Möbelmarkt Nach Jahren der kontinuierlichen internen Modernisierung will der ehemalige Marktleader mit neuem CI und Testimonial-Auftritt auch nach aussen attraktiver wirken. Denecke und Külling Identity feilten mit. In der aktuellen Liste der jährlich
erhobenen 50 wertvollsten Schweizer Marken der internationalen Agentur
Interbrand Zintzmeyer & Lux taucht die Suhrer
Einrichtungskette nicht mehr auf. Bereits 2004 gehörte Möbel Pfister zu
den Schlusslichtern. In der «Durchschnitts- marke» würde sich der
helvetische Einrichtungs- geschmack widerspiegeln.
Der gesunkene Markenwert lässt aber keinen Rückschluss auf den Share of
mind zu, denn der Bekanntheitsgrad unter den Branchenmarken ist nach
wie vor sehr hoch. Vielmehr haben andere Wirtschaftszweige und somit
auch ihre Marken im Haushaltsbudget der Schweizer an Bedeutung gewonnen
und die Marken der Einrichtungshäuser verdrängt. In allen
Einkommensklassen wird absolut wie relativ immer weniger für die
Einrichtung ausgegeben, wie das Bundesamt für Statistik festhält.
Sortiment statt Image beworben
An diesem Konsumverhalten konnten auch erhöhte Anstrengungen bei
Loyalitätsprogrammen und neuen Dienstleistungen nicht viel ändern. Mit
Ausnahme von Ikea wachsen selbst bei den grössten Einrichtungshäusern
die Umsätze seit Jahren, wenn überhaupt, dann nur gemächlich und nur
dank Erhöhung der Verkaufsflächen sowie auf Kosten der KMU der Branche.
Als im Januar Ikea mit einer Küchenkampagne und glänzenden Facts und
Figures auftrumpfte, sickerte in den Medien durch, dass Möbel Pfister
bald mit einem marketingtechnischen Coup aufwarten würde. Der neue
Markenauftritt lag spürbar in der Luft. Schliesslich entsprach das Bild
der Kunden längst nicht mehr dem Selbstverständnis des Unternehmens,
das vom Möbelhändler zum umfassenden Anbieter von Einrichtungslösungen
gewachsen war. Und so feilten die Verantwortlichen in Marktforschung
und Diskussionen seit Jahren an der Einführung eines Impact-starken und
eigenständigen Markenauftritts.
Als Martin Denecke, der bis vor vier Jahren Möbel Pfister bei Lowe GGK
betreute, in einer Agenturevaluation im letzten Herbst für die neue
Imagekampagne von Pfister gewählt wurde, hatte die CI-Agentur Külling
Identity, die bereits im Oktober 2004 für die Entwicklung eines neuen
Looks eingespannt wurde, ihren Teil im Rebranding schon erfüllt. Nach
20 Jahren strich Külling den Heritage-Teil «Möbel» aus dem Markennamen
und kreierte das inzwischen zwölfte Logo in der Geschichte der Firma.
Der Kunstgriff: Die Herkunft wird im neuen Claim mit dem erweiterten
strategischen Kompetenzfeld «Mehr als Möbel» aufgenommen.
Deneckes Aufgabe bestand nun darin, die schwache Wahrnehmung der
Innovationen beim Möbelhändler über den Werbekanal zu korrigieren:
«Trotz des Wandels mit neuen Produktlinien, Designfirmen, Accessoires
und Services konzentrierte sich die Werbung von Möbel Pfister auf die
Profilierung des Möbelsortiments und auf Kunden bindende Massnahmen.»
Derweil setzte das Image weiter Staub an. Die Produkte konnten zwar
gefallen, die Marke ihres Vertreibers jedoch wirkte veraltet und unsexy.
Menschen und ihre Lifestyles
Kurz vor der Umfirmierung am 1. Februar startete das Schweizer
Einrichtungshaus seine kommunikative Neupositionierung mit einem Teaser
und darauf mit einer Testimonial-Kampagne aus dem Hause Denecke. Die
Markenpersönlichkeit wird darin gleich von mehr oder weniger bekannten
Namen und Gesichtern für die sehr breite Zielgruppe personifiziert.
«Wir wollten keine Celebrities, sondern mit interessanten, spannenden
Leuten überraschen», weist Denecke auf einen wichtigen Unterschied zum
üblichen Endorsement-Konzept hin.
In der Breitband-Umsetzung sei die Institution Pfister – mit
Mainstream- bis zu Nischenprodukten – treffend dargestellt. Zugleich
ging es darum, neue Segmente zu gewinnen, ohne die bestehende
Kundschaft zu verunsichern. Ziel bei der Auswahl war es, in jeder
Zielgruppe eine hohe Glaubwürdigkeit zu erreichen und die einzelnen
Persönlichkeiten in Medien mit einer hohen Affinität zu platzieren. So
sei beispielsweise das Sujet mit Blacksocks-Gründer Samy Liechti eher
in Wirtschaftsblättern anzutreffen, jenes mit Simon Jacomet, dem
Entwickler der Zai-Skis, dagegen in Lifestyle-Magazinen.
Nebst dem vollen Dutzend Image-motiven bietet sich die neue
Werbeplattform auch für Spezialauftritte innerhalb kommerzieller
Sponsoringumsetzungen an. Erstaunt war Denecke über die hohe
Identifikation mit der Marke seitens der Persönlichkeiten. Denn es ging
nicht um die Abbildung einer Wohnsituation im Sinne einer Homestory,
sondern um die individuelle Interpretation von Wohngefühl. «Ich wollte
nicht sehen, wie sie wohnen, sondern welcher Typ sie sind», erklärt
Denecke. In den meisten Fällen hat man den Menschen in den Vordergrund
gerückt.
Auch wenn das Konzept zunächst als TV-Spot präsentiert worden war,
bleibt es bis auf weiteres bei Printwerbung. Dem obersten Ziel, die
Markenidentität einheitlich einzuführen und sich nicht zu verzetteln,
werden alle möglichen Kampagnenentwicklungen hintangestellt. Dafür,
dass man von diesem Weg nicht so leicht abrückt, sorgt Pfisters
hausinternes Imagebarometer, das laut Denecke seit über 30 Jahren die
Marke lückenlos misst.
Luca Aloisi
Martin Denecke
Nach einem Jahr als Co-Agenturleiter und Verwaltungsrat von Scholz
& Friends Zürich (2005) hat sich der erfolgreiche Kreative wieder
als freier Creative Consultant selbstständig gemacht. Martin Denecke
(50) hatte 1991 als Geschäftsführer und CD die GGK Basel übernommen.
Unter ihm schaffte die Agentur innerhalb weniger Jahre den Turnaround.
Kunden wie Cash, A. Lange & Söhne, Sunrise oder auch Credit Suisse
standen während dieser Jahre auf der Kundenliste seiner Agentur. Im
Jahr 1998 verkaufte er seine Anteile an Lowe GGK und schied 2002 aus
der Agentur aus. Denecke ist Ex-Werber des Jahres, langjähriges
ADC-Mitglied und wurde bei nationalen und internationalen
Kreativwettbewerben mehrfach ausgezeichnet. (la)