Populistischer Pitbull-Alarm

Kolumne Vom Merker zum Macher: Stephan Russ-Mohl über Journalisten, die – statt politisch Handelnde zu beobachten – selber initiativ werden.

Kolumne Vom Merker zum Macher: Wie Journalisten statt politisch Handelnde zu beobachten selber initiativ werden.Diesen Lehrbuch-Klassiker kennt jeder
Publizistik-Student: «Hund beisst Mann» ist keine Nachricht, «Mann
beisst Hund» ist dagegen eine. Die Meldung ist so rar, dass sie allein
schon aus diesem Grund einen hohen Sensations- und Neuigkeitswert hat.
So einleuchtend das Beispiel sein mag – die Journalismuslehrbücher
müssten inzwischen allesamt umgeschrieben werden. Denn spätestens seit
ein paar Wochen wissen wir auch in der Schweiz, dass zumindest
Kampfhunde sehr wohl für Schlagzeilen sorgen können. Nachdem sie ein
paar Jahre zuvor schon in Deutschland und in Italien das Sommerloch
gefüllt hatten, fletschten diesmal hier zu Lande in der
Vorweihnachtszeit Pitbulls und Rottweiler auf zahllosen Titelseiten
ihre Zähne.

Dank des Boulevardblatts Blick erwiesen sich die Hunde sogar regelrecht
als kampagnentauglich: Nachdem drei Pitbulls in Oberglatt bei Zürich
einen sechsjährigen türkischen Jungen zu Tode gebissen hatten, wurden
auf Betreiben der Blick-Redaktion in der Schweiz innerhalb von drei
Wochen 175000 Unterschriften für ein sofortiges Kampfhundeverbot
gesammelt. Journalisten haben somit nicht nur die Lehrbuchregel ausser
Kraft gesetzt, sondern sind einmal mehr aus der Rolle des «Merkers» in
die des «Machers» geschlüpft. Statt politisch Handelnde zu beobachten,
haben sie selbst eine politische Initiative lanciert.

Aber schon bevor Kampfhunde Schlagzeilen füllten, hätte längst
irgendwer Zweifel anmelden müssen, ob das klassische Beispiel «Mann
beisst Hund» tatsächlich klug gewählt war. Zumindest wäre nachzufragen
gewesen, ob die Mitteilung wirklich Nachrichtenwert hat. Denn in dieser
Variante handelt es sich – ganz im Gegenteil zum traurigen Geschehen in
Oberglatt – ja «nur» um eine unterhaltsame, aber letztlich irrelevante
«soft news».

Der Tessiner Fernsehjournalist Aldo Sofia hat deshalb das bekannte
Beispiel abgewandelt: «Hund wackelt mit dem Schwanz» sei keine
Nachricht, «Schwanz wackelt mit dem Hund» dagegen in hohem Masse
berichtenswert. Wenn der Schwanz mit dem Hund wackelt, sollte dies
Sofia zufolge journalistische Ur-Instinkte wecken.
Um im Bild zu bleiben: Das Ungeheuerliche an der Blick-Kampagne war
nicht die Forderung des Kampfhunde-Verbots. Über sie kann und muss in
der Demokratie selbstverständlich diskutiert und entschieden werden.
Ungeheuer war, wie der Schwanz mit dem Hund gewackelt hat. Das
Boulevardblatt hat all jene gewählten Parlamentarier populistisch unter
Druck gesetzt und an den Pranger gestellt, die seiner
Gesetzgebungsinitiative nicht willig Beifall zollten. Der Publizist
Roger de Weck hat schon vor langer Zeit davor gewarnt, dass nicht
Politiker wie Blocher, Haider, Le Pen oder Bossi die Populisten seien,
welche die Demokratie gefährdeten, sondern die Boulevardmedien. Der
Blick hat mit seiner Pitbull-Kampagne diese Beobachtung eindrucksvoll
bestätigt.

 

Stephan Russ-Mohl leitet das Europäische Journalismus-Observatorium der Universität Lugano.

Der Radiomacher

Giuseppe Scaglione nimmt neben Radio 105 diesen Monat einen zweiten Sender Radio Monte Carlo Swiss in Betrieb.

Giuseppe Scaglione nimmt neben Radio 105 diesen Monat einen zweiten Sender Radio Monte Carlo Swiss in Betrieb.Mit 15 Jahren hat er seiner
Berufsberaterin erklärt, er wolle Musikhören zu seinem Beruf machen.
«Fauler Kerl», meinte diese und schickte Giuseppe Scaglione – wie es
sich in Basel gehört – in die chemische Industrie zur KV-Lehre.

Heute
geht  der «faule Musikhörer» jeden Morgen um halb sechs Uhr zum
Joggen und ist erfolgreicher Besitzer von demnächst zwei Radios. Am 26.
Januar feiert der Gründer von Radio 105 mit einer grossen Party den
Start von Radio Monte Carlo Swiss. Scagliones italienische Partner, die eine Minderheitsbeteiligung an 105
besitzen, betreiben seit Jahren schon Radio Monte Carlo in Italien
unter Lizenz. «Radio Monte Carlo ist weltweit einer der bekanntesten
Radio Brands», schwärmt Scaglione. Man kennt den Sender von Moskau bis
Paris. Und heute, wo das Markenbewusstsein auch bei einem
Medienunternehmen immer mehr zählt, sei es entscheidend, dass man mit
starken Brands operieren kann.

Monte Carlo macht altersmässig dort weiter, wo 105 aufhört. Die
Kernzielgruppe ist 25 bis 45 Jahre. Damit bewegt man sich im Visier von
fast allen Lokalradios. Monte Carlo soll sich aber «deutlich
unterscheiden» zum Beispiel von Radio 24. Zwar kann man den überall
verlangten Robbie Williams nicht anders tönen lassen. Scaglione will
trotzdem einen eigenen Stil charakterisieren «mit kleinen Eingriffen
von der Moderation bis zum Abspielen auch weniger bekannter Stücke».
Zudem soll es bei Radio Monte Carlo keinen Sauglattismus per Telefon
geben. Die News auf Monte Carlo Swiss werden zu Beginn von einer bestehenden
Redaktion übernommen. Die Eigenleistungen sollen aber ausgebaut werden,
meint Scaglione, der in seinen jungen Jahren auch eigene
journalistische Erfahrungen als unbezahlter Freelancer bei Radio
Raurach machen durfte.

Radio 105 verfügt mittlerweile über vier verschiedene Programme. Das
Hauptprogramm ist im Kabelnetz empfangbar sowie im Internet. Dort sind
unter www.105.ch auch noch drei komplementäre Programme in CD-Qualität
zu empfangen. Gemäss Radio Control wird Scagliones 105 von 50 000 Leuten gehört. Es
sei aber ein grosses Problem, den Konsum junger Leute wirklich richtig
messen zu können. «Je spezifischer die Zielgruppe, desto schwieriger
das Erfassen.» Die Rekrutierung des Publikums von Radio Control läuft
über Festanschlüsse, «aber junge Leute haben fast nur noch Handys».
Zudem sei es für einen Hip-Hopper kaum sexy, mit einer dieser grossen
Kontroll-Uhren in den Ausgang zu gehen. So ist zu erklären, dass die
Wemf-Zahlen für 105 fast dreimal höher wie die Zahlen von Radio Control
gemessen werden.

Werbung bei 105 wird in zwei Blocks pro Stunde gesendet. Bei Monte
Carlo wird nur noch einmal unterbrochen. Dafür soll mehr im
Sponsoringbereich ablaufen. Bereits gut funktioniert bei 105 eine
Zusammenarbeit mit der UBS. Die Bank lässt auf der Website des Radios
ihre Werbespots laufen. Zeichnet sich da ein Ausbau Richtung
Internet-Fernsehen ab? «Musik mit Clips bebildern, wäre ein kleiner
Schritt», verrät Scaglione. Das brauche auch keine Konzession, «obwohl
das Bakom da sicher nach Möglichkeiten der Kontrolle sucht». Aber:
«Mein Server kann in der Karibik stehen.»
Das Internet mit seinen Möglichkeiten ist für Scaglione «eine
Revolution». Tatsächlich kann man ein Internet-Radio wie 105 in New
York genauso empfangen wie in Zürich oder im hintersten Bergtal. Wieso
also kämpft Scaglione trotzdem so heftig für eine UKW-Frequenz? «Gleich
lange Spiesse wie die Mitbewerber», ist sein Argument.
Er weiss auch, dass das Hörverhalten seines Publikums im Verlaufe des
Tages wechselt. Nach der Arbeit wandern die Hörer vom Internet aufs
Kabel. Wenn das IP-Radio technisch noch mehr etabliert ist, wird sich
das aber ändern. «Unsere Zukunft wird deshalb nicht mehr von einem
Medienminister Moritz Leuenberger bestimmt, sondern Bill Gates wird für
uns die Hausaufgaben machen.» Die Zeit wird kommen, wo es Endgeräte
gibt, mit denen man Internet-Radio auch beim Gehen auf der Strasse
hören kann. Der Staat verliert also mit den digitalen Verbreitungsformen die
Legitimation, um Konzessionen zu verteilen. «Das stammt aus einer
antiquierten Denkweise», meint Scaglione, der gelegentlich auch als
«Schawinski des digitalen Zeitalters» tituliert wird.

Auch er polarisiert sehr stark. Wieso? Scaglione kann sich vorstellen,
dass der Anspruch, etwas Professionelles zu machen, «viele
verunsichert». Solange etwas harmlos ist und verniedlicht werden kann,
hat es viele Sympathien. Sobald höhere Ansprüche gestellt werden,
werden Ängste geweckt. «Das zeigte sich für mich deutlich in den
Stellungnahmen zum Jugendradio. Jeder war den Konkurrenten recht, nur
nicht wir.» Das kleine Imperium beschäftigt heute mit Freelancern zusammen
15 Leute und funktioniert fast wie eine Familie. Auch Scagliones Frau
Paula Libera arbeitet im Studio mit, was der Beziehung bei einem so
starken Einsatz für den Beruf «eher förderlich ist».

Andreas Panzeri

Rote sind im Bild

Politwerbung Die Zürcher SP setzt im Wahlkampf für ihren Gemeinderat erstmals auch auf Kinospots.

Politwerbung Die Zürcher SP setzt im Wahlkampf für ihren Gemeinderat erstmals auch auf Kinospots.Wer politisch etwas bewegen will, muss
eine neue Wählerschicht ansprechen und diese auch an die Urne bringen.
Mit dieser Erkenntnis hat die SP der Stadt Zürich nach neuen Wegen
gesucht, um vor allem auch ein jüngeres Publikum für ihre Anliegen zu
interessieren. Erstmals in der Geschichte der Wahlwerbung in der
Schweiz hat die Sozialdemokratische Partei für die kommenden
Gemeinderatswahlen in Zürich deshalb auf Kinospots gesetzt. Realisiert
wurden die fünf Spots von Andrew Katumba und seiner Bossa Films «als
technisches Experiment» und deshalb mit Gratisarbeit und Sponsoren,
also «mit null Budget, weil uns die Wahlen am Herzen liegen».

Die fünf Spots von je zehn Sekunden basieren auf der
Testimonial-Inseratekampagne der SP. Wählerinnen und SP-Sympathisanten
äussern sich zu Themen, die ihnen persönlich ein Anliegen sind. Die
Schaltungen mit digitaler Projektion in 21 Kinos der Stadt Zürich über
den ganzen Monat Januar kommen mit total 12000 Franken «wesentlich
billiger als Inserate», rechnet die rote Partei. Mit der Wahl von Kinos
wie Cinemax oder Corso hofft man zudem auf Wähler, die sonst nicht
unbedingt auf Politwerbung reagieren. «Im Kinosaal wird unserer Werbung
eine ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil», hofft SP- Sekretärin Susanne
Twerenbold.

Die SP der Stadt Zürich setzt aber auch im Print auf revolutionäre
Methoden. Nachdem man gesehen hat, dass die Gratiszeitung 20 Minuten
regelmässig ihr Titelblatt für bezahlte Werbung umhüllen lässt, wollte
die SP eine gleiche Idee auch mit dem Tages-Anzeiger realisieren. Für
das Umhüllen des letzten Züri-Tipps im alten Jahr hat der Verlag nach
einer Befragung der Redaktion kein Problem gesehen, obwohl es «kein
Geheimnis ist, dass ein Teil der Redaktion nicht begeistert war», wie
Parteichef Koni Loepfe erklärt.

Kurz vor der Wahl am 12. Februar werden ebenfalls noch vier
unkonventionelle Plakate zum Einsatz kommen. Diese zeigen die bereits
amtierenden Stadträte in einer Karikatur von Nico. Bereits zum vierten
Mal wird die Zürcher SP-Werbung von Rolf Preisig getextet. Raymond Naef
ist für die Grafik zuständig. Hermann Strittmatter spielt privat und
«ohne Honorar» eine beratende Rolle als Stratege.   

Andreas Panzeri

APG setzt PPI-Forschung fort

Im Rahmen des Forschungsprojekts Poster Performance Index PPI wendet die APG neu eine erweiterte Befragung an.

Die APG wird 2006 das Forschungsprojekt
Poster Performance Index PPI weiterführen, zusätzlich zur
Grundlagenstudie SPR, die sie nach dem Ausstieg von Clear Channel
Plakanda alleine betreibt (vgl. Newsmail vom 11.01.2006). Der Posttest
PPI wird ab Januar 2006 in einer grösseren Stichprobe erhoben: Neu
werden 400 Personen in den Agglomerationen von Bern und Lausanne zu
Erinnerung, Markenzuordnung und Gefallen von Plakatkampagnen befragt.
Ziel der erweiterten Erhebungsart sind laut Mitteilung einerseits
umfassendere Branchenauswertungen und andererseits die Möglichkeit,
Aussagen für Geschlecht und Altersklassen kombinieren zu können. Für
das nächste Jahr wird  der weitere Ausbau der Datenbank ins Auge
gefasst, die gegenwärtig rund 450 Kampagneneinträge umfasst.
Über die bisherigen Ergebnisse orientiert der PPI-Testbericht 1997 bis
2005, der unentgeltlich angefordert werden kann unter
http://www.apg.ch/publikationen oder Telefon +41 52 208 94 21.

Deadlines für die Cannes Lions

Ab Donnerstag 12. Januar können sich Werbetreibende und Journalisten online für die Cannes Lions registrieren.

Ab Donnerstag 12. Januar können sich Werbetreibende und Journalisten online für das 53. Internationale
Werbefestival in Cannes registrieren. Wer im «Delegate Handbook»
aufgelistet werden möchte, muss sich bis am 12. Mai 2006 anmelden.
Wettbewerbsbeiträge können ab 2. Februar 2006 eingereicht werden.

Urteil und Bussen gegen TV Glücksspiele

Das Zürcher Statthalteramt hat in erster Instanz entschieden, dass die auf mehreren TV Sendern angebotenen Glücksspiele wegen Verstosses gegen das Lotteriegesetz illegal sind.

Wie Radio DRS meldete, hat das Zürcher
Statthalteramt am 16. Dezember 2005 in erster Instanz entschieden, dass
die auf mehreren TV-Sendern angebotenen Glücksspiele wegen Verstosses
gegen das Lotteriegesetz illegal sind. Die Sender wurden in Höhe von
mehreren Tausend Franken gebüsst, müssen aber Einnahmen in
Millionenhöhe abliefern, wie die SDA mitteilt. Gegen das Urteil ist
rekurriert worden, die Fälle gehen nun an das Zürcher Berzirksgericht.
Das Verfahren gegen den Sender Star TV ist noch hängig.
Es handelt sich um Glücksspiele auf den Sendern Sat1 Schweiz, Viva
Schweiz, Star TV und den rein ausländischen Sendern Kabel 1 und DSF
(Deutsches Sportfernsehen), die der Bund als „verkappte Glücksspiele“
ansieht. Da für das Lotteriegesetz die Kantone zuständig sind, wurde
der Kanton Zürich tätig. Gemäss Statthalteramt verstossen die
Glücksspiele wegen der fehlenden Chancengleichheit gegen das
Lotteriegesetz. Bei den im Fernsehen erlaubten Wettbewerben müssen sich
Spielende auch kostenlos beteiligen können. Wegen des Verfahrens
stellten die Sender vor einem Jahr ihre Glücksspiele ein, bieten diese
seit Mitte 2005 aber wieder in abgeänderter Form und mit der
Möglichkeit der Beteiligung via Internet an. Gemäss Statthalteramt ist
aber die Chancengleichheit durch das Internet nicht gewährt, da nicht
alle Haushalte über einen Internetanschluss verfügten.
Gegen die TV-Gewinnspiele war im letzten April auch das Bakom
eingeschritten. Nach Einsprachen der Betreiber hat nun die
Rekurskommission für Infrastruktur und Umwelt das damalige Urteil
bestätigt. Die Verwendung der sogenannten Mehrwertdienstnummern für
solche TV-Spiele sei nicht rechtmässig, erklärte Kommissionsmitglied
Simon Meier der SDA. Die Sender haben ausserdem auch die Bestimmungen
zur Bekanntgabe der Gebühren per 0901-Nummern missachtet.

Gipfeltreffen

Design In St. Moritz haben sich kurz vor den Festtagen 33 Top-Designer aus aller Welt zum Design Summit der Loewy Foundation getroffen.

Design In St. Moritz haben sich kurz vor
den Festtagen 33 Top-Designer aus aller Welt zum Design Summit der
Loewy Foundation getroffen.Drei Tage lang nur Gedanken austauschen,
Probleme analysieren und Visionen entwerfen – das ist ein edler Zweck
des alljährlichen Design Summit in St. Moritz. Gastgeber dieser
Diskussionsrunde mit 33 Top-Designern aus aller Welt ist die Raymond
Loewy Foundation. In diesem Jahr repräsentierte das hochkarätige
Teilnehmerfeld zwölf Nationen, darunter viele Professoren von
Hochschulen für Gestaltung aus ganz Europa sowie China, Taiwan,
Südafrika und den USA. Erstmals hat auch ein Pre Summit in Zürich
stattgefunden, bei dem Wirtschaftsführer ihre Sicht der Dinge bei der
Ausgestaltung von Rahmenbedingungen in kreativen Prozessen aufzeigten.

Christof Gassner, CEO bei Kuhn Rikon, stellte sich in der Diskussion
der Designer zusammen mit Max Imgrüth, der neben seinem Marketing für
Bally-Design auch als geistiger Vater der Swatch-Läden in den USA
bekannt geworden ist. Die Frage: «Ist Design das Sand oder Öl im
Getriebe der Wirtschaft?», versuchte auch Olivier Quillet,
International Marketing Director bei Nestlé Nespresso, zu
beantworten.  Ein Fazit: «Money designs the world» und «schönes
Design funktioniert nur mit richtigem Marketing». Dafür ist es allein
das Design, welches zum Beispiel Nespresso-Maschinen bis ins Teeland
Indien verkaufen lässt und in einzelnen Ländern trotz einer Unmenge
anderer Espressomaschinen eine jährliche Verdoppelung des Umsatzes
einbringt.

I-Pod ist nicht nur Kult, sondern unangefochtener Marktleader, weil
Apple ein ganz besonderes Design gefunden hat. Swatch konnte sich gegen
tausende anderer Plastikuhren durchsetzen. Rolex kann seit Jahren allen
Imitationen trotzen. Und – ebenfalls eine vom Design geprägte Idee der
Vermarktung: Harry Potter hat Jugendliche zum Lesen gebracht, die
vorher nur Bildchen konsumierten.

«Design ist kein Luxus von erfolgreichen Firmen, sondern Design macht
Firmen und ihre Produkte erfolgreicher», war man sich bei den
Gesprächen einig. Umgekehrt: «Viele gute Erfindungen schaffen es nicht
auf dem Markt, weil das schlechte Design ein Produkt nicht zum grossen
Renner macht.»

Design sei also ein «sehr rationales Marketing», argumentierte die
Runde. Als Aufgabe muss sich der Designer dabei fragen: Was
funktioniert und schaut gut aus und macht auch noch Spass?

Einig war man sich auch, dass Luxusgüter in Zukunft wieder eine Chance
auf Wachstum haben, weil immer mehr Menschen in bisherigen
Entwicklungsländern sich gehobenen Konsum leisten können. «Die
Globalisierung der Qualität», haben es die Designer genannt. Design
wirkt ansonsten in einem Luxusmarkt gegen das Egalisieren.

Nach einer fachmännischen Begutachtung der neuen Weihnachtsbeleuchtung
an der Zürcher Bahnhofstrasse (www.werbewoche.ch/
weihnacht.werbewoche), reisten die Designer dann weiter nach St.
Moritz. Hier diskutierte man unter vielen anderen Themen auch über
«Stupid Design».  Die Eingeladenen der Loewy Foundation haben dazu
vorgängig Beispiele aus aller Welt auf einer Website
www.stupiddesign.com zusammengetragen.

Andreas Panzeri

Springer will nun doch ProSieben verkaufen

Springer zeigt sich in der geplanten Übernahme von ProSiebenSat.1 nun doch zu einem Kompromiss bereit.

Springer zeigt sich in der geplanten
Übernahme von ProSiebenSat.1 nun doch zu einem Kompromiss bereit, wie
die SDA berichtete. So bot der Verlag dem Kartellamt am Mittwoch an, ProSieben
an einen unabhängigen Erwerber zu verkaufen. Das Kartellamt hatte zuvor
den Verkauf der Bild-Zeitung oder einen der beiden Fernseh-Sender
gefordert. Springer hatte dies bis zu diesem Zeitpunkt abgelehnt. Der
Zeitpunkt des Verkaufs dürfte allerdings noch Grund von Diskussionen
werden: Springer will erst nach dem Deal verkaufen, das Kartellamt
besteht auf Verkauf vor der Fusion und auf einer getrennten Vermarktung
der Werbezeiten.
Der Verlag hatte zwar nach dem Veto der 
Medienfusionskontrolle KEK vom Dienstag betont, er wolle sein
Fernsehprojekt nicht aufgeben. Die KEK hatte die
ProSiebenSat.1-Übernahme mit der Begründung abgelehnt, durch den Kauf
würde Springer eine vorherrschende Meinungsmacht erlangen und die
Meinungsvielfalt bedrohen. Am Freitag, 13. Januar 2006, wollen die
Direktoren der Landesmedienanstalten über das KEK-Votum in Berlin
beraten.
ProSiebenSat.1 liess nach Bekanntwerdung der Veräusserungspläne von
Springer verlauten, der Vorstand könne einem Verkauf des Stammsenders
nicht zustimmen, weil dieser Schritt nicht im Intersse des Unternehmens
sei. Es gebe zahlereiche Synergien zwischen den beiden Hauptsendern der
TV-Gruppe.

Todesanzeigen bleiben gratis

Inseratemarkt Das Solothurner Tagblatt (ST) publiziert lokale Todesanzeigen auch in diesem Jahr wieder gratis.

Inseratemarkt Das Solothurner Tagblatt
(ST), die jüngste Splitausgabe der Berner Zeitung, publiziert lokale
Todesanzeigen auch in diesem Jahr wieder gratis. Dies geht aus der
Tarifdokumentation 2006 hervor. Damit nimmt das Konkurrenzblatt der
Solothurner Zeitung nun im fünften Jahr Gratistodesanzeigen entgegen.
Das war nicht immer so: Ganz zu Beginn im Oktober 2001 waren sie auch
beim
ST kostenpflichtig, doch wollte damals niemand welche platzieren. Die
Anzahl lokaler Todesanzeigen in einem Titel gelten aber in der
Verlagsbranche als Gradmesser für die Verankerung eines Titels.
Das weiterhin kostenlose Angebot zeigt: Um die Verankerung scheint es
nicht rosig zu stehen. Ein weiteres Indiz: Die Druckauflage des
BZ-Splits wird unverändert mit 10 000 Exemplaren angegeben, die
Reichweite des Gesamttitels hat jedoch im ST-Streugebiet (Bezirke
Solothurn, Lebern, Wasseramt, Bucheggberg) von 25 Prozent vor einem
Jahr auf neu 23 Prozent abgenommen. Das ST ist nicht mehr der einzige
Titel mit Gratistodesanzeigen: Seit letztem Herbst setzt auch der
Thurgauer Split des St. Galler Tagblatts dieses Kampfmittel ein. (mk)

Saarbrücker Zeitung: Lesertipps per SMS

Als erste deutsche Tageszeitung hat die Saarbrücker Zeitung einen Web-Service gestartet, bei dem die Leser der Lokalredaktion per SMS, MMS, Fax, Telefon und E-Mail Tipps geben können.

Als erste deutsche Tageszeitung hat die
Saarbrücker Zeitung einen Web-Service gestartet, bei dem die Leser der
Lokalredaktion per SMS, MMS, Fax, Telefon und E-Mail Tipps geben
können. Die Zeitung hat dafür eine zentrale Rufnummer und eine
Mailadresse eingerichtet. Die Texte und Bilder gehen direkt in der
Redaktionssystem der Zeitung, Journalisten sichten und bearbeiten dann
das Material. Im Internet werden die Leser-Nachrichten auf einer
eigenen Seite publiziert.
Chefredaktor Peter Stefan Herbst verspricht sich vom neuen Service eine
stärkere Leserbindung und Informationen, die sonst nicht zur Redaktion
gelangen würden. Selbstverständlich würden die Hinweise vor
Veröffentlichung geprüft und nachrecherchiert, sagte er gegenüber der
Netzeitung. Die Kosten der benötigten Software und die laufenden
Betriebskosten seien minimal. Die Software stammt von der norwegischen
Boulevardzeitung Verdens Gang, die den Webservice bereits seit zwei
Jahren betreibt.

„Puls“ erhält SV-Medienpreis 2005

Die SV Stiftung hat am Mittwoch zwei Journalistinnen der SF1-Gesundheitssendung „Puls“ mit dem SV-Medienpreis ausgezeichnet.

Die SV Stiftung hat am Mittwoch zwei
Journalistinnen der SF1-Gesundheitssendung „Puls“ mit dem
SV-Medienpreis ausgezeichnet. Alice Funk und Martina Lichtsteiner
erhielten diese Anerkennung für ihre Beiträge über Ernährung im Alter,
die als Schwerpunktthema in der Sendung vom 18. April 2005 ausgestrahlt
wurden. Die beiden Redaktorinnen überzeugten die Jury mit einer
umfassenden Berichterstattung, die abwechslungsreich und mit viel
Originalität und Verständnis für das Alter gestaltet war, wie die SV
Stiftung mitteilte. Der SV-Medienpreis wurde zum zweiten Mal verliehen
und ist mit 5’000 Franken dotiert. Er bezweckt die Förderung von
journalistischen Arbeiten aus dem elektronischen oder dem Printbereich,
die Erkenntnisse zum Thema Ernährung attraktiv und verständlich
vermitteln.

Die SRG privatisieren!

René Worni über den Ausweg aus privater Ohnmacht.

René Worni über den Ausweg aus privater Ohnmacht. Die Branche ist gewohnt, dass der
Präsident des Verbandes Schweizer Presse bei seinen Auftritten immer
wieder für Überraschungen sorgt und gelegentlich einen effektvollen
Rundumschlag lanciert. Das zeigt sich dann regelmässig in den Spalten
der Tagespresse. Auch an der diesjährigen Dreikönigs-Tagung enttäuschte
Hanspeter Lebrument nicht.

Klar ist ihm als Repräsentant der Zeitungsverleger die
gebührenfinanzierte SRG ein Dorn im Auge. Denn einige der Verleger,
Lebrument eingeschlossen, haben sich zu veritablen Medienunternehmern
mit Privatradios, Privatfernsehstationen und Webplattformen entwickelt.
Und bis zum Lifting des Schweizer Fernsehens mitsamt der neuen
Internetplattform galt Wohlverhalten als abgemacht: Die SRG ist mit dem
Verzicht auf Werbung (und wohl auch auf Sponsoring) im Internet
einverstanden, und irgendwann wird es im revidierten RTVG Gebühren auch
für die Privaten absetzen. Ersteres hat sich bereits als Fehlannahme
erwiesen: Da wird (ein bisschen) geworben und gesponsert. Bei Letzterem
wähnt der Verlegerpräsident eine auf Jahre angelegte
SRG-Verschwörungstheorie, mit wohlgesinnten Parlamentariern das neue
(nicht mehr so feudale) RTVG und damit das Gebührensplitting zum
Scheitern zu bringen. Die Position der Privaten dem staatlichen
Monopolisten gegenüber erscheint da irgendwie schmählich und
hoffnungslos.

Selbstbewusst und potent dagegen der Vorschlag von Lebrument, auf die
staatliche Presseförderung zu verzichten, zumal nicht mehr glaubwürdig
sei, wer als Verleger für Subventionen die hohle Hand mache. Lieber ein
einheitliches und marktgerechtes Tarifsystem der Post, oder die Verteilung grad
gänzlich selber organisieren, endlich Hand anlegen und die Staatsquote
beiseite schieben.

Diese Vision liesse sich zudem trefflich auf den Clinch mit der 
SRG adaptieren: Die Verleger bräuchten sich lediglich – dies dafür mit
Nachdruck – für die Privatisierung der SRG einzusetzen.

René Worni, Redaktor

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