Regional-TV In der Schweiz geht die Publikumseroberung weiter. Doch nicht alle können profitieren.Die Schere öffnet sich: Während das Publikum im Bereich der sprachregionalen und der aus dem Ausland einstrahlenden Sender sein TV-Menü im 2003 kaum mehr verändert hat, geht bei den lokalen und regionalen TV-Angeboten der Publikumsgewinn in ausgeprägtem Mass weiter. Doch die Schweiz ist geteilt in Sachen Nahsehen. Während der Zuschauerzuspruch im vergangenen Jahr in der Deutschschweiz geradezu boomte, mussten einzelne Veranstalter in der Westschweiz und im Tessin sogar rückläufige Zahlen hinnehmen.Der flächendeckende Aufwärtstrend in der Deutschschweiz zeichnete sich indessen durch eine Robustheit aus, die darauf verweist, dass die Potenziale in den lokalen TV-Märkten längst nicht ausgeschöpft sind. Am meisten Verstärkung erlebte TeleZüri, das mit dem Rekordgewinn von 26200 Zuschauern bei neu 503200 (durchschnittliche Netto-Reichweite) Zuschauern landet. Der zweite Platz beim Zuschauerklettern geht an TeleOstschweiz (TVO), das mit zusätzlichen 18800 Zuschauern auf 99200 aber dennoch der leistungsschwächste Sender innerhalb des TeleNewsCombi (TNC) bleibt.
Auch die anderen Top-Steigerungsquoten gingen im vergangenen Jahr an die jüngeren Kinder der Deutschschweizer Lokalfernsehlandschaft. Dies ist ein Beleg dafür, dass bei ihnen noch namhaftes Aufholpotenzial vorhanden ist. So vermochte TeleTop mit dem Gewinn von 14100 Zuschauern sein Publikum innert Jahresfrist um über 16 Prozent auszubauen. Bei TeleBasel führten die zusätzlichen 15400 Seherinnen und Seher zu einer Ausweitung von über 15 Prozent. Zu den rasch aufstrebenden Angeboten gehörte im Weiteren TeleTell, das mit einem Zuwachs von 14900 Zuschauern ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich zulegte.
Senioren wachsen langsamer
Nicht mehr ganz so rasant nach oben ging es letztes Jahr hingegen bei einigen bereits etwas gereifteren Sendern. Gleichwohl verweist aber auch der Gewinn von Tele M1 mit 10600 zusätzlichen Zuschauern auf weiterhin erhebliche Ausbaupotenziale. Dasselbe gilt für TeleBärn, das sein Publikum im 2003 immerhin um 5200 Personen vergrössern konnte.
Von einem vergleichbar konsistenten Aufwärtstrend, wie er sich in der Deutschschweiz vollzogen hat, ist in den beiden anderen Sprachregionen nichts zu spüren. In der Westschweiz, wo die Lokalfernsehszene viel weniger Fuss gefasst hat, muss Léman Bleu (LMB) einen Verlust von 6900 Zuschauern verbuchen. Für die von der Einstellung bedrohte Station bedeutet dies einen eklatanten Verlust von über 22 Prozent. Ein kleiner Trost ist der Zugewinn des Nachbarsenders TV Région Lausanne (TVRL), dem eine Publikumsvergrösserung um 1800 Personen gelungen ist. Trotzdem bleibt auch dieser Kanal mit seinen gegenwärtig insgesamt 25300 Zuschauern weit hinter den Leistungen der Deutschschweizer Lokalsender zurück.
Ebenfalls wenig erfreulich hat sich TeleTicino entwickelt. Entgegen dem verbreiteten Aufwärtstrend geriet auch der von Telesuisse-Präsident Filippo Lombardi gelenkte Sender mit einem Verlust von insgesamt 1300 Zuschauern in den Krebsgang.
In einem der zentralen Indikatoren, der durchschnittlichen Verweildauer pro Zuschauer, unterscheiden sich indessen alle Sender gleichermassen voneinander. Zwischen herausragenden 22,7 Minuten beim Leader-Sender TeleZüri und kläglichen 3,2 Minuten, die Léman Bleu ausweist, schwankt dieser Wert, der wie kein anderer die Stärke der Verankerung in den Sehgewohnheiten der Zielgruppe dokumentiert.
Diskrepanz bei der Sehertreue
Insgesamt haben die Deutschschweizer Sender bei der Nutzungsintensität im vergangenen Jahr durchwegs Muskeln gezeigt. Den vier Stationen TeleZüri, Tele M1, TeleTell und TeleBasel ist es gelungen, ihr Publikum mehr als eine zusätzliche Minute an ihre Programme zu binden. Nur gerade zwei Lokalfernsehen in der ganzen Schweiz müssen eine rückläufige Sehertreue ausweisen. TVO verlor 2,5 Minuten auf neu 8,9 Minuten. Das eh schon schwach genutzte LMB buchstabierte um 1,6 Minuten auf magere 3,2 Minuten zurück.
Die auffallend grosse Spannweite bei der durchschnittlichen Nutzung verweist auch darauf, dass die Koordinationsbemühungen zwischen den einzelnen Sendern noch längst nicht abgeschlossen sind. Denn nur mit vergleichbaren Nutzungsmustern können die Lokalsender auch bei der Vermarktung ihrer Kombiangebote weiter an Überzeugungskraft gewinnen.
«Lifestyle», «Swissdate» und «ZüriNews» (v. l. n. r.): Die Sendungen von TeleZüri schwingen in der Gunst des Regional-TV-Publikums obenaus.
Daniel Schifferle