherige Angebot des City Pools bleibt bestehen. Hinzu kommt neu die Modulvariante City Pool++ (Ostschweiz) mit Aktuell, Toxic.fm und Zürisee. Für Auskünfte zum neuen Pool ist Andreas Meili von Tamedia (Tel. 01 448 25 25) zuständig.

Zu früh für den Champagner

Zeitungen Die Macher von Tageszeitungen dürfen aufatmen: Die negative Entwicklung der Vorjahre scheint vorerst gestoppt.

Zeitungen Die Macher von Tageszeitungen dürfen aufatmen: Die negative Entwicklung der Vorjahre scheint vorerst gestoppt.Ein Trendwechsel zeichnet sich ab: Nach zwei Jahren Krebsgang kehren die Lesenden zur Tageszeitung zurück. Von den zwölf grössten Deutschschweizer Blättern hat im letzten Jahr kein einziges Leser verloren. Sämtliche sind im Aufwind. Noch im Vorjahr war es gerade umgekehrt: Von den zwölf leserschaftsstärksten Titeln hatte damals nur gerade ein einziger – die Zürichsee-Zeitung – keine Leser verloren. Trotzdem, der Champagner muss noch im Kühlschrank bleiben. Denn es handelt sich lediglich um eine positive Tendenz – statistisch signifikant sind die festgestellten Entwicklungen nur bei ganz wenigen Titeln. Bei den Tageszeitungen ist es einzig die Berner Zeitung. Sie baut ihre Leserschaft um 38000 Lesende auf 341000 aus. Der ehemalige Konkurrent Bund, der jetzt ebenfalls unters Dach der Espace Media geholt wurde, stagniert hingegen.
Der Vormarsch der Berner Zeitung (siehe Kasten) ist gleichzeitig ein historischer: In der Hitparade der leserstärksten Tageszeitungen überholt die Berner Zeitung die NZZ und besetzt damit den vierten Rang unter den grössten Bezahlzeitungen der Deutschschweiz – hinter Blick, Tages-Anzeiger und Mittelland Zeitung.
Positiver Trend setzt sich durch
Trotz dieses Überholmanövers der Berner Zeitungsmacher hat aber auch die NZZ zugelegt. Wenn auch der aktuelle Reichweitengewinn (noch) nicht signifikant ist, bedeutet er doch den stärksten Zuwachs der letzten Jahre. Mit 27000 neuen Lesenden steht das Blatt von der Falkenstrasse besser da als im Jahr 2000.
Viel versprechend liest sich auch der Trend beim Tages-Anzeiger, der in den beiden Vorjahren viele Leser verloren hatte.
Obschon sich die zusätzlich ausgewiesenen 28000 Leser ebenfalls innerhalb des statistischen Vertrauensbereichs bewegen, liegt die Vermutung nahe, dass das Flaggschiff von Tamedia wieder Fahrt bekommt.
Zumindest als Konsolidierung dürfen auch die Trends diverser anderer Tageszeitungen gedeutet werden. Etliche unter ihnen haben das stärkste Resultat der letzten vier Jahre hingelegt. So die Neue Luzerner Zeitung, die 31000 zusätzliche Leser ausweist. Oder das St.Galler Tagblatt mit einem Zuwachs von 19000. Aber auch die Basler Zeitung und die Südostschweiz liegen mit 18000 beziehungsweise 15000 neu hinzugewonnenen Lesern über den Werten des Jahres 2000.
Eine bemerkenswert hohe Stabilität zeichnet die Westschweizer Tageszeitungen aus. Zwar bewegen sich auch hier die Gewinne in den meisten Fällen weit weg von einem statistisch signifikanten Ausmass. Gleichwohl können sie aber zumindest als Aufwärtstrend interpretiert werden. Zum Beispiel bei Le Matin, der seine Reichweite seit 2001 immerhin um drei Prozentpunkte gesteigert hat.
Nicht ganz so heiter ist hingegen der Himmel über den Tageszeitungen im Tessin. Hier haben sowohl der Corriere del Ticino als auch das Giornale del Popolo gleich mehrere Prozentpunkte ihrer Reichweite verloren, trotzdem bleiben die Veränderungen aber innerhalb des statistischen Vertrauensbereichs. Wichtig für das Giornale del Popolo: In der aktuellen Mach Basic ist dieser Titel nicht mehr als Gesamtausgabe enthalten. Der Grund: Sein Kopfblatt Giornale di Locarno wurde per Anfang 2003 eingestellt, dessen Abonnenten erhielten von da ab das Giornale del Popolo zugestellt. Demgemäss entsprechen dessen Werte der Nettokombination aller Leser beider Titel.
So oder so sind aber die beiden negativ tendierenden Titel noch kein Hinweis auf ein zeitungsmüdes Südschweizer Publikum. Denn immerhin steht die zweitgrösste Tageszeitung des Tessins, La Regione, um einen knappen Prozentpunkt Reichweite besser da als im Vorjahr.
Die Berner Zeitung ist mit einem Zuwachs von 38000 Lesenden diesjährige Siegerin in der Kategorie Tagespresse – und sieht ihr Wachstumspotenzial noch lange nicht ausgeschöpft.
Berner Zeitung hat noch PotenzialFür den diesjährigen Sieger unter den Reichweitengewinnern der Zeitungen sind jetzt auch die Schwankungen im Zusammenhang mit der Integration der Berner Oberland Medien (Thuner Tagblatt, Berner Oberländer) ausgestanden. Die Einstellung des Oberländischen Volksblattes, dessen Abonnenten nun den Berner Oberländer geliefert bekommen, hatte damals bei den Befragten der Leserschaftsstudie offenbar Irritationen ausgelöst, wie das meistens bei der Einführung neuer Namen zu beobachten ist. «Jetzt haben wir im Oberland signifikant Leser gewonnen», erklärt eine zufriedene Franziska von Weissenfluh, Verlagsdirektorin der Berner Zeitung.
Noch mehr Freude herrscht über den Erfolg in Solothurn. Das Kampfblatt gegen die Mittelland Zeitung, das Solothurner Tagblatt, gewinnt jetzt rasch an Fahrt – 67 Prozent kamen in der jüngsten Erhebungsperiode im WG 32 auf einen Schlag hinzu. Mit 40000 Lesern hat das Tagblatt jetzt bereits ein fast halb so grosses Publikum wie die Solothurner Zeitung, die mit neu 86000 Lesern aber auch noch leichten Aufwind verspürte. Erfolgreich war die Berner Zeitung in ihrem Kerngebiet, Stadt und Agglomeration Bern. Trotz des Vormarsches von 20 Minuten (siehe Seite 24) gewann dort der Espace-Titel 15000 neue Leser. Die weiteren Aussichten sind rosig. «Wir haben sowohl in Solothurn als auch im Oberland noch viel Potenzial», sagt von Weissenfluh. (dse)
Daniel Schifferle

In Genf ist Kino besonders spannend

Kino Immer mehr Schweizer – vor allem die Tessiner – gehen häufiger ins Kino – und sehen auch mehr Werbung. In Genf und Lausanne gewann der Werbezeitvermarkter Mediavision weitere Marktanteile hinzu.

Kino Immer mehr Schweizer – vor allem die Tessiner – gehen häufiger ins Kino – und sehen auch mehr Werbung. In Genf und Lausanne gewann der Werbezeitvermarkter Mediavision weitere Marktanteile hinzu. Die Kinobranche verzeichnete im letzten Jahr einen ausgesprochen starken Zulauf – 6,3 Prozent mehr Besucher lösten Karten. Kassenschlager wie «Harry Potter», «Lord of the Rings II» oder auch der neueste James-Bond-Streifen brachten im Erhebungszeitraum April 2002 bis April 2003 dem Medium Kino in der ganzen Schweiz durchschnittlich 486000 Wochenkontakte, 29000 mehr als in der Vorjahresperiode. Wirklich signifikant war der Zuwachs allerdings nur im Tessin, wo die Wochenreichweiten um 33 Prozent auf 21000 Besucher zunahmen, in der Deutschschweiz erreichte das Besucher-Plus (+17000 oder +5,5 %) exakt die Grenze des Vertrauensbereiches. In der Romandie dagegen legten die Kinos insgesamt lediglich 6000 Kontakte (+4,3%) zu. Die Veränderung war weit weniger signifikant. Anders als im vorjährigen Erhebungszeitraum spielten diesmal neue Multiplexkinos für die Reichweitenvergrösserung keine wesentliche Rolle, da nur in Baden ein neues Grosskino seine Tore öffnete (Herbst 2002). Gleichzeitig wurden in der Aargauer Stadt aber kleine Kinos geschlossen.
Medivision holt leicht auf
Auf der Ebene der beiden sich konkurrenzierenden Kinovermarkter Cinecom und Mediavision brachte das gute Kinojahr kaum Verschiebungen bei deren Marktanteilen (MA). Gesamtschweizerisch gesehen verharrten die beiden gar auf exakt den gleichen Positionen wie im Vorjahr: Cinecom hält weiterhin 86,4 Prozent, Mediavision 13,6 Prozent. Da die Cinecom nach wie vor alle Deutschschweizer und Tessiner Kinos in Pacht hat, kommt sie in beiden Landesteilen auf einen MA von 100 Prozent. Anders in der Romandie, dort verbesserte die Mediavision ihren MA leicht von 45,3 auf 46,2 Prozent.
Von Bedeutung ist allerdings die Tatsache, dass Mediavision ihre Kampfzone ausgerechnet in den am härtesten beackerten Zentren Genf und Lausanne ausweiten konnte. In diesen Städten gelangen auch Cinecom leichte, allerdings nicht signifikante Verbesserungen beim Marktanteil. Allerdings hatte Mediavision – mit jeweils plus 4000 Besuchern in Lausanne und plus 5000 Kontakten in Genf die Nase vorn: Diese Gewinne liegen exakt auf der Signifikanz-Grenze.
Das führt dazu, dass Mediavision heute in Lausanne einen Marktanteil von 26,4 Prozent ausweist, 4,7 Prozent mehr als letztes Jahr. In der Calvin-Stadt sind es neu gar 57,4 Prozent, 3,2 Prozent mehr als in der vorhergehenden Erhebungsperiode. Pech im Glück hatte Mediavision hingegen im Wallis, wo sie zwar sämtliche Pachten gewonnen hat, dort aber dennoch signifikante Reichweitenverluste (–28,6 %) hinnehmen musste.
Multiplex: Primär in Cinecom-PachtDerzeit existieren in der Schweiz neun Multiplex-Kinos: Balexert in Genf, Cinétoile in Prilly, CineStar in Lugano, MaxX in Luzern, Cinemax in Zürich, Kinepolis in Schaffhausen, Trafo in Baden, Cinedome in Abtwil (SG) und Flon in Lausanne. Weitere Projekte stecken in der Planungsphase in den Regionen Basel, Bern, Zürich-Oerlikon und St.Gallen. Abgesehen von Balexert ist es Cinecom gelungen, alle übrigen Grosskinos unter Vertrag zu nehmen. (mk)
Markus Knöpfli

Coop ist näher bei den Lesern

Mitgliederpresse Nach einem schlechten 2002 haben sich Brückenbauer und Construire wieder gefangen. Doch im Duell mit der Coop-Zeitung ist keine Trendwende in Sicht.

Mitgliederpresse Nach einem schlechten 2002 haben sich Brückenbauer und Construire wieder gefangen. Doch im Duell mit der Coop-Zeitung ist keine Trendwende in Sicht.Von einem Rennen will Karl Vögeli nicht mehr sprechen. «Dieser Lauf ist wohl entschieden», kommentiert der Verlagsleiter der Coop-Zeitung die Zahlen der Mach Basic zur Mitgliedschaftspresse zufrieden. Seine Zeitungen haben nicht nur in allen Landesteilen Leser gewonnen – sie legten auch überall stärker zu als die Blätter der Einzelhandelsrivalin Migros. Doch auch beim orangen Riesen gibt es Anlass zur Freude: Nachdem Brückenbauer, Construire und Azione im Vorjahr deutlich an Reichweite verloren hatten, sind sie 2003 wieder auf die Strasse des Erfolgs zurückgekehrt. Der Brückenbauer übertrifft mit einem Plus von 1,7 Prozentpunkten oder 81000 Lesern sogar die Zahlen von 2001. Das Wachstum liegt deutlich im statistisch signifikanten Bereich.
Aufholjagd in der Romandie
Die Westschweizer Ausgabe Construire legte hingegen nur knapp um 0,4 Prozentpunkte zu, was 11000 zusätzlichen Lesern entspricht. In der Romandie ist das Wettrennen zwischen Coop und Migros noch in vollem Gange. Vor zwei Jahren besass die Migros einen komfortablen Vorsprung von fünf Prozentpunkten. Nun liegt Construire mit 42,9 Prozent Reichweite zwar noch in Front, doch Coopération hat weiter aufgeholt: Sie gewann 27000 neue Leser und liegt nur noch 1,3 Prozentpunkte hinter dem Konkurrenten.
«Es ist uns in letzter Zeit einfach besser geraten, bei Inhalt und Gestaltung die Leserwünsche zu treffen», umreisst Karl Vögeli das Erfolgsgeheimnis der Coop-Presse. Ein Problem, das man auch bei der Migros erkannt hat und systematisch angeht. Seit Anfang dieses Jahres wird unter der Leitung von Kommunikationschefin Monica Glisenti ein Relaunch für Brückenbauer und Construire vorbereitet. Im Mai 2004 soll das neue Konzept ins Rennen geschickt werden. Bei der Tessiner Azione ist man schon weiter: Die Zeitung, die sich von der deutschen und französischen Schwester deutlich unterscheidet, erhält gerade in der laufenden Woche ein neues Gesicht.
Die Trendwende nach dem Einbruch von 2002 hat der Brückenbauer aber auch ohne Relaunch geschafft. Die Auflage steigt laut Monica Glisenti parallel zur Zahl der Migros-Genossenschafter. «Die positive Entwicklung bei der Leserschaftserhebung zeigt aber, dass wir auch inhaltlich attraktiver geworden sind.»
Graue Flecken in Grossstädten
Damit die Migros-Presse über den Kreis der Genossenschafter hinaus Verbreitung findet, wird seit diesem Jahr ein Probe-Abonnement von Brückenbauer und Construire angeboten. Eine Strategie, die Coop bereits seit zwei Jahren gezielt zur Steigerung der Leserschaft einsetzt. «Vor allem in den grossen Städten der Deutschschweiz haben wir noch Potenzial», glaubt Verlagsleiter Vögeli. «Da gibt es zwar nicht gerade weisse, aber doch graue Flecken, wo die Coop-Zeitung nur schwach vertreten ist.»
Als mögliche Wachstumsdecke sieht Vögeli eine Reichweite von etwa 70 Prozent. Während dieser Wert in der Deutschschweiz in Griffnähe scheint, liegt er in der Westschweiz noch in weiter Ferne. Teils sei dies historisch bedingt, meint der Verlagsleiter. Coop sei auch als Grossverteiler in der Romandie immer schwächer verankert gewesen als die Migros. Warum aber sowohl Coopération als auch Construire viel weniger Leute erreichen als ihre deutschsprachigen Gegenstücke, dafür haben weder Vögeli noch Glisenti eine plausible Erklärung. Es habe bisher nie eine Untersuchung über die Reichweitenunterschiede zwischen Romandie und Deutschschweiz gegeben, sagt Glisenti. «Das ist eine sehr gute Frage, der wir einmal nachgehen sollten.»
Stefano Monachesi

Direct Day 2003 schaut auf gläserne Kunden

Der diesjährige Direct Day der Post steht unter dem Thema «Direct Marketing vor dem Aus? Der gläserne Kunde im Spannungsfeld von Politik und Marketing».

Der diesjährige Direct Day der Post steht unter dem Thema «Direct Marketing vor dem Aus? Der gläserne Kunde im Spannungsfeld von Politik und Marketing».Publizist Roger de Weck durchleuchtet den gläsernen Kunden. Eine hochkarätige Expertenrunde untersucht Konflikte zwischen Datenschutz und Direktmarketing. Der kostenpflichtige Direct Day findet am 27. November von 12 bis 17.30 Uhr in Fribourg statt. Interessenten können sich auf www.post.ch anmelden.

Unsittengemälde

Schwarze Schafe der Journalistenherde heissen Tom Kummer oder Jayson Blair. Sie fälschen respektive kopieren ihre Beiträge aus Faulheit oder Geltungsdrang. Vergessen geht dabei, dass die Medien häufiger verzerren oder verkürzen als neu erfinden. Als

Schwarze Schafe der Journalistenherde heissen Tom Kummer oder Jayson Blair. Sie fälschen respektive kopieren ihre Beiträge aus Faulheit oder Geltungsdrang. Vergessen geht dabei, dass die Medien häufiger verzerren oder verkürzen als neu erfinden. Als Burkhard Müller-Ullrich 1996 erstmals mit den «Zeitgeistverstärkern im Entrüstungston» ins Gericht ging, wurde er von Kollegen geschnitten, vom Publikum indes als Entzauberer gefeiert.Ob Waldsterben, die Legende vom Organraub oder die falsche Märtyrerin Taslima Nasrin: Der erfahrene Redaktor recherchierte den heute immer noch lehrreichen Lieblingsstoffen des aufklärenden Journalismus nach. Und kommt zum Schluss, dass bestimmte Themen- und Personenkreise bei den «Solidaritätern» der Zunft pawlowsche Reflexe auslösen. Roger Köppel wäre der Richtige, um dieses wichtige Buch endlich auf Schweizer Verhältnisse umzuschreiben.
Medienmärchen. Gesinnungstäter im Journalismus von Burkhard Müller-Ullrich. Goldmann Verlag, München 1998. 254 Seiten, Fr. 14.30.
(oc)
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