Geste für Geistesmenschen

Kolumne Das Zeitungssortiment sagt mehr über ein Lokal als dessen Speisekarte. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot (respektive Gipfeli) allein.

Kolumne Das Zeitungssortiment sagt mehr über ein Lokal als dessen Speisekarte. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot (respektive Gipfeli) allein.Jeder halbwegs intelligente Gastronom weiss, dass man nicht nicht kommunizieren kann – selbst dann, wenn er Paul Watzlawick für einen polnischen Ringkämpfer hält. Und er sollte wissen, dass neben der Servicekultur und dem hoffentlich nicht vorhandenen Haar in der Suppe auch Zeitungen zu den Kommunikationsmitteln guter Gastronomie gehören.Wenn etwa in der Zürcher Kaufleuten-Bar die Herald Tribune aufliegt, ist dies ein Statement für die durchs Bankenviertel bedingte Internationalität und zugleich ein Service fürs mondäne Publikum. Und dass im Lily’s Stomach Supply an der Langstrasse die Bangkok Post zu finden ist, kommuniziert die kosmopolitische Grundhaltung dieser gehobenen Garküche. Ob die Weltwoche, die Wochenzeitung, die Schweizer Familie oder die Tierwelt ausliegt, sagt also einiges über die Kultur und Zeitgeist-Affinität eines Lokals und somit auch darüber, welche Klientel darin verkehrt. Zeitungen spiegeln die Identität einer Bar, Gaststätte oder Cafeteria. So prekär die finanzielle Situation in der
Gastronomie heute oftmals ist – für ein Abonnement des Blicks und der Regionalzeitung reicht es doch in den meisten Lokalen.
Nicht aber im Luzerner Starbucks. Lediglich eine Gratiszeitung liegt dort zur Lektüre auf. Sie heisst – o Wunder – 20 Minuten und ist in fünf gelesen. Dies ist erstaunlich, zumal Starbucks seine Kaffeehäuser als «Third Places» definiert, ein Begriff, der auf den amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg zurückgeht. Oldenburg bezeichnet damit jene dritten Orte (neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz), an denen urbane Zeitgenossen ihre Freizeit verbringen und jene soziale Nähe suchen, die sie im Single-Appartement vermissen.
In den USA sind gesellige Orte, an denen sich auch in Ruhe Zeitung lesen lässt, etwas Revolutionäres, weil die dortige Gastronomie auf Hochfrequenzen programmiert ist. Im alten Europa, speziell aber in Wien, kennt man Third Places hingegen seit langem. Man nennt sie nur anders. So war die «Kaffeehausaufsuchkrankheit» (Selbstdiagnose) von Thomas Bernhard darauf zurückzuführen, dass in den Wiener Kaffeehäusern Bräunerhof, Eiles und Landtmann immer zahlreiche internationale Zeitungen auslagen, darunter auch eine helvetischer Herkunft. Kein Wunder, schrieb der österreichische Schriftsteller einmal, ein Geistesmensch könne nirgends existieren, wo es keine Neue Zürcher Zeitung gebe. Denn Zeitungen verbinden den Kaffeetrinker mit dem Zeitgeschehen. Und signalisieren, dass er verweilen darf, ohne dass ihn ein Kellner viertelstündlich zu einer Bestellung nötigt.
Der Gründer von Starbucks,
Howard Schultz, sagte einmal, er verkaufe keinen Kaffee, sondern
15 Minuten Pause. Zugegeben, ein schöner Claim. Für dessen Glaubwürdigkeit muss in den Filialen aber mehr geboten werden als die Lokalausgabe einer Gratispostille. Denn für die Gäste stellt sich die Frage, was sie in der verbleibenden Zeit anstellen sollen, wenn sie die PR- und Agenturmitteilungen gelesen haben. In den leeren Kaffeebecher starren? Das Liebesleben von Stubenfliegen studieren? Oder die Pause um zehn Minuten verkürzen und dieses Kaffeehaus verlassen?
In Anbetracht des sich epidemisch ausbreitenden Geiz-ist-geil-Schwachsinns signalisieren abonnierte Qualitätszeitungen, dass dem Gastgeber seine Gäste etwas wert sind. Dieses Zeichen ist umso wichtiger, als man die Gäste für einen grossen Caffe Latte 6.40 Franken bezahlen lässt. Doch Starbucks hält seine Zielgruppe wohl für intellektuell derart unterbelichtet, dass sie nicht mit dem Blick oder der Neuen Luzerner Zeitung überfordert werden soll – geschweige denn mit einer NZZ. Bleibt die Hoffnung, dass diese Einschätzung nicht der Realität entspricht.
Francis Müller erwartet auch in US-Kaffeehäusern Qualitätsblätter zur Koffeinbrühe.

> Francis Müller ist freier Journalist und unterrichtet an der Zürcher Hochschule für Kunst und Gestaltung.

Immer Oberwasser

Caroline Thoma findet die SonntagsZeitung ein gutes Produkt. Dank frischen Ideen aus dem Verlag könnte es noch stärker werden.

Caroline Thoma findet die SonntagsZeitung ein gutes Produkt. Dank frischen Ideen aus dem Verlag könnte es noch stärker werden.Zum Tauchen ist ihr im Zürichsee zu dunkel. «Ich habe es versucht, konnte diesem Abenteuer bis jetzt aber noch keinen Reiz abgewinnen.» Mehr Spass als das Tauchen im Verband mit Felchen und Egli machte es Caroline Thoma, im Februar zusammen mit Mann und Freunden mehrere Wochen lang in den Malediven abzutauchen. Auf einer unbewohnten Insel hat sie ihren 40. Geburtstag gefeiert. «Exotische Fische im kristallklaren Wasser, Wohnen auf dem Safariboot, der klare Sternenhimmel, selber gefangene Fische auf dem Grill …» Eigentlich hätte sie diesen paradiesischen Urlaub ein ganzes Jahr lang ausleben können. Als sich abzeichnete, dass im Zug einer neuen Struktur Caroline Thomas Job als Verlagsleiterin bei der Annabelle aufgehoben würde, hat sie gehandelt. «Ich gehöre nicht zu den Menschen, die bis zum Schluss abwarten. Ich will selber entscheiden können, was ich mache», sagte sich die Powerfrau, bei der es vorher in mehr als einem Dutzend Jahren bei den Medien stets nur stetig nach oben gegangen ist. Die drohende Reorganisation war deshalb genau der richtige Zeitpunkt für ein selber gewähltes Sabbatical. «Es war aber klar, dass ich nicht ein Jahr lang Ferien machen will.»
Den idealen Ersatz zum gleichzeitigen Auftanken und Weiterkommen hat die Verlagsfrau an der Universität St.Gallen gefunden. Die Ausbildung zum Executive Master of Business Administration in Media and Communication bei Professor Glotz war ein Vollzeitkurs und wurde bei nur vier Teilnehmenden aus der Schweiz in englischer Sprache abgehalten. Zudem lockten Caroline Thoma zwei Module im Ausland. Drei Wochen lang durfte sie in Singapur die Medien studieren. Bei weiteren Projektarbeiten in San Francisco war sie auch auf der Ranch des Filmproduzenten Georg Lucas. «Es war interessant, mit ihm zu diskutieren», schwärmt Thoma. Doch nicht aus Hollywood, sondern aus der Werdstrasse ist dann der Anruf gekommen, der die viel gereiste Taucherin wieder an den Zürichsee zurückgeholt hat.
«Ich habe es zuerst dem Bauchgefühl überlassen: Wie wirkt es auf mich, wenn ich beim gleichen Unternehmen wieder durch die Tür laufe, wo ich vor einem Jahr ausgestiegen bin?»
Das Comeback machte Lust. Das Angebot als neue Verlagsleiterin der SonntagsZeitung hat Caroline Thoma schliesslich mehr gelockt als verschiedene andere Angebote, darunter auch eine ausgesprochen interessante Stelle im Ausland.
«Die Zeitung ist ein guter Brand, hat Substanz und bietet Potenzial für Neuerungen.» Mit dem Eintritt der NZZ am Sonntag hat sich der Markt verändert und ist spannender geworden. Es sei ein guter Zeitpunkt, das Produkt wieder einmal anzuschauen und nach frischen Ideen zu suchen.
Caroline Thoma gefällt es, dass sie in einem Verlag «ein breites Spektrum» an Aufgaben hat. «Ich möchte das Ganze sehen.» Aus diesem Grund wollte sie bereits 1991 von Agenturseite auf die Kundenseite wechseln und hat damals beim kurz zuvor gegründeten Cash angefangen. In der Ära von Ingrid Deltenre hat Thoma beim Wirtschaftsblatt während sechs Jahren die Stufen von der Werbeassistentin bis zur stellvertretenden Verlagsleiterin durchlaufen.
Danach wechselte Caroline Thoma zur Firma Swisscard AECS. Bei diesem Joint Venture von American Express und der Credit Suisse war sie als Head of Loyalty and Reward verantwortlich. Thoma hat damals das Bonusprogramm «Point up» für die neu lancierten Kreditkartenbrands aufgebaut. Stolz ist sie darauf, dass ihre neue Kundenzeitschrift mit einem echten Redaktionskonzept realisiert wurde und nicht einfach nur Dienstleistungen für Kunden bekannt machte.
1998 kam der Ruf von Annabelle, als Verlagsleiterin zu arbeiten. Tamedia-Manager Kurt W. Zimmermann hatte gerade die Orella gekauft, daraus sollte Annabelle Création werden. Mit Chefredaktorin Christa Löpfe hat Thoma im Zug der damals verfolgten Line-Extension-Strategie auch Annabelle Wohnen und Annabelle Business eingeführt.
Neue Sponsoringformen machten den Prix de Beauté möglich, den grössten Anlass für die Beauty-Branche in der Schweiz. «Wir haben es bei Annabelle verstanden, neue Kooperationsformen zu finden und einzuführen.» Die neuen Überlegungen, wie man etwas angehen kann, führten auch zu den Veranstaltungen «Annabelle Business». Dabei haben sich im Kaufleuten bis 500 Frauen versammelt, zum Beispiel für einen Abend rund um das Thema Netzwerken.
Schon während ihrer Agenturzeit hat Caroline Thoma ihr Diplom als Werbeassistentin gemacht, später folgten Marketing Planer und Werbeleiter. Dass sie jetzt noch den MBA erarbeiten wollte, hat zuerst einmal mit «einer grossen Neugier» zu tun. Die kürzlich in die Welt der 40-Jährigen Eingetauchte will aber auch vermeiden, dass «die immer besser ausgebildeten jungen Leute» ihr einmal einen Traumjob wegschnappen könnten. «Ich möchte immer die Möglichkeit haben zu wählen. Wenn mich etwas interessiert, möchte ich mich bewerben können.» Nach diesem Prinzip hat sie bereits gehandelt, als sie nach einer ersten Lehre als Dekorateurin feststellen musste, dass ihr ein zusätzliches KV bald einmal die interessanteren Türen öffnen könnte.
Caroline Thoma ist seit zehn Jahren mit einem selbstständigen Software-Ingenieur verheiratet. Sie lebt auf dem Land «in einer Art WG» mit Schwager und Schwägerin sowie deren zwei Kindern, Katzen und Hasen. Auch ein paar Kühe staunen über den Zaun, wenn wieder einmal Freilichtkino mit Beamer und einer grossen Leinwand im Garten angesagt ist. Dort werden gelegentlich auch Fliegerfilme gezeigt, denn Caroline Thoma will neben ihrem Tauchbrevet «eines Tages» auch noch den Flugschein machen.
Comeback bei Tamedia mit dem MBA im Rucksack: Caroline Thoma, Verlagsleiterin bei der SonntagsZeitung.
Andreas Panzeri

Kuoni, Ihr Amnesie-Beschleuniger

Tourismus Wirz Werbung besinnt sich auf eine bewährte Idee und lässt Kuoni-Kunden wieder alles vergessen.

Tourismus Wirz Werbung besinnt sich auf eine bewährte Idee und lässt Kuoni-Kunden wieder alles vergessen.Hatte die frühere Kampagne für den grössten Schweizer Reiseanbieter noch deutlich gemacht, dass man nach Kuoni-Ferien alles vergessen hat, so macht nun die aktuelle Kampagne von Wirz glauben, dieser Effekt stelle sich nicht erst nach, sondern bereits während der Ferien ein. Wirz lässt Kuoni-Kunden alles noch früher vergessen.Wer sich noch erinnert: Die Vergessen-Idee ist ursprünglich Advico Young & Rubicam eingefallen. Weil sie so gut in Erinnerung geblieben ist, hat Kuoni jetzt zur Bedingung gemacht, dass Wirz Werbung auch in der neuen Kampagne die Grundaussagen darauf abstimmen soll. «Damit ist uns der Ball sehr hoch zugespielt worden. Aber wir konnten ihn auch hoch übernehmen», ist CD Hanspeter Schweizer von seinen neuen Variationen überzeugt.
Die entscheidende Differenzierung: Wenn für die Touristen mit Kuoni in den schönsten Wochen des Jahres von A bis Z einfach alles stimmt, stellt sich das Vergessen nicht erst nach den Ferien ein – das entspannende Ausschalten des Kopfes beginnt schon am ersten Ferientag. Was dabei alles vergessen gehen kann und welche Folgen sich daraus ergeben, das sorgt nun bei Wirz für einige Überraschungen, aber auch für Bilder, die so richtig Sehnsucht nach Ferien wecken. Ebenfalls anders als in der Urkampagne sind in der erweiterten Variation die Szenen nämlich nicht im Heimatland, sondern in einer Ferienumgebung inszeniert worden.
Neben zwei Printsujets baut die neue Imagekampagne vor allem auf zwei Werbespots auf. In einem der neuen TV-Spots von Wirz Werbung wird gezeigt, wie eine Frau in den Ferien so beseelt in einem Wohnmobil durch die weite Landschaft von Arizona schwebt, dass sie vergisst, dass sie sich eigentlich in einem Auto befindet. Wenn ihr Hund schnell Gassi gehen will, öffnet sie ihm die Tür in voller Fahrt. Der Spot ist aber nicht so böse, dass der Hund gleich ganz auf der Autobahn vergessen würde. Der zweite Film zeigt einen Mann in verträumter Pose auf einem Liegestuhl am Strand. Er hat vergessen, dass er seine eigene Frau dabeihat und streichelt im Halbtraum eine andere.
Beide Spots sind vom spanischen Regisseur Sebastien Grousset subtil und mit entrückten Bildern in Szene gesetzt worden. Sie dramatisieren damit den Erholungsgrad «ziemlich unüblich, aber sehr anschaulich», wie Schweizer meint.
Wirz Werbung hat mit Grousset vor drei Jahren bereits einen Spot für Toyota gedreht, der in Cannes in die Shortlist gekommen ist. Für die Zeitung Die Welt sowie einen Spot für Mercedes hat Grousset in Cannes auch schon Löwen gewonnen.
Parallel zu diesen bewegten Bildern lässt die Printkampagne auch bei notorischen Workaholics die Lust aufkeimen, wieder einmal alles vergessen zu wollen. Ein Golfspieler hat den kleinen Unterschied zwischen einem Tennisball und Golfball vergessen. Eine Frau weiss nicht mehr, dass der linke Strandschuh auch zum linken Fuss gehören muss. Auch diese Sujets sind anders als in der Vorgängerkampagne nicht mehr zu Hause, sondern in einer Ferienlandschaft inszeniert worden. Die Kampagne startet diese Woche.
Das Hundchen muss Gassi – und geht fast vergessen: Für die TV-Spots hat Wirz den spanischen Regisseur Sebastien Grousset engagiert.
Die Flipflops sitzen nicht mehr richtig, und der Golfball hat die Gelbsucht – alles wegen Kuoni.
Andreas Panzeri

Freudscher Verschreiber

Oliver Classen über die Me-too-Lokalbeilage des Tages-Anzeigers.

Oliver Classen über die Me-too-Lokalbeilage des Tages-Anzeigers.Bis gestern dachten wir, der seit der (National-)Ära de Weck schwelende Minderwertigkeitskomplex des Tagi gehöre allmählich der Vergangenheit an. Schliesslich betont Tamedia-Boss Martin Kall bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit, Tamedia sei nur ein Verlags-KMU und stolz darauf.Doch eben erreicht uns aus selbigem Haus ein Werbebrief, gezeichnet vom amtierenden Chefredaktor Peter Hartmeier höchstselbst. Darin heisst es, mit der Lancierung seiner Regionalausgabe fürs linke Zürichseeufer sei der Tages-Anzeiger «dem Ziel, eine Komplettzeitung zu werden, einen entscheidenden Schritt näher gekommen».
Diesen Eindruck gewinnt man beim Durchblättern der ungehefteten 20 Seiten jedoch keineswegs. Wenn die grösste Abozeitung der Schweiz schon bis dato nicht vollwertig war: Das im Amtsblatt-Look gehaltene Lokaltabloid macht den publizistischen Braten von der Werdstrasse auch nicht feister. Dazu bietet es inhaltlich wie formal zu wenig Nährwert und Überraschungen. Und das marginalisierte Tagi-Logo im Zeitungskopf grenzt – bei allem Verständnis fürs Understatement der urbanen Invasoren – an Selbstverleugnung.
Im Vergleich zum kühnen Auftritt des Aargauer Vorbilds vor zehn Monaten ist dieses Beiblatt bestenfalls ein uninspiriertes Me-too-Produkt, wie sie dutzendfach auf den Medienmarkt kommen – und häufig bald auch wieder verschwinden. Deshalb: Wer strategisch und finanziell ein so grosses Risiko eingeht wie Kall & Co. mit ihrem Provinz-Tagi, sollte auch redaktionell und gestalterisch etwas wagen. Oder muss man von der verlegerischen Innovationsschwäche tatsächlich auf jenes mangelnde Selbstvertrauen schliessen, das in Hartmeiers freudschem
Verschreiber zum Ausdruck kommt? Egal, Amtsblätter gibts in der Schweiz jedenfalls schon genug.
> Oliver Classen, Redaktor

22 aus der Schweiz

Plakate Am Dreiländerwettbewerb für Plakatdesign «100 beste Plakate 04» lagen der Jury heuer 1100 Einzelplakate von über 400 Einreichern vor.

Plakate Am Dreiländerwettbewerb für Plakatdesign «100 beste Plakate 04» lagen der Jury heuer 1100 Einzelplakate von über 400 Einreichern vor.Aus Österreich stammten rund acht, aus der Schweiz etwa zwölf und aus Deutschland rund 80 Prozent. Mit 22 ausgezeichneten Arbeiten erzielte die Schweiz in Berlin eine überproportionale Siegesrate. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Wirz, JvM, Studio Geissbühler, Sputnik und die Agentur Ruf Lanz mit dem Sujet «Teetasse» für das Dolder Waldhaus. Der Teemarke, der das Motiv eigentlich zugedacht war, schienen die Henkel zu stark der Gesichtspartie eines Royals zu gleichen.

Grüne Signale für Affichage

Aussenwerbung Mit 2004 darf Affichage mehr als zufrieden sein. Jetzt werden Ziele im Ausland angepeilt.

Aussenwerbung Mit 2004 darf Affichage mehr als zufrieden sein. Jetzt werden Ziele im Ausland angepeilt.Affichage erwirtschaftet derzeit von seinem Gesamtumsatz rund 10 Prozent im Ausland, bis 2008 ist ein Anteil von 25 Prozent angepeilt. Wenn der grösste Coup gelingt, den sich Affichage für 2005 vorgenommen hat, dann wird sie ihr Umsatzziel im Ausland bereits dieses Jahr übertreffen: Sie rüstet sich für die Übernahme des viertgrössten deutschen Aussenwerbers, der Deutschen Eisenbahn-Reklame GmbH (DERG), einer 100-prozentigen Tochter der Deutschen Bahn (DB). Die DERG, die 2003 einen Umsatz von 163 Millionen Euro erwirtschaftete und die Werbeträger der DB an 5700 Bahnhöfen, 19000 Bahnwaggons und Lokomotiven sowie 7000 Brücken vermarktet, soll noch dieses Jahr verkauft werden. Gemäss Berichten aus Deutschland hat die DB ihre profitable Tochter angewiesen, die für den Verkauf nötigen Unterlagen zusammenzustellen. «Wir erwarten diese Unterlagen im März oder April», sagte Affichage-CEO Christian Kauter. Für ihn steht fest, dass Affichage ein eigenständiges Angebot unterbreiten wird. Kauter, der von einem Kaufpreis von 80bis 100Millionen Euro ausgeht, schliesst aber nicht aus, dass sein Unternehmen nach dem allfälligen Zuschlag einen Partner suchen wird.
Neben Affichage wollen auch andere international tätige Aussenwerber, so die französische Decaux-Gruppe, die amerikanische Viacom, der deutsche Marktführer Ströer, der Branchenzweite Freund sowie die Berliner Wall AG, um die DERG mitbieten. Mit weiteren, etwa Clear Channel, ist zu rechnen.
Dennoch rechnet sich Kauter für Affichage gute Chancen aus. Zum einen, weil das Unternehmen in der Schweiz seit rund 20 Jahren in der Bahnhofswerbung tätig ist, wodurch «sehr gute Synergien» erzielt werden könnten. Weiter verfügt der Aussenwerber über eine solide
Eigenkapitalquote von 66 Prozent, weshalb er für den DERG-Deal wohl problemlos zu Krediten kommen würde. Und drittens ist Affichage in Deutschland so gut wie nicht präsent, sie hält nur eine 25-Prozent-Beteiligung an einer kleinen Stuttgarter Firma von JCDecaux. Andere Bewerber müssten bei einem Zuschlag wettbewerbsrechtliche Probleme gewärtigen. Pikant übrigens: JCDecaux, der bei Wall zu 35 Prozent und bei Affichage zu 30 Prozent beteiligt ist, sitzt auch bei beiden im VR. Bei Affichage wird er beim DERG-Geschäft in den Ausstand treten müsssen; wie er es bei Wall handhabt, ist unklar.
Selbst wenn Affichage den grossen Einstieg in Deutschland nicht schaffen sollte, die Präsenz in Osteuropa via Europlakat International (EPI), dem Joint Venture mit JCDecaux, soll auf jeden Fall ausgebaut werden. Letztes Jahr konnte der Erlös dort um 10,2 Prozent auf 32,2 Millionen Franken erhöht werden, das Betriebsergebnis stieg gar um 23,4 Prozent auf 2,4 Millionen Franken. Für 2005 rechnet man bei EPI mit einem weiteren Umsatzzuwachs von knapp 10 Prozent.
Nach dem letztjährigen Zuschlag für Buswartehallen in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana sowie für den Städtevertrag von Budapest (Ungarn) liegt der Fokus dieses Jahr auf Bulgarien und Rumänien. Zum einen sind beide Märkte stark segmentiert, weshalb EPI Firmen kaufen will und mit Anbietern verhandelt. Zudem steht in der bulgarischen Hauptstadt Sofia ein Buswartehallen-Vertrag zur Ausschreibung an. «EPI wird sich beteiligen, wir rechnen uns dort gute Chancen aus», sagt Kauter. Als weitere mögliche Märkte für EPI nennt er zudem die Ukraine und Weissrussland. «Wir haben aber noch keine Fühler ausgestreckt», sagt der Affichage-CEO. Geld ist genügend vorhanden: Von den 120 Millionen Franken, die JCDecaux und Affichage (je 60 Millionen) für Investitionen vorgesehen haben, ist erst die Hälfte aufgebraucht.
Auch der dritte, letztes Jahr angekündigte Expansionsschritt nach Italien nimmt Formen an. Affichage will das schwierige Plakatgeschäft im kleinen Markt Tessin verstärken, indem sich der Aussenwerber über die Landesgrenze hinaus in die Region Insubrica vor die Tore Mailands vorwagt. Sie umfasst unter anderem die Städte Como, Lecco und Varese, ist stark mit dem Tessin verbunden und bildet gemäss einer Affichage-Analyse punkto Pendlerverkehr, Warenaustausch und Kommunikation eine Einheit.
Zusammen mit der Tessiner Bevölkerung wohnen dort rund eine Million Menschen. Die Aussenwerbung liege weitgehend brach. Derzeit laufen Verhandlungen mit einer kleinen Firma in Como zwecks Übernahme, ferner steht Affichage mit den städtischen Behörden um Verträge in Verhandlung. Ziel sei es, in Städten und entlang von Strassen ein Netz aufzubauen. Auch könne man später gegebenenfalls Richtung Süden vorstossen, sagt Kauter.
Nicht nur im Ausland, auch in der Schweiz hat Affichage im letzten Jahr zugelegt. Kauter zeigte sich erstaunt, dass Media-Focus bei der Plakatwerbung für 2005 ein Bruttominus von 4 Prozent ausweist, denn der Affichage-Verkaufserlös wuchs im Heimmarkt um 2 Prozent auf 268,1 Millionen Franken. Auch das Betriebsergebnis verbesserte sich um 3,5 Prozent auf 27,2 Millionen Franken, trotz Trend zu höheren Abgaben und Kommissionen, wie Kauter betonte.
Der Konzern als Ganzes schliesst mit einem Verkaufserlös von 300,3 Millionen Franken 2,9 Prozent über dem Vorjahr ab, das Ergebnis konnte gar um 5,1 Prozent auf 20,1 Millionen Franken gesteigert werden.
Neues CI und ein erstes Research-MusterAuf die GV im Mai hin erarbeitet Affichage einen neuen Gruppen-auftritt. Ziel sei es, den diversen Tochtergesellschaften wie E-Advertising, Paron oder Bercher einen einheitlicheren Auftritt zu verpassen, sodass deren Gruppenzugehörigkeit über das Logo besser erkannt werden könne, so CEO Christian Kauter. Vieles habe man intern entwickelt, für die Umsetzung habe man nun eine kleine liechtensteinische Firma beigezogen.
Bis in etwa einer Woche steht zudem auf www.affichage.ch ein Tool zum Download bereit, das aufzeigt, wie die Daten des Swiss Poster Research (SPR) erhoben und gewichtet werden und wie sie eingesetzt werden können. Es fliessen aber erst Musterdaten aus den Erhebungen in Winterthur und Zürich ein. Ein Tool mit Zugriff auf alle vorhandenen SPR-Daten steht gemäss Kauter 2006 zur Verfügung, dann, wenn auch die Stadt Genf erhoben sein wird. (mk)
Powerplay: Affichage will die Deutsche-Bahn-Tochter DERG kaufen, die an Bahnhöfen plakatiert.
Markus Knöpfli

Du bist nicht allein

Zeitschriften Just zum Frühlingsanfang startet Supersolo: die Anleitung zum Glücklichsein für Singles.

Zeitschriften Just zum Frühlingsanfang startet Supersolo: die Anleitung zum Glücklichsein für Singles.Singles sind eine attraktive Zielgruppe. Sie müssen sich up to date halten in Fragen von Mode, Stil und Körperpflege, um ihre Chancen auf dem Partnermarkt zu wahren. Sie suchen nach Angeboten für Unterhaltung und Selbstverwirklichung in ihrer ungeteilten Freizeit. Und sie haben Zeit zum Lesen.Mit diesem Gedanken lancieren Mario Romano und Angelika Schnetzer das Magazin Supersolo für männliche und weibliche Singles ab 25 Jahren. Es sei als «Lifestylemagazin mit Niveau» konzipiert, sagt Romano. In dem Segment verfügt er über Erfahrung: Gemeinsam mit Schnetzer gibt er seit fünf Jahren das Zeitgeistmagazin Massiv heraus. Der Hochglanztitel hat international bereits einiges Aufsehen erregt (siehe Kasten).
Ganz so prominent wie der Schwestertitel dürfte Supersolo nicht werden. Wenn auch Druck und Format dem von Massiv gleichen, steht hier doch der Nutzwert vor dem (gleichwohl nicht vernachlässigten) Stil. Supersolo solle eine Orientierungshilfe für Themen wie Partnerschaft, Liebe und Erotik sein, erklärt Romano. Aber auch Themen wie modernes Denken, Sport, Gesundheit und Prominente haben ihren Platz, ebenso Tipps für Ferien, Ausgang, Bücher und Musik. Die Leserinnen und Leser können zudem kostenpflichtige Kontaktannoncen schalten.
Dabei bietet das Magazin nicht nur für Singles etwas. Auch Paare, deren Beziehung neue Impulse braucht, sollen davon profitieren können. «Das Single-Magazin ist eigentlich für alle da, denn es ist das Magazin über die Liebe», schreiben die Herausgeber.
Romano und Schnetzer schätzen die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer ohne Partner auf rund eine Million. Mit der Startauflage zielen sie tiefer: 30000 Exemplare kommen am 4. März für 4 Franken an die Deutschschweizer Kioske oder werden an ausgewählten Orten aufgelegt. Im laufenden Jahr sind fünf Ausgaben geplant. Bei einer positiven Reaktion des Marktes will Romano den Rhythmus aber schnell hochfahren. Mitte März tritt ein Webauftritt (www.supersolo.ch) zur Zeitschrift hinzu, ausserdem sind Single-Events geplant.
Massiv beachtet Der St. Galler Schreibwerk Verlag
von Mario Romano und Angelika Schnetzer lancierte Massiv Ende 1999. Mit der aufwändigen Ausstattung und unkonventionellen Themen und Fotostrecken machte es sich schnell einen Namen.
Die Jeansmarke Diesel
wählte Massiv 2000 in einem Inhouse-Rating unter die neun besten internationalen Magazine, neben Titeln wie Vogue und i-D.
Von der Pariser Mediaagentur
Zenith Optimedia wurde Massiv 2002 in die Top 40 der international wegweisenden Zeitschriften aufgenommen – als einziger Schweizer Titel.
Heute erscheint Massiv
siebenmal im Jahr mit einer Druckauflage von 25000 Exemplaren. Das Magazin wird über Abonnements und am Kiosk
vertrieben. (sm)
Supersolo – «ein Magazin über die Liebe» nennen es seine Herausgeber.
Stefano Monachesi

JobChange

als Programmentwickler in der Abteilung «Kultur und Unterhaltung» verlässt Christoph Bürge (Bild) das Schweizer Fernsehen DRS in diesem Frühsommer.

als Programmentwickler in der Abteilung «Kultur und Unterhaltung» verlässt Christoph Bürge (Bild) das Schweizer Fernsehen DRS in diesem Frühsommer.Nach rund einem Jahr Er ist von SBS Broadcasting zum Chief Operating Officer der Prima-Gruppe in Rumänien ernannt worden. Die Gruppe besteht aus dem Sender Prima TV und zwei nationalen Radiostationen….
Anfang März 2005 verstärkt Andreas Florek (Bild) das Newsmagazin Facts. Er wird inskünftig als Gebietsverkaufsleiter für die Region Mittelland verantwortlich sein. Florek arbeitete in den letzten zwölf Jahren für verschiedene Mediaagenturen, unter anderem als Geschäftsführer von Media Planning Switzerland.
…
Geschäftsführerin Jane Borgström verlässt die Mediaagentur Carat Switzerland im Sommer. Sie zieht aus privaten Gründen nach Deutschland. Neuer Managing Director wird Christophe Waeber (Bild), zurzeit stellvertretender Verlagsleiter und Verkaufsleiter bei den Jean-Frey-Zeitschriften Bilanz und Weltwoche.
…
Sandro Prezzi (Bild) wird neuer Managing Director von Mediaedge CIA Zürich. Er kommt Anfang Juni von Optimedia, wo er seit 2001 als Mitglied der Geschäftsleitung für die strategische Beratung verantwortlich ist und eine Key Account Unit leitet.
…
Maria Müller ersetzt Karin Hug in der Funktion des Art Director beim Contentdesignbüro Haltestelle in Bern. Hug hat Anfang März zum SF DRS gewechselt. Müller arbeitete zuvor bei TeleBasel, New Identity und Ruweba Klein Kommunikation.
…
Seit Anfang März textet Florian Birkner (Bild) für Advico Young & Rubicam. Er war zuvor drei Jahre bei Scholz & Friends in Berlin tätig. Als neuer Art Director stösst Nicolas Vontobel (bisher Lesch + Frei) auf Anfang Mai zur Agentur.
…
Silvan Wyser ist neuer Leiter Marketing bei der GIA GraphaInformatik in Oftringen AG. Vor seinem Wechsel leitete er bei Swisscom IT Services den Bereich Marketing & Communications.

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Werbeverbote Nur keine Bange. Zwar tritt am Sonntag die Rahmenkonvention der Weltgesundheitsorganisation zur Tabakkontrolle in Kraft.

Werbeverbote Nur keine Bange. Zwar tritt am Sonntag die Rahmenkonvention der Weltgesundheitsorganisation zur Tabakkontrolle in Kraft.Von der Schweiz wurde der Vertrag aber nicht ratifiziert, weil noch diverse Gesetzesänderungen nötig sind. Diese betreffen unter anderem die Einschränkung der Werbung, das Zigarettenverkaufsverbot an Minderjährige sowie den Schutz der Nichtraucher in öffentlichen Räumen. Die Schweiz werde die Konvention erst in fünf bis sieben Jahren ratifizieren können, sagte Philippe Vallat, Leiter des nationalen Programms zur Tabakprävention, auf Anfrage der SDA.

Unikat verpackt Fenjal

Körperpflege Die Küsnachter Kommunikationsagentur Unikat hat einen neuen Auftrag von Doetsch Grether erhalten.

Körperpflege Die Küsnachter Kommunikationsagentur Unikat hat einen neuen Auftrag von Doetsch Grether erhalten.Sie wurde von der Basler Chemiefirma mit dem Naming und dem Product Design einer neuen Fenjal-Linie betraut. Das neue Körperpflegeprodukt wird bereits im Frühling 2005 in der Schweiz und in Deutschland lanciert.

«Für uns nichts Neues»

Agenturen J. Walter Thompson schwört neu auf kreative Ideen. Bei JWT+H+F rennt man offene Türen ein.

Agenturen J. Walter Thompson schwört neu auf kreative Ideen. Bei JWT+H+F rennt man offene Türen ein.WW Worldwide CEO Bob Jeffreys hat den 28. Februar 2005 zum «Tag der Geburt» von JWT erklärt. Die älteste Agentur der Welt will ihr Service-Image loswerden und hat sich der Kreativität verschrieben. Gibts auch bei JWT+H+F eine kreative Neuausrichtung?Remy Fabrikant Wir sind glücklich, dass das Netzwerk endlich nachvollzieht, was wir schon seit Jahren tun.
Andy Hostettler Remy und ich haben dieses Denken eigentlich in den Genen. Wir verfolgen dieses Konzept, seit wir unsere eigene Agentur haben, und sogar schon vorher bei Weber Hodel Schmid.
Kreativere Werbung gleich mehr Aufmerksamkeit gleich mehr Absatz und Erfolg, schreiben Sie in einer Mitteilung. Ist diese Gleichung nicht etwas zu
einfach?
Hostettler Wir sind ja nicht die Ersten, die das sagen. Vor drei oder vier Jahren hat Y&R auf der Basis des Brand Asset Valuator eine Studie gemacht und diese mit den Nielsen-Daten verschiedener Kunden verglichen. Dabei wurde bewiesen, dass kreative Werbung besser verkauft als durchschnittliche Werbung. Schauen Sie sich an, was Procter & Gamble macht: Jener Konzern, der rund 30 Jahre lang für dümmliche Werbung stand, fordert seit zwei Jahren von seinen Agenturen, dass ihre Kampagnen im Gunn Report vorkommen. Die haben begriffen, dass man mit kreativer Werbung aus dem Sumpf der Masse der Kommunikation herauskommt und die Leute mehr involviert.
Fabrikant Ein Grund für die Umpositionierung ist, dass grosse Netzwerkkunden sich beklagten, weil die alten Werbestrategien nicht mehr funktionieren. Dabei besteht ein kultureller Unterschied zwischen den USA und der Schweiz. Ein Grossteil der Werbevolumen geht in Amerika ins Fernsehen. Bei uns herrscht eine Medienvielfalt, gibt es zahllose Kanäle, aus denen Werbung auf die Konsumenten eindrischt. Trotz dieser umgekehrten Vorzeichen ist unsere gemeinsame Basis, über kreative Standards zu diskutieren und sie weiterzuentwickeln, in welchem Medium oder mit welchem Mix auch immer. Man muss aus diesem Matsch herausstechen können. Schafft man das, hat man die Aufmerksamkeit des Konsumenten für sich gewonnen. Erst dann ist man überhaupt in der Lage, ihm eine Botschaft zu übermitteln.
Alle JWT-Agenturen sind neu dem JWT-Success-Standard verpflichtet, der ihren Erfolg in zehn Stufen von «schädlich» bis «weltüberragend» misst. Ist dieser Massstab nicht etwas einfach geraten?
Hostettler Hinter diesen Standards stehen wir absolut. Sie sind auch nicht von heute auf morgen erfunden, sondern schon vor langer Zeit entwickelt worden.
Fabrikant Eigentlich ist das ja nicht einmal die Idee von JWT. Das sind die so genannten «Seven Plus», die Michael Conrad von Leo Burnett erfunden hat. Sie sollen uns helfen, Kreation bewertbar zu machen, besonders in der Diskussion mit den Kunden.
Hostettler Das ist der wichtigste Punkt. Wir stellen immer wieder fest: Jeder will eine kreative Kampagne, aber jeder versteht etwas anderes darunter. Darum möchten wir die Standards künftig bereits bei der Entgegennahme des Briefings einfliessen lassen: Kann diese Aufgabenstellung eine top-kreative Kampagne ermöglichen oder nicht? Wir werden die Standards als Messlatte anlegen und auch dem Kunden ans Herz legen, dass er uns daran misst.
Die deutsche JWT hat bereits Konsequenzen aus der Neuausrichtung gezogen und die Controllingabteilung ans Netzwerk outgesourct, um mehr Kreative einstellen zu können. Denken Sie an ähnliche Massnahmen?
Hostettler In Deutschland geht man so weit zu sagen: Es gibt bei JWT nur noch Kreative und Producer. Producer sind Desktopper, Produktioner, Buchhalter und so weiter. Zu den Kreativen gehören jetzt auch die Berater und die Strategen. Wir haben diesen Schritt gar nicht nötig: Bei JWT+H+F sitzen schon seit fünf Jahren alle Leute an einem einzigen Tisch, Stratege, Kreativer und Berater.
Nach 140 Jahren reduziert die Agentur ihren Namen auf die Initialen des Gründers. Werden Sie J. Walter Thompson vermissen?
Hostettler Überhaupt nicht. Wir haben ihn ja schon vor Jahren verabschiedet. Für uns ändert sich nur die Umsetzung des Logos.
Ideen für MenschenVon der serviceorientierten Organisation zum kreativen Organismus: Das ist die Vision von CEO Bob Jeffrey für JWT.
So definiert Jeffrey den neuen Agenturstandpunkt: «Wir müssen sicherstellen, dass mehr Menschen mehr Zeit mit den Marken unserer Kunden verbringen. Wir müssen Ideen erschaffen, mit denen Menschen mehr Zeit verbringen möchten. Je besser die Idee ist, desto mehr Zeit werden Menschen damit verbringen.»
Als Hilfsmittel dienen der neue Success -Standard (siehe Bild) und ein quantitativ-qualitatives Bewertungstool, das die Performance erstmals nicht nur nach finanziellen Gesichtspunkten misst. (sm)
Der JWT-Success-Standard: Messlatte für kreative Qualität.
Interview: Stefano Monachesi

Ein Auto wie im Märchen

Automobil In einer Teaserkampagne für Daihatsu rief FCBLK dazu auf, den grünen Frosch zu küssen.

Automobil In einer Teaserkampagne für Daihatsu rief FCBLK dazu auf, den grünen Frosch zu küssen.Daihatsu hat sich mit kleinen Autos eine grosse Vergangenheit geschaffen. Da in urbanen Gegenden der Platz knapper und teurer wird, will sich die Marke aus dem Toyota-Konzern auch in Zukunft mit Kompaktwagen klar von der Konkurrenz abgrenzen. Daihatsus Kompaktmodelle sollen auf ihre Weise mehr Platz bieten und viel Komfort, was aus höheren Klassen bekannt ist, und zugleich die Umwelt weniger belasten. Deshalb der Brandclaim: Grösser ist doof. Ascar, zuständig für den Import von Daihatsu in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein, entschied sich zur Schweizer Markteinführung des neuen Daihatsu Sirion für Lime Green Metallic als einzigartige Farbe – auch als Wink auf die umweltfreundliche Modellpalette von Daihatsu.
Die bald 100-jährige Toyota-Tochter, die seit über 20 Jahren in der Schweiz verkauft wird, hat die Weichen mit ihrem Leitsatz «we make it compact» frühzeitig und konsequent gestellt. Kompakte Fahrzeuge verbrauchen weniger Ressourcen und weniger Treibstoff, beanspruchen weniger Strassen- und Parkfläche und reduzieren das Entsorgungs- und Recyclingproblem.
Dieser klaren Markenausrichtung folgt auch die Marketingkommunikation, die für die Daihatsu-Fahrzeuge den Spagat zwischen Ökogedanke und komfortablem Privatverkehrsmittel schaffen will. Das überarbeitete Modell des Sirion inspirierte FCB Leutenegger Krüll für die Launchkampagne, die ganze Schweiz zum Küssen eines grünen Frosches aufzurufen. Nach der Teaserphase hat sich der Frosch in den neuen Sirion verwandelt.
Mit weiteren begleitenden Massnahmen will FCB Leutenegger Krüll dafür sorgen, dass auch jüngere Zielgruppen Interesse am neuen Wurf von Daihatsu finden werden und der Bekanntheitsgrad der Marke weiter ausgebaut werden kann. Die Umweltfreundlichkeit der Marke wird bis in den BtL-Bereich der Kampagne durchgezogen. Ganz abseits ausgetretener Werbepfade hat Daihatsu in den verschiedenen Schweizer Zoos Tierpatenschaften von bekannten und weniger bekannten Fröschen übernommen. Ob die PR-trächtige Aktion bei der angepeilten, eher kritischen Zielgruppe auf positive Resonanz stösst, steht noch offen.
Das Rätsel ist gelöst: Der Frosch, sofern geküsst, mutiert zum Kleinwagen.

35000 Opel stehen zum Test bereitTrotz aufgefrischter Modellpalette harzt bei Opel der Absatz (Schweiz 2004: minus 7,2% im Vergleich zu 2003). Alain Visser, seit Juni 2004 Vorstand des Marketings Europa, präsentiert am Genfer Automobilsalon eine neuartige Aktion: Nachdem die aktuellen Opel-Modelle in Vergleichstests der Fachzeitschriften mehrfach als Sieger hervorgegangen sind, soll diese Qualität nun für potenzielle Kunden erfahrbar werden – in der grössten Opel-Testfahraktion aller Zeiten. Rund 35 000 Autos kommen dabei in rund 40 Ländern Europas zum Einsatz. Das Spezielle an der Aktion ist nicht nur die Anzahl Fahrzeuge, sondern die Dauer der Probefahrt selber: Die Fahrzeuge werden den Interessenten während 3 Tagen zur Verfügung gestellt. Lust auf einen Shopping-Ausflug nach Mailand? (la)
Luca Aloisi

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