Architektur als Träger der Firmenkultur
Corporate Identity Vom pflanzenumrankten Hightech-Haus in Münchenbis zur edlen Villa mit Park in Rüschlikon: Swiss Re strebt mit ihren Bauten nach Höherem und setzt Architektur konsequent zur Positionierung des Firmenimages ein. Der jüngste Swiss Re-Bau – eine futuristische «erotischeGurke» verändert die Skyline der britischen Hauptstadt.
Corporate Identity Vom pflanzenumrankten Hightech-Haus in Münchenbis zur edlen Villa mit Park in Rüschlikon: Swiss Re strebt mit ihren Bauten nach Höherem und setzt Architektur konsequent zur Positionierung des
Firmenimages ein. Der jüngste Swiss Re-Bau – eine futuristische «erotische
Gurke» verändert die Skyline der britischen Hauptstadt.
«Unsere Beziehung zu den Kunden und zum gesellschaftlichen Umfeld beruht primär auf Vertrauen», sagt Walter Anderau, Kommunikationschef der Swiss Re, «und Vertrauen ist mit Qualität verbunden.» Im Geschäft der Rückversicherer spielen öffentliche Bauwerke vom Staudamm bis zum Flughafen eine wichtige Rolle. So ist es nahe liegend, dass Swiss Re beim eigenen Image auf hoch stehende Architektur setzt. Das war schon bei der Gründung der Firma im 19. Jahrhundert so, als sie noch Schweizer Rückversicherung hiess und mit ihrem Verwaltungsgebäude am See in Zürich Massstäbe setzte. Solidität kombiniert mit zuweilen überraschender Innovation prägen den architektonischen Code des Konzerns. Die Bauten der Swiss Re versinken jedoch nicht im architektonischen Einheitsbrei, sondern jedes Projekt ist individuell, setzt Marksteine und wird von der Fachwelt diskutiert. Verbindung von Alt und Neu in Rüschlikon
Ein Beispiel für den gelungenen Umgang mit Architektur steht in Rüschlikon: Eine umgenutzte alte Villa, ein Park, ein Tagungszentrum mit Hotel, gebaut aus edlen Materialien in zeitlosem Stil und mit einer atemberaubenden Aussicht. Sie bilden das Ambiente des Swiss Re Centre of Global Dialogue, hoch über dem Zürichsee.
Ein Dutzend renommierter Architekten lud Swiss Re zum Wettbewerb für den Bau des Zentrums ein. Das Projekt der Zürcher Architekten Marcel Meili und Markus Peter mit dem kryptischen Kennwort «L’année dernière à Marienbad» überzeugte die Auftraggeber. Den Architekten gelang es, die denkmalgeschützte Villa Bodmer aus den Zwanzigerjahren in das Projekt zu integrieren und trotz grossem Bauvolumen den poetischen, alten Park zu erhalten.
Der österreichische Künstler Günter Förg gestaltete die Innenräume der Villa. Die Villa dient als Sitz der Direktion und für kleinere Tagungen.
Viel Raum für Begegnungen bietet das offene Konzept der Räume. Swiss Re mit 8000 Mitarbeitenden und 70 Niederlassungen in 30 Ländern hat hier ein Forum zum Gedankenaustausch und zur Weiterbildung geschaffen, das weit über die Firma hinausstrahlt. Seit der Eröffnung vor bald drei Jahren war das Zentrum der Ort für eine grosse Zahl von unterschiedlichen Veranstaltungen. Die ursprüngliche Strenge der Anlage ist einer etwas milderen Aura gewichen. Jetzt treffen sich Mitarbeitende hier sogar zur Weihnachtsfeier.
Brand Management auch in der Architektur
«Was Swiss Re architektonisch hervorbringt, entspricht unserer Haltung», erklärt Anne Keller Dubach, Leiterin Corporate Branding und Sponsoring, «die Architektur ist Teil unserer Marke.» Die Maxime bei allen Aktivitäten des Unternehmens: höchste Qualität und maximale Kosteneffizienz, ergänzt die Managerin. Die eigenen Bauten sind also nicht modische Versatzstücke, sondern spiegeln die über lange Zeit gewachsene Firmenkultur.
Das gesamte Erscheinungsbild der Swiss Re unterliegt einem klar strukturierten Brand Management, das alle Bereiche, von Werbung, über Sponsoring und Corporate Design bis zur Kunstsammlung des Konzerns umfasst. Zeitgenössische Kunst ist allgegenwärtig in den über die ganze Welt verstreuten Firmensitzen. Die 1986 begonnene Kunstsammlung umfasst heute 1200 Werke und ist ein starker Ausdruck der Brand Culture, wie Anne Keller Dubach betont. Das Unternehmen baut ganze Werkgruppen von renommierten zeitgenössischen Künstlern auf. Erstere können dann zum Beispiel vom Hauptsitz in Zürich zur amerikanischen Swiss-Re-Filiale in Armonk verschoben und dort wieder ausgestellt werden.
Kein Platz für Teddybärchen am Arbeitsplatz
In München liess die Swiss Re «ein Haus mit schwebenden Hecken» errichten, ein Bürogebäude, das eine «Symbiose zwischen Natur und Architektur» darstellt, wie die Süddeutsche Zeitung bewundernd schrieb.
Ende 2001 wurde der auf Stelzen stehende, transparente Bau der Hamburger Architekten Bothe, Richter, Teherani eingeweiht. Der scheinbar schwebende Bau gilt als Deutschlands schönstes Bürogebäude. Elf Meter hohe, begrünte Gitterwände umschliessen den Komplex mit grünen Ranken.
Von jedem Arbeitsplatz in den bepflanzten Büros blicken die Mitarbeitenden durch Hightech-Isolierglas mit hervorragender Wärmedämmung auf Kletterpflanzen und Bäume. Der Münchner Sitz der Swiss Re setzt die Corporate Identity des Unternehmens lupenrein und dennoch originell um.
«Ob man einen guten oder weniger guten Architekten wählt, wirkt sich auf das Budget nicht stark aus», erklärt Walter Anderau, «aber die gute Qualität führt, nebst dem höheren Status des Bauwerkes, dazu, dass die Betriebskosten tiefer sind, was sich im Lauf der Jahre summiert.» Bauten der Swiss Re wirken konzeptionell wie aus einem Guss mit hochwertiger Kunst am Bau, Bilderschmuck, durchkomponierter Möblierung und Begrünung. Das durchdachte Styling der Bürolandschaften duldet keine Teddybärchen neben dem Computer und keine selbst mitgebrachten Pflanzen. Entrées und Bürolandschaften in den Zentren der Swiss Re wirken kühl, klinisch sauber und intellektuell.
Ein neues Wahrzeichen für London
Wiederum ganz anders als die Münchner Filiale präsentiert sich der neue Hauptsitz der Swiss Re in London, der seit kurzem wie ein Tannenzapfen aus der Skyline des Finanzdistriktes ragt. Das 180 Meter hohe Bauwerk des britischen Stararchitekten Lord Norman Foster macht ältere Postkarten zu Makulatur, denn der neuartige Hochbau verändert die Skyline Londons markant. Norman Foster, der den Berliner Reichstag mit einer innovativen, begehbaren Kuppel versah, schuf für Swiss Re den ökologischen Wolkenkratzer.
Der noch unvollendete Büroturm setzt nicht nur mit seiner Form Massstäbe, sondern auch mit dem Energiekonzept, das auf einer Kombination von Klimaanlage und natürlicher Belüftung beruht, was die Energiekosten senkt. Dank der ausgedehnten Fensterflächen herrscht weit gehend Tageslicht; Sensoren stimmen das künstliche Licht auf die Tageshelle ab. Die doppelverglaste Fassade minimiert Energieverluste des im Winter mit Gas beheizten Turms.
Swiss Re hat London zu einem futuristischen Wahrzeichen verholfen, das gleichzeitig die Haltung des Unternehmens verkörpert. Parkplätze für das Personal gibt es in dem an den öffentlichen Verkehr angebundenen Bau nicht, dafür Velo- und Motorradparking sowie Duschen, wo sich die Angestellten umziehen können. Der Wolkenkratzer von Norman Foster in London wird nicht etwa Swiss Re tower genannt, sondern in fast unbegreiflichem Understatement schlicht mit Strassenname und Hausnummer bezeichnet: St Marie Axe 10. Das kümmert die Londoner freilich wenig, sie nennen den markanten Bau volkstümlich «erotic gherkin», «erotische Gurke».
Swiss Re wird nach der Eröffnung im nächsten Frühjahr die unteren Dutzend Geschosse belegen, hat jedoch bis dato noch keine passenden Mieter für die oberen Etagen gefunden. Der Blues im Londoner Büromarkt fordert auch bei diesem Vorzeigebau seinen Tribut.
Führend auch im Energiemanagement
Auch dort, wo Swiss Re in neue Wohnbauten investiert, legt der Konzern die Latte hoch; überall gilt der Minergiestandard, was bedeutet, dass die Gebäude im Schnitt 60 Prozent weniger Energie als vergleichbare Neubauten verbrauchen. «Letztlich hat die Sorgfalt, die wir unseren Bauten angedeihen lassen, mit Rückversicherung zu tun», führt Kommunikationschef Anderau aus. Die Rückversicherung von Schäden bei Naturkatastrophen ist ein Hauptgeschäft der Swiss Re; die von Menschen verursachte, globale Erwärmung steigert die Zahl dieser Schadenereignisse. Mit den hervorragenden Energiestandards setzt Swiss Re ein Zeichen. Anderau: «Wir sind nicht glaubwürdig, wenn wir dort, wo eine Möglichkeit besteht, nicht handeln.»
Diskretes BrandingDas konsequent durchkomponierte Swiss Re-Erscheinungsbild, früher
eher von Grautönen dominiert, ist heute etwas farbiger geworden. Das Swiss Re-Branding mit den drei Säulen hat etwas Edles, ja Entrücktes. Der Konzern ist im B-to-B-Business tätig, muss also nicht um einzelne Konsumenten buhlen. Den Link zur Bevölkerung schafft das Sponsoring von Museen oder von Anlässen wie dem populären Zürcher Theaterspektakel. Doch das Sponsoring-Engagement wird nicht laut verkündet, sondern zurückhaltend gepflegt.
Das knappe Firmenbrevier «Corporate Philosophy» ist grau eingefasst, die einzelnen Seiten sind jedoch in verschiedenen sorgfältig abgestimmten Pastellfarben gehalten. Die vier Kernwerte «Exzellenz», «Nachhaltigkeit», «Effizienz», «Integrität» sind auf einer rosa-grauen Karte aufgedruckt, welche jeder und jede Swiss Re-Mitarbeitende zur Motivation ins Portmonee stecken kann.
«Es ist verblüffend, wie viel von diesen Grundwerten man eins zu
eins auf unsere Leitlinien für die Architektur übertragen kann», sagt Anne Keller Dubach von Swiss Re.
In den Verhaltensgrundsätzen, die im selben Brevier auf dezent gelbem Grund aufgelistet sind, steht zum Beispiel: «Wir nehmen Veränderungen wahr und entwickeln innovative Lösungen.» Oder: «Wir suchen immer nach Lösungen, die einen klaren Mehrwert bieten.» Genau das verkörpern die Bauten des Rückversicherungskonzerns. (wc)
Londons neues Wahrzeichen: Der Hauptsitz der Swiss Re.
Stararchitekt Lord Norman Foster schuf den hypermodernen Swiss Re-Bau, der die Skyline der City prägt.
Anne Keller Dubach, Leiterin Corporate Branding und Sponsoring.
Deutschlands schönstes Bürogebäude: der Münchner Sitz.
Das «Zentrum für den globalen Dialog» in Rüschlikon – ein Komplex mit umgenutzter Villa, idyllischem Park, modernem Tagungszentrum samt Hotel und einmaliger Aussicht.
Der historische Firmensitz der Schweizer Rückversicherung in Zürich.
Werner Catrina
Firmenimages ein. Der jüngste Swiss Re-Bau – eine futuristische «erotische
Gurke» verändert die Skyline der britischen Hauptstadt.
«Unsere Beziehung zu den Kunden und zum gesellschaftlichen Umfeld beruht primär auf Vertrauen», sagt Walter Anderau, Kommunikationschef der Swiss Re, «und Vertrauen ist mit Qualität verbunden.» Im Geschäft der Rückversicherer spielen öffentliche Bauwerke vom Staudamm bis zum Flughafen eine wichtige Rolle. So ist es nahe liegend, dass Swiss Re beim eigenen Image auf hoch stehende Architektur setzt. Das war schon bei der Gründung der Firma im 19. Jahrhundert so, als sie noch Schweizer Rückversicherung hiess und mit ihrem Verwaltungsgebäude am See in Zürich Massstäbe setzte. Solidität kombiniert mit zuweilen überraschender Innovation prägen den architektonischen Code des Konzerns. Die Bauten der Swiss Re versinken jedoch nicht im architektonischen Einheitsbrei, sondern jedes Projekt ist individuell, setzt Marksteine und wird von der Fachwelt diskutiert. Verbindung von Alt und Neu in Rüschlikon
Ein Beispiel für den gelungenen Umgang mit Architektur steht in Rüschlikon: Eine umgenutzte alte Villa, ein Park, ein Tagungszentrum mit Hotel, gebaut aus edlen Materialien in zeitlosem Stil und mit einer atemberaubenden Aussicht. Sie bilden das Ambiente des Swiss Re Centre of Global Dialogue, hoch über dem Zürichsee.
Ein Dutzend renommierter Architekten lud Swiss Re zum Wettbewerb für den Bau des Zentrums ein. Das Projekt der Zürcher Architekten Marcel Meili und Markus Peter mit dem kryptischen Kennwort «L’année dernière à Marienbad» überzeugte die Auftraggeber. Den Architekten gelang es, die denkmalgeschützte Villa Bodmer aus den Zwanzigerjahren in das Projekt zu integrieren und trotz grossem Bauvolumen den poetischen, alten Park zu erhalten.
Der österreichische Künstler Günter Förg gestaltete die Innenräume der Villa. Die Villa dient als Sitz der Direktion und für kleinere Tagungen.
Viel Raum für Begegnungen bietet das offene Konzept der Räume. Swiss Re mit 8000 Mitarbeitenden und 70 Niederlassungen in 30 Ländern hat hier ein Forum zum Gedankenaustausch und zur Weiterbildung geschaffen, das weit über die Firma hinausstrahlt. Seit der Eröffnung vor bald drei Jahren war das Zentrum der Ort für eine grosse Zahl von unterschiedlichen Veranstaltungen. Die ursprüngliche Strenge der Anlage ist einer etwas milderen Aura gewichen. Jetzt treffen sich Mitarbeitende hier sogar zur Weihnachtsfeier.
Brand Management auch in der Architektur
«Was Swiss Re architektonisch hervorbringt, entspricht unserer Haltung», erklärt Anne Keller Dubach, Leiterin Corporate Branding und Sponsoring, «die Architektur ist Teil unserer Marke.» Die Maxime bei allen Aktivitäten des Unternehmens: höchste Qualität und maximale Kosteneffizienz, ergänzt die Managerin. Die eigenen Bauten sind also nicht modische Versatzstücke, sondern spiegeln die über lange Zeit gewachsene Firmenkultur.
Das gesamte Erscheinungsbild der Swiss Re unterliegt einem klar strukturierten Brand Management, das alle Bereiche, von Werbung, über Sponsoring und Corporate Design bis zur Kunstsammlung des Konzerns umfasst. Zeitgenössische Kunst ist allgegenwärtig in den über die ganze Welt verstreuten Firmensitzen. Die 1986 begonnene Kunstsammlung umfasst heute 1200 Werke und ist ein starker Ausdruck der Brand Culture, wie Anne Keller Dubach betont. Das Unternehmen baut ganze Werkgruppen von renommierten zeitgenössischen Künstlern auf. Erstere können dann zum Beispiel vom Hauptsitz in Zürich zur amerikanischen Swiss-Re-Filiale in Armonk verschoben und dort wieder ausgestellt werden.
Kein Platz für Teddybärchen am Arbeitsplatz
In München liess die Swiss Re «ein Haus mit schwebenden Hecken» errichten, ein Bürogebäude, das eine «Symbiose zwischen Natur und Architektur» darstellt, wie die Süddeutsche Zeitung bewundernd schrieb.
Ende 2001 wurde der auf Stelzen stehende, transparente Bau der Hamburger Architekten Bothe, Richter, Teherani eingeweiht. Der scheinbar schwebende Bau gilt als Deutschlands schönstes Bürogebäude. Elf Meter hohe, begrünte Gitterwände umschliessen den Komplex mit grünen Ranken.
Von jedem Arbeitsplatz in den bepflanzten Büros blicken die Mitarbeitenden durch Hightech-Isolierglas mit hervorragender Wärmedämmung auf Kletterpflanzen und Bäume. Der Münchner Sitz der Swiss Re setzt die Corporate Identity des Unternehmens lupenrein und dennoch originell um.
«Ob man einen guten oder weniger guten Architekten wählt, wirkt sich auf das Budget nicht stark aus», erklärt Walter Anderau, «aber die gute Qualität führt, nebst dem höheren Status des Bauwerkes, dazu, dass die Betriebskosten tiefer sind, was sich im Lauf der Jahre summiert.» Bauten der Swiss Re wirken konzeptionell wie aus einem Guss mit hochwertiger Kunst am Bau, Bilderschmuck, durchkomponierter Möblierung und Begrünung. Das durchdachte Styling der Bürolandschaften duldet keine Teddybärchen neben dem Computer und keine selbst mitgebrachten Pflanzen. Entrées und Bürolandschaften in den Zentren der Swiss Re wirken kühl, klinisch sauber und intellektuell.
Ein neues Wahrzeichen für London
Wiederum ganz anders als die Münchner Filiale präsentiert sich der neue Hauptsitz der Swiss Re in London, der seit kurzem wie ein Tannenzapfen aus der Skyline des Finanzdistriktes ragt. Das 180 Meter hohe Bauwerk des britischen Stararchitekten Lord Norman Foster macht ältere Postkarten zu Makulatur, denn der neuartige Hochbau verändert die Skyline Londons markant. Norman Foster, der den Berliner Reichstag mit einer innovativen, begehbaren Kuppel versah, schuf für Swiss Re den ökologischen Wolkenkratzer.
Der noch unvollendete Büroturm setzt nicht nur mit seiner Form Massstäbe, sondern auch mit dem Energiekonzept, das auf einer Kombination von Klimaanlage und natürlicher Belüftung beruht, was die Energiekosten senkt. Dank der ausgedehnten Fensterflächen herrscht weit gehend Tageslicht; Sensoren stimmen das künstliche Licht auf die Tageshelle ab. Die doppelverglaste Fassade minimiert Energieverluste des im Winter mit Gas beheizten Turms.
Swiss Re hat London zu einem futuristischen Wahrzeichen verholfen, das gleichzeitig die Haltung des Unternehmens verkörpert. Parkplätze für das Personal gibt es in dem an den öffentlichen Verkehr angebundenen Bau nicht, dafür Velo- und Motorradparking sowie Duschen, wo sich die Angestellten umziehen können. Der Wolkenkratzer von Norman Foster in London wird nicht etwa Swiss Re tower genannt, sondern in fast unbegreiflichem Understatement schlicht mit Strassenname und Hausnummer bezeichnet: St Marie Axe 10. Das kümmert die Londoner freilich wenig, sie nennen den markanten Bau volkstümlich «erotic gherkin», «erotische Gurke».
Swiss Re wird nach der Eröffnung im nächsten Frühjahr die unteren Dutzend Geschosse belegen, hat jedoch bis dato noch keine passenden Mieter für die oberen Etagen gefunden. Der Blues im Londoner Büromarkt fordert auch bei diesem Vorzeigebau seinen Tribut.
Führend auch im Energiemanagement
Auch dort, wo Swiss Re in neue Wohnbauten investiert, legt der Konzern die Latte hoch; überall gilt der Minergiestandard, was bedeutet, dass die Gebäude im Schnitt 60 Prozent weniger Energie als vergleichbare Neubauten verbrauchen. «Letztlich hat die Sorgfalt, die wir unseren Bauten angedeihen lassen, mit Rückversicherung zu tun», führt Kommunikationschef Anderau aus. Die Rückversicherung von Schäden bei Naturkatastrophen ist ein Hauptgeschäft der Swiss Re; die von Menschen verursachte, globale Erwärmung steigert die Zahl dieser Schadenereignisse. Mit den hervorragenden Energiestandards setzt Swiss Re ein Zeichen. Anderau: «Wir sind nicht glaubwürdig, wenn wir dort, wo eine Möglichkeit besteht, nicht handeln.»
Diskretes BrandingDas konsequent durchkomponierte Swiss Re-Erscheinungsbild, früher
eher von Grautönen dominiert, ist heute etwas farbiger geworden. Das Swiss Re-Branding mit den drei Säulen hat etwas Edles, ja Entrücktes. Der Konzern ist im B-to-B-Business tätig, muss also nicht um einzelne Konsumenten buhlen. Den Link zur Bevölkerung schafft das Sponsoring von Museen oder von Anlässen wie dem populären Zürcher Theaterspektakel. Doch das Sponsoring-Engagement wird nicht laut verkündet, sondern zurückhaltend gepflegt.
Das knappe Firmenbrevier «Corporate Philosophy» ist grau eingefasst, die einzelnen Seiten sind jedoch in verschiedenen sorgfältig abgestimmten Pastellfarben gehalten. Die vier Kernwerte «Exzellenz», «Nachhaltigkeit», «Effizienz», «Integrität» sind auf einer rosa-grauen Karte aufgedruckt, welche jeder und jede Swiss Re-Mitarbeitende zur Motivation ins Portmonee stecken kann.
«Es ist verblüffend, wie viel von diesen Grundwerten man eins zu
eins auf unsere Leitlinien für die Architektur übertragen kann», sagt Anne Keller Dubach von Swiss Re.
In den Verhaltensgrundsätzen, die im selben Brevier auf dezent gelbem Grund aufgelistet sind, steht zum Beispiel: «Wir nehmen Veränderungen wahr und entwickeln innovative Lösungen.» Oder: «Wir suchen immer nach Lösungen, die einen klaren Mehrwert bieten.» Genau das verkörpern die Bauten des Rückversicherungskonzerns. (wc)
Londons neues Wahrzeichen: Der Hauptsitz der Swiss Re.
Stararchitekt Lord Norman Foster schuf den hypermodernen Swiss Re-Bau, der die Skyline der City prägt.
Anne Keller Dubach, Leiterin Corporate Branding und Sponsoring.
Deutschlands schönstes Bürogebäude: der Münchner Sitz.
Das «Zentrum für den globalen Dialog» in Rüschlikon – ein Komplex mit umgenutzter Villa, idyllischem Park, modernem Tagungszentrum samt Hotel und einmaliger Aussicht.
Der historische Firmensitz der Schweizer Rückversicherung in Zürich.
Werner Catrina
