Strategie Creo, der Anbieter von Druckvorstufenlösungen und -systemen, setzt nun auf Direktvertrieb.
Anfang des Jahres informierte Israel Sandler, Corporate Vicepresident und Managing Director von Creo EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika), über die neue Strategie des Unternehmens sowie über spezifische Änderungen in der Schweiz. Creo hat in der Schweiz mit der Umsetzung einer neuen Vertriebsstrategie begonnen. Der Hersteller von Hardware, Software, Systemen und Verbrauchsmaterialien für die digitale Druckvorbereitung intensiviert damit seine Aktivitäten. Der bestehende Direktvertrieb unter der Leitung von Stefan Steinle, Sales Manager Schweiz und Österreich, soll aufgestockt und zusätzliche Fachhandelspartner sollen bald vorgestellt werden. Mit Ivo Kaufmann konnte Creo zudem einen Mitarbeiter gewinnen, der in der grafischen Branche der Schweiz seit Jahren bekannt ist und über grosse Erfahrung im Verkauf von Investitionsgütern verfügt.
Deutlich verändern wird sich die langjährige Zusammenarbeit mit dem in Burgdorf und Krauchthal ansässigen Unternehmen Typon Imaging (Typon). Typon vertreibt weltweit Filme und Papiere für die grafische Industrie sowie medizinische Röntgenfilme und in der Schweiz digitale Systemlösungen für die Druckvorstufe – hier bislang vornehmlich Produkte des Herstellers Creo. Seit Januar 2005 hat das Unternehmen einen neuen Weg eingeschlagen und ist näher an den Creo-Konkurrenten Agfa-Gevaert, Dübendorf, gerückt. Ob dies nun Creo auf den Plan gerufen hat oder Anstoss für den nun initiierten Direktvertrieb von Typon war, bleibt offen; Creo vertreibt in der Schweiz jedenfalls seit Januar seine Produkte und Lösungen vermehrt direkt.
Branche im WandelDie Industrialisierung der Druckindustrie sei unabwendbar, dies erfordere moderne Workflows, sagte Israel Sandler. Creo hat sich darauf eingestellt und entsprechende Bundles geschnürt. So fasst das Unternehmen Equipment, Verbrauchsmaterialien, Software, Finanzierung und Service zu Paketen zusammen, um seine Kunden besser bedienen zu können.
Neben diversen Softwareprodukten (Prinergy = Vorstufenworkflow; Synapse-Familie mit den Werkzeugen Synapse Link [bidirektionale Kommunikationsschnittstelle zwischen MIS/ERP-Systemen und dem Druckvorstufenworkflow], Synapse Prepare [automatische Generierung produktionsoptimierter PDF-Dateien], Synapse UpFront [Produktionsplanung für Druckjobs], Synapse Director [datenbankgestütztes Produktionsmanagement für Brisque-Workflowsysteme]) zählen die Computer-to-Plate-Belichter zum Kerngeschäft. Weiter bietet Creo Produkte wie Staccato (frequenzmoduliertes Feinraster) und PrintLink (Schnittstelle zur Übergabe von Daten für die automatische Farbzonenvoreinstellung an Druckmaschinenleitständen) an. Seit der Fachmesse drupa, die letzten Mai in Düsseldorf stattfand, engagiert sich Creo zudem im Bereich der Zylindergravur. Auch wenn derartige Gravuranlagen in der Schweiz kaum Abnehmer finden werden, sieht Sandler ein Potenzial für z. B. China, da dort sehr grosse Auflagen gedruckt werden und sich diese damit für den Tiefdruck eignen.
Doch wie die grafische Industrie hat auch Creo turbulente Zeiten hinter sich, war finanziell angeschlagen. Der Turnaround sei aber geschafft, klärte Sandler auf. Nach Verlusten im Jahr 2002 konnten in den letzten beiden Jahren wieder leichte Gewinne ausgewiesen werden.
Sättigung bei CtP-BelichternErnüchtert stellte Sandler fest, dass die Druckplattenbebilderung mit CtP-Systemen in den USA bereits rückläufig sei. Wohl in weiser Voraussicht auf diese Entwicklung ist Creo Mitte September 2003 in den Markt der Bebilderungsmedien eingestiegen und bietet seitdem Thermodruckplatten unter dem eigenen Label an. Creo ist seither durch Zukäufe von oder Partnerschaften mit Firmen aufgefallen, die Druckplatten herstellen. Gegenwärtig verfügt das Unternehmen über Druckplatten-Produktionskapazitäten von rund 18 Millionen Quadratmetern/ Jahr. Bis 2008 soll diese Kapazität auf 80 Millionen mehr als vervierfacht werden. So ist Creo dabei, sich nach und nach ein weiteres Standbein aufzubauen, das sich in Zukunft positiv auf Umsatz und Ertrag niederschlagen wird.
Inzwischen hat das kanadische Unternehmen fünf Druckplattentypen für unterschiedliche Einsatzbereiche vorgestellt bzw. im Angebot. Neben den Thermoplatten bieten sie seither auch Verbrauchsmaterialien für Proofsysteme an.
Creo will vom anhaltenden Boom bei den «digitalen Platten»
(= Platten für die CtP-Bebilderung) profitieren. Das Unternehmen geht von einem jährlichen Wachstum von 4 Prozent aus. Die Strategie sei, direkt zu vertreiben und damit den Zwischenhandel auszuschalten. Dies könnte sich als schwieriges Unterfangen herausstellen. Offenbar ist sich Creo dessen bewusst und versucht, die Verbrauchsmaterialien sowohl über den Zwischenhandel als über den Direktvertrieb zu vertreiben. Der Kunde soll wählen können, welches Modell ihm besser passt, rechtfertigte Sandler diesen Weg.
Im vergangenen Geschäftsjahr hat Creo mit Verbrauchsmaterialien rund 77 Millionen Dollar umgesetzt. Dieser Umsatz soll sich künftig verdoppeln. Doch derzeit können nicht genügend Platten geliefert werden. Nun wurden die Kapazitäten im amerikanischen Werk in West
Virginia gesteigert. Die von Sandler prognostizierte Steigerung bei den CtP-Platten um 50 Prozent erscheint realistisch, da derzeit relativ kleine Mengen produziert werden.
Wird Creo von Kodak übernommen?Kurz vor Redaktionsschluss wurde bekannt, dass Eastman Kodak (Kodak) offenbar an einer Übernahme des kanadischen Drucktechnologieexperten Creo interessiert ist. Beide Unternehmen befänden sich in entsprechenden Verhandlungen. Die Informationen stammen von der New York Times, die sich auf unternehmensnahe Kreise beruft. Erst kürzlich hat Kodak die 50-Prozent-Beteiligung am gemeinsamen Joint Venture KPG von Sun Chemical übernommen. (jf)
Israel Sandler, Corporate Vicepresident und Managing Director von Creo EMEA.
Creo baut das Plattengeschäft aus und erweiterte kürzlich sein Portfolio digitaler Bebilderungsmedien.
Jürgen Franck