Crossmedia Das Büro Reinhold, Manifesto
Film und Universal Music machen gemeinsam Werbung für Graubünden. Sie
wollen damit nicht nur Gäste anlocken, sondern auch gleich in die
Hitparade.Die einen finden es anstössig. Für andere
ist die Idee hitverdächtig. «Move your Füdli» heisst das neu kreierte
«Bündner Antidepressivum gegen Null-Wirtschaftswachstum, Flachlandnebel und schwere Beine». Das
Rezept: Ein Werbespot wird zu einem Musikvideo ausgebaut, von Universal
in die Plattenläden gebracht und in den Musiksendern «heavy promoted».
Im besten Fall schafft der Werbe-song damit den Sprung in die
Hitparade. Wenn nicht, macht die Idee zumindest auffällig und
wirkungsvoll crossmedial Stimmung für Ferien in Graubünden.
Begonnen hatte alles an einem kalten Novembertag im Bündnerland. Die
Filmer von Manifesto Film waren auf der Suche nach drei urchigen
Bartträgern. Rund um die Graubünden-Kampagne aus dem Büro Reinhold
sollten diese in einem TV-Spot die Unterländer mit einer schrägen
Fitness-Show auf die Eröffnung der Wintersaison 2004/05 aufmerksam
machen. «Als Werbe- und Spielfilm-Regisseur bin ich an ungewöhnliche
Drehorte gewohnt, aber diese Casting-Aufnahmen werde ich nicht
vergessen», erinnert sich Reto Salimbeni.
Ein Stier, drei Mannsbilder
Er baute die Kamera in Domat-Ems im Stall von Landwirt Claudio Signer
auf. Als Claudio vor der Kamera seinen Part spielte, merkten die Filmer
plötzlich, dass nur wenige Meter hinter ihnen ein gigantischer, eine
Tonne schwerer Stier stand. «Dass er mit einem Nasenring gesichert war,
habe ich im ersten Augenblick natürlich nicht bemerkt und bin gehörig
erschrocken», erinnert sich Salimbeni. Claudio lachte darüber nur und
meinte: «Das isch dr Steve … er macht der nüt.»
Die Stimmung war jedenfalls gelockert, man hockte noch ein bisschen
zusammen – und der Rest nahm seinen Lauf … «Schon bei den ersten
Aufnahmen zeigten die drei Bündner Gion, Claudio und Toni viel
komödiantisches und auch musikalisches Talent», erklärt Salimbeni, der
früher selber Rockmusiker werden wollte. Aus Freude am Spass wurden
deshalb nach dem Filmdreh einige weitere Songs improvisiert und
aufgenommen. Dann war Universal Music Zürich von der «Fitta mit em
Gion»-Band derart begeistert, dass inzwischen gleich auch ein lüpfiger
Party-Song mit Video-Clip produziert wurde.
Die Single «Move your Füdli» ist seit dem 6. Januar in allen Schweizer
Fachgeschäften erhältlich. Inzwischen animieren die kultigen Jungs von
«Fitta mit am Gion» auch im Internet mit ihrem Song zum Bewegen des
Allerwertesten. Unter www.fitta-mit-am-gion.ch kann man seine eigene
Karaoke-Version zum Besten geben oder den drei urchigen Bündner
Individualisten beim Video-Clip-Dreh über die Schulter gucken. Auf der
von der Station AG produzierten Website kann man auch interaktiv in
einer schrägen Schneeballschlacht gegen die drei Originale antreten
oder sich die Boys als Bildschirmschoner runterladen. Eingefleischte
Fans können sich die schrägen Sprüche ihrer Lieblinge auch aufs Handy
laden. Des Weiteren erfährt man auf der Website allerlei Wissenswertes
über die drei Stimmungskanonen und das Fun-Projekt aus dem Hause
Universal, Manifesto und Reinhold.
Sauglattismus, oder?
In Graubünden, wo der Clip von vielen Bergbahnen auch auf ihren
Bildschirmen in den Warteräumen gezeigt wird, sind die Meinungen über
«Move your Füdli» gespalten. Hanspeter Danuser von St. Moritz oder
Armin Egger als Verkehrsdirektor von Davos stufen diese Art von Werbung
eher als «Sauglattismus» und nicht für ihre Kundschaft ab. Lob findet
hingegen Hans-Kaspar Schwarzenbach, Direktor von Arosa Tourismus.
Ebenso Olivier Federspiel, Direktor von Graubünden Ferien. Er hat den
Clip verschiedenen Tourismuspartnern vorgeführt und dabei «sehr
positive Reaktionen» bekommen. Reinhold Weber, seit 1989 für die
Graubünden-Werbung zuständig, zeigt sich glücklich über so viel
Wirkung, wenn die Idee für einen Spot sogar zusätzlich das Interesse
eines namhaften Plattenlabels wie Universal und damit auch viele Medien
provoziert hat.
Andreas Panzeri